• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
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    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
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Die Grünen und die Regierung

Vor beinah zehn Jahren, am 1. Februar 2001, schrieb der damalige Umweltminister der Bundesrepublik einen Brief an die niedersächsischen Kreisverbände der Grünen, in dem er sie ermahnte, sich nicht an Castor-Blockaden zu beteiligen. Angesichts des Eindrucks in der Öffentlichkeit, “Grüne stünden erneut vor der Zerreissprobe”, forderte der Minister die grüne Basis in Niedersachsen auf, sich an den “Beschluss des Parteirates” zu halten und Proteste zu unterlassen. Zwar wären Sitzblockaden eine “anerkannte Form friedlichen Protests”, aber:

“Aus der Verteidigung einer solchen Form zivilen Ungehorsams kann… nicht der Schluss gezogen werden, dass jede Sitzblockade von Grünen unterstützt werden muss. Nur weil jemand seinen Hintern auf die Strasse setzt, finden wir das noch nicht richtig.”

Der Parteirat halte “Aktionen gegen die notwendige Rücknahme des Atommülls aus Frankreich” für politisch falsch.

“Nicht, weil wir etwas gegen Sitzblockaden, Latschdemos oder Singen haben, sondern weil wir das Anliegen weshalb gesessen, gegangen oder gesungen wird, ablehnen.”

Neben anderen Gründen werde man “den Franzosen nicht zumuten können, den deutschen Müll etwa bis zur Inbetriebnahme des deutschen Endlagers im Jahre 2030 zu lagern”, für Grüne gebe es “keinen Grund, gegen diese Transporte zu demonstrieren”. Und:

“Wir stehen zur Verantwortung der Bundesrepublik, für die Entsorgung des deutschen Atommülls eine nationale Lösung zu finden.”

Das war, wie gesagt, vor fast zehn Jahren. Der Minister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hiess Jürgen Trittin und war ein Grüner. Heute ist Trittin immer noch ein Grüner aber kein Minister mehr sondern nur noch Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Außerdem sind die Grünen seit fünf Jahren in der Opposition. Und deswegen hat Jürgen Trittin in diesem Herbst die grüne Basis aufgerufen, gegen die Castor-Transporte zu demonstrieren. Der ebenso eloquente wie flexible Politiker, der seine Karriere im Kommunistischen Bund begonnen hat, nannte dafür zwei Gründe: die Menge des hoch radioaktiven Mülls werde “um hunderte von Tonnen” vermehrt und der “Schwarzbau in Gorleben” fortgesetzt. Was man mit dem Atommüll machen sollte, sagte Trittin nicht, denn als Oppositionspoitiker muss er sich darüber keine Gedanken machen.

via Die Achse des Guten: Schottern am Gleisbett

Immer wieder „schön“ zu sehen, wie sich Linke ihre Welt zurechtbiegen – wie es eben gerade passt. Eigentlich ist Trittin als Grüner natürlich gegen Atomenergie – das ist DIE heilige Kuh der Grünen, ihr Gründungsmythos, eine der tragenden Säulen der Partei, ob sinnvoll oder nicht – , aber als Regierungsverantwortlicher sieht die Welt eben etwas anders aus als am Küchentisch in der Berliner Kommune. Und da sagt man dann schon einmal Dinge, zu denen man gar nicht steht.

Nun – 10 Jahre später, in der Opposition – hört sich das alles wieder ganz anders an. Jetzt muss die deutsche Gesellschaft wieder „umerzogen“ und auf Linie gebracht werden – nach dem Motto: Wenn so viele protestieren, kann Atomkraft doch gar nicht richtig sein, Argumente hin, Argumente her – die kapitalistischen Energiekonzerne gehören zerschlagen und überhaupt, warum werden die regenerativen Energien nicht stärker gefördert? Dass die auf Jahre nicht soweit sein werden, die Stromversorgung der BRD zu übernehmen – geschenkt.

Wenn man so was liest, kann man auf den Gedanken kommen, die Grünen möchten – trotz ihrer sagenhaften Stimmwerte – gar nicht mehr in die Regierungsverantwortung. In der Opposition ist es doch viel schöner. Wie im Sandkasten. Da hat das, was man baut, auch keine Relevanz.

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AKWs und Leukämie – kein Zusammenhang

Jahrelang wurden wir mit dem schlechten Gewissen „erzogen“, dass die Menschen, die in der Nähe von AKWs wohnen, für uns und unseren übermäßigen Energieverbrauch büßen müssen, da sie mehr Krebs / Leukämie bekommen als andere.

Nun – „endlich“ möchte man sagen – wird dargelegt, dass die wissenschaftlichen Aussagen, mit denen diese Anti-Atomkraft-Aktivisten – hauptsächlich die Grünen – nicht korrekt sind.

Ist das auch so ein Fall wie beim Klimawandel, wo man mit wissenschaftlichen Daten nicht so genau umgehen muss, um die Ergebnisse zu erhalten, die man erhalten will und um daraus – was wären die Grünen ohne Anti-Atomkraft-Bewegung?? – politisches Kapital zu schlagen?

