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    Friedrich Hebbel

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Islamischer Antisemitismus – Ursprünge und Entwicklungen in der islamischen Welt und in Europa

Matthias Küntzel schreibt über einen Zusammenhang, der von vielen in der heutigen Zeit immer noch abgelehnt wird. Es geht um den Zusammenhang von Antisemitismus im Islam und dem Nationalsozialismus.

Vielen denken Folgendes;

  • Es gibt im Islam keinen ausgeprägten Antisemitismus, nur eine normale Abneigung unter benachbarten Völkern.
  • Das Verhalten im Islam, das man vielleicht als antisemitisch bezeichnen könnte, ist eher der Tradition und dem Brauchtum geschuldet.
  • Der wirkliche Antisemitismus hat in Europa und in Deutschland stattgefunden – ist also rein  europäischer Prägung. Auf jeden Fall hat er nichts mit dem Islam zu tun.

Und so wird das Verhalten arabischer/islamischer Menschen/Staaten etc. eher wegerklärt und verharmlost als es als das zu sehen, was es wirklich ist. Interessant ist ja in dem Zusammenhang, dass die Leute, die die o.g. Behauptungen aufstellen weder über den Antisemitismus in der arabischen Welt (Scheich Yusuf al-Qaradawi als ein lebendes Beispiel) als noch über die geschichtlichen Zusammenhänge (z.B. Amin el-Husseini, der Mufti von Jerusalem) wirklich informiert sind. Sie scheinen das eher „aus dem Bauch“ heraus zusagen. Nun – die Fakten sprechen eine andere Sprache.

Lassen wir Matthias Küntzel zu Wort kommen (vom 17. September 2008):

Als ich vor gut einem Jahr an der Universität von Leeds in Großbritannien einen Vortrag zum Thema „Islamischer Antisemitismus“ halten sollte, wurde diese Themenwahl in der Email eines muslimischen Studenten als ein „offener rassistischer Angriff“ ausgelegt. Wie könne ich es wagen, schrieb er, von einem islamischen Antisemitismus zu sprechen, wo doch die Muslime selbst Semiten seien. Ich würde mich für diese Beleidigung vor der Gesamtheit der Muslime zu entschuldigen haben. In einer zweiten Email an die Leitung der Universität behauptete eine Studentin, sie fühle sich durch diese Vortragsankündigung nicht nur beleidigt, sondern auch in ihrer persönlichen Sicherheit auf dem Campus bedroht. Weil aber die Universitätsleitung in Leeds aufgrund dieser beiden Briefe die Sicherheit der Veranstaltungsteilnehmer in Gefahr sah, wurde meine Veranstaltung über „Islamischen Antisemitismus“ in letzter Minute abgesagt.

Ähnliche Vorkommnisse sind mir von Universitätsveranstaltungen zum Thema „Christlicher Antijudaismus“ nicht bekannt. Doch genau so, wie der christliche Antijudaismus mit dem Christentum nur partiell und mit der Gesamtheit der Christen gar nichts zu tun hat, so hat auch der Begriff „Islamischer Antisemitismus“ mit dem Islam partiell und mit der Gesamtheit der Muslime nichts zu tun. Dies Wort kennzeichnet eine spezifische Ideologie, die ein Teil der Muslime sich zu eigen gemacht hat, während ein anderer – bislang eher kleiner – Teil der Muslime sie bekämpft. Im islamischen Antisemitismus, und dies unterscheidet ihn von allen anderen Formen der Judenfeindschaft, wird der religiöse Antijudaismus des Frühislam mit dem europäischen Antisemitismus der Moderne kombiniert.

Zum Frühislam: Der Koran enthält durchaus Verse, die „die Kinder Israels“ loben, ja sogar Verse, die als eine Legitimation des Staates Israels gelesen werden können. Doch die Anzahl der judenfeindlichen Aussagen überwiegt.

