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Deutsche sind Palästinensern besonders verpflichtet?

Warum solidarisieren sich so viele Menschen so gerne mit den Palästinensern und empören sich gleichzeitig über die Israelis?

Ein Grund ist sicherlich, dass viele Menschen – und besonders die Deutschen – gerne Mitleid mit Opfern haben. Und das durch diverse Medien und durch die Palästinenser (Stichwort Pallywood) immer wieder gerne geförderte Narrativ ist, dass die Palästinenser die Opfer und die Israelis die Aggressoren sind. Das erleichtert auch die Einordnung des Konfliktes in eine schwarz-weiß-Färbung – auch das ein Grund für die Solidarität, denn Menschen mögen es nun einmal, wenn die Dinge einfach zu begreifen sind.

Einen Aspekt aus diesem (gelogenem) Narrativ griff Micha Brumlik  in der FR im Jahr 2007 auf: Die Juden mussten im 2. WK vor den Deutschen fliehen und verdrängten dann die Palästinenser aus deren Land. Indirekt sind also wir Deutschen Schuld am Leid der Palästinenser.

Für eine besondere Solidarität der Deutschen mit den Palästinensern mag es mehr oder minder stichhaltige Gründe, mehr oder minder ehrenwerte Motive geben. Die Gründe und Motive, die vor Wochen das „Manifest der 25“ und nun in dankenswerter Klarheit Peter Vonnahme vorgetragen haben, sind aber weder stichhaltig noch ehrenwert. Die sachbezogenen Gründe zeichnen sich durch historische Unkenntnis und ein grundlegendes Missverständnis geschichtswissenschaftlicher Logik aus, weshalb auch die reklamierten moralischen Motive nur noch an den Haaren herbeigezogen wirken.

Grob gesprochen, befleißigen sich die Autoren des Manifests und Vonnahme eines „Billardkugelarguments“: Wenn Kugel A Kugel B anstößt und Kugel B Kugel C in Bewegung versetzt, dann ist die zurechenbare Ursache für die Bewegung von Kugel C der ursprüngliche Anstoß von Kugel A. Das heißt: Weil die Deutschen die Juden vertieben und später massenweise ermordet haben, waren diese gezwungen, ins damalige britische Mandat Palästina auszuwandern, um dort in einen bis heute nicht gelösten, blutigen und gewalttätigen Konflikt mit den Palästinensern zu geraten. Da die Deutschen unmittelbar an der Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Juden schuld seien, sind sie auch für die Auswirkungen dieser Verfolgungen (in diesem Fall für das, was israelische Regierungen den Palästinensern antun) verantwortlich. Freilich ist das Argument des Manifests mit dieser Analyse noch nicht widerlegt – vielmehr kommt alles darauf an, ob die einzelnen historischen Behauptungen zutreffen. Das überprüfe ich an drei Fällen.

1. „Die durch Nationalsozialismus und Holocaust ausgelöste Masseneinwanderung“, so Peter Vonnahme, „traumatisierter und entwurzelter Juden nach Palästina war ursächlich für alle späteren Konflikte in diesem Lebensraum sowie für die tiefgreifende Entrechtung des palästinensischen Volkes durch Liquidationen, Verletzungen, Freiheitsbeschränkungen, Verwüstungen und Demütigungen.“

Tatsächlich verdoppelte sich die jüdische Bevölkerung im britischen Mandatsgebiet Palästina von  175.000 Personen im Jahr 1931 auf mehr als 370.000 Personen im Jahr 1936. 1946 – nach Krieg und Holocaust – wurden dort insgesamt 1,3 Millionen Araber und etwas mehr als 600.000 Juden gezählt. Der Vollständigkeit halber muss noch erwähnt werden, dass es in diesem Zeitraum auch eine arabische Immigration nach Palästina gab, die sich immerhin auf etwas mehr als 40.000 Personen belief. Der größte Zuwachs der jüdischen Bevölkerung vollzog sich übrigens in den Jahren 1932 bis 1935, also lange vor dem Holocaust und rekrutierte sich neben Flüchtlingen aus Deutschland vor allem aus Immigranten aus Polen und der UdSSR sowie – in geringerem Ausmaß – aus Rumänien sowie dem Jemen, dem Iran und der Türkei. 1936 stand für die politische Leitung des Jischuw längst fest, dass bei nächstbester Gelegenheit auf dem Territorium Palästinas ein jüdischer Staat gegründet werden sollte. Wesentliche Teile der arabischen Seite, die die jüdische Besiedlung Palästinas seit der Balfour-Deklaration stets abgelehnt hatten und ihre Perspektiven durch den Aufbau eines exklusiv wirkenden jüdischen Wirtschaftssektors gefährdet sahen, wehrten sich von allem Anfang an gegen das zionistische Projekt – erstmals schon 1909.

Das heißt: Der grundlegende Konflikt zwischen zionistischer Bewegung und in Palästina lebenden Arabern hat mit Deutschland und dem Holocaust zunächst nichts zu tun.

2. „Zwar ist“, so behauptet Vonnahme regelrecht falsch, „auch die zionistische Einwanderung nach Palästina ab etwa 1900 nicht spannungsfrei verlaufen, doch konnten vereinzelte Konflikte in aller Regel mit friedlichen Mitteln (Landabkauf von den arabischen Grundbesitzern) beigelegt werden.“

In Wahrheit war genau das Gegenteil der Fall. Die so genannten friedlichen Mittel verschärften den Konflikt, da die durch den Kauf von ihren Böden vertriebenen Kleinbauern ihre Empörung nicht etwa gegen die beispielsweise in Beirut lebenden Effendis richteten, sondern gegen die jüdischen Käufer. Schließlich entluden sich die Spannungen zwischen Juden und im Mandatsgebiet lebenden Arabern ebenfalls Jahre vor Nationalsozialismus und Holocaust – bereits 1929 – in blutigen und tödlichen Ausschreitungen.

  • Nach Auseinandersetzungen um den Zugang zur Klagemauer kam es in Jerusalem und anderen Städten 1929 zu blutigen Auseinandersetzungen, bei denen mehr als 130 Juden und 116 Araber ums Leben kamen.
  • Besonders bekannt wurde das Massaker vom 23. August 1929 in Hebron, an dem fanatisierte, von außen kommende arabische Massen sechzig – keineswegs zionistische – Juden massakrierten, während mehr als hundert Juden von ihren arabischen Nachbarn gerettet wurden.
  • Ähnliche Massaker, wenn auch kleineren Ausmaßes, ereigneten sich in Safed und Ein Zeitim.

Im August 1929 regierte in Deutschland die im Mai 1928 gewählte, von dem Sozialdemokraten Hermann Müller geführte Weimarer Koalition. Rechtskonservative und völkische Parteien wie die NSDAP waren die Verlierer der Wahl. Der Mufti von Jerusalem, Haj Amin al Husseini, hetzte die Massen indes schon 1929 unter Berufung auf die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ auf.

Das Manifest
Das Manifest der 25 wurde am 15. November 2006 in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht. In ihm werben 25 Politologen, die „besonderen Beziehungen“ zu Israel zu überdenken.

22. November 2006: Die FR dokumentierte eine Auswahl der Pro- und Kontrastimmen auf das Papier.

16. Januar 2007: Dov Ben-Meir, einstiger Vizepräsident des israelischen Parlaments, besteht darauf: „Deutschlands Beziehungen zu Israels bleiben besonders“.

30. Januar 2007: Peter Vonnahme, ehemaliger Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof, erweiterte in dem Beitrag „Die janusköpfige Verpflichtung“, die „besonderen Beziehungen“ auf die Palästinenser.

Der Autor Micha Brumlik ist Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt „Theorie der Erziehung und Bildung“. Von 2000 bis 2005 war er Direktor des Fritz Bauer Instituts, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in Frankfurt am Main. Von 1981 bis 2000 lehrte er Erziehungswissenschaft an der Universität Heidelberg.

1936, in Deutschland war inzwischen der Nationalsozialismus an die Macht gekommen, zählte die jüdische Bevölkerung Palästinas auf Grund demografischen Wachstums, der Einwanderung aus Polen, aber auch infolge der Emigration aus Deutschland, mehr als 350.000 Menschen. Tatsächlich wanderten in den Jahren bis 1936 jedoch gerade 87.000 Juden aus NS-Deutschland nach Palästina ein. 1936 brach nicht zuletzt auf Grund der Modernisierungskrise der arabischen Gesellschaft ein drei Jahre währender Aufstand gegen die britische Mandatsmacht und die jüdische Bevölkerung aus, der sich in Streiks und bewaffneten Angriffen gegen jüdische Siedlungen auf dem Land äußerte. Die auf beiden Seiten und durch die Maßnahmen der Briten eskalierende Gewalt forderte am Ende zwischen drei- und sechstausend getöteter Araber; britische Aktionen hatten zudem zur Zerstörung von zweitausend arabischen Wohneinheiten geführt. Die jüdischen Verlustzahlen beliefen sich auf einige hundert Menschen, jüdische Siedlungen wurden kaum zerstört, jüdische Pflanzungen indes in großer Zahl. Der arabische Aufstand, der im Mai 1939, Monate vor Hitlers Überfall auf Polen, zusammenbrach, hatte mit dem Nationalsozialismus und der Emigration aus Deutschland nur so viel zu tun, als einer seiner Führer, der genannte Haj Amin al Husseini, deutsche Stellen um Waffen bat und dank ihrer Lieferung an Herbst 1939 die bewaffneten Handlungen noch einmal aufnehmen konnte. Und: Haj Amin bot Hitler später seine Kollaboration bei der Vernichtung der Juden an.

Das heißt: Die blutigen und bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Juden im britischen Palästina haben ihre Ursachen im zionistischen Siedlungsprojekt und dann im zunehmend hasserfüllten Konflikt zweier  Nationalbewegungen, nicht aber in der nationalsozialistischen Politik gegenüber den Juden bis 1939.

3. „Maßgeblich“, so Vonnahme etwas vorsichtiger, „ist vielmehr, dass Judenpogrome, Holocaust und Massenflucht Deutschland zurechenbar und eine Conditio sine qua non für die nachfolgenden Verwerfungen in Palästina sind.“

Unter Historikern besteht inzwischen ein Konsens darüber, dass Auslöser der palästinensischen Tragödie seit 1948 der Unwillen der arabischen Nachbarn des neu gegründeten Staates Israel der war, die Teilung anzuerkennen, und daher der Wille, Israel mit einem Krieg auszulöschen. Infolge der Kriegshandlungen kam es dann, wie nicht zuletzt der israelische Historiker Benny Morris belegt hat, zur Vertreibung von etwa siebenhunderttausend palästinensischer Araber durch die israelische Armee. Diese Vertriebenen konnten in ihren Aufnahmeländern nicht mit der gleichen Solidarität rechnen wie die deutschen Vertriebenen in der Bundesrepublik. Auf jeden Fall: Die teils militärisch für notwendig erachteten, teils fatalen strategischen Entscheidungen der damaligen israelischen Regierung unter Ben Gurion, die zu dieser Vertreibung geführt haben, sind beim besten Willen nicht „Deutschland zurechenbar“. Aber womöglich meinen die Verfasser des Manifests und Vonnahme die von den UN verfügte Staatsgründung selbst, also einen „abgeschlossenen Tatbestand“, ein „Geschehen“, das wie Vonnahme bedauernd meint „ob man es mag oder nicht, irreversibel ist“. Zwar räumt Vonnahme ein, dass Deutschland selbst an dem „verhängnisvollen Teilungsplan“ nicht beteiligt war. Aber er folgt daraus, dass es ohne den Zweiten Weltkrieg gar nicht zur Gründung der UN gekommen wäre, und der Eindruck des von Deutschland unmittelbar zu verantwortenden Holocaust habe viele westliche Staaten dazu gebracht, dem Teilungsplan zuzustimmen. Dem mag so sein. Das Motiv aber war gewiss nicht das Interesse der unter Stalin anti-zionistischen Sowjetunion und der von ihr dominierten Staaten, eines Machtblocks, ohne dessen Zustimmung es in den UN kaum zu einer Mehrheit zu Gunsten der Teilung gekommen wäre. Moskaus Befürwortung der Staatsgründung folgte alleine dem Kalkül, dem damals im Mittleren Osten herrschenden britischen „Imperialismus“ mit einem sozialistische Judenstaat einen strategischen Brückenkopf entgegenzusetzen.

Dass es der Sowjetunion damit bitterernst war, erhellt auch, dass sich der militärische Erfolg Israels im Sommer 1948 nicht zuletzt erheblichen Waffen- und Flugzeuglieferungen aus der Tschechoslowakei verdankt. Erwächst daraus eine besondere moralische Verpflichtung Russlands gegenüber den Palästinensern? Nein.

Das im Manifest und von Vonnahme ins Feld geführte Argument zu Gunsten irgendwelcher „Garantenpflichten“ gegenüber den Palästinensern übersieht,

  1. dass die Dynamik des Konflikts nichts mit dem Holocaust zu tun hat,
  2. dass sogar dann, wenn Nationalsozialismus und Holocaust eine notwendige Bedingung für die Gründung der UN und damit den Teilungsbeschluss darstellen würden, daraus noch lange keine zureichende deutsche Verantwortung für die Palästinenser folgt. Weil nämlich
  3. jede Ursache viele Folgen, aber doch auch jede Folge viele – auch wesentliche – Ursachen hat, weswegen „die Zurechnung“ nicht immer einfach ist. Historische Entwicklungen sind viel zu komplex, um einem simplistischen Modell zu folgen.

Unerträglich an alledem sind die immer wieder bekundeten Freundschaftsbeteuerungen gegenüber dem Staat Israel. Ihnen kann man nur die alte Sottise entgegenhalten, dass, wer solche Freunde hat, keine Feinde braucht. Was im „Manifest“ ausgebreitet wird, ist nichts anderes, als eine auf unzureichenden historischen Kenntnissen beruhende Form von neudeutschem Verantwortungsimperialismus. Wenn man so will: eine moralische Bagdad-Bahn.

Übrigens: 1942 war Deutschland schon einmal dabei, seiner „Garantenpflicht“ gegenüber den Palästinensern gerecht zu werden und hatte daher alles dafür vorbereitet, nach einem Sieg über die Briten Palästina von den Juden zu befreien – die Gaswagenkommandos standen in Athen schon bereit.

via ialana.de

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