• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
    Carlo Schmid (1949)

    Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
    Friedrich Hebbel

  • Stop the bomb

  • Neueste Kommentare

    Beheben Antworten Au… zu Die Juden im Koran
    Monty zu Hass oder Liebe – alle R…
    C.Meyer zu Zitate von Golda Meir
    Wem gehört das Land… zu Israel Ende des 19. Jahrh…
    MOHAMMAD zu Die Juden im Koran
  • alle Artikel

  • Archive

  • Kategorien

  • Twitter Updates

  • Blog Statistik

    • 206,008 Besucher

AKWs und Leukämie – kein Zusammenhang

Jahrelang wurden wir mit dem schlechten Gewissen „erzogen“, dass die Menschen, die in der Nähe von AKWs wohnen, für uns und unseren übermäßigen Energieverbrauch büßen müssen, da sie mehr Krebs / Leukämie bekommen als andere.

Nun – „endlich“ möchte man sagen – wird dargelegt, dass die wissenschaftlichen Aussagen, mit denen diese Anti-Atomkraft-Aktivisten – hauptsächlich die Grünen – nicht korrekt sind.

Ist das auch so ein Fall wie beim Klimawandel, wo man mit wissenschaftlichen Daten nicht so genau umgehen muss, um die Ergebnisse zu erhalten, die man erhalten will und um daraus – was wären die Grünen ohne Anti-Atomkraft-Bewegung?? – politisches Kapital zu schlagen?

Studien der Anti-Kernkraft-Lobby, wonach Leukämie in der Nähe von Kernkraftwerken gehäuft auftritt, entbehren jeder Grundlage.
Von Walter Krämer

Seit einem Vierteljahrhundert sehen sich die Betreiber von Kernkraftwerken als Krebsverursacher angeklagt. Nach einem von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegebenen neueren Gutachten gibt es etwa im Umkreis von Kernkraftwerken „signifikant“ mehr Leukämie bei Kindern als anderswo.

Auch verschiedene andere Studien kamen nach den in der Tat sehr auffälligen Häufungen von Kinderleukämie im Umkreis des Kraftwerks Krümmel in der Elbmarsch, das nach ähnlichen Häufungen um das Kraftwerk Sellafield in Großbritannien das Thema auch in Deutschland in die Medien brachte, zu dem gleichen Resultat. Und schuld daran, so die Auftraggeber, sind natürlich die Kraftwerke selbst. „AKWs erhöhen das Leukämierisiko“ ließen die Grünen in einer Pressemitteilung verbreiten.

Grünen-Studie missachtet systematisch wichtige Faktoren
Dieser Schluss aus den unbestreitbaren lokalen Häufungen ist falsch. Richtig ist allein, dass Leukämie bei Kindern weltweit sehr unregelmäßig auftritt. Im Fachjargon der Epidemiologen spricht man auch von „Clustern“. So ist etwa in gewissen deutschen Landkreisen die Leukämiehäufigkeit pro tausend Kinder fast viermal so hoch wie in anderen, und längst nicht immer ist ein Kernkraftwerk in der Nähe.
Und wo tatsächlich Kraftwerke und Leukämie zusammenfallen, sind vermutlich andere Ursachen dafür verantwortlich zu machen. So beobachtet man etwa bei erwachsenen deutschen Männern eine hohe negative Korrelation zwischen dem Einkommen und der Zahl der Haare auf dem Kopf: je weniger Haare, desto mehr Geld. Aber nicht, weil Glatzen den beruflichen Aufstieg förderten, sondern weil mit wachsendem Alter die Haare ausfallen und das Einkommen steigt.

Und so missachtet auch die Grünen-Leukämiestudie systematisch wichtige weitere Faktoren, die zu einer Häufung von Leukämiefällen bei Kindern führen können. In den USA z. B. findet man eine fast doppelt so hohe Zahl an Leukämieerkrankungen bei weißen im Vergleich zu schwarzen Kindern.

Gründe für Leukämiehäufungen
Und weltweit nimmt die Leukämiegefahr bei Kindern mit dem Einkommen der Eltern zu. Als Ursache wird vermutet, dass Kinder aus begüterten Verhältnissen isolierter aufwachsen und damit in frühen Jahren weniger Kontakte mit Altersgenossen und damit weniger Möglichkeiten zur Entwicklung von Antikörpern haben. In Schottland etwa beträgt die Differenz der Leukämieraten zwischen den reichsten und den ärmsten Gegenden unabhängig von Kernkraftwerken an die 50 Prozent.

Auch scheinen abnormale Bevölkerungsbewegungen die Kinderleukämie zu fördern. Nach einer englisch-chinesischen Studie etwa hat die Kinderleukämie in Hongkong nach dem jüngsten Zuzug von Millionen Neubürgern spürbar zugenommen. Und in den USA gehen oft die lokalen Leukämieraten in die Höhe, wenn irgendwo ein neuer Luftwaffenstützpunkt eingerichtet wird.

So wäre also auch bei Kraftwerken, in deren Nähe tatsächlich erhöhte Leukämieraten festgestellt worden sind, zunächst einmal festzustellen, ob dort auch andere Faktoren aus dem Rahmen fallen. Besonders auffällig ist dies bei dem Atomkraftwerk San Onofre in Südkalifornien, mit dem die ganze Grünen-Studie steht oder fällt – hier ist der Überhang der beobachteten über die erwarteten Leukämiefälle von allen betrachteten Kraftwerken am größten. Aber in dieser Ecke Kaliforniens leben auch überdurchschnittlich viele reiche und mobile Leute. Und in der dem Kraftwerk am nächsten gelegenen Stadt San Clemente beträgt der Anteil der Afro-Amerikaner an der Gesamtbevölkerung weniger als ein Prozent.

