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Der Islam und die Zivilreligion

Von Bassam Tibi

Noch vor einer Dekade hätte niemand erwogen, dass der Islam im neuen Jahrhundert dermaßen im Zentrum des Geschehens stehen würde – selbst nicht nach der „islamischen Revolution“ im Iran und den Kriegen in Nahost und Afghanistan. Heute muss man sich – angesichts einer wachsenden Islam-Diaspora von 23 Millionen weltweit – innenpolitisch in diesen Diaspora-Ländern die Frage stellen, ob der Islam analog zur Zivilgesellschaft mit Zustimmung der Muslime als Zivilreligion gedeutet werden kann. Ist dies nicht möglich, dann sollte man jegliche Art von Integration schnell vergessen.

Auch andere nicht-westliche Länder wie China oder Indien, die signifikante islamische Minderheiten haben, müssen die Frage der Integration von Muslimen in ein nicht-muslimisches Gemeinwesen beantworten. Dort herrscht aber bereits Gewalt, so etwa in Xinjiang oder Kaschmir. Die Europäer verdrängen diese Frage noch – aber die Rede über eine „Ethnizität der Angst“ in Bezug auf den Islam kann auch in Europa nicht länger unterdrückt werden. Denn sollte es nicht gelingen, einen „zivilen Islam“ durchzusetzen, dann lässt sich schon jetzt ein gewaltförmiges Szenario dieser „Ethnizität der Angst“ voraussagen – der Begriff meint die gewaltförmige Austragung von ethnischen Konflikten. Über die Möglichkeiten, die den Islam zu einer zivilen Religion machen können, auch in Deutschland nachzudenken, ist also mehr als angebracht.

Denn: In Europa hat sich der Islamismus bereits institutionell verankert und die Europäer scheinen das zu schätzen und als vorteilhaft zu betrachten, weil sie glauben, so mit Islamisten verhandeln zu können, die bereit sind, auf Gewalt zu verzichten. Zwar trifft es zu, dass es einen Unterschied zwischen friedlich-institutionellem und dschihadistischem Islamismus gibt, aber dieser Unterschied betrifft nur die Frage der Gewaltanwendung als Mittel der Politik. Friedliche Islamisten verzichten darauf, gleichwohl pflegen sie dieselbe dschihadistische Weltsicht. Sie betreiben Dschihad institutionell und instrumentalisieren dafür die Zivilgesellschaft. Beide Richtungen des Islamismus jedoch, die gewalttätige wie die unter Verzicht auf Gewalt vorgehende institutionelle, lehnen nicht allein die Werte der Zivilgesellschaft ab, sondern auch das Konzept von Zivilreligion überhaupt, weil dieses Konzept die Trennung von Religion und Politik bejaht, die es für Islamisten nicht geben kann. Die Anerkennung der Religion als Quelle von Werten, die im Einklang mit der Zivilgesellschaft stehen, passt nicht in diese islamistische Ideologie. Dabei haben die Islamisten in Europa mit ihrer doppelgleisigen Strategie, das Konzept der Zivilreligion abzuwehren, sogar mehr Erfolg als in genuin islamischen Ländern – dort sind offene Diskussionen über diese Frage eher möglich.

Ein aktuelles Beispiel: In zwei zentralen islamischen Ländern, in Marokko und Indonesien, trafen sich gerade liberale muslimische Meinungsträger, die über die Zukunft des Islam debattierten. Sie können die Idee eines „civil Islam“, eines zivilen oder zivilreligiösen Islam, durchaus akzeptieren. Im marokkanischen Fez diskutierten sie über Vielfalt und Pluralismus, im indonesischen Jakarta reflektierten sie auf dem Kongress „Debating Progressive Islam“ über den Islamismus als Gegenvision zum Islam als Zivilreligion. Es gibt also Muslime, die einen totalitären Islamismus zurückweisen und sich für einen offenen Islam einsetzen, der in die offene Gesellschaft passt. In Europa steht solchen Debatten die „Entreligionisierung“ der Öffentlichkeit und ihrer Meinungsführer im Weg. Was die „Financial Times Deutschland“ (FTD) kurz vor Weihnachten 2006 schrieb, wird nur von wenigen der europäischen Eliten und der breiten Öffentlichkeit so gesehen:

„Wer die Welt verstehen will, der muss heute auch ihre religiösen Bewegkräfte verstehen.“

Denn aus diesen Kräften entstehen ja gerade die politische Bewegungen, zu denen die Islamisten gehören. Diese instrumentalisieren auch nicht die Religion – wie viele Europäer glauben –, sie handeln nach ihrem eigenen Selbstverständnis als „wahre Gläubige“, um einen Begriff von Eric Hofer aufzunehmen. So stellt sich mit aller Macht die Frage: Lässt sich der Islam gegen diese Bewegungen neu als eine Zivilreligion bestimmen, die mit Demokratie und Zivilgesellschaft vereinbart werden kann? Was bedeutet Zivilreligion in Bezug auf den Islam und wie relevant ist diese Perspektive in Bezug auf die Zukunftsaussichten der Säkularisierung des Islam?

Diese Frage geht heute das postchristliche Europa an, aber die Europäer verstehen dies nicht. Muslimische Migranten bringen die Religion nach Europa zurück und sie verachten alle A-Religiösen, die dies jedoch nicht begreifen wollen. Die Illusion eines Weltethos, wie ihn der prominente katholische Theologe Hans Küng aus Tübingen und viel weniger prominente Kulturprotestanten vorschlagen, füllt diese Lücke in einer a-religiös gewordenen postchristlichen Gesellschaft auch nicht.

