• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
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Auswertung der Umfrage

„Wer sind eigentlich Evangelikale“?

Ich habe dies einmal anhand von 5 Positionen abgefragt, weil mich interessiert, wie meine Leser denken. Evangelikale Christen werden heutzutage im Gegensatz zu „normalen“ evangelischen Christen mit Fundamentalismus und Extremismus gleichgesetzt, nicht selten sogar mit islamischen Extremisten.

Dabei werden gerne die amerikanischen Evangelikalen mit ihrem Einfluss auf die amerikanische Politik und daraus dann wieder die Randfiguren mit extremen Positionen als Beispiel herangezogen. So gibt es z.B. Schwulenhasser und Abtreibungsgegner, die in ihren Aktionen unstrittig zu weit gehen. Aber stehen sie für die Masse der amerikanischen oder auch deutschen evangelikalen Christen?

Was macht Evangelikale eigentlich aus, welche Positionen vertreten sie?

Hier nun die Auswertung mit insgesamt 191 abgegebenen Stimmen:

Stimmen Prozent
1a. Sie nehmen die Bibel zu 100% wörtlich 19 39,58%
Total 48
1b. Sie glauben an die Bibel, sehen aber auch Auslegungsbedarf 29 60,42%
2a. Sie wollen Menschen – notfalls mit Gewalt – missionieren 3 8,82%
Total 34
2b. Sie erzählen von ihrem Glauben – ohne Gewalt 31 91,18%
3a. Sie lehnen die Evolutionstheorie & Wissenschaften zu 100% ab 5 14,71%
Total 34
3b. Sie lehnen das Zufallsprinzip ab, sind aber für Wissenschaft offen 29 85,29%
4a. Sie wollen Homosexuelle mit Zwang umpolen 7 19,44%
Total 36
4b. Sie sagen ihre Meinung über Homosexualität 29 80,56%
5a. Sie sind verbohrt und beratungsresistent 7 17,07%
Total 41
5b. Sie haben einen starken Glauben und stehen dafür ein 34 82,93%

Diese Umfrage ist sicherlich nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. 2 Dinge stechen heraus:

1. Evangelikale Christen wollen ihren Glauben nicht mit irgendeiner Form von Gewalt weitergeben (über 90%) und

2. „Sie nehmen die Bibel zu 100% wörtlich“ – mit fast 40%.

Zum ersten muss man nicht viel sagen. Es gibt so gut wie keine Christen, die ihren Glauben mit Gewalt verbreiten und Gewalt entspricht auch in keiner Weise dem christlichem Glauben, der sich auf die Bibel gründet.

Allerdings wird die Gesellschaft immer kritischer, was die Weitergabe von Glauben in Schulen und Kindergärten betrifft. Da werden auch gerne mal Baugenehmigungen nicht erteilt oder öffentliche Gelder zurückgehalten. Dies kommt überwiegend aus der linken Ecke. Da wird dann mit „fundamentalistischer“ Indoktrinierung argumentiert. Was Käse ist, denn wir sind keine – im negativen Sinne – Fundamentalisten.

Ist es fundamentalistisch, Kindern die Werte der Bibel beizubringen und ist es weniger fundamentalistisch, Kindern eine nicht bewiesene Evolutionstheorie ohne Gegenmodell oder die angebliche Unisexualität des Menschen beizubringen?

Um den zweiten Punkt gibt es immer wieder Streit. Was unterscheidet denn „normale“ evangelische Christen von evangelikalen? Die evangelischen Christen sind oft zu Kulturchristen geworden: Sie sind Mitglied in der Kirche, feiern die Feste, halten Traditionen hoch und tun gerade im sozialen Bereich viel Gutes. Sie glauben an einen Gott und lesen auch sicherlich in der Bibel. Die Maßstäbe für ihre Lebensführung aber bestimmen sie selbst. Das kirchliche Element ist ein Additiv, was sie zu guten Menschen machen soll.

Evangelikale Christen wollen die Bibel als Maßstab für ihr Leben und die Autorität Gottes ernst nehmen. Natürlich leben auch sie in einer bestimmten Kultur, die aber nicht die entscheidende Rolle in der Lebensführung spielen soll.

