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    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

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    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
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Libanons Umgang mit Palästinensern ist ein Skandal

schreibt die WELT – noch ein kleiner Lichtblick im Dschungel unserer MedienDie einzige große Zeitung, die überhaupt über die Gesetzesverbesserung im Libanon berichtet. Allen anderen ist diese Situation keinen Bericht wert – Israel ist ja nicht beteiligt.
Wie schrieb Mr. Moe bei Spirit of Entebbe so treffend:

… die Palästinenser sind, wenn es zur Abwechslung einmal nicht um respektive gegen Israel geht, dann doch: alleine.

Seit über 60 Jahre leben palästinensische Flüchtlinge im Libanon. Sie dürfen bis heute nicht außerhalb der Flüchtlingslager wohnen.

... nicht im Libanon

Flüchtlingslager im Gazastreifen (... nicht im Libanon)

Schön ist das Bild, dass die WELT an dieser Stelle zeigt: Ein palästinensisches Flüchtlingslager – mit Zelten!und … im Gazastreifen! Israel ist eben doch Schuld – wie später im Text ja auch pflichtbewusst erwähnt. Die meisten Flüchtlingslager sind inzwischen normale Städte und eben keine Zeltstädte. Und: Waren die Journalisten zu faul oder zu dumm, ein aktuelles Foto eines libanesischen Flüchtlingslagers zu benutzen? Oder wollten sie ihren Lesern den Anblick ersparen? Oder war politisch „ansprechender“, ein Bild zu nehmen, was Israel mit ins Boot nimmt?

Rechtsanwälte und Ärzte dürfen im Libanon lebende palästinensische Flüchtlinge trotz einer jetzt beschlossenen deutlichen Verbesserung der Gesetzeslage immer noch nicht werden. Sie dürfen auch noch immer weder Grund noch Boden besitzen, sie dürfen ihren Wohnsitz nicht außerhalb der zwölf überfüllten Flüchtlingslager suchen, und sie dürfen ihre dortigen Häuser meist nicht einmal renovieren. Was der Libanon sich seit mehr als 60 Jahren mit den palästinensischen Flüchtlingen erlaubt, ist ein Skandal.

Sicher trifft Israel am palästinensischen Flüchtlingsproblem eine Mitschuld, gewiss sind die nach dem Unabhängigkeitskrieg 1948 beschlossenen Gesetze zur Verstaatlichung palästinensischen Eigentums kein Ruhmesblatt in der Geschichte des jungen Staates. Und es war für die palästinensischen Bürger des Landes eine Zumutung, bis Ende der 60er-Jahre unter Kriegsrecht leben zu müssen. Doch während in Israel die palästinensischen Bürger heute – zumindest offiziell – vollkommen gleichberechtigt sind, müssen die Flüchtlinge und ihre Nachkommen in einigen arabischen Bruderstaaten noch immer ein rechteloses Dasein in Armut fristen.

Die palästinensischen Flüchtlinge sind zum Spielball der Politik geworden. Schon vor Jahren hat die Arabische Liga ihre Mitgliedsstaaten angewiesen, den Flüchtlingen und ihren Nachkommen nicht die Staatsangehörigkeit ihrer Gastländer zuzuerkennen, um „die Auflösung ihrer Identität zu verhindern“ und ihr „Recht zu schützen, in ihre Heimat zurückzukehren“.

Ist das nicht eine schöne Ausrede dafür, seine starke Abneigung gegen alle Palästinenser auszutoben? Und außerdem kann man diese Menschen als ein Faustpfand gegen Israel benutze.

Es ist schlimm genug, Menschen so in der Warteschleife zu halten und ihnen ein erfülltes Leben zu verweigern. Die Maximalforderung nach einem umfassenden Rückkehrrecht für alle Flüchtlinge in den Staat Israel schadet aber auch dem Friedensprozess und signalisiert den Israelis, man wolle ihren Staat nun eben auf die sanfte Art auslöschen – mit den Mitteln der Demografie. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Jordanien. Von zwei Millionen Flüchtlingen leben dort nur noch 300.000 in Lagern. 90 Prozent der Flüchtlinge besitzen die jordanische Staatsangehörigkeit. Sie durften ihr Leben in die Hand nehmen und sind in der jordanischen Gesellschaft angekommen – auch als Ärzte und Rechtsanwälte.

Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.

Meinung über Juden im Nahen Osten

Die Jpost berichtete, dass die Umfrage des Pew Research Center über globale Einstellungen, die letztes Jahr durchgeführt wurde, ein beunruhigendes Bild über die Einstellungen zu Juden im Nahen Osten zeichnet. In den überwiegend muslimischen Nationen ist die Sichtweise über Juden überwältigend schlecht. Fast alle in Jordanien (97 Prozent), in den palästinensischen Gebieten (97%) und Ägypten (95%) haben eine negative Einstellung zu Juden. Auch im Libanon gaben 98% ihrer schlechten Meinung über Juden Ausdruck, 98% bei Sunniten und Schiiten und 97% bei den libanesischen Christen.

In der Türkei, die seit der Operation „Gegossenes Blei“ im letzten Januar angespannte Beziehungen zu Israel hat, ist der Anteil derjenigen, die eine „sehr negative“ Einstellung zu Juden haben, von 32% im Jahr 2004 auf 73% im Frühjahr 2009 gesprungen.

Im Gegensatz dazu hatten nur 35% der israelischen Araber eine negative Einstellung zu Juden, während 56% eine positive Meinung hatten.

UN-Resolution 242

Am 22. November 1967 nimmt der UN Sicherheitsrat einmütig die Resolution 242 an, die versucht, den Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten zu beenden. Die Resolution wurde vom britischen Botschafter, Lord Caradon, entworfen und fordert, dass Israel sich „von den im letzten Konflikt okkupierten Territorien“ zurückziehen soll.