Kraftwerke ohne Leukämiefälle
Dagegen leben in dieser Gegend überdurchschnittlich viele Menschen mit hispanischem Migrationhintergrund. Und bei dieser Bevölkerungsgruppe ist die Leukämieanfälligkeit der Kinder am größten: Laut Recherchen des amerikanischen „National Cancer Institute“ erkranken pro Jahr 49 von einer Million spanischstämmigen Kindern und Jugendlichen unter 20 an Leukämie, verglichen mit 42 weißen und 26 schwarzen.

Vermutlich würde man daher in der Gegend des Kraftwerks San Onofre auch dann mehr Leukämie beklagen, hätte man statt eines Kraftwerks dort einen Golfplatz angelegt. Schließt man aber dieses Kraftwerk aus der Zusammenfassung aus, und nimmt einige weitere, in der Grünen-Studie übersehene neuere Arbeiten mit auf, so verkehren sich die Aussagen der Studie in ihr Gegenteil. Wurden vorher bei Kindern unter fünf Jahren in der Nähe der betrachteten Kraftwerke weltweit 103 Leukämiefälle mehr gezählt als zu erwarten waren, so sind es jetzt 40 Fälle weniger.

Auch die Rolle des Zufalls ist nicht zu unterschätzen. Selbst bei Abwesenheit jeglicher Ursachen werden um einige Kraftwerke rein durch Zufall mehr Leukämiefälle auftreten als anderswo, bei anderen dagegen weniger. In den USA gibt es mehrere Atomkraftwerke, in deren Umgebung lange Jahre kein einziger Leukämiefall bei Kindern aufgetreten ist.

Räumliche Verteilung von Lottogewinnern
Und auch in Deutschland liegen die Erkrankungsraten für Kinder bis 14 Jahre in der Nähe der Kraftwerke Brokdorf, Brunsbüttel, Grohnde, Gundremmingen, Stade, Phillipsburg, Lingen und Würgassen unter dem Landesdurchschnitt. Dahinter steht wohl niemand anderes als der Zufall, genauso wie vermutlich auch hinter vielen der erhöhten Raten anderswo. Glückliche wie unglückliche Ereignisse sind nur selten gleichmäßig verteilt; auch Lottogewinner sind in einigen Gegenden Deutschlands häufiger als in anderen, genauso wie Olympiasieger oder Beinprothesenträger.

Die Grünen-Studie behauptet zwar mit viel statistischem Säbelrasseln, den Zufall als Ursache ausgeschaltet zu haben. Aber die Argumente überzeugen nicht. Es handelt sich hier um eine sogenannte „Meta-Analyse“, die nicht Daten selbst erhebt, sondern vorhandene Studien zusammenfasst. Und das noch nicht einmal vollständig, eine Reihe von Negativ-Resultaten fehlen, vielleicht waren sie den Verfassern der Studie nicht bekannt.

Rechnet man dann noch hinzu, dass Negativ-Ergebnisse („kein Effekt vorhanden“) sehr viel schwerer den Weg in wissenschaftliche Journale finden als Studien, die irgendwelche Zusammenhänge herstellen, so bleibt von der behaupteten „Signifikanz“ kaum etwas übrig.

Unwissenschaftlicher Ansatz der Anti-Kernkraft-Lobby
Und eine Kausalbeziehung wird erst recht nicht etabliert. Zwar weist das Gutachten selbst ausdrücklich darauf hin: „Aus den Ergebnissen einer Meta-Analyse kann zweifelsohne keine Kausalbeziehung zwischen möglichen Emissionen der Kernkraftwerke und der ermittelten Risikoerhöhung abgeleitet werden“. Aber dennoch wurde diese Studie sowohl von den Auftraggebern als auch von den Medien genau im Sinne dieser Kausalbeziehung interpretiert und als Argument gegen Kernkraft ausgenutzt.

Spätestens hier entlarvt sich der zutiefst unwissenschaftliche Ansatz der Anti-Kernkraft-Lobby: Ein Wissenschaftler sucht die Wahrheit, ein Glaubender hat sie schon. Wissenschaftlich nachgewiesen ist allein, dass extreme Strahlendosen Krebs erzeugen. Im Normalbetrieb von Kernkraftwerken werden diese auch nicht annähernd erreicht.

Und bei keinem der betrachteten Kraftwerke wurden jemals Strahlendosen registriert, die nach Mehrheitsmeinung aller Wissenschaftler, auch der meisten Kernkraftgegner selbst, auch nur ansatzweise Krebs erzeugen könnten. Was wirklich, wenn nicht der Zufall, hinter den erhöhten Leukämieraten in der Nähe ausgewählter Kernkraftwerke steht – das Immunsystem? die Gene? die Ernährung? – ist derzeit noch nicht geklärt.

Vermeintlich wahrer Glaube
Der bekannte amerikanische Mathematiker Alexander Dewdney hat die grünen Zahlentricks beim Konstruieren von Indizien gegen Kernkraft und die Scheinheiligkeit der darauf gegründeten Argumente in seinem Bestseller „200 Prozent von nichts“ einmal als „numerischen Terrorismus beim Atomkraftwerk“ bezeichnet. Und so ist es auch: Die eigentliche Gefahr für unsere künftige Energieversorgung sind nicht irgendwelche Bombenleger aus dem Morgenland, sondern unwissenschaftlich argumentierende Anhänger eines vermeintlich wahren Glaubens, die in den Daten vorzugsweise das sehen, was sie sehen wollen.

Der Autor ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, u.a. das „Lexikon der populären Irrtümer“. 1999 erhielt er den Deutschen Sprachpreis.

via WELT ONLINE

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: