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Araber in Israel – ein Problem?

Von Claudio Casula (Text aus 2006)

Zugegeben: Ich möchte nicht unbedingt Araber in Israel sein. Okay, sehr viel lieber als ein Kopte in Ägypten, ein Wahutu in Burundi oder ein Eritreer in Äthiopien, ein Papua in Indonesien oder ein Bengale in Ostpakistan, ein Biafraner in Nigeria oder ein Südsudanese im Sudan etc.. Lieber auch als ein Angolaner in den neuen Bundesländern. Aber, nein: Ich möchte kein Araber in Israel sein – wegen der schwierigen Identität, wegen möglicher beruflicher Benachteiligungen, wegen des Misstrauens, das einem Araber von einem Großteil der jüdischen Israelis entgegengebracht wird.

So oder ähnlich werden auch die Araber in Israel empfinden. Aber was sie noch viel weniger sein wollen: Araber in Palästina.

Wer einen Israelkritiker binnen zehn Minuten älter aussehen lassen will als den Stones-Gitarristen Keith Richards, muss ihn nur mit ein paar interessanten Fakten konfrontieren.

In Israel leben heute knapp 1,4 Millionen Araber. Sie stellen ziemlich genau 20 Prozent der Bevölkerung. Drei Viertel sind Muslime, 17 % Christen und 8 % Drusen. Diese leisten aber, anders als die „richtigen“ Araber, auf die sie einen Rochus haben, ihren Wehrdienst ab und unterscheiden sich auch in mancherlei anderer Hinsicht von jenen.

Verständlicherweise können sich die israelischen Araber nur leidlich mit den Symbolen des Staates identifizieren. Der Davidstern in der Flagge, die Menora im Staatswappen, die Nationalhymne Hatikva – alles Zeichen für die vorwiegend jüdische Identität Israels. Aber sie können ganz gut damit leben. Jedenfalls hat sich ihre Zahl seit der Staatsgründung 1948 verachtfacht. Sie haben alle vollen bürgerlichen Rechte, Arabisch ist zweite Amtssprache, und arabische Parteien stellen Vertreter in der Knesset (von denen allerdings wenig Ruhmreiches zu berichten ist).

Der Wehrdienst bleibt den arabischen Bürgern Israels erspart, offiziell, um im Kriegsfall ein moralisches Dilemma auszuschließen, mutmaßlich aber auch, weil viele Israelis die als Fünfte Kolonne der Palästinenser verdächtige Minderheit nur ungern mit Waffen ausgestattet sehen wollen. Angesichts der Unruhen im Herbst 2000, als sich militante Araber aus Israel mit den „Al-Aqsa-Intifada“-Aktivisten solidarisierten, eine nicht ganz von der Hand zu weisende Haltung.

Ansonsten leben die Araber Israels in relativem Wohlstand, mit sehr guter medizinischer Versorgung und allen demokratischen Rechten besser als die meisten ihrer Brüder in den arabischen Ländern. Sie besuchen die acht Universitäten des Landes, arbeiten als Hilfskräfte, Farmer und Bauarbeiter, aber auch als Anwälte, Lehrer, Ärzte, Gewerkschafter, Abgeordnete etc.

Mehr als Hälfte der arabischen Staatsbürger Israels lebt in 103 Dörfern, der Rest in sieben Städten mit gemischter Bevölkerung. Vier davon, im Südosten Galiläas, sind rein arabisch. Von Nord nach Süd: Um el-Fachem, Baqa- El-Garbye, Tira, Taibe. Diese Gegend ist bekannt unter der Bezeichnung El Mutallat, das Dreieck.

Dieses Dreieck mit einer Fläche von 250 qkm wurde nach dem Rhodos-Abkommen 1949 von Jordanien an Israel übergeben. Über den Streifen von 52 km Länge und 3-6 km Breite verteilen sich 17 Gemeinden. Etwa 43 % der Bewohner leben in den Städten Taibe und Um el-Fachem. Insgesamt stellen die Araber im „el Mutallat“ ein Fünftel der arabischen Bevölkerung Israels.

