• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
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„Karikaturen“ gab es damals auch schon

Und zwar am 19. März 1839 in Maschhad im Iran:

Ein Pogrom bricht in der iranischen Stadt Maschhad aus, der Heimat von etwa 2.500 Juden. Die Stadt wird durch Gerüchte erregt, dass die Juden sich über den Islam lustig machen. Die Öffentlichkeit appelliert an ihre religiösen Führer, die sich an den politischen Führer der Stadt wenden, der der Menge die Erlaubnis erteilt, ihren Zorn an den Juden auszulassen.

Ein wütender Mob stürmt das jüdische Viertel und brennt die Synagoge nieder, zerstört jüdische Häuser und Geschäfte, entführt jüdische Mädchen, tötet etwa 40 Juden und verletzt viele mehr. Der Rest der Juden wird gezwungen, dem Judentum abzuschwören und den Islam anzunehmen oder zu sterben.

Die Gemeinde kapituliert vor dieser Forderung und ihre Mitglieder werden „Jadid al-Islam“ – neue Muslime. Sie nehmen arabischen Namen an, beginnen die Rituale des Islam zu befolgen – einschließlich der Hajj Pilgerfahrt nach Mekka -, leben aber zur gleichen Zeit heimlich als Juden weiter.

Erst nach dem Aufstieg Reza Pahlavi, dem Vater des letzten Schahs, an die Macht im Jahre 1925 und dem Beginn einer Periode der sozialen Liberalisierung, die Religionsfreiheit beinhaltet, kehren die Juden, die noch in Mashhad lebten, dazu zurück, ihren Glauben offen zu praktizieren.

Kommt einem doch irgendwie bekannt vor: Auch in Dänemark am 30. September 2005 erregten sich Moslems darüber, dass sich andere über den Islam lustig machen und wandten sich an ihre religiösen Führer in Ägypten, die dann wiederum eine Riesenwelle in Europa und der ganzen Welt lostraten.

Oder in Pakistan, wo durch ein Blasphemie-Gesetz, das den Islam vor Beleidigungen schützen soll, viele Menschen sehr schnell zu Opfern von Tod und Brandschatzung werden, weil Moslems sie ohne weitere Belege verklagen und die aufgepeitschte Menge dann der Gerechtigkeit „nachhilft“.

Die Empörung der Moslems über Ungläubige, die angeblich den Islam despektierlich angehen, ist kein Phänomen der Neuzeit. Schaut man heute nach z.B. nach Pakistan oder Nigeria, kommen dabei auch wieder viele Menschen ums Leben: Atheisten, Christen, Juden, Moslems und viele andere.

Tribunal der Gutmenschen

Martin Luther hätte schlechte Karten, wollte er sich in diesem Herbst um den vakanten Posten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland bewerben. Ein wachsamer Chronist hätte sich erinnert, dass der Reformator bei einer seiner Tischreden gesagt hat:

„Armut ist in der Stadt groß, aber die Faulheit viel größer.“

Am nächsten Tag hätte der Satz in allen Zeitungen gestanden, ein Empörungschoral wäre aufgebrandet mit dem Cantus firmus:

Tief betroffen vernehm‘ ich solch menschenverachtend‘ Wort.

Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten hätten den Unruhestifter zum spätabendlichen Tribunal geladen. Um die Sache gleich umfassend zu klären, hätte neben dem Moderator nicht nur eine prominente Grünen-Politikerin gesessen, sondern auch eine der Herausgeberinnen der „Bibel in gerechter Sprache“, die Luther vorgehalten hätte, welch abscheulicher Sexist er sei. Der Vertreter des Zentralrats der Juden hätte abgesagt mit dem Hinweis, er ertrage es nicht, sich mit einem ausgewiesenen Antisemiten an einen Tisch zu setzen. Stattdessen hätte die Redaktion einen Gast muslimischen Glaubens hinzu gebeten, der Luther als Türkenhasser und Kreuzzügler entlarvt hätte. Eine alleinerziehende Mutter (Hartz IV, protestantisch, engagiertes Kirchenmitglied, überlegt jetzt auszutreten) wäre in dem Gefecht wahrscheinlich nicht zu Wort gekommen, hätte aber die ganze Zeit auf ihrem Betroffenenstühlchen gesessen, und die Regie hätte sie uns oft im Bild gezeigt. Der Polterer selbst hätte das Fernsehstudio kaum verlassen, ohne seine Ankläger mindestens einmal als „Hure“, „Rotzlöffel“ oder „Schwein aus der Herde Epikurs“ bezeichnet zu haben. Binnen eines Tages wäre Martin Luther als Kandidat für den Ratsvorsitz der Evangelischen Kirche in Deutschland erledigt gewesen.

Nein, Thilo Sarrazin ist nicht der Luther des frühen 21. Jahrhunderts. Dafür sind seine Thesen zu wenig neu und radikal, dafür ist er im Auftritt nicht grob genug. Umso deutlicher beweisen die Vorgänge der letzten Wochen, wie empfindlich die politisch-medialen Nerven sind, wenn ein öffentlicher Redner das Feld des freundlich Konsensfähigen, des sprachlich Wattierten verlässt – und dass in der Bevölkerung das Bedürfnis nach Figuren wächst, die genau dies wagen.

Die Kommentatoren machen es sich zu einfach, wenn sie hinter der Zustimmung, die Sarrazin erfährt, den alten deutschen Mob wittern, der nun dabei sein soll, sich nach 65 Jahren Winterschlaf wieder wach zu räkeln. Es ist nicht die Sehnsucht nach Blut und Boden, die Hunderttausende in die Buchhandlungen treibt und „Deutschland schafft sich ab“ kaufen lässt. Es ist die Sehnsucht nach aufrechten Streitern. Nach kernigen, unangepassten Figuren, die sagen, was sie meinen. Und meinen, was sie sagen. Die bereit sind, ihre Positionen stur zu vertreten und nicht eben mal einen knalligen Provokationsballon aufsteigen lassen, von dem jedem klar ist, dass ihm beim ersten Gegenwind ohnehin die Luft ausgehen wird.
Die farblosen, uniformen „Bunten“. Wir haben eine ostdeutsche Kanzlerin, einen Außenminister, der soeben seinen Lebensgefährten geheiratet hat, einen jugendlichen Gesundheitsminister vietnamesischer Herkunft, einen Bundespräsidenten mit „Patchworkfamilie“: Noch nie war das Personal, das unseren politisch-öffentlichen Diskurs bestimmt, „bunter“ als heute. Noch nie wirkte es so farblos, gehemmt und uniform. Die einst gesellschaftlich Marginalisierten sind im Zentrum der Macht angekommen. Dort agieren sie, als wollten sie sich und uns permanent beweisen, dass sie vor allen Dingen eins sind: nichts Besonderes, biederer Durchschnitt, ganz normal. Der Eindruck verstärkt sich, gut geölten Politrobotern beim Funktionieren zuzuschauen. Bisweilen möchte man ihnen an die Brust klopfen und fragen: „Hallo, ist da noch wer zu Hause?“

Politik ist ein seelenloses, technokratisches Geschäft geworden. Begriffe wie „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ und „Bildungs-Chip“ zeugen davon. Um die real existierende Kälte in gefühlte Wärme zu verwandeln, ist es nötig, möglichst viel von „den Menschen“ zu sprechen. Auf deren „Bedürfnisse“ man eingehen wolle. Die man nicht „ausgrenzen“ dürfe, sondern „in die Mitte nehmen“ bzw. „abholen“ müsse.

Je weniger unsere Politiker die Leute emotional erreichen, desto menschelnder wird ihr Ton. Der Beifall, den Thilo Sarrazin erhält, ist in erster Linie ein Aufschrei derjenigen, die den verlogenen Kuschelsound nicht mehr ertragen. Deshalb ist es doppelt schockierend zu sehen, wie unfähig unsere politische Klasse ist, dem „Provokateur“ oder „Spalter“ anders zu begegnen als mit noch höheren Dosen eben jenes Lullefix, gegen das der Störenfried zu Felde zieht.

Ein Lieblingsvorwurf lautet: Sarrazin differenziere nicht genug. Es sei beleidigend und diskriminierend, alle Muslime in diesem Land über einen Kamm zu scheren und pauschal in Frage zu stellen, dass auch sie einen kulturellen, sozialen und ökonomischen Beitrag zum Gedeihen dieses Landes leisteten. Ich frage mich: Inwiefern differenzieren die Gutmeinenden, die uns seit Jahren quer durch alle Parteien vorbeten, Deutschlands Öffnung hin zu einer „bunten Republik“ stelle eine „Bereicherung“ dar? Ist dieser Satz, der bis vor kurzem auf fast jedem Podium artig beklatscht wurde, nicht ebenso dumm wie sein Gegenteil?

Die nüchterne Wahrheit lautet: Manche Einwanderer bereichern dieses Land. Andere tragen zu seiner Verarmung und Verwahrlosung bei. Die größte Gruppe macht ihren Job, lebt hier ein unauffälliges, unspektakuläres Leben. Wir freuen uns, dass es so ist. Aber was, außer dem herzerhebenden Gefühl, ein guter Mensch zu sein, wird gewonnen, wenn der offizielle Diskurs darauf besteht, das höchst komplexe Gesamtphänomen Einwanderung uns pauschal als „Bereicherung“ zu verkaufen? Um eine täglich unübersichtlicher werdende Wirklichkeit in den Blick und vielleicht auch in den Griff zu bekommen, ist der Euphemismus das noch ungeeignetere Mittel als die Polemik.

Dennoch genießt der Euphemist uneingeschränkt den Schutz der Meinungsfreiheit. Der Polemiker hingegen riskiert ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Als Sarrazin sich im vergangenen Herbst in seinem berüchtigten Lettre-Interview über die „Kopftuchmädchen“ ausließ, nahm die Staatsanwaltschaft Berlin Ermittlungen gegen ihn wegen des Anfangsverdachts auf Volksverhetzung auf. Das Verfahren wurde eingestellt. Nach Erscheinen seines Buches haben der Vorsitzende der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung Berlin-Brandenburg und mehrere Anwälte abermals Strafanzeige gegen den Autor erstattet. Die Bundeskanzlerin dürfte darin nichts sehen, das eine Demokratin beunruhigen sollte, im Gegenteil, hat sie doch selbst das inkriminierte Werk, von dem sie zugibt, es nicht gelesen zu haben, noch vor dessen Erscheinen als „wenig hilfreich“ abgekanzelt und in einem Interview der Frankfurter Allgemeine Zeitung vor knapp zwei Wochen bestätigt, dass es nicht nötig sei, das Buch zu lesen, um sich ein finales Urteil darüber zu bilden. Welch kurzsichtiges Verständnis von Meinungsfreiheit drückt sich hier aus, wenn Angela Merkel es sich nicht nehmen lässt, im selben Zeitraum die Festrede bei der Verleihung eines deutschen Medienpreises an den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard zu halten, der seit seiner Mohammed-Zeichnung von Islamisten mit dem Tod bedroht wird? Der Bundeskanzlerin scheint die schale Ironie zu entgehen, die sich ergibt, wenn sie Kurt Westergaard bescheinigt, er müsse solche Karikaturen zeichnen dürfen, „egal ob wir sie für nötig und hilfreich halten oder eben nicht“, und bei ihrer Festrede als „Geheimnis der Freiheit“ den „Mut“ preist. Ist Meinungsfreiheit erst dort in Gefahr, wo unliebsame Autoren und Künstler mit dem Tod bedroht bzw. tatsächlich attackiert werden? Lässt sich in einem demokratisch triftigen Sinne von Meinungsfreiheit reden, wenn das unausgesprochene Gesetz lautet: Natürlich darf bei uns jeder offen seine Meinung sagen – nur soll er, bitte, nicht glauben, er könne dann noch ein relevantes öffentliches Amt bekleiden oder anstreben?

Es ist wohl Merkmal aller etablierten Machtsysteme, dass sie diejenigen in die obersten Positionen spülen, die sich auf dem Weg dorthin haben kieselrund schleifen lassen. In totalitären Systemen werden die Charaktere mit Ecken und Kanten gleich abgeholt – und zwar nicht in der neuen philanthropischen Bedeutung des Wortes. In einer demokratisch verfassten Gesellschaft wie der unseren duldet man sie als Hofnarren.
„Respekt“ ohne Selbstrespekt. Ernüchtert stellt man fest, dass auch die Demokratie den Opportunismus, das Duckmäusertum befördert. Gewiss: Dem Abweichler drohen hier weder Gefängnis noch Folter noch Tod. Sondern der Karriereknick. Es ist übertrieben, auf Sarrazin, den sein Buch nicht den Kopf, sondern seinen Job als Bundesbanker kostete, das große Wort „Märtyrer“ anzuwenden. Die vielen, die am privaten Stammtisch ebenso reden wie er und flugs auf Rechtschaffenheitsrhetorik umschalten, sobald ein Mikrofon angeht, darf man jedoch getrost Feiglinge nennen.

Solange es renommierte Publikumsverlage gibt, die ein Buch wie das von Sarrazin drucken, solange es Veranstalter gibt, die den Autor einladen, solange es also eine wache und offene Zivilgesellschaft gibt, muss man der Meinungsfreiheit in Deutschland noch keine Kerze anzünden. Politische Versuche, die Meinungsfreiheit einzuschränken, wie der Vorstoß der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan, die im vergangenen Sommer die Medienvertreter ihres Landes darauf verpflichten wollte, über „Sachverhalte und Herausforderungen der Integration“ künftig nur noch in „kultursensibler Sprache“ zu berichten, scheitern bislang an ihrer Unbeholfenheit. Die Frage ist bloß, wohin dieses Land driftet, wenn sich die Kluft zwischen der Zivilgesellschaft und der politischen Klasse weiter öffnet.

Ein humanistisch gebildeter Berserker wie Franz Josef Strauß würde es heute allenfalls zum Bezirksbürgermeister von München-Maxvorstadt bringen. Politiker, an denen man sich stoßen, reiben kann, die man tief liebt oder aus ganzer Seele hasst, sind von der Bühne verschwunden. Das heutige politische Personal lädt sein Wahlvolk dazu ein, sich mit ihm möglichst kollisionsfrei zu arrangieren. Der öffentliche Diskurs ruckelt quietschend vor sich hin, wie soll es auch anders sein, wenn zum guten Ton gehört, nur noch mit taktisch angezogener Handbremse zu reden.

Freundlichkeit, Behutsamkeit, auch im sprachlichen Miteinander, können eine Gesellschaft vitalisieren, Kräfte freisetzen. Ebenso gut können sie das Mäntelchen sein, mit dem die eigene Orientierungslosigkeit kaschiert wird. „Respekt“ ohne Selbstrespekt ist entweder eine hilflose oder eine verlogene Geste. Im politisch korrekten Sprechen und Lavieren drückt sich die Hoffnung aus, das individuelle Seelenheil zu retten, indem man öffentlich so tut, als ob man allen Stolz hätte fahren lassen.

2017 feiern wir den fünfhundertsten Jahrestag des lutherschen Thesenanschlags zu Wittenberg. Es schadet nichts, sich heute schon an seine 32. These zu erinnern:

„Die werden samt ihren Meistern in die ewige Verdammnis fahren, die da vermeinen, durch Ablassbriefe ihrer Seligkeit gewiss zu sein.“

Thea Dorn
ist Schriftstellerin, Dramaturgin und Moderatorin in Berlin. Bekannt wurde die promovierte Philosophin zunächst mit Kriminalromanen wie „Berliner Aufklärung“ oder „Hirnkönigin“. Zuletzt erschienene Bücher wie „Die Brut“ oder „Mädchenmörder. Ein Liebesroman“ gehen weit über die Grenzen des Krimi-Genres hinaus.

Dorn ist Autorin erfolgreicher Theaterstücke (z.B. „Marleni“ über Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl, Uraufführung am Hamburger Schauspielhaus, 2000) und moderiert die Sendung „Literatur im Foyer“ des SWR sowie in ARTE die Talkshow „Paris-Berlin“.

Thea Dorn, die ihr Pseudonym in Anlehnung an Theodor W. Adorno gewählt hat, versteht sich als agnostische Humanistin.

Der Artikel, den Thea Dorn freundlicherweise der „Presse“ zur Verfügung gestellt hat, ist auch in der „Zeit“ vom 30. 9. erschienen.
© Thea Dorn Kerstin Ehmer Berlin, Reuters

via die Presse

War Hitler ein Linker?

Ein schon etwas älterer Artikel der TAZ (hört, hört), der eine interessante Frage aufwirft: Wie weit waren eigentlich Kommunisten und Nationalsozialisten von einander entfernt? Nicht so weit, meint der Autor.

Die Diskussion um den politischen Standort des deutschen Nationalsozialismus ist nie gründlich geführt worden. Klar ist jedenfalls: Zeit seines Bestehens hatte er mehr mit dem Totalitarismus Stalins gemein als mit dem Faschismus Mussolinis

von JOACHIM FEST

Manche guten Gründe sprechen dafür, dass der Nationalsozialismus politisch eher auf die linke als auf die rechte Seite gehört. Jedenfalls hatte er Zeit seines Bestehens mit dem Totalitarismus Stalins mehr gemein als mit dem Faschismus Mussolinis. Im Italien der Zwanziger- und Dreißigerjahre gab es immer noch die herkömmlichen Klassenunterschiede, während Hitler, nicht anders als die Sozialisten aller Schattierungen, die soziale Gleichschaltung vorantrieb. Auch hat er nach der so genannten Machtergreifung, anders als manche Angehörigen der Oberklassen hofften, die 1918 verloren gegangenen Vorrechte nicht wiederhergestellt. Stattdessen hat er den von Marx herkommenden Begriff der klassenlosen Gesellschaft einfach durch die Vokabel der „Volksgemeinschaft“ ersetzt und den immer noch Furcht erregend sozialistisch klingenden Begriff als eine Art ständiger Verbrüderungsfeier verkauft. Eine wie tiefe und anhaltende Sehnsucht der Deutschen er damit ansprach, geht nicht zuletzt daraus hervor, dass die Öffentlichkeit des Landes sich noch immer im Konsens am besten aufgehoben fühlt. Der nach festen Spielregeln ausgetragene Konflikt, der zu den elementaren Voraussetzungen demokratischer Ordnungen zählt, steht bei uns in keinem hohen Ansehen. Stattdessen huldigt alle Welt einer Gleichheitsidee, zu deren Eigenart nicht nur gleiche Startbedingungen gehören. Hierzulande will man auch, dass alle gleichzeitig im Ziel einlaufen. Niemand soll den anderen übertreffen.

Bekanntlich hat Hitler keine Produktionsmittel verstaatlicht. Damit ist für marxistischen Ideologen die Frage, ob Hitler samt seinem Programm sozialistisch genannt werden könne, ein für allemal beantwortet. Tatsächlich hatte Hitler einen weit klügeren Einfall. Er sozialisierte, in eigenen Worten, „nicht die Betriebe, sondern den Menschen“. Auf diese Weise hat er politisch, wirtschaftlich und sozial viel bewunderte Erfolge erzielt. Ein Wortführer des Kapitalismus im hergebrachten Sinne war er jedenfalls nicht. Nicht ohne Grund sprach eines der populärsten Schlagworte der Epoche von der „antikapitalistischen Sehnsucht“, die die Zeit erfülle. Und nicht zufällig stammte diese Formel von einem der führenden Nationalsozialisten aus dem engsten Kreis um Hitler, Gregor Strasser. Zweifellos jedenfalls empfand sich keiner der SA-Leute, die unter der Hakenkreuzfahne durch Moabit oder Steglitz marschierten, als Parteigänger irgendeiner „Reaktion“. Wie die Kolonnen der Linken auch, sahen sie sich als Vorhut grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen – auch sie wollten die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Mit ihnen ziehe, wie sie glaubten und sangen, die neue Zeit. Als im Frühjahr 1933 ganze kommunistische Kampfformationen geschlossen in die SA übertraten, wurde das von den roten Parteisoldaten keineswegs als Bruch empfunden, und der Berliner Volkswitz, der diese Einheiten als „Bulettenstürme“ verhöhnte („außen braun, innen rot“) deckt auf, wie nahe beieinander auch die Öffentlichkeit die einen und die anderen wahrnahm. Man wechselte sozusagen nur den Anführer und die Fahne, nicht einmal die Treffkneipe. Im Herzen blieb man Sozialist, nur dass man von nun an auch noch national sein durfte, kein „Vaterlandsverräter“ der Komintern. Wer da nicht zum Mitmachen bereit gewesen wäre!

Noch viele weitere Gemeinsamkeiten zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus lassen sich anführen, auch tiefer reichende. Wie häufig haben gerade die unversöhnlichsten Rivalen auf politischem Feld immer etwas von feindlichen Zwillingen. Auch in diesem Falle verhielt es sich so. Beide Epochengegner, die sich so erbittert bekämpften, träumten den Traum vom „Neuen Menschen“, der mit ihnen erst die Möglichkeit erlange, sich auf Erden zu verwirklichen; beide machten sich, wenn auch mit scheinbar gegensätzlichen Parolen, auf die Suche nach dem vor Zeiten verlorenen Paradies. Und beide hassten mehr als alles andere die bürgerliche Welt. Wer sich die Jubelschreie in Erinnerung ruft, mit der führende Nationalsozialisten die Zerstörungen der deutschen Städte im Bombenkrieg begrüßten, erhält einen Begriff von der Radikalität ihres Hasses: Goebbels sprach von den „Gefängnismauern“ der bourgeoisen Welt, die jetzt endlich „in Klump geschlagen“ würden, und Robert Ley „atmete auf“: Endlich sei es „vorbei mit der Welt“, die sie verabscheuten. Ein Echo solcher komplexen Erfüllungsgefühle im Untergang des einen Regimes war auch im Aufstieg des anderen vernehmbar: In den frühen Jahren der DDR, als die Machthaber die Reste der bürgerlichen Welt syste-matisch bis auf die innersten Strukturen zerstörten.

Aufs Ganze gesehen ist die Diskussion über den politischen Standort des Nationalsozialismus nie gründlich geführt worden. Stattdessen hat man zahlreiche Versuche unternommen, jede Verwandtschaft von Hitlerbewegung und Sozialismus zu bestreiten. Um den Kommunismus denkbar weit vom Nationalsozialismus wegzurücken, ist sogar der totalitäre Charakter des Kommunismus geraume Zeit bestritten worden. Das ist inzwischen gescheitert. Die Verheißungsszenarien, die von der einen wie der anderen Seite entworfen wurden, haben nicht allzu lange gedauert. Im Fall des Nationalsozialismus wurden sie nur etwas über zehn Jahre, im Sozialismus immerhin fast drei Generationen lang exekutiert. Beide haben die Menschheit unendlich viele Opfer gekostet – Abermillionen bei diesen wie bei jenen.

