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Die Juden das Leben, die anderen den Tod

Was wird an Purim gefeiert?

Wikipedia sagt, dass Purim eine Fest ist, dass an die Rettung des jüdischen Volkes im antiken persischen Reich vor Hamans Komplott zur seiner Ausrottung erinnert.

Judaism 101 (Einmaleins des Judentums) sagt: „Es erinnert an eine Zeit, als das in Persien lebende jüdische Volk vor der Auslöschung gerettet wurde.“

Jewish Virtual Library: „Es erinnert an eine Zeit, als das in Persien lebende jüdische Volk vor der Auslöschung gerettet wurde.“

Man beachte, was Purim nicht ist. Es wird nicht als militärischer Sieg gefeiert. Juden feiern nicht den Tod von Haman und seinen Verbündeten. Hamas Tod ist zwar integraler Bestandteil der Purim-Geschichte und es war nötig, dass er starb, damit seine Erlasse widerrufen werden konnten, aber wir bejubeln Hamans Tod nicht außer in Bezug auf seine Rolle bei der Rettung der persischen Juden. Aus der Perspektive des Judentums wäre es vorzuziehen gewesen, wenn die Juden überhaupt nicht in Gefahr gewesen wären (und wenn sie von sich aus Reue gezeigt hätten statt als Resultat einer direkten Bedrohung ihres Lebens).

Purim ist ein freudiger Feiertag, weil er nicht den Tod feiert, sondern die Rettung von Leben.

Manchmal ist Krieg notwendig und Leben muss verloren gehen, damit andere gerettet werden. Die Araber tendieren dazu die (wirkliche oder eingebildete) Niederlage ihrer Feinde zu feiern; sie nehmen an, dass Juden an Purim und Hanukka (und am Jerusalemtag und Unabhängigkeitstag) dasselbe tun. Und genau das ist falsch: Die Juden feiern ihr Überleben und, ja, ihren Sieg – aber nicht die Niederlage ihrer Feinde. Die zwei hängen offensichtlich zusammen, aber eine die Denkweise ist eine völlig andere.

Die einen feiern das Leben und die anderen feiern den Tod.

Hanukka repräsentiert einen geistigen Sieg mehr als einen militärischen; der Unabhängigkeitstag repräsentiert das Überleben eines Jahrtausende alten Traums der jüdischen Eigenstaatlichkeit im eigenen Land; am Jerusalemtag feiert man die Rückkehr der heiligsten Stadt des Judentums unter jüdische Kontrolle. All diesen Ereignissen ist gemein, dass man vorgezogen hätte, es wäre kein Blut vergossen worden. Es ist nicht die Niederlage der Feinde, die gefeiert wird; diese ist ein notwendiges Übel, keine Ursache für Jubel.

Obwohl es natürlich nicht zu leugnen ist, dass die Juden auf ihre militärischen Siege stolz sind, würden sie es vorziehen, wenn ein solches Gefecht gar nicht erst stattgefunden hätte.

Die Araber können ihren Geist nicht um diese Vorstellung wickeln. Für sie sind militärische Siege Beweis ihrer Männlichkeit, eine Quelle der „Ehre“ und – für Muslime – Beweis dafür, dass ihre Glaubenssätze überlegen ist. Umgekehrt sind militärische Niederlagen Grund für Schande und zeigen ein problematisches Glaubenssystem auf: Warum sollte Allah erlauben, dass sein Volk entehrt wird? Der springende Punkt ist die vollkommene Niederlage – und noch wichtiger: die Erniedrigung – ihrer Feinde.

Deshalb können die Araber Purim nicht begreifen und sie können die Juden nicht begreifen. Sie projizieren ihre eigenen Glaubenssätze und die Ehre/Scham-Kultur auf ihre Feinde. Sie können sich nicht vorstellen, dass die Niederlage eines Feindes nicht das alles überragende Ziel eines kampfbereiten und umzingelten Volkes ist. All das über den „Zionisten“ wegen ihrer angeblich rassistischen und völkermörderischen Ziele ausgegossene Gift ist nichts anderes als arabische Projektion ihrer eigenen Glaubenssätze auf die Juden.

Adin Steinsaltz vermerkt, dass es für Juden nur zwei Wege gibt, gegen den Antisemitismus sowohl Hamans als auch der Hamas vorzugehen.

Die Schlussfolgerung dazu ist, dass wir zwei mögliche Antworten haben. Erstens können wir unser Bestes tun, wie es in den Tagen von Esther und in anderen Generationen getan wurde, um uns gegen das Böse zu verteidigen und es zu bekämpfen. Das muss in jedem Fall getan werden, selbst wenn es nur darum geht, eine Unterbrechung der Ausbrüche des Hasses zu gewinnen.

Die zweite Möglichkeit besteht darin zu lachen. Nicht nur über die Niederlage unserer Feinde lachen, sondern auch über die Absurdität, Lächerlichkeit und inhärenten Widersprüche des Antisemitismus. Das Gelächter bedeutet nicht, dass es eine Antwort gibt, doch ist dies unsere Art zu erklären, dass wir uns von der irrationalen Wechselwirkung des Hasses auf Haman entfernt haben. Wir lachen über Haman, Ahasveros und all ihre Nachfolger, weil über sie, nachdem wir die Oberhand behalten haben und weiter vorhanden sind, Witze gemacht werden.

Darum geht es an Purim – das Überleben der Juden zu feiern. Die Niederlagen unserer Feinde sind nebensächlich und letztlich komödiantisch, aber sie spielen keine zentrale Rolle.

mit vielen Dank an heplev!
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