Nun regt die unmittelbare Grenznähe des Dreiecks seit geraumer Zeit die Phantasie der Politiker an. Spätestens seit die Barak-Regierung ernsthaft sogenannte „land swaps“ erwog, also einen reinen Austausch der Souveränität über Gebiete ohne Umsiedlung der Bevölkerung, wird offen darüber diskutiert, ob man nicht im Zuge der Annexion größerer Siedlungsblöcke in der Westbank arabische Orte westlich und nördlich der Green Line (Waffenstillstandslinie) der palästinensischen Autonomiebehörde überlassen könnte.

Unabhängig von rechtlichen Problemen, die ein solcher Schritt wohl mit sich brächte, liegt diese Überlegung natürlich nahe: Im Bestreben, eine ebenso satte wie dauerhafte jüdische Bevölkerungsmehrheit zu erhalten, würden nicht wenige Israelis das Dreieck lieber jenseits des Sicherheitszaunes sehen, ebenso wie arabische Vororte Jerusalems. So kämen mit einem Schlag 450.000 israelische Araber in den Genuss, offiziell Palästinenser zu werden, ohne umziehen zu müssen.

Aber mögen Vertreter der arabischen Minderheit Israels auch in jedes hingehaltene CNN-Mikrophon jammern, mag das Parlamentsmitglied Ahmad Tibi gegen die „Mauer“ protestieren oder sein noch berüchtigterer Kollege Azmi Bishara zu Arafat und Assad pilgern und im Libanon den „rassistischen Staat“ Israel geißeln: Nach Umfragen würden sich 70–90% der arabischen Staatsbürger – je nachdem, wie ehrlich die Befragten sein können – mit Händen und Füßen dagegen wehren, den israelischen Personalausweis gegen einen palästinensischen einzutauschen. (Dies deckt sich, nebenbei, mit den persönlichen Erfahrungen, die ich im Lauf der Jahre machen durfte.) Als Ehud Barak im Sommer 2000 Arafat die Souveränität über den größten Teil Ostjerusalems anbot, brach unter den arabischen Bewohnern der Hauptstadt gar eine veritable Panik aus: Viele, die bis dahin noch nicht die israelische Staatsbürgerschaft beantragt hatten, versuchten nun eilig, das Versäumte nachzuholen.

2004 ließ Ministerpräsident Ariel Sharon einen Versuchsballon in die gleiche Richtung starten: Der Rechtsausleger Avigdor Lieberman propagierte den „weichen Transfer“ des Dreiecks mit seinen 250.000 Bewohnern – und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus. Sogar der Bürgermeister Um el-Fachems und Führer der islamistischen Bewegung, die schon seit etlichen Jahren die Stadt regiert, war entsetzt und führte als Grund für das Bedürfnis, Israeli zu bleiben, u.a. an dass es um Demokratie und Justiz in Israel weit besser bestellt sei als in allen arabischen / islamischen Ländern.

Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte und die Möglichkeit, sich in „jüdischen“ Krankenhäusern behandeln zu lassen. Neun von zehn Menschen im Dreieck sind in der Kupat-Cholim, der staatlichen Krankenversicherung, und können im Fall schwerer Erkrankungen die Kliniken von Afula und Hadera bzw. im Süden die von Petach-Tikva und Kfar-Sava aufsuchen.

Im Wadi Ara kann nicht einmal der Bau des Sicherheitszaunes die Araber zu Demonstrationen mobilisieren. Denn die Sperranlage hat alle Versuche der jenseitigen Palästinenser vereitelt, illegal nach Israel einzudringen, und die erkleckliche Anzahl der Diebstahlfälle auf Null gebracht, was man diesseits mit Befriedigung zur Kenntnis nimmt. Die Wahrheit ist: Israels Araber blicken mit einiger Verachtung auf die bucklige Verwandtschaft im Westjordanland herab.