Studien der Anti-Kernkraft-Lobby, wonach Leukämie in der Nähe von Kernkraftwerken gehäuft auftritt, entbehren jeder Grundlage.
Von Walter Krämer

Seit einem Vierteljahrhundert sehen sich die Betreiber von Kernkraftwerken als Krebsverursacher angeklagt. Nach einem von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegebenen neueren Gutachten gibt es etwa im Umkreis von Kernkraftwerken „signifikant“ mehr Leukämie bei Kindern als anderswo.

Auch verschiedene andere Studien kamen nach den in der Tat sehr auffälligen Häufungen von Kinderleukämie im Umkreis des Kraftwerks Krümmel in der Elbmarsch, das nach ähnlichen Häufungen um das Kraftwerk Sellafield in Großbritannien das Thema auch in Deutschland in die Medien brachte, zu dem gleichen Resultat. Und schuld daran, so die Auftraggeber, sind natürlich die Kraftwerke selbst. „AKWs erhöhen das Leukämierisiko“ ließen die Grünen in einer Pressemitteilung verbreiten.

Grünen-Studie missachtet systematisch wichtige Faktoren
Dieser Schluss aus den unbestreitbaren lokalen Häufungen ist falsch. Richtig ist allein, dass Leukämie bei Kindern weltweit sehr unregelmäßig auftritt. Im Fachjargon der Epidemiologen spricht man auch von „Clustern“. So ist etwa in gewissen deutschen Landkreisen die Leukämiehäufigkeit pro tausend Kinder fast viermal so hoch wie in anderen, und längst nicht immer ist ein Kernkraftwerk in der Nähe.
Und wo tatsächlich Kraftwerke und Leukämie zusammenfallen, sind vermutlich andere Ursachen dafür verantwortlich zu machen. So beobachtet man etwa bei erwachsenen deutschen Männern eine hohe negative Korrelation zwischen dem Einkommen und der Zahl der Haare auf dem Kopf: je weniger Haare, desto mehr Geld. Aber nicht, weil Glatzen den beruflichen Aufstieg förderten, sondern weil mit wachsendem Alter die Haare ausfallen und das Einkommen steigt.

Und so missachtet auch die Grünen-Leukämiestudie systematisch wichtige weitere Faktoren, die zu einer Häufung von Leukämiefällen bei Kindern führen können. In den USA z. B. findet man eine fast doppelt so hohe Zahl an Leukämieerkrankungen bei weißen im Vergleich zu schwarzen Kindern.

Gründe für Leukämiehäufungen
Und weltweit nimmt die Leukämiegefahr bei Kindern mit dem Einkommen der Eltern zu. Als Ursache wird vermutet, dass Kinder aus begüterten Verhältnissen isolierter aufwachsen und damit in frühen Jahren weniger Kontakte mit Altersgenossen und damit weniger Möglichkeiten zur Entwicklung von Antikörpern haben. In Schottland etwa beträgt die Differenz der Leukämieraten zwischen den reichsten und den ärmsten Gegenden unabhängig von Kernkraftwerken an die 50 Prozent.

Auch scheinen abnormale Bevölkerungsbewegungen die Kinderleukämie zu fördern. Nach einer englisch-chinesischen Studie etwa hat die Kinderleukämie in Hongkong nach dem jüngsten Zuzug von Millionen Neubürgern spürbar zugenommen. Und in den USA gehen oft die lokalen Leukämieraten in die Höhe, wenn irgendwo ein neuer Luftwaffenstützpunkt eingerichtet wird.

So wäre also auch bei Kraftwerken, in deren Nähe tatsächlich erhöhte Leukämieraten festgestellt worden sind, zunächst einmal festzustellen, ob dort auch andere Faktoren aus dem Rahmen fallen. Besonders auffällig ist dies bei dem Atomkraftwerk San Onofre in Südkalifornien, mit dem die ganze Grünen-Studie steht oder fällt – hier ist der Überhang der beobachteten über die erwarteten Leukämiefälle von allen betrachteten Kraftwerken am größten. Aber in dieser Ecke Kaliforniens leben auch überdurchschnittlich viele reiche und mobile Leute. Und in der dem Kraftwerk am nächsten gelegenen Stadt San Clemente beträgt der Anteil der Afro-Amerikaner an der Gesamtbevölkerung weniger als ein Prozent.

Kraftwerke ohne Leukämiefälle
Dagegen leben in dieser Gegend überdurchschnittlich viele Menschen mit hispanischem Migrationhintergrund. Und bei dieser Bevölkerungsgruppe ist die Leukämieanfälligkeit der Kinder am größten: Laut Recherchen des amerikanischen „National Cancer Institute“ erkranken pro Jahr 49 von einer Million spanischstämmigen Kindern und Jugendlichen unter 20 an Leukämie, verglichen mit 42 weißen und 26 schwarzen.

