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Venezuela – sollte man Chavez ernst nehmen?

Anfangs hatte Pablo, der Taxifahrer, große Hoffnungen in Chávez gesetzt. Er habe an den „cambio“, den Wechsel, ernsthaft geglaubt, sagt er. Ihm gefiel es, wie der 1999 erstmals gewählte Präsident, die alte Elite des Landes hinwegfegte. Dass er ankündigte, die grassierende Kriminalität und Korruption zu bekämpfen. Dass er versprach, den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ und „eine neue Gesellschaft“ zu gründen.

Heute nennt Pablo Chávez bloß noch „el loco“, den Verrückten. Seine Versprechungen hätten sich längst als „hohle Phrasen“ entpuppt. Pablo schreit diesen Satz förmlich. Tatsächlich ist die Korruption unter der neuen Parteielite ebenfalls horrend. Und die Straßenkriminalität in den vergangenen zehn Jahren nicht gesunken, sondern noch gewaltig gestiegen. Caracas hat sich zur No-go-Area entwickelt, zur gefährlichsten Stadt Südamerikas. Fast alle Venezolaner raten Touristen von einem Besuch in der Landeshauptstadt ab. Jedes Wochenende werden hier zwischen 90 und 150 Menschen umgebracht.

Tausende Morde seien politisch motiviert, sagt Pablo. Überall hört man ähnliche Anschuldigungen. „Chávez will die Opposition ausschalten“, sagen viele hinter vorgehaltener Hand. Als Beleg dafür dienen seine Angriffe auf kritische Medien, die er schließen ließ oder als „faschistisch“ und „putschistisch“ bekämpft.

Auch das Vorgehen gegen die politische Opposition trägt autoritäre Züge. Den missliebigen Bürgermeister von Caracas, Antonio Ledezma, entmachtete Chávez, indem er ihm das Budget kürzte und Kompetenzen entzog. Den früheren Verteidigungsminister Raúl Isaías Baduel, der sich kritisch von der Regierung abgesetzt hatte, nahm die Polizei in Gewahrsam. Offiziell wird beiden und weiteren führenden Oppositionspolitikern Korruption vorgeworfen. Aber das ist wohl nur ein Vorwand. Viele Regierungsgegner haben inzwischen das Land verlassen. Zehntausende flohen, weil sie in Venezuela keine Perspektive mehr sahen.

[…] Ein gängiger Spott in Venezuela ist, dass die Betriebe nach der Enteignung maximal noch drei bis sechs Monate funktionieren. Neue Manager werden eingesetzt, die alten, die sich auskannten, werden vertrieben. Am Ende weiß keiner mehr, wie er den Betrieb führen soll, die Produktion stockt. So war es auch bei den Energiewerken. Dort hatte die Regierung angeblich das Wahlverhalten der Mitarbeiter überprüft und alle Chávez-Gegner entlassen. Seither fällt in manchen Städten Venezuelas alle paar Stunden der Strom aus.

Manche der Vorwürfe klingen ungeheuerlich. Vermutlich stimmen sie auch nicht alle. Aber sie sind so weit verbreitet, dass man schnell feststellt: Jeder ist bereit, dem politischen Gegner das Schlimmste zuzutrauen.

Die weit verbreitete Unzufriedenheit verwundert nicht. Auf Maschinen der staatlichen Fluggesellschaft muss man zum Beispiel schon mal fünf Stunden warten, ohne irgendeine Information zu bekommen. Viele Häuser können nicht fertig gebaut werden, weil der Zement fehlt. Überall klagenMenschen, weil irgendetwas nicht funktioniert.

[…] Die chávistische Revolution hat eine andere Schicht nach oben gebracht: Menschen ohne Besitz, ohne Privilegien, ohne große Bildung, die früher keine Chance hatten, wurden Teile der neuen Elite – wenn sie sich der Ideologie von Chávez anschlossen. Raul Zelik, einer der besten Venezuela-Kenner in Deutschland, hat genaudies bei seinen Besuchen  am meisten fasziniert: dass die Bewegung tatsächlich „von unten“ getragen wird.

Aber auch sie, die Rothemden, unterstützen nicht alles vorbehaltlos, was die Regierung plant. Die Kriegsrhetorik gegen Kolumbien zum Beispiel besorgt auch viele von ihnen. Schon im August drohte Chávez dem Nachbarland, das auf seinem Territorium Militärbasen der USA akzeptieren will, mit militärischer Gewalt. Regelmäßig schürt er die Furcht vor einem „Angriff des Imperialismus“. Im Herbst reiste er nach China, Russland und Iran, um Panzer und ein paar „Raketchen“ zu kaufen, wie er es verniedlichend nannte. Und um sich über Atomtechnologie zu informieren. „Wir müssen fähig sein, unser Territorium bis zum letzten Millimeter zu verteidigen“, begründete er seine Einkaufstour. Notfalls werde man bei einem Angriff der USA die heimischen Ölfelder in die Luft sprengen.

Toto, den Anden-Führer, bekümmern solche martialischen Sprüche. „Mehr Diplomatie“ wäre gut, sagt er. Aber die ist von Chávez nicht zu erwarten, der vor laufender Kamera schon Israels Botschafter ausgewiesen hat und in seiner eigenen TV-Show gern Volkslieder singt und zotige Witze erzählt.

„Chávez spricht die Sprache der armen Bevölkerung“, sagt Toto. Das sei zwar gut, weil er besser als jeder Präsident zuvor ihre Probleme verstehe. Aber außenpolitisch sei er eine große Gefahr. „Hoffentlich nehmen die Ausländer ihn nicht zu ernst“, seufzt er.

Chavez nicht zu ernst nehmen. Wirklich nicht? So haben schon viele über spätere Diktatoren gedacht. Und ordentlich Lehrgeld gezahlt.

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