Bibel

Die Bibel ist also wichtig. Und nun stellt sich die Frage: Wie wichtig? Eins vorweg: Zu 100% wörtlich nimmt sie wohl kein Christ. Denn dann müssten heutzutage z.B. Frauen noch ein Kopftuch tragen (1. Kor. 11,6) oder Menschen würden sich die Augen herausreißen müssen (Matth. 5,29).

Daher muss man das, was in der Bibel steht, interpretieren und im Kontext verstehen. Hier gibt es den historischen, den literarischen, den theologischen und den innerbiblischen – und das Gesamtbild, das die Bibel liefert. Denn wir glauben an einen liebenden Gott, der Gutes für uns will.

Wenn man einen Brief eines sehr guten Freundes erhält und dort steht ein Satz, der nicht so eindeutig ist, dann sind wir – im Gegensatz zu anderen Leuten, die ihn nicht kennen – normalerweise in der Lage, diesen Satz trotzdem richtig zu interpretieren, weil wir ihn oder sie gut kennen.

So ist es mit der Bibel als dem Wort Gottes auch: Wir brauchen die persönliche Beziehung zu Gott, um zu verstehen, was gemeint ist. Wenn wir dann den Kontext beachten und als Pastoren Theologen haben, die es in guter wissenschaftlicher Weise gelernt haben, die Bibel auszulegen, dann kann es gut klappen.

2 Ergänzungen noch: Ich glaube nicht, dass ich im Besitz einer endgültigen Wahrheit bin. Die endgültige Wahrheit kennt nur Gott. Ich bin und werde mein Leben lang ein Suchender sein.

Mit Gott zu leben heißt, in einer Beziehung zu leben. Die Bibel ist daher weder ein heiliges noch ein Gesetzbuch, das zu 100% befolgt werden muss, damit ich in den Himmel komme. In den Himmel komme ich aufgrund meiner Entscheidung für Gott und der täglichen Sündenvergebung. Die Bibel gibt mir die Richtung vor, ein gutes und gottgefälliges Leben zu führen. Und weil ich Gott liebe, werde ich versuchen, mich daran eng zu halten.

Wissenschaft

Viele Christen sind Wissenschaftler. Wissenschaften sind etwas sehr Gutes und haben uns viel Gutes gebracht. Womit ich als Christ Probleme habe, ist eigentlich nur eine Sache: Der Anspruch – und den haben nicht alle Wissenschaftler – mancher Leute, die Wissenschaften und ihre Ergebnisse seien das Maß aller Dinge und dahinter gibt es keine Wahrheit.

Wie viele Theorien wurden in der Wissenschaft schon aufgestellt und so auch Jahrzehnte oder Jahrhunderte gelehrt, bis eine neue Theorie das alte umgeworfen hat. Da ist doch der Kern der Wissenschaft: Etwas ist nur solange gültig, bis etwas Neues es ungültig macht. Die Arbeitsweise unter Wissenschaftlern ist die, dass alles in Frage gestellt werden darf  (und auch wird), damit eine furchtbare Diskussion entsteht und man die Grenzen der eigenen Fähigkeiten durchbricht.

Viele Menschen halten aber gerne an temporären Ergebnissen der Wissenschaften fest, weil sie damit ihr bestehendes Weltbild festigen können.

Die Evolutionstheorie lehne ich als Christ nur in einem Punkt ab: Das Zufallsprinzip. Die Bibel ist kein wissenschaftliches Werk und kann mir daher keine genauen Informationen über die Entstehung der Erde und der Menschen geben. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Gott am Anfang eine Art Urknall benutzt hat, um das Universum zu erschaffen. Oder dass Tiere sich aus anderen Tierarten entwickelt haben.

Das Zufallsprinzip lehnt aber jedes göttliche Eingreifen per se ab. Kleine Notiz am Rande: Die Sonne strahlt jede Sekunde eine Leistung von 3,7*10^26 W ab und das seit Tausenden/Millionen von Jahren. Woher kommt diese Energie? Ohne sie wäre unser Leben und alles andere Leben auf der Erde absolut unmöglich.

Natürlich gibt es auch andere Theorien (z.B. ID = Intelligent Design), denen es aber meistens an einer soliden wissenschaftlichen Grundlage mangelt. Aber die Idee, dass ein Schöpfer seine Finger im Spiel hatte, lässt sich nicht so einfach von der Hand weisen.