Der auffallendste Unterschied bleibt, dass der Nationalsozialismus sich schon im Programm unmenschlich ausnahm, während der Sozialismus in verschiedenen humanitären Maskeraden auftrat. Zu lernen ist aus dieser Erfahrung, dass alle Ideologien, was immer sie den Menschen weismachen, nie halten, was sie versprechen. Auf dem Papier wirken sie stellenweise verführerisch. Aber wer sich von der Zeit belehrt weiß und vor allem genauer hinsieht, entdeckt im Hintergrund all der idyllisch-egalitären Kulissen stets das nackte Grauen.

via taz.de

Wie ein Holocaust-Überlebender den Islam sieht

Ein Mann, dessen Familie vor dem Zweiten Weltkrieg zur deutschen Aristokratie gehörte, war Besitzer großer Industriefirmen und Ländereien. Seine Antwort auf die Frage, wie viele Deutsche echte Nazis waren, kann eine Anleitung für unsere Haltung zu Fanatismus sein.

„Sehr wenige waren echte Nazis“, sagte er. „Aber viele freuten sich über die Rückkehr deutschen Stolzes. Und viele weitere waren einfach zu beschäftigt, um sich darum zu kümmern. Ich war einer von denen, die nur dachten, die Nazis seien ein Haufen Deppen. Die Mehrheit lehnte sich also zurück und ließ alles geschehen. Bevor wir wussten, wie uns geschah, gehörten wir ihnen; wir hatten die Kontrolle verloren und das Ende der Welt war gekommen. Meine Familie verlor alles. Ich endete in einem Konzentrationslager und die Alliierten zerstörten meine Fabriken.“

Uns wird immer wieder von „Experten“ und „Fernseh-Talkern“ gesagt, der Islam sei die Religion des Friedens und die überwiegende Mehrheit der Muslime wolle einfach nur in Frieden leben. Obwohl diese untaugliche Annahme wahr sein könnte, ist sie völlig irrelevant. Sie ist bedeutungsloser Fussel, der dafür sorgen soll, dass wir uns besser fühlen und irgendwie das Gespenst von im Namen des Islam über den Globus tobenden Fanatiker abschwächen soll.

Fakt ist, dass

  • die Fanatiker zu diesem Zeitpunkt der Geschichte den Islam beherrschen.
  • Es sind die Fanatiker, die marschieren.
  • Es sind die Fanatiker, die jeden der weltweit derzeit 50 akuten Kriege führen.
  • Es sind die Fanatiker, die überall in Afrika systematisch Christen oder Stämme abschlachten und
  • Stück für Stück auf dem gesamten Kontinent mit einer islamischen Welle die Macht ergreifen.
  • Es sind die Fanatiker, die bomben, enthaupten, morden und ehrenmorden.
  • Es sind die Fanatiker, die eine Moschee nach der anderen übernehmen.
  • Es sind die Fanatiker, die eifrig die Steinigung und das Erhängen von Vergewaltigungsopfern und Homosexuellen verbreiten.
  • Es sind die Fanatiker, die ihre Jugend das Töten lehren und Selbstmordbomber zu werden.

Die harte, quantifizierbare Tatsache ist: Die friedliche Mehrheit, die „schweigende Mehrheit“ ist eingeschüchtert und irrelevant.

Das kommunistische Russland setzte sich aus Russen zusammen, die einfach in Frieden leben wollten; doch die russischen Kommunisten waren für die Ermordung von rund 20 Millionen Menschen verantwortlich. Die friedliche Mehrheit war irrelevant. Chinas riesige Bevölkerung war ebenfalls friedfertig, aber die chinesischen Kommunisten schafften es gigantische 70 Millionen Menschen umzubringen.

Der Durchschnitts-Japaner vor dem Zweiten Weltkrieg war kein kriegslüsterner Sadist. Aber Japan ermordete und schlachtete in einer Tötungsorgie sich durch Südost-Asien, zu der die systematische Ermordung von 12 Millionen chinesischen Zivilisten gehörte, die zum größten Teil mit Schwert, Schaufel und Bayonett getötet wurden.

Und wer kann Ruanda vergessen, das in Metzelei zusammenbrach. Könnte man nicht sagen, dass die Mehrheit der Ruaner „friedliebend“ war?

Die Lektionen der Geschichte sind oft unglaublich einfach und unverblümt, doch bei aller Macht der Vernunft verpassen wir oft die grundlegendsten und unkompliziertesten Dinge:

Friedliebende Muslime sind durch ihr Schweigen irrelevant gemacht worden.

Friedliebende Muslime werden zu unseren Feinden werden, wenn sie nicht den Mund aufmachen; denn wie mein Freund aus Deutschland werden sie eines Tages aufwachen und feststellen, dass sie den Fanatikern gehören und das Ende ihrer Welt begonnen hat.

Friedliebende Deutsche, Japaner, Chinesen, Russen, Ruander, Serben, Afghanen, Iraker, Palästinenser, Somalis, Nigerianer, Algerier und viele andere sind gestorben, weil die friedliebende Mehrheit den Mund nicht aufmachte, bis es zu spät war. Was uns angeht, die wir das alles sich entfalten sehen, so dürfen wir unsere Aufmerksamkeit nur der einen Gruppe widmen, die zählt – den Fanatikern, die unsere Lebensordnung bedrohen.

via heplev

Das englische Original von Paul E. Marek aus Saskatoon, Canada findet sich hier.

Vor dem Liebesentzug

Claudio Casula at his best oder Wer schon immer einmal verstehen wollte, was der Sechs-Tage-Krieg 1967 wirklich war – und was nicht:
Fast 43 Jahre nach dem Sechs-Tage-Krieg hat die kollektive Gedächtnisschwäche den legitimen Präventivschlag Israels längst zu einem Eroberungsfeldzug umgedeutet. Das sah am 12. Juni 1967, dem Tag nach dem Waffenstillstand, noch ganz anders aus. Einer der schönsten Beweise dafür ist der Spiegel Nr. 25, der just an jenem Tag erschien. Damals kam niemandem in den Sinn, hinter dem Erstschlag gegen einen zum Krieg entschlossenen Feind einen heimtückischen Überfall auf arglose Nachbarstaaten zum Zwecke der Landnahme bzw. der Herrschaft über ein anderes Volk zu wähnen. Damals klangen den Menschen noch die Vernichtungsdrohungen Nassers im Ohr, hatten sie die Bilder von aufgehetzten Massen in Kairo vor Augen, die den Juden lautstark den Tod wünschten. Damals hätte man einem, der, wie die Initiative „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina” dieser Tage, den „historischen Ausgangspunkt des Nahostkonflikts” am 5. Juni 1967 festgemacht hätte, den Vogel gezeigt.

Die Titelgeschichten des Spiegel waren seinerzeit zwar deutlich weniger aufgebläht als heute, aber auch auf sieben Seiten wäre genügend Platz gewesen, wenigstens einmal die “Palästinenser” zu erwähnen. Von wegen: Vor 40 Jahren sprach man noch von Arabern, die Westbank war seit dem Unabhängigkeitskrieg von Jordanien besetzt und annektiert, der Gazastreifen stand unter ägyptischer Verwaltung. Ein palästinensisches Nationalgefühl sollte sich erst unter israelischer Besatzung entwickeln, das Recht der „Palästinenser” auf Unabhängigkeit, das heute von jedem Kaninchenzüchterverein angemahnt wird, war schlicht kein Thema.

Nun kann man natürlich sagen: Am 12. Juni 1967 war gerade mal der Gefechtslärm verklungen, da spielten die Folgen des Krieges noch keine Rolle. Und tatsächlich merkt man dem Ton des Artikels an, dass die Autoren noch unter dem Eindruck des ebenso überraschenden wie überwältigenden militärischen Sieges des israelischen David gegen den arabischen Goliath standen und den Perspektivwechsel – die unbarmherzige israelische Militärmaschinerie hüben und die armen, schwachen und gedemütigten Palästinenser drüben – noch lange nicht vollzogen hatten. Bisweilen gingen mit den Redakteuren in ihrer Euphorie über den sensationellen Kriegsverlauf und auch in ihrer Häme gegen die großmäuligen Araber, denen das Volk Israel „aufs Haupt” geschlagen habe, die Gäule durch. Da führt Israel einen „Blitzkrieg“, da rollen sie „wie Rommel”, da zerschlagen die „gepanzerten Söhne Zions den arabischen Einkreisungsring um Israel“. Soviel Pathos und Getröte im Wochenschau-Style wirkt im Licht des kalten Liebesentzugs, mit dem das Nachrichtenmagazin den jüdischen Staat in den folgenden Jahrzehnten strafte, zutiefst verstörend.

Immerhin: An den Ursachen der Kämpfe war nicht zu rütteln, und der Spiegel benannte sie: der Abzug der UN-Truppen aus dem Sinai nach Nassers Ultimatum, die Sperrung der Meerenge von Tiran, aber vor allem die aggressive Rhetorik der arabischen Führer, der „Heilige Krieg der Araber“, der „panarabische Nationalismus“, die sowjetische Ermutigung der Araber zum Krieg, der „Aufmarsch der Araber“, der „die Israelis so in die Enge (trieb), dass diese zum Präventivschlag gedrängt wurden.”

,Das Ende Israels ist gekommen’ verkündete Radio Kairo auf hebräisch, als der Krieg begann. Ein kleines, dem Völkermord entronnenes Volk trat zum Existenzkampf gegen einen erbarmungslosen Feind an.

Geht einem da nicht das Herz auf? 1982 sollte sich das allerdings schon ganz anders anhören. Da schrieb Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein nämlich:

Wohl aber stand damals schon fest, dass Israel im technischen Sinne und für die Araber auch im moralischen Sinne der Aggressor war. Es wollte haben, was anderen gehörte und was ohne Krieg nicht zu haben war.

Dabei hatte Rudolf „Alzheimer” Augstein höchstpersönlich im Spiegel Nr. 25/1967 in seinem Kommentar „Israel soll leben” (!) keinen Zweifel an der Kriegsursache aufkommen lassen:

Die arabischen Gegner wollten ihm nicht ein Stück Land oder eine Konzession fortnehmen. Sie hatten es auf seine Existenz abgesehen.

Bingo! Genau das ist der Punkt, heute wie vor 80 Jahren: die Weigerung der Araber, einen jüdischen Staat im Nahen Osten zu akzeptieren. Ginge es nur um die palästinensische Eigenstaatlichkeit, um ein paar Quadratkilometer Land hier oder dort, um die Verteilung des Wassers – der Nahost-Konflikt wäre längst gelöst.

Was heute als „Überreaktion” gegeißelt würde, war im Juni 1967 jedem Menschen, der noch seine Sinne beisammen hatte, absolut klar. Muss man „ein Land verteidigen, das an seiner schmalsten Stelle nur 14 Kilometer breit ist”, sollte man tunlichst als Erster ziehen. Denn:

„Kein Punkt liegt weiter als 50 Kilometer von der Grenze eines arabischen Nachbarstaates entfernt. Der nördliche Teil kann in ganzer Breite von Jordanien (also nicht von „Palästina”, C.C.) aus mit Artillerie belegt werden.“

Was ja auch, notabene, der Grund dafür ist, dass Israel die Höhenzüge Samarias niemals an Hamas, Fatah oder eine andere Judenmörderbande abtreten wird, wenn es nicht allzu scharf darauf ist, sich ins eigene Schwert zu stürzen. Daran möge man jeden erinnern, der auf dem vollständigen Rückzug Israels aus allen 1967 eroberten Gebieten als selbstverständliche Voraussetzung für eine Einigung mit den Palästinensern beharrt.

Ein Land mit so ungünstiger Militärgeographie lässt sich nicht defensiv, sondern nur offensiv schützen. Um zu verhindern, dass die aufmarschierten arabischen Armeen das Land von allen Seiten zugleich angriffen, in mehrere Teile zerschnitten und die Verteidiger ins Meer trieben, rief General Dayan – wie 1956 – zum Angriff.

Eine Binse, die im Jahr 43 nach dem Sechstagekrieg leider aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist. Bei der Lektüre der Spiegel-Titel-Story reibt man sich immer wieder verwundert die Augen. Kann das wirklich sein, hat man das so gedruckt? Man hat. Den Redakteur allerdings, der die Araber als „die seit Jahrhunderten degenerierten Nachfahren des Propheten Mohammed” zu bezeichnen wagte, die mit den Arabern der frühen Heldenepoche „nur noch den Hang zum Fabulieren” gemeinsam hätten, würde man heute kopfüber aus einem Fenster in der Brandstwiete hängen.

Der Hauptgrund für die Perpetuierung des Nahost-Konflikts, die Negierung des Existenzrechts Israels, war damals – und ist natürlich auch heute noch – die chronische Realitätsverweigerung der Araber. Wer eisern auf seinen vermeintlich heiligen Rechten beharrt und ausschließlich in Kategorien der Ehre und der Rache zu denken vermag, wird nie zu einem Kompromiss fähig sein. Der Spiegel stellt denn auch fest: „Die Araber dürsten nach Parolen und Pathos” – woran sich bis heute nichts geändert hat, wenn man sich die Rhetorik etwa der Hamas mit ihrem inflationären Gebrauch von Begriffen wie Blut, Ehre, Volk, Märtyrer etc. vergegenwärtigt – und zitiert den „britischen Araberfreund” und Ex-Staatssekretär Nutting mit den Worten:

„Wie kaum ein anderes Volk denken und handeln sie emotionell und irrational“.

Schöner kann man es nicht sagen. Wer noch nie begriffen hat, warum die Palästinenser im Sommer 2000 das Angebot der staatlichen Unabhängigkeit am grünen Tisch ablehnten, statt dessen lieber die Bürger des militärisch überlegenen Israel in Linienbussen ermordeten und so letztlich eine für sie verheerende Gegenoffensive provozierten, mit anderen Worten: sich mit Gewalt von einem Stärkeren holen wollten, was dieser freiwillig herzugeben bereit war, sollte sich Nuttings Satz hinter den Badezimmerspiegel klemmen.

Der Spiegel schrieb also schon mal anders über den israelisch-arabischen Konflikt. Und wie sah es mit den Lesern aus? Nun, Idioten und Antisemiten sowie antisemitische Idioten gab es schon damals. Einer von ihnen, der seinen Leserbrief an das Magazin ein paar Tage zu früh in den Briefkasten gesteckt hatte, soll hier in voller Länge zitiert werden: Klaus Seibel aus dem westfälischen Siegen, ein Judenhasser, der sich etwas vorschnell auf die zweite Endlösung durch die Araber freute und am Erscheinungstag gewünscht haben dürfte, dass sich der Boden unter ihm auftut:

Zu meiner Überraschung las ich, dass sich 70 bis 80 Freiwillige für Israel im Kampf gegen die ehrenhafte Arabische Liga gemeldet haben. Ich selbst würde mich gern bei einer geeigneten Meldestelle für Nasser melden. Bekanntlich ist Israel schon seit dem Altertum Weltunruheherd Nummer eins. Die Pestbeule muss aufgeschnitten werden, sie ist längst reif. Somit rufe ich Nasser und meinen Gesinnungsgenossen als Kampfparole zu: „Macht kurzen Prozess”.

Dumm gelaufen, Klaus.

Dann schickte Allah … Adolf Hitler

Nachdem die Vollversammlung der Vereinten Nationen im November 1947 für die Teilung Palästinas in einen jüdischen und arabischen Staat gestimmt hatte, klagten die palästinensischen Araber, dass man sie für die Sünden anderer „zahlen lasse“: Es seien die Nazis gewesen, die sechs Millionen Juden ermordet hätten, die Weltgemeinschaft aber habe eine Wiedergutmachung durch Vergabe großer Teile Palästinas an die Juden beschlossen – Land, das die Araber einzig und allein als ihres betrachteten.

Eine solche Klage setzt voraus, dass die Palästinenser an dem, was von 1939 bis 1945 in Europa geschah, ganz unbeteiligt und schuldlos waren. Das historische Zeugnis jedoch ist komplexer, wie einige neue historische Arbeiten zeigen. Zum einen tragen die Palästinenser eine indirekte Verantwortung für den Holocaust
insofern, als ihre anti-britische und anti-zionistische Revolte 1936-1939 die Briten dazu veranlasste, eine weitere Immigration europäischer Juden nach Palästina fast völlig zu unterbinden. Die angelsächsische Welt, darunter Großbritannien und die Vereinigten Staaten, hatte ihre Tür schon geschlossen, die meisten europäischen Juden – denen die Ermordung durch die Nazis drohte – hatten keinen Fluchtpunkt mehr. Daran, dass sich die letzte Zuflucht schloss, waren die palästinensischen Araber maßgeblich beteiligt.

[…] Die Nazi-Propaganda gab wiederholt der „jüdischen Gier“ die Schuld an internen Problemen arabischer Länder. Im Januar 1942 kabelte ein britischer Beamter von Kairo nach London:

„Ohne Zweifel glauben 90 Prozent der Ägypter, darunter auch ihre Regierung, dass hauptsächlich die Juden für die Engpässe und die hohen Preise des Lebensnotwendigen verantwortlich sind.“

Als Rommels Afrikakorps vor den Toren Ägyptens stand, sendete Berlin am 7. Juli 1942:

„Soll das Leben der ägyptischen Nation gerettet werden, (dann müssen) die Ägypter sich wie ein Mann erheben und die Juden töten, bevor diese die Chance haben, das ägyptische Volk zu betrügen. Es ist die Pflicht der Ägypter, die Juden zu vernichten und ihren Besitz zu zerstören … sie sind die Quelle aller Plagen, die über die Länder des Ostens gekommen sind … Araber Syriens, Iraks und Palästinas, worauf wartet ihr? Die Juden planen, eure Frauen zu vergewaltigen, eure Kinder zu ermorden …“

In einer Sendung aus Bari erklärten die deutschen Propagandisten, aus einer Rede, die Husseini [der Führer der palästinensisch-arabischen Nationalbewegung Haj Amin al-Husseini] in Rom gehalten hatte, zitierend,

„dass die Juden die Errichtung ihrer nationalen Heimstatt nicht allein in Syrien, im Libanon, Transjordanien und Ägypten, sondern auch in allen arabischen Nachbarstaaten geplant haben.“

Husseini sendete am 1. März 1944:

„Erhebt euch. Erhebt euch wie ein Mann für eure geheiligten Rechte. Tötet die Juden, wo immer ihr sie findet. Das gefällt Gott, Geschichte und Religion.“ Seine Mindestforderung war die Vertreibung der Juden aus „allen arabischen und muslimischen Ländern. „Scheut keine Anstrengung, sodass nicht ein einziger Jude … in den arabischen Ländern bleibt“, mahnte er.

Die Juden Arabiens waren von Mohammed im siebten Jahrhundert vertrieben worden. Doch das antisemitische Erbe war nach wie vor sehr mächtig auf der Halbinsel und wurde durch die Kriegssendungen noch einmal verstärkt. Ein amerikanischer Diplomat, der am 30. Oktober [1944] aus Dschidda berichtete, zitierte den saudischen König Abdul Aziz ibn Saud mit den Worten:

„Die Juden … sind eine gefährliche … Rasse … Wir Muslime … hassen sie … Unser Hass auf diese sündige und böse Rasse wächst Tag für Tag, bis es unser einziges Streben ist, sie alle zu erschlagen … Wir Muslime werden kämpfen und sie abschlachten, bis wir sie von unserem Land vertrieben haben. Allah sei Dank haben wir keine Juden in unserem Königreich, und nie werden wir einem Juden gestatten, es zu betreten …“

In seinem Buch untersucht Herf die Schriften Said Qutbs aus den späten Vierziger und Fünfziger Jahren, eines ägyptischen Theologen, der heute als al-Qaidas geistiger Pate gilt. Herf sieht ihn als Bindeglied zwischen der Nazi-Husseini-Kriegspropaganda und dem islamistischen Antisemitismus der Gegenwart. Qutb stellte die Juden als auf die Vernichtung des Islam Versessene dar.

Die Verbindung, die er herstellte, passt in eine Nussschale:

„Die Juden kehrten zum Bösen zurück … die Muslime vertrieben sie von der Arabischen Halbinsel … Die Juden kehrten abermals zum Bösen zurück … dann schickte Allah Hitler, sie zu beherrschen (!!). Und heute sind die Juden einmal mehr zum Bösen zurückgekehrt, in Gestalt ‚Israels‘, das die Araber … Weh und Sorge hat schmecken lassen.“ Also werde Allah ihnen, schrieb er, bald „die schlimmste Strafe zumessen.“

Schlimm, wie die NS-Ideologie sich damals mit dem islamischen Antisemitismus verzahnte und heute noch nachwirkt. Aber man muss das immer im Auge behalten, denn der Iran, die palästinensische Führung und andere versuchen Israel in folgenden, o.g. Licht erscheinen zu lassen:
„Die Europäer und insbesondere die Deutschen haben den Juden Schreckliches angetan und man kann auch über Schadensersatz für die Juden – z.B. über ein eigenes Land – reden, aber was haben die armen Palästinenser damit zu tun und wieso müssen die Palästinenser unter Israel leiden???“

Der Opfer gedenken

Eine Bemerkung des irakischen Publizisten Basem Muhammad Habib aus diesem Frühjahr:

»Anstatt die Geschichtlichkeit des Holocausts anzuzweifeln, sollten wir die jüdischen politischen Führer für ihr Interesse an den jüdischen Holocaust-Opfern und an der fortwährenden Erinnerung an diese Schreckenstaten bewundern. Sie widmen der Erinnerung an die Opfer viel Zeit und Mühe, dokumentieren deren Strapazen und kämpfen für die Rechte der Überlebenden, wo immer sie sich auch aufhalten mögen.

Das ist etwas, was wir äußerst selten in unserer Region beobachten, wo Menschen wegen den trivialsten Gründen getötet werden und ihr Leiden und ihr Schmerz dann schnell in Vergessenheit geraten. Im Irak, zum Beispiel, wurden Hunderttausende von Menschen unter Saddam Husseins Regime umgebracht. Dennoch haben wir noch nie von einem Vorhaben gehört, das anstrebt, dieser Opfer zu gedenken.«

via jungle-world

An den Holocaust zu denken und ihn als immerwährende Mahnung zu verstehen, ist absolut richtig. Mag es auch manchen Menschen stinken, dass es ausgerechnet die Juden waren, die dieses „Privileg“ hatten.

30. September 1989

Gänsehautfeeling … auch heute noch, nach 20 Jahren. Wir sind ein Volk, ein Staat, wir gehören – trotz allem – zusammen.