In einem Interview mit einem israelischen Radiosender im Jahre 1973 sagte Lord Caradon, die Verwendung des bestimmten Artikels „den“ vor „okkupierten Gebieten“ ist beabsichtigt, weil nicht beabsichtigt war, dass Israel sich aus allen Gebieten zurückziehen sollte. Lord Caradon stellte klar:

„Rückzug sollte stattfinden, wenn die Grenzen sicher und anerkannt sind…sie werden nicht sicher sein, bevor sie anerkannt sind. … Ich kenne die Grenze von 1967 sehr gut. Es ist keine zufriedenstellende Grenze.“

Die Palästinenser fordern, dass diese Resolution endlich umgesetzt wird und leiten daraus das Recht auf ihren eigenen Staat in den Grenzen von 1967 ab.

Diverse Leute regen sich über Israel wie über einen ungezogenen Schuljungen auf, der trotz aller liebevollen Aufforderungen die Strafarbeit immer noch nicht geschrieben hat. Dabei wird die Vorgeschichte (wer hat den Krieg angefangen? Wer hatte die Gebiete vorher besetzt?) zum größten Teil komplett ausgeblendet und nur der Teil übrig gelassen, mit dem man auf Israel herumhacken kann.

Folgendes ist dazu festzuhalten:

Die territorialen Verhältnisse unterschieden sich von den heutigen, da

  • der Gaza-Streifen noch zu Ägypten,
  • die Golanhöhen zu Syrien und
  • das Westjordanland einschließlich der Altstadt Jerusalems zu Jordanien gehörten.

Von Israels Nachbarstaaten aus operierten arabische Fedajin und griffen bis in die 1960er Jahre hinein wiederholt verschiedene Ziele in Israel an. Syrien etwa, das ein Verbündeter der Sowjetunion war, unterstützte Einfälle von Guerilleros als Teil des Volksbefreiungskriegs der sozialistischen syrischen Baʿth-Partei, auch um von innenpolitischen Problemen abzulenken.

1967 hatte noch kein arabischer Staat Israel und damit die Existenzberechtigung des jüdischen Staats anerkannt; ein Friedensvertrag zwischen einem der Staaten und Israel war noch nicht unterzeichnet worden.

via wikipedia.de

Israel hat Gebiete besetzt, die vorher von anderen Staaten besetzt waren. Gab es dazu auch eine UNO-Resolution mit der Forderung nach Rückzug? Nein.

Ich glaube, wenn Israel die Wahl gehabt hätte, hätten sie diese Gebiete lieber nicht okkupiert. Dass es Ärger geben würde, war von vornherein klar.

Israel ist jahrelang provoziert und akut bedroht worden. Insofern ist dieser Krieg als ein Verteidigungskrieg einzustufen – auch deshalb, weil keiner der drohenden Staaten das Existenzrecht Israels anerkannt hatte, sondern im Gegenteil immer wieder betont hatte, Israel müsse vernichtet werden.

Der ägyptische Staatspräsident Nasser erklärte am 26. Mai 1967 – 10 Tage vor Beginn des Krieges am 5. Juni:

Unser Ziel ist die Zerstörung Israels. Das arabische Volk ist bereit, zu kämpfen. … Sharm El-Sheikh ist eine Konfrontation mit Israel.

So erklärte Syriens Präsident Nureddin al-Atassi am 22. Mai 1966:

Wir wollen einen totalen Krieg ohne Einschränkungen, einen Krieg, der die zionistische Basis zerstören wird.

Am 20. Mai 1967 verkündete Hafiz al-Assad, damals syrischer Verteidigungsminister und späterer Staatschef :

Unsere Streitkräfte sind nun voll bereit (…) dem Akt der Befreiung den Anstoß zu geben und die zionistische Anwesenheit im arabischen Heimatland in die Luft zu jagen. Ich als Militär glaube, dass die Zeit gekommen ist, den Vernichtungskrieg zu führen.

Am 27. Mai 1967, kurz vor Kriegsausbruch verkündete Gamal Abdel Nasser, der Präsident Ägyptens :

„Unser grundlegendes Ziel ist die Vernichtung Israels. Das arabische Volk will kämpfen.“

Nun höre ich schon die Gutmenschen, die sagen: „Das war doch alles nur Propaganda. So sind die Araber nun mal, das darf man alles nicht so ernst nehmen.“ Käse. Das waren akute Drohungen.

Also, es waren schon vorher besetzte Gebiete, die in einem Verteidigungskrieg zur Sicherung der eigenen Existenz gegen aggressive Nachbarn eingenommen wurden.

Dass diese Resolution von Israel nicht umgesetzt wird, liegt alleine daran, dass diese Resolution die Umstände und die Sicherheitsbedürfnisse Israels völlig außer acht läßt bzw. die Ereignisse soweit filetiert, bis nur noch das übrig bleibt, was passt.

Nach dem Schema hätte man auch die Amerikaner auffordern können, sich 1945 aus den besetzten deutschen Gebieten zurückzuziehen. Und hätte es die UNO 1945 schon gegeben, hätten sie das bestimmt auch getan.

Hungerkatastrophe in Palästinensergebieten?

Etwa 10 Prozent der Palästinenser unter fünf Jahren leiden aufgrund von Mangelernährung an Wachstums- oder Entwicklungsstörungen. Das geht aus einem aktuellen Bericht der UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF hervor. Die Zahlen in den arabischen Nachbarstaaten waren jedoch höher.

Demnach sind

  • in Ägypten etwa 29 Prozent der Kinder aufgrund von Unterernährung körperlich oder geistig zurückgeblieben.
  • In Jordanien sind es 12 Prozent,
  • im Libanon 11 und
  • in Syrien 28 Prozent.
  • Im Jemen liegt diese Zahl bei 58 Prozent,
  • in Saudi-Arabien bei 20 Prozent und
  • in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei 17 Prozent.
  • Prozentual wird die Liste von Afghanistan angeführt. Dort sind etwa 59 Prozent aller Kinder betroffen.
  • Mit knapp 61 Millionen leben die meisten Unter-Fünfjährigen mit Wachstums- oder Entwicklungsstörungen in Indien.
  • Danach folgt China mit rund 10 Millionen Kindern.

Weltweit sind laut UNICEF mindestens 200 Millionen Kinder unterernährt und deshalb in ihrer Entwicklung gestört.

