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Tiefsitzende antijüdische Ressentiments

„Nur meine ich, dass die israelische Politik in der Pflicht ist, alles zu vermeiden, was tiefsitzende antijüdische Ressentiments aufleben lässt.“

Dies ist eine Aussage von Walter Herrmann, der die berüchtigte „Kölner Klagemauer“ betrieb und dafür einigen Ärger bekam, vor allem für das gezeigte Bild.

Ein deutliches Beispiel dafür, wo die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus überschritten wurde. Denn die Serviette ziert nicht die israelische Fahne, sondern der Davidsstern.

Aber interessant finde ich die o.g. Aussage von Herrn Herrmann. Die israelische Regierung ist also mit ihrer Politik dafür verantwortlich, ob tiefsitzende antijüdische Ressentiments aufleben oder nicht.
Daran sind 3 Worte interessant:

1. Tiefsitzend. Es geht also nicht um oberflächliche, flüchtige oder temporäre Dinge, sondern es sitzt tief. Was tief sitzt, bleibt oft sehr lange und vererbt sich an die nachfolgenden Generationen. Wie uns die Geschichte der Juden in vielen europäischen und arabischen Ländern ja auch lehrt.

2. Antijüdisch. Nicht antisemitisch (worunter einige ja auch andere Semiten zählen), nicht antizionistisch, nicht israelkritisch, nicht fremdenfeindlich, sondern antijüdisch. Die Wahrheit klar beim Namen benannt, keine Rumgeeiere. Dafür muss man Herrn Herrmann fast dankbar sein.

3. Ressentiment.
Laut wikipedia definiert sich Ressentiment so:

Ressentiment ist ein Lehnwort aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „heimlicher Groll“. Dem Ressentiment liegt regelmäßig das Gefühl dauernder Ohnmacht gegenüber erlittener Ungerechtigkeit und Niederlage oder persönlichen Zurückgesetztseins zugrunde

Hier geht es also nicht um Vorurteile – die man durch Wissen verändern könnte -, Fremdenfeindlichkeit – wogegen man Aufklärung setzen könnte – oder Sympathie bzw. Antipathie. Sondern um Groll, das Gefühl von Ohnmacht und persönliches Zurückgesetztsein.
Henryk M. Broder hat den Unterschied vor dem Innenausschuss des Bundestages deutlich gemacht:

Der unterschied zwischen einem Vorurteil und einem Ressentiment ist folgender: ein Vorurteil zielt auf das Verhalten eines Menschen, ein Ressentiment auf dessen Existenz. Der Antisemitismus gehört in die Kategorie der Ressentiments.
Der Antisemit nimmt dem Juden nicht übel, wie er ist und was er tut, sondern dass er existiert. Der Antisemit nimmt dem Juden sowohl die Abgrenzung wie die Anpassung übel. Reiche Juden sind Ausbeuter, arme Juden sind Schmarotzer, kluge Juden sind überheblich und dumme Juden, ja, die gibt es auch, eine Schande für das Judentum. Der Antisemit nimmt dem Juden prinzipiell alles übel, auch das Gegenteil.

Ich denke, hiermit ist klar, dass Herr Herrmann von Antisemitismus spricht, wenn er von tiefsitzenden antijüdischen Ressentiments spricht.
Und jetzt kommt der interessante Teil – interessant auch deshalb, weil ich davon überzeugt bin, dass viele Zeitgenossen die Ansicht von Herrmann teilen:

Der jüdische Staat Israel ist dafür verantwortlich, dass die tiefsitzenden antijüdischen Ressentiments aufleben.

Das aber ist ein uraltes Strickmuster der Antisemiten: Nicht die Judenhasser sind Schuld, sondern die Juden selber sind für den Hass auf sie verantwortlich.

Das ist so, als wenn ich behaupten würde:

  • Frauen sind selber Schuld, dass sie vergewaltigt werden, weil sie ja Röcke tragen oder mit Männern sprechen.
  • Meier ist selber Schuld, dass Schulze ihn umgebracht hat, weil er seinen Kirschbaum in Schulzes Garten hat rüberwuchern lassen
  • Die Homosexuellen und Frauen im Iran sind selber Schuld, dass sie umgebracht werden.

Das ist eine perverse Verdrehung der Schuldfrage, ein abartiges Abwälzen von eigener Schuld auf Andere.

Der Staat Israel ist ein demokratischer Rechtsstaat. In diesem Staat machen die Politiker und Menschen Fehler, manchmal schreckliche Fehler – wie in anderen Staaten auch. Warum dann aber ausgerechnet Israel dafür verantwortlich sein soll, dass die Welt nicht die Juden (sic! nicht die Israelis) hasst, bleibt ein Rätsel.
So will man den Staat Israel gängeln und ihm vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat, denn sonst … leben wieder die Ressentiments auf.
Wenn Iraner, Chinesen, Saudi-Araber und andere Andersgläubige, sexuell Andersorientierte und Ausländer diskriminieren, vertreiben und ermorden, ist das alles nicht der Aufregung wert. Wenn aber Israel nur dem Gerücht nach so etwas tut bzw. es Israel unterstellt wird, dann herrscht große Aufregung!

Beispiel: Gezielte Tötungen von Terroristen. Machen viele Länder, u.a. die NATO in Afghanistan. Aufregung? Kaum.
Der Mossad hat angeblich einen Hamas-Führer in Dubai unter Zuhilfenahme europäischer Pässe umgebracht? Großes Buhai. Israelische Botschafter werden einbestellt, die EU-Zusammenarbeit mit Israel in Frage gestellt.

Man könnte ja eine Umfrage auf der Straße machen:

  1. Frage: Hassen sie Israel, weil … sie gegen Palästinenser kämpfen … den Palästinensern das Land geraubt haben … etc.
  2. Frage: Hassen sie den Iran, weil … Ahmadinedschad Israel vernichten will … der Iran die Terrororganisationen Hisbollah und Hamas mit Waffen ausrüstet … weil im Iran Homosexuelle ermordet werden … weil im Iran Christen verfolgt, vertrieben und ermordet werden … etc.

Wer würde in den Antworten wohl mehr Hass „ernten“?

Der Staat Israel ist nicht für die tiefsitzenden antijüdischen Ressentiments in den Menschen verantwortlich! Sondern dass sind diejenigen selber, die sich in ihren Ressentiments suhlen und eine Ausrede suchen, um ihre Verantwortung abzuwälzen.
Israel kann tun oder lassen, was es will. An der Einstellung eines Herrn Herrmann und seiner ideologischen Kumpanen wird das nichts ändern.

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Eine Antwort

  1. „Nur meine ich, dass die israelische Politik in der Pflicht ist, alles zu vermeiden, was tiefsitzende antijüdische Ressentiments aufleben lässt.“

    Und dann kriegt man so was zu sehen:
    http://www.worldpressphoto.org/index.php?option=com_photogallery&task=view&id=1725&Itemid=257&bandwidth=high

    „Prize-winning photographs are assembled into a traveling exhibition that is visited by over two million people in some 45 countries worldwide.“

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