„Wegen der Sünde der Juden und weil sie Wucher nahmen, wiewohl er ihnen verboten war, haben wir ihnen gute Dinge verwehrt, die ihnen erlaubt waren,“,

heißt es beispielsweise in Sure 4, Vers160.

„Und sie betreiben auf Erden Verderben“,

heißt es in 5/64.

„Und verwandelt hat er einige von ihnen zu Affen und Schweinen“,

heißt es in 5/60, während es in dem berühmtesten jener Verse, dem Vers 5/82 heißt:

„Wahrlich, du wirst finden, dass unter allen Menschen die Juden … den Gläubigen am meisten Feind sind.“

Der tunesische Philosoph Mezri Haddad, selbst ein Moslem, bezeichnet diese Verse als „antisemitischen Müll“ und fordert, da man den Koran hiervon nicht befreien kann, die islamischen Denker dazu auf, jene Verse mit „intellektueller Kühnheit“ und „hermeneutischer Vernunft“ neu zu interpretieren.

Die Widersprüchlichkeit des Judenbildes im Koran – mal pro-jüdisch, mal anti-jüdisch – hat mit den überlieferten Lebenserfahrungen Mohammeds zu tun. Während Mohammed die Juden am Anfang seiner Laufbahn noch für die Kronzeugen Gottes hielt, galten diese ihm später, nachdem sie sich seinen Vereinnahmungsversuchen entzogen hatten, als die schlimmsten Feinde: Zwei jüdische Stämme wurden auf sein Geheiß aus Medina vertrieben, an dem dritten und letzten Stamm aber wurde ein blutiges Exempel statuiert: Mohammed ließe an einem einzigen Tag des Jahres 627 alle Männer dieses Stammes – es sollen zwischen 600 und 900 gewesen sein – köpfen und deren Frauen und Kinder in die Sklaverei verkaufen. Doch das eigentliche intellektuelle Verhängnis fand eine Generation später statt: Jetzt wurde lange nach Mohammeds Tod der koranische Bericht, der extrem raumgebunden wie auch zeitgebunden ist, aus seinem historischen Kontext gelöst und zur einzig wahren und überzeitlich gültigen Offenbarung über die Feinde Gottes erklärt. Damit wurde der Antijudaismus ein fester Bestandteil der neuen Religion.

Mohammed hatte mit den Juden von Medina leichtes Spiel. Deshalb war das Judenbild im mittelalterlichen Islam nicht von Furcht vor Juden oder von Neid bestimmt, sondern hauptsächlich von Verachtung: Sie standen nicht über, sondern weit unter den Muslimen.

Der europäische Antisemitismus baut hingegen auf dem Christentum auf. Hier hat nicht der Prophet die Juden getötet, sondern die Juden den Propheten. Aufgrund dieser Legende – „sie“ sollen in der Lage gewesen sein, Gottes einzigen Sohn zu töten! – wurden sie im Christentum nicht als „Looser-Gruppe“ verlacht, sondern als dunkle und übermächtige Instanz gefürchtet. Deshalb waren es gerade sie, die man im Mittelalter für die Pest – Stichwort: Brunnenvergifter – und in der Neuzeit für den „Kasino-Kapitalismus“ und das spekulative Kapital, für Münteferings „Heuschrecken“ also, verantwortlich machte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dieser europäische Antisemitismus durch christliche Missionare, Kaufleute oder Botschaftsangehörige auch in den Orient gebracht. Dort fand er unter den Muslimen jedoch so gut wie keine Resonanz und stieß zuweilen, etwa im osmanischen Parlament, gar auf Widerstand. Dort wollten zum Beispiel Abgeordnete verhindern, dass „der Antisemitismus in die Türkei gebracht“ wird.

Es dauerte einige Jahrzehnte, bis sich der frühislamischen Judenhass mit der antisemitischen Weltverschwörungstheorie verband. Erst zwischen 1937 und 1945 wurde diese Fusion besiegelt und die Ideologie des islamischen Antisemitismus massenhaft verankert. Das entscheidende Instrument hierfür war die nationalsozialistische Propaganda in der islamischen Welt.

