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„Wir müssen Antisemitismus bei Migranten stärker bekämpfen“

Armin Laschet, 47, ist Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration in Nordrhein- Westfalen. Der Jurist und Journalist wurde 2005 der erste Integrationsminister Deutschlands.

Zuvor war Laschet zeitweise Bundestagsabgeordneter in der CDU- Fraktion und Mitglied des Europäischen Parlaments. Seit 1999 ist er außerdem Vorsitzender des Bundesfachausschusses für Internationale Zusammenarbeit und Menschenrechte der CDU.

Hetze auf dem Schulhof: Immer mehr junge Muslime in Deutschland neigen zum Antisemitismus. Das Problem ist hausgemacht, sagt Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet – und fordert im SPIEGEL-ONLINE-Interview ein Aktionsprogramm für mehr Aufklärung.

SPIEGEL ONLINE: „Du Jude“ oder „schwuler Jude“ ist nach einer aktuellen Studie der Amadeu-Antonio-Stiftung ein gängiges Schimpfwort in vielen Jugendclubs. Bei einer Untersuchung des Bundesinnenministeriums stimmten 15,7 Prozent der befragten jungen Muslime der Behauptung zu, Juden seien überheblich und geldgierig. Wie sehr beunruhigt Sie das?

Laschet: Das beunruhigt mich sehr. In solchen schnellen Sprüchen im Jugendclub oder auf dem Schulhof äußert sich eine gefährliche Grundhaltung. Das sind typische antisemitische Klischees. Das Schlimme ist: Die Jugendlichen, die eine solche Haltung zeigen, sind in Deutschland aufgewachsen, fast alle sind durch das neue Staatsbürgerschaftsrecht seit Geburt Deutsche. Aber wir haben es nicht geschafft, ihnen die besondere Verantwortung jedes Deutschen gegenüber Israel und Menschen jüdischen Glaubens zu vermitteln. Wenn wir das nicht schnellstens ändern, droht Deutschland und der deutschen Gesellschaft eine Katastrophe.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Laschet: In Großstädten wie Köln haben inzwischen 48 Prozent aller Kinder unter sechs Jahren eine Zuwanderungsgeschichte. Diese Kinder werden in Zukunft zu einem erheblichen Teil die deutsche Gesellschaft und Politik prägen. Sie werden auch das deutsch-israelische, das deutsch-jüdische Verhältnis wesentlich mitbestimmten. Die gesamte außenpolitische Grundhaltung Deutschlands zu Israel könnte so ins Wanken kommen. Zum Glück äußert sich bislang auch in muslimisch geprägten Milieus nur eine Minderheit unserer Zuwanderer offen antisemitisch. Dennoch: Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir in 20 oder 30 Jahren die Quittung dafür bekommen. Die Gefahr ist groß, dass mitten in Deutschland eine Generation von Zuwandererkindern heranwächst, bei der Antisemitismus gesellschaftsfähig ist.

SPIEGEL ONLINE: Woran liegt es, dass in Deutschland aufgewachsene Zuwandererkinder zu Antisemiten werden?

Laschet: Erstens hat ihnen in der Schule offenbar niemand richtig vermittelt, was der Holocaust und Antisemitismus in Deutschland bedeuten. Zweitens kommen ihre Familien oft aus antisemitisch geprägten Gesellschaften wie zum Beispiel in der arabischen Welt – und zu Hause am Küchentisch sowie über ausländische Satellitenprogramme werden alte Ressentiments gepflegt. Drittens führen Fernsehbilder von verletzten Kindern in Gaza zur Solidarisierung mit der palästinensischen Hamas und den Opfern des Nahost-Konflikts, ohne dass der terroristische, menschenverachtende Charakter der Hamas erklärt wird. Das Ergebnis ist eine explosive Mischung aus antiisraelischen Gefühlen und Antisemitismus.

SPIEGEL ONLINE: Der Grünen-Chef Cem Özdemir nennt Antisemitismus unter Muslimen neuerdings ein „ernstzunehmendes Problem“. Wird dieses Problem in Deutschland unterschätzt?

Laschet: Ja, das Problem ist zu lange unterschätzt worden. Bei Antisemitismus denken die meisten Deutschen reflexartig nur an Rechtsextremisten, nicht an Muslime oder gar Linke. Dass das falsch ist, hat sich schon im Jahr 2000 beim Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge gezeigt. Die halbe Republik ging beim sogenannten „Aufstand der Anständigen“ mit Lichterketten gegen Rechts auf die Straße, am Ende waren die Täter arabisch-stämmige Jugendliche.

Ein aktuelles Beispiel für Anti-Israelismus von Links ist der Aufruf des inzwischen zurückgetretenen Duisburger Oberbürgermeister-Kandidaten der Linken, Hermann Dierkes, zum Israel-Boykott. Der Linken-Parteichef Oskar Lafontaine nennt den Diktator Hugo Chavez in Venezuela ein Vorbild für seine Politik, obwohl dieser neuerdings auch den Holocaust leugnet. Wenn deutsche Politiker so etwas Unsinniges tun, bestätigen und legitimieren sie auf gefährliche Weise antiisraelische und antijüdische Vorbehalte bei muslimischen Jugendlichen. Wir müssen in Deutschland endlich offen über Antisemitismus bei muslimischen Zuwanderern diskutieren.

SPIEGEL ONLINE: Reicht es, darüber zu diskutieren?