Vermutlich würde man daher in der Gegend des Kraftwerks San Onofre auch dann mehr Leukämie beklagen, hätte man statt eines Kraftwerks dort einen Golfplatz angelegt. Schließt man aber dieses Kraftwerk aus der Zusammenfassung aus, und nimmt einige weitere, in der Grünen-Studie übersehene neuere Arbeiten mit auf, so verkehren sich die Aussagen der Studie in ihr Gegenteil. Wurden vorher bei Kindern unter fünf Jahren in der Nähe der betrachteten Kraftwerke weltweit 103 Leukämiefälle mehr gezählt als zu erwarten waren, so sind es jetzt 40 Fälle weniger.

Auch die Rolle des Zufalls ist nicht zu unterschätzen. Selbst bei Abwesenheit jeglicher Ursachen werden um einige Kraftwerke rein durch Zufall mehr Leukämiefälle auftreten als anderswo, bei anderen dagegen weniger. In den USA gibt es mehrere Atomkraftwerke, in deren Umgebung lange Jahre kein einziger Leukämiefall bei Kindern aufgetreten ist.

Räumliche Verteilung von Lottogewinnern
Und auch in Deutschland liegen die Erkrankungsraten für Kinder bis 14 Jahre in der Nähe der Kraftwerke Brokdorf, Brunsbüttel, Grohnde, Gundremmingen, Stade, Phillipsburg, Lingen und Würgassen unter dem Landesdurchschnitt. Dahinter steht wohl niemand anderes als der Zufall, genauso wie vermutlich auch hinter vielen der erhöhten Raten anderswo. Glückliche wie unglückliche Ereignisse sind nur selten gleichmäßig verteilt; auch Lottogewinner sind in einigen Gegenden Deutschlands häufiger als in anderen, genauso wie Olympiasieger oder Beinprothesenträger.

Die Grünen-Studie behauptet zwar mit viel statistischem Säbelrasseln, den Zufall als Ursache ausgeschaltet zu haben. Aber die Argumente überzeugen nicht. Es handelt sich hier um eine sogenannte „Meta-Analyse“, die nicht Daten selbst erhebt, sondern vorhandene Studien zusammenfasst. Und das noch nicht einmal vollständig, eine Reihe von Negativ-Resultaten fehlen, vielleicht waren sie den Verfassern der Studie nicht bekannt.

Rechnet man dann noch hinzu, dass Negativ-Ergebnisse („kein Effekt vorhanden“) sehr viel schwerer den Weg in wissenschaftliche Journale finden als Studien, die irgendwelche Zusammenhänge herstellen, so bleibt von der behaupteten „Signifikanz“ kaum etwas übrig.

Unwissenschaftlicher Ansatz der Anti-Kernkraft-Lobby
Und eine Kausalbeziehung wird erst recht nicht etabliert. Zwar weist das Gutachten selbst ausdrücklich darauf hin: „Aus den Ergebnissen einer Meta-Analyse kann zweifelsohne keine Kausalbeziehung zwischen möglichen Emissionen der Kernkraftwerke und der ermittelten Risikoerhöhung abgeleitet werden“. Aber dennoch wurde diese Studie sowohl von den Auftraggebern als auch von den Medien genau im Sinne dieser Kausalbeziehung interpretiert und als Argument gegen Kernkraft ausgenutzt.

Spätestens hier entlarvt sich der zutiefst unwissenschaftliche Ansatz der Anti-Kernkraft-Lobby: Ein Wissenschaftler sucht die Wahrheit, ein Glaubender hat sie schon. Wissenschaftlich nachgewiesen ist allein, dass extreme Strahlendosen Krebs erzeugen. Im Normalbetrieb von Kernkraftwerken werden diese auch nicht annähernd erreicht.

Und bei keinem der betrachteten Kraftwerke wurden jemals Strahlendosen registriert, die nach Mehrheitsmeinung aller Wissenschaftler, auch der meisten Kernkraftgegner selbst, auch nur ansatzweise Krebs erzeugen könnten. Was wirklich, wenn nicht der Zufall, hinter den erhöhten Leukämieraten in der Nähe ausgewählter Kernkraftwerke steht – das Immunsystem? die Gene? die Ernährung? – ist derzeit noch nicht geklärt.

Vermeintlich wahrer Glaube
Der bekannte amerikanische Mathematiker Alexander Dewdney hat die grünen Zahlentricks beim Konstruieren von Indizien gegen Kernkraft und die Scheinheiligkeit der darauf gegründeten Argumente in seinem Bestseller „200 Prozent von nichts“ einmal als „numerischen Terrorismus beim Atomkraftwerk“ bezeichnet. Und so ist es auch: Die eigentliche Gefahr für unsere künftige Energieversorgung sind nicht irgendwelche Bombenleger aus dem Morgenland, sondern unwissenschaftlich argumentierende Anhänger eines vermeintlich wahren Glaubens, die in den Daten vorzugsweise das sehen, was sie sehen wollen.