Hans-Dietrich Genscher in der „Zeit“ über die Zeit um den 30. September 1989

[…] Die Gespräche über die Flüchtlinge in Prag hatten absoluten Vorrang. Am Donnerstag, dem 28. September, sprach ich mit Eduard Schewardnadse ein zweites Mal und noch eindringlicher. Sind Kinder dabei? Ja, Hunderte, die leiden besonders. Seine Antwort: „Ich helfe Ihnen.“

Das zweite Gespräch machte er möglich, wenn ich sofort kommen könne. Da bei mir der ganze Tag für Gespräche im Hotel vorgesehen war, standen keine Fahrzeuge zur Verfügung. Was tun in der spätnachmittaglichen Hauptverkehrszeit in New York? Ein Taxi? Wir hätten mehr als eine Stunde gebraucht. Mein Mitarbeiter Frank Elbe hatte die richtige Idee. Er hielt ein Fahrzeug der New Yorker Verkehrspolizei an.

„Ich helfe Ihnen.“ Eduard Schewardnadse, sowjetischer Außenminister (1989)

Er sagte: „Wir müssen dringend zur sowjetischen Botschaft.“ Antwort: „Na und.“ Er zeigte auf mich und sagte: „Das ist der deutsche Außenminister!“ Achselzucken, dann sagte er, es gehe um die Flüchtlinge in der Prager Botschaft. Antwort: „Steigen Sie ein.“ Mit Blaulicht und Sirene erreichten wir die sowjetische Botschaft, das Gespräch mit Schewardnadse konnte sofort beginnen.

[…]

Ein Evangelikaler und Rassismus

Ein sehr klares Interview, in dem deutlich wird, wie dumm und ohne Grundlage der Rassismus ist. Und trotzdem ist er stark und wird in verschiedenen Formen immer noch gelebt, weil es einfacher ist, sich gegen Fremdes abzugrenzen, als sich mit ihm auseinanderzusetzen. Er konzentriert sich heute nicht mehr so sehr auf Rassen/Hautfarben, sondern auf Volksgruppen und Fremde.

Interview mit Thomas Schirrmacher aus: Rundbrief Bonner Querschnitte vom 08.09.09

BQ: Ist ein neues Buch gegen Rassismus nötig?

Thomas Schirrmacher: Zunächst ist der Rassismus eine so folgenschwere Fehleinstellung, dass es gar nicht genug Schriften dagegen geben kann. Aber Sie wären sicher erstaunt, wie wenige Bücher es dazu auf dem deutschen Buchmarkt gibt, und die meisten sind sehr technisch, sehr speziell und für ‚Otto Normalverbraucher‘ kaum zu verstehen. Dem wollte ich abhelfen.

BQ: Ein Evangelikaler gegen Rassismus?

TS: Ja natürlich. Mit dem Wort ‚evangelicals‘ wurde erstmals eine Bewegung in Großbritannien benannt, die die Abschaffung des Sklavenhandels und dann der Sklaverei forderte und dies schließlich auch unter Führerschaft von William Wilberforce (1759-1833) erreichte. Evangelikale spielten eine zentrale Rolle in der Antisklavereibewegung in den USA, etwa die freikirchlichen Quäker und Methodisten. Am bekanntesten ist der evangelikale Klassiker ‚Onkel Tom’s Hütte‘. Ich zitiere in meinem Buch einen Historiker, der darlegt, dass der Rassismus in Frankreich und Deutschland so viel größere Chancen hatte, weil es dort kaum Evangelikale gab.

In Indien hat William Carey (1761-1834) – manche sehen den britischen Missionar und Sprachforscher als Kirchenvater der Evangelikalen – im 18. Jahrhundert den durch das Kastenwesen vorgegebenen Rassismus in den christlichen Kirchen bekämpft und hat durch seine Sprach- und Kulturforschung mehrere indische Sprachen erhalten.

BQ: Alles nur Geschichte?

TS: Heutzutage sorgt die Internationalität der evangelikalen Bewegung dafür, dass der Rassismus keine Chancen hat. Ich habe in meinem evangelikalen Umfeld von klein auf Indonesier, Kenianer und Lateinamerikaner als Vorbilder kennengelernt, da hatte der Rassismus ausgedient, bevor ich ihn auf dem Schulhof kennenlernte. Und die Weltweite Evangelische Allianz hat wiederholt deutlich gegen jede Form von Rassismus Stellung bezogen.

BQ: International sehe ich das ja ein, aber in Deutschland?

TS: Die Pietisten hatten jedenfalls auch immer ein besseres Verhältnis zu Menschen anderer Kulturen als die Menschen um sie her. Das haben die Evangelikalen in Deutschland von den Pietisten geerbt. Der lange Zeit führende evangelikale Missionswissenschaftler Prof. Peter Beyerhaus schrieb 1972 ein Büchlein mit dem Titel „Der Rassismus und seine evangeliumsmäßige Überwindung“. Die Offensive Junger Christen in Reichelsheim wurde durch ihren ökumenischen Kampf für eine Überwindung der Apartheid in Südafrika – allerdings nur mit friedlichen Mitteln – bekannt. Und in der Gegenwart wüsste ich wirklich nicht, wo Rassismus in evangelikalen Gemeinden eine Heimat finden sollte. Wir sind es längst gewohnt, Bücher von Autoren aller Erdteile zu lesen, führende Geistliche aller Kulturen als Vorbilder zu nehmen und Menschen aller Kulturen und Ethnien willkommen zu heißen.

Da der größere Teil der evangelikalen Bewegung aus Asien, Afrika und Lateinamerika kommt, geben sie in vielen Gremien längst den Ton an.

BQ: Aber die Evangelikalen in den USA?

TS: Wenn die evangelikale Bewegung in den USA kritisiert wird, vergessen viele, dass es nicht nur ‚weiße‘ Evangelikale gibt, sondern dass viele Afroamerikaner Evangelikale waren und sind, und heute zudem viele Latinos und Asiaten. Leider gibt es in den USA ein breites rechtsextremes Spektrum, dass sagt, Amerika sei weiß, englischsprachig und christlich. Nur mit den christlichen Kirchen hat das wenig zu tun und die National Assocation of Evangelicals, die Evangelische Allianz der USA, ist davon weit entfernt.

BQ: Aber sehen Evangelikale den Islam nicht sehr kritisch?

TS: Als Religion ja, aber deswegen können sie doch die Muslime würdevoll behandeln, oder? Ich möchte mal frech behaupten, dass keine deutsche Bevölkerungsgruppe so oft bei türkischen Familien zu Gast ist und türkische Freunde einlädt, wie die Evangelikalen.

BQ: Was unterscheidet Rassismus von anderen Formen der Diskriminierung?

TS: Kern des Rassismus im Vergleich zu anderen Ideologien, die genutzt werden, um Menschen zu unterdrücken (wie Klassenvorstellungen, Religionshass oder Verachtung von Behinderten), ist, dass das Anderssein des Anderen vermeintlich in seiner biologischen Abstammung begründet liegt und deswegen unabänderlich ist.

Rassismus hat nämlich zwei Kernelemente. Er konstruiert abstammungsmäßige Gruppen mit vermeintlich gemeinsamen Merkmalen und er wertet diese Gruppen und Unterschiede zum Nutzen des Rassisten und zum Schaden des Opfers und legitimiert so Privilegien und Aggression.

BQ: Konstruiert?

TS: Ja. Ich stelle in meinem Buch die wachsende Zahl der Argumente aus der Erforschung der Völker und der modernen Genforschung zusammen. Jahrhundertelang hat man versucht, Rassen zu klassifizieren, aber die Einteilung überzeugten meistens nur den Forscher selbst. Längst steht fest: es gibt nur eine menschliche Rasse.

BQ: Haben Sie nicht einmal ein anschauliches Beispiel?

TS: Ja, sicher. Die Blutgruppen der Menschen gehen quer durch alle Völker. Sie sollten sich mit Blutgruppe A besser nicht von einem ‚Weißen‘ mit Blutgruppe B Blut spenden lassen, das Blut eines ‚Schwarzen‘, ‚Gelben‘ oder ‚Roten‘ mit ihrer Blutgruppe A kann aber ihr Leben retten. Und ein Mensch mit der Blutgruppe 0 kann als sogenannter Universalspender jedem Menschen der Erde Blut spenden.

BQ: Aber kann man denn nicht die Rassen an der Hautfarbe erkennen?

TS: Wenn Sie mal die Vorgeschichte der Klassifizierung nach Hautfarbe studieren, stellen Sie schnell fest, dass sie mit der tatsächlichen Hautfarbe wenig zu tun hat. Alle aufgestellten Farbtafeln scheitern an der vielfältigen Realität. ‚Gelbe‘ sind oft heller als ‚Weiße‘, ‚Rote‘ sind nicht rot, sondern ihre Bandbreite von heller bis dunkler findet sich bei anderen ‚Rassen‘ wieder.

BQ: Was ist mit den IQ-Tests in den USA, die beweisen sollen, dass Schwarze im durchschnitt weniger begabt als Weiße sind?

TS: Wenn man die IQ-Tests zum Maßstab erhebt, liegen die Juden und Japaner 10% über den Weißen. Das aber verschweigt man lieber. Das Problem aber ist:

  1. Es gibt keine kulturfreien IQ-Tests, keine neutrale, internationale Intelligenz. Wenn sie abfragen, was für Inuitkinder von Bedeutung ist, werden die Deutschen immer als die Dummen dastehen.
  2. Es handelt sich nur um Durchschnitte. Bei allen Gruppen findet sich dieselbe extreme Bandbreite von Hochbegabten bis weniger Begabten, nur unterschiedlich verteilt.
  3. Zudem bleibt offen, wo die Unterschiede herkommen. Liegen sie am Bildungssystem, an der Familie oder wirklich, wie unterstellt wird, an den Genen.

BQ: Wie argumentiert man gegen Rassismus?

TS: Gegen den Rassismus muss man auf zwei Ebenen argumentieren. Erstens damit, dass auch ein erwiesener Unterschied menschlicher Rassen nichts über die allen gleiche Würde des Menschen aussagen würde. Und zweitens damit, dass aber für die Annahme, dass es solche biologischen Unterschiede von einteilbaren Rassen überhaupt gibt, keine Beweise vorgelegt werden können, und schon gar nicht, dass solche Rassen mit angeborenen psychischen Eigenschaften wie fleißig/faul oder ehrlich/verschlagen einhergehen.

Eigentlich müsste der zweite Punkt bereits ausreichen. Doch obwohl die wissenschaftlichen Belege dafür, dass es keine Rassen gibt, mit jedem Jahrzehnt mehr werden, ist es bis heute üblich, die uralte und vielfach widerlegte Einteilung nach Hautfarben in Ermangelung einer Alternative weiterzuverwenden. Führende Lexika erklären unter „Rassismus“, dass es gar keine Rassen gibt, um dann unter „Rasse“ oder den einzelnen Namen dieser „Rassen“ unbekümmert weiter die Unterscheidungen zu referieren.

BQ: Welches sind denn die häufigsten Formen von Rassismus?

TS: Es gibt drei Arten des Rassismus, die international am verbreitetsten sind und jeweils über viele Jahrhunderte verfolgt werden können. Sie richten sich gegen die sog. ‚Schwarzen‚ beziehungsweise Menschen mit dunklerer Hautfarbe, gegen die Juden und gegen die sog. ‚Zigeuner‚, also die Sinti und Roma und Angehörige anderer ziganischer Völker.

Die drei internationalen Rassismen sind die Verleumdung und Bekämpfung oder Unterdrückung

  1. der „Schwarzen“ (oder von Menschen, die eine dunklere Hautfarbe haben als man selbst) – sie sind angeblich dumm, roh und unzivilisiert;
  2. der Juden – sie sind angeblich verschlagen, raffgierig und herrschsüchtig;
  3. die „Zigeuner“ – sie sind angeblich asozial und diebisch.

BQ: Sie haben ein zweibändiges Werk über ‚Hitlers Kriegsreligion‘ geschrieben?

TS: Ja, ich versuche zu zeigen, dass Hitler wirklich an einen Schöpfer geglaubt hat, der zwar nichts mit dem christlichen Gott gemeinsam hatte, aber eine religiöse Überhöhung des sozialdarwinistischen Rassenkampfes bedeutete. Es ist eine Schande, dass nur wenige Christen erkannt haben, dass es sich hier um einen kompletten Gegenentwurf zu ihrer Religion handelte, und nicht um Politik, aus der man sich lieber heraushalten wollte.

BQ: Aber ist das „Volk“ nicht eine Schöpfungsordnung?

TS: Nein, da halte ich es mit Karl Barth. Die Bibel kennt Ehe und Familie ebenso wie die Arbeit als Schöpfungsordnungen vor dem Sündenfall. Auch der Staat, meist der Vielvölkerstaat, gilt als von Gott eingesetzt. Selbstverständlich hat Gott auch die Kirche als Institution gewollt. Aber das Volk? Selbst das Volk Israel speiste sich aus einer Vielzahl von abstammungsmäßigen Quellen. Die Völker entwickeln sich in der Bibel auseinander. Und nirgends steht, dass nur ein Volk – was immer das wäre – in einem Staat leben sollte. Die moralische Verknüpfung von Nationalstaat mit einem Abstammungsvolk, einer Religion und einer Sprache ist eine moderne Erfindung, die auf fast keinen Staat der Erde passt.

BQ: Aber gibt es nicht Deutsche und Franzosen und deswegen Deutschland und Frankreich?

TS: Wir sind doch alle Mischlinge einer langen Kulturgeschichte. Wir sind das Ergebnis von Jahrhunderten der Völkerwanderung, gerade etwa die Deutschen, die Franzosen oder etwa auch die Türken. Franzosen und Deutsche unterscheiden sich kulturell und historisch, aber 30 Generationen rückwärts war es dasselbe Gemisch der Vorfahren. Karl der Große gilt als Stammvater der Franzosen und der Deutschen, nur beide Seiten taten lange so, als ginge es um zwei verschiedene Personen, den König von Frankreich und den Kaiser der Deutschen.

BQ: Also sind sie gegen Rechtsextremismus?

TS: Ja natürlich! Er ist wissenschaftlich unhaltbar, ethisch fragwürdig und kommt nicht ohne Hinterfragen der Menschenrechte aus. Nur würde ich es mir nicht zu einfach machen. Rassismus gibt es überall, nicht nur im Rechtsextremismus, der ihn ins Zentrum stellt. Man kann auch als Linker mit rassistischen Parolen auf Stimmenfang gehen. Denken sie an Lafontaines Äußerungen zu polnischen Arbeitnehmern in Deutschland oder denken sie an den marxistischen Diktator Mugabe in Simbabwe.

Es gab nicht nur Auschwitz, sondern auch den Gulag

Wenn man sich heutzutage anschaut, was heute in der Menschheit als verabscheuenswürdig gilt, dann ist die Nazizeit in Deutschland sicherlich immer unter den TOP3, bestimmt auch zu 90% auf Platz 1.
Und so ist die Weltsicht auch einfach. Aber was ist, wenn man feststellt, das es da noch andere gab, die es noch schlimmer getrieben haben?
Nun schreibt sich so was als Deutscher immer schwer, denn man gerät schnell unter den Verdacht, das „eigene“ Verbrechen relativieren zu wollen.
Ich bin so aufgewachsen, dass die Deutschen das „weltschlimmste“ Verbrechen begangen haben. Und dann auch noch gegen das Volk Gottes! Das macht es für einen Christen noch schwerer.

Und damit das hier keiner falsch versteht, was ich schreibe und noch schreiben werde: Die Nazizeit war eine schreckliche und das, was dort geschehen ist, absolut falsch! Und das ist und bleibt auch so, wenn man sich andere Verbrechen anschaut.

Aber trotzdem kann man – auch als Deutscher – sagen: es gab noch andere, schlimme Verbrechen gegen die Menschheit, gegen die Juden.

  • Unter Stalin wurden ca. 4mal mehr Menschen (ca. 22Millionen) umgebracht als im gesamten 2.Weltkrieg.
  • Der Chinese Mao hat wahrscheinlich die allermeisten Menschen umbringen lassen, die je ein Mensch hat umbringen lassen (ca. 35Millionen).

Schlimm – neben diesen schrecklichen, unvorstellbaren Opferzahlen, den einzelnen Schicksalen und die teilweise völlige Unberechenbarkeit der Auswahl der Todesopfer – daran ist, dass diese Zeiten niemals aufgearbeitet wurden.
Die Nazizeit wurde in Deutschland – zum Glück – relativ gut aufgearbeitet. Aber das, was durch die Sowjetunion oder durch China passiert ist, wurde nicht nur nicht aufgearbeitet, sondern wird – auch heute noch – teilweise verharmlost und verniedlicht. Es gibt genug Mao- und Stalin-Anhänger, auch Leute, die die Mao-Bibel immer noch – gerne – lesen.

siehe IDEA.de Es gab nicht nur Auschwitz, sondern auch den Gulag

Und so bleibt die Erkenntnis: Was ungerecht bzw. gerecht ist, was gesellschaftsfähig und was nicht, bestimmen immer noch sehr „eigenartige Mechanismen“, um das mal so auszudrücken. Und als Christ kann man wirklich nur sagen: Gerechtigkeit gibt es hier nicht, nur einer kann gerecht sein. Aber trotzdem werden wir weiter dafür einstehen.

Die Firma Leica

Die Leica ist der Pionier der 35-mm-Kamera. Es ist ein deutsches Produkt – präzise, minimalistisch und absolut effizient. Hinter der weltweiten Anerkennung für die kreativen Werkzeuge stand ein sozial-orientiertes Familienunternehmen, das in der NS-Zeit mit ungewöhnlicher Gnade, Großzügigkeit und Bescheidenheit agierte. E. Leitz, Entwickler und Hersteller des bekanntesten deutschen Fotografie-Produktes, rettete die Juden seiner Firma.

Und Ernst Leitz II, der protestantische Patriarch mit dem stählernen Blick an der Spitze des straff geführten Unternehmens, verdiente sich durch seine Handlungen während des Holocaustes in Europa den Titel „Schindler der Fotografie-Industrie“.

Der „Leica-Freiheitszug“
Kaum wurde Adolf Hitler im Jahr 1933 Kanzler von Deutschland, erhielt Ernst Leitz II hektische Anrufe von jüdischen Mitarbeitern, die ihn um Hilfe baten, um sich und ihre Familien aus dem Land zu bringen. Als Christen waren Leitz und seine Familie nicht von den Nürnberger Gesetzen der Nazis betroffen, die die Bewegungsfreiheit der Juden und ihre beruflichen Tätigkeiten begrenzten.

Um seinen jüdischen Arbeitern und Kollegen zu helfen, etablierte Leitz im Hintergrund, was unter Historikern des Holocausts als „der Leica-Freiheitszug“ bekannt wurde – ein Manöver, das den Juden die Ausreise aus Deutschland unter dem Deckmantel der nach Übersee gehörenden Leitz-Mitarbeiter ermöglichte.

Mitarbeiter, Händler, Familien-Mitglieder und auch Freunde der Familie wurden zu Leitz-Verkaufsbüros in Frankreich, Großbritannien, Hong Kong und den Vereinigten Staaten „zugeordnet“.

Leitz intensivierte seine Aktivitäten nach der Kristallnacht im November 1938, in der die Synagogen und jüdische Geschäfte in Deutschland verbrannt wurden.

Es dauerte nicht lange und deutsche „Mitarbeiter“ stiegen aus dem Ozeanriesen Bremen an einer Pier in New York und machten sich auf den Weg in das Manhattaner Büro der Leitz GmbH, wo Führungskräfte schnell Arbeitsplätze für sie in der Foto-Industrie fanden.

Jeder Neuankömmling hatte um seinen oder ihren Hals das Symbol der Freiheit – eine neue Leica.

Die Flüchtlinge bekamen ein Stipendium, bis sie Arbeit finden konnten. Aus den Einwanderern wurden Entwickler, Techniker, Kaufleute, Verkäufer und Autoren für die Presse.

Die Geschichte unterm Deckel halten
Der „Leica Freiheitszug“ erreichte seinen Höhepunkt in den Jahren 1938 und Anfang 1939, in denen
alle paar Wochen Gruppen von Flüchtlingen nach New York aufbrachen. Dann, mit der Invasion von Polen am 1. September 1939, schloss Deutschland seine Grenzen.

Zu dieser Zeit waren dank Leitz‘ Bemühungen Hunderte von bedrohten Juden nach Amerika geflüchtet.

Wie kamen Ernst Leitz II und seine Mitarbeiter davon?
Die Leitz GmbH war eine international anerkannte Marke, die dem neuen und wiedererstarktem Reich Anerkennung brachte. Die Gesellschaft produzierte Entfernungsmesser und andere optische Systeme für das deutsche Militär. Auch benötigten die Nazis dringend Devisen aus dem Ausland und der größte Markt für optische Waren von Leitz waren die Vereinigten Staaten.

Trotzdem litten die Mitglieder der Familie und Firma Leitz für ihren Einsatz. Alfred Turk, ein hoher Angestellter, wurde für seine Hilfe für die Juden ins Gefängnis geworfen und kam erst nach Zahlung einer großen Bestechungssumme frei.

Die Leitz-Tochter Elsie Kühn-Leitz wurde von der Gestapo ins Gefängnis geworfen, nachdem sie an der Grenze gefangen genommen wurde, wo sie jüdischen Frauen half, über die Grenze in die Schweiz zu kommen. Sie wurde schließlich befreit, musste aber eine grobe Behandlung im Verlauf der Befragung ertragen.

Sie kam auch unter Verdacht, als sie versuchte, die Lebensbedingungen der 700 bis 800 ukrainischen weiblichen Zwangsarbeiter zu verbessern, die in der Anlage in den 40er Jahren arbeiteten.

Nach dem Krieg erhielt Kühn-Leitz zahlreiche Auszeichnungen für ihre humanitären Bemühungen, unter anderem die Officier d’honneur der Palms Akademie aus Frankreich im Jahr 1965 und die Aristide Briand-Medaille von der Europäischen Akademie in den 70er Jahren.

Warum hat bis jetzt niemand diese Geschichte erzählt?
Dem verstorbenen freier Schriftsteller und Herausgeber Norman Lipton zufolge wollte die Leitz-Familie keine Werbung für ihre heroischen Anstrengungen machen. Erst nachdem das letzte Mitglied der Leitz-Familie tot war, kam die Wahrheit über den „Leica Freiheitszug“ endlich ans Licht.

Siehe auch ein Artikel der SZ.

via wikipedia

Der muslimische Anspruch auf Jerusalem (Update)

von Daniel Pipes [in Auszügen]

Middle East Quarterly, Herbst 2001 – danke an heplev für den Tip

… Zum Teil ist es ein praktisches Problem: Die Palästinenser bestehen darauf, dass die Hauptstadt Israels auch als Hauptstadt ihres zukünftigen Staates dient – etwas, vor dem die Israelis zurückschrecken, es zu akzeptieren.
Das Problem ist aber vor allem ein religiöses: Die altehrwürdige Stadt hat für Juden wie Muslime heilige Verknüpfungen (und natürlich für Christen; aber Christen erheben heute keinerlei unabhängigen politischen Anspruch auf Jerusalem); und beide bestehen auf der Souveränität über ihre – sich überschneidenden – heiligen Gebiete.