Fazit: Bei allen großen und kleinen Ungerechtigkeiten, die der arabischen Minderheit in Israel widerfahren mögen, kann sich nach allen Umfragen nur eine winzige Minderheit vorstellen, als Palästinenser in Palästina zu leben. Wohlgemerkt: nicht einmal, wenn dafür kein Umzug notwendig würde. Und das, obwohl sie schon seit 1948 unter israelischer „Besatzung“ lebt. In den kleinen arabischen Ortschaften in der Nähe der Siedlung Alfej Menashe war die Verzweiflung groß, nachdem im vergangenen Sommer ein Imam beim Obersten Gerichtshof in Jerusalem erfolgreich gegen den Verlauf des Sicherheitszaunes geklagt hatte. Dem Geistlichen war die „nationale Ehre“ wichtiger als das Wohlergehen der Menschen, die nun außerhalb des Zauns werden leben müssen.

Wann immer also einer daherkommt und von der „unterdrückten arabischen Minderheit“ schwadroniert, sollte man ihn nur eines fragen: warum diese lieber in der zionistischen Hölle als im Paradies der palästinensischen Befreiungsbewegungen leben möchte. Weiß er darauf keine Antwort, so möge er die unsterbliche Empfehlung Dieter Nuhrs beherzigen:

„Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal Fresse halten.“

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9 Antworten

  1. @Dreimalklug

    es leben die Klischees. Aber der Nick passt wenigstens. 😀

  2. @Dreimalklug (schöner Name, btw)
    Israelkritiker – immerhin eine ehrliche Vorstellung.
    Ein Israelkritiker würde sich die Argemente durch den Kopf gehen lassen und wäre ggf. auch bereit, seine Meinung zu revidieren. Sind Sie das?

    Denn wenn nicht, dann gehören Sie wohl eher zu den Israelhassern, denen Fakten in ihrem Weltbild nicht besonders kratzen.

    Dass Sie Ihre eigene kleine Metapher aufbauen und die o.g. Fakten ignorieren, spricht dann wohl eher für die letztere Version.

    Aber selbst wenn man o.g. Fakten ignoriert: Ihre Metapher hinkt und passt nicht.

    1. Die Israelis haben die Palästinenser nicht eingesperrt. Jahrzehntelang waren die Grenzen offen und die beiden Gruppen lebten mit- und direkt nebeneinander. Erst als die beiden Intifadas stattfanden, hat Israel zum Eigenschutz den Zaun gebaut.

    2. Auch hat Israel die Palästinenser nicht vertrieben oder enteignet – jedenfalls nicht in großer Zahl. Die Landverluste der Palästinenser geschahen nach kriegerischen Auseinandersetzungen, die Israelis haben Land freiwillig abgegeben (z.B. Süd-Libanon, Sinai, Gaza). Und was ist mit den ca. 900.000 Juden, die nach dem 2. Wk bis heute aus den arabische-moslemischen Ländern vertrieben wurden? Nicht, dass man das gegeneinander aufrechnen sollte, aber wenn sie schon Vertreibung kritisieren, dann sollte das auch erwähnt werden, oder?

    3. Der Gazastreifen und das Westjordanland unterstehen nicht mehr der israelischen Autorität, sondern (im Gazastreifen) einer Hamas-Regierung und im Westjordanland der Palästinensischen Autonomiebehörde, die als Ergebnis der Osloer Verträge einer Selbstverwaltung vorsteht. Die Lebensverhältnisse in den pal. Gebieten („Gefängnis“) sind also zu einem großen Teil durch die eigenen Leute bestimmt. Z.B. hier oder zu den Lebensverhältnissen hier.
    Die Wirtschaft im Westjordanland in der letzten Zeit um 7% gewachsen.

    4. Sie blenden die gesamte, jahrzehntelange Vorgeschichte aus und fixieren sich komplett auf die Nakba – Geschichte der Palästinenser.

    Wenn Sie ein Israelkritiker sind, dann sollten Sie schon Israels Geschichte berücksichtigen, sonst werden Sie nämlich unglaubwürdig.

  3. Ich bin Israelkritiker und finde deine Arguumente gehen ins Leere.

    Du fragst warum die israelischen Araber nicht zum palästinensischen Teil gehören wollen und wunderst dich über die Antwort?

    Metapher:
    Frankreich sperrt die Spanier in Spanien ein, gewärht ihnen keine „normalen“ Rechte eines „normalen“ Staatsbürgers, enteignet den Spanier in Spanien und vertreibt in in das immer kleiner werdende Spanien. Es leben Spanier in Frankreich die zwar diskriminiert werden aber NICHT SO WIE IN SPANIEN. Nun stell dem Spaier in Frankreich mal die Frage ob er lieber in Spanien oder Frankreich leen möcte. Oder anders, frag ihn, ob er einige Rechte oder wenige haben möchte, oder ob er in Freiheit oder im Gefängnis leben möchte.

    HALLO!!! Frag mal jemanden ob er im Gefängnis oder in Freiheit leben möchte… die Antwort kann man sich schenken, was für ein beschränkter Artikel!

  4. Ja, Bianca, Halbwissen ist genau ein Gütezeichen der sogenannten „Israelkritiker, bei Ihnen schaut das nicht anders aus.

    Zwischen Jordan und Mittelmeer gibt es keine jüdische Bevölkerungsmehrheit mehr. Zu diesem Schluss kommt Prof. Sergio DellaPergola von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Der Experte für Bevölkerungsentwicklung erläuterte in einem Zeitungsinterview, dass Juden – nach der Definition der Regierung – weniger als die Hälfte der Bevölkerung in Israel, dem sogenannten Westjordanland und dem Gazastreifen ausmachten. Als Gründe nannte er das extreme Wachstum der palästinensischen Bevölkerung sowie die stark angestiegene Zahl von Gastarbeitern, Flüchtlingen und eingewanderten Juden, die vom Innenministerium aber noch nicht als jüdisch anerkannt würden.

    Stand der Dinge: Freitag, 26. November 2010 | von nai news

    Mann lass endlich Hirn vom Himmel regnen.

  5. „…die nazis hättens in polen schon auch noch schön gemacht…“

    Sie sollten vorher überlegen, welches dummes Zeug Sie labern. Aber es ist immer wieder erhellend, wie sich manche blamieren und die Nazitriene heraushängen lassen.

  6. So was liebe ich ja. Halbwissen unterstellen und dann selber solche halben Sachen machen und rumpöbeln.
    Das Bevölkerungswachstum geht ganz bestimmt nicht auf den Rückzug der Palästinenser zurück.
    Ein Satz aus wikipedia:
    „Da die arabische Bevölkerung im Gegensatz zur restlichen Bevölkerung Israels sehr kinderreich ist, wird erwartet, dass der Anteil israelischer Araber an der Gesamtbevölkerung Israels in den nächsten Jahrzehnten deutlich über 20 Prozent steigen wird.“

    Also, vorgefasste Meinungen und Nazivergleiche bringen uns hier ganz bestimmt nicht der Wahrheit näher. Mal Butter bei de Fische, Frau Benzin!

  7. Alles was ich sagen will ist dass du bevor du dich in was verrennst, dich mit der Person Casula auseinandersetzt…

  8. Gut geschrieben, ich werde diesen Artikel ein paar „Israelkritikern“ empfehlen und sie der Warheit etwas näher bringen.

    Gruß

    • Ich hoffe ja dass die israelkritiker denen du diesen artikel empfehlen willst, deine liebe zu gefährlichen halbwissen teilt…bspw. das starke bevölkerungswachstum (deine mutter hat sich verachtfacht) der araber geht ist zum größten teil der tatsache zu schulden, dass unmittelbar nach staatsgründung knapp 90 % der arabischen Bevölkerung geflohen ist, um dann unter erheblichen schwierigkeiten seitens der israelischen regierung, wieder in IHRE heimat zurückgekehrt sind.
      und was die „großartige“ entwicklung des landesangeht…die nazis hättens in polen schon auch noch schön gemacht…

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