Der Autor ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, u.a. das „Lexikon der populären Irrtümer“. 1999 erhielt er den Deutschen Sprachpreis.

via WELT ONLINE

Atommüll

Radioaktive Abfälle sind Stoffe, die nicht wiederverwertbar sind und deren Radioaktivität gewisse Werte in der Strahlenschutzverordnung übersteigen. Sie sind teilweise giftig, krebserregend, äußerst langlebig, wegen ihrer Radioaktivität schwer zu handhaben und sie eignen sich zum Teil auch zum Bau von Atombomben.

Die Gefährlichkeit dieser Stoffe rührt von ihrer Radiotoxizität her. Wie stark aktiv ein Stoff ist, wird durch die spezifische Radioaktivität, die heute in Becquerel (Bq) bzw. in Curie (Ci) gemessen wird, angegeben. Ein Becquerel bedeutet, daß in einer Sekunde ein Teilchen zerfällt; ein Curie sind 37 Mrd. Zerfälle pro Sekunde (37 GBq = 1 Ci). Man muß allerdings noch weitere Punkte, wie die Halbwertszeit oder die Art der Strahlung (Alpha, Beta, Gamma) berücksichtigen, um die wirkliche Gefährlichkeit zu erkennen.

Heutzutage wird die Strahlenbelastung, die früher in rem gemessen wurde, in Sievert (Sv) angegeben. Diese Einheit berücksichtigt Art und Gefährlichkeit der Strahlung, sowie die Energiemenge, die pro Kilogramm Körpergewicht absorbiert wird. Die natürliche Strahlenbelastung liegt im Jahr durchschnittlich bei 1,5 – 2,5 mSv (Millisievert). Durch ein atomares Endlager dürfte der Mensch pro Jahr mit höchstens 0,3 mSv zusätzlich belastet werden.

Radioaktive Abfälle lassen sich nach gewissen Gesichtspunkten einordnen. Man kann sie nach ihrem Aggregatzustand in fest, flüssig und gasförmig, nach ihrer Behandlung in brennbare und kompaktierbare, nach ihrer Radioaktivität in leicht- , mittel- und hochaktive Abfälle unterteilen. Weltweit gibt es für die Einteilung jedoch keine einheitliche Regelung. Weil man aufgrund der natürlichen Radioaktivität keine klaren Grenzen ziehen kann, gibt es nur grobe Eingrenzungen:

  • Schwachradioaktive Abfälle (LAW = low radioactive waste / bis 3,7×109 Bq/m3) benötigen weder Abschirmung noch Kühlung, da sie nicht wärmeentwickelnde Abfälle sind (z.B.: kontaminierte Kittel, Putzlappen,…)
  • Mittelaktive Abfälle (MAW = medium radioactive waste / 3,7×109 Bq/m3 – 3,7×1014 Bq/m3) brauchen Abschirmung aber keine Kühlung, ihre Wärmeentwicklung ist vernachlässigbar (z.B.: Anlagenteile, die  nur kurzen Kontakt mit Radioaktivität hatten, …)
  • Hochaktive Abfälle (HAW = highly radioactive waste / über 3,7×1014 Bq/m3) müssen gekühlt und abgeschirmt werden. Dieser wärmeentwickelnde Müll kommt meistens direkt aus dem Reaktor, und bleibt noch jahrelang heiß.

Die folgende Grafik zeigt die spezifische Aktivität natürlicher Strahlenquellen und die von Abfällen. Der Abfall mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung ist hell, der wärmeentwickelnde Abfall ist dunkel dargestellt.

F

via http://www.univie.ac.at/pluslucis/FBA/FBA95/Fruehwirth/frueh.pdf

Wie gehen andere europäische Staaten mit dem Thema Atomkraft um?

In Deutschland ist der Streit um die Atomenergie und die Endlagerung radioaktiver Abfälle zum Wahlkampfthema geworden. Anderswo wird darüber weniger heftig diskutiert.

Weltweit sind

  • 435 Atomkraftwerke (Akw) in Betrieb.

Die Internationale Atomenergiebehörde listet

  • 52 Reaktoren auf, die sich im Bau befinden.
  • 13 Meiler werden seit mehr als 20 Jahren aufgeführt, bei
  • 26 werden zeitliche Verzögerungen angegeben.
  • 2008 gingen mehrere Akw vom Netz, aber keines in Betrieb.
  • Das durchschnittliche Alter weltweit beträgt 25 Jahre, stillgelegt wird nach etwa 22 Jahren.
  • In Europa sind derzeit zwei Akw im Bau: in Finnland und in Frankreich.
  • Großbritannien, Schweden und Italien haben einen Wiedereinstieg in die Atomkraft angekündigt.
  • Neben Deutschland, das rund 23 Prozent seines Strombedarfs durch Kernenergie abdeckt, wollen Belgien, die Niederlande, Slowenien und Spanien aus der Atomenergie aussteigen.