Vergleich religiöser Ansprüche

Die jüdische Verbindung zu Jerusalem ist eine alte und kraftvolle. Das Judentum machte Jerusalem vor über 3.000 Jahren zu einer heiligen Stadt und während der ganzen Zeit, die seitdem vergangen ist, hielten Juden an ihr fest. Juden beten in ihre Richtung, erwähnen ihren Namen ständig im Gebet, beschließen das Passah-Fest mit der sehnsüchtigen Erklärung „Nächstes Jahr in Jerusalem“ und erinnern sich der Stadt im Segen am Ende einer jeden Mahlzeit.
Die Zerstörung des Tempels ist von großer Bedeutung für das jüdische Bewusstsein; die Erinnerung nimmt besondere Formen an, wie einen besonderen Trauertag; Häuser, die nicht ganz fertig gebaut sind, eine Frau, deren Makeup oder Schmuck unvollständig bleibt und ein Glas, das während der Hochzeitszeremonie zertreten wird. Zusätzlich hat Jerusalem eine herausragende geschichtliche Rolle als der einzigen Hauptstadt eines jüdischen Staates; und sie ist die einzige Stadt mit einer jüdischen Mehrheit der Bewohner während des gesamten letzten Jahrhunderts. In den Worten des derzeitigen Bürgermeisters, bildet Jerusalem „den reinsten Ausdruck all dessen, wofür Juden während der zweitausend Jahre seit der Zerstörung des Zweiten Tempels beteten, wovon Juden träumten, wofür sie weinten und starben“.

Wie sieht es mit den Muslimen aus? Wo passt Jerusalem in den Islam und die muslimische Geschichte hinein? Es ist nicht der Ort, wohin sie beten, wird in Gebeten nicht ein einziges Mal erwähnt und ist mit keinem irdischen Ereignis in Mohammeds Leben verbunden. Die Stadt diente nie als Hauptstadt eines selbstständigen muslimischen Staates und wurde nie ein kulturelles oder Zentrum der Gelehrten. Wenig Politisches wurde von Muslimen hier begonnen.

Ein Vergleich macht diesen Punkt besonders deutlich: Jerusalem taucht in der jüdischen Bibel 699-mal auf und Zion (das normalerweise Jerusalem meint, manchmal auch das ganze Land Israel) 154-mal, insgesamt also 823-mal. Die christliche Bibel erwähnt Jerusalem 154-mal und Zion 7-mal. Der Kolumnist Moshe Kohn notiert, dass im Gegensatz dazu Jerusalem und Zion im Koran so regelmäßig erwähnt werden „wie im hinduistischen Bhagavad-Gita, dem taoistischen Tao-Te Ching, dem buddhistischen Dhamapada und dem zoroastrischen Zend Avesta“ – mit anderen Worten, nicht ein einziges Mal.

Wenn die Stadt offensichtlich derart geringe religiöse Bedeutung hat, warum ist sie für Muslime so herausragend wichtig – bis zu dem Punkt, dass muslimischer Zionismus in der ganzen Welt zu entstehen scheint?

  • Warum gehen palästinensische Demonstranten auf die Straßen und rufen:“Wir werden unser Blut und unsere Seelen für dich, Jerusalem, opfern“?
  • Und warum schreien ihre Verwandten in Jordanien:“Wir opfern unser Blut und unsere Seele für Al Aksa“?
  • Warum ruft König Fahd von Saudi Arabien alle muslimischen Staaten auf,“die heilige Stadt, die allen Muslimen der Welt gehört“, zu beschützen?
  • Warum stellten zwei Umfragen unter amerikanischen Muslimen fest, dass Jerusalem ihr dringendstes außenpolitisches Problem ist?

Der Grund ist die Politik. Ein geschichtlicher Überblick zeigt, dass der Status der Stadt und die Gefühle der Muslime für sie unvermeidlich steigen, wenn Jerusalem eine politische Bedeutung hat. Umgekehrt, wenn der Nutzen Jerusalems abnimmt, geschieht dies auch mit dem Status und der Leidenschaft für sie.

Dieses Muster tauchte erstmals während der Lebenszeit des Propheten Mohammed im frühen siebenten Jahrhundert auf. Seitdem wiederholte es sich bei fünf Gelegenheiten:

  • im späten siebenten Jahrhundert,
  • während des Kampfs gegen die Kreuzfahrer im zwölften Jahrhundert,
  • während der Kreuzzüge des dreizehnten Jahrhunderts,
  • während der Zeit der Britischen Verwaltung (1917-48) und
  • seit Israel die Stadt 1967 einnahm.

Die Beständigkeit über eine derart langen Zeitspanne liefert eine wichtige Sichtweise auf die gegenwärtige Auseinandersetzung.

I. Der Prophet Mohammed

Nach Quellen der arabischen Literatur floh Mohammed 622 n.Chr. aus seiner Heimatstadt Mekka nach Medina, einer Stadt mit einem bedeutenden jüdischen Bevölkerungsanteil. Bei seiner Ankunft in Medina, wenn nicht kurz vorher, übernahm der Koran einige Praktiken, die den Juden gegenüber freundlich waren:

  • ein dem Yom Kippur ähnliches Fest,
  • einen den Synagogen ähnelnden Gebetsort,
  • die Erlaubnis, koscheres Essen zu sich zu nehmen und
  • die Erlaubnis, jüdische Frauen zu heiraten.
  • Am wichtigsten: der Koran verwarf die vor-islamische Praxis der Mekkaner, zur Kaaba zu beten, dieses kleine Steingefüge im Zentrum der Hauptmoschee in Mekka. Statt dessen übernahm er die jüdische Sitte, sich während des Gebets in Richtung des Tempelbergs in Jerusalem zu wenden. (Tatsächlich erwähnt der Koran die Richtung nur als „Syrien“, andere Informationen machen klar, dass Jerusalem gemeint ist.)

Diese erst qibla (Gebetsrichtung) des Islam dauerte nicht lang. Die Juden kritisierten den neuen Glauben und lehnten die freundschaftlichen islamischen Gesten ab; nicht viel später brach als der Koran mit ihnen, vermutlich im Frühjahr 624. Die Erklärung dieses Richtungswechsels erscheint in einem koranischen Vers, der die Gläubigen anweist, nicht länger nach Syrien zu beten, sondern stattdessen nach Mekka. Die Passage (Sure 2,142-152) beginnt mit der Vorwegnahme von Fragen über diesen abrupten Richtungswechsel:

Die Toren unter dem Volk werden sprechen: „Was hat sie (die Muslime) abwendig gemacht von ihrer qibla, die sie befolgten?“

Allah gibt die Antwort:

Und Wir setzten die qibla, die du befolgt hast, nur ein, damit Wir den, der dem Gesandten (Mohammed) folgt, unterscheiden möchten von dem, der sich auf seinen Fersen umdreht.

Mit anderen Worten: die neue qibla diente als Mittel der Unterscheidung zwischen Muslimen und Juden. Von nun an würde Mekka die Richtung des Gebets sein:

sicherlich werden Wir dann dich nach der qibla kehren lassen, die dir gefällt. So wende dein Antlitz gegen die Heilige Moschee; und wo immer ihr seid, wendet euer Antlitz gegen sie.

Der Koran wiederholt den Punkt, nicht länger auf die Juden zu achten:

Und brächtest du denen, welchen die Schrift gegeben ward, auch jegliches Zeichen, sie würden nie deiner qibla folgen.

Muslime akzeptierten in der Folge die implizierte koranische Erklärung, dass die Übernahme Jerusalems als qibla ein taktischer Zug war, um jüdische Konvertiten zu gewinnen.
„Er wählte das Heilige Haus in Jerusalem, damit das Volk des Buches [d.h. die Juden] gewonnen werden könnten“,
notiert At-Tabari, ein früher muslimischer Kommentator des Korans, „und die Juden waren glücklich.“
Moderne Historiker stimmen dem zu: W. Montgomery Watt, ein führender Biograph Mohammeds, interpretiert die „weit reichenden Zugeständnisse des Propheten gegenüber den jüdischen Gefühlen“ im Licht zweier Motive, von denen eines „der Wunsch nach Ausgleich mit den Juden“ war.

Nachdem der Koran Jerusalem verwarf, taten die Muslime das Gleiche: Die erste Beschreibung der Stadt unter muslimischer Herrschaft stammt von einem Besuch des Bischofs Arculf, einem keltischen Pilger, aus dem Jahr 680, der berichtete, dass er „ein längliches Gebetshaus sah, das sie [die Muslime] mit aufrechten Flächen und großen Balken auf einigen Ruinenresten zusammenschusterten“. Nicht zum letzten Mal wurde – in muslimischer Hand – aus Jerusalem ein Ort des Stillstands.

Diese Episode war das Grundmodell, das sich viele Male über die nachfolgenden Jahrhunderte hinweg wiederholte: Muslime ergreift religiöses Interesse an Jerusalem wegen drängender, zeitlich begrenzter Interessen. Dann, wenn diese Interessen erlöschen, geschieht dasselbe mit der Konzentration auf Jerusalem und das Interesse an der Stadt verringert sich stark.

II. Die Umayyaden

Die zweite Runde des Interesses an Jerusalem fand während der Regierung der in Damaskus herrschenden Umayyaden-Dynastie (661-750) statt. Ein abtrünniger Führer in Mekka, Abdullah ben az-Zubayr begann 680 eine Revolte gegen die Umayyaden, die bis zu seinem Tod im Jahr 692 andauerte; während sie gegen ihn kämpften, versuchten die Umayyaden-Herrscher die Bedeutung Syriens auf Kosten Arabiens zu erhöhen (und vielleicht auch dadurch eine Armee gegen das byzantinische Reich aufzubauen). Sie unternahmen einige Schritte, Damaskus zu einer heiligen Stadt zu machen, aber meistens beinhaltete ihre Kampagne das, was Amikam Elad von der Hebräischen Universität eine „enorme“ Anstrengung „zur Verherrlichung und Verklärung“ Jerusalems nennt. Sie könnten sogar gehofft haben, sie Mekka gleich zu stellen.

Der erste Umayyaden-Herrscher, Muawiya, wählte Jerusalem als den Ort, wo er zum Kalifat aufstieg; er und seine Nachfolger beschäftigten sich mit einem Bau-Programm – religiöse Gebäude, einen Palast und Straßen – in der Stadt. Die Umayyaden hatten vermutlich Pläne, Jerusalem zu ihrer politischen und Verwaltungs-Hauptstadt zu machen; tatsächlich befindet Elad, dass sie sie als solche behandelten. Aber Jerusalem ist in erster Linie eine Stadt des Glaubens und, wie der israelische Forscher Yitzak Hasson erklärt, das „Umayyaden-Regime war daran interessiert, ihrer Hochburg und dem Zentrum eine islamische Aura zuzuschreiben“. Aus diesem Grund (genauso um die islamische Präsenz in Konkurrenz mit dem Christentum geltend zu machen) baute der Umayyaden-Kalif 688 – 691 den ersten islamischen Großbau, den Felsendom, genau auf der Stelle des jüdischen Tempels. Dieses bemerkenswerte Gebäude ist nicht nur das erste monumentale heilige Gebäude des Islam, sondern auch das einzige, das heute immer noch in seiner Originalform steht.

Der nächste Schritt der Umayyaden war subtil und komplex und bedarf einer Pause, um eine Passage aus dem Koran (Sure 17,1) zu betrachten, die die nächtliche Reise des Propheten Mohammed zum Himmel (isra‘) beschreibt:

Preis Ihm, Der bei Nacht Seinen Diener hinwegführte von der Heiligen Moschee zu der Fernen Moschee. (Subhana allathina asra bi-‚abdihi laylatan min a-masjidi al-harami ila al-masjidi al-aqsa.)

Als dieser koranischer Vers erstmals offenbart wurde, um 621, gab es in Mekka bereits einen Ort, der „Heilige Moschee“ genannt wurde. Hingegen war die „ferne Moschee“ eine Redewendung, kein Ort. Einige der frühen Muslime verstanden sie als metaphorisch oder einen Ort im Himmel. Und wenn die „ferne Moschee“ auf der Erde existierte, wäre Palästina aus vielen Gründen ein sehr unwahrscheinlicher Platz dafür gewesen. Hier einige davon:

  • An anderen Stellen im Koran (Sure 30,1) wird Palästina das „Land nahebei“ (adna al-ard) genannt.
  • Palästina war noch nicht von den Moslems erobert und hatte keine einzige Moschee.
  • Die „ferne Moschee“ wurde offensichtlich mit Orten innerhalb Arabiens identifiziert: entweder Medina oder eine Stadt namens Jirana, etwas 32km vor Mekka, die der Prophet 630 n.Chr. besuchte.
  • Die frühesten muslimischen Darstellungen Jerusalems, wie die Beschreibung des berichteten Besuchs von Kalif Omar in der Stadt, nach der muslimischen Eroberung 638, sprechen nirgendwo vom Tempelberg als der „fernen Moschee“ des Koran.
  • Die koranischen Inschriften, die einen 240 Meter langen Zierstreifen im Felsendom bilden, enthalten nicht Sure 17,1 und die Geschichte der Nächtlichen Reise, was nahe legt, dass die Idee, Jerusalem sei der Ausgangspunkt der Nachtreise, 692 n. Chr. noch nicht etabliert war. (Tatsächlich stammen die ältesten noch bestehenden Inschriften von Sure 17,1 in Jerusalem aus dem elften Jahrhundert.)
  • Mohammed ibn al-Hanafiya (638-700), ein naher Verwandter des Propheten Mohammed, wird damit zitiert, dass er die Ansicht verunglimpft, dass der Prophet jemals einen Fuß auf den Felsen in Jerusalem gesetzt habe; „diese verdammten Syrer“ – womit er die Umayyaden meint – „tun so, als ob Allah Seinen Fuß auf den Felsen in Jerusalem setzte, obwohl [nur] eine Person jemals den Felsen betrat, nämlich Abraham“.

Um das Prestige ihrer Herrschaftsgebiete aufzuwerten, taten die Umayyaden dann 715 etwas sehr Kluges: Sie bauten eine zweite Moschee in Jerusalem, wieder auf dem Tempelberg, und nannten diese die Ferne Moschee (al-masjid al-aqsa, Al Aksa-Moschee). Damit gaben sie der Stadt rückwirkend eine Rolle in Mohammeds Leben. Diese Verbindung von Jerusalem mit al-masjid al-aqsa passt in eine weit verbreitete muslimische Tendenz, Orte mit Namen zu identifizieren, die im Koran zu finden sind:
„Wann immer der Koran einen Namen zu einem Ereignis angibt, wurden Geschichten erfunden, um den Eindruck zu erwecken, dass irgendwie, irgendwo, irgendwer wusste, worum es sich handelte.“

Gegen alle Logik (wie kann eine Moschee, die fast ein Jahrhundert nach dem Erhalt des Koran gebaut wurde, belegen, was der Koran aussagt?) gab der Bau einer tatsächlichen Al Aksa-Moschee, wie der palästinensische Historiker A.L. Tibawi schreibt, „dem im Koran gebrauchten symbolischen Namen Realität“. Dies hatte auch den überaus wichtigen Effekt, dass Jerusalem post hoc in den Koran eingefügt wurde, womit es eine zentralere Rolle im Islam bekam. Das ergab auch noch andere Veränderungen. Verschiedene Koran-Verse wurden neu interpretiert, um sich auf diese Stadt zu beziehen. Jerusalem wurde mit der Zeit als der Ort des Endgerichts angesehen. Die Umayyaden verwarfen den unreligiösen Namen der Römer für die Stadt, Aelia Capitolina (in Arabisch: Iliya) und ersetzten ihn mit Namen jüdischer Art, entweder Al-Quds (Die Heilige) oder Bayt al-Maqdis (Der Tempel). Sie finanzierten eine Literaturform, die die „Tugenden Jerusalems“ priesen, ein Genre, das ein Autor „zionistisch“ zu nennen versucht ist. Berichte über freundliche Aussagen oder Taten des Propheten (auf Arabisch: Hadithe, oft als „Traditionen“ übersetzt) gegenüber Jerusalem kamen zu dieser Zeit auf, einige stellten die Stadt Mekka gleich. Es gab sogar einen Versuch, die Pilgerreise (Hadsch) von Mekka nach Jerusalem zu verlegen.

Forscher stimmen darin überein, dass die Motivation der Umayyaden, eine muslimische Präsenz in der heiligen Stadt zu behaupten, einem streng nutzbringendem Zweck diente. Der irakische Historiker Abdul Aziz Duri sieht „politische Gründe“ hinter den Taten. Hasson stimmt damit überein:

Der Bau des Felsendoms und der Al Aksa-Moschee, die von den Umayyaden eingeführten Rituale auf dem Tempelberg und die Ausbreitung von islamisch orientierten Traditionen bezüglich der Heiligkeit der Stätte, deuten alle auf die politischen Motive, die der Verherrlichung Jerusalems zugrunde liegen.

Auf diese Weise führte ein politisch inspiriertes Bauprogramm der Umayyaden zur islamischen Heiligung Jerusalems.

Die Abassiden-Herrschaft

Dann, mit dem Untergang der Umayyaden im Jahr 750 und dem Umzug der Kalifen-Hauptstadt nach Bagdad „wurde die Begünstigung durch die Herrscher vernachlässigbar“ und Jerusalem verfiel beinahe in Vergessenheit. In den folgenden dreieinhalb Jahrhunderten verloren die Bücher, die diese Stadt priesen, an Gunst und der Bau prächtiger Gebäude fand nicht nur ein Ende, sondern die bestehenden verfielen (die Kuppel über dem Felsendom fiel 1016 zusammen). Das Gold wurde von der Kuppel abgetragen, um Reparaturarbeiten an Al Aksa zu bezahlen. Die Stadtmauern fielen ein. Schlimmer noch, die Regenten der neuen Dynastie bluteten Jerusalem und das Land umher durch das aus, was F. E. Peters von der New York University „ihre Habgier und ihre nachlässige Gleichgültigkeit“ nennt. Die Stadt verfiel bis zum Zustand eines wüsten Durcheinanders. „Es gibt wenig Gelehrte und zahlreiche Christen“, beklagt ein Jerusalemer Muslim im zehnten Jahrhundert. Nur Mystiker besuchen weiterhin die Stadt.

In einer typischen Darstellung beschreibt ein anderer Autor des zehnten Jahrhunderts die Stadt als „eine an Ramle angebundene Provinzstadt“ – ein Hinweis auf die winzige, unbedeutende Stadt, die als Palästinas Verwaltungszentrum dient. Elad charakterisiert Jerusalem in den ersten Jahrhunderten der muslimischen Herrschaft als „eine abseits liegende Stadt von minderer Bedeutung.“ Der große Historiker S. D. Goitein merkt an, dass das geographische Wörterbuch von al-Yaqut Basra 170-mal nennt, Damaskus 100-mal und Jerusalem nur einmal – und dieses eine Mal nur beiläufig. Er folgert hieraus und aus anderen Belegen, dass in den ersten sechs Jahrhunderten muslimischer Herrschaft „Jerusalem meist das Leben einer abseitigen Provinzstadt lebte, den übermäßigen Abgaben an die habgierigen Beamten und wichtigen Persönlichkeiten ausgeliefert, oft auch noch den Leiden durch die aufrührerischen Fellahin (Bauern) oder Nomaden… Jerusalem konnte natürlich nicht mit hohen Leistungen der Wissenschaften des Islam oder irgendeinem anderen Bereich prahlen.“

Bis zum frühen zehnten Jahrhundert, merkt Peters an, hatte die muslimische Beherrschung Jerusalems eine „beinahe beliebige“ Qualität ohne „besondere politische Bedeutung“. So auch später: Al-Ghazali, der manchmal der „Thomas von Aquin des Islam“ genannt wird, besuchte Jerusalem 1096, erwähnt aber nicht ein einziges Mal die Kreuzfahrer, die dorthin unterwegs waren.

III. Die frühen Kreuzzüge

Die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer im Jahr 1099 weckte anfangs eine schwache muslimische Antwort. Die Franken erregten nicht gerade viel Aufregung – in von Kreuzfahrern besetzten Städten geschriebene arabische Literatur neigte dazu, diese nicht einmal zu erwähnen. Daher „fielen die Aufrufe zum Jihad zuerst auf taube Ohren“, schreibt Robert Irwin, ehemals an der Universität von St. Andrews in Schottland. Emmanuel Sivan von der Hebräischen Universität fügt an, dass „man keinen Schick oder ein Gefühl religiösen Verlustes und Erniedrigung entdeckt“.

Erst als der Versuch, Jerusalem zurück zu erobern, um 1150 ernster wurde, versuchten muslimische Führer Jihad-Empfindungen zu wecken, indem die Emotionen zu Jerusalem gesteigert wurden. Ihre ihnen zur Verfügung stehenden Mittel (Hadithen, „Jerusalems Tugend“-Bücher, Gedichte) nutzend, betonten die Propagandisten die Heiligkeit Jerusalems und die Dringlichkeit ihrer Rückkehr unter muslimische Herrschaft. Neu geprägte Hadithen machten Jerusalem immer entscheidender für den islamischen Glauben; einer legte dem Propheten Mohammed Worte in dem Mund, die sagten, dass nach seinem Tod der Fall Jerusalems an die Ungläubigen die zweitgrößte Katastrophe des Islam ist. Während nicht ein einziger Band „Jerusalems Tugenden“ in der Zeit von 1100 – 1150 erschien, kamen sehr viele im folgenden halben Jahrhundert heraus. In den 60er Jahren des 12. Jahrhunderts notiert Sivan, dass „Al-Quds-Propaganda erblühte“; und als Saladin (Salah ad-Din) die Muslime 1187 zum Sieg über Jerusalem führte, „erlangte die Propaganda-Kampagne ihren Höhepunkt“. In einem Brief an seinen Kreuzfahrer-Gegner schrieb Saladin, dass die Stadt „für uns genauso ist wie für euch. Sie ist für uns sogar wichtiger“.

Der Schein der Rückeroberung blieb mehrere Jahrzehnte danach hell; z.B. unternahmen die Nachfahren Saladins (bekannt als die Ayyubiden-Dynastie, die bis 1250 herrschte) in Jerusalem ein großes Bau- und Wiederherstellungs-Programm, durch das sie die Stadt mit einem muslimischen Charakter versahen. Bis dahin hatte das islamische Jerusalem lediglich aus den Heiligtümern auf dem Tempelberg bestanden; nun wurden zum ersten Mal besondere islamische Gebäude (Sufi-Versammlungen, Schulen) in der sie umgebenden Stadt gebaut. Auch war es zu dieser Zeit, wie Oleg Grabar aus dem Princetons Insititute for Advanced Study feststellt, dass der Felsendom als die genaue Stelle angesehen wurde, an der Mohammeds Himmelfahrt (mi’raj) während der Nachtreise stattfand: Wenn die „ferne Moschee“ in Jerusalem ist, dann fanden Mohammeds Nachtreise und seine folgender Besuch im Himmel logischerweise auf dem Tempelberg statt – genau auf demselben Felsen, von dem geglaubt wird, dass Jesus in den Himmel auffuhr.

