• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
    Carlo Schmid (1949)

    Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
    Friedrich Hebbel

  • Stop the bomb

  • Neueste Kommentare

    strafjustiz bei Christenverfolgung in Zahlen,…
    Kopfgeld bei Semitismus
    Lepid Optera bei Israel Ende des 19. Jahrh…
    Bertrand bei Israel ist ein Schurkenst…
    Johannes bei Israel ist ein Schurkenst…
  • alle Artikel

  • Archive

  • Kategorien

  • Twitter Updates

  • Blog Statistik

    • 228.563 Besucher
  • Werbeanzeigen

Gefährliche Diaspora

Judenverfolgung im Jemen

Von Martin Gehlen

Noch ein kurzer Wink, dann wendet Said Annahrdi sein Motorrad und knattert davon. Seine beiden schwarzen Schläfenlocken schaukeln im Wind, während er eine kleine Staubwolke hinter sich herzieht. Annahrdi muss zurück in seine Schneiderwerkstatt. Mit seiner Frau und zehn Kindern lebt der 42-Jährige in Raydah, einem Provinzstädtchen 50 Kilometer nördlich von Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. Said Annahrdi ist Jude. Seine Vorfahren leben seit Jahrhunderten hier, sein Haus steht mitten im Ort, seine Kunden schätzen ihn. Nie hätte er sich träumen lassen, mal von Raydah wegzugehen, „aber ständig Angst zu haben – das ist kein Leben mehr“, sagt er.

Zwanzig jüdische Familien sind hier noch ansässig, 266 Menschen alles in allem. Einige leben im Zentrum von Raydah, die anderen ein paar Kilometer östlich in der Siedlung Beth Harash. Es sind die beiden verbliebenen Wohnorte von Juden im Jemen. Die dritte Gemeinde musste vor zwei Jahren aus der Saada-Provinz im Norden evakuiert und in die Hauptstadt gebracht werden, nachdem schiitische Houthi-Rebellen sie mit dem Tod bedroht hatten. In diesem Gebiet herrscht seit Jahren Bürgerkrieg. Erst kürzlich wurden neun Ausländer entführt, zwei deutsche Frauen und ein Koreanerin kurze Zeit später ermordet aufgefunden. Für die übrigen sechs Gekidnappten – darunter drei Kinder – gibt es vielleicht noch Hoffnung.

Silberschmiede hinter Mauern
Seit 2007 leben die 65 Juden aus Saada in der so genannten Tourist City, einem mit hohen Mauern gesicherten Apartmentkomplex für Ausländer direkt neben der US-amerikanischen Botschaft in Sanaa. Die meisten Männer sind Silberschmiede. Manch älterer muslimischer Handwerker in der historischen Altstadt von Sanaa hat noch bei Juden gelernt. Jetzt will die deutsche Botschaft den hier gestrandeten Meistern helfen und für sie im Silbersouk einen Laden anmieten.

Seit mehr als 2500 Jahren leben Juden in Jemen, vielleicht reichen die Wurzeln sogar zurück bis in die Zeit von König Salomon, als jüdische Händler sich im Süden der arabischen Halbinsel niederließen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es jüdische Gemeinden in allen wichtigen Städten des Landes. Der erste große Exodus erfolgte 1949, als unter dem Decknamen „Operation fliegender Teppich“ etwa 50.000 Menschen nach Israel ausgeflogen wurden. Seitdem hält die Auswanderung an. „Wenn jetzt noch die letzten Juden weggehen, dann wird das der Welt sagen, dass es im Jemen keinen Raum für Toleranz gibt, und dass wir nicht mehr mit Menschen anderen Glaubens zusammenleben können“, fürchtet Mahmoud Taha, ein muslimischer Menschenrechtsaktivist.

An der Hauptstraße von Raydah reihen sich graue Kastenbauten aus Zementziegeln aneinander. Die Synagoge, ein bescheidener Flachbau aus groben Steinen, liegt hinter einem grünen Eisentor mit der hebräischen Aufschrift „Das Tor zum Segen“. In den Teehäusern hocken Halbwüchsige, Kalaschnikows zwischen den Beinen. Aus einem alten, gelben US-Schulbus quellen lärmende Kinder. Das Tal, von wuchtigen Gebirgsketten umgeben, ist hier ungewöhnlich breit, grün und fruchtbar. Manche Bauern pflügen noch mit Ochsengespannen, andere tuckern mit alten Traktoren über die Feldwege zu ihren Kartoffeläckern.

Vor Jahresfrist war die Welt in der jüdischen Diaspora noch in Ordnung. Erst nach dem Mord an Mousa Yaish al-Nahari bekamen die jüdischen Bewohner es mit der Angst. Es war kurz vor Weihnachten. Al-Nahari, 39, kaufte gerade auf dem Gemüsemarkt ein, als sich plötzlich ein Mann vor ihm aufbaute und eine Maschinenpistole auf ihn anlegte. „Jude, hier die Botschaft des Islam für dich“, rief er und jagte al-Nahari mehrere Kugeln in den Leib. Der Vater von vier Söhnen und fünf Töchtern im Alter von ein bis 14 Jahren war sofort tot.

Die Familie besitzt ein zweistöckiges Haus am Ortseingang mit auffällig blau getönten Bogenfenstern. Der kleine Laden im Erdgeschoss ist an einen Lebensmittelhändler verpachtet, die Wände sind mit arabischen Graffiti beschmiert. Die drei ältesten Mädchen der Familie leben inzwischen bei Verwandten in Israel. „Es geht es uns sehr schlecht“, sagt der Sassa, der älteste Sohn, während er mit einem Fuß verlegen im Boden herumstochert.

Nach dem Mord kam im Januar der Gazakrieg. Im Städtchen saßen die Menschen vor dem Fernseher , schauten Al Dschasira – und begannen, die jüdischen Nachbarn zu beschimpfen. „Schaut nur, was Eure Brüder aus Israel machen“, riefen sie. Steine flogen, Fensterscheiben gingen zu Bruch, auf einem Hof explodierte nachts eine Handgranate.

„Wir tun, was wir können, um die Täter zu finden“, sagt Bürgermeister Abdullah Shleif. Man merkt ihm an bei dem Gespräch im Haus von Rabbi Suleiman Jacob, dass er die jüdischen Bürger nicht verlieren möchte. Mal hält er die Hand des 41-jährigen Rabbis, der neben ihm auf dem Boden sitzt, mal tauscht er freundliche Blicke mit den Kindern, die mit großen Augen dem Gespräch der Erwachsenen lauschen.