USA
Die Debatte um Kernkraft und Endlager in den USA wird anders geführt als in Deutschland. Atomstrom ist kaum umstritten und der Anteil an der Stromversorgung mit rund 20 Prozent geringer als in Deutschland. Seit Jahrzehnten ist kein neues Kernkraftwerk gebaut worden. Neuerdings gilt mehr Atomstrom wegen der geringen Emissionen als Teil einer Strategie gegen die Erderwärmung. Der Abfall aus den 104 Reaktoren wird bisher in mehr als hundert Zwischenlagern in der Nähe aufbewahrt. Die Suche nach einem oder mehreren Endlagern ist kompliziert, weil neben dem verbrauchten zivilen Brennstoff auch Atomabfälle aus dem militärischen Bereich entsorgt werden müssen. Andererseits ist die Suche einfacher als in Deutschland, da es riesige dünn besiedelte Gebiete gibt. Seit gut 20 Jahren galten die Yucca-Berge in Nevada als geeignetes Endlager. Rund 13 Milliarden Dollar wurden für Erforschung und Ausbau der Anlage ausgegeben. Unter George W. Bush hieß es, die USA würden dort das weltweit erste genehmigte Endlager haben. Doch im März 2009 stoppte Steven Chu, Energieminister der neuen Regierung unter Barack Obama, den Ausbau und ordnete die Suche nach einer Alternative an. Die rund 60 000 Tonnen Atommüll seien bis dahin gut in Zwischenlagern aufgehoben.

CHINA
Wie die Chinesen zur Atomenergie stehen, ist schwer zu sagen. Pressefreiheit existiert nicht. Es ist aber anzunehmen, dass die Mehrheit der Kernenergie positiv gegenübersteht. Denn zum einen zieht das Land einigen Stolz daraus, Atommacht zu sein. Zum anderen sieht die Kommunistische Partei in der Atomenergie wie in der Kohlekraft oder erneuerbaren Energien ein Mittel zur Entwicklung. China lagert abgebrannte Brennelemente bisher in regionalen Zwischenlagern und arbeitet den Atommüll zudem wieder auf. Für die Endlagerung hochradioaktiven Mülls plant auch China eine unterirdische Lagerung. 1985/86 fand eine erste Standortbewertung statt. In der Diskussion sind derzeit fünf mögliche Standorte. Am weitesten geplant ist einer in der Wüste Gobi. Das Gestein, in dem der Müll versenkt werden könnte, ist Granit.

RUSSLAND
Die russische Zustimmung zur Atomenergie ist ungebrochen. Nach einer Umfrage des Lewada-Zentrums im Frühjahr 2008 sind 72 Prozent dafür. Russland hat bis in die 90er Jahre hinein Atommüll in der Ostsee, dem Nordatlantik und dem Nordpazifik versenkt. Er stammte zumeist von den Atom-U-Boot-Flotten. Zudem ist Atommüll auf mehreren wenig bewohnten Halbinseln gelagert worden und teilweise in Lagerschiffen aufbewahrt. Auch Russland arbeitet abgebrannte Brennelemente in Tscheljabinsk wieder auf. 2015 soll eine weitere Aufarbeitungsanlage in Krasnojarsk in Betrieb gehen. Dort gibt es auch ein zentrales Zwischenlager für hochradioaktiven Müll. Russland sucht derzeit nach einem Standort für ein oder mehrere Endlager, als geeignete Gesteinsformationen gelten Salz, Granit, Lehm und Basalt. Die Suche ist offenbar noch nicht weit gediehen. Laut Bundesamt für Strahlenschutz wird schwach- und mittelradioaktiver Müll „oberflächennah“ gelagert.

GROßBRITANNIEN
Tony Blair verkündete 2006, die „Atomkraft ist wieder da“. Seither steuern die Briten nach einem Baustopp von zwei Jahrzehnten in ein neues Atomzeitalter. 19 alternde Akw sollen ersetzt werden, sechs bis acht sind in Planung. 2017/18 soll der erste von vier neuen Meilern eines vom französischen Stromversorger EdF geleiteten Konsortiums ans Netz gehen. Die Briten stehen zwar nicht begeistert hinter den Plänen, widersetzen sich aber auch nicht. Parteipolitisch ist der Kurs in die Atomkraft unumstritten. Nach einer neuen Umfrage des Guardian würden 32 Prozent sogar ein Akw im 30-Kilometer-Umkreis ihrer Wohnung akzeptieren. Das Atommüllproblem wird mit langer Perspektive angegangen. Hoch- und niedrig strahlender Müll wird an etwa zehn Stellen überirdisch gelagert, vor allem in der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield. In Trawsfynydd in Wales wurde ein altes Akw in eine Lagerstätte für 333 Müllbehälter umgebaut, die bis 2096 bleiben sollen. Nur zwei von 13 möglichen Gemeinden haben sich freiwillig als Endlagerstandorte für den Müll in tiefen geologischen Schichten angeboten – trotz hoher finanzieller Anreize. Die Endlagerung kann frühestens 2050 umgesetzt werden.

