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Palästinensische Opfer – sind wann wichtig?

Mit dem »Schwarzen September« hat es indessen noch eine andere Bewandtnis, denn er wurde zum Namen einer palästi­nensischen Kampfgruppe, und deren bedeutendste Anschläge richteten sich nicht etwa – wie man doch hätte erwarten müssen – gegen den jordanischen Feudalismus, sondern selbstredend gegen Israel: wir kennen den Reflex schon, wonach palästinensische Opfer kaum übel genommen werden, wenn sie nicht Opfer der Israelis sind.

Insbesondere im libanesischen Bürgerkrieg gab es Dutzende von Massakern, doch die palästinensische Bewegung und ihre Sympathisanten lassen sie glatt unter den Tisch fallen. Was die verschiedenen palästinensischen Flüchtlingslager im Libanon betrifft, von denen manche ganze Stadtteile Beiruts umfassen, so haben Armee und Polizei des Libanon dort seit einem Abkommen aus dem Jahre 1969 keinen Zutritt; dagegen tummeln sich dort diverse NGOs sowie Unterorganisationen der UNO, und viele Palästinenser sind Angestellte dieser Organi­sationen.

Die Palästinenser dieser Lager waren und sind immer wieder Opfer – und nicht selten auch Täter – von Massakern. Beispielsweise zerstörten christliche Milizen 1976 das von der PLO kontrollierte Beiruter Viertel Karantina und töteten 1000 bis 1500 Palästinenser, schiitische Muslime, Kurden und Armenier. Palästinensische Gruppen rächten sich, indem kurz darauf die christliche Stadt Damur dem Erdboden gleichgemacht wurde; mehrere hundert Einwohner konnten nicht mehr flüchten, keiner davon überlebte. Christliche Phalangisten zerstörten später das palästinensische Flüchtlingslager Tel al-Zaatar und massakrierten 2000 bis 3000 Palästinenser, nachdem von dort aus christliche Viertel beschossen worden waren. Syrische und prosyrische palästinensische Verbände stürmten 1983 verschiedene PLO-Bastionen; alleine im Flüchtlingslager Baddawi nördlich von Tripoli fanden mindestens 1000 Menschen den Tod. Kaum einer kennt diese Vorkommnisse.

Erst Ende 2007 legte die libanesische Armee das palästinensische Flüchtlingslager Nahr al-Bared in Schutt und Asche, weil sich dort die ›Fatah al-Islam‹ eingenistet hatte (sie ist nicht mit Arafats Fatah zu verwechseln); kaum ein Gebäude von Nahr al-Bared überstand die monatelange Bombardierung, etwa 30 000 Bewohner flüchteten in benachbarte Viertel, mehrere hundert wurden getötet.

All dies ging den Palästinenser-Freunden herzlich am Arsch vorbei, und auch die Medien berichteten spärlich. Nur ein einziges Massaker rief indessen die weltweite Empörung hervor, und »linke« Israel­gegner fühlen sich auch heute noch ganz schlau und super­kritisch, wenn sie darauf verweisen (was sie selten versäumen): dasjenige von Sabra und Schatila aus dem Jahre 1982. Freilich gab es auch dort zahllose Gemetzel.

Zwischen 1985 und 1988, im sogenannten ersten und zweiten Lagerkrieg, belagerte die schiitische, halbsäkulare prosyrische Amal-Miliz immer wieder Schatila und andere PLO-Hochburgen, hungerte die Verteidiger regelrecht aus und tötete mindestens 2000 Bewohner. Die in unmittelbarer Nähe befindlichen syrischen Truppen griffen nicht ein. Auch dies war den »Freunden der palästinensischen Sache« wurscht, denn die Israelis hatten auch damit nichts zu tun.

Anders nur 1982, als christlich-maronitische Milizen der ›Forces Libanaises‹ (die sog. ›Phalange‹) in die Lager von Sabra und Schatila eindrangen und etwa 1000 Palästinenser nieder­metzelten.[1] (Im gleichen Jahr töteten die Syrer die mindestens zehnfache Zahl von Muslimen in der syrischen Stadt Hama, die von dort aus Syrien in einen Gottesstaat verwandeln wollten; der Vorfall erregte kaum ein Zehntel der Aufmerksamkeit.) Es handelte sich zwar wieder einmal um einen Racheakt der ›Phalange‹ für zuvor von Palästinensern ausgeübte Gemetzel und Attentate an Christen, vor allem für den tödlichen Bomben­anschlag auf den christlich-maronitischen Präsidenten des Liba­non, Bachir Gemayel.

Die ›Phalange‹ war aber damals mit der israelischen Armee verbündet, und diese griff nicht ein, obwohl ihre Befehlshaber wußten oder zumindest hätten wissen müssen, daß in den Lagern nicht nur eine Entwaffnung vorgenommen, sondern tatsächlich ein Massaker angerichtet wurde. Die unmittelbaren Täter der ›Forces Libanaises‹, insbe­sondere Elie Hobeika, der ausführende Kommandeur, wurden weder angeklagt noch anderweitig belangt. Und die anti­zionistischen Apologeten des zweierlei Maßes verloren kein Wort der Abscheu gegenüber diesen Tätern, kaum jemand hat jemals auch nur ihre Namen gehört, und jeder kennt den Grund dafür: es ging nicht um das Schicksal der Palästinenser, sondern nur darum, den Israelis ans Bein zu pissen.

[1] Die Zahl der Opfer ist naheliegenderweise äußerst umstritten. Libanesische Quellen gehen von einigen hundert Todesopfern aus, eine israelische Unter­suchungskommission gibt 700-800 Tote an, aus den Reihen der PLO werden manchmal 2 000 und mehr Tote genannt. – Auch Quellen, die normalerweise nicht gerade israelfreundlich sind, gehen jedenfalls davon aus, daß die Zahl der Opfer in Sabra und Schatila während der späteren Massaker im »Lagerkrieg« höher war als 1982 (cf. etwa Steinbach/Robert, p. 675 und ›taz‹ vom 7.6.1985).

via Tilman Tarach: Der ewige Sündenbock
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Eine Antwort

  1. […] Ein wenig Geschichte, um zu verdeutlichen, wie mit Massakern und Gemetzeln an arabischen Menschen umgegangen wird, bietet ebenfalls Markus. […]

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