Diese Propaganda war – und dies ist keineswegs selbstverständlich – religiös orientiert. Der Nationalsozialismus öffnete sich für bestimmte Aspekte des Islam. Er baute hierbei auf ein Spezifikum der deutschen Politik im I. Weltkrieg auf. Schon damals wurde hemmungslos die in der islamischen Welt kaum noch virulente Dschihad-Idee wiederbelebt und in den Dienst der deutschen Weltkriegsinteressen gestellt. Mit Hunderttausenden von Flugblättern auf arabisch, persisch und türkisch und mehreren Millionen Reichsmark suchte das Kaiserreich die islamischen Massen in den von Frankreich, Russland und Großbritannien kontrollierten Gebieten aufzustacheln. Zweiwöchentlich wurde damals von Berlin aus die Zeitschrift „al-Jihad“ in verschiedenen Sprachen in die islamischen Gebiete geschickt.

An diese deutsche Islam-Propaganda knüpften die Nazis 1937 an, wobei nunmehr nicht länger der Antiimperialismus, sondern der Antisemitismus im Zentrum der deutschen Überzeugungsarbeit stand. Es war jetzt aber ein Antisemitismus besonderer Art, welcher den antijüdischen Kampf Mohammeds aus dem siebten Jahrhundert mit der vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung des 20. Jahrhunderts unmittelbar verknüpfte.

Den Auftakt machte das 31-seitige Pamphlet „Islam-Judentum. Aufruf des Großmufti an die islamische Welt im Jahre 1937.“ Es wurde mit deutscher Hilfe erstellt, 1937 erstmals auf der Konferenz von Bludan verbreitet und anschließend in der ganzen arabischen Welt wie auch unter den bosnischen Teilnehmern der muslimischen SS-Division verteilt.

„Der Kampf zwischen Juden und Islam begann, als Mohammed von Mekka nach Medina floh. … damals waren die jüdischen Methoden schon die gleichen wie heute. Ihre Waffe war wie immer die Verleumdung. … Wenn die Juden Mohammed so verraten konnten, wie werden sie die Muslime dann heute verraten. … Die Verse aus dem Koran und Hadith beweisen euch, dass die Juden die bittersten Gegner des Islams gewesen sind und noch weiter versuchen, denselben zu vernichten.“

Zwischen 1939 und 1945 strahlte darüber hinaus der Kurzwellensender Radio Zeesen allabendlich seine Programme auf arabisch, türkisch und persisch aus – ein Medium, das auch die analphabetischen Massen in den Teehäusern, Basaren und auf öffentlichen Plätzen erreichte. Auch hier wurden Araber nicht als Araber, sondern als Muslime angesprochen: Die Sendungen begannen mit der Rezitation von Koransuren und der Antijudaismus des Frühislam wurde in die Sprache des Antisemitismus übersetzt. Je näher die Niederlage des Nationalsozialismus rückte, desto leidenschaftlicher wurde dieser islamische Antisemitismus entfacht – Josef Goebbels zufolge waren 1943 etwa 70-80 Prozent der orientalischen Wortbeiträge von Radio Zeesen antijüdisch orientiert. Zu den allabendlichen eifrigen Zuhörern dieses Senders gehörte damals übrigens ein Mann, der später eine bemerkenswerte Karriere machen sollte: Ruhollah Khomeini.