FRANKREICH
Die Franzosen akzeptieren, dass 70 Prozent ihres Stromverbrauchs durch Atomkraft gedeckt wird. Doch mit den Problemen der Nuklearenergie möchten sie nichts zu tun haben. Das zeigte sich, als die Nationale Agentur für die Verwaltung radioaktiver Abfälle nach einem Standort für die Endlagerung schwach aktiven aber lang strahlenden Mülls suchte. Sie schrieb 3115 Gemeinden im Nordosten an, die wegen des granithaltigen Tonbodens infrage kamen. 40 zeigten sich, auch wegen der zu erwartenden finanziellen Zuflüsse, interessiert. Drei kamen in die engere Auswahl. Nach Protesten mussten die Bürgermeister jedoch einen Rückzieher machen. Seitdem dauert die Suche nach einem Standort für die Aufnahme der bis 2030 anfallenden 150.000 Kubikmeter schwach strahlenden Mülls an. Ungeklärt ist auch die Frage der Lagerung hochaktiven Mülls. Ein Versuchslabor bei Bure in Lothringen, an dem sich auch Deutschland finanziell beteiligt, hat noch keine Ergebnisse gebracht. Die Anrainer befürchten, dass es nicht, wie versprochen, bei einem Versuchslabor bleibt.

SCHWEDEN
Schweden hatte nach der Katastrophe in Tschernobyl den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Doch die konservative Regierung hat gerade den Wiedereinstieg durchgesetzt. Das Argument: Klimaschutz. Offenbar hat die Regierung dabei die öffentliche Meinung hinter sich. Seit 1985 gibt es in Schweden das Zwischenlager „Clab“ in der Nähe des Akw Oskarshamn für hochradioaktive Abfälle. Und seit diesem Sommer gibt es auch einen Standort für ein unterirdisches Endlager. Es soll in Forsmark errichtet werden und erfreut sich dort großer Zustimmung. Schwedische Gemeinden haben sich freiwillig als mögliche Standorte gemeldet. Am Ende wurde Oskarshamm ausgewählt, da es dort bereits ein Testendlager gab. Für 12.000 Tonnen abgebrannte Brennstäbe wird in 500 Metern Tiefe im Felsgestein eine auf 100.000 Jahre unzugängliche Lagerstätte gebaut. Das Endlager soll 2020 in Betrieb genommen werden. Schweden betreibt drei Akw mit insgesamt zehn Reaktoren.

FINNLAND
Finnland ist bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll weltweit am weitesten. Dort gibt es nahezu keine Opposition gegen Atomkraftwerke. „Besser Atomenergie als Energie von den Russen“, sagen viele. Die Papier-, Chemie- und Metallindustrie verbraucht so viel Energie, dass der Stromverbrauch pro Kopf etwa doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Das Endlager soll in Eurajoki an der Südwestküste gebaut und 2020 in Betrieb genommen werden. Der Ort hat gute Erfahrungen mit der Atomenergie. Zwei Reaktoren stehen schon lange hier. Der dritte wird gebaut. Wann er ans Netz gehen wird, ist offen: Die Probleme beim Bau sind gewaltig. Das Endlager in Granit soll drei Milliarden Euro kosten. In zehn Jahren könnten die ersten Brennstäbe dort gelagert werden. 2120 soll das Lager geschlossen werden.

SCHWEIZ
Die Schweiz sucht derzeit nach einem Atomendlager in Tongestein. 2008 hat die zuständige Bundesbehörde sechs mögliche Regionen benannt, in denen Atommüll gelagert werden könnte, davon kämen drei auch für die Lagerung von hochradioaktivem Müll in Frage. Alle drei Standorte liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Deutschland, weshalb ein deutsches Expertengremium einbezogen worden ist. Da jeder Standortbeschluss durch einen Volksentscheid aufgehoben werden könnte, bemüht sich die Schweiz um ein demokratisches Verfahren. In der Schweiz gibt es wie in Deutschland eine starke Anti-Akw-Bewegung.

via tagesspiegel

Wie ist die Perspektive der Atomkraft? Kommt sie nur in Betracht, weil eine andere, größere Gefahr – die Klimakatastrophe – droht und müssen wir dann mit AKWs à la Tschernobyl leben?

Frankreich, mit 53 Reaktoren Europas Atom-Primus, plant bis 2020 zehn neue Kernkraftwerke. Finnland, Schweden, die Schweiz – neuerdings auch Italien -, sie alle setzen auf Atomkraft.

Europas Reaktorbauer wissen sich mit ihren Meilern der dritten Generation, wie sie derzeit in Frankreich und Finnland entstehen, bestens für das atomare Comeback gerüstet. Durch den „Europäischen Druckwasserreaktor EPR“, rühmt etwa Popp die Vorzüge der Meiler, werde, „was immer in der Anlage geschehen mag“, ohne „katastrophale Auswirkungen“ für die Umgebung bleiben.

Entwickelt wurde der EPR von Siemens und der französischen Framatome. Bei gleicher Leistung im Vergleich zu etwa dem deutschen Biblis-Meiler soll der Reaktor 15 Prozent weniger Uranbrennstoff benötigen und entsprechend weniger atomare Abfallstoffe erzeugen.

Die Sicherheitsauslegung der Euro-Meiler unterscheidet sich von der Biblis-Generation. Beide Reaktortypen erzeugen durch Kernspaltung Wärme, die an das Wasser im Reaktor abgegeben wird. Das auf rund 330 Grad erhitzte, unter hohem Druck stehende Reaktorwasser (Primärkreislauf) gibt seine Energie mittels eines Dampferzeugers an einem zweiten, eigenständigen Wasserkreislauf (Sekundärkreislauf) ab. Der Dampf liefert die Triebkraft für die angeschlossene Turbine.

Keine Gefahr selbst bei Kernschmelze?

Eine Besonderheit der Euro-Reaktoren sind „Core Catcher“ genannte Sicherungen gegen eine Kernschmelze. Brennt der Uranbrennstoff durch, weil alle Kühlsysteme versagen, so soll der Kernfänger den mehr als 2000 Grad heißen Atombrei auffangen. Dabei soll eine Rampe die strahlende Lava in ein Becken leiten, wo der Brei sich flächig ausbreiten kann – und so besser mit Wasser zu kühlen ist.

Die EPR-Hersteller versichern, eine Kernschmelze sei durch die Redundanz der Systeme zehn mal weniger wahrscheinlich als in herkömmlichen Druckwasserreaktoren. Zudem seien durch den Kernfänger die Folgen auch im Ernstfall beherrschbar. […]

Geht es nach dem exklusiven Atomclub, der sich unter Federführung des US-Energieministeriums 2001 als Generation IV International Forum (GIF) etabliert hat, könnten von spätestens 2030 an auch solche Horrorszenarien beherrschbar sein. Der GIF gehören 27 Nationen an, darunter neben den westlichen Industrienationen auch China und Russland. Ziel des multinationalen Atomforums ist es, einen Reaktor der vierten Generation aus der Taufe zu heben. […]

Hochtemperatur-Reaktoren nutzen für ihr atomares Feuer Tausende kugelförmiger Brennelemente, die während des Betriebs zugeführt werden. Für Kühlung sorgt das Edelgas Helium, das sich auf bis zu tausend Grad erhitzt. Das für die Umwelt unbedenkliche Gas kann unmittelbar auf eine Turbine gelenkt werden und diese antreiben.

Auch verfügen Hochtemperatur-Meiler über einen Schutz vor der Kernschmelze, die sie selbst für Terroristen uninteressant macht. Sowohl die Brennstoffkugeln als auch das Innere des Reaktors sind mit Graphit ummantelt. Und der schützt die Meiler vor dem Durchbrennen: Selbst bei Ausfall der Reaktorkühlung kann der Reaktorkern nicht schmelzen.

via SPon

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Technik der Atomenergie hat sich erheblich weiterentwickelt und ist mit den Anfängen und mit dem Stand von Tschernobyl nicht mehr zu vergleichen.

Wir müssen diese ideologische Vorbelastung der 68er und die alten Geschichten der Vergangenheit weglassen und die Optionen nüchtern betrachten:

  • Welche Energieformen sind verfügbar?
  • Wie lange stehen uns dafür Reserven zur Verfügung?
  • Welche Risiken haben diese heutzutage und in der Zukunft? Wie hoch ist das (echte, nicht das gefühlte) Gefahrenpotential?
  • Sind diese Risiken beherrschbar und welche Konsequenzen ergeben sich bei Nichtbeherrschung?
  • Wie teuer kommt uns die jeweilige Technik zu stehen?

Wenn wir das alles in Betracht ziehen, dann schneidet die Atomkraft nicht so schlecht ab – jedenfalls besser als viele andere.

Börsenprofis wetten auf Atom-Comeback

Wie soll man über die Energieträger denken? Atomkraft? Kohle? Wasser, Sonne, Wind? Gas? Wasserstoff?

Es gibt so viele Möglichkeiten, alle haben ihre Vor- und Nachteile. Fakt ist: Im Augenblick gibt es nur 2 Energieträger, die für das Gros unseren deutschen Energiehaushalts in Frage kommen: Kohle und Atomkraft. Beide sind aus Umweltsicht stark in der Diskussion.

Aber das Thema Atomkraft ist auch stark ideologiebeladen. Das ganze Thema ist ein Rückgrat der links-alternativen Bewegung in den 70ern und 80ern und als die rot-grüne Regierung den Atomausstieg verkündete, wähnten sie sich am Ziel ihrer Träume. Nur leider ist das nicht das Beste für unser Land.

Denn außer Deutschland setzen in Europa alle anderen Länder auf Atomkraft. Nun muss man nicht unbedingt immer der Mehrheit folgen, aber hier liegen gute Gründe vor.

Und was mich vor allem nachdenklich macht: Der Atomausstieg scheint mir stark ideologisch motiviert. Sicherlich hat die Atomenergie Probleme, aber es sind in letzten Jahren auch erhebliche Fortschritte gemacht worden. Es ist wohl das kleinere Übel, wenn man es mit der abgasstarken Kohletechnik vergleicht.

Die Energiekonzerne sehen traumhaften Zeiten entgegen: Börsianer spekulieren auf einen Wahlsieg von Union und FDP – und damit auf längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke. Die Strombranche erwartet milliardenschwere Extragewinne, Analysten raten zum Kauf von E.on- und RWE-Aktien.

Hamburg – Die Atomindustrie ist in Feierlaune. Gleich zwei Jubiläen begehen die Stromkonzerne in diesem Jahr: Vor 50 Jahren gründete sich das „Deutsche Atomforum e.V.“, die Lobbyorganisation der Branche. Und ebenfalls vor 50 Jahren verabschiedete der Bundestag das Atomgesetz, das den Bau und Betrieb von Kernkraftwerken in Deutschland regelt.

In wenigen Wochen könnte ein weiterer Grund zum Feiern hinzukommen: ein möglicher Wahlsieg von Union und FDP bei der Bundestagswahl am 27. September. Sollte Schwarz-Gelb die neue Regierung stellen – worauf die Umfragen gegenwärtig hindeuten -, dann steht eines fest: Die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke werden verlängert, den Stromkonzernen winken zusätzliche Milliardengewinne.

Am Aktienmarkt sorgt diese Aussicht schon jetzt für Euphorie. Analysten erwarten gigantische Kurssprünge für die Atomriesen E.on und RWE. „Ein Plus von 15 Prozent ist durchaus möglich“, sagt Matthias Heck vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Seine Empfehlung für Anleger: kaufen. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt. Ich glaube nicht, dass sich die Umfragen noch wesentlich ändern.“

Für Gegner der Atomkraft mag dies makaber klingen – doch die Börse hat ihre eigenen Regeln. Den Finanzmärkten sind die Pannen im Kernkraftwerk Krümmel egal, ebenso wie die Lecks im Atommülllager Asse.

Peter Wirtz von der WestLB hat in Euro und Cent ausgerechnet, was ein schwarz-gelber Wahlsieg für die Stromkonzerne bedeutet. Für E.on erwartet der Energieexperte „eine Erhöhung des Aktienwerts um 2,85 Euro je Aktie“, für RWE hat er ein Plus von 4,62 Euro errechnet.

Die Bundestagswahl sei „eine Richtungswahl“, schreibt Wirtz in seiner Studie „Atomkraft – mehr Chancen als Risiken“. Schon im Vorfeld der Wahl könnten die Aktien von E.on und RWE „von dieser Story profitieren“.
(…)
Selbst Umweltschützer sind auf einmal pro Atom

Tatsächlich ist die Kernkraft international auf dem Vormarsch. Großbritannien und Frankreich wollen neue Kraftwerke bauen, ebenso die USA, Russland, Indien oder China. Selbst ehemalige „Atom nein danke“-Nationen wie Italien und Schweden haben ihre jeweiligen Ausstiegsbeschlüsse rückgängig gemacht.

Und sogar Stephen Tindale, Ex-Greenpeace-Direktor, macht Werbung für die einst ungeliebte Energie. Genüsslich zitiert ihn das Deutsche Atomforum in seiner Gedenkschrift:

„Gegen die Kernkraft zu sein, war lange Zeit eine essentielle Position, wenn man Umweltschützer war. Aber nun, wenn ich mit anderen Umweltschützern darüber spreche, ist die Ansicht ziemlich weit verbreitet, dass die Kernkraft zwar nicht ideal, aber immer noch besser als der Klimawandel ist.“

Immerhin: Ganz umsonst dürften die Stromkonzerne nicht zum Zuge kommen. „Der Staat wird rund die Hälfte der Zusatzgewinne abschöpfen“, erwartet Heck von Sal. Oppenheim. Mit dem Geld könnte die Regierung Ökostrom stärker fördern – oder in Maßnahmen zum Energiesparen investieren.

Gleichzeitig könnten einige alte Kernkraftwerke vorzeitig stillgelegt werden, „um politische Unterstützung in der Bevölkerung zu sichern“, vermutet Wirtz von der WestLB. Dies beträfe vor allem den RWE-Meiler Biblis A und das EnBW-Kraftwerk Grafenrheinfeld I.

Alles in allem müssen sich die Konzerne also auf harte Forderungen der neuen Regierung einstellen.

„Angesichts der positiven Cashflow-Effekte besteht aber genügend Verhandlungsspielraum“,

erklärt Wirtz. Unter dem Strich ergebe sich für die Energieunternehmen immer noch ein dickes Plus.

Vielleicht aber machen die Wähler den Atomlobbyisten einen Strich durch die Rechnung. Sollten die Grünen oder die SPD doch noch an der nächsten Regierung beteiligt sein – in welcher Form auch immer -, dann sind alle Planspiele hinfällig. Der Atomausstieg, so viel steht fest, wäre dann zementiert.

Der Börse dürfte dies gar nicht gefallen. „In diesem Fall“, sagt Heck von Sal. Oppenheim, „ist eine deutlich negative Kursreaktion zu erwarten.“

siehe auch hier im Handelsblatt.