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Romeu Monteiro – Portugiese: ‘Warum ich Israel nicht mehr hasse’

Ich bin ein 22 Jahre alter Portugiese, Student, homosexueller Aktivist, weder jüdisch, noch Israeli, noch irgendwie religiös. Aber ich betrachte mich als Zionist und als starker Unterstützer Israels und möchte erklären, warum dies der Fall ist.

Meine Geschichte beginnt, als ich neun Jahre alt war und in der Schulbibliothek das Tagebuch der Anne Frank ausgeliehen habe. Zuvor hatte ich kein Wissen über den Holocaust und ich konnte eine derartige Verfolgung nicht begreifen. Ich hatte niemals einen Juden getroffen, war aber erzogen worden, alle anderen Menschen als gleichberechtigt zu betrachten. Die Geschichte dieses Buches gab mir sehr zu denken. Da war dieses Mädchen, nur wenig älter als ich, das sich jahrelang verstecken musste, das isoliert lebte, das verfolgt wurde und dauernd in der Angst vor einer Entdeckung lebte. Ich identifizierte mich stark mit Anne und dem jüdischen Volk und dieses Empfinden hat mich nie verlassen.

Kurz darauf begann die zweite Intifada. Ich wusste so gut wie nichts über Israel. Aber nun war Israel dauernd in den Nachrichten, und zwar immer aus den schlimmsten denkbaren Gründen. Man brachte uns bei, dass die Juden nach dem Holocaust nach Palästina eingefallen waren, um ein Land zu bekommen, und dass sie die einheimischen Palästinenser besetzt hatten und nun kontrollierten. Das Fernsehen zeigte uns, dass diese Menschen sich selbst in Bussen und Cafes in die Luft sprengten. Wie andere Menschen um mich herum, dachte auch ich: „Wie verzweifelt muss jemand sein, sich selbst so zu töten? Wie konnten Juden nun von Unterdrückten zu Unterdrückern werden? Haben sie nicht die Lektionen der Geschichte gelernt?“ So wuchs ich auf, indem ich meinte, das jüdische Volk zu lieben, während ich gleichzeitig Israel hasste.

2008, als ich 18 Jahre alt und auf dem College war, kritisierte ich Israel und die Blockade des Gazastreifens in einem YouTube Video, bei dem es um den Tod von Rachel Corrie ging. Ich erhielt eine Antwort von einem israelischen Kommentator, der mich darauf hinwies, dass es keine Blockade gab, da täglich mehrere Lastwagen mit Gütern in den Gazastreifen fuhren.

Dies brachte mich ziemlich durcheinander und ich fragte ihn, ob er mir Argumente zur Verteidigung Israels nennen könnte. Ich erklärte, ich würde meine Meinung ändern, wenn er überzeugende Argumente hätte. Er schrieb mir eine lange Mitteilung, in der er unter anderem über Folgendes berichtete: Die Massaker an den Juden in Palästina bevor der Staat Israel existiert hatte, die Vernichtungskriege, die gegen Israel geführt worden waren, die Erziehung zum Hass im Nahen Osten gegen Juden und Israel. Und er verglich dies mit verschiedenen Beispielen des humanistischen Charakters des israelischen Staates und der israelischen Gesellschaft.

Ich las dies alles und dann, nachdem ich die Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft hatte, war ich überzeugt…

Zornig und getäuscht

Meine Weltsicht war erschüttert. Ich wurde mir bewusst, dass ich selbst ungerechte Urteile gefällt hatte, dass ich Hass und falsche Propaganda gegen Israel verbreitet hatte… Ich war über mich betrübt. Und ich war wütend und ich fühlte mich verraten, weil ich bestimmten Organisationen vertraut hatte, von denen ich geglaubt hatte, dass sie für Frieden, Gleichheit und gegen Vorurteile kämpften, so wie sie dies auch für die Rechte Homosexueller taten.

Ich begriff, dass ich Unwissenheit und Hass von Menschen übernommen hatte, die selbst, im günstigsten Fall, unwissend und voreingenommen waren, während sie sich selbst jedoch für aufgeklärte Persönlichkeiten hielten und mich dies hatten glauben lassen…

Ich las nun mehr und mehr über den Staat Israel und war von der erstaunlichen Geschichte eines Landes fasziniert, dessen Bevölkerung gegen alle Widerstände überlebt und während Jahrhunderte langer Verfolgung zusammengehalten hatte; ein Volk, das seine Heimat gekämpft hatte, sein Land wieder aufgebaut hatte und seine Sprache wieder zum Leben erweckt hatte – genau wie ein Phoenix aus der Asche sich erhebt. Und ich las über ein Volk, das nach Freiheit und Frieden strebte.

Ich begriff, dass Israel eine demokratische, tolerante, multi-ethnische, multi-religiöse, sich rasch entwickelnde Nation ist. Ein Ort, an dem ich frei und akzeptiert leben konnte – akzeptierter als in meinem Heimatland; und Israel war der einzige Ort im Nahen Osten, den ich sicher betreten konnte. Ich entdeckte, dass ich Israel liebte, etwas, das ich niemals gedacht und auch niemals gewünscht hatte.

Dann kam das Jahr 2010 mit dem Flotilla Ereignis. Plötzlich berichteten alle Medien über Israel. Die Nachrichten berichteten stark verfälscht, und ich wusste, dass ich etwas tun musste. Ich diskutierte mit Professoren an der Universität, und ich begann anderen über Facebook die Videos der IDF mitzuteilen.

Ich wusste, dass ich gesellschaftlich viel riskierte, aber ich wusste auch, dass es eine Angelegenheit der Gerechtigkeit war. Denn jemand musste die Wahrheit sagen und nicht zulassen, dass Israel wieder einmal ohne Möglichkeit der Selbstverteidigung dämonisiert wurde. Auch nach dem Flotilla Ereignis veröffentlichte ich weiterhin pro-Israel Informationen. Außerdem hatte ich ernste und zum Teil hässliche Diskussionen über dieses Thema mit verschiedenen Leuten.

Jede dieser Diskussionen offenbarte mehr Unwissenheit und doppelte Maßstäbe und machte mich zu einem noch stärkeren Zionisten und Unterstützer Israels und seines Volkes. Ich dachte, dass ich der einzige war, der Israel verteidigte, aber allmählich entdeckte ich, dass es auch andere Menschen mit dieser Einstellung gab.

Einmal vertraute mir eine gute Freundin an: “Ich bin eigentlich auch mehr auf der Seite von Israel… aber bitte, sag es niemandem weiter!” Sie fürchtete sich, ihre Meinung offen kundzutun. Dies verstärkte meine Überzeugung, dass ich meiner Verteidigung Israels Gehör verschaffen musste; denn ich spreche für viele Menschen, die Angst haben, öffentlich für Israel einzutreten.

Letzten Endes ist dies einen Angelegenheit der Gerechtigkeit. Wenn es ein Volk gibt, das für sein Recht auf Selbstbestimmung kämpft und das in Frieden leben möchte, dann bin ich auf dessen Seite. Wenn es eine Gruppe Menschen gibt, die durch die Vorurteile und die Ignoranz anderer dämonisiert werden, dann werde ich gemeinsam mit diesen Menschen gegen die Vorurteile und die Dummheit vorgehen.

Wenn es eine Kultur gibt, deren Hauptwerte die Toleranz für unterschiedliche sexuelle Orientierung, Rassen und Religionen einschließen – und die im Konflikt mit einer anderen Kultur ist, die für Intoleranz und Hass eintritt – dann weiß ich, wessen Seite ich unterstützen werde.

Ich bin ein Zionist und unterstütze das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung und auf ein Leben in Frieden – und ich denke jeder des Denkens fähige Mensch sollte dies tun.

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Eine Antwort

  1. Thank you so much for translating my op-ed to German! I took 1 semester of German classes, so might be writing this incorrectly, but… vielen Dank!

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