Im April 1945 wurde Radio Zeesen stillgelegt – doch der Antisemitismus wirkte im Nahen und Mittleren Osten weiter nach. Vorübergehend veränderte er seine Gestalt: Gambal Abdel Nasser, der zwischen 1954 und 1967 die Muslimbruderschaft blutig unterdrückte und den Nationalismus predigte, propagierte einen Antisemitismus der europäischen Art: Er verbreitete die Protokolle der Weisen von Zion ohne religiösen Pomp. Nach der Niederlage im 6-Tagekrieg von 1967 wurde der Antisemitismus jedoch erneut in einen religiösen Kontext gestellt. Jetzt wurde die islamische Welt mit dem wichtigsten Pamphlet des islamischen Antisemitismus, Sayyid Qutbs „Unser Kampf gegen die Juden“ geradezu überschwemmt. Dieser Text ist in erster Linie ein religiöses Traktat, das die Juden beschuldigt, die Muslime „von Allahs Weg abbringen zu wollen“. 1979 wurde mit der iranischen Revolution gleichzeitig der Al-Quds-Tag als eine Art Jahresfeier des islamischen Antisemitismus eingeführt und zehn Jahre später mit der Charta der Hamas das bis heute wohl wichtigste Manifest des Islamismus kreiert.

In dieser [Hamas-]Charta werden Juden – quasi im selben Atemzug als armselige Feiglinge, die sich hinter Steinen und Bäumen verstecken u n d als heimliche Herrscher der Welt portraitiert.

Die Juden, lesen wir einerseits in Artikel 22,

„standen hinter der Französischen Revolution und der kommunistischen Revolution … sie standen hinter dem Ersten Weltkrieg … und sie standen hinter dem Zweiten Weltkrieg … Es gibt keinen Krieg in der Welt, bei dem sie nicht ihre Finger mit im Spiel haben.“

Andrerseits wird zustimmend und gezielt der wohl niederträchtigste aller antijüdischen Hadithe aus der Frühzeit des Islam zitiert, ein Hadith, den ich vorlesen und anschließend interpretieren will.

„Der jüngste Tag wird nicht kommen“ heißt es hier, „bevor nicht die Muslime gegen die Juden kämpfen und sie töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Und jeder Baum und Stein wird sagen: ,Oh Muslim, oh Diener Gottes, da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn.“

Die Juden verhalten sich in dieser Geschichte menschlich. Sie verstecken sich und zittern vielleicht vor Angst. Die Muslime aber sollen kein Mitleid verspüren. Die hier vor Angst um ihr Leben zittern, sollen einer nach dem anderen verraten werden, damit man sie ebenfalls töten kann. Doch nicht nur die Muslime, sondern das ganze Universum – die Steine und die Bäume, sprich: die tote Natur und die lebendige Natur – ist den Juden feindlich gesonnen und will ihren Tod. Selbst der Himmel schließt sich an: Nur ihr Tod führt zur Auferstehung und zum Paradies. Diese grauenvolle Anweisung ist – so die Überlieferung – aber nicht von irgendjemandem, sondern vom Propheten Mohammed persönlich ergangen.

Vor 1937 war dieser Hadith seit Generationen in Vergessenheit geraten. Wie mir einer der bedeutendsten israelischen Arabisten, Yehoshua Porath erklärte, tauchte er im 19. und anfänglichen 20. Jahrhundert im arabischen Schrifttum nicht auf. Erst in dem Pamphlet des Mufti von 1937 – Islam und Judentum – wird er in einem neuzeitlichen Kontext erstmals wieder zitiert. Die Hamas pickte sich 1988 aus dem Gesamtangebot islamischer antijüdischer Texte gerade diese Passage heraus. Heute gehört dieser genozidale Vers zu den bekanntesten Hadithen überhaupt.

Es ist aber gerade diese Ankoppelung an eine religiöse Mission, an Paradiesglaube und Märtyrerideologie, die den islamischen Antisemitismus so gefährlich macht. Hier wird der Judenhass der Nazis mit dem spezifischen Furor des Religionskriegs vereint.

Wir haben aber in Europa kaum noch eine Vorstellung davon, was ein Religionskrieg ist; der letzte große Religionskrieg fand vor 350 Jahren statt. Dies mag einer der Gründe sein, warum die meisten meiner deutschen Kollegen – zum Beispiel die Mitarbeiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität in Berlin – den Terminus „Islamischer Antisemitismus“ nicht verwenden.

Der Judenhass unter den Muslimen „reproduziere“ lediglich den europäischen Antisemitismus und passe ihn lediglich „an eine islamische Semanik an“.

Die Religion ist hier aber mehr als eine „semantische“ Garnierung oder als ein Transportmedium frei nach Motto „alter Wein in neuen Schläuchen“. Wir haben es nicht nur mit spezifischen Quellen – den koranischen Bezügen – zu tun, sondern auch mit dem speziellen Impetus eines „religiösen Auftrags“ und der Verheißung eines von Gott angeblich gewährten Lohns für den Judenmord. Wir sollten, wie ich meine, dieses spezifische Denkgebäude mit seinen eigenen Prinzipien und seiner eigenen Geschichte zu verstehen versuchen, d.h. ernst nehmen.

Dies gilt besonders für das heute wirkungsvollste Medium, dass der islamische Antisemitismus zur Gehirnwäsche der Muslime nutzt: Ich meine die islamistischen Fernsehkanäle so wie den Sender „Al Manar“ der Hisbollah und den Sender „al Aqsa“ der Hamas. Hier ist die von Gott gewünschte „Auslöschung der Juden“ längst zu einem Leitthema selbst des Kinderprogramms avanciert – und zwar mit wachsendem Erfolg, weil man sich moderner und beliebter Figuren – zum Beispiel einer die Juden ermorden wollenden Mickey Maus – bedient. So wird der Antisemitismus heute besonders in seiner islamischen Ausprägung globalisiert: Das Mullah-Regime will in Kürze mit einer spanischen Ausgabe von „Al-Manar“ auch die Massen in Südamerika antisemitisch verhetzen und bereitet die Entsendung eigener Satelliten in das Weltall vor.

In so gut wie allen Bekundungen des islamischen Antisemitismus tritt dessen genozidaler Charakter offen und brutal hervor. So kommt es der Hamas nicht darauf an, ob die von einer Kassam-Rakete getroffene Person 5 oder 50 Jahre alt ist, ob sie gläubig oder ungläubig ist, ob sie für Frieden oder Krieg votiert. Solange eine Jüdin oder ein Jude getötet werden, ist alles übrige egal – doch eben dies bedeutet „genozidal“.

Nehmen Sie die Stellungnahme des Hizbollah-Führers Hassan Nasrallah:

„Auch wenn wir auf der ganzen Welt nach einem Typus suchten, der in Psyche, Verstand, Ideologie und Religion noch feiger, verachtenswerter und schwächer ist, so würden wir niemanden anderen finden als den Juden. … Wenn die Juden aber alle in Israel zusammenkommen, wird uns das den Ärger ersparen, weltweit hinter ihnen hersein zu müssen.“

Neben Sie den iranischen Präsidenten Ahmadinejad, der als Regierungschef die Vernichtung Israels mit der Befreiung der Menschheit gleichsetzt, der von „2000 organisierten Zionisten und 7-8000 Agenten der Zionisten“ spricht, die „die Welt in eine Chaos gestürzt“ hätten und der am Montag dieser Woche aus Anlass des Khomeini-Todestages erklärte:

„Geliebter Imam Khomeini. Du sagest, dass das zionistische Regime … ein Krebstumor sei, das man von der Landkarte löschen müsse. … Dank der Gnade Gottes wird dein Wunsch bald materialisiert und das korrupte Element von der Landkarte gelöscht sein.“

Es ist genau dieser genozidale Antisemitismus, der dem iranischen Atomprogramm sein singuläres Gefahrenpotential verleiht, weshalb dessen Vollendung um jeden Preis verhindert werden muss.

Ich komme damit zu meinem letzten Punkt – die Art und Weise wie hier in Deutschland die Öffentlichkeit, die akademische Welt, das Parlament und die Regierung auf die Herausforderung des islamischen Antisemitismus reagiert. Natürlich steht Deutschland in einer spezifischen Pflicht. Da ist erstens die besondere Bedeutung der Nazizeit für die Entstehung dieser Ideologie. Da ist zweitens das historische Wissen, dass Auschwitz nicht mit dem Bau der Krematorien, sondern mit der Verbreitung des Antisemitismus begann. Da ist drittens die Tatsache, dass man sich gerade in Deutschland einer besonders sorgfältigen Geschichtsaufarbeitung und einer besonders gewissenhaften Befolgung der Lehren aus der Vergangenheit rühmt. Man sollte also annehmen, dass der Antisemitismus in der Charta der Hamas und in den Aussagen eines Nasrallah oder eines Ahmadinjad wohl bekannt ist, breit diskutiert wird und den Gegenstand wirksamer politischer und ökonomischer Gegenmaßnahmen darstellt. Leider kann, wie Sie wissen, hiervon überhaupt keine Rede sein, was ich nur an einem einzigen Beispiel exemplifizieren will: Iran.

Wer die letzten 20 Jahre der deutsch-iranischen Beziehungen Revue passieren lässt, stellt fest, dass 1989 die Europäische Union sämtliche Botschafter aus Teheran für mehrere Wochen abberufen ließ, um so ihrer Empörung über den Mordaufruf des Mullah-Regimes gegen Salman Rushdie Ausdruck zu verleihen. Jahrelang blieb danach die Frankfurter Buchmesse für das Regime gesperrt.

1997 wurden erneut sämtliche EU-Botschafter aus Teheran zurückbeordert, um gegen Irans Terrorismus-Export – die vom Regime veranlasste Ermordung oppositioneller Kuren im Berliner Restaurant „Mykonos“ – ein Zeichen zu setzen. Im selben Jahr 1997 machte eine einzige israelfeindliche Äußerung des damaligen iranischen Präsidenten Rafsandjani Furore, denn der Bundestag reagierte darauf: Der iranischen Außenministers Velayati, der auf Einladung des damaligen Außenministers Klaus Kinkel nach Bonn kommen wollte, wurde per Mehrheitsbeschluss kurzerhand wieder ausgeladen.

Und heute? Was geschah nach all den antisemitischen Invektiven des iranischen Präsidenten Ahmadinejad, nach seiner Leugnung des Holocaust, nach seinen beispiellosen Ankündigungen, Israel – jene „schwarze Mikrobe“, wie er sagt – vernichten zu wollen? Seit seinem Amtsantritt vor mehr als drei Jahren hat Deutschlands Botschafter im Iran seinen Posten nicht einen einzigen Tag verlassen. Die deutsch-iranische Industrie- und Handelskammer in Teheran ließ sich in ihrem „business as usual“ nicht eine Minute stören. Keine einzige deutsche Firma hat ihre Teilnahme an einer der vielen Industrieausstellungen in Teheran abgesagt. Kein einziger iranischer Politiker wurde je ausgeladen.

„Stellt euch vor, ein neuer Genozid an Juden wird offen angekündigt und kaum jemand reagiert“ – was vor ein paar Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte, scheint heute Realität zu sein. Ahmadinejad hat den Countdown für Israels Vernichtung angezählt; fieberhaft arbeitet das Regime an der nuklearen Option. Gleichzeitig geht das Gros der Journalisten, Politiker, Zivilgesellschafter – von der Linken ganz zu schweigen! – drüber hinweg. Man hat sich mit der Ankündigung des Völkermords offenkundig arrangiert. Nicht einmal der so eklatante Widerspruch zwischen dem „Nie wieder“ und dem „Business as usual“ ist Gegenstand der Diskussion. Warum?

Ich greife nur eine der möglichen Antworten heraus, diejenige, die mir am plausibelsten erscheint: In Deutschland wird über den islamischen Antisemitismus mit seiner genozidalen Tendenz nicht diskutiert, weil man eine Sichtweise, die hauptsächlich Juden, sprich: Israel, für die Probleme dieser Erde verantwortlich macht, teilt. Statistisch ist dies mit bedrückender Eindeutigkeit belegt.

So hatten im Jahr 2003 65 Prozent der Deutschen in einer Umfrage der Europäischen Kommission erklärt, dass Israel „die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt“ sei – vor Iran, Syrien, Nord-Korea oder den USA. Im November 2006 ließ die BBC 28.000 Menschen in 27 Ländern fragen, welches Land die Weltpolitik am negativsten beeinflusse. 77 Prozent der Deutschen kreuzte auch diesmal Israel an.

Ich schlage vor, diese Umfrageergebnisse, gerade weil sie so verrückt sind, ernst zu nehmen. Israel wird von einer Mehrheit der Deutschen nicht aufgrund einer nachprüfbaren Faktenlage, sondern nach dem unsichtbaren Drehbuch der „Protokolle der Weisen von Zion“ zu einer Gefahr für den Weltfrieden und zum globalen Bösewicht stilisiert. Hier haben wir es mit einem Massenbewusstsein zu tun, das die politisch Verantwortlichen nicht weniger erst nehmen sollten, als die Bildungsmisere an deutschen Schulen. Wo aber ist der „PISA-Report“, der diesen Wahn-Zustand skandalisiert, der die Wurzeln dieses Massenbewusstseins untersucht und zügig auf Veränderungen drängt?

„Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt“, schrieb Siegmund Freund. Mit anderen Worten: Wer Israel dämonisiert, wird auch dem Antisemitismus eines Ahmadinejad oder einer Hamas gegenüber blind. Ist es aber erst einmal so weit, beginnt eine Spirale der Ignoranz:

Wer den Antisemitismus von Hisbollah und Hamas nicht wahrzunehmen vermag, ver­kennt das Motiv ihrer Angriffe auf Israel und wird dazu neigen, selbst noch Selbstmordattentate als „Verzweiflungstaten“ zu entschuldigen. Wer Israel aber für den Selbstmord- oder Raketenterror verantwortlich macht, wird mit jeder Eskalation dieses Terrors den jüdischen Staat umso mehr verurteilen und somit immer tiefer in das Denkgebäude des Antisemitismus hineingezogen werden, was die Chance, den Antisemitismus als das eigentlich eskalierende Moment zu identifizieren, weiter reduziert und so weiter und so fort.

Der antisemitische Hass auf Israel, der eine Schnittmenge zwischen Ahmadinejads Weltanschauung und dem auch in Deutschland verbreiteten Massenbewusstsein markiert (und den man sehr wohl von der alltäglichen Kritik an irgendeinem Regierungshandeln unterscheiden kann) – dieser antisemitische Hass auf Israel müsste im Zentrum der Abwehr gegen den islamischen Antisemitismus stehen.

Was wir aber in den letzten Wochen – rings um den Broder vs. Evelyn Hecht-Galinski-Prozess – erlebten, war das genaue Gegenteil.

Nicht der antisemitische Israelhass sondern die Kritik daran stand plötzlich unter Beschuss. In einer Zeit, in der keine größere Gefahr existiert als die, die der islamische Antisemitismus in Gestalt seiner iranischer Träger heraufbeschwört, wird die Kritik des Antisemitismus als „moralischer Totschlag“, als „verbale Aggression“ und als Versuch der Einschüchterung – so der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen, denunziert. In der „Tageszeitung“ beklagte sich Michal Bodemann über diejenigen, die noch „unter jedem Stein nach Antisemiten suchen“.

Vor allem in Deutschland“ verriet er seinen Leserinnen und Lesern, könne „der Antisemitismus-Vorwurf tödlich sein.“

Matthias Küntzel, geb. 1955, ist Politikwissenschaftler und Publizist und seit 1992 als Politiklehrer an einer Hamburger Gewerbeschule teilzeitbeschäftigt.

via http://www.matthiaskuentzel.de

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Eine Antwort

  1. […] Die hier durchgeführte Unterscheidung ist natürlich eine glatte Irreführung. Aber “politisch voll korrekt”, denn so kann sich der normale Zeitgenosse zurücklehnen und das glauben, was er glauben soll: Der Antisemitismus der Araber hat nichts mit der Hitlerschen Spielart zu tun. […]

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