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LH First class – ein Erlebnis

Ein schöner Bericht darüber, wenn ein im Ausland lebender Deutscher wieder einmal Heimatgefühle (da ist er nicht der einzige) und Luxus bei Lufthansa erlebt:

Wenige Tage bevor diese Woche Henryk Broder dank Lufthansa’s Largesse, wenn auch gepäckbefreit, Business Class von Frankfurt nach Washington flog, genossen meine Frau und ich First Class nach Minneapolis / St. Paul und zurück an Bord von Northwest Airlines. Während wir noch vor dem Abflug an unseren Gin Tonics und Bloody Marys nippten und die Beine locker übereinanderschlugen, ertrugen wir schadenfroh das minderwertigkeitsgefühlige Degout, mit dem Geschäftsleute ihre unsteten Blicke über uns, die wir uns so gar ungeschäftig in den breiten Ledersitzen lümmelten, flackern ließen und ihre aktenköfferchenbewehrten Arme verrenkten, um sich an uns vorbei durch den Gang nach hinten in die Sardinenkiste der Unterklasse zu drängeln. Wenn Blicke morden könnten…

Ganz ohne solche Belästigung des Plebs kommt man allerdings davon, wenn man mit der Lufthansa Erster Klasse von Frankfurt in die USA fliegt, wie wir es im vorigen Jahr auf dem Rückweg von Nigeria taten. Zwar waren wir auch schon auf dem Hinflug erstklassig behandelt worden (da kann man sich in Washington in der Lounge des Lufthansa-Partners Virgin Atlantic mit feinstem Kognak besaufen und mit Leckereien vollstopfen, während man bis zum Abflug im Internet surft), hatten allerdings in Frankfurt nach dem sektseligen Schönheitsschlaf beim Übernachtflug (flach liegend in Pyjamas mit Lufthansa-Logo, nachdem wir unsere Sessel elektrisch zu Betten verwandelt hatten) nicht genügend Zeit, vor der Weiterreise nach Lagos die Erster Klasse-Lounge voll zu genießen. Es war auch „nur“ sozusagen eine Ablegerlounge, nicht die Hauptlounge, wie wir anläßlich des Rückflugs erfuhren.

Ja, der Rückflug. Der verräucherte Erster Klasse-Hangout in Lagos – ebenfalls von Virgin betrieben—ähnelte zwar eher einem deutschen Zweiter Klasse-Kleinstadtbahnhofswarteraum der Fünfziger Jahre (mit fleckigen Plastikstühlen und wackeligen Tischen, allerdings immerhin mit der üblichen kostenlosen Bar voll internationaler Alkoholika bestückt), aber der Frankfurter First Class-Salon der Lufthansa machte solch ästhetischen Affront mehr als wett; er stellte sogar die First Class bei Thai Airlines und den Luxus der New Yorker Lounge der Concorde seligen Angedenkens in den Schatten, an denen wir bisher unsere Luftreiseluxuserlebnisse gemessen hatten. (Damit mir jetzt nicht Haßtiraden unzähliger Coach-gepeinigter Passagiere entgegenschlagen: Ich fliege selber privat meistens auf den billigen Plätzen, komme auch bei langen Flügen gut mit der Enge zurecht, indem ich mich am Fenster im Zen des Stillhaltens und der Blasenberuhigung übe, während es sich meine Frau seit einer Knieoperation nur noch mindestens in der Business Class bequem macht; sie sitzt halt vorne und ich weiter hinten—nach dreißigjähriger Ehe überleben wir die paar Stunden auch mal ohne Schulterschluß.)

