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Was sind eigentlich Antideutsche?

Der Vorfall in Duisburg, bei dem die Polizei eine Wohnung aufbrach, um eine aus dem Fenster hängende Israel-Fahne zu entfernen, weil sich dadurch – gegen den Gazakrieg demonstrierende – „Friedensfreunde“ provoziert sahen und ihre Wut (es wurde „Tod Israel“ und „Verrecke!“ gebrüllt, Gegenstände flogen gegen das Fenster, Eisbrocken, ein zusammengeklapptes Taschenmesser, ein Nagelknipser, möglicherweise auch Steine) leider nicht mehr zurückhalten konnten, nahm der NRW-Verfassungsschutz-Chef Hartwig Möller zum Anlass, die Provokateure etwas näher zu beleuchten.

Herr Möller, im Zusammenhang mit pro-israelischen Bekundungen bei Nahost-Demonstrationen tauchen in der Szene regelmäßig so genannte Antideutsche auf. Wie schätzen Sie die ein?

Möller: Die Antideutschen sind zum ersten Mal zur Zeit der Wiedervereinigung 1989/90 öffentlich in Erscheinung getreten. Sie waren dann verstärkt aktiv im Zusammenhang mit der ersten palästinensischen Intifada 2000 und nach den Terrorattacken auf die USA vom 11. September 2001.

Als Reflex auf die vielen pro-palästinensischen Demonstranten infolge des jüngsten Gaza-Kriegs zeigen sie sich aktuell wieder verstärkt. Es handelt sich um eine eindeutig linksextreme, antifaschistische und antiimperialistische Bewegung, die allerdings in der linken Szene eine Minderheit darstellt. Sie unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von der Mehrheit: Im Mittelpunkt des politischen Bestrebens der Antideutschen steht die bedingungslose Unterstützung des Staates Israel und damit auch dessen Schutzmacht USA.

Wurzel dieser Haltung ist eine abgrundtiefe Feindschaft gegenüber der deutschen Nation. Begründung: Durch die planmäßige Judenvernichtung im Dritten Reich habe es Deutschland auf alle Zeit verwirkt, als Staat zu existieren. Glorifiziert wird entsprechend alles, was dazu geführt hat, dass Deutschland im Zweiten Weltkrieg besiegt wurde.

Auf den Punkt gebracht: Der deutsche Staat hat nach der Überzeugung der Antideutschen keine Existenzberechtigung, weil von ihm zwangsläufig Antisemitismus ausgehe. Der Staat Israel als Schutzschild aller Juden sei hingegen unverzichtbar. Damit gerät man natürlich in Gegnerschaft zur Mehrheit der pro-palästinensischen Linken mit den USA als Hauptfeindbild. Hauptgegner der Antideutschen sind neben den Deutschen der Islam, bzw. der Islamismus, konkret die Palästinenser als Hauptfeinde Israels.

… Wie stark sind die Antideutschen?

Möller: Aufgrund fehlender klarer Strukturen dieser Szene, lassen sie genaue Angaben zu „Zahlen“ nicht machen. Die beiden Schwerpunktregionen in Deutschland sind Berlin und Nordrhein-Westfalen. Berlin spricht von 200 bis 250 Leuten. Bei uns sind es sicherlich mehr als 100, möglicherweise auch bis zu 200. … Die Antideutschen bilden damit zwar eine eindeutige Minderheit in der Szene, stellen bei Demonstrationen aber durchaus eine beachtliche und wahrnehmbare Größenordnung dar. … Antideutsche sind häufig auffällig geworden in gewalttätigen Demonstrationen und als Auslöser von Krawallen innerhalb der linken Szene.

Zum konkreten Fall in Duisburg. Ist das Aufhängen der später von der Polizei entfernten Israel-Fahnen eine gezielte Aktion von Antideutschen gewesen?

Möller: Ich halte das für möglich. Es ist auffällig, dass die Polizei die Strecke vorher abgegangen ist, ohne dass die Fahnen hingen. Als die Demonstration wenig später um die Ecke kommt, hängen die Fahnen und der Betreffende steht gegenüber und filmt das Ganze. Das ist schon eine gezielte Aktion nach dem Motto „Wollen mal sehen, was jetzt passiert“. Wenn nicht sogar ein bisschen mehr. Und die Rechnung ist ja auch aufgegangen.

via Ruhr Nachrichten.

Mal abgesehen davon, dass das, was Antideutsche tun und denken, nicht mein Ding ist: Wir reden hier von max. 250 Leuten – bundesweit! Da rennen also 10.000e durch deutsche Innenstädte und brüllen „Israel verrecke“ und vergleichen Israel mit Hitler, aber der Auslöser von Krawallen sind nicht diese Leute, sondern die bösen Antideutschen. Hallo???

Es ist ja auch eine fürchterliche Provokation, eine Israel-Fahne aufzuhängen. Es ist richtig, dass es eine Provokation ist, wenn man weiß, dass an dieser Strecke bald tausender Demonstranten vorbeilaufen, die gegen Israel demonstrieren. Aber als normaler Mensch sollte man 1. mit Provokationen umgehen können und 2. auch eine Provokation gewichten können.