Es ist ja eigentlich zynisch, solche Zahlen miteinander zu vergleichen. Jedes unterernährte und in seiner Entwicklung gestörte Kind ist eines zuviel.

Aber da so viele Lügen über den Gazastreifen und das Westjordanland kursieren, muss man festhalten, dass es den Kindern dort besser geht als in allen (arabischen) Nachbarländern.

Von einer Hungerkatastrophe kann also nicht die Rede sein.

Palästinenser in arabischen Staaten

Laut wikipedia verteilen sich die Palästinenser auf folgende Staaten:

Land / Region Bevölkerung
Westjordanland und Gaza-Streifen 3 700 000
Israel (*) 1 213 000
Jordanien 2 598 000
Libanon 388 000
Syrien 395 000
Saudi-Arabien 287 000
Golfstaaten 152 000
Ägypten 58 000
Andere arabische Staaten 113 000
Vereinigte Staaten von Amerika 216 000
Andere Länder 275 000
Gesamt 9 395 000

Nach diesen Zahlen leben also nicht einmal 40% der Palästinenser (39,38%) in den besetzten Gebieten. Trotzdem bekommen sie 99,99% der Aufmerksamkeit seitens der Medien

Es folgen zwei Berichte zu der Situation der Palästinenser außerhalb Israels:

1. Die Situation der palästinensischen Flüchtlinge in den arabischen Staaten ist beklagenswert. In der britischen Tageszeitung „The Independent“ ist nun eine ausführliche Reportage zu diesem Thema erschienen, die auch auf die verhängnisvolle Rolle abhebt, die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNRWA bei dieser Entwicklung spielt.

„Es ist eine zynische, aber althergebrachte Praxis in der Nahostpolitik: die Staatsmänner, die die politische und humanitäre Krise der etwa 3.9 Millionen Palästinenser im israelisch-besetzten Westjordanland und in Gaza beklagen, ignorieren die Misere der schätzungsweise 4.6 Millionen Palästinenser, die in arabischen Ländern leben. Jahrzehntelang haben die arabischen Regierungen ihre Entscheidung gerechtfertigt, Millionen staatenloser Palästinenser als Flüchtlinge in verwahrlosten Lagern als Druckmittel gegen Israel zu halten. Das Flüchtlingsproblem wird gelöst werden, so sagen sie, wenn Israel den Palästinensern ihren eigenen Staat gestattet.“

„Die Einbeziehung der Nachfahren von palästinensischen Flüchtlingen als Flüchtlinge in das UNRWA-Mandat hat keine Parallele im internationalen humanitären Recht und ist verantwortlich für den Anstieg der offiziellen Zahlen von palästinensischen Flüchtlingen in ausländischen Staaten von 711 000 auf 4.6 Millionen während der Jahrzehnte, in denen die Zahl der alternden Flüchtlinge des israelischen Unabhängigkeitskrieges von 1948 in Wirklichkeit abnahm. Dass die UNRWA den Kindern, Enkeln und Urenkeln der ursprünglichen palästinensischen Flüchtlinge gemäß dem Prinzip der patrilinealen Abstammung ohne generationelle Begrenzung den Flüchtlingsstatus zuerkennt, hat es den Gastländern leicht gemacht, ihre Verpflichtungen gemäß dem internationalen Recht zu missachten.“

Den vollständigen Artikel gibt es unter dem diesem Link.

(The Independent, 22.10.09)

2. Bernd Dahlenburg schreibt:

Vorgestern stellte die Hisbollah ihre neue IT-Plattform vor. Und interessanterweise schreibt selbst CNN darüber, wie mies der Libanon palästinensische Flüchtlinge behandelt:

Nasrallah forderte für die Palästinenser im Libanon „grundlegende Menschenrechte, die gleichzeitig ihre Identität und ihr Anliegen schützen.“

Nach libanesischem Gesetz haben palästinensische Flüchtlinge keinerlei  Sozial- und Zivilrechte, nur beschränkten Zugang zu öffentlichen Gesundheits- oder Bildungseinrichtungen, darüber hinaus keinen Zugang zu den allgemeinen Sozialeinrichtungen, folgt man den Angaben der ’United Nations Relief and Works Agency’ (UNRWA).

„Die Mehrheit baut allein auf die UNRWA als einzigen Garanten von Ausbildung sowie Gesundheits- und Sozialfürsorge“, so die Agentur auf ihrer Webseite. „Da sie als Ausländer betrachtet werden, sind den palästinensischen Flüchtlingen unter Strafandrohung mehr als 70 verschiedene Formen der Selbständigkeit und Berufsausübung verboten. Dies hat zu einer sehr hohen Arbeitslosenquote unter der Flüchtlingsbevölkerung geführt.“

Die Agentur gibt an, dass im Libanon mehr als 422.000 palästinensische Flüchtlinge registriert sind.

Wenn doch wenigstens diesem Punkt genügend Aufmerksamkeit seitens der pro-palästinensischen Aktivisten gewidmet werden würde. Die grausame Ironie besteht darin, dass Nasrallah nur heiße Luft ablässt. Es liegt nicht im Interesse der Hisbollah, dass die palästinensischen Flüchtlinge in die libanesische Gesellschaft integriert werden oder in die West Bank zurückkehren.

Leider haben auch die arabischen Regime – Die Hisbollah ist Teil des “Systems”die Flüchtlinge verraten.

Aber für diese, nicht direkt mit Israel in Konflikt stehenden, Palästinenser interessiert sich nicht wirklich jemand, denn mit denen kann man Israel nicht angreifen. Und die arabischen Staaten werden dafür aus verschiedenen Gründen nicht angegriffen, weil
  • man es sich mit ihnen nicht verscherzen will (von wegen Wirtschaftsbeziehungen). Israel ist klein, da kann man das machen.
  • man Angst vor ihnen hat (Terrorattacken, Abbruch Wirtschaftsbeziehungen).
  • eine Art „rassistisches“ Denken vorherrscht: Die arabischen Staaten sind noch etwas rückständig, die können das nicht besser, aber Israel als ein moderner westlicher Staat, die müssen das 110%ig machen.
  • man antisemitisch denkt.

Gibt es eine „Free all Palestinensians“-Bewegung? Nein. Nur eine „Free Gaza“-Bewegung. Und denen geht es kaum noch um das humanitäre Wohl, sondern viel mehr um das Faustpfand gegen Israel.

Fußball: Völkerverständigung auf dem Rasen

EILAT (inn) – Der Sport überwindet Grenzen. Regelmäßig treffen sich israelische und jordanische Kinder zum gemeinsamen Fußballspiel. Schulkinder aus Aqaba überqueren dazu die jordanische Grenze, um mit ihren Alterskameraden der Rabin-Schule in Eilat gegen das runde Leder zu treten.

Der Trainer der Jugendlichen, Ibrahim Abu Rkeik, beschreibt auf der Webseite der Tageszeitung „Jediot Aharonot“ das Projekt in einem Wort: „Fantastisch!“ In Zeiten, in denen Gewalt das vorherrschende Thema sei, machten die Begegnungen der jungen Menschen in Eilat Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Mit dem Sport will der Initiator Dov Scheref seinen Traum verwirklichen, Grenzen und Unterschiede zu überwinden.

Die Verwirklichung der Vision begann mit der Kontaktaufnahme zur Rabin-Schule in Scherefs Stadt und der benachbarten Schule im jordanischen Akaba. Im Laufe der Zeit haben die italienische Nichtregierungsorganisation ICU und die jordanische Friedensorganisation „Messengers of peace“ (Bote des Friedens) das Projekt unterstützt. Die jordanischen Jugendlichen begannen bald darauf, die Grenze zu überqueren und mit ihren Alterskameraden in der südisraelischen Stadt zu trainieren.

„Ich liebe es, unterschiedliche Menschen und Kulturen zusammenzuführen“
Für die Verwirklichung seines Traums hat Scheref den Torwart der Fußballmannschaft von Bnei Eilat, Ibrahim Abu Rkeik, verpflichtet. Rkeik hat im Laufe seiner Karriere bereits in Spanien gespielt und ist bekannt dafür, dass sein Herz für solche Projekte schlägt:

„Mir persönlich fällt die Unterstützung nicht schwer“, erklärt er. „Ich liebe es, unterschiedliche Menschen und Kulturen zusammenzuführen. Seitdem ich Arabisch spreche, komme ich auch schnell mit den jordanischen Kindern in Kontakt.“

„Es wärmt einem das Herz, zu sehen, wie viele Menschen in das Projekt involviert sind. Du tust kleine Dinge für die Kinder, aber am Ende des Tages sind es große Dinge für uns alle. Dort sind auch viele sehr gute Menschen auf der anderen Seite der Grenze. Das Projekt, das Dov Sheref in den letzten Jahren ausgearbeitet hat, trägt nun seine Früchte. Dies betrifft Kooperationen im Bereich Sport, Kultur oder bei anderen Aktivitäten. Ich bin vollkommen freiwillig hier, mit dem Glauben, dass etwas durch dieses Projekt geschieht“, wird Rkeik zitiert.

Find ich voll gut.

Eine Frage zum Nachdenken: Würden solche Initiativen mit einer solchen Einstellung auch von arabischen Ländern ausgehen?

Selbstlos

Man kann alles machen – auch den größten Käse. Man muss es nur gut begründen können:

Die jordanischen Behörden haben angefangen, die Staatsbürgerschaft Tausender in Jordanien lebender Palästinenser zu annullieren. Sie wollen damit eine Situation vermeiden, in der diese permanent in das Königreich „umgesiedelt“ würden, berichtet IMRA (Independent Media Review Analysis). Die neuen Maßnahmen haben die Spannungen zwischen Jordaniern und Palästinensern verschärft, die ca. 70 Prozent der Bevölkerung des Königreiches ausmachen.

“Viele Palästinenser, die in Jordanien leben, sind überzeugt, dass die jordanischen Behörden versuchen, sie hinauszudrängen“,

sagt Ishmael Jaber, ein palästinensischer Anwalt.

„Es gibt eine wachsende Unzufriedenheit und Unsicherheit unter den hier lebenden Palästinensern.“

Er und andere Palästinenser sagen, dass die feindliche Haltung der Jordanier gegen sie eskaliert ist, nachdem Anfang des Jahres Benjamin Netanjahu als israelischer Ministerpräsident an die Macht gekommen ist. Die Jordanier rechtfertigen ihre neuesten Maßnahmen, indem sie argumentieren, dass sie eine Situation vermeiden wollen, in der die Palästinenser für immer davon abgehalten werden, in ihre ursprüngliche Heimat innerhalb Israels zurückkehren zu können. Jordaniens Innenminister Nayef al-Kadi sagte, dass

„man uns für diese durchgeführten Maßnahmen danken soll … wir erfüllen unsere nationale Pflicht, denn Israel will die Palästinenser aus ihrer Heimat vertreiben.“

via Israelreport vom 24.07.09

Völkerrecht – die Geschichte Israels

Es wird ja gerne und oft argumentiert, dass Israel gegen das Völkerrecht verstößt bzw. verstoßen hat. Das mag im Einzelfall richtig sein. Aber gibt es auch etwas, wo das Völkerrecht für Israel spricht?

Bei heplev habe ich einen Gastbeitrag gefunden, der die Geschehnisse gut zusammenfasst:

Wir haben wohl alle vernommen, wie es weitergehen soll; wir haben vernommen, wie der “ mächtigste Mann der Welt” die Zukunft gestalten will und zwar zu Lasten Israels und zu Gunsten der muslimischen Welt. Dazu brauchte er nicht zu betonen, dass er im Herzen ein Muslim ist. Ich hatte eine Diskussion in einem anderen Forum diesbezüglich, in dem sich der Weltenherrscher mit dem folgenden Absatz verriet:

Zu viele Tränen sind geflossen. Zu viel Blut wurde vergossen. Wir alle haben die Verantwortung, auf den Tag hinzuarbeiten, an dem die Mütter von israelischen und palästinensischen Kindern diese ohne Angst aufwachsen sehen, an dem das heilige Land der drei großen Glaubensrichtungen der Ort des Friedens ist, den Gott für ihn vorgesehen hat, an dem Jerusalem die sichere und ständige Heimat von Juden, Christen und Muslimen ist und ein Ort, an dem alle Kinder Abrahams friedlich zusammenkommen können wie in der Geschichte der Al-Isra, als Moses, Jesus und Mohammed – möge der Friede mit ihnen sein -gemeinsam beteten.