Laschet: Nein. Ich fordere Bund und Länder auf, Antisemitismus bei jungen Migranten mit einem Drei-Punkte-Plan gemeinsam stärker zu bekämpfen. Erstens werbe ich dafür, die deutsch-israelische Schulbuchkommission wiederzubeleben. Dieses Wissenschaftler-Gremium hat Mitte der achtziger Jahre Empfehlungen für die Darstellung der deutschen und jüdischen Geschichte in den Schulbüchern beider Länder abgegeben. Die letzte Auflage stammt aus dem Jahr 1991.

Heute, nach der Wiedervereinigung, der neuen Zuwanderungsrealität und anderen tiefgreifenden Veränderungen in Deutschland und Israel, brauchen wir stärker denn je fachkundigen Rat, wie wir Schüler kompetent und mit Bezug zu ihrer Lebenswirklichkeit über das besondere Verhältnis unserer Länder aufklären. Deutsche Schulbücher müssten zum Beispiel daraufhin überprüft werden, ob und wie sie das Phänomen des Antisemitismus insbesondere unter muslimischen Zuwanderern und in Teilen Ostdeutschlands aufgreifen.

SPIEGEL ONLINE: Was nutzen gute Ratschläge einer Schulbuchkommission, wenn niemand verpflichtet ist, sie umzusetzen?

Laschet: Die Schulbücher können nur der Anfang sein. Der zweite Punkt ist die stärkere Einbeziehung der Landes- und Bundeszentrale für Politische Bildung. Ziel muss sein, den Unterricht so zu verändern, dass das Thema Deutschland und Israel gerade jungen Leuten mit Zuwanderungsgeschichte auf eine persönlich packende Art nahegebracht wird. Die Landeszentralen und die Bundeszentrale für Politische Bildung sollten dazu spezielle Lehrerfortbildungen anbieten. Dabei müssen Strategien zum Umgang mit gefährdeten muslimischen Jugendlichen entwickelt werden. Wir in Nordrhein-Westfalen holen zum Beispiel für Lehrer und Schüler eine Ausstellung der Holocaust-Gedächtnisstätte Jad Waschem ins Land, die sich mit dem Unterschied zwischen Kritik an Israel und Antisemitismus auseinandersetzt.

SPIEGEL ONLINE:
Das hört sich nach interessanten Diskursen für gymnasiale Oberstufen an – aber wie wollen Sie muslimische Hauptschüler erreichen, die Aufklärung über Antisemitismus vielleicht viel nötiger hätten?

Laschet: Da sind wir bei Punkt drei des Plans. Persönliche Begegnungen sind das wichtigste Instrument im Kampf gegen Antisemitismus bei Jugendlichen. Deshalb müssen bundesweit die deutsch-israelischen Jugendaustausch-Programme dringend ausgebaut werden. In Nordrhein-Westfalen haben wir den Anfang gemacht und für 2009 beschlossen, eine Million Euro für den Jugendaustausch mit dem Schwerpunkt Israel und palästinensische Gebiete bereitzustellen.

Unser wichtigstes Ziel ist es dabei, Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte, insbesondere muslimische Jugendliche, einzubeziehen. Wir wollen mit Vorrang Reisen von Klassen und Jugendgruppen mit hohem Migrantenanteil fördern, damit möglichst viele arabisch-, türkisch- oder kurdischstämmige Jugendliche aus Deutschland im Kontakt mit jüdischen und arabischen Israelis Vorurteile abbauen können.

SPIEGEL ONLINE: Wollen latent antisemitische Jugendliche denn überhaupt nach Israel fahren?

Laschet: Das Programm läuft gerade erst an, aber ich bin da sehr optimistisch. Wichtig wäre nun, dass andere Länder und der Bund mitziehen. Für das deutsch-polnische Jugendwerk gibt der Bund seit 2006 konstant 4,6 Millionen Euro aus, für das deutsch-französische sogar 10,2 Millionen. Dagegen ist die Förderung für den Israel-Austausch mit 1,77 Millionen Euro für 2009 viel zu gering. Wir brauchen mindestens eine Verdopplung der Bundesmittel.

SPIEGEL ONLINE: Mal ehrlich: Haben Sie selbst schon einmal einen Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte getroffen, der antisemitische Sprüche geklopft hat?

Laschet: Ja, sogar mehrere. Zum Beispiel, als ich mir 2005 in einem Kino am Düsseldorfer Hauptbahnhof den türkischsprachigen Film „Tal der Wölfe“ mit deutschen Untertiteln angesehen habe. Im Saal waren fast nur junge, männliche Migranten. Bei jeder Szene, die auch nur latent antisemitisch war, haben alle laut gejubelt.

SPIEGEL ONLINE: Wie können Politiker, Lehrer oder Sozialarbeiter überhaupt Zugang finden zu antisemitisch denkenden Migrantenkindern – und ist das nicht das größte Handicap bei allen Förderprogrammen?

Laschet: Zu diesen kritischen, oft abgeschotteten Milieus Zugang zu finden ist in der Tat ein großes Problem. Wir können es nur lösen, wenn wir mit den Migranten-Organisationen und den islamischen Verbänden zusammenarbeiten, die direkte Drähte in die Gemeinschaft haben. Auf Dauer hilft aber eines: Mehr Politiker, mehr Lehrer und mehr Sozialarbeiter mit Zuwanderungsgeschichte. Der Kampf gegen Antisemitismus ist eine gemeinsame Aufgabe von Deutschen und Zuwanderern.

via SPON
Zustimmung.
Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich Politiker finde, die wissen, wovon sie reden und nicht irgendeinen Quark erzählen.
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