Wenn da jetzt auf dem einem Transparent gestanden: „alle Palästinenser sind Schweine“, hätte man eher verstehen können, dass das die Leute verärgert. Aber nur die Fahne eines UN-Staates?

Und den Schuldigen der Krawalle bei dem Fahnenaufhänger zu suchen – das ist einfach bösartig und blind.

Und er grenzt nicht genug ab: Wenn Antideutsche den Staates Israel und damit auch dessen Schutzmacht USA bedingungslos unterstützen, ist dann auch jeder, der Israel bedingungslos unterstützt, ein „böser“ Antideutscher?

Aber zurück zur Ursprungsfrage: Was sind eigentlich Antideutsche?

Herr Möller meint dazu:

  1. Sie sind linksextrem, antifaschistisch und antiimperialistisch.
  2. Abgrundtiefe Feindschaft gegenüber der deutschen Nation
  3. Sie vertreten die Ansicht, Deutschland habe es auf alle Zeit verwirkt, als Staat zu existieren.
  4. Sie vertreten die Ansicht, der deutsche Staat hat keine Existenzberechtigung, weil von ihm zwangsläufig Antisemitismus ausgehe.
  5. Sie vertreten die Ansicht, der Staat Israel als Schutzschild aller Juden sei unverzichtbar.
  6. Die bedingungslose Unterstützung des Staates Israel und damit auch dessen Schutzmacht USA.
  7. Hauptgegner seien neben den Deutschen der Islam, bzw. der Islamismus, konkret die Palästinenser als Hauptfeinde Israels.
  8. Die Antideutschen bilden damit zwar eine eindeutige Minderheit in der Szene, stellen bei Demonstrationen aber durchaus eine beachtliche und wahrnehmbare Größenordnung dar.
  9. Antideutsche sind häufig auffällig geworden in gewalttätigen Demonstrationen und als Auslöser von Krawallen innerhalb der linken Szene.

Wikipedia meint dazu:

  1. Antideutsche sehen das Dasein von Juden in aller Welt und insbesondere im Staat Israel von verschiedenen Seiten bedroht
  2. durch das Fortbestehen einer Ideologie der Volksgemeinschaft in den westlichen Ländern und insbesondere in Deutschland („Postfaschismus“)
  3. durch die Ignoranz der europäischen Regierungen gegenüber dem erstarkenden Antisemitismus in der EU und in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion
  4. durch den virulenten Antisemitismus in vielen islamischen Ländern – ein nicht zu unterschätzender Angriff auf das Existenzrecht Israels und Bestandteil einer „Antisemitischen Internationale“
  5. die Forderung nach bedingungsloser Solidarität mit Israel, welches als Staat der Holocaust-Überlebenden eine notwendige Zuflucht für verfolgte Juden aller Länder bilde
  6. Israel habe als Opfer beständiger Aggression durch palästinensische Organisationen das Recht, sich mit Maßnahmen wie Kontrollen, Sicherungsanlagen und gezielten Tötungen zu verteidigen.
  7. Insbesondere an dieser kontroversen Position vollzieht sich der Bruch und die Feindschaft zwischen traditionell eher pro-palästinensisch eingestellten Antiimperialisten und pro-israelischen Antideutschen.
  8. Solidarität mit Israel – auch bedingungslose – lässt weder direkt noch indirekt auf eine antideutsche Gesinnung schließen.
  9. Die Pro-Israel-Haltung der Antideutschen muss einerseits in Abgrenzung zu faschistisch-nationalistischen Kreisen sowie der anti-imperialistischen und anti-zionistischem Linken gesehen werden.
  10. Andererseits steht sie im Gegensatz zu kritischen Pro-Israel-Haltungen, die das Existenzrecht Israels wie das aller souveränen Staaten verteidigen und Deutschlands besondere Verantwortung gegenüber Juden und dem Staat Israel anerkennen.
  11. Der Friedensbewegung wird zudem eine Doppelmoral vorgeworfen.
  12. Sie habe die Zustände der Baath-Diktatur im Irak oder die Alltäglichkeit des antizionistischen und antisemitisch motivierten Terrors in und gegen Israel (beispielsweise durch islamistische Selbstmordattentate) hingenommen, ohne brauchbare Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
  13. Die Friedensbewegung verwende außerdem höchst bedenkliche Symbole, Karikaturen und Feindbilder wie die des „hinterlistigen Strippenziehers“ oder des „Volksschädlings und Vampirs“, mit denen die Politik der USA und Israels kritisiert wird.
  14. Analog zu bürgerlichen und rechten Parteien behaupten sie, dass das Ideal der Multikulturalität Freiräume für gewalttätige und kriminelle Islamisten schaffe, in denen die eingeforderten Toleranzräume für Minderheiten nicht mehr gelten.
  15. Generell betrachten sie die gegenwärtige weltpolitsche Lage als Auseinandersetzung zwischen (westlicher) Demokratie und (arabischer) Theokratie, wobei den westlichen Staaten die unbedingte Stellungnahme auch der Linken zustehe.
  16. Die negative Bewertung Deutschlands wurde zudem auf das gesamte Old Europe ausgeweitet
  17. Insbesondere das Mitführen israelischer oder US-amerikanischer Nationalflaggen durch Vertreter der antideutschen Strömung führte auf Demonstrationen schon zu körperlichen Auseinandersetzungen mit anderen Linken.
  18. Scharfe Kritik an „solidarisierungswütigen Israel-Freunden“ übt der israelische Soziologe Moshe Zuckermann. In einem Beitrag Was heißt: Solidarität mit Israel? kritisiert er den ideologischen Blick auf Israel seitens der Antideutschen. Diese missbrauchten Israel als „pure Projektionsfläche für eigene Befindlichkeiten“.

Hier wird differenziert (Punkt 8).

Vergleicht man die beiden Beschreibungen, fällt einem auf, dass Möllers Positionen 2,3 und 4 von in dem (sehr ausführlichen) Wikipedia-Artikel so nicht vorkommen. Es wird zwar gesagt, dass die Antideutschen ein recht negatives Bild von Deutschland haben, was sich auch aus der Geschichte erklärt, aber das Absprechen einer deutschen Existenzberechtigung (Position 3) finde ich da nicht.

Nun ist Herr Möller als Chef eines Verfassungsschutzes sicherlich kein Unwissender. Aber ich bezweifle, dass bei einer solch kleinen Gruppierung der Verfassungsschutz V-Leute einsetzt und so wird vieles über Hörensagen und Spekulation geschehen. Denn auch der Verfassungsschutz weiß nicht alles. Und das er spekuliert, zeigt ja auch das o.g. Interview (oben letzte Antwort von Möller,1. Satz).

Ich habe das Gefühl, dass hier ein Feindbild aufgebaut werden soll und dass sich so mancher, der Israel unterstützt, da vielleicht in Zukunft drin wiederfinden wird.

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7 Antworten

  1. […] in 18. Februar 2009 von Markus Ich hatte schon vor einiger Zeit etwas über “Antideutsche” geschrieben und was sie ausmacht. Jetzt habe ich dank dem Kommentator jitzchak45 einen Essay […]

  2. mir fällt gerade noch was ein:

    habe in meinem „about“ einen, wie ich finde, sehr treffenden text verlinkt, der sich mit der frage „was ist antideutsch“ befasst. dort werden von manfred dahlmann einige positionen der antideutschen kurz beleuchtet.

    bei interese http://www.isf-freiburg.org/isf/beitraege/dahlmann-antideutsch.html

  3. das häng doch stark davon ab, was linke positionen sind… ein verkürztes bashing von bänkern oder „bonzen“ sicherlich, aber ob das dann letztlich wirklich links ist, halte ich für äußerst fraglich.

    die vollen positionen der antids sind sicherlich nirgendwo zu vermitteln aber der teil, der sich kritisch auf deutschland bezieht und bsp eine vernünftige islamkritik aufgreift, der ist sicherlich außerhalb europas – ich denke da an die usa zb – eher vermittelbar. Ist aber erstmal nur eine gewagte These, genau belegen könnte ich dies jetzt so nicht, denke aber es triftt so schon zu.

  4. In welchen Ländern sind sie besser zu vermitteln?
    Und sind in Deutschland linke Positionen manchmal nicht besser vermittelbar als rechte? Außer wenn sie zu extrem sind …?

  5. ja, das wird beim umgang mit linken immer gerne gemacht, schnell in eine schublade gesteckt und dann erstmal schön verteufelt…

    dass die bezeichnung antideutscher ein wenig unvorteilhaft ist, könnte stimmen, jedoch sind sich die antid’s auch dem problem bewusst, dass ihre positionen (vor allem eben in deutschland) nicht wirklich vermittelbar sind

  6. Ich kenne mich mit der linken Szene – ehrlich gesagt – gar nicht so gut aus, ich versuche mich vorzutasten und Wissen zu sammeln.

    Was ich bloß überhaupt nicht ausstehen kann, sind irgendwelche Schubladen, in die Leute gepackt werden sollen.
    Da hängt einer während einer Demo eine Israelfahne aus dem Fenster – was für eine Provokation! – und schon hat er das Etikett „Antideutscher“.

    Und wer diese Vokabel hört und nichts darüber weiß – das Wort allein löst ja schon eine negative Assoziation aus.

  7. guter beitrag.

    bei den ausführungen möllers wird bei mir der eindruck erweckt er versteht die theoretischen texte der antideutschen und damit ihre strömung gar nicht, wahrscheinlich versucht er es auch nicht, schließlich geht es – wie oben auch geschrieben – um das erzeugen von feindbildern. die zugehörigkeit zum antiimperialistischen spektrum ist schlicht und ergreifend quatsch…

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