„Möge der Friede mit Ihnen sein“ sagt man zu Toten. Also ist er kein Christ und glaubt nicht nur nicht daran, dass Jesus nicht tot ist, sondern auch irgendwann einmal auferstehen wird; er teilt die Ansicht der Muslime, die in Jesus einen toten Propheten sehen – eine klare Ansage, die sonst niemand versteht, wenn man sich nicht genügend mit der Deutungshoheit auseinandersetzt (keine Dogmen, sondern Kernaussage der christlichen Religion). Aber darum geht es letztendlich nicht, es geht darum, dass Obama die Siedlungspolitik unterbinden will; und nicht nur er, sondern auch alle ignoranten europäischen Politiker, die genau darin das Hindernis zu einem Frieden sehen, damit aber einen der größten Fehler und Fehleinschätzungen der Weltgeschichte betreiben.

Ich habe mich in letzter Zeit darum bemüht, Verträge zu analysieren, die seit Balfour bestehen; die Forderung Obamas ist völkerrechtswidrig und übersieht ALLE Verträge bzw. setzt sie außer Kraft, die seit 1922 bestehen und nie annulliert oder ersetzt worden sind.

Ich würde gerne unseren Herrn Steinmeier (ein Befürworter des judenfreien Samaria und Judäa) ein wenig in Geschichte und Vertragsrecht aufklären. Wir müssen, denke ich, hier und jetzt an unsere Eliten herantreten, aktiv werden… also:

Sehr geehrter Herr Steinmeier,

ich lese immer wieder, dass Sie sich, um den „Frieden“ in Nahost zu fördern, für eine Räumung der jüdischen Siedlungen in Samaria und Judäa (von Ihnen und der Presse immer gerne mit dem unhistorischen Begriff „Westbank“ bezeichnet) aussprechen. Ich denke, Sie und alle, die diese Vorgehensweise befürworten, machen einen großen historischen Fehler. Ich begründe gerne, warum das so ist: Nicht die Besatzung ist die Ursache, sie ist die Konsequenz aus der Geschichte. Sie sollten die Ursache bekämpfen und nicht die Symptome.

  1. Selbst wenn es ganz Israel nicht mehr geben würde, würde es dort keinen Frieden geben, zu groß sind die Machtansprüche der einzelnen Familienclans und ideologisch verblendeten Fanatiker. Schauen sie sich doch bitte gegenwärtig die Anrainerstaaten an, Ägypten (Verfolgung und Unterdrückung Andersdenkender und – glaubender), um nur einen zu nennen; Syrien, Libanon, Jordanien, überall gibt es gleiche Probleme.
  2. Sie sollten die Geschichte nicht außer Acht lassen, angefangen mit der Balfour-Erklärung, mit der den Juden eine Heimstatt versprochen wurde, wobei schon kurz darauf circa 75% des versprochenen Landes einem neuen arabischen Staat zugesprochen wurde, den es vorher niemals in der Geschichte gab – Transjordanien, heute Jordanien. So verblieben ca. 25% für die Juden und sie gaben sich damit zufrieden.
  3. Die Einwanderung der Juden (und Juden gab es zu jeder Zeit in diesem Landstrich, 1882 etwa 24.000) fand lange vor der Staatsgründung statt. Bis 1948 war der Begriff „Palästinenser“ eine abwertende Bezeichnung für Juden im Heiligen Land. 1964 erfanden die arabischen Staaten das Volk der Palästinenser, als sie die PLO gründeten; bis dahin wäre kein Araber auf die Idee gekommen, sich als Palästinenser zu bezeichnen. Arafat hat den Mythos einer „palästinensischen Urbevölkerung“ ins Leben gerufen; in seiner Rede vor den Vereinten Nationen im November 1974 behauptete Jassir Arafat:

    „Die jüdische Invasion begann 1881 … Palästina war zu dieser Zeit ein grünendes und blühendes Land, in der Mehrheit bewohnt von einem arabischen Volk, das dabei war, sich sein Leben aufzubauen und auf dynamische Weise seine einheimische Kultur zu bereichern.“

    Historiker, Schriftsteller und Pilger beschreiben ein anderes Palästina. Wenn Sie sich Reisebeschreibungen (z. B. Mark Twain) aus den Jahren 1850 bis 1930 genau anschauen, werden Sie feststellen, dass es diese „arabische Urbevölkerung“ in diesem Umfang einfach nicht gab, ganz abgesehen davon, dass von einem blühenden und grünenden Land nun überhaupt nicht die Rede sein konnte.

