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Wer wählt was und was hat das mit Politik zu tun?

Sehr interessanter Artikel über die „backstage“-Landschaft der politischen Parteien, deren Werte und Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten – also Koalitionen zu bilden.
Werte spielen dabei eine ganz wichtige Rolle.

Für uns als Christen stellt sich immer die Fragen: Wen oder was können wir wählen? Wählen wir Parteien oder wählen wir Personen? Welche Werte vertreten sie?

Man ist ja inzwischen immer stärker geneigt, Personen zu wählen, da sie anscheinend die noch größere Stabilität garantieren. Eine Partei kann innerhalb weniger Stunden ihre Meinung ändern (so wie á la Kurt Beck: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?)
Aber in der politischen Auseinandersetzung gehen die Werte immer weiter unter – zugunsten der politischen Machterhaltung. Da koaliert eine SPD lieber mit den Linken (oder lässt sich von ihnen wählen…) als sich an ihr Wahlversprechen zu halten.
Denn so könnten sie die Ministerpräsidentin stellen.


Keiner kann mit keinem

von Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid

Nichts geht mehr nach den Landtagswahlen in Hessen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Die Entscheidung für den richtigen Koalitionspartner ist – siehe Hessenwahl – oft die noch spannendere Wahl. Dabei wird so getan, als würden die Wähler alle Koalitionskakophonien widerstandsfrei akzeptieren. Oft allerdings wird zusammengehörig gemacht, was nicht zusammengehört. Ein Blick hinter die Wertestruktur einzelner Wählergruppen zeigt klar, was bündnistechnisch möglich ist: Fast nichts!

Die Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen haben zumindest eines belegt: Deutschland hat kleine große und große kleine Parteien. Und ein Fünfparteiensystem, das es notwendig macht, über neue, aufregendere Parteienkonstellationen nachzudenken.
Die Phase der Koalitionsverhandlung ist inzwischen die Zeit der Wundertütenpolitik: Nie war der Wähler unsicherer, was er letztlich gewählt hat. Wer SPD ankreuzt, kann Rot-Schwarz, aber auch Rot-Dunkelrot gewählt haben, die Sozialdemokraten koalieren derzeit mit jeder Partei. Und CDU-Wähler finden sich statt mit der FDP plötzlich in einem Bündnis mit der SPD wieder. Die Nachwahlzeit dominiert das „Toyota-Syndrom“: Nichts ist unmöglich…

Doch im „Anything goes“ ist der Koalitionsstreit gleich miteinprogrammiert. Je stärker Machtinteressen dominieren, desto weniger wird auf das „Passt schon“ bei der Bildung von Bündnissen Wert gelegt. Obwohl Politiker genau wissen, dass für erfolgreiche Koalitionen ähnliche Wertemuster ihrer Wähler unverzichtbar sind, spielen diese bei der Partnerwahl keine Rolle. Ärger, Streit, oft sogar das Aufkünden sind die Folgen.
Notwendig ist also, möglichst gut über das Wertebild der eigenen und der Wähler möglicher Koalitionspartner informiert zu sein. Schließlich sind Werte Vorstellungen der Politwünsche, die Einstellungen, Verhalten, letztlich also die Stabilität von Regierungen bedingen. Koalitionen funktionieren nur dann, wenn sie das Wertemapping ihrer Wähler angemessen berücksichtigen.
Dazu hat TNS Emnid das Modell „Semiometrie“ („Wörtermessung“) entwickelt. Dieses misst die Wertestruktur von Wählern anhand von 210 Begriffen, die sich in 14 Wertedimensionen zusammenfassen lassen. Diese Grundwerte wiederum sind als Position in einem zweidimensionalen Raum darstellbar, deren Achsen die Endpunkte sozial versus individual sowie Pflicht versus Lebensfreude definieren.
Die Sympathiemessung dieser Begriffe identifiziert also die Wertestruktur unterschiedlicher Wählergruppen. Und beantwortet brennend aktuelle Fragen wie: Geht Schwarz-Grün? Wie differieren deren Wähler? Und sind diese überbrückbar? Wie nah liegt Rot-Dunkelrot beieinander? Und ähneln die FDP- eher den CDU- oder SPD-Wählern? Wie gut repräsentieren Kurt Beck oder Angela Merkel die eigenen Anhänger? Und ist es ein Nachteil für die SPD, auf Müntefering verzichten zu müssen?
Antwort auf diese Fragen liefert das Profil der verschiedenen Anhängerschaften: Welche Werte charakterisieren welche Wähler?

Die CDU/CSU-Wähler sind konservativ – homogen! Sie eint ihr Werte- und Pflichtbewusstsein, ihre Traditionsverbundenheit, andererseits nur geringer Hedonismus und Abenteuerlust. Keine Partei kann ihre Wähler gezielter und einheitlicher ansprechen.

Ganz anders der SPD-Wähler, den es im Grunde nicht gibt; es gibt gleich zwei Typen: einerseits den pflichtbewussten, redlichen, gewerkschaftlich orientierten Arbeiter. Genauso häufig den intellektuellen, kulturell interessierten Akademiker. Beide passen nicht zusammen. Für die SPD gilt wie für keine andere: „Ich bin zwei Parteien!“

Die FDP-Anhänger charakterisieren sich durch Machtstreben und Hierarchiebewusstsein, Solidarität und Familienorientierung sind eher Fremdbegriffe.

