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Obama und die die Wut der Araber

VON STEFAN FRANK*

„Wir sind im Krieg, wir sind im Krieg gegen al-Qaida“, sagte US-Präsident Barack Obama im Januar dieses Jahres. Wie konnte es dazu kommen? Und wann mag dieser Krieg begonnen haben? Wurde schon eine Kriegserklärung überreicht? Bislang hatten Obama und seine Leute eine ganz andere Geschichte erzählt. Sie verbannten nicht nur die Bezeichnung war on terror, sondern sogar das Wort „Terrorist“ aus ihrem Wortschatz:
Als Obamas neue Heimatschutzministerin Janet Napolitano im März 2009 vor dem Kongress ihre Antrittsrede hielt, verwendete sie stattdessen die Umschreibung man-caused disaster. Terror ist also eine „von Menschen gemachte Katastrophe“, wie ein Unfall in einer Chemiefabrik.
Ob denn islamistischer Terrorismus keine Bedrohung mehr sei, wurde sie in einem Interview gefragt. Doch, antwortete Napolitano, diese sprachliche „Nuance“ solle aber demonstrieren, dass sich die neue Regierung von der „Politik der Angst wegbewegen“ wolle.

Ob das auch al-Qaida dazu bewegen wird, sich von der Politik der Angst zu lösen und stattdessen auf sympathisches Auftreten zu setzen? Was die Haltung gegenüber der djihadistischen Bewegung und den djihadistischen Staaten angeht, war das erste Jahr der Amtszeit von Präsident Obama noch schlimmer, als zu befürchten war. Im Juni hielt er in Kairo eine Rede, die als ein „Ausstrecken der Hand gegenüber der islamischen Welt“ (lies: den dort herrschenden Tyrannen) angekündigt worden war.
Darin verrechnete er die Ermordung der europäischen Juden mit dem „Leiden“ des „palästinensischen Volkes“, das nun schon 60 Jahre dauere. Er vergaß dabei die Tatsache, dass das „palästinensische Volk“ sein Leid selbst verschuldet hat und sich 1948 (und auch danach) auch dafür hätte entscheiden können, mit Israel in Frieden zu leben.

Der wohl schlimmste Teil seiner Rede war aber dieser:

„Die Palästinenser müssen die Gewalt aufgeben. Widerstand durch Gewalt und Töten ist falsch und hat keinen Erfolg. Jahrhunderte lang haben die Schwarzen in Amerika als Sklaven die Peitsche erduldet und die Erniedrigung der Rassentrennung. Doch nicht durch Gewalt haben sie volle und gleiche Rechte gewonnen.“

Mit anderen Worten: Obama verglich Israel mit einem Sklavenhalter und die Palästinenser mit den Sklaven. Nicht das Ziel von Hamas und Fatah – die Zerstörung des jüdischen Staates und die Tötung der Juden – erklärte er für falsch, sondern lediglich die dafür benützten Instrumente. Versucht euch der Juden gewaltfrei zu entledigen, schien Obamas Botschaft an die Araber zu lauten.

Die Idee, dass die in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung als „unveräußerlich“ bezeichneten Rechte auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück auch in islamisch dominierten Ländern gelten sollten, wurde vom US-Präsidenten diffamiert:

„Wir können die Feindschaft gegenüber irgendeiner Religion nicht mit dem Vorwand (sic!) des Liberalismus verkleiden“.

Zwei Wochen später kam es im Iran zu Massendemonstrationen gegen die Regierung, die als Unmutsbekundung gegen Wahlfälschung begannen und zu einer Bewegung gegen die Khamenei-Diktatur wurde. Auch als diese Proteste blutig niedergeschlagen wurden, verzichtete Obama weitgehend auf Kritik – wohl aus Angst, man könne ihn des Liberalismus verdächtigen. In gewisser Weise legitimierte er das von der iranischen Bevölkerung gehasste Teheraner Regime, indem er ihm in den folgenden Monaten immer wieder „Verhandlungen“ über sein Atomraketenprogramm anbot. Dabei hatte Khamenei, indem er Ahmadinedjad eine zweite Amtszeit gab, längst klar gemacht, dass er gar keine Lust zum Verhandeln hatte. Hätte ihm der Sinn nach einem Kompromiss gestanden, hätte er einen anderen Kandidaten die Wahlen gewinnen lassen.

Wie ist Obamas Verhalten zu erklären? Er folgt, was die Wahrnehmung des Nahen und Mittleren Ostens betrifft, den Vorgaben, die die Orientalisten machen. Die wiederum singen das Lied derer, von denen sie ihr Brot bekommen, und die sitzen am Persischen Golf. Nach der Ölkrise von 1973 hatten die Scheichs viel Geld, aber in den USA einen schlechten Ruf. Da traf es sich gut, dass die akademischen Einrichtungen in den Vereinigten Staaten, an denen Orientalistik unterrichtet wurde, wenig Geld hatten (denn sie schienen nicht besonders nützlich zu sein) und die reichen arabischen Staaten um finanzielle Unterstützung anpumpten – mit dem Verkaufsargument, dass die Orientalistik das Ansehen der islamischen Polizeistaaten in den USA verbessern würde. Genauso kam es. Da die akademische Lehre starken Einfluss auf die Medien und die Politik hat, ist es nicht erstaunlich, dass viele der dort für den Nahen und Mittleren Osten Verantwortlichen dem Djihadismus gleichgültig oder sogar mit Sympathie begegnen. Seit der von islamischen Ländern ausgehende Terror durch die Anschläge vom 11. September in den Blickpunkt geraten ist, verbreiten sie Ablenkungstheorien, die den Djihadismus ausblenden sollen.

Eine der abstrusesten Theorien über die Ursachen des Al-Qaida-Terrorismus sagt, Israel sei schuld; es behandle die Araber schlecht. Die USA wiederum würden von al-Qaida bekämpft, weil sie Israel unterstützten. Ohne Israel hätte es die Anschläge vom 11. September nicht gegeben, und die USA müssten auch keinen Krieg gegen den Terror führen.

Diese Theorie, die etwa von den amerikanischen Politikwissenschaftlern Mearsheimer und Walt in ihrem Buch Die Israel-Lobby vertreten wird, läuft darauf hinaus, dass die USA dem djihadistischen Terror ein Ende bereiten könnten, indem sie Israel opfern (so wie der britische Premierminister Chamberlain 1938 um des Friedens willen die Tschechoslowakei opferte, könnte man sagen). Dass es sich dabei um eine extrem pro-djihadistische Anschauung handelt, ist offensichtlich – deshalb ist das Buch ja auch von Osama bin Laden sehr lobend erwähnt worden.

Eine benachbarte Theorie macht in der „arabischen Welt“ eine „Wut auf den Westen“ aus. „Die gesamte arabische Welt, sie schäumt“, sagte der beliebte Nahostexperte Michael Lüders vor einem Jahr in einem Radiointerview. Daran kann es keinen Zweifel geben. Immer wieder sieht man im Fernsehen junge arabische Männer schäumen. Sie zünden Flaggen an, die sie selbst gemalt haben, und hüpfen dann wild fluchend auf den brennenden Fetzen herum. Benehmen sie sich etwa deshalb wie Rumpelstilzchen, weil die USA, Israel oder „der Westen“ ihnen etwas angetan haben? Ach was: Die gleichen Szenen spielen sich schließlich auch bei Fußballländerspielen zwischen zwei arabischen Mannschaften ab, wie erst kürzlich wieder bei den WM-Qualifikationsspielen zwischen Ägypten und Algerien.

Der Grund für das Schäumen muss also ein anderer sein. Die mafiösen Wirtschaftsstrukturen in den meisten arabischen Ländern führen in Verbindung mit einem starken Bevölkerungswachstum zu einer extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit. Im Zusammenspiel mit den in islamischen Ländern herrschenden Moralvorstellungen hat das Folgen:

„Wenn die Männer überhaupt einen Job finden, ist er meist miserabel bezahlt. Ihre finanzielle Situation lässt es nicht zu, eine Wohnung anzuschaffen und einzurichten; in den meisten arabischen Ländern ist das jedoch die Mindestvoraussetzung, um heiraten zu können. Gleichzeitig ist vorehelicher Sex ein absolutes Tabu im Islam. Und so wimmelt es in Algier, Alexandria, Sanaa und Damaskus von ‚Jungmännern’ zwischen 18 und 35, die auf unabsehbare Zeit bei ihren Eltern leben müssen.“ (Spiegel, 16. Oktober 2006)

Es ist also kein Wunder, dass sie ständig mit der Welt hadern – und klar, dass diese tiefer liegenden Probleme weder von Jerusalem noch von Washington aus gelöst werden können. Sie sind auch nicht das, was die djihadistschen Bewegungen in aller Welt antreibt (obwohl es in den islamischen Ländern sicherlich auch zahlreiche junge Männer gibt, die aus sexueller Frustration zu religiösen Eiferern werden, so wie der Fuchs in der äsopischen Fabel, der die für ihn zu hoch hängenden Trauben für sauer erklärt). Den Vertretern der Wuttheorie muss man sagen: Osama bin Laden und Ayman al-Zawahiri handeln nicht aus „Wut“.

Immer wieder ist auch zu hören, die Djihadisten hassten den Westen wegen der Freiheiten, die etwa Frauen, Homosexuelle und Atheisten dort haben. Diese Argumentation zeigt immerhin den Willen, sich mit der Ideologie der Djihadisten ernsthaft zu beschäftigen, trifft aber nur einen Teilbereich und lässt außer Acht, dass sie ja nicht bloß gegen den Westen, sondern auch gegen Russland, China und Indien kämpfen. Für sie sind der Krieg in Afghanistan (gegen die Sowjets, dann gegen die Amerikaner), der Krieg gegen die Juden und die Kriege im Irak, in Bosnien, im Kaschmir und in Tschetschenien verschiedene Schauplätze eines großen Heiligen Krieges gegen die kuffār, die Ungläubigen. Die Ungläubigen sind Feinde Gottes und müssen vertrieben, versklavt oder am besten umgebracht werden.

Die Djihadisten halten die fatah (Eroberung) für ihre religiöse Pflicht, vor allem die Eroberung derjenigen Gebiete, die einmal Teil des islamischen Herrschaftsbereichs waren. Das trifft nicht nur Israel und Indien, sondern auch Spanien und Portugal: Ganz „Al-Andalus“ ist seit 1492 unter der Kontrolle der Ungläubigen – für Osama bin Laden und die Djihadisten ein skandalöser und unhaltbarer Zustand, den sie ändern wollen. Das Ziel ist es, alle von Moslems bewohnten Gebiete in einem Kalifat zu vereinen, in dem das „göttliche Gesetz“ herrscht. Die Ära von 632 bis 661, der Zeitraum, in dem die vier „rechtgeleiteten Kalifen“ Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali herrschten, ist für die Djihadisten das Goldene Zeitalter, das es wiederherzustellen gelte. Sie wissen, wo sie hinwollen (oder glauben, es zu wissen) und welches der Weg dorthin ist (die Ermordung, Vertreibung oder Versklavung aller Ungläubigen).

Obwohl die Djihadisten ihre Ziele öffentlich proklamieren, scheint US-Präsident Obama (und mit ihm die Mehrheit der Bevölkerung in den USA und Europa) von alldem nichts mitzubekommen. Er will das Offensichtliche nicht wahrhaben. Nachdem Nidal Hasan im November in Fort Hood 13 Menschen erschossen und dabei „Allahu akbar“ gerufen hatte, warnte Obama davor, „voreilige Schlüsse zu ziehen“ – das heißt, die Ideologie des Täters zu berücksichtigen. Als Faruk Abdulmutallab am 25. Dezember versucht hatte, in Detroit ein Flugzeug mit 300 Passagieren in die Luft zu sprengen, bezeichnete Obama ihn in einer ersten Stellungnahme als „Verdächtigen“, der „angeblich (!) versucht habe, Sprengstoff zu zünden“. Wäre Obama am 11. September 2001 US-Präsident gewesen, hätte er sicherlich gesagt: „Verdächtige haben angeblich Flugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon gesteuert.“ Den Täter von Detroit bezeichnete Obama wider besseres Wissen als einen „isolierten Extremisten“. Anfang Januar machte er dann aber die jemenitische Filiale von al-Qaida für den versuchten Anschlag verantwortlich, sprach plötzlich vom „Krieg gegen al-Qaida“ und sagte: „Wir werden tun, was auch immer nötig ist, um sie zu besiegen.“

Ist der Präsident aufgewacht und hat gemerkt, dass der Djihad nicht aufgehört hat an dem Tag, als Obama ins Weiße Haus einzog – und auch nie aufhören wird, bevor die Djihadisten entweder gesiegt haben oder besiegt worden sind? Viele Kommentatoren glauben, aus Obamas neuen Äußerungen eine Änderung in seiner Haltung zum war on terror herauslesen zu können. Andere meinen sogar, Obama habe den Djihadisten „hinter den Kulissen“ viel stärkere Schläge versetzt als sein Vorgänger Bush. Der Djihadismus lässt sich aber nicht mit Waffengewalt allein besiegen. Obama kann 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken oder vielleicht sogar die von Iran unterstützten Djihadisten im Jemen bombardieren. Das alles wird nichts nützen, solange er nicht zur Kenntnis nimmt, dass es sich um einen Krieg handelt, der von Djihadisten weltweit geführt wird und auf die Eroberung der Weltherrschaft zielt. Wer Terrorismus als man-caused disaster bezeichnet und Djihadisten als „Extremisten“ bezeichnet, wird das kaum begreifen.

* Stefan Frank ist freier Journalist und Autor des Buches „Die Weltvernichtungsmaschine. Vom Kreditboom zur Wirtschaftskrise“. Der Text „Krieg der Welten“ erschien zuerst in KONKRET 2/2010.

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