  4. Die Einwanderung arabischer Menschen erfolgte zeitgleich mit der jüdischen Urbarmachung der Region; die meisten Araber kamen als Wanderarbeiter aus Syrien, Ägypten und den umliegenden arabischen Staaten, weil sie sich ein besseres Auskommen unter den Juden erwarteten. Hierzu: Viele Palästinenser sind Nachkommen der ägyptischen, sudanesischen, syrischen und libanesischen Wanderarbeiter, die sich zwischen 1830 und 1945 innerhalb der augenblicklichen Grenzen Israels ansiedelten. Die Ausgabe der Encyclopedia Britannica von 1911 berichtet, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Zusammensetzung der Bevölkerung Palästinas außerordentlich heterogen war: Es wurden nicht weniger als 50 Sprachen gesprochen. Ja, gerade zu dieser Zeit wanderte die Mehrheit der palästinensischen Araber ins Land ein, kurz nachdem die Juden angekommen waren /Pr/_S.152.
    Es war nie die Rede von einem dritten arabischen Staat (den es ja nach Räumung der jüdischen Siedlungen geben würde, also judenfrei nach Jordanien, Gaza jetzt auch Samaria und Judäa). Ganz klar wurde ausgesprochen: Das jüdische Recht auf Palästina wurde 1922 durch den Völkerbund bestätigt, als die 52 Mitgliedstaaten für das Palästina-Mandat stimmten, welches die Verwaltung des Gebietes Großbritannien übertrug mit der ausdrücklichen Bestimmung „eine jüdische Heimstatt“ zu schaffen. Die Mandats-Erklärung hat international rechtlich bindenden Status. Sie bestätigt das historische Recht des jüdischen Volkes auf das Land (Präambel). Sie verleiht NUR den Juden politische Rechte zur Gründung eines nationalen Staates (Präambel; Art. 2). Nichtjüdischen Einwohnern werden Zivil- und Religionsrechte garantiert, es werden ihnen aber nicht die GLEICHEN politischen Rechte verliehen (Präambel; Art. 2). Trotzdem sitzen heute arabische Israelis in der Knesset und agieren zunehmend judenfeindlich.
  5. Die Erklärung bestimmt ferner, dass die jüdische Niederlassung im ganzen Lande von der Mandatsmacht (GB) gefördert werden soll; sie soll intensiv und auf allem Land, auch auf staatlichem Boden, erfolgen, außer auf dem für öffentliche Zwecke benötigten (Artikel 6).
    Staatlicher Boden war der größte Teil Palästinas. Dabei handelte es sich um Gebiete, die niemandem privat gehörten (und automatisch von der Administration übernommen wurden, als die türkische Herrschaft aufhörte, weil die Türken von den Briten im 1. Weltkrieg besiegt wurden).

    … Nachdem nun einmal ein Staat für die „Urbevölkerung“ geschaffen wurde und in den nachfolgenden Jahren eine gerade aus deutscher Verantwortung entstandene jüdische Einwanderung nach Palästina … nicht aufzuhalten war, erklärte David Ben Gurion 1948 den unabhängigen Staat Israel, in dem auch den arabischen Minderheiten die gleichen Rechte zugestanden wurden wie den Juden. An die darauffolgende Reaktion der Anrainerstaaten (übrigens auch künstliche Gebilde wie Jordanien, Libanon etc.) müssten auch Sie sich noch erinnern können: Der Staat Israel wurde 1948 nach dem Völkerrecht gegründet. Israels arabische Nachbarn akzeptierten dies nicht und begannen einen Angriffskrieg, der den jüdischen Staat auslöschen sollte. Im Zuge dieses Krieges besetzen Jordanien und Ägypten [völkerrechts-]widerrechtlich Samaria, Judäa, einen Teil Jerusalems und den Gazastreifen und verwalteten ihn bis 1967. Vor 1967 gab es NIEMALS auch nur einen Ansatz von irgendeiner arabischen Seite, die auf einen eigenen Staat zwischen Jordan und Mittelmeer bestanden hätte; die arabischen Bewohner dieses Landstriches sahen sich auch nicht als ein Volk, sondern immer als Teil der arabischen Anrainerstaaten, dazu gibt es Aussagen wie die Folgende:

    Ein hochrangiges Mitglied der Terrorgruppe Hamas (übrigens dringendst die Charta lesen), die jegliches Recht der Juden am Land verneint, hat öffentlich zugegeben, dass die Idee einer historischen „palästinensischen Nation“ eine reine Fantasievorstellung ist, ein Propagandainstrument derer, die sich gegen Israels Wiedergeburt auflehnen. In einem Interview mit der Zeitschrift „The Economist” sprach Hamas-Außenminister Mahmud Al-Zahar – drittwichtigster Anführer der Hamas – von dem Tag, an dem die moslemische Welt sich zu einer Art islamischer Konföderation oder islamischem Imperium vereinigen wird.

    Al-Zahar erklärte, dass ein solcher Zusammenschluss kein Problem für palästinensische Araber bedeuten würde, die so energisch für ihre Unabhängigkeit gekämpft haben, da sie noch

    „… nie in der Geschichte ein unabhängiger Staat waren. Wir waren Teil eines arabischen Staates und eines islamischen Staates.“

    Obwohl ein solches Eingeständnis den Ansprüchen der nationalistischen Araber auf das Gebiet westlich des Jordan jede Grundlage entzieht, sind sogar viele Israelis und westliche Friedensvermittler der Meinung, dass Israel nicht auf unbestimmte Zeit über eine große und feindselige arabische Bevölkerung herrschen kann. Die Schaffung eines weiteren arabischen Staates (und somit einer weiteren Verkleinerung eines jüdischen Staates) scheint die am ehesten realisierbare Lösung des Problems zu sein.

    Dennoch gründet die Realisierbarkeit einer solchen Lösung auf der Annahme, dass ein solches „Palästina“ eine freie, offene und demokratische Nation im westlichen Sinne des Wortes sein würde, ohne eine Gefahr für Israel darzustellen. Die Palästinenser neigen jedoch offenbar immer mehr der islamisch-religiösen Richtung zu. Al-Zahar zählt zu denen, die davon träumen, dass irgendwann einmal ein panmuslimischer Staat entsteht.

    … Nach dem Sechstagekrieg 1967 holten sich die Juden eigentlich nur das zurück, was Ihnen vorher genommen wurde, also von einer Besatzung kann da wohl rechtlich keine Rede sein. Leider beginnt von diesem Tag an die mediale Geschichtsverfälschung und Israel wurde als „Besatzungsmacht“ über diese Landstriche weltweit in den Medien verurteilt. Demzufolge tun über 40 Jahre Gehirnwäsche ihre Wirkung, zumal sich die Wenigsten um den Begriff Ursache und Wirkung bemühen.