Letztendlich gilt: Ich glaube, dass Gott die Erde, mich und die anderen Menschen mit einer liebevollen Absicht erschaffen hat. Wie und wann er das getan hat, ist für mich und viele andere Christen eher zweitrangig.

Homosexualität

Ein schwieriges, weil sensibles Thema. Und darin sind wir Christen auch z.T. selber Schuld.

Eigentlich aber ist es relativ einfach: Wir glauben an die gute Schöpfungsordnung Gottes, die die Familie und Ehe zwischen Mann und Frau vorsieht. Homosexualität (im Gegensatz zu Homosexuellen!) wird in der Bibel abgelehnt (Rö. 1,27, 1.Kor. 6,9)

Wir glauben an die Bibel und deshalb sollte die Einstellung zur Homosexualität auch keine Frage unter Christen sein. In der Bibel steht aber auch, dass wir nicht lügen oder stehlen sollen. Und wir tun es manchmal trotzdem. Die Wertigkeit eines Fehlverhaltens ist vor Gott gleich. Die Unterschiede entstehen bei uns.

Was wir als Christen für uns aber nicht akzeptieren können, ist ein Lebensstil, der der Bibel widerspricht. Wenn ich also dauerhaft lüge und dann auch noch fordere, dies sei von anderen Christen als richtig anzuerkennen, ist das nicht ok. Wenn ich also homosexuell veranlagt bin und ich will ernsthaft als Christ leben, dann kann ich  meine Triebe nicht so ausleben als gäbe es die Bibel als Wort Gottes nicht.

Wir sehen aber auch eine gesellschaftliche Aufgabe, unsere Werte nicht zu verschweigen und deshalb reden wir auch darüber. Und da kommen die Schwierigkeiten auf: Viele Homosexuelle sehen das als eine unzulässige Diskriminierung an und fordern die Christen, sie als Homosexuelle ohne Einschränkung anzuerkennen.

Hier liegt aber ein Missverständnis vor: Als Christen lehnen wir nicht die Homosexuellen ab, sondern die Homosexualität. Wir erkennen die Homosexuellen als vollwertige, von Gott – genauso wie allen anderen – geliebte Menschen an. Wir können aber den Lebensstil nicht als richtig definieren.

Das ist aber das, was manche Homosexuelle verlangen. Und uns dann als Rassisten beschimpfen, wenn wir es nicht tun. Soweit ich weiß, haben wir aber Religions- und Meinungsfreiheit in Deutschland. Und wenn wir es als Christen ertragen müssen, dass man uns oft verlacht und verspottet, dann sollten die Homosexuellen es auch aushalten können, dass es eine andere Meinung gibt als die ihre. Verlachen tun wir sie deshalb nicht.

Schlimm wird es dann, wenn Christen sagen: es gibt Homosexuelle, die ihren Lebensstil ändern wollen und wir können und wollen ihnen dabei helfen. Da wird dann von Gehirnwäsche und Indoktrinierung gesprochen und alle Verbände regen sich fürchterlich auf. Am Ende müssen dann christliche Veranstaltungen wie vor 2 Wochen in Marburg unter Polizeischutz durchgeführt werden, weil es die HS nicht nur nicht ertragen können, dass jemand eine andere Meinung hat, sondern auch radikal dagegen vorgehen. Sie werfen uns vor, wir würden einseitig Heterosexualität lehren und fordern. Ja, das tun wir. Aber 1. tun sie das genauso mit der Homosexualität und 2. seit wann gibt in unserem Land nur noch Platz für eine Position?

Zum Nachdenken: Sollte es nicht jedem Menschen möglich sein, seine Religion frei und ohne Druck zu wechseln? Wieso sollte das gleiche Recht nicht für jemanden gelten, der seine sexuelle Orientierung verändern möchte? Und wenn ihm dann ein christlicher Therapeut dabei hilft – was gibt es dagegen zu sagen?

Gehen wir auf die Straße und schanghaien Homosexuelle zwecks gewaltsamer Umpolung? Nein. Wir helfen den Menschen, die von selbst kommen.

Glaube und Toleranz

Öfters werden wir in eine fundamentalistische und extremistische Ecke gedrängt, weil wir feste Überzeugungen haben, zu denen wir stehen und nicht mit der Zeit mitgehen. Daraus entsteht ein Bild von sturen, wirklichkeitsfremden und beratungsresitenten Menschen, die bereit sind, für ihre Überzeugungen auch schlimmste Dinge zu tun.