„Natürlich mache ich mir Sorgen“, sagt der Bürgermeister. Die Mehrheit der Bevölkerung akzeptiere die jüdische Gemeinde. Doch wie überall auf der Welt gebe es unter den Leuten „solche und solche“. Nur Verrückte unterschieden zwischen einem Muslim und einem Juden. Sie seien „eine kleine Minderheit, und um die kümmern wir uns“.

Auf die Scharia berufen
Das sieht die Yemen Human Rights Observatory anders. Viel zu spät habe die Polizei durchgegriffen, sagen die Menschenrechtler. Zwar seien einige der meist jugendlichen Täter festgenommen worden, aber dann habe man nie wieder etwas gehört.

„Inzwischen hat sich die Situation etwas entspannt“, sagt Schneider Annahrdi. „Heute kann ich mich wieder normal durch die Stadt bewegen.“ Auch die jüdische Gemeinde tut nach seinen Worten alles, damit sich die Lage nicht hochschaukelt. „Wir nehmen die Angriffe hin und wehren uns nicht, damit es ruhig bleibt“, sagt er. Doch das mulmige Gefühl will nicht weichen. „Ist nicht mehr so toll hier“, murmelt der Tischler Suleiman Yahia Daoud Hamdi, während er auf dem Boden hockend in einer Tüte mit Qat-Blättern herumfistelt, der Volksdroge Nummer eins im Jemen. Jeden Zweig schlägt er zwei, dreimal auf die linke Hand, dann beginnt er die Blättchen einzeln abzuzupfen und in die Backe zu stopfen. So machen es hier viele nach der Mittagszeit. „Katten“ ist überwiegend Männersache. Vier, fünf Stunden sitzt man beieinander, kaut vor sich hin und löst die Probleme der Welt und der Nachbarschaft.

Das einfache Haus von Hamdi steht direkt unterhalb der verfallenen Bergfestung. „Die Salafiten werden immer stärker“, nuschelt er mit voller Backe. Islamische Fanatiker hetzten die Bevölkerung auf, und

„wir baden das aus. Wenn wir zur Polizei gehen und uns beschweren, zucken die nur mit den Schultern. Sie sagen, sie werden sich kümmern – aber alles nur Gerede.“

Während Yaish Al-Nahari, 64, vom Mord an seinem Sohn erzählt, laufen ihm die Tränen übers Gesicht. Fünf Jahre Haft für den Täter und 27 500 Dollar Blutgeld für die Familie des Getöteten lautete das Urteil. Für Vater und Ehefrau, ihren muslimischen Anwalt und die jüdische Gemeinde ein Skandal, gegen den sie Berufung einlegten. Der Angeklagte, ein offenbar geistesgestörter ehemaliger jemenitischer Kampfpilot, hatte bereits vor fünf Jahren seine eigene Frau umgebracht. Er blieb jedoch auf freiem Fuß – und suchte sich sein nächstes Opfer.

„Wenn das Urteil nicht nach der Scharia erfolgt, werde ich das Land verlassen“, sagt Yaish Al-Nahari. Ende Juni verurteilte das Berufungsgericht in der Provinzhauptstadt Amran den Mörder zum Tode.

via fr-online

Werbeanzeigen

Was ist die Scharia und was hat sie mit uns zu tun?

Interview mit Christine Schirrmacher aus Anlass des Erscheinens ihres Buches in der Reihe „Hänssler kurz und bündig“

BQ (Bonner Querschnitte): „Die Scharia“ „kurz und bündig“ in 2 Stunden! Können Sie uns auch in 2 Sätzen sagen, was die Scharia ist?

Christine Schirrmacher: Unter der Scharia versteht man die mit dem Islam begründeten Regeln für die Religion (Gebet, Fasten, Feste, Wallfahrt, Almosen), für Ehe und Familie (Ehe- und Erbrecht), für das Strafrecht und den öffentlichen Raum, also die Politik. Die Grundlagen der Scharia finden sich im Koran, in der islamischen Überlieferung (den Berichten über Muhammad und seine Gefährten) und in den Auslegungen von Theologen und Juristen der ersten islamischen Jahrhunderte – sie sind aber nie in einem einzigen Buch gesammelt worden. Die Scharia muss deshalb immer wieder interpretiert werden, das macht sie flexibel. Ihre Entstehung im 7.-10. Jahrhundert und ihre Unantastbarkeit als göttliches Gesetz macht eine grundsätzliche Kritik jedoch sehr schwer.

BQ: In welchen Ländern spielt die Scharia denn eine große Rolle?

CS: Vor allem dort, wo sich einzelne Länder allein auf die Scharia als Gesetzesgrundlage berufen, wie z. B. Pakistan, Jemen, Iran, Sudan. Das bedeutet nicht, dass sie dort auch ganz umgesetzt würde – das ist höchstens zu Teilen der Fall. Aber sie prägt dort und zu Teilen auch in anderen Ländern das Rechtsdenken der Bevölkerung.

Auch alle anderen islamisch geprägten Länder berufen sich auf die Scharia als eine ihrer Gesetzesgrundlagen; eine Ausnahme ist lediglich die Türkei, wo Kemal Atatürk im Zuge der Gründung der türkischen Republik 1923/1924 die Scharia offiziell abschaffte.

BQ: Ein religiöses Gesetz? Was hat das denn mit Politik zu tun?

CS: Religion und Gesetz sind im Islam eng miteinander verzahnt. Dies war schon bei Muhammad der Fall, der zugleich religiöser Führer und Gesetzgeber, aber auch Heerführer seiner ersten Gemeinde war. Die Erb-, Ehe- und Strafgesetze, die er erließ, begründete er mit der Religion des Islam, also göttlichen Vorschriften. Auch wenn diese Gesetze später von Juristen und Theologen unterschiedlich interpretiert wurden, bleibt doch die eigentliche Begründung der Scharia eine religiöse. Weil es sich nach muslimischer Überzeugung um das Gesetz Allahs handelt, darf es nie offiziell hinterfragt, geändert oder kritisiert werden.

BQ: Warum sollte sich ein Deutscher mit der Scharia beschäftigen. Ist das nicht ein fernes Problem?

