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Keine Toten in der UN-Schule

Hat Israels Armee während des Gazakriegs eine UN-Schule in Dschebalija mit Granaten beschossen? Zögernd nähern sich Vereinten Nationen und Israel der Wahrheit.

Israels Armee selbst sprach von einer Tragödie. Am 6. Januar war während der Bodenoffensive im Gazastreifen eine Schule des UN-Hilfswerks für die Palästinensischen Flüchtlinge (UNRWA) in Dschebalija ins Visier geraten. 43 Palästinenser kamen ums Leben, als drei Granaten das Schulgelände „direkt trafen“, wie das UN-Menschenrechtsbüro mitteilte. UN-Vertreter warfen Israel vor, die Schule angegriffen zu haben, obwohl die Koordinaten sämtlicher UN-Einrichtungen bekannt seien. Ein vorsätzlicher oder fahrlässiger Angriff auf ein ziviles Ziel wäre ein Kriegsverbrechen – logisch, dass es weltweite Empörung über den Vorfall gab.

Israels Regierung warf ihrerseits der Hamas ein Kriegsverbrechen vor: Deren Kämpfer hätten vom Gelände der Schule aus israelische Truppen mit Mörsergranaten beschossen und damit ein ziviles Gebäude als Schutzschild missbraucht. Die Armee habe das Feuer nur erwidert. Das ist nach internationalem Recht gestattet. Zudem seien zwei militante Hamas-Mitglieder, die Brüder Iman und Hassan Abu Ashkar, unter den Toten gewesen.

Berichte von Augenzeugen

Nun scheint sich herauszustellen, dass die Vorwürfe gegen Israels Armee ebenso unkorrekt waren wie deren Verteidigungsstrategie. Die kanadische Zeitung „The Globe and Mail“ zitiert Augenzeugen der Tragödie, darunter einen Lehrer der UN-Schule. Sie berichten übereinstimmend, es habe keine Toten auf dem Schulgelände gegeben. Drei Granaten seien nahe der Schule explodiert, auf der Straße. Die Leichen der Menschen, die der Beschuss das Leben kostete, seien alle außerhalb der Schule gefunden worden.

UNRWA-Sprecher Christopher Gunness bestätigte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ diese Berichte. John Ging, der UNRWA-Koordinator in Gaza, bestätigte die Darstellung in einem Interview ebenfalls, gab aber Israel die Schuld an der Verwirrung. Er habe nie behauptet, dass es auf dem Schulgelände Tote gegeben habe. Dazu, dass die internationale Berichterstattung aufgrund von Meldungen der UN einen anderen Eindruck erweckte, äußerte sich Ging nicht.

Hintergrund dieser Rolle rückwärts: Auch die Vereinten Nationen hätten sich unangenehme Fragen gefallen lassen müssen, wenn die Israelis tatsächlich als Reaktion auf Beschuss eine UN-Schule angegriffen hätten. Die UN hätten erklären müssen, wie Bewaffnete auf eines ihrer Gelände gelangten. Zumal die UNRWA sich häufiger dem Vorwurf ausgesetzt sieht, im Konflikt mit Israel allzu parteiisch zu sein. So feuerten palästinensische Terroristen im Oktober 2007 vom Hof derselben UN-Schule in Dschebalija Raketen ab. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte dies damals scharf. Die UN beteuerten, Terroristen hätten das Gelände genutzt, nachdem es geräumt worden war, um Mitarbeiter und Schüler vor einem israelischen Angriff in Sicherheit zu bringen.

Im Mai 2008 stellte sich heraus, dass ein Lehrer einer Jungenschule des Hilfswerks in Rafah nebenbei Raketen für die Terrorgruppe Islamischer Dschihad baute. Die Sache flog erst auf, nachdem Awad el Kiq bei einem israelischen Luftangriff getötet worden war. Die UNRWA betont dagegen, man habe eine „Null-Toleranz-Strategie“ gegenüber Kollaborateuren unter den geschätzt 9.000 Mitarbeitern in Gaza.

Beweislage kompliziert

Man sei zu 99,9 Prozent sicher, dass keine Militanten von der Schule aus kämpften, hatte UNRWA-Sprecher Christopher Gunness einen Tag nach dem Drama in Dschebalija mitgeteilt. Dies schließe aber nicht aus, dass Militante in der Nähe der Schule operiert hätten, so Gunness vorsorglich. Nun stellt sich heraus, dass sich Israels Armee und das UN-Hilfswerk viel einiger sind über den möglichen Ablauf der Tragödie als sie öffentlich behaupteten.

Schon in ersten Medien-Berichten wurden palästinensische Augenzeugen zitiert, eine kleine Gruppe von Hamas-Kämpfern habe aus einer Straße in der Nähe der Schule geschossen und sich auf der Flucht vor der Reaktion der Armee unter die Flüchtlinge gemischt. Der Sprecher der israelischen Botschaft in Berlin, Aaron Sagui, sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ damals, Soldaten seien mit Granaten beschossen worden und hätten daraufhin zurückgeschossen – „in die Richtung, aus der die Angriffe kamen“. Darauf, dass die Richtung definitiv „innerhalb“ des Schulgebäudes endete, legte sich auch Israel zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr fest.

Kriegswirren allein erklären dieses Verwirrspiel nicht, das schlechte Verhältnis zwischen Israel und den UN spielt ebenfalls eine Rolle. Denn UN-Behörden gaben Stellungnahmen ab, die den Berichten eigener Mitarbeiter widersprachen, und stellten so einen Mitgliedsstaat an den Pranger, dem ein Großteil des UN-Personals nicht gerade wohlgesonnen ist. Israel seinerseits beantwortete die Stellungnahme falsch, indem es zunächst behauptete, es sei „aus der Schule heraus“ geschossen worden – womit die Glaubwürdigkeit einer Organisation in Frage gestellt wurde, der Israels Politik oft mit tiefem Misstrauen begegnet.

Die Tragödie von Dschebalija wird allerdings nicht dadurch kleiner, dass sie nicht innerhalb der Schule stattfand. Umstritten bleibt, wer wann auf wen geschossen hat. Beweise dürfte es kaum geben. Israels Militär hält zwar viele seiner Aktivitäten über Drohnen oder Satellitenbilder fest – Operationen der Infanterie sind aber nicht darunter.

Keine Toten in der UN-Schule – Kölner Stadt-Anzeiger.

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