Und ja: Es gibt solche Menschen, auch Christen. Vor nicht allzu langer Zeit erschoss ein Christ einen Abtreibungsarzt. Um es klar zu sagen: Das ist falsch und von der Bibel nicht abgedeckt. Solche Menschen handeln falsch.

Aber aus einem solchen Beispiel Rückschlüsse zu ziehen, ist ein Strohmann-Argument. Man nimmt sich die Extreme und schließt dann auf die Gesamtheit. Das funktioniert aber nicht, denn insgesamt vertreten Evangelikale ein solches Vorgehen in keinster Weise. Abtreibung wird abgelehnt, weil es Mord ist: Im Mutterbauch darf man es töten, 5 Minuten später ist es ein schützenswertes Leben. Hier hat die Gesellschaft einen für sie praktischen aber tödlichen Kompromiss geschlossen. Aber die Leute, die Abtreibungen vornehmen, sind trotzdem Gottes Geschöpfe und deshalb zu achten und zu respektieren.

Insofern ist unser Glaube intolerant gegenüber Haltungen, Einstellungen und Überzeugungen, die gegen die Bibel stehen – wobei es sich um eine passive Intoleranz handelt, denn demjenigen passiert (normalerweise) nichts. Die Menschen, die diese Meinungen vertreten, sollen jedoch Gottes Liebe durch uns sehen – was zugegebenermaßen nicht immer klappt.

Hier werden 2 Aufgaben wahrgenommen: Unser Glaube als Christen soll nicht durch faule Kompromisse aufgeweicht werden – das ist eine interne Angelegenheit.

Und dann wollen wir gesellschaftlich aktiv sein und mit unseren Überzeugungen nicht hinterm Berg halten. Denn natürlich sind wir der Überzeugung, dass die biblischen/göttlichen Werte das Beste für unsere Gesellschaft sind. Aber: Wir erkennen den Staat und die Gesellschaft, in denen wir leben, voll an und respektieren die Gesetze. Wir arbeiten also nicht gegen den Staat und die Gesellschaft, sondern innerhalb – mit den gegebenen Möglichkeiten.

Und da so unser Staatswesen funktioniert, dass im Streit der verschiedenen Meinungen und Überzeugungen ein Kompromiss gefunden wird, den man umsetzt, stimmen wir mit unseren Vorstellungen in den Chor ein.

Mission

Da schlagen die Wellen hoch und in letzter Zeit immer höher. „Mission geht gar nicht. Das gewaltsame Aufdrängen der eigenen Überzeugungen ist falsch.“ Richtig. Das will auch keiner (mehr). Auch hier gilt: Von Einzelbeispielen oder Fehlverhalten aus der Vergangenheit auf das Gesamte zu schließen, ist nicht korrekt.

Für uns Christen ist Mission etwas Wesentliches. Unser Glaube hält uns dazu an, nicht passiv zu sein, sondern aktiv – unter den richtigen Voraussetzungen. Wer dabei Mission noch mit Schwarzenmordenden Christen in Verbindung bringt, hat sicherlich ein Problem. Gemeint ist Mission als ein Vorleben des Glaubens, das überwiegend durch ein positives Vorbild und durch Predigt & Zeugnis funktioniert.

Aggressives, liebloses und gewaltsames – mit welcher Art von Gewalt auch immer – Überstülpen des Glaubens oder hemmungsloses und hinterhältiges Ausnutzen von Notsituationen ist damit nicht gemeint.

Vieles konzentriert sich heute auf die Kinder. Die allermeisten Ideologien und Religionen haben erkannt, wie effektiv es ist, Kinder von klein an im eigenen Sinne zu „füttern“. Das war aber schon immer so, dass Kinder die Kinder ihrer Eltern waren. Und jetzt entdecken manche, die mit ihren Ideologien auch „missionieren“ (das heißt bloß anders), dass die Christen für andere Werte stehen – und das stört sie natürlich. Denn ihre Werte sind natürlich modern und i.O., aber die christlichen sind es nicht.

Es wird sich nicht an der Mission an sich gestoßen – denn das tun viele – sondern (nicht nur, aber auch) an der christlichen.

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