  6. Die JÜDISCHEN „SIEDLUNGEN“ SIND LEGAL: In den verbliebenen 25% Palästinas, einschließlich Gaza (heute judenfrei), dem „Westjordanland“ (bestehen Sie und andere auf judenfrei) und einem Teil der Golanhöhen (will Syrien zurück, ohne Frieden seinerseits, also auch wieder judenfrei), sind die jüdischen Siedlungsrechte nie begrenzt, enthoben, annulliert, überholt oder ersetzt worden. Die jüdischen Rechte für „dichte Besiedlung“ treffen rechtlich (erst recht) für das verbliebene Palästina westlich des Jordanflusses zu.

Es mag für Sie und andere eine Überraschung sein, aber Juden können völkerrechtlich in Gaza, Hebron, Bethlehem, Nablus, Ramallah und sonstwo in Palästina leben – genauso wie in Haifa, Tel Aviv und Jerusalem. Die Mandats-Erklärung von 1922 für Palästina trifft auch  für Gaza …, Judäa und Samaria („Westjordanland“), wie für Israel innerhalb der sogenannten „grünen Linie“ zu.

Sie und andere mögen sich fragen, ob die Mandats-Erklärung noch heute Gültigkeit hat, da der Völkerbund nicht mehr existiert. Außerdem hat Großbritannien das Mandat aufgegeben, nachdem es seine Mission nicht erfüllt hat. Nun, ebenso wenig, wie ein Testament mit dem Tode des Erblassers oder Testamentsvollstreckers ungültig wird, so auch nicht die Mandats-Erklärung. Als Ironie des Schicksals hat Israel als verantwortliche Nachfolger-Administration in Palästina (und damit Nachfolger Großbritanniens) sogar die Pflicht, die Mandatsaufgaben zu erfüllen, einschließlich der Besiedlung des Landes.

Die Vereinten Nationen (UNO) haben als Nachfolger des Völkerbundes die Gültigkeit aller Mandatsobligationen bestätigt, indem sie diese in ihre eigene Charta (Satzung) übernahmen, speziell mit Artikel 80 („Palästina-Klausel“ genannt). Die Jüdischen Siedlungsrechte sind deshalb sowohl vom Völkerbund als auch von der UNO garantiert, zweifellos zum Verdruss der Befürworter eines zweiten Palästinastaates, zudem ja heute die vorwiegende politische Meinung tangiert.

UNO-RESOLUTION 181: Obwohl dem Teilungsplan der UNO von 1947 in der Geschichte Israels ein hoher Platz eingeräumt wurde, ist es tatsächlich die Mandats-Erklärung, die den jüdischen Staat und die Siedlungsrechte legal rechtfertigt. Weil der Teilungsplan erwähnt wurde, wollen wir nun die arabischen Forderungen betrachten.

Da die arabischen Palästinenser nie einen selbstständigen Rechtsstaat mit territorialen Rechten hatten, können sie nicht behaupten, dass Israel illegal ihr Land okkupiert. Im Gegenteil stehen die jüdischen Rechte fest.

Die arabischen Palästinenser berufen sich heute mit ihrer Forderung nach einem (weiteren) palästinensischen Staat auf den Partitions-Plan, auch UNO-Resolution 181 genannt. Der Plan war ein Vorschlag zur Gründung eines jüdischen Staates und eines zweiten arabischen Palästinastaates auf den verbliebenen 25% des Landes. (Jordanien ist, wie gesagt, der erste palästinensische Staat und auf 75% von Palästina aufgebaut.) Dies ist eine weitere jener Ironien, da die ganze Arabische Liga, einschließlich der „palästinensisch-arabischen“ Führung, genau diesen Plan 1947 ablehnten und Krieg gegen Israel führten, um so den Disput militärisch zu erledigen.

Der Teilungsplan hat heute keine Rechtskraft. Die Resolution wurde nie rechtsgültiger Gegenstand internationaler Gesetzgebung. Obwohl die UNO-Vollversammlung ihn angenommen hatte, wurde er nicht vom UN-Sicherheitsrat ratifiziert, da der arabische Angriff gegen Israel die Resolution irrelevant machte. Israel hatte die Resolution akzeptiert. Die Araber lehnten sie ab und beschlossen einen Angriffskrieg. Die Resolution war davon abhängig, von beiden Seiten akzeptiert zu werden; sie war deshalb seitdem nicht mehr vor der Versammlung. Nur Resolutionen des Sicherheitsrats sind rechtlich verpflichtend. Resolutionen der Vollversammlung sind zunächst Vorschläge, Empfehlungen, geben aber keine rechtliche Grundlage.

Trotz der absurden Situation zahlreicher, von verschiedenen UNO-Gremien ausgehender Resolutionen, einschließlich der Resolution 1397 des Sicherheitsrats (März 2002), die im Widerspruch zur UNO-Verfassung palästinensische Eigenstaatlichkeit unterstützt, gibt es kein Recht, das den palästinensischen Arabern irgend einen Teil von Palästina in erkennbaren Grenzen gewährt. Die Resolution 1397 bestätigt nur eine „Vorstellung“ von Eigenstaatlichkeit für die palästinensischen Araber, etabliert jedoch kein gesetzliches Recht dafür. Zudem bleibt das Recht der Juden, sich überall in Palästina niederzulassen, weiterhin gültig.

Auf Grund der rechtlichen Situation stellte die damalige US-Botschafterin bei der UNO, Madeleine Albright, (obwohl sie die Konzessionen Israels an die Palästinenser unterstützte) fest:

„Wir akzeptieren einfach nicht die Beschreibung der Territorien, die Israel 1967 einnahm, als besetztes palästinensisches Gebiet“.