IV. Die Ayyubiden

Aber nachdem es wieder sicher in muslimischer Hand war, ließ das Interesse an Jerusalem nach; „die einfache Einsicht kam bald auf, dass Al Quds für die Sicherheit eines Reiches nicht bedeutend war, dass in Ägypten oder Syrien seine Basis hatte. Entsprechend erwies sich die Stadt in Zeiten politischer oder militärischer Krisen als entbehrlich“, schreibt Donald P. Little von der McGill Universität. Besonders 1219, als die Europäer Ägypten im fünften Kreuzzug angriff, entschied sich ein Enkel Saladins namens al-Mu’azzam, die Stadtmauern um Jerusalem zu schleifen – aus Furcht davor, dass wenn die Franken die Stadt mit ihren Mauern erobern sollten, sie „alle töten werden, die sie dort finden und das Schicksal von Damaskus und den Ländern des Islam in ihren Händen haben werden“. Das Einreißen von Jerusalems Befestigungen hatte den Effekt eines massiven Auszuges aus der Stadt.

Auch zu dieser Zeit bot der muslimische Herrscher von Ägypten und Palästina, al-Kamil (ein weiterer Enkel Saladins und der Bruder von al-Mu’azzam) Jerusalem den Europäern zum Tausch an, wenn diese Ägypten verlassen würden, aber er fand niemanden, der das Angebot annahm. Zehn Jahre später, 1229, wurde genau ein solcher Handel abgeschlossen, als al-Kamil Jerusalem Kaiser Friedrich II. überließ; im Gegenzug versprach der deusche Führer al-Kamil militärische Hilfe gegen al-Mu’azzam, der jetzt ein rivalisierender König war. Al-Kamil bestand darauf, dass der Tempelberg in muslimischer Hand blieb und „alle Praktiken des Islam“ dort weiterhin ausgeübt werden konnten, eine Bedingung, die Friedrich erfüllte. Mit Bezug auf seinen Handel mit Friedrich schrieb al-Kamil in einer bemerkenswert enthüllenden Beschreibung Jerusalems: „Ich gestand den Franken nur Kirchenruinen und Häuser zu.“ Mit anderen Worten: Die Stadt, die von Saladin 1187 heldenhaft wieder gewonnen wurde, wurde von seinem Enkel nur 42 Jahre später freiwillig verscherbelt.

Als sie erfuhren, dass Jerusalem wieder in christlicher Hand war, löste das bei Muslimen vorhersehbar heftige Gefühle aus. Ein ägyptischer Historiker schrieb später, dass der Verlust der Stadt „ein großes Unglück für die Muslime war und al-Kamil viele Vorwürfe gemacht wurden und viele Schmährufe gegen ihn im ganzen Land erhoben wurden.“ Um 1239 schaffte es ein anderer Ayyubiden-Herrscher, an-Nasir Da’du, die Franken aus der Stadt zu werfen.

Aber auch er übergab sie dann sofort wieder den Kreuzfahrern für Hilfe gegen einen seiner Verwandten. Diesmal waren die Christen weniger respektvoll gegenüber den islamischen Heiligtümern und machten aus den Moscheen des Tempelbergs Kirchen.

Ihr Einfall dauerte nicht lange; 1244 brachte die Invasion Palästinas durch Truppen aus Zentralasien Jerusalem wieder unter die Herrschaft der Ayyubiden; und ab dann blieb die Stadt fast sieben Jahrhunderte sicher unter muslimischer Herrschaft. Jerusalem blieb ein Schachbauer in der Realpolitik der Zeiten, wie ein Brief eines späteren Ayyubiden-Herrschers, as-Salih Ayyub, seinem Sohn erklärte: Wenn die Kreuzfahrer dich in Kairo bedrohen – so schrieb er – und sie von dir die Küste Palästinas und Jerusalem verlangen, „gib ihnen diese Orte ohne Zögern unter der Bedingung, dass sie keinen Fuß in Ägypten behalten.“

Die hier wirkende Psychologie bedarf Aufmerksamkeit: dass christliche Ritter aus fernen Ländern anreisten, um Jerusalem zu ihrer Hauptstadt zu machen, machte die Stadt auch in muslimischen Augen wertvoller. „Es war eine Stadt, die von den Feinden des Glaubens heftig begehrt wurde und so, in einer Art Spiegelbild-Syndrom, den muslimischen Herzen teuer„, erklärt Sivan. Und so verschmolzen auseinandergehende Meinungen zu einer kraftvollen Empfindlichkeit; politische Notlagen sorgten seitdem immer dafür, dass Muslime Jerusalem als drittheiligste Stadt des Islam (thalith al-masajid) anzusehen.

Die Mamelucken und die ottomanische Herrschaft

In der Spätphase der Mamelukken-Ära (1250 – 1516) versank Jerusalem weiter in seiner gewöhnlichen Niedrigkeit – Hauptstadt keiner Dynastie, wirtschaftlich träge, kulturell rückständig – obwohl sein neu gefundenes Prestige als islamische Stätte intakt blieb. Durch seine Nähe zu Ägypten und die fehlenden Stadtmauern, 1219 geschliffen und seit über drei Jahrhunderten nicht wieder aufgebaut, was es zu leichter Beute für Plünderer machte, wurde Jerusalem ein beliebter Platz, um politische Führer ins Exil zu schicken. Diese wichtigen Persönlichkeiten stifteten religiöse Institute, besonders Religionsschulen, die in der Summe den Effekt einer Wiederbelebung des Islam in der Stadt hatten. Ein generelles Desinteresse ging aber in Niedergang und Verarmung über. Viele der großen Gebäude, einschließlich der Heiligtümer auf dem Tempelberg, waren verlassen und verfielen, als die Stadt sich entvölkerte. Die Mamelukken verwüsteten Jerusalem derart, dass die gesamte Bevölkerung der Stadt am Ende ihrer Herrschaft gerade noch 4000 Seelen zählte.

Das ottomanische Zeitalter (1516 – 1917) hatte einen hervorragenden Start, als Süleyman der Prächtige die Stadtmauern 1537 – 1541 wieder aufbaute und Geld an Jerusalem verschwendete (z.B. um die Wasserversorgung zu sichern), aber die Dinge kehrten sich schnell wieder ins Typische zurück. Jerusalem litt jetzt unter der Demütigung, als Geldmaschine für nicht hier lebende und nur für ein Jahr ernannte (und sehr habgierige) Beamte behandelt zu werden. „Nachdem er Jerusalem ausgesaugt hatte, verließ der Pascha es wieder“, beobachtete der französische Reisende François-René Chateaubriand 1806. Manchmal verursachte diese Habgier Aufstände. Die türkischen Verwalter erhoben auch für sich selbst, indem sie europäische Reisende ausquetschten; dies erlaubte ihnen im allgemeinen, weniger in Jerusalem zu investieren als in andere Städte, um die Wirtschaft der Stadt anzukurbeln. Die Steuerbücher zeigen Seife als einzigen Exportartikel. Jerusalem war so unbedeutend, dass es manchmal als bloßes Anhängsel der Gouvernements von Nablus oder Gaza war. Auch die Gelehrsamkeit wurde nicht kultiviert: 1670 berichtete ein Reisender, dass die Standards so tief gefallen waren, dass sogar der Prediger der Al Aksa-Moschee ein literarisch niedrig stehendes Arabisch sprach. Die vielen Religionsschulen einer früheren Zeit verschwanden. Bis 1806 war die Bevölkerungszahl wieder gesunken, diesmal auf unter 9.000 Bewohner.

Muslime dieser langen Zeitspanne konnten es sich leisten, Jerusalem zu ignorieren, schreibt der Historiker James Parkes, weil die Stadt „etwas war, das da war und es den Muslimen niemals einfiel, dass es nicht immer da sein würde“, sicher unter muslimischer Herrschaft. Unzählige Berichte während dieser Jahrhunderte von westlichen Pilgern, Touristen und Diplomaten in Jerusalem erzählen vom scheußlichen Zustand der Stadt. George Sandys befand 1611:

„Viel Müll liegt herum; die alten Gebäude (bis auf wenige) alles Ruinen, die neuen verachtenswert“.

Constantin Volney, einer der höchst wissenschaftlichen Beobachter, notierte 1784 Jerusalems

„zerstörte Mauern, seinen mit Schutt gefüllten (Burg-)Graben, der Umkreis der Stadt erstickt in Ruinen“.

„Welch eine Verwüstung und Elend!“

schreibt Chateaubriand. Gustave Flaubert, berühmt durch Madame Bovary, kam 1850 zu Besuch und fand

„Ruinen überall und überall den Geruch von Gräbern. Es scheint, als ob der Fluch Gottes über der Stadt schwebt. Die Heilige Stadt dreier Religionen verrottet unter Langeweile, Verlassenheit und Vernachlässigung.“

Unglücklich sind die Lieblinge des Himmels“,

kommentierte Herman Melville 1857. Mark Twain befand 1867, dass Jerusalem

„all seine alte Erhabenheit verloren hat und ein Armendorf geworden ist“.

Die britische Regierung erkannte das minimale muslimische Interesse an Jerusalem im Ersten Weltkrieg. In Verhandlungen über die Bedingungen der arabischen Revolte gegen die Ottomanen 1915 – 1916 mit Sharif Husayn aus Mekka entschied London, Jerusalem zu den Gebieten zu zählen, die den Arabern zugesprochen werden sollten, weil, wie der britische Chefunterhändler Henry McMahon es ausdrückte,

„es keinen Ort von genügend Bedeutung weiter südlich“ als Damaskus gab, „denen die Araber besondere Wichtigkeit zumaßen.“

Gemäß diesem Geist verließen die türkischen Oberherren Jerusalem 1917, statt darum zu kämpfen; sie evakuierten es gerade noch vor den vorrückenden britischen Truppen. Ein Bericht deutet darauf hin, dass sie sogar die heilige Stadt zu zerstören bereit waren. Jamal Pascha, der ottomanische Kommandeur, wies seine österreichischen Verbündeten an,

„Jerusalem in die Hölle zu bomben“,

sollten die Briten die Stadt betreten. Daher hatten die Österreicher ihre Kanonen auf den Felsendom ausgerichtet, mit genügend Munition, um zwei voll Tage intensiven Beschusses durchzuführen. Nach Pierre van Paasen, einem Journalisten, steht der Felsendom heute immer noch, weil ein jüdischer Artillerie-Hauptmann der österreichischen Armee, Marek Schwartz, statt den vorrückenden britischen Truppen mit heftigem Feuer auf die heiligen islamischen Plätze zu beantworten, lieber „still und heimlich seine eigenen Kanonen vernagelte und zu den Briten überlief.“

V. Die britische Herrschaft

In modernen Zeiten, beschreibt die israelische Gelehrte Hava Lazarus-Yafeh, rückte Jerusalem „nur zu Beginn des (zwanzigsten) Jahrhunderts ins Zentrum religiöser und politischer arabischer Aktivitäten.“ Sie schreibt den Wechsel hauptsächlich „den erneuerten jüdischen Aktivitäten in der Stadt und dem jüdischen Anspruch auf die Westmauer (Klagemauer)“ zu. Die von 1917 bis 1948 dauernde britische Herrschaft über die Stadt stimulierte eine erneute Leidenschaft für Jerusalem. Arabische Politiker machten aus Jerusalem während der britischen Mandatszeit zu einem prominentem Reiseziel. Ein großer Anteil muslimischer Würdenträger reiste z.B. 1931 zu einem internationalen Kongress zur Mobilisierung der weltweiten muslimischen Einstellung zu den Palästinensern nach Jerusalem. Irakische Führer tauchten regelmäßig in Jerusalem auf, beteten demonstrativ in Al Aksa und hielten emotionale Reden. Der berühmteste war König Faysals vom Irak, der die Stadt besuchte und den Tempelberg zeremoniell über dasselbe Tor betrat wie Kalif Omar, als die Stadt 638 erstmals erobert wurde. Die irakische Einflussnahme schloss die Sammlung von Spendengeldern für eine islamische Universität in Jerusalem ein wie auch die Einrichtung eines Konsulats und eines Informationsbüros.

Der palästinensische Führer (und Mufti von Jerusalem) Hadsch Amin al-Husseini machte den Tempelberg zum Zentrum seiner antizionistischen politischen Bemühungen. Husseini brachte 1931 eine Gruppe muslimischer Würdenträger zu einem internationalen Kongress nach Jerusalem, um die weltweite muslimische Haltung zu Gunsten der Palästinenser zu mobilisieren. Er nutzte auch die Attraktivität der islamischen heiligen Stätten in Jerusalem aus, um internationale muslimische Unterstützung für seine Kampagne gegen den Zionismus zu finden. Z.B. engagierte er sich in verschiedenen arabischen Ländern in Spendensammlungen zur Restaurierung des Felsendoms und der Al Aksa-Moschee, manchmal, indem er Bilder des Felsendoms unter einem Davidstern verschickte; seine Bemühungen hatten Erfolg und verschafften die Geldmittel, um diese Monumente in ihrer früheren Glanz wieder herzustellen.

Vielleicht bringt den Stimmungswechsel am besten die Behauptung zum Ausdruck, dass der Prophet Mohammed sein Pferd an der Westmauer des Tempelbergs angebunden habe. Wie Schmuel Berkowitz feststellte, hatten muslimische Gelehrte über die Jahrhunderte hinweg verschiedentlich Theorien darüber aufgestellt, der Prophet habe sein Pferd an die Ost- oder Südmauer gebunden – aber nicht einer von ihnen verband diesen Vorfall vor den Zusammenstößen an der Westmauer von 1929 jemals mit der westlichen Seite. Einmal mehr trieb Politik muslimische Frömmigkeit in Bezug auf Jerusalem an.

Die jordanische Herrschaft

Eingebettet zwischen das britisch und das israelische Zeitalter bietet die jordanische Verwaltung Jerusalems von 1948-1967 eine brauchbare Kontrolle; der üblichen Handlungsweise entsprechend verloren die Muslime, als sie die Altstadt übernahmen (in der sich die Heiligtümer befinden), deutlich an Interesse. Als die Jordanische Armee 1948 die Stadtmauern einnahm, entstand eine anfängliche Aufregung darüber – was die Krönung König Abdullahs zum „König von Jerusalem“ durch den koptischen Bischof im November des Jahres beweist -, aber dann setzt die gewöhnliche Langeweile ein. Die Haschemiten hatten wenig Liebe zu Jerusalem, wo einige ihrer schlimmsten Feinde lebten und wo Abdullah 1951 ermordet wurde. Tatsächlich unternahmen die Haschemiten einen geplanten Versuch, die Bedeutung der heiligen Stadt zugunsten ihrer Hauptstadt Amman abzuschwächen. Jerusalem hatte als britischer Verwaltungssitz gedient, aber nun wurden alle Regierungsbüros (bis auf den Tourismus) geschlossen; Jerusalem hatte nicht einmal mehr in den übrigen Teilen der Westbank etwas zu sagen. Die Jordanier schlossen auch einige örtliche Institutionen (z.B. das Arabische Hochkommissariat; den Obersten Muslimischen Rat) und verlegten andere nach Amman (die Finanzverwaltung der Waqf oder religiöses Eigentum).

Die jordanischen Bemühungen hatten Erfolg: einmal mehr wurde das arabische Jerusalem eine isolierte Provinzstadt von weniger Bedeutung als Nablus. Die Wirtschaft stagnierte derart, dass viele tausende arabischer Jerusalemer die Stadt verließen: während die Bevölkerung von Amman sich von 1948 – 1967 um das Fünffache steigerte, wuchs die von Jerusalem gerade einmal um 50 Prozent. Einen Bankkredit zu erhalten, bedeutete eine Reise nach Amman. Amman hatte die Ehre, die erste Universität des Landes zu beherbergen wie auch die vielen Residenzen der königlichen Familie. Jerusalems Araber wussten sehr genau, was los war, wie eine Beschwerde eines Würdenträgers über die königlichen Residenzen belegt: „Diese Paläste sollten in Jerusalem gebaut sein, wurden aber von dort fort geschafft, so dass Jerusalem keine Stadt bleiben würde, sondern eine Art Dorf.“ Ostjerusalems Stadtrat beschwerte sich zweimal formal über die Diskriminierung der Stadt durch die jordanischen Autoritäten.

Vielleicht am beleidigendsten war der Verfall von Jerusalems religiösem Rang. Den Moscheen fehlten die nötigen Geldmittel. Das jordanische Radio sendete die Freitagsgebete nicht aus der Al Aksa-Moschee, sondern aus einer neuen Moschee in Amman. (Ironischerweise begann Israel Radio unmittelbar nach dem israelischen Sieg 1967, die Gottesdienste aus Al Aksa zu senden.) Dies war Teil eines größeren Musters, da die jordanischen Autoritäten vom Prestige der Kontrolle über Jerusalem zu profitieren suchten, obwohl sie die Stadt demütigten: Marshall Breger und Thomas Idinopulos notieren, dass, obwohl König Abdullah „sich selbst als Beschützer der heiligen Stätten darstellte, er wenig tat, um für die religiöse Bedeutung Jerusalems für die Muslime zu werben.“

Jordaniens Herrscher waren aber nicht allein in der Ignoranz gegenüber Jerusalem; die Stadt verschwand praktisch von der arabischen diplomatischen Landkarte. Malcolm Kerrs bekannte Studie über interarabische Beziehungen dieses Zeitraums („Der Arabische Kalte Krieg“) scheint die Stadt nicht einmal zu erwähnen. Kein arabischer Führer kam während der neunzehn Jahre, die Jordanien Ostjerusalem kontrollierte, hierher und König Hussein (regierte 1952 – 1999) selbst kam nur selten zu Besuch. König Faysal von Saudi Arabien sprach nach 1967 oft von seiner Sehnsucht, in Jerusalem zu beten, jedoch scheint es ihn nie gekümmert zu haben, dort zu beten, als er die Chance dazu hatte.

Wahrscheinlich am bemerkenswertesten ist, dass die Gründungsurkunde der PLO, der Palästinensische Nationalvertrag von 1964, Jerusalem nicht ein einziges Mal erwähnt oder auch nur andeutet.

VI. Die israelische Herrschaft

Diese Vernachlässigung endete nach Juni 1967 abrupt, als die Altstadt unter israelische Kontrolle kam. Die Palästinenser machten Jerusalem zum Kernstück ihres politischen Programms. Der Felsendom tauchte überall auf Bildern auf, von Yassir Arafats Büro bis zum Lebensmittelladen an der Ecke. Sprüche zu Jerusalem vermehrten sich stark und die Stadt wurde schnell die emotionalste Sache des arabisch-israelischen Konflikts. Die PLO glich ihr Versehen von 1964 in ihrer Verfassung von 1968 durch eine besondere Erwähnung Jerusalems als „Sitz der Palästinensischen Befreiungs-Organisation“ aus.

„Wie in der Zeit der Kreuzfahrer“, betont Lazarus-Yafeh, begannen muslimische Führer „wieder die Heiligkeit Jerusalems in der islamischen Tradition zu betonen“. In diesem Prozess verließen sie sich sogar auf einige derselben Argumente (z.B. indem sie die religiösen Verbindungen der Besatzungsmacht zur Stadt ablehnten) und einige derselben Hadithen, um diese Vorwürfe zu stützen. Muslime begannen, die jüdische Ergebenheit an Jerusalem nachzuahmen. Arafat erklärte, dass

„Al Quds in den Tiefen unserer Gefühle ist, dem Gefühl unseres Volkes und dem Gefühl aller Araber, Muslime und Christen in der Welt.“

Zügellose Erklärungen wurden die Norm (von Jerusalem wurde nun gesagt, dass es „in Heiligkeit“ mit Mekka und Medina vergleichbar sei oder sogar „unser heiligster Ort“). Jerusalem tauchte regelmäßig in Resolutionen der Arabischen Liga und der Vereinten Nationen auf. Die Regierungen von Jordanien und Saudi Arabien zahlten jetzt so freigiebig in den religiösen Treuhand-Fond für Jerusalem ein, wie sie vor 1967 geizig gewesen waren.

Die Palästinenser waren aber in ihrer Betonung Jerusalems nicht allein: die Stadt diente wieder als kraftvolles Instrument zur Mobilisierung internationaler muslimischer Haltungen. Das wurde im September 1969 besonders deutlich, als König Faysal ein Feuer an der Al Aksa-Moschee zum Anstoß nahm, fünfundzwanzig muslimische Staatsoberhäupter zu versammeln und die Islamische Konferenz zu gründen, eine UN-artige Institution der Muslime. Im Libanon bildet die Fundamentalistengruppe Hisbollah alles von Wandposter bis zu Schals mit dem Felsendom und wiederholte unter dem Bild oft ihren Wahlspruch: „Wir kommen voran.“ Libanons führende shiitische Autorität, Mohammed Hussein Fadlallah, nutzt das Thema der Befreiung Jerusalems aus der israelischen Kontrolle regelmäßig zur Inspiration seiner eigenen Leute; er tut das nicht, erklärt sein Biograph Martin Kramer, aus weit hergeholten Motiven, sondern „um eine Bewegung zu mobilisieren, die den Libanon für den Islam befreit“.

Ähnlich hat die Islamische Republik Iran Jerusalem zu einem zentralen Thema gemacht; sie folgte dem Diktat ihres Gründers, Ayatollah Khomeini, der äußerte, dass

„Jerusalem das Eigentum der Muslime ist und ihnen zurückgegeben werden muss.“

Kurz nach der Gründung des Regimes ist der Felsendom auf der 1-Rial-Münzen und der 1000-Rial-Banknote abgebildet (obwohl peinlicherweise die letztere fälschlich mit „Al Aksa-Moschee“ beschriftet war). Iranische Soldaten im Krieg mit Saddam Husseins Truppen in den 80-er Jahren erhielten einfache Landkarten, die ihren Sturm durch den Irak nach Jerusalem zeigten. Ayatollah Khomeini erklärte in einem Erlass den letzten Tag des Ramadan zum Jerusalem-Tag und diese Gedenkfeier hat als eine große Gelegenheit für antiisraelische Tiraden in vielen Ländern gedient, einschließlich der Türkei, Tunesiens und Marokkos. Die Islamische Republik Iran feiert den Tag mit Briefmarken und Postern, die Szenen Jerusalems, begleitet von ermahnenden Sprüchen zeigen. Im Februar 1997 feierte eine Menge von etwa 300.000 Menschen den Jerusalem-Tag in Gegenwart von Würdenträgern wie Präsident Haschemi Rafsanjani. Der Jerusalem-Tag wird (komplett mit einer Liste von Reden, einer Art Ausstellung, einer Folklore-Show und einem Jugendprogramm) in so weit entfernten Orten wie Dearborn, Michigan gefeiert.

Wie es für Muslime Gewohnheit geworden ist, eine angeblich leidenschaftliche Verbundenheit zu Jerusalem zu zeigen, haben sich auch muslimische Pilgerfahrten in die Stadt in den letzten Jahren vervierfacht. Eine neue „Tugenden Jerusalems“-Literatur hat sich entwickelt. Jerusalem ist für Muslime so emotionsbetont geworden, dass sie Gedicht-Bücher darüber schreiben (besonders in westlichen Sprachen). Und im politischen Bereich ist Jerusalem eine einzigartig vereinigende Sache für arabisch sprechende Menschen geworden.

„Jerusalem ist die einzige Sache, die die Araber zu vereinigen scheint. Es ist DIE Parole“,

schrieb ein hoch stehender arabischer Diplomat Ende 2000.

Die Leidenschaft für Jerusalem fordert sogar die Zentralität Mekkas heraus. Kein geringerer als Kronprinz Abdallah von Saudi Arabien soll wiederholt gesagt haben, dass für ihn

„Jerusalem wie die heilige Stadt Mekka ist“.

Hassan Nasrallah, der Führer der Hisbollah, geht noch weiter, indem er in einer wichtigen Rede erklärte:

„Wir werden Palästina nicht aufgeben, ganz Palästina und Jerusalem wird der Ort bleiben, zu dem alle Jihad-Krieger ihre Gebete richten.“

Fragwürdige Behauptungen

Entlang dieser starken Emotionen sind drei historisch fragwürdige Behauptungen aufgetaucht, die für den islamischen Anspruch auf Jerusalem werben.

Die islamische Verbindung zu Jerusalem ist älter als die jüdische.
Der palästinensische „Minister“ für religiöse Stiftungen macht geltend, dass Jerusalem „immer“ unter muslimischer Souveränität stand. Ähnlich besteht Ghada Talhami, ein Polemiker, darauf, dass

„es andere heilige Städte im Islam gibt, aber Jerusalem hat einen besonderen Platz in den Herzen und Gedanken der Muslime, da sein Schicksal immer mit dem ihren verbunden gewesen ist.“

Immer? Jerusalems Gründung geht dem Islam um rund zwei Jahrtausende voraus, wie kann das also sein? Ibrahim Hooper vom Council on American-Islamic Relations in Washington erklärt diesen Anachronismus:

„Die Verbindung der Muslime zu Jerusalem beginnt nicht mit dem Propheten Mohammed, sie beginnt mit den Propheten Abraham, David, Salomo und Jesus, die auch im Islam Propheten sind.“

Mit anderen Worten: die zentralen Figuren des Judentums und des Christentums waren in Wirklichkeit Ur-Muslime. Dies erklärt, dass der Otto-Normal-Palästinenser sagt, dass „Jerusalem seit dem Tag der Schöpfung arabisch war.“

Der Koran erwähnt Jerusalem.
Die Identifikation der Nachtreise mit Jerusalem ist derart vollständig, dass sie in vielen Veröffentlichungen über den Koran gefunden wird, besonders in Übersetzungen. Einige erklärten in einer Fußnote, dass die „ferne Moschee“ sich auf Jerusalem beziehen „muss“. Andere unternehmen den (blasphemischen?) Schritt, Jerusalem direkt in den Text nach „ferne Moschee“ einzufügen. Dies wird auf verschiedene Arten gemacht. Die Sale-Übersetzung benutzt Kursivschrift:

from the sacred temple of Mecca to the farther temple of Jerusalem (vom heiligen Tempel in Mekka zum fernen Tempel in Jerusalem)

Die Asad-Übersetzung verlässt sich auf Klammern:

from the Inviolable House of Worship [at Mecca] to the Remote House of Worship [at Jerusalem]  (vom Heiligen Haus des Lobpreises [in Mekka] zum Fernen Haus des Lobpreises [in Jerusalem])

Und die Behbudi-Turner-Version setzt sie direkt in den Text, ohne irgendeine Unterscheidung:

from the Holy Mosque in Mecca to the Al-Aqsa Mosque in Paletine (von der Heiligen Moschee in Mekka zur Al Aksa-Moschee in Palästina)

Wenn der Koran jetzt in Übersetzungen Jerusalem im Text enthält, kann es nicht überraschen, dass die, die sich auf diese Übersetzungen verlassen, glauben, dass Jerusalem „im Koran erwähnt wird“; und genau dies behauptete eine Vereinigung amerikanisch-muslimischer Institutionen im Jahr 2000. Nach Hooper ging eine davon sogar noch weiter:

„Der Koran erwähnt Jerusalem durch sein Kernstück, die Al Aksa-Moschee.“

Dieser Fehler hat praktische Konsequenzen: z.B. stützte Abd ar-Rahman, Generalsekretär des „Kabinetts“ der PA, seinen Anspruch auf palästinensische Souveränität auf diese Grundlage.

„Mit Jerusalem wird nicht gespielt, es ist unantastbar und niemand kann daran herumpfuschen, denn es ist im Koranischen Text enthalten.“

Mohammed besuchte tatsächlich Jerusalem.
Die islamische Biographie des Lebens des Propheten Mohammed ist sehr vollständig und erwähnt ganz klar nicht, dass er die arabische Halbinsel verlassen hätte, viel weniger eine Reise nach Jerusalem. Daher erklärte Karen Armstrong, eine Islam-Spezialistin, nur das Offensichtliche, als sie schrieb, dass

„muslimische Texte deutlich machen, dass … die Geschichte von Mohammeds mystischer Nachreise nach Jerusalem … keine körperliche Erfahrung war, sondern eine visionäre“.

Tatsächlich ist dieser Satz in einem Artikel enthalten, der mit „Der Pfeiler des Islam: Warum Jerusalem für Mohammed von zentraler Bedeutung war“, der postuliert, dass „Jerusalem für die spirituelle Identität der Muslime seit Anbeginn ihres Glaubens von zentraler Bedeutung war“. Das reicht nicht. Armstrong fand sich selbst Angriffen wegen schändlicher Falschauslegung“ des Islam ausgesetzt und der Behauptung, dass „Muslime selbst nicht an das Wunder ihres eigenen Propheten glauben“.

Jerusalem hat für Juden keine Bedeutung.
Der erste Schritt ist: eine jüdische Verbindung zur Westmauer (oder Klagemauer) zu bestreiten.1967 stellte ein hoher islamischer Beamter der Tempelbergverwaltung die jüdische Verbindung zur Westmauer als einen Akt der „Aggression gegen die Al Aksa-Moschee“ dar. Der verstorbene König Faysal von Saudi Arabien sprach zu dieser Sache mit unverhohlener Verachtung:

„Die Klagemauer ist ein Bauwerk, an dem sie weinen.“

Abd al-Malik Dahamsche, ein muslimisches Mitglied des israelischen Parlaments, erklärte einfach, dass

„die Westmauer in keiner Verbindung mit den Überresten des jüdischen Tempels steht.“

Die Internetseite der Autonomiebehörde erklärt zur Westmauer, dass

„einige orthodox-religiöse Juden sie als heilige Stelle für sie bezeichnen und behaupten, die Mauer sei ein Teil ihres Tempels, für den alle historischen Untersuchungen und archäologischen Ausgrabungen keine Belege finden konnten.“

Der Mufti der Autonomiebehörde beschreibt die Westmauer als

„lediglich eine Einfriedung, die zur muslimischen heiligen Stätte gehört“ und erklärt, dass „es nicht einen einzigen Stein in der Klagemauer gibt, der zur jüdischen Geschichte Bezug hat“.

Er bagatellisiert außerdem die jüdische Verbindung, indem er einem israelischen Interviewer abweisend sagte:

„Ich hörte, dass euer Tempel in Nablus oder vielleicht Bethlehem stand.“

Ähnlich verkündete Arafat, dass Juden „Hebron für heilige als Jerusalem halten“. Es gibt sogar gelehrte Untersuchungen aus der Ayn Shams-Universität in Ägypten, die behaupten aufzuzeigen, dass die Al Aksa-Moschee älter ist als die jüdischen Altertümer in Jerusalem – und zwar um nicht weniger als 2000 Jahre.

In diesem Geist üben muslimische Institutionen Druck auf die westlichen Medien aus, den Tempelberg und die Westmauer mit ihren islamischen Namen (Al-Haram ash-Scharif, Al-Buraq) zu nennen und nicht mit ihren weitaus älteren jüdischen Namen. (Al-Haram ash-Scharif z.B. stammt erst aus der ottomanischen Zeit.) Wenn westliche Journalisten das nicht mitmachen, reagiert Arafat wütend verletzt; seine Nachrichtenagentur stellt dies als Teil einer „ständigen Verschwörung gegen die Heiligtümer in Palästina“ dar und sein Mufti betrachtet es als dem islamischen Gesetzt widersprechend.

Der zweite Schritt: den Juden den Zugang zur Mauer zu verweigern.

„Es ist Juden verboten, an der Westmauer zu beten“,

macht ein islamischer Führer geltend, der in Israel lebt. Der Direktor der Al Aksa-Moschee erklärt:

„Dies ist ein Ort für Muslime, nur für Muslime. Es gibt hier keinen Tempel, nur die Al Aksa-Moschee und den Felsendom.“

Der Radiosender „Voice of Palestine“ verlangt, dass israelische Politikern nicht einmal erlaubt wird, die Mauer zu berühren. Ikrama Sabri, der Mufti der palästinensischen Autonomiebehörde, hindert Juden daran, an der Mauer Reparaturen vorzunehmen und erweitert den islamischen Anspruch noch:

„Alle Gebäude um die Al Aksa-Moschee herum sind islamisches Eigentum.“

Der dritte Schritt: jede Form jüdischer Kontrolle in Jerusalem ablehnen, wie es Arafat Mitte 2000 tat:

„Ich werde keiner israelischen Souveränität in Jerusalem zustimmen.“

Der saudische Kronprinz Abdallah wiederholte das; er sagte, dass

„es nichts zu verhandeln gibt und keine Kompromisse, wenn es um Jerusalem geht“.

Sogar der Außenminister des Oman, Yussuf bin Alawi bin Abdallah, sagte dem israelischen Premierminister, dass Souveränität in Jerusalem sollte ausschließlich palästinensisch sein, „um Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten“.

Letzter Schritt: Juden den Zugang zu Jerusalem vollständig verweigern. Mit diesem Ziel sprießt eine Masse an Literatur, die darauf besteht, dass ganz Jerusalem ausschließlich dem Islam zusteht. Schulbücher spielen auf die Rolle der Stadt im Christentum und im Islam an, ignorieren aber das Judentum. Eine amerikanische Zweigorganisation der Hamas erhebt Anspruch auf Jerusalem als „arabische, palästinensische und islamische heilige Stadt.“ Ein Spruchband, das auf einer Demonstration getragen wurde, drückt es knapp und deutlich aus:

„Jerusalem ist arabisch.“

Kein Platz für Juden hier.

Anti-Jerusalem-Sichtweisen

Ungeachtet dieser Zions-Liebe der Muslime beinhaltet der Islam eine tief sitzende, hartnäckige Spannung anti-jerusalemer Empfindungen, die auf der Idee basiert, dass Jerusalem zu betonen nicht-islamisch ist und die besondere Heiligkeit Mekkas untergräbt.

Der Princeton-Historiker Bernard Lewis merkt an, das es in der Frühzeit des Islam „starker Widerstand unter vielen Theologen und Juristen gab“, Jerusalem als heilige Stadt zu begreifen. Sie sahen dies als einen judaisiernden Fehler an –

„als einen weiteren von vielen Versuchen jüdischer Konvertiten, in den Islam jüdischen Vorstellungen einfließen zu lassen“.

Treue Anti-Jerusalemiten verbreiteten Geschichten, um zu zeigen, dass die Idee von Jerusalems Heiligkeit eine jüdische Praxis ist. In der wichtigsten davon empfiehlt ein konvertierter Jude namens Kab al-Ahbar dem Kalifen Omar, dass die Al Aksa-Moschee neben dem Felsendom gebaut werden solle. Der Kalif antwortet ihm mit dem Vorwurf, er kehre zu seinen jüdischen Wurzeln um:

Omar fragte ihn: „Wo sollten wir den Gebetsplatz deiner Meinung nach bauen?“

„Auf dem (Tempelberg-)Felsen“, antwortete Kab.

„Bei Gott, Kab“, sagte Omar, „du folgst dem Judentum. Ich sah, wie du die Sandalen auszogst (wie es jüdische Sitte ist).“

„Ich wollte das Gefühl mit meinen nackten Füßen erfahren“, sagte Kab.

„Ich sah dich“, sagte Omar. „Aber nein… Mach weiter! Uns wurde nicht befohlen, uns um den Felsen zu kümmern, sondern uns wurde befohlen, uns um die Kaaba (in Mekka) zu kümmern.“

Eine andere Version der Anekdote stellt den jüdischen Inhalt noch mehr heraus:
„in dieser versucht Kab al-Ahbar den Kalifen Omar dazu zu bewegen, nördlich des Heiligen Felsens zu beten und stellte den Vorteil davon heraus: „Dann wird die gesamte Al Quds, also Al-Masjid al-Haram vor dir sein.“ Mit anderen Worten, der vom Judentum Konvertierte sagt, der Felsen und Mekka würden in einer direkten Linie liegen und Muslime können sich beim Gebet beiden gleichzeitig zuwenden.

Dass Muslime zu Lebzeiten Mohammeds fast ein ganzes Jahr in Richtung Jerusalems beteten, hat eine dauerhaft widersprüchliche Auswirkung auf das Ansehen der Stadt im Islam. Der Vorfall erfüllt Jerusalem mit Ansehen und Heiligkeit, machte die Stadt aber auch zu einem Orte, der von Gott einzigartig abgelehnt wurde. Einige frühe Hadithen lassen Muslime ihre Ablehnung dadurch ausdrücken, dass sie gezielt mit ihrem Rücken gegen Jerusalem gerichtet beten, eine Gewohnheit, die in verkümmerter Form selbst heute noch überlebt; wer in der Al Aksa-Moschee betet, kehrt seinen Rücken genau gegen die Gegend des Tempels, zu der die Juden beten. Oder, wie Premierminister Ariel Sharon es heftig formulierte:

Wenn ein Muslim in Al Aksa betet, dann „kehrt er ihm (dem Tempelfelsen, HE) seinen Rücken zu. Dazu auch einige seiner tiefer gelegenen Körperteile.“

Ibn Taymiya (1263 – 1328) ist einer der härtesten und einflussreichsten religiösen Denker des Islam und vielleicht der herausstechendste Sprecher der Anti-Jerusalem-Haltung. In seinem weit reichenden Versuch, den Islam von Zusätzen und Pietätlosigkeiten zu reinigen, verwarf er die Heiligkeit Jerusalems als einen Gedanken, der auf die Juden und Christen, wie auch auf die längst vergangenen Umayyaden-Rivalität mit Mekka zurückzuführen war. Ibn Taymiyas Schüler Ibn Qayyim al-Jawziya (1292 – 1350) ging weiter und lehnte Hadithen zu Jerusalem als falsch ab. In größerem Zusammenhang wussten gelehrte Muslime, die nach den Kreuzzügen lebten, dass der große Bekanntheitsgrad, den die Hadithen hatten, die Jerusalems Heiligkeit rühmten, aus dem Kampf gegen die Kreuzfahrer entstanden – also aus politischen Erfordernissen – und behandelten sie daher argwöhnisch.

Es gibt auch weitere Zeichen dafür, dass Jerusalem in der Stufigkeit der Heiligkeiten relativ niedrig angesiedelt war: ein Kunsthistoriker fand heraus, dass

„im Gegensatz zu Darstellungen von Mekka, Medina und der Kaaba Bildnisse Jerusalems kaum vorhanden sind.“

Der Glaube, dass das Jüngste Gericht in Jerusalem stattfinden würde, wurde von mittelalterlichen Autoren eine Fälschung genannt, die Muslime zum Besuch der Stadt bewegen sollte.

Moderne Schreiber stellen sich manchmal außerhalb des Schirms der Pietät, der Jerusalem umgeben hat. Mohammed Abu Zayd schrieb 1930 in Ägypten ein Buch, das so radikal war, dass es aus dem Verkehr gezogen wurde und nicht einmal mehr vorhanden ist. Unter anderem verwarf er darin

die Idee der himmlischen Reise des Propheten über Jerusalem und behauptete, dass die koranische Wiedergabe sich in Wirklichkeit auf seine Hijra von Mekka nach Medina bezieht; „die weit entfernte Moschee“ (al-masjid al-aqsa) hatte also nichts mit Jerusalem zu tun, sondern war tatsächlich die Moschee in Medina.

Dass diese Sichtweise verbannt ist, zeigt den fast vollständigen Sieg des pro-Jerusalem-Standpunkts im Islam. Aber eine gelegentliche Äußerung sickert aber immer noch durch. Auf einem Gipfeltreffen arabischer Führer im März 2001 machte sich Muhammar Gaddhafi über die Besessenheit seiner Kollegen von der Al Aksa-Moschee lustig:

„Zur Hölle damit“, zitierten ihn Delegierte, „entweder löst ihr das oder nicht. Es ist nur eine Moschee und beten kann ich überall.“

Schlussfolgerung

Politik, nicht religiöse Empfindlichkeit, hat die muslimische Bindung an Jerusalem seit fast vierzehn Jahrhunderten angetrieben; was der Historiker Bernard Wasserstein über das Wachstum muslimischer Gefühle im Verlauf des Kampfs gegen die Kreuzfahrer geschrieben hat, gilt durch die Jahrhunderte hindurch:

„Häufig in der Geschichte Jerusalems kann erhöhte religiöse Leidenschaft größtenteils durch politische Notwendigkeit erklärt werden.“

Dieses Muster hat drei Hauptfolgen. Erstens wird Jerusalem für Muslime nie mehr als eine zweitrangig Stadt sein;

„Glaube in die Heiligkeit Jerusalems“, folgert Sivan richtigerweise, „kann weder als im Islam weit verbreitet noch als tief im Islam verwurzelt angesehen werden.“

Zweitens liegt das muslimische Interesse weniger in der Kontrolle über Jerusalem als in der Verhinderung der Kontrolle über die Stadt durch jemand anderes.

Drittens ist die islamische Verbindung zu der Stadt schwächer als die jüdische, denn sie entspringt in gleichem Maße aus vergänglichen und irdischen Überlegungen wie aus unveränderlichen Glaubenssätzen.

Im Gegensatz dazu ist Mekka die ewige Stadt des Islam, der Ort, an dem Nicht-Muslime strengstens verboten sind. Sehr grob gesprochen: was Jerusalem für die Juden ist, ist Mekka für die Muslime – etwas, das der Koran selbst aussagt (Sure 2,145), indem er anerkennt, dass Muslime eine qibla haben und die „Völker des Buches“ eine andere. Die Parallele wurde von mittelalterlichen Muslimen erkannt; der Geograph Yaqut (1179 – 1129) schrieb zum Beispiel, dass

„Mekka den Muslimen heilig ist und Jerusalem den Juden.“

In neuer Zeit sind einige Gelehrte zu derselben Schlussfolgerung gelangt:

„Jerusalem hat für das jüdische Volk dieselbe Rolle, die Mekka für Muslime hat“,

schreibt Abdul Hadi Palazzi, Direktor des Kulturinstituts der Islamischen Gemeinde Italiens.

Die Ähnlichkeiten sind erstaunlich.

  • Juden beten dreimal in der Richtung Jerusalems, Muslime fünfmal täglich nach Mekka.
  • Muslime sehen in Mekka den Nabel der Welt, genauso sehen Juden Jerusalem.
  • Während Juden glauben, dass Abraham beinahe Isaaks Bruder Ismael in Jerusalem opferte, glauben Muslime, dieses Ereignis fand in Mekka statt.
  • Die Kaaba in Mekka hat für Muslime ähnliche Funktion wie der Tempel in Jerusalem für Juden (wie die des Ziels für Pilgerreisen).
  • Vom Tempel und der Kaaba wird gesagt, sie seien einzigartige Gebäude. Der Bittsteller zieht seine Schuhe aus und geht barfuß in seinen jeweiligen Bereich.
  • Salomos Tempel wurde an Yom Kippur eingeweiht, dem zehnten Tag des Jahres, und die Kaaba erhält ihre neue Abdeckung jedes Jahr am zehnten Tag.
  • Wenn Jerusalem für Juden ein derart heiliger Ort ist, dass nicht nur sein Boden, sondern sogar seine Luft als heilig angesehen wird, dann ist Mekka nach Abad Ahmad von der Islamischen Gesellschaft von Zentral-Jersey der Ort, dessen „bloße Erwähnung in muslimischen Herzen Ehrfurcht widerhallen“.

Diese Parallelität von Mekka und Jerusalem bietet die Grundlage einer Lösung, wie Scheich Palazzi weise schreibt:

Trennung der Gebetsrichtung ist ein Mittel, mögliche Rivalitäten in der Verwaltung heiliger Stätten zu reduzieren. Für die, die von Allah das Geschenk der Balance und die Haltung des Ausgleichs erhalten, sollte es nicht schwierig sein zu folgern, dass, wie niemand den Muslimen die vollständige Souveränität über Mekka absprechen will, von einem islamischen Standpunkt aus – trotz gegensätzlicher, grundloser Propaganda-Behauptungen – es keinerlei theologisch vernünftigen Grund gibt, den Juden ein gleiches Recht über Jerusalem zu verweigern.

Um diese Sicht zu belegen, führt Palazzi einige eindrucksvolle und oft missachtete Abschnitte des Koran an. Eine davon (Sure 5,22-23) zitiert Moses, der die Juden anweist

„betretet das Heilige Land (al-ard al-muqaddisa), das Allah für euch bestimmt hat“.

Ein anderer Vers (Sure 17,104) lässt Gott dasselbe aussagen:

„Und nach ihm sprachen Wir zu den Kindern Israels: ‚Wohnet in dem Lande’.“

Sure 2,145 erklärt, dass die Juden

„sie würden nie deiner qibla folgen; und auch du könntest nicht ihrer qibla folgen“,

womit eine Anerkennung des Tempelbergs als die Gebetsrichtung der Juden angedeutet ist.

„Gott selbst sagt, dass Jerusalem für die Juden so wichtig ist wie Mekka für die Muslime“, folgert Palazzi.

Seine Analyse hat einen klare und vernünftige Konsequenz: Genauso, wie Muslime ein ungeteiltes Mekka beherrschen, sollten Juden ein ungeteiltes Jerusalem beherrschen.

Anmerkung:
Quellenangaben findet man hier

© Daniel Pipes, 2001

Am 10. Mai 2004 ergänzt Daniel Pipes in seinem Weblog diesen Artikel wie folgt:

Mit einer unfassbaren Aktualisierung und Erweiterung [dieses Artikels] hat Yitzhak Reiter eine Studie für das Institute for Israel Studies der ersten und der letzten dieser [am Ende des Artikels aufgelisteten] Behauptungen geschrieben; eine Zusammenfassung dessen durch Nadav Shragai wurde heute in Ha’aretz veröffentlicht. Er verfolgt die Entwicklung einer neuen palästinensischen Begründung zu Jerusalem, deren Hauptthemen sind, dass „die Araber Jerusalem tausende Jahre vor den Kindern Israels beherrschten“ und „eine Leugnung und Negierung der jüdisch-zionistischen Sichtweise“ sind. Hier ein paar davon, aus der Aufzählung von Shragai:

  • Die Muslime lassen langsam den dem Tempelberg-Komplex gegebenen Namen fallen – Haram al-Scharif, der ihm den Status als drittheiligste Stätte des Islam gab. Es wird zum ausschließlichen Gebrauch des früheren Namens, Al Aksa, übergegangen, der im Koran auftaucht.
  • Entgegen der Standard-Geschichte, nach der die Al Aksa-Moschee im siebenten Jahrhundert gebaut wurde, hat in den letzten Jahren eine alt hergebrachte Tradition aus den Anfängen des Islam an Boden gewonnen. Danach wurde die Al Aksa-Moschee 40 Jahre nach dem Bau der Moschee von Mekka durch Adam (d.h. kurz nach den sieben Tagen der Schöpfung) gebaut. Andere Traditionen, die in den Waqf-Verwaltungsbüros in Jerusalem auftauchen, schreiben den Bau der Moschee Abraham und Salomo zu.
  • Die Umgebung der Al Aksa-Moschee ist nicht näher definiert, wie es in der Vergangenheit auch war; daher bieten sie einen Ansatzpunkt für die Interpretation, dass Al Aksa sich auf ganz Jerusalem bezieht; in jüngster Zeit bezieht man sich auf ganz Palästina.

Die Tatsache, dass Israels offizielle Politik – wie sie in den Entscheidungen des Obersten Rabbinischen Rats, der Regierung und dem Obersten Gerichtshof eingebettet ist – die Verwaltung des Tempelbergs in den Händen der muslimischen Waqf lässt, wird in der gegenwärtigen muslimischen Welt nicht zugegeben. Im Gegenteil:

„Die Aktivitäten extremistischer jüdischer, teilweise winziger Gruppierungen, um das Ritual des [ersten] Tempels wieder einzurichten, wird von palästinensischen Quellen wahrgenommen und verbreitet, als sei das ein Spiegelbild der offiziellen Politik“,

sagt Reiter.

Übersetzung aus dem Englischen und Anmerkungen: H.Eiteneier

UPDATE;
Weitere Infos (auf Englisch):

Der Islam – schwarz oder weiß?

… In diesem Zusammenhang möchte ich Recep Tayyip Erdogan, den Premierminister der „gemäßigten“ Türkei, die viele ja in die EU regelrecht herbeisehnen, zitieren. Bei zahlreichen Gelegenheiten, so unter anderem auch bei seinem letzten Staatsbesuch in Deutschland, hat Erdogan, sicherlich von vielen als ein „gemäßigter Moslem“ angesehen, öffentlich erklärt, dass „Islamophobie“ ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ und der Begriff „gemäßigter Islam“ eine „Beleidigung“ sei, da „es keinen gemäßigten Islam gebe, der sich von einem fundamentalistischen Islam unterscheide“, sondern „es nur einen einzigen Islam gäbe“ und dass die Bestrebungen zur Assimilation der Moslems in die westliche Gesellschaft ebenfalls ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ seien.

Diese Zitate zeigen, dass auch ein „gemäßigter“ Moslem manchmal völlig un-“gemäßigtes“ von sich gibt und unterstreicht die Bedeutung einer zentralen Frage, die zuerst geklärt sein muss, bevor man seine Meinung zum Islam oder zu verschiedenen Formen des Islam vorschnell rausposaunt. Die Frage wäre die folgende:

Gibt es überhaupt einen gemäßigten Islam? Und: Falls ja, was ist dann der Unterschied zwischen dem gemäßigten Islam und dem radikalen Islam?

… Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was „gemäßigter“ Islam in islamischen Ländern bedeutet, reicht es schon aus, auf die oben zitierten Erklärungen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan oder
auf die Position der OIC (Organisation der Islamischen Konferenz) bei der UNO in Fragen zu den Themen Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Menschenrechte hinzuweisen.

Die 57 Mitgliedsstaaten der OIC haben die Universelle Menschenrechtserklärung der UNO nicht unterschrieben, dafür aber im Jahr 1990 ein analoges Schriftstück, die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“, die in den Artikeln 24 und 25 alle zuvor aufgelistete Rechte unter den Vorbehalt der Scharia stellt. Es reicht aus, an die Behandlung der christlichen Minderheiten, und wo es noch
welche gibt, der jüdischen Minderheiten zu denken, von der Pro-Islam-Lobby gar nicht zu sprechen, die mit immensen saudischen Finanzbeträgen ausgestattet, Institutionen westlicher Universitäten und einzelne Pseudo-Intellektuelle finanziert, um so ein geschöntes Islambild zu verbreiten, das dem westlichen Geschmack entspricht und damit politisch vertretbar erscheint.

… Ich kann hierzu keine wissenschaftliche Antwort geben, aber nach meinem Empfinden würde ich alle Moslems als gemäßigt ansehen, die nicht die Forderungen (des Moslemfunktionärs) Dachan teilen bzw. unterstützen:

  • die Schaffung einer moslemischen Gegengesellschaft innerhalb des Landes,
  • Zensur der Schulbücher,
  • islamische Privatschulen,
  • Islamische Feiertage in den öffentlichen Schulen,
  • bezahlte Arbeitspausen für das Freitagsgebet,
  • islamische Banken und Darlehensformen,
  • die anteiligen Zuwendungen aus der Einkommenssteuer für kirchliche Zwecke (0,8% des versteuerten Einkommens) und
  • Halal-Zertifikate für Lebensmittel.

Um den Islam zu bewerten, müssen wir ihn kennen; nur so können wir feststellen, welcher der „gemäßigte“ und welcher der extremistische ist. Der Ausgangspunkt dazu ist der Koran, dem Mohammed übermittelt durch den Erzengel Gabriel in unregelmäßigen Abständen während seiner 23-jährigen Prophetenlaufbahn. Der ganze Koran ist das Wort Gottes, ewig, unerschaffen, vollkommen, unveränderbar, gültig zu jeder Zeit und an jedem Ort für die gesamte Menschheit. Die offensichtlichen Widersprüche in der koranischen Offenbarung fielen allerdings auch Mohammeds Zeitgenossen auf, so wurden seine Kritiker durch die Offenbarung von Sure 2, 106 ruhiggestellt:

Wenn Wir eine Aya (Vers) aufheben oder der Vergessenheit anheimfallen lassen, so bringen Wir eine bessere als sie oder eine gleichwertige hervor. Weißt du denn nicht, dass Allah Macht über alle Dinge hat?

… Es ist der Vers, der das Prinzip der „Abrogation“ (an-naskh wa al-manswkh = das Abrogierende und das Abrogierte) begründet, nach dem ein zu einem späteren Zeitpunkt geoffenbarter Vers einen anderen zu einem früheren Zeitpunkt geoffenbarten Vers, der das Gegenteil aussagt, „abrogiert“. Die wesentliche Schwierigkeit dabei ist, dass der Koran anfangs nur mündlich rezitiert und weitergegeben wurde und seine schriftliche Form erst unter der Herrschaft des dritten Kalifen Uthman bin Affan erhielt, wobei die verschiedenen Suren nicht chronologisch, sondern der Länge nach, beginnend mit der längsten bis hin zur kürzesten (mit Ausnahme der ersten Sure), sortiert wurden. Daher ist es, um die chronologische Reihenfolge der koranischen Suren zu entschlüsseln, unbedingt notwendig, die „Sira“, Mohammeds Biografie, von der noch antike Versionen aus der Zeit von etwa zweihundert Jahre nach seinem Tod vorliegen und die tafsir, die Koran-Kommentare aus der Frühzeit des Islams, als dieser sich bis nach Spanien und nach Indien ausbreitete, hinzuzuziehen.

Dieses umfangreiche Werk aus Analyse und Kommentierung war für die Rekonstruktion der Offenbarungsgeschichte und die korrekte Auslegung der Offenbarung notwendig, weil nur so daraus das Regelwerk, das die rechtlichen und praktischen Vorschriften und Regeln (die Scharia) beinhaltet, herausgefiltert werden konnte, das es einem Moslem ermöglicht, sich strikt an die Gebote Gottes zu halten, der einzige Weg, seine “Seele“ zu retten und um ins „Paradies“ zu kommen.

Wenn auch einerseits das Prinzip der Abrogation die These der Vollkommenheit des Korans dahingehend stützt, dass alles Offenbarte auch tatsächlich überliefert worden sei und dass alles, was nicht überliefert oder nicht schriftlich niedergelegt wurde, es eben der Wille „Allah’s“ sei, dass es weggelassen wurde und damit auch die offensichtlichen Widersprüche im Koran wegerklärt werden konnten, so ergibt sich hieraus andererseits ein völlig neues Problem: Hatte Allah sich möglicherweise geirrt und musste er deshalb vorherige Offenbarungen korrigieren oder hat er, in seiner unbegrenzten Allmacht, seine Meinung einfach geändert und deshalb dann neue Regeln erlassen, die die alten ersetzen sollten? Das „ewige Wort Gottes“ kann ja nicht irren, daher sind also alle Koranverse wahr, aber manche sind eben wahrer als andere oder werden eben nur unter besonderen Umständen entsprechend angewendet.

Deshalb kann im Umgang mit „Ungläubigen“ einerseits zwar Versöhnung und Toleranz an den Tag gelegt werden, andererseits aber auch ein völlig konträres Gebaren, gewaltbereiter Widerstand, ohne Aussicht auf Verständnis und Kompromissbereitschaft. Beides ist islamisch korrekt, wenn auch letzteres korrekter ist. Für einen westlich orientierten Menschen ist es unmöglich, zwei entgegengesetzte Standpunkte gleichzeitig für richtig zu halten; wenn wir eine Verhaltensweise als richtig erachten, muss das Gegenteil zwangsläufig falsch sein und umgekehrt. Nicht so für den Moslem: Wenn beide Verhaltensweisen im Koran vorgesehen sind, müssen sie auch beide richtig sein, auch wenn das später geoffenbarte Prinzip richtiger sein mag als die ältere Offenbarung. Für einen westlich orientierten Menschen ist das ein Paradoxon, für einen Moslem nicht. …

Mohammed, der perfekte Moslem

Der Koran, für sich allein, reicht für einen Moslem nicht aus, um die Errettung zu garantieren. Zu vage sind seine Lehren und zu vielfältig sind die Lebenssituationen, mit denen der Moslem konfrontiert wird und die er in Übereinstimmung mit den Gesetzen Allah’s meistern muss. Der Koran beschreibt zwar eine Reihe von gültigen Prinzipien, mit präzisen und detaillierten Bestimmungen, die jedoch nicht alle möglichen Eventualitäten abdecken. Die Lösung dieses Problems gibt der Koran jedoch selbst vor, wie Bill Warner im oben genannten Artikel deutlich formuliert, weil der Koran über siebzigmal die Moslems dazu auffordert, Mohammed in allen Aspekten des Lebens als Vorbild nachzuahmen. Nur die absolute Abhängigkeit sowohl vom Koran als auch vom Vorbild Mohammed, wswa hasana (herausragendes Vorbild), al insan al kamil (der vollkommene Mensch), gibt die Gewähr dafür, die Gebote Allah’s wirklich zu befolgen und somit Zutritt zum Paradies zu erhalten.

Daher rührt die enorme Bedeutung der Sira, welche die frühe Biografie Mohammeds beinhaltet (die wohl älteste und klassische von Ibn Ishaq, in englischer Übersetzung durch A. Guillaume, Oxford University Press) und der Ahadith (Plural von Hadith), der gesammelten Geschichten über Taten und Aussprüche des Propheten. Sira und Ahadith bilden zusammen die Sunna, die Tradition, gemeinsam mit dem Koran ergeben sie die Trilogie islamischer kanonischer Texte, auf deren Grundlage das islamische Rechtssystem basiert, welches in Form der Scharia angewandt wird, dem heiligen Gesetz. Die Berufung auf den Koran ist zwar unverzichtbar, aber nicht ausreichend, weil es tatsächlich so ist, dass über 80% der islamischen Regeln direkt aus der Sunna abgeleitet sind.

Die immensen koranexegetischen Probleme, verursacht durch die Ambivalenz des mekkanischen und des medinesischen Teils, verstärken sich noch, wenn man die Sunna (Sira und Ahadith) mit in die Bewertung einbezieht. Hier finden wir Aussprüche und Handlungen Mohammeds, die einem modernen Menschenbild diametral zuwider laufen und dennoch dem herausragenden Vorbild, dem vollkommenen Menschen, den es in allen Lebensbereichen zu imitieren gilt, zugeordnet werden.

… An diese Tatsachen zu erinnern, die kein Moslem wirklich bestreitet, für die sie aber immer ausreichend beschönigende Erläuterungen parat haben, lösten oftmals gewalttätige Reaktionen sogar bei den im Westen lebenden Islam-Vertretern aus. Sofort prasseln dann die üblichen Anschuldigungen wie „Islamophobie“, „Diskriminierung der Religion“ und „Rassismus“ hernieder, begleitet vom Vorwurf, man würde Lügen verbreiten und den Islam schmählich beleidigen. Diese Vorgehensweise im Leugnen von Tatsachen, der billige Versuch Fakten durch Verdrehung und Täuschung aus der Welt zu schaffen, findet seine Grundlage in der taqiyya, einem islamischen Prinzip, das direkt aus dem Koran (3,28; 16,106) abgeleitet wird, nachdem Lügen dann gestattet und gerechtfertigt ist, wenn man dadurch sein Leben rettet, wenn es dem Schutz des Islam dient sowie wenn man sich in einer unterlegenen Position befindet. Schließlich stammt von Mohammed selbst der Spruch: „Der Krieg ist Täuschung“.

Edogan hat Recht, wenn er sagt, es gäbe nur einen Islam; der wahre Moslem ist nämlich immer derjenige, der Mohammed in allen seinen Handlungsweisen nachzuahmen versucht, weshalb man ja auch bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts ausnahmslos von Mohammedanern sprach und nicht von Moslems oder Muslimen, Wortschöpfungen welche die wahre Bedeutung des Islam verschleiern, nämlich die völlige Unterwerfung unter die Scharia sowie die skrupellose Nachahmung Mohammeds.

Überall wo es Menschen gibt, auch unter Moslems, gibt es Moderate und Extremisten, Gewalttätige und Friedliche, aber die Suche nach einem „gemäßigten Moslem“, das Gegenpart zu einem radikalen Moslem, macht keinen Sinn. Das was zählt, ist die Figur des Propheten des Islam, Mohammed, wie sie durch die Sunna überliefert ist und so als Vorbild für alle Moslems zu gelten hat um ihm nachzueifern. Lassen sie sich vom mekkanischen Mohammed inspirieren, der sie beten gelehrt hat und ihnen den Monotheismus und die Toleranz verkündete oder vom medinesischen Mohammed, der die arabische Halbinsel mit Krieg überzog und eroberte, jede Opposition im Keim erstickte und den jihad zur Unterwerfung der Ungläubigen und zur Errichtung der Weltherrschaft predigte?

Leider ist beides richtig; ein guter Moslem kann der fleißige Arbeiter von Nebenan sein, der sich immer hilfsbereit zeigt oder auch der fanatische Student, der zwar nach außen ein makelloses Leben führt, aber gerade eine Flugzeugentführung vorbereitet um damit in einen Wolkenkratzer voller Ungläubiger zu fliegen. Wir können es nie genau wissen, auch weil der nette freundliche Nachbar von nebenan sich jederzeit in einen Jihadisten verwandeln kann, der im Namen Allah’s tötet und getötet werden kann (Koran 9,111) oder hinter der freundlichen Maske des ehrlichen, vertrauenswürdigen, netten und hilfsbereiten Nachbarn sich auch ein überzeugter Jihadist verbergen kann, wie es ihm durch taqiyya moralisch erlaubt ist (Koran 3,28; 16,106)

Nun denn, ist der wahre Mohammed ein Engel oder ein Teufel? Nach meiner Überzeugung gibt es darauf keine abschließende Antwort, oder besser noch, wenn es schon sein muss: Er ist beides.

Prof. Paolo Mantellini (Mai 2009)

Ein tendenziell  negatives Bild des Islam, das sich aber m.E. in vielem mit der Wirklichkeit deckt. Gebetsmühlenartig zu behaupten, der Islam wäre eine friedliche Religion, längt nur vom wirklichen Charakter des Islam ab: Ein Wirrwarr von Widersprüchen, aus dem sich jeder das herauspickt, was er möchte.

An alle Israelkritiker

Warum schreibt, schreit, beschwert und erregt sich eigentlich niemand über das hier:

Am 16. September eskalierte die Situation, als Hussein den Befehl zur endgültigen Niederschlagung des Aufstandes gab und palästinensische Flüchtlingslager in Amman bombardieren ließ. Dabei wurden schätzungsweise drei- bis fünftausend Palästinenser getötet. Syrien ließ zur Unterstützung der PLO Panzer nach Jordanien einmarschieren. Diese wurden am 22. September zurückgeschlagen. Insgesamt sollen im Zusammenhang mit der Verfolgung von Palästinensern im September 1970 40.000 Palästinenser umgekommen sein. [1].

Warum nennt niemand die Jordanier und Syrer Rassisten, Fachisten, etc.? Ideen?

Die Geschichte der UNO

Ein sehr lesenswerter Artikel von Hannes Stein über die UNO, ihre Geschichte, ihre Ziele und Handlungsweisen:

Die Interessengruppen, die von der Uno profitieren

1. Antisemiten: Die Uno betrachtet es als ihre vornehmste Aufgabe, über den Staat der Juden zu Gericht zu sitzen. Der Antisemitismus ist, wie Pedro A. Sanjuan bei seinem Amtsantritt verblüfft feststellen musste, ein integraler Bestandteil des Lebensstils der Uno: „Er war nicht bloß eine politische Einstellung gegenüber Israel. Er war eine kulturelle Mentalität, die in der Luft hing.“

2. Pädophile. Im Jugoslawien der Neunzigerjahre gab es viele schreckliche Dinge – Massaker, Massenvergewaltigungen, Verstümmelungen. Was es nicht gab, war Kinderprostitution. Es gibt sie, seit sich Uno-Truppen auf dem Gelände der ehemaligen Republik Jugoslawien aufhalten. Und nicht nur dort: Jeder Familienvater in Eritrea weiß, dass man um Uno-Stützpunkte besser einen weiten Bogen macht – Blauhelmsoldaten haben kleine Jungen und Mädchen gern. Innerhalb der Uno gibt es keine Mechanismen, um solche Übergriffe zu bestrafen. Schließlich handelt es sich bei den Blauhelmtruppen nicht um eine nationalstaatliche Armee, für die irgendwer die Verantwortung trüge.

3. Völkermörder. Auf die Uno ist hier unbedingt Verlass. Sie verurteilt einen Genozid nie, während er gerade geschieht. Erst im Nachhinein werden betrübte Resolutionen verabschiedet. So war es, als die Roten Khmer in Kambodscha wüteten, so war es während des großen Mordens in Ruanda, und so ist es auch jetzt, während arabische Reiterarmeen in Darfur Kinder, Frauen und Greise massakrieren. Blauhelmsoldaten, die in Kriegsgebieten eingesetzt werden, sind garantiert nutzlos. Entweder (Ruanda) ziehen sie sich auf höhere Weisung zurück und überlassen die Opfer ihren Schlächtern, sobald es kritisch wird – oder (Bosnien) sie weisen den Mördern den Weg und laden sie vor dem Gemetzel erst einmal zu einem Gläschen Entspannungssekt ein.

Handelte es sich bei der Uno um einen Nationalstaat, müsste man von einer Bananenrepublik sprechen, die nicht einmal Bananen produziert. Handelte es sich um eine Firma, hätte sie längst Bankrott anmelden müssen. Sie wurde unter dem Vorzeichen des Betrugs gegründet und ist längst an dem Punkt angelangt, wo sie nicht mehr reformiert werden kann. Heute – anlässlich der antisemitischen Schmierenkomödie, die unter Schirmherrschaft der Uno in Genf veranstaltet wird – ist die Zeit gekommen, um Konsequenzen zu ziehen. Dabei ist es, um mit einer Metapher aus der Computertechnik zu sprechen, nicht mit einem Neustart getan; die ganze Festplatte muss ausgetauscht werden. Also: Amerika – raus aus der Uno! Und Uno – raus aus Amerika! Mögen die Vereinten Nationen noch ein paar Schattenjährchen lang in Tripolis, Caracas oder Teheran ihr mageres Dasein fristen, während wir im Westen uns überlegen, durch welch bessere Organisation wir sie ersetzen wollen.

Die UNO ist für den Otto-Normalverbraucher eine unverdächtige, ja sogar vertrauenswürdige Institution, Ausdruck des Wunsches der Menschen, gemeinsam die Welt besser zu machen und Frieden zu schaffen.
Aber wie so vieles, das gut gedacht war, ist auch die UNO in vielen Teilen missbraucht worden – von Menschen, die nicht so hehre Absichten hegen.

Das Problem dabei: Das sehen die meisten nicht, denn die UNO gibt sich so, dass man bei oberflächlicher Betrachtung nicht auf die Idee kommt, sein Weltbild über die UNO in Frage zu stellen.

Jüdisch-christliche im Vergleich mit islamischer Gewalt

Raymond Ibrahim, Jihad Watch, 15. März 2009

Besonders nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 ist dem Islam oft vorgeworfen worden, intrinsisch (von innen kommend) gewalttätig zu sein. Viele deuten zum Beweis, dass Gewalt und Intoleranz gegenüber Nichtmuslimen dem Islam innewohnt, auf den Koran und andere islamische heilige Schriften und Texte. Als Antwort sind eine ganze Reihe Rechtfertigungen geboten worden. Die fundamentale Prämisse fast aller davon ist, dass die behauptete Gewalt des Islam – wie sie in islamischen heiligen Schriften und Geschichte zu finden sind – sich nicht von der Gewalt unterscheidet, die von anderen Religionsgruppen im Verlauf der Geschichte begangen wurde und in ihren heiligen Schriften verzeichnet ist, so bei den Juden und Christen.

