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Sind denn alle „wahn“sinning?

Ok. Man kann über Evangelikale streiten, man muss sie nicht mögen, man kann ihre Ansichten verachten, ihre Glauben ablehnen.
Das gleiche gilt auch für Amerikaner in unserem tendenziell leicht antiamerikanischen Gesellschaft.
Und man muss daher auch amerikanische Evangelikale nicht mögen, die es sicherlich in einigen Dingen zu weit treiben.

Aber ansonsten – wenn ich mich recht entsinne – leben wir in einer pluralistischen Demokratie mit Meinungs- und Religionsfreiheit,  d.h., jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen und seine Religion auszuüben, wenn er die Demokratie und die Würde der anderen achtet.

Wenn irgendwelche Leute deutsche Evangelikale mit den amerikanischen einfach in einen Topf werfen … ist nicht besonders differenziert; damit kann ich aber mit leben.

Wenn aber ein Schulbuchverlag ein Buch für Schüler auf den Markt bringt und dort mit Etiketten, Vorurteilen und Verunglimpfungen arbeitet, dann ist das nicht akzeptabel – und zwar nicht nur aus evangelikaler Sicht, sondern auch aus gesellschaftlicher Sicht – wo doch heute alle so sensibel für Rassismus und beleidigte religiöse Gefühle sind.

Schulbuch thematisiert christlichen „Entrückungswahn“

Der Schulbuchverlag Cornelsen hat ein Englischbuch herausgegeben, in dem „fundamentalistische Christen“ angegriffen und lächerlich gemacht werden sollen. Millionen Amerikaner seien einem religiösen „Wahn“ verfallen, der auf der Bibel gründe, heißt es da.

Der Cornelsen-Verlag in Berlin hat sich im neuen Schulbuch „Crossover“ (Band 2, 1. Auflage, 2009, ISBN 978-3-06-020483-0) unter anderem „fundamentalistische Christen“ als Thema ausgewählt, um den Schülern der Klassen 12 und 13 an beruflichen Gymnasien das Englischlernen zu erleichtern. Das Buch will laut Vorwort „auch ungewöhnliche Aspekte und überraschende Perspektiven“ einbringen und dadurch „die Abiturvorbereitung interessant und motivierend gestalten“.

Im Buch findet sich ein Artikel der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Er ist überschrieben mit „Ihr Glaube ist übergeschnappt, aber sie sind das Herz der Macht“ und stammt aus dem Jahre 2004, als die Regierung George W. Bushs dem Ende ihrer ersten Amtszeit entgegenging. Der Reporter George Monbiot ging damals der Frage nach, warum sich die USA so sehr im Nahen Osten engagieren. Seine Antwort: Die gläubigen Christen in Amerika sehnen sich nach der Wiederkunft Jesu und provozieren deshalb einen Flächenbrand im Nahen Osten.

„Israels Aktionen sind extrem kontrovers“, schreiben die Autoren des Schulbuchs einleitend. „Es wird regelmäßig beschuldigt, mehr und mehr Land von seinen Nachbarn zu stehlen und die Menschenrechte zu verletzen.“ Die einzige Regierung, die derartige Aktionen „fast nie“ kritisiere, sei die der USA. „In den Vereinigten Staaten sind einige Millionen Menschen einem außergewöhnlichen Wahn (delusion) verfallen“, beginnt der anschließende Zeitungsartikel. „Im 19. Jahrhundert brachten zwei immigrierte Prediger eine Reihe von unzusammenhängenden Passagen der Bibel zusammen, um folgende Geschichte zu erschaffen: Jesus wird auf die Erde zurückkehren, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.“ Der Staat Israel müsse neu gegründet werden und „biblisches Land“ besetzen, was nach Aussage des Autors „den größten Teil des Nahen Ostens“ ausmache. Zudem müsse der dritte Tempel errichtet werden. Dann werde der Antichrist kommen und bei Armageddon gegen Israel aufmarschieren. „Die Juden werden entweder verbrannt werden oder sich zum Christentum bekehren, und der Messias wird auf die Erde zurückkehren.“

Freude am Leid der Nichtgläubigen?

Was diese Geschichte „so reizvoll“ mache, sei, dass nur die „wahren Gläubigen“ in den Himmel emporgehoben würden. „Die Würdigen dürfen nicht nur zur Rechten Gottes sitzen, sondern sie werden – von den besten Plätzen aus – sehen können, wie ihre politischen und religiösen Gegner von Geschwüren, Wunden, Heuschrecken und Fröschen verschlungen werden während der sieben Jahre der Trübsal, die folgen. Die wahren Gläubigen versuchen jetzt, das alles herbeizuführen.“

Immer wieder thematisiert das Schulbuch das Thema „Entrückung“. Das Schulbuch macht den Leser darauf aufmerksam, dass er auf der Webseite http://www.raptureready.com sehen könne, „wie nahe Du daran bist, aus Deinem Schlafanzug herauszufliegen“. Weiter heißt es: „Wir können über diese Menschen lachen, aber wir sollten sie nicht abweisen. Dass ihr Glaube schwachsinnig ist, bedeutet nicht, dass sie eine Randerscheinung sind.“ Umfragen hätten ergeben, dass 15 bis 18 Prozent der US-Wähler einer Kirche angehörten, welche die oben genannten Lehren vertreten. Zudem sei eines der am meisten verkauften Bücher in den USA die 12-bändige Romanserie „Left Behind“, die von der Entrückung handelt.

„Christen wollen Weltkrieg“

In diesen „wahn-sinnigen“ Christen bestehe „eine große Wählerschaft, die einen großen Teil der derzeitigen Kernwählerschaft des Präsidenten darstelle, in der mächtigsten Nation der Erde, die aktiv einen neuen Weltkrieg herbeiführen will. Ihre Mitglieder sehen den Irak-Krieg als Aufwärmen, denn das Buch der Offenbarung 9,14-15 behauptet, dass vier Engel losgelassen werden, ‚die gebunden sind an dem großen Strom Euphrat‘, um ‚zu töten den dritten Teil der Menschen‘.“ Für 15 Prozent der Wähler sei der Nahe Osten „nicht einfach ein internes Thema, es ist persönlich: wenn es dem Präsidenten nicht gelingt, dort einen Flächenbrand zu entfachen, werden seine Kernwähler nicht zur Rechten Gottes sitzen“.

Textaufgaben im Cornelsen-Schulbuch ergänzen das Bild der bibelgläubigen Christen. „Finde in jedem Satz ein Wort, das seine Aussage falsch macht und korrigiere es“, heißt es. Darunter die Aussagen: „1. Hunderte Amerikaner glauben an die quasi-biblische Prophetie, nach der die Erde zur Hölle wird und nur die ‚wahren Gläubigen‘ gerettet werden. 2. Diese christlichen Fundamentalisten wollen Frieden im Nahen Osten, denn das würde die Prophetie erfüllen. 3. Sie sind vehement gegen die Israelis, die immer mehr Land im Nahen Osten einnehmen wollen. 4. Genügend amerikanische Wähler glauben, dass die Entrückung einen großen Einfluss auf die dortige Literatur hat. 5. Zu den Menschen, die an die Entrückung glauben, gehören einige der mächtigsten Politiker in Israel. 6. Für die Minderheit der Amerikaner, die keine religiösen Fundamentalisten sind, ist der Nahe Osten kein wichtiges politisches Thema.“

Die Schüler sollen das Wort „Entrückung“ („rapture“) erklären. Es folgt die Aufgabe: „Erkläre, warum die Welt sich Sorgen machen sollte wegen Amerikanern, die an die Entrückung glauben.“ Ein Comicstrip zeigt einen Mann, der offenbar ein Talar trägt, er sagt, Christen bräuchten sich keine Sorgen um die Probleme in der Welt wie Umweltverschmutzung, Staatsverschuldung oder Energieverbrauch zu machen, da ja die Entrückung bevorstehe. „Das sind nur die Probleme der Ungläubigen!“, ruft er. (PRO)

Hier werden nicht nur Fakten verdreht und gegen Evangelikale Stimmung gemacht, sondern auch völlig abgehobene Behauptungen gemacht. Das hat dann auch nichts mehr mit „beleidigten Gefühlen“ zu tun, das ist Verleumdung.
Und das bei Jugendlichen. Mit welchem Bild von (evangelikalen) Christen gehen diese Menschen von der Schule? Sicherlich nicht mit einem differenziertem und einem weltoffenen.

… ein Artikel der britischen Tageszeitung „The Guardian“ …

ja – der Guardian … Quelle seriöser und ausgewogener Informationen (Ironie aus). Ein Zeitungsartikel voller Meinungen als Basis eines Schulbuchartikels …

Der Reporter George Monbiot ging damals der Frage nach, warum sich die USA so sehr im Nahen Osten engagieren. Die gläubigen Christen in Amerika sehnen sich nach der Wiederkunft Jesu und provozieren deshalb einen Flächenbrand im Nahen Osten.

Klar. Wir Christen entfachen mal eben einen Weltkrieg, damit Jesus als Messias wiederkommen kann. Es widerspricht zwar allen Kernaussagen der Bibel, aber logisch: Einerseits sind die Evangelikalen ganz böse, weil sie die Bibel wörtlich nehmen und an die Schöpfung glauben, aber hier dürfen sie ruhig mal von der Norm abweichen.

„Israels Aktionen sind extrem kontrovers“, schreiben die Autoren des Schulbuchs einleitend. „Es wird regelmäßig beschuldigt, mehr und mehr Land von seinen Nachbarn zu stehlen und die Menschenrechte zu verletzen.“ Die einzige Regierung, die derartige Aktionen „fast nie“ kritisiere, sei die der USA.

Israel bekommt dann nebenbei auch noch einen mit und der alte Mythos wird befeuert, die USA sei nur eine ZOG (Zionist Occupied Government).

Der Staat Israel müsse neu gegründet werden und „biblisches Land“ besetzen, was nach Aussage des Autors „den größten Teil des Nahen Ostens“ ausmache.

Logisch. Deshalb unterstützt die USA auch das jetzige Israel und verlangt, dass Israel den Siedlungsbau stoppen soll.

„wahn-sinnigen“ … Wir können über diese Menschen lachen, aber wir sollten sie nicht abweisen. Dass ihr Glaube schwachsinnig ist, bedeutet nicht, dass sie eine Randerscheinung sind.“

Unser Glaube ist schwach- und wahnsinnig. Was denn nun? Schwachsinn ist etwas Dummes, aber eher harmloses, Wahnsinn kann sehr gefährlich sein. Möchte man die Christen fürchten oder über sie lachen? Oder beides? Man lacht ja gerne über das, was man fürchtet.

Christen bräuchten sich keine Sorgen um die Probleme in der Welt wie Umweltverschmutzung, Staatsverschuldung oder Energieverbrauch zu machen, da ja die Entrückung bevorstehe. „Das sind nur die Probleme der Ungläubigen!“

Und als Nächstes helfen die Christen in der Sozial-, Katastrophen- und Entwicklungshilfe weltweit – in der neben vielen Amerikanern auch viele Deutsche arbeiten – nur noch ihren Glaubensgenossen, denn die anderen notleidenden Menschen „sind ja auch nur die Probleme der Ungläubigen“.

Was für ein gequirlter Blödsinn. Dieser Artikel allein ist schon schlimm genug, weil er viele Lügen und Unwahrheiten enthält. Aber sowas als Grundlage eine deutschen Schulbuches? Das ist einfach nur unsinnig und sollte auch Leute erschrecken, die sonst mit evangelikalen Christen nicht so viel am Hut haben.

Wenn man sich anschaut, was hier passiert, hat man den Eindruck, hier soll ein Gegengewicht zum Islam/Iran geschaffen werden. Denn all diese Vorwürfe – geplanter Weltkrieg, schwachsinniger Glaube, Verstärkung des Nahostkonfliktes, Kriege zur Vorbereitung der Widerkunft eines Messias – sind Dinge, die man auch dem Iran vorwirft.
Nur dass dieser Vergleich grundsätzlich an den Haaren herbeigezogen ist.

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