CS: Schon lange nicht mehr. Zum einen prägt auch hier die Scharia das Rechtsdenken vieler Muslime, ist ihr ideeller Bezugspunkt für ein Leben in einer erstrebenswerten „gerechten“ Gesellschaft, die nach göttlichen Maßstäben organisiert wäre anstatt nach den weltlichen, von Menschen erdachten Richtlinien der Demokratie.

Auch hierzulande propagieren manche muslimischen Gruppen, dass die Scharia das einzige gerechte System auf Erden ist und allen Menschen Frieden bringen würde, wäre sie nur erst überall eingeführt. Die Scharia steht jedoch mit ihrem rigiden Strafrecht (Amputation, Auspeitschung, Steinigung, Wiedervergeltung) den Menschen- und Freiheitsrechten der UN-Menschenrechtserklärung und damit den Grundlagen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung entgegen. Ebenso ist die in der Scharia verankerte rechtliche Benachteiligung der Frau im Erb- und Eherecht und die Verurteilung des vom Islam „Abgefallenen“ zum Tode noch nicht einmal als rein theoretischer Anspruch akzeptabel, auch wenn es in islamischen Ländern kaum je Gerichtsprozesse wegen Apostasie gibt (dafür kommen aber Konvertiten manchmal durch Selbstjustiz der Familie oder Gesellschaft um). In Deutschland wurde in der Vergangenheit bei einzelnen Prozessen ein nicht-europäisches Rechtsempfinden aufgrund des kulturellen Hintergrundes eines Täters aus einem nahöstlichen Kulturkreis (z. B. im Falle von Ehrenmord oder ehelicher Misshandlung) als mildernder Umstand gewertet – m. E. ein nicht zu rechtfertigendes Zugeständnis an Scharianormen in Deutschland, wo Recht und Gesetz gleichermaßen für alle Menschen gelten muss.

Täter und Opfer

Zwei junge deutsche Christinnen sind im Jemen ermordet worden. Doch statt sich über Christenverfolgung in islamischen Ländern zu beklagen, wird über die Naivität bibeltreuer Missionare gelästert.

Zwei junge deutsche Christinnen, die in einem Krankenhaus im Jemen arbeiteten, wurden ermordet. Sie starben, weil sie das Wort Gottes weitertrugen. Ihr Schicksal reiht sich ein in das von rund 200 Millionen Christen in mehr als 60 Ländern weltweit, die diskriminiert, gefoltert, hingerichtet werden. Etwa 80 Prozent aller Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, sind Christen. Das Christentum ist die am übelsten bekämpfte Religion überhaupt. All das verdient es, beklagt und angeprangert zu werden.

Stattdessen mokiert man sich über die Bibeltreue der Frauen, räsoniert über deren Fahrlässigkeit, in ein weitgehend gesetzloses islamisches Land gefahren zu sein, empört sich über den missionarischen Fundamentalismus derer, die sie geschickt haben. Kurzum: Die Opfer sollen selbst schuld sein, die Täter werden als unheilbar dargestellt und in die Verantwortungslosigkeit entlassen. Was kann der Muslim schon dafür, wenn ihn die Bitte eines friedlichen Christen, einmal in der Bibel zu blättern, derart erzürnt, dass er diesem den Kopf abschlägt?

Keiner muss Sympathie mit dem Treiben teils frommer, teils obskurer christlicher Weltbeglücker haben. Aber dass sie dürfen, was sie tun: Zumindest das sollte unstrittig sein.

via tagesspiegel.de

Natürlich haben sich diese Frauen freiwillig entscheiden, in ein gefährliches Land zu gehen. Das tun Frauen, die abends von der Bushaltestelle nach Hause laufen müssen, auch. Und sind sie deshalb selber Schuld? Natürlich nicht. Schuld ist derjenige, der sie überfällt.
Aber so ist das. Für (fast) alles haben gewisse Leute Verständnis, sogar – Landessitten! – für brutale Mörder.
Aber Christen und dann auch noch missionierende Evangelikale, die sind ja mindestens wenn nicht noch gefährlicher als die Mörder aus dem Jemen.

Merkt ihr’s noch?

Die Tragödie der jemenitischen Juden

von Lyn Julius

Die Regierung hält sich raus und lässt zu, dass die Dschihad-Banden die Juden aus dem Jemen vertreiben. Jetzt ist die Gemeinschaft der Juden am Rande der Ausrottung.

Die letzten Juden verlassen den Jemen.  Sie packen ihre Taschen und ziehen nach Israel oder in die USA.  Eine Gemeinschaft aus biblischen Zeiten ist am Rande der Ausrottung. Vor sechzig Jahren lebten eine Million Juden in den arabischen Ländern, aber die Gewalt und die staatlich sanktionierte Diskriminierung, die sie zu zionistischen Spionen machte, zwangen sie alle bis auf 4.000 zu fliehen -, die vor allem noch im Jemen, in Marokko und Tunesien leben.

Die meisten Juden kamen in den 50er Jahren auf dem Luftweg aus dem Jemen nach Israel. Die 400 Übriggebliebenen, die nicht nach Israel wollten, kamen unter den Einfluss der nicht-zionistischen Satmar-Sekte. Einige kamen zurück, nachdem sie einen Geschmack vom Lebens in den USA oder Israel bekommen hatten (die Regierung drückt in der Regel die Augen zu, wenn Juden in den jüdischen Staat reisen). Nun haben sich die Dinge so schlecht entwickelt, dass auch diese Eingefleischten gehen.

Der Mord im Dezember an Moshe al-Nahari, einem 30-jährigen Lehrer in Reda, nördlich der jemenitischen Hauptstadt gelegen, löste diese jüngste Krise aus. Zuerst machten die Behörden geltend, dass der Mörder „geistig gestört“ war. Aber es wurde klar, dass er religiös motiviert war, denn er schrie „Konvertiere oder stirb, Jude!“, als er fünf Kugeln in sein Opfer pumpte. Seit einiger Zeit bedrohen Dschihad-Banden die Juden im Jemen. Mädchen wurden entführt und gezwungen, lokale Stammesangehörige zu heiraten. Vor zwei Jahren wurden 45 Juden, die aus ihrem Dorf al-Salem in Nord-Jemen durch Drohungen von Schiiten (Huthis) vertrieben wurden, in die Hauptstadt Sanaa umgesiedelt.

Jemen ist kaum eine Oase der Ruhe: Es verfügt über mehr Waffen als Menschen. Die Juden sind nicht die einzigen, die in der langen Geschichte der Gesetzlosigkeit und Instabilität zu leiden haben. In letzter Zeit jedoch haben es die Juden besonders schwer.

Juden, Scheiche, Aktivisten und Anwälte sind sich alle einig, dass die Bedrohung ein All-Zeit-Hoch erreicht hat. Nach dem Mord an al-Nahari wurden die Juden in ihren eigenen Häusern belagert und es wurden Benzin-Bomben auf sie geworfen. Moshes Bruder, Rabbi Yahia Ya’ish, appellierte an die Regierung: „Schützt oder lasst uns ausreisen“. Diejenigen, die gerne ausreisen wollten, bekamen ihre Reisepässe nicht, da der Regierungs-Computer auf geheimnisvolle Weise zusammengebrochen war.

Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh verpflichtete sich, die Juden in Sanaa unter seinen Schutz zu nehmen, wo er im Gegensatz zu den ländlichen Gegenden die Kontrolle hat. Manche sagen, die Regierung meint es gut, aber sie ist wirkungslos; andere sagen, dass die versprochene Umsiedlung nie ernst gemeint war. Die Juden sollten in zwei Häuser-Blocks untergebracht werden – zu klein für ihre großen Familien und anfällig für Angriffe. Aber sie konnten noch nicht einmal ihre Häuser in Reda verkaufen, nachdem lokale Imame mögliche Käufer eingeschüchtert hatten.

Das Urteil im Fall des Al-Nahari-Mordes im März war der letzte Strohhalm. Während des Prozesses bedrohte die Familie des Mörders die Verwandten des Opfers. Statt der vorgeschriebenen Todesstrafe ordnete der Richter an, dass die Mörder „Blut-Geld“ zu zahlen haben. Die Juden fühlten sich unsicherer als je zuvor: die Jewish Agency und die US-Regierung wurden tätig und planten eine Rettungs-und Neuansiedlungs-Aktion für die Juden.

Der Journalist Mahmud Taha, der die Geschichte verfolgte, ist nicht verwundert, dass die Juden gehen wollen.

„Es gibt keine andere Möglichkeit für die jemenitischen Juden als zu emigrieren. Die lokalen Behörden haben es versäumt, sie zu schützen … Die Juden haben es satt und sind in einer unerträglichen Situation“, sagte er.

Mansour Hayel, ein muslimischer Menschenrechtsaktivist und jemenitischer Juden-Experte, gibt die Schuld der Regierung:

„Im Jemen gibt es kaum eine Predigt in einer Moschee, die frei von Fanatismus ist. Selbst die politische Rhetorik der Regierung drängt die Juden an den Rand und die Zivilgesellschaft ist zu schwach, um sie zu schützen“, sagt er.

Vielleicht, weil sie verstehen, dass die Toleranz gegenüber Minderheiten der Schlüssel zur Stärkung der Zivilgesellschaft im Jemen ist, verteidigen Jemens Menschenrechtsaktivisten jüdische Rechte energisch. Sie wollen, dass die Medien anfangen, Demokratie und Toleranz zu fördern;  gleiche Bürgerrechte für Juden, die diskriminierende Steuern zahlen und – da sie Dhimmis sind – unter verschiedenen Benachteiligungen des Scharia-Rechts leiden. Aber die Juden, deren Leben in Gefahr sind, sind kaum lange genug zu halten, damit sie sehen, wie solche Reformen umgesetzt werden.

Die Lehre, die man aus dem endgültigen Exodus der Juden aus dem Jemen zieht, ist, dass die arabische Welt noch nicht einmal nicht-zionistische Juden toleriert. Es gibt keine Zukunft für den kläglichen Rest in den arabischen Ländern, wenn ihre Sicherheit nicht garantiert werden kann.

In Marokko, wo die jüdische Exil-Gemeinde am größten ist, haben die Juden die Sympathie des Königs traditionell mit überwältigender Loyalität zurückgezahlt. Aber der König von Marokko war nicht in der Lage oder nicht willens zu verhindern, dass 260.000 Juden angesichts steigendem Antisemitismus in den 60er Jahren, Medienhetze und erzwungenen Konversionen geflohen sind.

Selbst wohlwollende Herrscher waren machtlos, die Flut von antijüdischem Hass, der in der arabischen Welt aufbrandete, einzudämmen.  Nur wenige Araber werden jemals einen Juden in ihrem Leben persönlich treffen und die Leichtgläubigen glauben der Dämonisierung und den Verschwörungstheorien, die in ihren Medien verbreitet werden.

Kein Wunder, dass die Juden offizielle Einladungen zur Rückkehr, um wieder in ihren Geburtsländern zu leben, verschmäht haben. Juden besuchen sie als Touristen, aber nur wenige sehen ihre Zukunft in diesen Ländern. In Tunesien und Marokko hat al-Qaida in den Jahren 2002 und 2003 gezielt Juden ins Visier genommen. Im April versetzte die Ermordung eines Juden in Casablanca die Gemeinschaft in Panik. Im Mai wurden acht Terroristen verhaftet, die Angriffe auf jüdische Einrichtungen geplant hatten. Wenn Marokko und Tunesien nicht den Dschihad-Terrorismus und die Anstiftung dazu deckeln, werden auch bald ihre letzten Juden den bedrängten jemenitischen Juden folgen.

Vertriebene, Flüchtlinge – Juden

Flüchtlinge – ein Begriff nur für Palästinenser?

Alle Welt redet (zu Recht) über die ca. 1.000.000 palästinensischen Flüchtlinge der Jahre 1948 und 1967. Es wurde für diese Flüchtlingsgruppe sogar ein eigenes Hilfswerk der UN gegründet: das UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East).

Um alle anderen Flüchtlinge auf dieser Welt kümmert sich ein anderes Hilfswerk: das UNHCR (The Office of the UN High Commissioner for Refugees).

Das Leid und das Unrecht, dass diesen Menschen – nicht nur, aber auch seitens Israel – widerfahren ist, ist nicht zu relativieren oder gegenzurechnen. Das will ich auch nicht versuchen.

Mich wundert und ärgert nur die Einseitigkeit, mit der das geschieht und deshalb dokumentiere ich hier eine andere Flüchtlingsgruppe: Die Juden aus den arabischen und nicht-arabischen Ländern Asiens und Afrikas.