Der typische Grüne ist idealistisch, intellektuell und emotional. Dagegen kaum traditionsverbunden, pflichtbewusst, materiell und konfliktfreudig.

Viel schwammiger dagegen ist das Profil der Linken. Hauptcharakteristikum ist deren Pragmatismus: Sie handeln nicht nach Idealen, schon gar nicht im Wunsch, die Gesellschaft sozial zu verändern. Sie einen persönliche Vorteile, die sie durch Politagitation erreichen können. Linkswähler sind stramme Egoisten.

Das prägnantste Profil haben die rechten Wähler: Kritisch, kämpferisch und dominant sind sie wie keine andere Wählergruppe. Pflichtbewusstsein, Werte und Intellekt sind ihnen dagegen fremd. Die Wähler von Rechtsparteien identifizieren sich nicht über Inhalte noch politische Ziele. Sie verbindet ihr gefährlicher Wille zur Macht.

Was nun sind die Konsequenzen dieses Wertemappings für den politischen Alltag im Fünfparteien-Deutschland? Wenn Dreierkoalitionen zur Regel werden? Was geht, was unter Qualen, welche Bündnisse nicht?

Schwarz-Grün respektiert in keiner Weise das Werteprofil ihrer Wähler, zwischen ihnen gibt es keinerlei Parallelität. Die Zeit ist längst nicht reif für Schwarz-Grün: Wo die CDU Traditions-, Pflicht- und Wertebewusstsein hat, orientieren sich Grüne an Emotionen und Sinnlichkeit. Was den Union-Sympathisanten wiederum ziemlich fremd ist.

Genauso schwer wäre für die SPD die Koalition mit den Linken, den Lafontaine-Faktor nicht einmal eingerechnet, zu ertragen: Vor allem das „alte“ Arbeitermilieu kann gar nichts anfangen mit den politisch eher desinteressierten, dafür aber stark egozentrierten Dunkelroten.

Auch Koalitionen mit der viel umworbenen FDP gestalten sich schwieriger als gedacht: Gerade in ihrer „unsozialen“ Haltung „passen“ FDP-Partnerschaften nicht wirklich, schon gar nicht zu SPD und Grün. Eine Ampel erlaubt das Werteprofil nicht, eine „Schwampel“ kaum.

Die Wunschkoalition der Deutschen ist die „Große“, zumindest solange bei der SPD der Wertekern erhalten bleibt. Schwarz-rote Wähler eint Pflichtbewusstsein und Moral – keine schlechte Voraussetzung in einer Zeit, in der der Werteverfall in der Gesellschaft mit Recht beklagt wird.

Weil die Unterscheidbarkeit der Parteien – inzwischen halten fast 80 Prozent die Parteiprogramme der Großen für austauschbar – extrem nachlässt, kann die Bedeutung der Spitzenkandidaten, wie Hessen und Niedersachsen gezeigt hat, nicht überschätzt werden. Neben Sympathie und Kompetenz dominiert dabei die Adäquanz. Die Frage also, wer zum Werteprofil der Wähler „passt“.
Um Erfolg zu haben, sollten Partei- und Politikerprofil die gleichen Wähler ansprechen. Wo trifft das zu, wo nicht?

Für die CDU-Wähler verkörpert Wolfgang Schäuble am ehesten deren Wertevorstellungen. Angela Merkel ist vielen zu rational, außerdem traditionsfremd. Schäuble verkörpert dagegen Union-Tradition und deren konservatives Weltbild. Eine unter Politikern seltene Identität ist zwischen der Kanzlerin und Ursula von der Leyen zu finden.
Bei der SPD ist der Wertesteckbrief Kurt Becks am weitesten vom SPD-Bild entfernt. Passender Kandidat ist Außenminister Steinmeier, er symbolisiert Pflichtbewusstsein und Disziplin am ehesten. Ein gemeinsames Manko von Beck und Steinmeier: Keiner bedient den „Stallgeruch“, den meisten sind sie zu rational und pragmatisch. Das Resümee: Beck verkörpert das Profil der SPD-Wähler schlechter als Merkel das der CDU-Anhänger.
Links-Wähler identifizieren sich weit stärker mit Gregor Gysi als mit Oskar Lafontaine. Grund ist der hohe PDS-Anteil, also die Dominanz ostdeutscher Werte innerhalb der Linken. Daher gilt der Westdeutsche als zu konfliktfreudig, Gysi bedient dagegen deren atheistische Grundhaltung.
FDP-Anhänger und Parteichef Guido Westerwelle wollen ebenfalls nicht recht zusammenpassen: FDP-Anhänger bemängeln sein zu soziales und werteorientiertes Auftreten sowie seine zu geringe Kampfbereitschaft.

Wie in den Märkten gilt auch in der Politik: Die Wähler werden immer beweglicher und anspruchsvoller, der Wettbewerb um das richtige Kreuzchen immer intensiver und zielgruppenfokussierter. Was Wähler wirklich wollen, ist nicht nur durch Angebot, Argument und Aktualität bestimmt, Wollen, Wünsche, Werte spielen eine ähnlich wichtige Rolle: Werte selektieren, strukturieren, stabilisieren und konformisieren den Wählerwillen. Nur durch sie kann der Wechselbereitschaft Einhalt geboten werden.
Die Qual der Wahl, ob vor dem Kreuz mit dem Kreuzchen für die Wähler oder nachher für die Parteien: Es gewinnt zumeist der, der weiß, wie Wähler ticken.

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