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Außer Appeasement nicht gewesen?

Von Chaim Noll

… Selten in der Geschichte haben sich Staaten den Luxus geleistet, ihren eigenen Handlungsspielraum derart einzugrenzen, sich selbst bei der Wahrnehmung ihrer Lebensinteressen so selbstmörderisch zu behindern. Mit jedem Tag wird deutlicher, dass die westliche Welt im Umgang mit dem aggressiven Islam kein Konzept hat. Angststarre? Lebensüberdruss? Anämische Apathie? Unterdessen kommen die persischen Atomingenieure täglich der Bombe ein Stückchen näher. Radioaktives Material wird angereichert, in unterirdischen Bunkern verborgen. Die Raketensysteme werden ausgebaut. Der Westen äußert sich konfus, konzeptionslos, unentschlossen, desinteressiert – alles in allem Signale der Ermutigung.

Welche Auswirkungen würde ein nuklear gerüstetes Persien haben? Die Beschwichtiger erklären, es sei unwahrscheinlich, dass die iranische Regierung tatsächlich das Risiko eingeht, die Bombe einzusetzen. Sie würde also nur auf Lager liegen, als permanente Drohung. Sie würde nur dazu führen, dass sich Saudi-Arabien, Ägypten, die Ölstaaten am Persischen Golf und andere nahöstliche Länder, die sich zu Recht von einem nuklearen Iran bedroht fühlen, gleichfalls atomare Waffen anschaffen wollen, zum Ausgleich. Der Mittlere Osten, ohnehin eine instabile Region, würde das Pulverfass der Welt. Der reale Einsatz nuklearer Raketen wäre nur eine mögliche Wirkung. Die anderen wären eine ständige Situation der Erpressung und die Initiationszündung für ein nukleares Wettrüsten im Mittleren Osten.

„I hope the Russians love their children, too“, sang der britische Rockstar Sting in den Achtzigerjahren – können wir auch von den iranischen Fundamentalisten hoffen, dass sie ihre Kinder lieben? Manches spricht dagegen. Sie haben offensichtlich zu Leben und Sterben ein elementar anderes Verhältnis als wir. Sie betrachten das religiöse Martyrium „Schahid“, das Selbstopfer und das Opfern anderer, als etwas Wunderbares, Beglückendes. Sie haben die Opferseligkeit des Koran seit anderthalb Jahrtausenden verinnerlicht wie wir das biblische Gebot der Nächstenliebe. Solcher Verinnerlichung sind wir uns kaum bewusst, wir nicht und sie nicht, dennoch bestimmt sie unser Handeln. Unser jeweiliges Verhältnis zu den anderen, den Schwächeren, zu Frauen, Kindern und Fremden. Wir im Westen halten Mitgefühl mit dem Schmerz des anderen, Scheu vor Grausamkeit, Abscheu vor „sinnlosem Töten“ für etwas Menschliches. Wir halten für selbstverständlich, für natürlich, für angeboren, was in Wahrheit mühevolle Kulturleistung ist.

Die Hemmung zu töten, Abscheu gegen Blut und Menschenopfer sind Ergebnis kultureller Entwicklung. Wo es diese nicht gab oder wo Kultur andere Wege ging, entfällt die Tötungshemmung, die Ehrfurcht vor dem Menschenleben. Auch die Scheu vor dem Einsatz atomarer Waffen. Westliche Länder besitzen diese Waffen seit Jahrzehnten, ohne sie – von jenen beiden, alle erschreckenden Versuchen 1945 abgesehen – einzusetzen. Aber das heißt nicht, dass jeder diese Scheu haben muss. Wir sollten uns an den Gedanken gewöhnen, dass nicht mehr nur westliche Maßstäbe im Weltgeschehen gelten, dass in der globalen Welt, die wir so begeistert konstruiert haben, auch andere Kräfte zum Zuge kommen, auch unbekannte, unkalkulierbare, deren Handlungen aus kulturellen Hintergründen motiviert sind, die wir nicht verstehen. Globale Welt bedeutet, dass unsere westliche Arroganz, alles zu wissen, zu durchschauen, zu berechnen, an ihr Ende gekommen ist. Auch, was den Iran betrifft und seinen Umgang mit der Bombe.

Während wir dem bedenklichen Punkt einer totalen Gewaltverweigerung nahe kommen, verfolgt der Iran seine Großmachtpolitik. De facto kontrolliert der militante Mullah-Staat außer seinem eigenen Staatsgebiet inzwischen auch den Libanon, den Gaza-Streifen, demnächst wahrscheinlich die Westbank und vermittels täglich auf israelischem Staatsgebiet einschlagender Raketen einen Teil des Territoriums von Israel. Auch Ägypten weiß sich in Reichweite und manches andere Land der Region. „Die Situation, die sich in Gaza entwickelt hat“, äußerte der ägyptische Präsident Hosni Mubarak schon vor einem Jahr, „brachte Ägypten in die Lage, mit dem Iran eine Grenze zu haben.“ Diese Siege, diese Gewinne an territorialer Kontrolle sind dem Iran durch seine Entschlossenheit gelungen, mit veralteten, konventionellen Waffen, einem überwältigenden westlichen Technologievorsprung zum Trotz.

Was wird geschehen, wenn dieser Vorsprung aufgeholt ist? Und wie steht es eigentlich mit uns, was die Liebe zu unseren Kindern betrifft? Was für eine Zukunft werden sie haben, wenn der Iran im Besitz der Atombombe und moderner, weitreichender Raketen ist? Oft in der Geschichte ist Verhandeln und Warten ein Zeichen von Klugheit gewesen.

Manchmal auch einfach Wahnsinn.

Der Schriftsteller Chaim Noll, 1954 als Hans Noll in Berlin geboren, wuchs in der DDR auf, siedelte 1984 nach Westberlin über und wanderte 1995 nach Israel aus.

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