Der Streit besteht, kurz gesagt, darin, dass es nicht der Islam per se ist, sondern eher die menschliche Natur für Gewalt anfällig ist.

Wann immer also das Argument angeführt wird, dass der Koran genauso wie die historischen Worte und Taten des Propheten des Islam, Mohammed, und seiner Gefährten Gewalt und Intoleranz bekunden, wird sofort das Gegenargument angeführt: Was ist mit den historischen Gräueln, die von den Hebräern in vergangenen Jahren begangen wurden, wie sie in ihren heiligen Schriften (aka dem Alten Testament) aufgezeichnet wurden? Was ist mit dem brutalen Kreislauf der Gewalt, den Christen im Namen ihres Glaubens sowohl gegen Mitchristen und Nichtchristen verübt haben?

Beispiele aus jüdischer und christlicher Geschichte

Dann werden einige Beispiele aus der Bibel wie auch aus der jüdisch-christlichen Geschichte angeführt. Zwei Beispiele – eins aus der Bibel, das andere aus der Geschichte – werden oft als paradigmatisch für die religiöse Gewalt zitiert, die sowohl dem Judentum als auch dem Christentum inne wohnt und gewöhnlich die Diskussion beendet, ob der Islam in Bezug auf seine Lehren und Gewalt einzigartig ist.

Das erste ist die militärische Eroberung des Landes Kanaan durch die Hebräer (ca. 1200 v.Chr.), die zunehmend als „Völkermord“ charakterisiert wird. Yahweh sagte Moses:

Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken, nämlich an den Hetitern, Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, damit sie euch nicht lehren, all die Greuel zu tun, die sie im Dienst ihrer Götter treiben, und ihr euch so versündigt an dem HERRN, eurem Gott. (5. Mose 20,16-18)

So schlug Josua [der Nachfolger Moses] das ganze Land, das Gebirge, das Südland, die Niederung, die Berghänge und all ihre Könige: er ließ keinen Entronnenen übrig. An allem Lebenden vollstreckte er den Bann, wie der HERR, der Gott Israels, geboten hatte.

Das zweite Beispiel dreht sich um die Kriege der Kreuzzüge, die von den mittelalterlichen europäischen Christen geführt wurden. Wohl waren die Kreuzzüge waren „Gegenangriffe“ auf den Islam – nicht ein unprovozierter Angriff, wie es oft durch revisionistische Geschichtsschreibung dargestellt wird. Ein vereintes Christentum versuchte, das Heilige Land von Jerusalem zu annektieren, das vor seiner Eroberung durch den Islam im 7. Jahrhundert seit 400 Jahren integraler Teil des Christentums war.

Darüber hinaus waren muslimische Einfälle und Gräuel gegen Christen in den Jahrzehnten vor Beginn der Kreuzzüge 1096 im Steigen begriffen. 1071 zum Beispiel hatten die seldschukischen Türken die Byzantiner in der Schlüsselschlacht von Manzikert vernichtend geschlagen und praktisch einen großen Teil des byzantinischen Anatolien annektiert (was schließlich den Weg für die Eroberung von Konstantinopel Jahrhunderte später ebnete). Ein paar Jahrzehnte davor schändete und zerstörte der Fatimiden-Kalif al-Hakim eine Reihe wichtiger Kirchen – so die Kirche St. Markus in Ägypten und die Auferstehungskirche in Jerusalem – und erließ mehrere – noch mehr als normal – unterdrückerische Anordnungen gegen Christen und Juden. Es ist dieser Hintergrund, vor dem Papst Urban zu den Kreuzzügen aufrief:

Aus den Grenzen Jerusalems und der Stadt Konstantinopel ist eine fürchterliche Botschaft gekommen und ist sehr regelmäßig vor unsere Ohren gebracht worden, nämlich dass eine Rasse aus dem Königreich der Perser [d.h. Muslime, Türken]… die Länder der Christen erobert hat und sie mit dem Schwert, Plünderung und Feuer entvölkert hat; sie hat einen Teil der Gefangenen in ihr eigenes Land weggeführt und einen Teil hat sie durch grausame Folter vernichtet; sie hat die Kirchen Gottes entweder zerstört oder sie für die Riten ihrer eigenen Religion verwendet (aus den Chroniken des Mönchs Robert).

Dennoch attestiert die Geschichte, dass die Kreuzzüge gewalttätig und blutig waren. Nach dem Durchbruch durch die Stadtmauern Jerusalems im Jahr 1099 schlachteten die Kreuzfahrer wahllos jeden einzelnen Einwohner der Heiligen Stadt ab. Die mittelalterliche Chronik Gesta Danorum schreibt:

„Das Schlachten war so groß, dass unsere Männer bis zu den Knöcheln in Blut wateten.“

Darüber hinaus ist da noch Plünderung Konstantinopels, bei der Kreuzfahrer Christen erschlugen.

Angesichts dessen – ein erstklassiges Beispiel „hebräischer“ Gewalt aus der Bibel, das andere aus der christlichen Geschichte: Warum sollte der Islam die einzige Religion sein, die immer als intrinsisch gewalttätig charakterisiert wird, einfach weil sein heiliges Buch und seine Geschichte auch Gewalt beinhalten? Warum sollten Nichtmuslime immer auf den Koran und alte Geschichte als Beweise für die Gewalttätigkeit des Islam deuten, während sie nie in ihre eigenen Schriften und Geschichte sehen?

Vermischung von Theologie und Geschichte

Solche Fragen sind zwar beliebt, aber sie enthüllen ein großes Durcheinander von Geschichte und Theologie, von zeitweisem Handeln von Menschen und was als die unveränderlichen Worte Gottes angenommen werden. Der fundamentale Fehler besteht darin, dass die jüdisch-christliche Geschichte – die gewalttätig ist – mit islamischer Theologie vermischt wird – mit Geboten der Gewalttätigkeit. Natürlich haben alle Religionen ihren Anteil an Gewalt und Intoleranz gegenüber „anderen“ gehabt. Ob diese Gewalt von Gott angeordnet ist oder ob kriegerische Männer sich es so wünschten, ist die alles entscheidende Frage.

Die Gewalt im Alten Testament ist so ein interessanter Fall. Yahweh befahl den Hebräern klar, die Kanaaniter und die sie umgebenden Völker zu vernichten. Solche Gewalt ist daher ein Ausdruck des Willens Gottes, zum Guten oder zum Schlechten. Unabhängig davon ist alle von den Hebräern verübte und im Alten Testament begangene historische Gewalt genau das – Geschichte. Es geschah; Gott hatte es befohlen. Aber es ging dabei um eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort und richtete sich gegen ein bestimmtes Volk. Zu keiner Zeit ging diese Gewalt über in ein standardisiertes oder kodifiziertes jüdisches Gesetz (z.B. die Halakha).

Der Unterschied zum Islam

Hier wird die islamische Gewalt einzigartig. Obwohl ähnlich der Gewalt des Alten Testaments – befohlen von Gott und manifestiert in der Geschichte – sind gewisse Aspekte islamischer Gewalt im islamischen Gesetz (u.a. der Scharia) standardisiert worden und gelten zu allen Zeiten. So ist die im Koran zu findende Gewalt tatsächlich historisch, seine endgültige Bedeutung ist theologisch oder, genauer gesagt, dogmatisch. Dazu sollte man sich die folgende Koranverse ansehen, die besser als „Schwert-Verse“ bekannt sind:

Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten [d.h. sich dem Islam unterwerfen], dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig. (Sure 9,5)

Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und an den Jüngsten Tag glauben, und die das nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter [d.h. die nicht dem islamischen Gesetz folgen] für verboten erklärt haben, und die nicht dem wahren Glauben [d.h. dem Islam] folgen – von denen, die die Schrift erhalten haben, bis sie eigenhändig den Tribut in voller Unterwerfung entrichten. (Sure 5,29)

Wie bei den Versen des Alten Testaments, wo Yahweh den Hebräern befahl, ihre Nachbarn anzugreifen und zu töten, haben auch die Schwert-Verse einen historischen Kontext. Allah gab diese Befehle erstmals, nachdem die Muslime unter Mohammeds Führung stark genug geworden waren, um ihre christlichen und heidnischen Nachbarn anzugreifen. Aber anders als die kriegerischen Verse und Erzählungen des Alten Testaments wurden die Schwert-Verse für die folgenden Beziehungen zu beiden „Völkern des Buches“ (d.h. die Christen und Juden) und die „Heiden“ (d.h. Hindus, Buddhisten, Animisten, usw.) fundamental. Zum Beispiel verlangt das islamische Gesetz aufgrund von Sure 9,5, dass Heiden und Polytheisten entweder zum Islam übertreten oder getötet werden müssen, während Sure 9,29 die Hauptquelle für die gut bekannten diskriminierenden Praktiken gegenüber Christen und Juden ist.

Fakt ist, dass auf Grundlage der Schwert-Verse (wie auch zahlloser andere Koranverse und mündlichen Traditionen, die Mohammed zugeschrieben werden), alle islamischen Gelehrten, Scheiks, Muftis, Imame und Gadis aller Zeitalter Konsens gefunden haben – was für die gesamte muslimische Gemeinschaft bindend ist –, dass der Islam sich in immerwährendem Krieg mit der nicht muslimischen Welt befindet, bis erstere sich die letztere unterordnet. (Es wird weithin von muslimischen Gelehrten die Meinung vertreten, dass, da die Schwert-Verse zu den letzten Offenbarungen zum Thema der Beziehung des Islam zu Nichtmuslimen gehören, sie allein etwa 200 der früheren und toleranteren Koranverse aufheben, so auch „Es gibt keinen Zwang im Glauben“; Sure 2,256.) Der berühmte muslimische Gelehrte Ibn Khaldun, der im Westen für seine „progressiven“ Einsichten verehrt wird, legt die Vorstellung ab, dass Jihad „defenisve“ Kriegsführung sei:

In der muslimischen Gemeinschaft ist der heilige Krieg [d.h. der Jihad] eine religiöse Pflicht, wegen des Universalismus de muslimischen Auftrags und der Verpflichtung jedermann zum Islam zu bekehren, entweder durch Überzeugung oder durch Gewalt… Die andere Religionsgruppen hatten keinen universalen Auftrag und der heilige Krieg war für sie keine religiöse Pflicht, sondern nur zu Verteidigungszwecken sicher… Von ihnen wird nur verlangt ihre Religion unter ihrem eigenen Volk zu etablieren. Das ist der Grund, dass die Israeliten nach Moses und Josua sich nicht um eine königliche Autorität kümmerten [z.B. ein „Kalifat“]. Sie kümmerten sich ausschließlich um die Einrichtung ihrer Religion [statt sie in die Nationen zu verbreiten]… Aber der Islam hat die Verpflichtung die Macht über andere Nationen zu gewinnen (Muqudimmah, Band 1, S. 473).

Überschreiten von Zeit und Raum

Das vielleicht Einzigartige an den Schwert-Versen ist die Tatsache, dass sie sich, wenn man sie ihren Gegenstücken im Alten Testament gegenüber stellt, besonders dadurch unterscheiden, dass sie eine Sprache benutzen, die Zeit und Raum überschreiten und heute nicht weniger als früher die Gläubigen aufstacheln, nicht-Gläubige anzugreifen und zu töten. Jahweh gebot den Hebräern, die Hethiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiviten und Jebusiten zu töten – alles bestimmte Völker, die in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort verwurzelt waren. Zu keiner Zeit gab Jahweh den Hebräern ein Gebot mit offenem Ende, an das auch ihre Nachfahren, die Juden, gebunden waren, Nichtjuden zu töten. Andererseits: Obwohl die ursprünglichen Feinde des Islam, wie das Judentum, historische (d.h. christliche Byzantiner und heidnische Perser), hebt der Koran sie selten mit ihren richtigen Namen heraus. Statt dessen wurden die Muslime (und werden es weiter) angewiesen, die Völker des Buches zu bekämpfen – „bis sie den Tribut in williger Unterwerfung zahlen und sich vollkommen unterdrückt fühlen“ (Koran, Sure 9,29) und „die Heiden zu töten, wo immer ihr sie findet“ (Sure 9,5).

Die beiden Konjunktionen „bis“ (hata) und „wo immer“ (haythu) demonstrieren die immerwährende und allgegenwärtige Natur dieser Gebote: Es gibt immer noch „Völker des Buchs“, die noch „vollkommen unterdrückt“ werden müssen (besonders in Nord- und Südamerika, Europa und Israel) und „Heiden“, die getötet werden müssen „wohin immer“ man sieht (besonders in Asien und dem Afrika südlich der Sahara). Fakt ist, dass das herausragende Merkmal fast aller gewalttätigen Gebote in den islamischen Schriften ihr offenes Ende und ihre generelle Natur:

„Und kämpft gegen sie, damit keine Verführung mehr stattfinden kann und (kämpft,) bis sämtliche Verehrung auf Allah allein gerichtet ist.“ (Sure 8,39)

Außerdem erklärt Mohammed in einer gut bezeugten Tradition, die in der authentischsten Hadith-Sammlung auftaucht:

Mir wurde geboten Krieg gegen die Menschheit zu führen, bis sie bezeugen, dass es keinen Gott außer Allah gibt und das Mohammed der Botschafter Allahs ist; und dass sie das Niederwerfungsgebet etablieren und die Almosensteuer zahlen [d.h. zum Islam konvertieren]. Wenn sie das tun, sind ihr Blut und ihr Eigentum geschützt [Sahih Muslim C9B1N31; ebenfalls Sahih Bukhar B2N24).

Abgesehen von den göttlichen Worten des Koran, ist Mohammeds Verhaltensmuster – seine „Sunna“ oder sein „Beispiel“ – eine extrem wichtige Quelle der Gesetzgebung im Islam. Muslime sind ermahnt Mohammed in allen Lebenslagen nachzueifern:

„Wahrlich, ihr habt an dem Gesandten Allahs ein schönes Vorbild für jeden“ [wie er sich verhalten soll] (Sure 33,21).

Und Mohammeds Verhaltensmuster vis-à-vis den Nichtmuslimen ist ziemlich deutlich. Sarkastisch gegen das Konzept des „moderaten“ Islam argumentierend stellt der Terrorist Osama bin Laden, der sich der Unterstützung der halben arabisch-islamischen Welt per Umfrage von Al-Jazira erfreut, die Sunna des Propheten folgendermaßen dar:

„Moderatheit“ wird von unserem Propheten demonstriert, der nicht mehr als drei Monate in Medina blieb, ohne einen Raubzug durchzuführen oder ohne einen Raubtrupp ins Land der Ungläubigen auszuschicken, um ihre Festungen niederzuschlagen und ihren Besitz, ihr Leben und ihre Frauen einzunehmen“ (aus dem Al-Qaida Reader, S. 56).

Fakt ist, dass die Ausraubung und Plünderung der Ungläubigen, die Versklavung ihrer Kinder und ihre Frauen ins Konkubinat zu verbringen, mit dem Koran und Mohammeds Sunna gut begründet ist (z.B. Sure 4,24; 4,92; 8,69; 24,33; 33,50 usw.). Und das Konzept der „Sunna“ – wonach 90% der mehr als eine Milliarde Muslime, die „Sunniten“ benannt sind – sagt im wesentlichen, dass alles, was von Mohammed und seinen frühen Gefährten ausgeübt oder genehmigt wurde, für die Muslime heute nicht weniger als früher anwendbar ist.

Das heißt nicht, dass Muslime massenhaft wilde Hedonisten sind, die nur dafür leben zu plündern und zu vergewaltigen. Aber es bedeutet, dass diese speziellen Personen, die von Natur aus zu solchen Aktivitäten neigen und zufällig noch Muslime sind, recht einfach ihr Tun rechtfertigen können – und das tun – indem sie auf die „sunna des Propheten“ verweisen – so, wie die Al-Qaida beispielsweise ihre Anschläge vom 9/11 rechtfertigt, bei denen Unschuldige, einschließlich Frauen und Kindern, getötet wurden: Mohammed autorisierte seine Anhänger während der Belagerung der Stadt Taif im Jahr 630 n.Chr. Katapulte zu benutzen, obwohl ihm bewusst war, dass Frauen und Kinder dort Schutz suchten. Vom Propheten wird auch berichtet, dass er, als er gefragt wurde, ob es erlaubt sei nächtliche Raubzüge zu beginnen oder Feuer an den Befestigungen von Ungläubigen zu legen, wenn Frauen und Kinder sich darunter befanden, antwortete: „Sie sind von ihnen“ (Sahih Muslim B19N4321).

Was machen Juden und Christen anders?

Das Judentum dreht sich zwar um das Gesetz und ist legalistisch, aber es hat keine Entsprechung zur Sunna; die Worte und Taten der Patriarchen, obwohl im Alten Testament aufgezeichnet, gingen nie dazu über Teil des jüdischen Gesetzes zu sein. Weder Abrahams „weiße Lügen“ noch Jakobs Tücke oder das Aufbrausen Moses, auch nicht Davids Ehebruch und nicht Salomos Herumpoussieren wurden zu Anweisungen für Juden oder Christen. Sie wurden lediglich als historische Taten begriffen, die von fehlbaren Männern begangen wurden, die oft von Gott für ihr nicht gerade ideales Verhalten bestraft wurden.

Was das Christentum angeht, so wurde ein großer Teil des Alten Testaments von Jesus aufgehoben. „Auge um Auge“ machte „halte die andere Wange hin“ Platz. Gott von ganzem Herzen zu lieben und seinen Nächsten auch, wurde das oberste Gesetz (Matth. 22,38-40). Darüber hinaus wird die „Sunna“ Jesu – wie in „Was würde Jesus tun?“ – wird von Nächstenliebe charakterisiert. Das Neue Testament beinhalten absolut keinerlei Aufforderungen zu Gewalttätigkeit.

Dennoch gibt es einige, die Jesus als mit einem ähnlich militanten Ethos wie Mohammed versehen darstellen wollen, indem sie Verse zitieren, in denen Jesus – „Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er nichts zu ihnen“ (Matth. 13,34) – sagte:

„Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Matth. 10,34).

Aber durch den Kontext dieser Äußerung wird klar, dass Jesus nicht Gewalt gegen Nichtchristen befahl, sondern voraussagte, dass es oft Konflikte zwischen christlichen Konvertiten und ihrer Umwelt geben würde – eine Voraussage, die nur allzu wahr wurde, als die frühen Christen, weit davon entfernt das Schwert aufzunehmen, passiv als Märtyrer durch das Schwert umkamen. Wie kann man irgendwie diesen Vers des Neuen Testaments, der das Wort „Schwert“ metaphorisch erwähnt, ehrlich mit den buchstäblich hunderten koranischer Verfügungen und Äußerungen Mohammeds gleichsetzen, der den Muslimen eindeutig befiehlt, gegen Nichtmuslime ein sehr reales Schwert zu ergreifen?

Und von hier aus kann man die Kreuzzüge am besten einschätzen. Wie immer man diese Kriege interpretiert – als offensiv oder defensiv, gerecht oder ungerecht – es ist offensichtlich, dass sie nicht auf der Grundlage der „Sunna“ von Jesus erfolgten, der seine Anhänger ermahnte:

„Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen (segnet die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen und verfolgen).“ (Matth. 5,44)

In Wirklichkeit helfen die Kreuzzüge – weit davon entfernt, irgendetwas dem Christentum Innewohnendes nahezulegen – den Islam besser zu erklären. Denn was die Kreuzzüge ein für allemal aufzeigen, ist, dass, unabhängig von religiöser Lehre – und im Fall dieser so genannten „christlichen“ Kreuzzüge, trotz dieser – der Mensch für Gewalt und Intoleranz empfänglich ist. Das provoziert allerdings eine Frage: Wenn die Christen sich so verhielten – denen geboten ist ihre Feinde zu lieben, zu segnen und ihnen Gutes zu tun, die sie hassen, verfluchen und verfolgen – wie viel mehr kann man von Muslimen erwarten, die, während sie dieselben gewalttätigen Tendenzen teilen, von dem Gebot ihrer Gottheit noch bestärkt werden, die nicht Gläubigen anzugreifen, zu töten und auszuplündern?

via und Dank an heplev

Kambodscha – der Holocaust der Roten Khmer

Der Umgang mit dem Begriff „Holocaust“ ist zu Recht ein sehr sensibler. Zu oft wird er durch die Bezeichnung weitaus geringerer Vergehen verwässert.

Darf man also im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Kambodscha von 1975 – 1979 von einem Holocaust reden? Ja, man darf:

… Alle waren sie Teil eines geheimen, selbst der Mehrheit der Roten Khmer unbekannten Plans: Kambodscha sollte innerhalb kürzester Frist in eine maoistische, bauerngeführte Agrarkooperative umgewandelt werden, in eine klassenlose, “ideale kommunistische Gesellschaft. Das offizielle historische Ziel war ein Land ohne entfremdende Ballungszentren mit gleichmäßig bewohnten Kommunen von jeweils 1000 Menschen.

… Ein Offizier der Roten Khmer sagte öffentlich:

“ Im neuen Kambodscha brauchen wir für die Fortsetzung der Revolution nicht mehr als eine Million Menschen. Die anderen brauchen wir nicht. Es ist uns lieber, wir bringen zehn Freunde um, als dass wir einen Feind am Leben lassen.”

Leiter des Gefängnisses war ein gewisser Khang Khekleu, genannt Deuch, damals ein Mittdreißiger. Er war wie Pol Pot ehemaliger Lehrer, ausgebildet an der Sorbonne in Paris. Auch die meisten der Verhörspezialisten von S 21 waren ehemalige Lehrer.  …

Ergänzung aus idea.de: Der
heute 66-jährige Kaing Guek Eav, genannt Duch, bekennt sich zu seinem Untaten als Leiter eines Foltergefängnisses. Durch seinen Anwalt bat er seine Opfer um Vergebung. Er leitete während der Herrschaft der kommunistischen Bewegung von 1975 bis 1979 das berüchtigte Verhörzentrum Tuol Sleng in Phnom Penh. Dort wurden rund 16.000 Personen zunächst gefoltert und danach umgebracht. Insgesamt fielen dem Regime etwa 1,7 Millionen Kambodschaner zum Opfer. Duch war 1995 von dem kanadischen Missionar Christopher LaPel in Kambodscha zum Glauben an Jesus Christus geführt und getauft worden. LaPels Eltern und zwei Geschwister wurden von den Roten Khmer umgebracht. Seit seiner Bekehrung arbeitete Duch anonym für westliche Hilfsorganisationen im Westen Kambodschas. Er sagte bereits vor zehn Jahren gegenüber Reportern, seine Untaten täten ihm von Herzen leid, und er sei bereit, sich der Justiz zu stellen: „Ich habe viele schlimme Dinge getan; jetzt muss ich dafür geradestehen.“

Den gesamten Text findet man unter Die Achse des Guten: Killing Fields