Das alles wurde schon früh gesehen. Der Harvard-Gelehrte Daniel Bell hat bei einem Vortrag an der London School of Economics schon 1977 die „Rückkehr des Sakralen“ angekündigt. Bell teilte den Glauben von Max Weber an eine bereits vollständig erfolgte „Entzauberung der Welt“ nicht mehr. Der Harvard-Wissenschaftler erachtete es für undifferenziert, nicht zwischen einer Säkularisierung – also der Trennung von Religion und Politik – und einer Profanierung, das heißt, der Abschaffung des Heiligen zu unterscheiden. Weil die Europäer diese Unterscheidung nicht treffen, gehen sie der Tatsache auf den Leim, dass sie keine Heiligtümer mehr haben, und verwechseln Säkularisierung mit Profanität als Weltlichkeit. So verstehen sie auch nicht, was passiert, wenn im Zuge globaler Migration nicht-europäische Menschen nach Europa kommen, die einen starken Glauben leben, der einen festen Begriff vom Heiligen hat und für das Absolute gehalten wird. Und für diesen Neo-Absolutismus, der keine Zivilreligion zulässt, fordern die Islamisten dann auch noch Geltung und Toleranz.

So entsteht ein Wertekonflikt. Die Realität dieses Konfliktes ist nicht mit dem Begriff „Kampf der Kulturen“ zu fassen. Dafür ist der Begriff des Zivilisationskonfliktes geeigneter. Es ist ein Wertekonflikt zwischen Islamisten und dem Verständnis des Islam als Zivilreligion. Und es ist ein Konflikt zwischen Säkularisierung und Entsäkularisierung, der global Realität ist. Der Amerikaner Mark Juergensmeyer schrieb darüber sein Buch „Der neue Kalte Krieg“. Die Debatte über Zivilreligion gewinnt also nicht nur feuilletonistische, sondern weltpolitische Bedeutung.

Wenn Religion als Quelle politischer Ethik, das heißt als Zivilreligion zugelassen wird, so am Beispiel des Islam, dann ist dies nicht mit der „Politisierung der Religion“ zu verwechseln. Die Islamisten wollen keine Zivilreligion, sondern eine Religionisierung von Gesellschaft und Politik und das ist die Gegenagenda zur Zivilgesellschaft. In Europa finden jedoch vor allem durch die Migration von Muslimen die sachlich gegenläufigen Prozesse der Religionisierung der Politik und der Entreligionisierung der Gesellschaft faktisch gleichzeitig statt. Das ist eine Art Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, was den Europäern das Verständnis des Islam in Europa weiter erschwert. Selbst der wichtigste Philosoph Deutschlands, Jürgen Habermas, versteht dieses Phänomen nicht. In seiner Rede in der Paulskirche anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels prägte er ohne Kenntnis und Rücksicht auf die Religionisierung der Politik im Islam die Formel von der „postsäkularen Gesellschaft“. Die Realität der „Rückkehr des Sakralen“ lässt sich jedoch nicht mit der leeren Formel von der „postsäkularen Gesellschaft“ fassen.

Die Antwort auf die Religionisierung der Politik durch Islamisten muss die Forderung nach einer Zivilreligion im Islam sein. Die islamischen Debatten in Marokko und in Indonesien beweisen, dass dies im Islam möglich ist. Dies muss auch für das sich entreligionisierende Europa gelten, wo eine christliche Zivilreligion die Alternative zur substanzlosen Profanität wäre. Intoleranz kann man nicht mit Toleranz begegnen, man muss eine Zivilreligion fordern.

Um die konfliktbeladene Spannung zwischen der Religionisierung der Politik und dem Bedarf an Zivilreligion im Islam zu verstehen, muss man die Religion nicht nur als Glaube, sondern darüber hinaus auch als ein „kulturelles System“ begreifen. Wenn Konflikte religionisiert werden, etwa die Islamisierung des Palästina-Konfliktes, gibt es im Zeitalter der Zivilisationskonflikte keine Lösung mehr. Die Suche nach einer Konfliktlösung muss mit der kulturübergreifenden Werteorientierung einer Zivilreligion erfolgen. Auch im Islam ist eine Zivilreligion die Alternative zur Religionisierung der Politik. Es geht hierbei nicht nur um religiöse Toleranz, sondern um die Prinzipien einer offenen Gesellschaft und auch um Erkenntnisse über Europa im Zivilisationskonflikt mitten in einem weltanschaulichen Krieg. Unter den Bedingungen einer Religionisierung der Weltpolitik ist der Bedarf an einer Zivilreligion im Islam kaum zu unterschätzen.

Der Bedarf ist da, aber der Islam ist *keine* Religion, auch kein *kulturelles System*, sondern ein politisches System. Alles, was der Islam in menschlicher Hinsicht will, sind Macht und Unterwerfung der Ungläubigen.
Dann – und erst dann – ist das Ziel des Islam erreicht.

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2 Antworten

  1. 1. Wenn man den obigen Artikel liest, wäre die Sorge wohl nicht ganz unberechtigt und
    2. würde mein Lehrer sagen: Thema verfehlt, setzen, 6.

  2. anscheind machen die Christen laut( Die Tagespost) eine Menge Sorge, dass Islam im zukunft die Christliche Europa besetzen wird….

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