Denn wenn man über Flüchtlinge spricht, über ihr verlorenes Land und Eigentum, ihre verlorene Heimat, dann auch über alle.

Die UN hat seit 1947 687 Resolutionen zum israelisch-palästinensischen Konflikt verabschiedet, davon 101 zu den palästinensischen Flüchtlingen. Keine einzige davon war zu den jüdischen Flüchtlingen und Vertriebenen.

Die verbreitete Meinung, die Juden wären nur allein deshalb vertrieben worden, weil Israel vor und mit der Staatsgründung 1948 die Palästinenser vertrieben habe, ist nicht haltbar und ist dem Einfluss des (deutschen) Antisemitismus auf die und den daraus folgenden Ereignissen in den arabischen Ländern gegenüber blind.

Der jüdische Exodus aus den arabischen Ländern

Die Gesamt-Bevölkerung der jüdischen Gemeinden im Nahen und Mittleren Osten (ohne Israel) schrumpfte von über 900.000 im Jahr 1948 auf weniger als 8.000 im Jahr 2008. Einige dieser Gemeinden waren älter als 2.500 Jahre.

Israel nahm etwa 600.000 dieser Flüchtlinge auf, viele von ihnen wurden vorübergehend in Ma’abarot genannten Zeltstädten untergebracht. Sie wurden schließlich in die israelische Gesellschaft integriert und die letzte Maabarah wurde 1958 demontiert. Die jüdischen Flüchtlinge bekamen keine Unterstützung seitens der UNRWA.

Seit dem UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 (UN-Resolution Nr. 181) wurden im folgenden Israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948/49 und dem Sechstagekrieg von 1967 etwa 1.100.000 Palästinenser aus ihren Wohnorten, das heißt aus Palästina vertrieben, davon 1948 über 750.000 und 1967 nochmals etwa 350.000 Vertriebene und Flüchtlinge.

Mehr als 850.000 Juden wurden in den arabischen Staaten aus ihrer Heimat vertrieben. Fast alle von ihnen wanderten nach Israel aus (etwa 500.000), manche auch nach Frankreich oder in die USA. Die Mehrheit der Palästinenser ging nach Jordanien, heute lebt ein Großteil in aller Welt verstreut.

Das Recht auf Rückkehr in ihre Heimat können beide Völker aufgrund der lebensbedrohenden völkerrechtswidrigen Vertreibungen nicht geltend machen, zu ihrem ehemaligen Eigentum haben sie keinen Zugang mehr und keinen finanziellen Ausgleich erhalten.

1948 1958 1968 1976 2001 Abnahme in %
Aden 8.000 800 0 0 0 100
Jemen 55.000 3.500 500 500 200 99,63
Afghanistan 5.000 1 99,99
Algerien 140.000 130.000 1.500 1.000 0 100
Ägypten 75.000 40.000 1.000 400 100 99,86
Bahrain 600 36 99,94
Irak 135.000 6.000 2.500 350 100 99,93
Iran 100.000 80.000 11.500 –  40.000 60 – 88
Libanon 5.000 6.000 3.000 400 100 98
Libyen 38.000 3.750 100 40 0 100
Marokko 265.000 200.000 50.000 18.000 5.700 97,85
Syrien 30.000 5.000 4.000 4.500 100 99,67
Tunesien 105.000 80.000 10.000 7.000 1.500 98,57
Summe 961.600 575.050 172.600 112.190 19.337 97,99

via http://en.wikipedia.org und zionismus.info

Aden / Jemen: Unmittelbar nach dem Beschluss der Vereinten Nationen zur Gründung des Staates Israel werden in den Slums von Aden, bis wohin die Juden des Jemen durch die britischen Restriktionen der Einwanderung nach Palästina nur gelangen konnten, unter Beteiligung der örtlichen Polizei schwere Gewalttaten begangen, bei denen 82 Juden ermordet und das jüdische Viertel niedergebrannt werden. Anfang 1948 führen falsche Anschuldigungen, Juden hätten zwei moslemische Mädchen im Ritualmord getötet, zu Plünderungen.

1948 leben 8000 Juden in Aden. Sie werden gezwungen zu fliehen.

1948 leben im Jemen 55 000 Juden. Dort werden bei gewalttätigen Aufständen während eines Solidaritätsstreiks gegen den UNO-Beschluss, am 2. Dezember 1947, mehr als 100 Juden ermordet und die große Synagoge niedergebrannt. Jüdisches Eigentum wird beschädigt, geplündert oder zerstört. Ähnliche Ausschreitungen finden 1958, 1965 und 1967 statt.

Die „Operation fliegender Teppich“ brachte zwischen 1949 und 1950 etwa 49.000 jemenitische Juden nach Israel. Die Operation war nach dem Einverständnis der Briten möglich geworden, ihr waren Pogrome in Aden vorausgegangen.

Afghanistan: Wahrscheinlich reicht die Geschichte der Juden Afghanistans 2500 Jahre zurück bis hinein in das babylonische Exil und die persische Eroberung.

Seit 1870 waren die Juden Verfolgungen seitens der afghanischen Behörden ausgesetzt, die sie zu vertreiben suchte. Bis 1948 verließen ca. 5.000 Juden das Land, und nachdem ihnen 1951 die Auswanderung gestattet wurde, zogen die meisten nach Israel. Bis 1969 blieben noch ca. 300 in ihrer Heimat; von diesen emigrierten die meisten nach der sowjetischen Invasion von 1979, so dass 1996 10 afghanische Juden verblieben, die meisten von ihnen in Kabul. Gegenwärtig leben mehr als 10.000 Juden afghanischer Herkunft in Israel.

Im Januar 2005 lebte vermutlich allein der afghanische Jude Zebulon Simentov (*1960) imLande.

Ägypten: In Ägypten leben nur noch ca. 100 Juden. Zum Vergleich: 1948 waren es noch 75 000. Zu groß angelegten Ausweisungen von Juden kam es 1956 im Zusammenhang mit dem Suezkrieg und 1967 anlässlich des Sechstagekriegs.

Zwischen Juni und November 1948 explodieren Bomben im jüdischen Viertel von Kairo und töten 70 Juden. Verwundet werden ca. 200. Der Suezkrieg 1956 wird von der ägyptischen Regierung zum Vorwand genommen, 25 000 ägyptische Juden des Landes zu verweisen und getreu dem alten Dhimmi-Gesetz ihren Besitz zu konfiszieren. Ungefähr 1000 Juden werden verhaftet und in Gefängnisse oder Lager gesteckt. Am 23. November 1956 wird in ganz Ägypten eine vom Minister für religiöse Fragen unterzeichnete Erklärung verlesen, in der es heißt daß „alle Juden Zionisten und Staatsfeinde“ seien. Ihre Ausweisung stehe unmittelbar bevor. Tausende von Juden werden aufgefordert, das Land zu verlassen. Einen Koffer und etwas Geld dürfen sie mitnehmen. Sie werden gezwungen zu unterschreiben, daß sie ihren Besitz der ägyptischen Regierung schenken. Einige Juden werden in Ägypten als Geiseln zurückgehalten, damit die ausreisenden Familien nicht gegen die ägyptische Regierung aussagen. 1958 leben 40 000 Juden in Ägypten.

Anläßlich des Sechstagekrieges von 1967 werden weitere Juden vertrieben. Ihre Häuser und ihr Besitz werden beschlagnahmt. Es verbleiben ungefähr 1000 Juden im Land. Zur selben Zeit werden von Ägypten Hunderte von Nazi-Verbrechern aufgenommen. Sie bekommen Posten in der Regierung. Der Leiter der polnischen Gestapo Leopold Gleim kontrolliert den ägyptischen Geheimdienst.

Anfang der 70er Jahre wird den Juden erlaubt, Ägypten zu verlassen. 1976 gibt es noch 400 Juden. 1979, nach dem Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel, ist die ägyptische jüdische Gemeinde die erste, die offiziellen Kontakt zu Israel aufnimmt. Die Juden dürfen ihre Religion frei ausüben. 2001 gibt es 100 Juden in Ägypten, einige Familien, die meisten alte Menschen. Gegen diese winzige Gemeinde, die aus 12 älteren Menschen besteht, werden keine antisemitischen Ausschreitungen unternommen. Die jüdische Gemeinde ist im Aussterben begriffen.

Algerien, Marokko und Tunesien: Die faschistische Spielart des arabischen Antisemitismus versuchte die SS während des Afrikafeldzuges 1942 zu nutzen. Damals ließ Walter Rauff, als Gruppenleiter im Reichssicherheitshauptamt für den Bau von Gaswagen zur Ermordung von Juden zuständig, dort ebenfalls Einsatzgruppen zur Judenvernichtung aufstellen. Nach Aussage seines Vorgesetzten Walter Schellenberg, des obersten Leiters aller NS-Geheimdienste, hofften viele nordafrikanische Araber darauf, dass Hitler ihnen zu Hilfe käme, um die Juden endgültig aus Palästina zu vertreiben. Allerdings erreichten diese Maßnahmen durch den Widerstand Rommels nicht die gleichen Ausmaße wie etwa in Osteuropa.

So waren Juden auch in Nordafrika und dem Nahen Osten antisemitischen Maßnahmen ausgesetzt. Juden wurden u.a. in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen deportiert, inhaftiert, in Konzentrationslager gesperrt, gefoltert und ermordet. Es kam u.a. auch zu Pogromen, Plünderungen und Zerstörung/Schändung von Synagogen. Im Irak töteten Soldaten und Polizisten rund 200 Juden, nachdem die prodeutsche Regierung in Bagdad gestürzt worden war.

1948 leben 140 000 Juden in Algerien. 1948 wandern 25 681 algerische Juden nach Israel aus. 1956 werden die Juden von der algerischen Befreiungsfront FLN aufgerufen, sich dem Kampf anzuschließen. Dem kommt nur eine kleine Gruppe nach. Sie fühlen sich Frankreich und ihrer Staatsbürgerschaft verpflichtet. 20 000 wandern nach Frankreich aus. Die restlichen wandern nahezu vollständig aus nach der algerischen Unabhängigkeit 1962, da die algerische Regierung die Juden schikaniert und sie ihrer wirtschaftlichen Rechte beraubt. 1968 gibt es noch 1 500 Juden in Algerien, 1000 im Jahre 1976 und im Jahr 2001: null.

1940 lebten in Libyen ungefähr 38.000 Juden. Mit britischer Besatzung ändert sich auch die Lage der Juden in Libyen nicht weiter. Es gab eine Serie von Pogromen, u.a. 1945, bei dem 100 Juden in Tripolis und anderen Städten ermordet und fünf Synagogen zerstört wurden. Ein weiteres Pogrom fand im November 1945 statt, wobei mehr als 140 Juden ermordet und nahezu sämtliche Synagogen geplündert wurden. Rund 562 libysche Juden wurden zwischen 1942 und 1945 in Konzentrationslagern getötet.

In Libyen lebten 1947 rund 38.000 Juden, davon ca. 20.000 in der näheren Umgebung der Hauptstadt Tripolis.

1948 werden 12 Juden und vier Araber bei antijüdischen Ausschreitungen ermordet. 280 jüdische Häuser werden zerstört. Die Unsicherheit für sie durch die Gründung Israels lässt 3.000 Juden, obgleich die Auswanderung illegal ist, das Land verlassen. Viele gehen nach Israel. Als die Briten 1949 die Auswanderung legalisieren, und als Libyen 1951 unabhängig und Mitglied der Arabischen Liga wird, fliehen weitere mehr als 30.000 Juden aus dem Land. In Israel siedeln sich 36.730 libysche Juden an. Weitere Auswanderungen folgten, so dass 1951 nur noch rund 8.000 Juden im Land blieben.

1958 wohnen in Libyen noch 3 750 Juden. 1963 wird den Juden das Wahlrecht aberkannt. Es gibt Massenverhaftungen. Juden dürfen keine öffentlichen Ämter bekleiden. Der Sechstagekrieg von 1967 hat weitverbreitete Zerstörung jüdischen Eigentums zur Folge. 100 Juden werden ermordet. Synagogen, Geschäfte und Häuser werden niedergebrannt.

Neben den Briten und US-Amerikanern mussten auch alle 25.000 Italiener und Juden das Land bis Oktober 1970 verlassen, deren Besitz wurde in Libyen enteignet.

Zur Zeit des Putsches von Kolonel Muammar al-Ghaddafi leben ca. 100 bis 500 Juden in Libyen. Ghaddafi konfisziert nach und nach sämtlichen jüdischen Besitz und annulliert Schulden, die Moslems bei Juden haben. 1974 leben dort noch 20 Juden, und heute gibt es, nachdem die letzte Jüdin im Februar 2002 stirbt, in Libyen null Juden.

1948 leben in Marokko zwischen 265 000 und 285 000 Juden. Im Juni 1948 werden bei blutigen antijüdischen Ausschreitungen in Oujda und Djerada 44 Juden ermordet und Hunderte verletzt. Im selben Jahr wird ein inoffizieller Boykott der jüdischen Wirtschaft angezettelt. 1952 finden erneut mehrere antijüdische Ausschreitungen durch den arabischen Mob statt. 1954 werden jüdisches Eigentum geplündert und jüdische Schulen zerstört.

1956 erklärt Marokko seine Unabhängigkeit und die Emigration nach Israel wird untersagt. Der antizionistische Kommunist und Widerstandskämpfer gegen die französische Besatzung Simon Lévy, Vorsitzender der jüdisch-maokkanischen Gemeinde meint dazu, eine übereilte Auswanderung nach dem Suezkrieg sei in Marokko gegenüber anderen arabischen Staaten, beispielsweise des Irak und Ägyptens, nicht zu beobachten gewesen. 1958 leben 200 000 Juden in Marokko, immerhin mindestens 65 000 weniger als 1948. Er sieht hauptsächlich wirtschaftliche Gründe der Auswanderung, zwischen 1948 und 1956, bedauert sie und lastet sie der Agitation der Jewish Agency an.

1958 wird die Anzahl jüdischer Regierungsbeamter willkürlich gesenkt. Alle zionistischen Aktivitäten sind verboten. 1963 wird die Emigration wieder erlaubt, und es verlassen mehr als 100 000 Juden Richtung Israel das Land. 1965 beschreibt der marokkanische Schriftsteller Said Ghallab die Haltung seiner moslemischen Landsleute gegenüber ihren Nachbarn:

„Die schlimmste Beleidigung, die ein Marokkaner wohl bieten konnte, war, jemanden wie einen Juden zu behandeln. … Meine Jugendfreunde sind antijüdisch geblieben. Sie verbergen ihren virulenten Antisemitismus, in dem sie argumentieren, daß der Staat Israel ein Geschöpf des westlichen Imperialismus wäre … In der Bevölkerung wird ein ungebrochener Hitler-Mythos gepflegt. Die Vernichtung der Juden durch Hitler wird extatisch gepriesen. Es wird sogar vermutet, daß Hitler gar nicht tot ist, sondern lebt, und es ihm gut geht. Seine Ankunft wird erwartet, damit er die Araber von den Juden befreie.“

1968 leben noch 50 000 Juden in Marokko. 2001 sind es 5 700.

1948 leben in Tunesien 105 000 Juden, von denen die ersten gleich nach der Gründung Israels zu Tausenden dorthin auswandern. Nach der Unabhängigkeitserklärung, 1956, emigriert eine weitere große Gruppe von Juden, diesmal hauptsächlich nach Frankreich. Die Unabhängigkeit bringt Judenverfolgungen mit sich. Die tunesische Regierung zerstört das Judenviertel. 1958 leben in Tunesien 80.000 Juden.

Die Krise von Bizerta, 1961, provoziert durch die Stationierung französischer Truppen auf diesem Marinestützpunkt, sechs Jahre nach der Unabhängigkeit Tunesiens, ohne die Zustimmung der tunesischen Regierung, da das französische Militär auf unbewaffnete Demonstranten schießt, führt bei einem Teil der moslimischen Bevölkerung merkwürdigerweise zu brutal aufflammendem Antisemitismus. Dieser wird mit dem Sechstagekrieg verstärkt. Der arabische Mob zerstört und plündert jüdische Geschäfte und setzt die große Synagoge von Tunis in Brand. Die tunesische Regierung hält die Banden nicht zurück. Weitere Tausende von Juden emigrieren nach Frankreich und Israel. 1968 leben 10.000 Juden in Tunesien.

1971 wird ein Rabbiner im Zentrum von Tunis ermordet, was weitere Auswanderung von ca. 3.000 Juden zur Folge hat.

Die kleine jüdische Gemeinde besteht 2002 noch aus 1500 Menschen. Sie sind, obgleich der Präsident Ben Ali sie beschützt, nicht vollständig in die tunesische Gesellschaft integriert.

Mit dem Attentat vom 11. April 2002 auf die Synagoge Ghriba, auf Djerba, kann man sagen, daß eine 2 500-jährige jüdische Präsenz in Tunesien zu Ende geht.

Irak: Am 1. und 2. Juni 1941 kam es zu einem Pogrom (arabisch: Farhud).  Angestachelt durch deutsche Antisemitismus-Propaganda starben mindestens 180 Juden, 240 wurden verletzt, 586 jüdische Geschäfte geplündert und 99 Häuser zerstört.

1946 bis 1949 gibt es wiederholt Ausschreitungen gegen Juden. 1948 leben 135000 Juden im Irak, davon 77 000 in Bagdad, das zu einem Viertel jüdisch ist. 1948 wird Zionismus zum Kapitalverbrechen erklärt. 1948 müssen sie 250 000 Dinar in die Kriegskasse des Irak für den Krieg gegen Israel einzahlen.

1950 wird den Juden erlaubt, innerhalb des nächsten Jahres unter der Voraussetzung den Irak zu verlassen, dass sie ihre Staatsbürgerschaft aufgeben. Dennoch wird ein Jahr später auch das Eigentum dieser Emigranten eingefroren. Ihre Bankkonten werden gesperrt. Die etwa 10 000 Juden, die noch im Land sind, unterliegen wirtschaftlichen Beschränkungen.

Die jüdische Bevölkerung, die früher eine bedeutende wirtschaftliche, kulturelle und politische Rolle im öffentlichen Leben einnahm, hat den Irak fast vollständig verlassen. 1946 bis 1949 kam es wiederholt zu Ausschreitungen gegen Juden. Als die Regierung den Zionismus am 19. Juli 1948 zum Kapitalverbrechen erklärte, lebten im Land 135.000 Juden, davon in Bagdad 77.000 – ein Viertel der Gesamtbevölkerung.

Am 3. März 1950 wurde der jüdischen Bevölkerung unter Aufgabe der irakischen Staatsbürgerschaft die Ausreise erlaubt. Ein Jahr später, am 10. März 1951, fror die Regierung das Eigentum der Emigranten ein und sperrte deren Bankkonten. Bis zu diesem Tag gehörte ihnen nahezu der gesamte Suq von Chordja, das Geschäftsviertel im Zentrum Bagdads. Die israelische Regierung unter David Ben Gurion nahm diese Aktion zum Anlass, die Operation „Esra und Nehemia“ zu starten, wobei bis 1952 etwa 95 Prozent der irakischen Juden per Luftbrücke nach Israel überführt wurden.

Den 6.000 im Irak verbliebenen Juden wurden wirtschaftliche Beschränkungen auferlegt. 1958 wurde ihnen der Status als jüdische Gemeinde aberkannt und das Gemeindeeigentum beschlagnahmt. In den kommenden Jahrzehnten verließen auch die restlichen Juden das Land. 1968 lebten noch 2.500 Juden im Irak, 1976 waren es noch 400 und 2001 nur noch 100. Am 25. Juli 2003 wurden sechs der letzten 34 Juden aus Bagdad nach Israel ausgeflogen.

Libanon: 1947 leben im Libanon geschätzt 5 950 Juden. 1948 sind es noch 5000. Nach der Gründung Israels sehen sie sich nicht veranlasst das Land zu verlassen, da sie dort dank einer christlich-arabischen Regierung toleriert werden. Sie haben gleiches Recht wie alle Bürger. Während der antizionistischen Ausschreitungen 1947 und 1948 wird ihnen nichts zuleide getan.

Im Zuge der Verschärfung des arabisch-israelischen Konflikts werden sie in diesen hineingezogen, da sie mit der israelischen Politik in Verbindung gebracht werden. Anfang der 50er Jahre wird ihre Synagoge zerbombt. Jüdische Mitglieder der libanesischen Armee werden aus dieser entfernt.

Während des Krieges von 1967 schützt die libanesische Regierung die Juden vor gewalttätigen Ausschreitungen der Araber. Einige Hundert verlassen den Libanon. Bis 1972 ist es ihnen gestattet, ihre Habe mitzunehmen. 3000 Juden leben 1968 im Libanon, 1974 sind es 1800. Sie emigrieren nach Frankreich, Israel, italien, England oder Südamerika.

Während des Bürgerkrieges von 1975 postieren die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) und linke Moslemkräfte Militär in die jüdische Nachbarschaft von Wadi Abu Jamil. Dennoch wächst die Gefahr seitens fundamentalistischer Moslems, vor allem nach der israelischen Invasion von 1982. Zwischen 1984 und 1987 werden von ihnen Juden entführt und ermordet. Heute leben in Beirut noch 100 Juden.

30 000 Juden leben 1947 in Syrien. Unmittelbar nach Verkündigung des Teilungsbeschlusses verwüstet arabischer Mob in Aleppo die 2 500 Jahre alte jüdische Gemeinde. Hunderte von Juden werden ermordet und mehr als 200 jüdische Häuser, Geschäfte und Synagogen zerstört. Tausende von Juden fliehen illegal nach Israel. 10 000 fliehen in die USA.

1958 leben noch 5000 Juden in Syrien. Die syrische Regierung verstärkt die Judenverfolgung. Die Freizügigkeit wird für sie eingeschränkt. Juden, die zu fliehen versuchen, werden entweder umgebracht oder zu harter Arbeit verurteilt. Juden dürfen nicht für die Regierung oder in Banken arbeiten, sie dürfen keine Telefone haben und keinen Führerschein. Es ist ihnen untersagt, Eigentum zu erwerben. Ihre Bankkonten werden gesperrt. Eine asphaltierte Straße zum Flughafen wird über den jüdischen Friedhof von Damaskus geführt. Jüdische Schulen werden geschlossen und Moslems übergeben.

1968 leben noch 4000 Juden in Syrien. Sie sind Schachfiguren der syrischen Politik gegenüber Israel und in Konflikten mit anderen arabischen Staaten.

1976 leben 4 500 Juden in Syrien.

1977/78 werden die Maßnahmen gegen Juden gemildert. Syrien verlassen können sie, wenn sie Verwandte als Geiseln zurücklassen. Außerdem müssen sie zwischen 300 und 1000 Dollar als Pfand hinterlegen.

Nach der erfolgreichen Flucht einiger Juden werden die Maßnahmen gegen Juden 1979 wieder verschärft. Die Familienmitglieder der Geflüchteten werden ins Gefängnis geworfen und gefoltert. Nun dürfen Juden überhaupt nicht mehr ins Ausland reisen.

1992 verschärft Syrien seine Hetzkampagnen gegen die Juden. In einer verdeckten Operation, Ende 1994, werden 1 262 Juden nach Israel gebracht. Die Entscheidung, die Juden ziehen zu lassen, fällt im Rahmen der Madrider Friedensverhandlungen. Die letzten Juden, die Syrien verlassen wollen, tun dies Ende Oktober 1994 mit ihrem Rabbiner.

2001 leben vielleicht doch mehr als 100 Juden in Syrien, und zwar 150 in Damaskus, 30 in Aleppo und 20 im kurdischen Kamishli. In Damaskus sind zwei Synagogen geöffnet. Die große Synagoge in Aleppo, seit mehr als 1600 Jahren in Gebrauch, ist geschlossen. Gelegentlich sind die Juden palästinensischen Protestlern ausgesetzt, die syrische Regierung beschützt sie jedoch.

via en.wikipedia.org, de.wikipedia.org und zionismus.info

siehe auch hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Jewish_exodus_from_Arab_lands

Wenn es die israelische Gesellschaft geschafft hat, 100.000e Flüchtlinge aus Afrika und Asien – ganz zu schweigen von den Millionen europäischer Flüchtlinge – zu integrieren und die „Flüchtlingslager“ innerhalb von 10 Jahren abzubauen – wieso haben das nicht die arabischen Staaten – allen voran Jordanien und der Libanon – nicht mit den palästinensischen Flüchtlingen geschafft?

UPDATE:
Ein informativer Artikel über die aktuelle (schlechte)  Situation der Juden in arabischen Ländern findet sich hier im Guardian (sic!), und hier in deutscher Übersetzung.

Und André Aciman, ein amerikanischer Jude, der aus Ägypten geflüchtet ist, schreibt hier in der NY Times über sein Erleben.

Ein Film aus dem Jahr 2004 zu diesem Thema findet sich hier (Teil 1):

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

Teil 5: