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Globale Christenverfolgung

Globale Christenverfolgung

Die Weltöffentlichkeit war geschockt, als sie vom Attentat in Ägypten am Neujahrstag 2011 erfuhr: 23 koptisch-orthodoxe Christen starben vor einer koptischen Kirche in Alexandria. Durch dieses Attentat wurde eine Mauer des Schweigens gebrochen, die die Themen „Christenverfolgung“ und „Missachtung der Religionsfreiheit“ aus innerkirchlichen Kreisen in die Medien katapultierte. Soldaten der Bundeswehr, die auf dem Balkan, im Mittelmeerraum, in Afrika oder Afghanistan im dienstlichen Einsatz sind, werden immer wieder mit diesen Konflikten konfrontiert. Deshalb müssen ihnen im Rahmen der Inneren Führung Antworten an die Hand gegeben werden. (1/2011)

Nachbildung eines Mosaiks aus Rom einer Christenhinrichtung durch Tierhatz

Christenverfolgung (Quelle: Commons/Ihle)

Die Berichterstattung im Januar 2011 zum Attentat in Ägypten macht deutlich, dass es sich bei diesem Anschlag auf Christen nicht um einen Einzelfall handelt. An Weihnachten 2009 wurden sechs koptische Christen in Nag Hammadi erschossen. Im Oktober 2005 gab es in Alexandria einen Gewaltausbruch von Muslimen gegenüber Christen, bei Globale Christenverfolgung In vielen Ländern herrscht eine strukturelle Missachtung der Religionsfreiheit denen drei Menschen getötet, sieben Kirchen beschädigt und eine Nonne durch eine Messerattacke schwer verletzt wurde. 2002 wurden nach der Einweihung einer koptischen Kirche in der ägyptischen Provinz Minia elf Kopten verletzt.

2001 schließlich kamen bei Massakern in der ägyptischen Kleinstadt El Kosheh 21 koptische Christen zu Tode. Die koptischen Christen bilden die größte christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. Mit rund acht Millionen Menschen stellen sie rund zehn Prozent der Bevölkerung Ägyptens. Nicht nur heute ist die Lage der Kopten in Ägypten politisch schwierig, sondern auch über weite Strecken ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte, und insbesondere seit der islamischen Eroberung Ägyptens Mitte des 7. Jahrhunderts. In heutiger Rückschau stellt sich die Geschichte der Kopten als eine Geschichte der Verfolgung und Unterdrückung dar.

Bedrohungen durch al-Qaida

Kirchenhistoriker schätzen, dass rund zwei Millionen Kopten seit Gründung ihrer Kirche im ersten nachchristlichen Jahrhundert durch den um 67 n. Chr. verstorbenen Evangelisten und Märtyrer Markus – zugleich erster Bischof von Alexandria – ihr Leben verloren. Hierfür lassen sich verschiedene Ursachen anführen, die teilweise im Selbstverständnis der Kopten begründet liegen. In der koptischen Sprache gibt es zahlreiche griechische Wörter, die der Zeit der Ptolomäer entstammen, deren Herrschaft in Ägypten mit Kleopatra 30 v. Chr. politisch zu Ende ging. Der Begriff „Kopte“ lässt sich auf das altgriechische Wort „aigyptos“ zurückführen: Die koptische Glaubensgemeinschaft in Ägypten betrachtet sich als Erbe des pharaonischen Ägypten – so wie die römisch-katholischen Christen enge Bezüge zu den alten Römern aufweisen. In der koptischen Wahrnehmung erscheint der Islam in Ägypten als ein Fremdkörper, der zumindest nicht unmittelbar an das altägyptische Erbe der Pharaonen anknüpfen kann.

Koptische Christen lebten also schon lange in Ägypten, bevor der Islam de facto Staatsreligion am Nil wurde. Zwar garantiert die Islamische Republik Ägypten heute Religionsfreiheit, doch der Alltag sieht anders aus. So kommt es zu Entführungen von ägyptischen Christinnen durch Muslime, die nach ihrer Zwangsislamisierung mit einem ägyptischen Muslim zwangsverheiratet werden. Immer wieder flammen interreligiöse Feindseligkeiten auf, die 1928 mit der Gründung der Muslim-Bruderschaft durch den ägyptischen Fundamentalisten Hasan al-Banna begannen und die allmählich die politische Lage zuungunsten der koptischen Christen veränderten. Inzwischen berufen sich die islamistischen Terrororganisationen Hamas, Hisbollah, al-Qaida, Taliban und die Kaukasus-Islamisten auf die Schriften dieser Muslim-Bruderschaft und auf ihren Gründer Hassan al-Banna (1906- 1946), der Gewaltausübung gegen Christen und die Zwangsislamisierung von Christen als gerechtfertigt ansah. Die ägyptischen Sicherheitsbehörden in Alexandria beschuldigten die islamistische Terrororganisation al-Qaida, hinter dem Attentat vom Neujahrstag 2011 zu stecken.

Koptisches Kreuz

Strukturelle Missachtung der Religionsfreiheit (Quelle: Commons/Sagredo)

Christenverfolgung seit der römischen Antike

Die Verfolgung von Christen ist im Prinzip nichts Neues und bereits seit der römischen Antike bekannt. Christenverfolgungen im Imperium Romanum dienten zur Unterdrückung der Christen, zunächst als spontane, lokal oder regional begrenzte, später als kaiserlich gesamtstaatlich angeordnete Maßnahmen. Bekanntlich war Stephanus, dessen Steinigung vor den Toren von Jerusalem durch Saulus, dem späteren Paulus, beaufsichtigt wurde, das erste (Märtyrer-)Opfer einer Christenverfolgung. Es folgten die römischen Kaiser Nero (54-68), Domitian (81-96), Severus (193- 211), Decius (249-251), Valerian (253-260) und Diokletian (303-311), die Christen verfolgen und töten ließen. So kamen etwa Petrus und Paulus während der Herrschaft des Nero durch Kreuzigung zu Tode.

Die römischen Machthaber nahmen die Christen mit ihrer monotheistischen Religion als eine Bedrohung ihrer Macht wahr. Für sie war es nicht hinnehmbar, wenn einzelne Christen den Kaiserkult verweigerten, da sie dies zu Aufrührern und Feinden des Reiches klassifizierte. Erst mit dem so genannten Toleranz-Edikt von Mailand 313 n. Chr. durch Kaiser Konstantin und mit der Einführung des Christentums als Staatsreligion 381 n. Chr. durch Kaiser Theodosius endete die Verfolgung der Christen in der römischen Antike.

Zitat

Weltweite Verfolgung von Christen heute

Christenverfolgungen im heutigen Sinne hat es im europäischen Mittelalter nicht gegeben, allenfalls die Verfolgung von sogenannten Ketzern, die nicht mit dem christlichen Glauben der Amtskirche übereinstimmten. Hingegen wurden im Orient mit der Ausbreitung des Islam seit Beginn des 7. Jahrhunderts – gerade auch in Ägypten – in unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit immer wieder Christen verfolgt und zwangsislamisiert. Die Diskriminierung und Verfolgung von Christen ist heute Teil eines weltweiten Phänomens, das auch die Region des Nahen und Mittleren Osten betrifft. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, stellt fest: „Christen sind gegenwärtig die Religionsgemeinschaft auf der Welt, die den stärksten Bedrohungen ausgesetzt ist.“

Die Evangelische Allianz gibt an, dass alle drei Minuten ein Christ wegen seines Glaubens hingerichtet wird, vor allem in islamischen Ländern. Laut der katholischen Kirche Schweiz werden jährlich rund 100.000 Christen aufgrund ihres Glaubens von Muslimen ermordet oder zu Tode gefoltert. Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte ist jeder zehnte Christ auf dieser Erde ein Opfer von Diskriminierung und Gewalt. Eine Studie des christlichen Missions- und Hilfswerks Open Doors von 2009 stützt die Aussage Kauders. Sie kommt ebenfalls zu dem Resultat, dass das Christentum die weltweit meistverfolgte Religion ist. Open Doors hat mit seinem Weltverfolgungsindex eine Rangliste von fünfzig Staaten erstellt, in denen Christenverfolgungen vorkommen. Die Grundlage der Studie bildet ein Fragebogen aus fünfzig Fragen. Die Studie ergibt, dass Christen in Ländern des Islam (z.B. Saudi-Arabien), in Ländern mit kommunistisch-totalitären Strukturen (z.B. Nordkorea) und in Ländern mit sozialen Unruhen oder langjährigen Rebellenaufständen (z.B. Nepal) verfolgt werden.

Porträt Volker Kauder

Volker Kauder (Quelle: CDU/CSU)

Immer wieder werden Seelsorger der deutschen Militärseelsorge mit Fällen von Diskriminierung und Verfolgung von Christen im Ausland konfrontiert. In Afghanistan hat sich die Situation für die wenigen Christen – weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung – nach Angaben von Open Doors dramatisch verschärft. Im April 2010 forderte der stellvertretende Parlamentspräsident Abdul Satter Khowasi die Festnahme und öffentliche Hinrichtung von Menschen, die vom Islam zum Christentum übertreten. Viele Christen in Afghanistan sind untergetaucht oder aus dem Land geflohen. Open Doors zufolge wurde 2010 ein Christ festgenommen, zwei weitere Christen wurden als vermisst gemeldet. Schon seit einigen Jahren ist das Problem der Christenverfolgung virulent. So war etwa die Frage der freien Religionsausübung für Christen in China und auf der arabischen Halbinsel bereits im Jahr 2000 ein großes Problem, und bis heute befinden sich die Christen in diesen Ländern in Not.

Andererseits bleibt nach wie vor das Herstellen von Öffentlichkeit eines der wichtigsten Instrumente, um auf die weltweite Christenverfolgung aufmerksam zu machen. Ein weiteres Mittel zur Thematisierung der weltweiten Christenverfolgung besteht darin, dass Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Volker Kauder das Thema Religionsfreiheit und Christenverfolgung bei offiziellen Besuchen im Ausland ansprechen oder dass politische Einrichtungen oder Stiftungen sich im In- und Ausland auf Tagungen und Veranstaltungen damit befassen. Im Herbst 2006 veranstaltete etwa die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine Anhörung zur politischen Verfolgung von Christen. Unter den zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, die bei dieser Anhörung mitwirkten und die sich seit vielen Jahrzehnten mit dem Thema Christenverfolgung intensiv auseinandersetzen, ist vor allem das internationale katholische, 1947 gegründete, Hilfswerk Kirche in Not.

Zitat

Missachtung der Religionsfreiheit

Das Land, das Christen heute am härtesten verfolgt, ist Nordkorea. Das Regime des abgeschotteten Staates wertet jedwede religiöse Aktivität als Angriff auf die sozialistischen Prinzipien Nordkoreas. Christen droht in Nordkorea Gefängnis, Arbeitslager oder Hinrichtung. Im Mai 2010 entdeckten nordkoreanische Polizisten eine christliche Hauskirche mit 23 Gläubigen in der Provinz Pyungsung. Drei Gemeindemitglieder wurden sofort zum Tode verurteilt, die übrigen zwanzig kamen in ein Arbeitslager. Ähnlich probematisch ist die Situation der Christen im Iran und im Irak. So kamen Ende Oktober 2010 bei einem Attentat in der Kirche „Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe“ in Bagdad mehr als fünfzig Christen ums Leben.

Aus Angst vor Anschlägen und wegen des großen gesellschaftlichen Druckes verlassen heute viele christliche Frauen nur noch verschleiert ihre Häuser. In Bagdad ist erst kürzlich das Institut für Musik an der Universität Bagdad geschlossen worden, da Musik mit der Scharia, dem islamischen Recht, nicht vereinbar sei. Von den ursprünglich rund einer Million Christen im Irak sind heute nur noch rund 300.000 übrig. Viele irakische Christen fliehen ins Ausland, vor allem in den Libanon. Zudem hat sich die Christenverfolgung in anderen Ländern verschärft. In Kamerun beispielsweise will al- Qaida im Bündnis mit islamischen Fundamentalisten Christen aus dem Land vertreiben und religiöse Unruhen anfachen.

Aus Nigeria dringen islamische Gotteskrieger nach Kamerun ein und hetzen mit Flugblättern und Gewalt gegen Christen. Junge Muslime werden aufgefordert, Christinnen zu heiraten und sie zum Übertritt in den Islam zu zwingen. In Eritrea sitzen über 200 Christen ihres Glaubens wegen in Haft, darunter 16 Pfarrer. Christen werden verhaftet und unter Druck gesetzt, ihrem Glauben zugunsten des Islam abzuschwören. In Somalia werden Christen als Menschen zweiter Klasse behandelt. 2006 wurde eine italienische Nonne in Mogadishu von islamistischen Rebellen erschossen.

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Christenverfolgung als Kampf gegen westlichen Einfluss

Ungeachtet der Verhandlungen mit der Europäischen Union führen im laizistischen Vorzeigestaat Türkei Christen ein Dasein als Bürger zweiter Klasse. Bestes Beispiel waren die mit großen Schwierigkeiten verbundenen Bemühungen des Erzbistums Köln, die als Museum genutzte christliche Kirche in Tarsus im Paulusjahr 2008/2009 und grundsätzlich für Gottesdienste zu öffnen. Nahezu aussichtlos sind in der Türkei Aktivitäten, die auf den Bau von christlichen Gemeindezentren und Kirchen zielen. Überall in der Türkei, etwa auch in der Kopftuchfrage, ist der verstärkte Einfluss des Islam und des Islamismus spürbar. Nach der Vertreibung der christlichen Griechen aus der Türkei stellen die Christen heute weniger als ein Prozent der Bevölkerung – Tendenz sinkend.

Der Fall Türkei macht aber auch deutlich: Im Ausland werden christliche Religion und Kultur vielfach als westlich und als eine politische Bedrohung durch das Abendland wahrgenommen. Es ist ein Paradoxon: Zum einen stehen die römischkatholische Kirche und das Pontifikat von Benedikt XVI. für das abendländische Erbe mit seinen jüdischen, griechischen, römischen, ägyptischen und germanischen Wurzeln. Zum anderen sind die christlichen Religionsgemeinschaften in Europa durch Säkularisierung und Wertewandel in ihrer Existenz gefährdet. Der Islam hingegen ist im arabischen Sprach- und Kulturraum beheimatet und bislang nur in geringem Umfang mit Säkularisierung und Wertewandel sowie den Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft konfrontiert. Damit sind im Ergebnis (gesellschafts-)politische und kulturelle Spannungen vorgezeichnet, die bis heute zwischen Christentum und Islam weltweit wirken.

Diese religiösen Spannungen kommen auch in Nigeria zum tragen, wo mit der Scharia gegen Christen vorgegangen wird. In Saudi-Arabien, der Heimat des Islam, gibt es keine Rechte für Christen: In der Öffentlichkeit dürfen keine christlichen Symbole gezeigt werden, das Lesen in der Bibel oder Versammlungen zu Gottesdiensten oder Bibelkreisen sind verboten. Im Sudan und auf den Malediven kommt es zu Terror gegen Christen. Auf den Malediven droht einheimischen Muslimen bei einem Religionswechsel der Verlust der Staatsbürgerschaft. Radio Vatikan berichtete, dass im Sommer 2001 vier Katholiken im Sudan verhaftet, ausgepeitscht und dann lebend gekreuzigt wurden. In Pakistan werden Christen verhaftet und zum Tode verurteilt. Indonesien entwickelt sich immer mehr zu einem islamischen Gottesstaat, in dem Christen keinen Platz mehr haben; allein in den vergangenen zwei Jahren sind in Indonesien 1.300 Gebäude der katholischen Kirche schwer beschädigt worden.

Zitat

Achtung der Religionsfreiheit und das Ende der weltweiten Christenverfolgung

Die Kultur Ägyptens ist heute vom Islam geprägt. Wie im christlichen Mittelalter, als Staat und Kirche in Europa eine Einheit bildeten und alle Lebensbereiche der damaligen Menschen erfasste, so umgreift auch der Islam viele Lebensräume muslimischer Ägypter. Das wird besonders deutlich, wenn in Ägypten der Muezzin fünf Mal am Tag laut zum Gebet ruft und dann die Arbeit ruht, ob in Banken oder Reisebüros. Selbst in westlich geprägten Fitnessstudios finden sich Gebetsräume, um die Einheit von Glaube und Alltag zu demonstrieren. Die Vereinten Nationen mahnen, dass das Menschenrecht auf Religionsausübung überall auf der Welt gilt und geachtet werden sollte.

Christen müssen frei überall auf der Welt ihren Glauben bekennen dürfen. Die weltweite Verfolgung von Christen, wie sie schon seit langer Zeit stattfindet, ist nicht akzeptabel und weder mit der Charta der Vereinten Nationen noch mit der UN-Menschenrechtscharta vereinbar. Die Achtung der Religionsfreiheit stellt keine Antwort des Westens dar und sie bedeutet auch keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes. Vielmehr bildet sie mit anderen Menschenrechten die Grundlage internationaler Politik und des Völkerrechts. Zur universellen Geltung der Menschenrechte und der Achtung der Religionsfreiheit gibt es keine Alternative.

Quelle: http://www.if-zeitschrift.de/portal/a/ifz/!ut/p/c4/JYvBCsIwEAX_KJsoSPVmKYj0pgdtLyVp1hhokrJuLYgfb4JvYC7Dgx4yUb-90-xT1BPcoRv9wazCrBYH__gIfmLAKMyC5JCGF2vNcCtHi2JMEbmYMbLPdqQ5kZgT8VTKQpSL8BY6qZpabdVG_qe-1alvrzu5r5pzfYE5hOMPZ1ZidQ!!/

Eine Antwort

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