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Israel gesteht Fehler ein

Von Ulrich W. Sahm

Am Neujahrstag veröffentlichten wir hier bei n-tv.de einen Bericht über eine israelische Attacke am 29. Dezember auf einen Lastwagen im Gazastreifen, der angeblich gerade mit Raketen beladen wurde. Eine Drohne filmte die Szene und deutlich war zu sehen, wie die vermeintlichen Raketen quer zur Ladefläche geladen und mit den Füßen hin- und hergerollt wurden. Bekanntlich haben Kassamraketen angeschweißte Flügelchen und können nicht einfach gerollt werden. An jenem Abend verschickte die israelische Menschenrechtsorganisation Betzelem Fotos und Augenzeugenberichte. Standhaft wurde da behauptet, dass es sich um Sauerstoffkanister handelte, wie sie in Krankenhäusern verwendet werden, gleichwohl aber auch zum Schweißen bei der Konstruktion von Raketen.

Eine Anfrage beim Militärsprecher ergab, dass es sich um „auseinandergeschraubte Gradraketen“ handelte, deren Flügelchen erst nach dem Abschuss aufklappen. Das war „Hintergrund“. Zur Veröffentlichung sagte der Militärsprecher: „Die Bilder sprechen für sich.“

Da die Bilder keineswegs „für sich sprachen“, nutzten wir am nächsten Tag die Gelegenheit, dem Direktor des israelischen Presseamtes, Dani Seaman, bei einer Diskussion im Knessetfernsehen dazu Fragen zu stellen. Der Sender hatte sich vorsorglich die Drohnenaufnahmen besorgt, und zeigte sie. Seaman war von der Darstellung des Militärsprechers, es handle sich um auseinandergeschraubte Gradraketen, fest überzeugt. „Glaubst Du etwa der Hamas-Propaganda“, konterte er öffentlich in der live-Sendung. Erst nach der Sendung gestand er, dass unsere Fragen durchaus legitim seien. Er wolle sich bei seinen Kontakten um Aufklärung bemühen.

Aufklärung fünf Monate später

Erst jetzt, fast fünf Monate später, kam die Aufklärung. Das israelische Militär hatte zahlreiche Vorfälle während des Gazakrieges untersucht und dazu Auszüge aus einem internen Report an die Presse weitergegeben. Neben dem durchgestrichenen Wort „vertraulich“ ist da angemerkt, dass die nachfolgenden Angaben nur der Reporter sich selber zuschreiben dürfe, ohne weitere Angabe der Quelle. Sei es drum.

Das Verhalten des israelischen Militärs im letzten Gazakrieg wurde nun untersucht und in einem Bericht teilweise veröffentlicht.
Zu einem Lastwagen, der am 29. Dezember 2008 angeblich Sauerstofftanks geladen habe heißt es da: „Auf den Lastwagen wurde gezielt, nachdem sich in überzeugender Weise Informationen gehäuft hatten, wonach der Lastwagen Raketen einer bekannten Raketenfabrik der Hamas zu einer ebenso bekannten Abschussstelle transportierte. Der Angriff wurde nahe einer bekannten Raketenfabrik der Hamas ausgeführt und nachdem eine Rakete abgeschossen worden war. Erst später stellte sich heraus, dass der Lastwagen Sauerstofftanks geladen hatte, die Gradraketen täuschend ähnlich sind. Der Angriff tötete vier Hamas-Aktivisten und vier unbeteiligte Zivilisten. Es ist wichtig anzumerken, dass die Sauerstofftanks höchstwahrscheinlich von der Hamas zur Herstellung von Raketen genutzt wurden.“

Misstrauen weiter angebracht

Die „moralischste Armee in der Welt“ – so Verteidigungsminister Ehud Barak – hat in ihrem jetzt erst halbwegs veröffentlichten Report zahlreiche Einzelfälle und das allgemeine Verhalten der Truppen untersucht. Erstmals gestand die Armee, dass tatsächlich Phosphormunition eingesetzt worden sei, aber nicht gegen die Zivilbevölkerung und nicht nur, um ein Rauchschild zu erzeugen. Es wurden auch Fehlschüsse und falsche geheimdienstliche Informationen eingestanden, denen dann ganze Familien zum Opfer fielen. Gleichwohl besteht die Armee darauf, dass in keinem einzigen Fall Soldaten gezielt und absichtlich Zivilisten erschossen hätten. Soldaten, die entgegen den Befehlen UNO-Fahrzeuge beschossen hätten, sollen strafrechtlich verfolgt werden. Das Eingeständnis von Fehlern und Fehlschüssen, unter anderem in dem speziell von uns recherchierten Fall der Bombardierung eines Lastwagens mit Sauerstoffflaschen, zeugt von einem aufrichtigen Bemühen, Fehler nicht unter den Teppich zu kehren. Misstrauen ist jedoch weiterhin angebracht.

Ob eine „unabhängige“ UNO-Kommission, mit der Absicht, israelische Kriegsverbrechen aufzudecken, tatsächlich andere Ergebnisse ans Tageslicht bringen kann, darf bezweifelt werden. Ob jemals die gegnerische Kriegspartei, die Hamas im Gazastreifen, einen ähnlich aufrichtigen Reports über eigene „Fehler“ veröffentlicht, darf ebenfalls bezweifelt werden.

Es gibt ja Leute, die bezweifeln jeglichen Bericht, der von israelischen Offziellen gemacht wurde und stufen ihn als israelischen Propaganda ein. Diesen Bericht hier auch?

Die IDF hat Fehler gemacht – das ist sehr traurig und absolut zu bedauern. Leider ist das auch nicht zu rechtfertigen oder gegenzurechnen, man kann nur versuchen, entweder Verständnis aufzubringen und das Bemühen, möglichst wenige Fehler zu machen, anzuerkennen oder man bauscht das Ganze auf und nimmt die Vorfälle als Grundlage einer Anklage und eines Beweises für die brutale Vorgehensweise der IDF. Das kommt darauf an, welchen Standpunkt man vertritt bzw. welchen Reflexe diese Berichte auslösen.

Und man muss auch mal das Verhältnis sehen:

Gerade den Europäern muss man in dieser Frage ein kurzes Gedächtnis vorwerfen. Im Kosovo-Krieg kamen laut einem Bericht von Human Rights Watch etwa 500 Zivilisten (andere Schätzungen liegen weit höher) um und „nur“ 169 Soldaten der exjugoslawischen Armee, die als Ziel viel leichter zu identifizieren war als die nicht in Uniform kämpfende Hamas, die auch über keine von Zivileinrichtungen separierten Militäreinrichtungen verfügt. Um einen Kämpfer zu treffen, tötete die NATO also etwa drei Zivilisten. Nach allen bisher vorliegenden Daten über das Verhältnis von der Zahl der Ziviltoten zur Zahl der getöteten Hamas-Kämpfer war die israelische Militäraktion in Gaza weit präziser bei der Vermeidung ziviler Opfer als der NATO-Krieg im Kosovo. Aber Krieg ist immer furchtbar und grausam.

Auch die Versuche, gewisse Dinge zu vertuschen oder sie der Hamas in die Schuhe zu schieben, ist nicht ok. Leider ist das ein typisch menschliches Verhalten. Was aber für Israel spricht, sind die Tatsachen, dass 1. Journalisten nachfragen und in Frage stellen dürfen und 2. die Wahrheit dann doch noch ans Licht kommt. Vielleicht nicht alles, aber doch einiges.Es gibt eine freie Presse in Israel, die nicht immer zimperlich mit der Regierung und der Armee umspringt. Auch Blogger werden in Israel nicht weggesperrt oder unnormal behandelt.

Ich würde gerne die Hamas oder auch die Fatah sehen, die so einen Bericht herausgibt, der sich mit den eigenen Fehlern beschäftigt.

Ach nee, ich Dussel …  geht ja nicht. Die Israelis haben ja die Papierlieferungen an der Grenze aufgehalten, so dass keine Berichte seitens der Palästinenser herausgegeben werden können.

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Eine Antwort

  1. […] der toten Zivilisten zu den toten Kämpfern angeht, gibt es auch einen interessanten Vergleich, den Markus dazu gestellt […]

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