Zurück zur Ersten Klasse der Lufthansa in Frankfurt: Wir durften sie in vollen Zügen genießen, weil wir auf dem Rückflug einen deutschen Stop-over eingelegt hatten. Kaum hatten wir den Terminal 1 betreten und einem Lufthansamitarbeiter unsere Tickets unter die Nase gehalten, stellte sich uns ein persönlicher Eskort vor, unsere Koffer verschwanden wie von Geisterhand, und wir samt Handgepäck, das wir von dem Moment an nicht mehr selber zu tragen berechtigt waren, wurden zu einem Minivan geleitet, der uns kreuz und quer übers Flughafengelände kutschierte, bis wir bei der Fernfluglounge landeten. Dort lieferte uns der Eskort an einen ebenfalls persönlichen „Host“ ab, der uns in die Feinheiten des lufthanseatischen Luxusstundenhotels einwies, als da waren gemütliche Fauteuils und im wahrsten Sinne des Wortes erstklassiger – selbstverständlich kostenloser – Restaurantservice, ja sogar private Ruheräume mit Betten und Duschen, wie es sich für ein Stundenhotel gehört. Am Vormittag war uns jedoch nicht zu einem Nickerchen, geduscht hatten wir am Morgen schon bei meiner Mutter, also stürzte ich mich auf leibliche Genüsse, wie ich sie in den USA seltener finde, wie einen perfekt geräucherten Schwarzwälder Schinken und Emmentaler auf knusprigem Brötchen, begleitet von Weizenbier. Unser Adjutant auf Zeit hatte uns unsere Pässe abgeknöpft, damit wir uns nicht selber um profane Formalitäten zu kümmern brauchten, und erschien erst eine Viertelstunde vor dem Abflug wieder—nachdem uns eine Hostess beruhigt hatte, keine Sorge, damit hätte es seine Richtigkeit, wir würden unseren Flug bestimmt nicht verpassen. Nach kurzer elektronischer Handgepäckkontrolle (selbstverständlich kein Schlangestehen, denn da waren keine Schlangesteher, sondern nur wir) saßen wir wieder im Minivan, diesmal gemeinsam mit einem Fabrikantenehepaar aus Süddeutschland auf dem Besuchsweg zur Tochter in Amerika (wie wir bei kurzem small talk erfuhren) und kurvten kreuz und quer durchs Flughafengelände, bis wir eine Boeing 747 erreichten. Der Eskort schloß eine Tür auf, per Fahrstuhl ging’s hoch auf die Türebene der Maschine, und vorbei an bereits angeschnallten Businessklässlern marschierten wir die Treppe hinauf zu unseren Sesselbetten bzw., da es ein Nachmittagsflug war, Bettensesseln. In den wenigen verbleibenden Minuten bis zum Abflug schaffte es die Stewardess sogar noch, uns Drinks zu servieren; die Gläser sammelte sie erst wieder ein, als wir schon mit jaulenden Düsentriebwerken auf dem Rollfeld standen.

Eigentlich wollte ich gleich nach dem Abflug meinen Laptop anwerfen und einen Artikel für Achgut über unsere Erlebnisse in Nigeria schreiben; aber dann verführte mich Lufthansas „Media World“, mir über dem Atlantik das Hirn mit visuellem Mischmasch zuzukleistern, vom Keinohrhasenschwachsinn über eine Folge desperater Hausfrauen bis No Country for Old Men; letzteres hatte immerhin den Vorteil, daß ich ein paar Wochen später, als ich mit Autor Cormac McCarthy am Dinnertisch saß, glaubwürdig so tun konnte, als hätte ich tatsächlich seinen Roman gelesen. Dazwischen ließ ich mich von der Speisekarte eines Lufthansa-Starkochs zu Kaviar, rosa gebratenem Kalbsrücken, Rucola-Risotto mit Taleggio, Shiitake, Lauchzwiebeln und Walnüssen und, last not least, zu Mango-Karamellcremetörtchen mit Salpicon von exotischen Früchten verführen, während mir auf der Weinkarte ein „Weltmeister der Sommeliers“ den 2006 Hörsteiner Abtsberg, Riesling Spätlese trocken vom Hofkeller Würzburg schmackhaft machte. So schob ich meinen Artikel auf die lange Bank, und kurz darauf fing es in der Weltwirtschaft an, so gehörig zu krachen, daß ich mich scheute, die nigerianische Story voller Banker, Ölmagnaten und – ahem – sicher nicht immer koscherer Politiker an die große Glocke zu hängen, auch wenn wir selber dort nur „in Kultur gemacht“ hatten.

Schon bei unserer Nigeriareise war die Erste Klasse mehr als halbleer, kein Wunder bei den Wahnsinnspreisen für den doch recht kurzzeitigen Superluxus, während es in der etwas erschwinglicheren Business Class recht gut besetzt aussah. Das gemeine Coach-Volk bekamen wir erst am einklassigen Gepäckkarussell in Washington zu Gesicht—bevor unsere Koffer mit ihren „First Class“-Anhängern als erste eintrudelten.

Naja, Bernie Madoff wird wohl nie mehr in den Genuß von Betten und Booze bei Nachtflügen kommen; wenn er überhaupt nochmal fliegt, dann angekettet an einen Federal Marshal zu einem Knast weit von New York. Ich vermute jedoch, daß er, als er noch als Jongleur fremder Vermögen die Milliarden verschwinden ließ, eh nur privat durch die Weltgeschichte jettete. Und das ist dann wieder eine ganz andere Klasse für sich. Eines Tages werde ich auch darüber schreiben (been there, done that) : Bis Henryk Broder Erster Klasse fliegt, behalte ich mir jedoch die Geschichte unseres Gulfstream IV-Vergnügens vor.

Fred Viebahn auf der Achse des Guten: Erster Klasse in den Wolken

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