Zahlreiche Experten auf dem Gebiet des Völkerrechts, wie Douglas Feith, Eugene Rostow und Stephen Schwebel, argumentierten überzeugend, dass Israel ein rechtsgültiges Besitzrecht für Gaza und das „Westjordanland“ – das Gebiet heißt Judäa und Samaria – hat.
Die UNO, die EU, internationale Gerichte und auch deutsche Politiker mögen das bestehende Recht garantieren oder sie mögen es ignorieren. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Israel nie eine widerrechtliche Besatzungsmacht war oder heute ist. Folgerichtig ist es ein historischer Fehler, wenn jetzt erneut einstmals jüdische Gebiete judenfrei gestaltet werden sollen und somit der Auslöschung Israels und dem jüdischen Volk indirekt Vorschub geleistet wird, denn eines ist klar: Innerhalb der Grenzen Israels leben rund 20% arabische Israelis. Sollten Samaria und Judäa judenrein gestaltet werden – und genau das sind die Pläne der „Palästinenser“ – dann müsste man Platz für ca. 250.000 Menschen schaffen und somit wäre es erforderlich, diese „arabischen Israelis“ in die danach judenfreien Gebiete zu integrieren. Was man schon früher (nach 1948) als Bevölkerungsaustausch hätte tun können – auch und gerade mit den „palästinensischen Flüchtlingen“ gegenüber den fast 800.000 jüdischen Flüchtlingen, die Israel aufgenommen hat und deren Hab und Gut in den jeweiligen Ländern verblieben sind.

Machen Sie sich bitte über die Folgen Gedanken bezüglich der Fehler, die Politiker auf Kosten eines seit ewigen Zeiten verfolgtem Volk (Deutschland brauche ich wohl nicht explizit anzusprechen) immer wieder begangen haben und auch weiterhin begehen. Es wird keinen Frieden geben, denn Sie sagen: Frieden, Frieden, aber es gibt ihn nicht. Vielleicht sollten sie wirklich die Bibel nehmen, lesen und sie als Geschichtsbuch betrachten – ohne Religion. Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn Sie sich ein wenig mehr mit Geschichte und Verträgen beschäftigen würden. Denn dann würden Sie EINES erkennen: SIE IRREN, so wie der neue Präsident der USA irrt.

Sie müssen die Ursachen angehen, nicht die Symtome!

Bericht aus Israel

Gestern Abend war auf einer Veranstaltung mit Doron Schneider, einem gebürtigen Deutschen, der mit 10 mit seiner Familie nach Israel auswanderte und seitdem dort lebt. Er leitet eine jüdisch-messianische Gemeinde in Israel.

Er arbeitet bei der ICEJ und ist regelmäßig in Deutschland, um aus Israel zu berichten. Neben der Aktualität und Authentizität seiner Berichte ist es auch interessant, dass er Soldat der IDF (Marine) war und an diversen Einsätzen (u.a. Libanon 2006) teilgenommen hat.

Sein Bericht über das Vorgehen der IDF, sein persönliches Erleben als Jude und Christ in einer Armee war eindrucksvoll. Er beschrieb seine Erlebnisse mit seinen Kameraden, die verletzt oder getötet wurden und ihre Vorgehensweise gegen Terroristen. Dabei wurden militärische Nachteile in Kauf genommen, nur um die Zivilisten in der Nähe der Terroristen zu schonen.

Er ging natürlich auf die allgemeinen Entwicklungen nach den Wahlen in Israel ein, auf die Rede des Herrn A. aus T. in Genf („dort versammelte sich die Welt und gab einem der größten lebenden Antisemiten eine Plattform; die westlichen Staaten lassen andere die Drecksarbeit machen“) und auf das Lebensgefühl der Israels:
Umgeben von – im Prinzip – lauter feindlich gesinnten Staaten, die mehr oder weniger die Vernichtung Israels wünschen. Den Frieden mit Jordanien und Ägypten bezeichnete er als „kalten Frieden“.

Er ordnete auch das Geschehen aus der Sicht der Bibel ein und zitierte Sach.12,2-3:

Ich mache Jerusalem für die Völker ringsum zu einer Schale voller Wein: Wenn sie daraus trinken, werden sie taumeln wie Betrunkene. Sie wollen Jerusalem und ganz Juda erobern.
Doch an jenem Tag wird Jerusalem für sie wie ein viel zu schwerer Stein sein: Wer ihn hochhebt, verletzt sich dabei. Alle Völker der Erde werden sich gegen Jerusalem verbünden.

Seiner Einschätzung nach braucht Israel ein geistliches Erwachen, dann wären auch viele Konflikte zu Ende. Gott wird mit seinen Plänen aber ans Ziel kommen, auch wenn der Weg dahin nicht immer ein gerader ist.

Die israelische Parteien-Landschaft beschrieb er als paradox: die sogenannten rechten Parteien wie Likud un Kadima waren immer gegen eine Landabgabe, die (linke) Arbeitspartei (Awoda) war immer dafür. Die Landabgabe geschah aber immer nur unter den rechten Parteien (Sinai, Gazastreifen). Was erwartet also Israel unter dem PM Netanjahu?

In Europa beobachten die Israels mit großer Sorge einen stark ansteigenden Antisemitismus (oder eher Anti-Israelismus), haben aber der Entscheidung Deutschlands, Durban II abzusagen, großen Respekt gezollt.

Am eindrucksvollsten waren für mich aber 2 Dinge:
Ganz am Anfang sagte er, er selber – und auch wir sollen das – sehe die Araber nicht als seine Feinde. Die Systeme und die Regierungen sind teilweise Israels Feinde, aber nicht die Menschen. Sein bester Freund ist ein Araber.

Zum Schluss sagte er, dass natürlich auch Israelis nur Menschen sind und deshalb Fehler machen/gemacht haben. Er erzählte, dass seine Gemeinde Kontakte zu arabischen Gemeinden eher gemieden habe. Aber seit einiger Zeit hat sich das geändert und sie treffen sich mit arabischen Christen zum gemeinsamen Gebet.

Am stärksten war die Tatsache, dass in diesem Kreis eine arabische Frau ist, die noch vor 4 Monaten von der Hamas dazu aufgefordert wurde, in Haifa einen Selbstmordanschlag zu begehen, dies auch vorhatte, sich dann aber zu Jesus bekehrte und davon abließ. Heute beten Doron und sie zu dem gleichen Gott und da ist keine Bitterkeit, sondern Vergebung.

Das war und ist für mich gelebter Glaube. Nur so kann nach jahrelangem gegenseitigem Hass, Morden und Ablehnung Versöhnung stattfinden.

An alle Israelkritiker

Warum schreibt, schreit, beschwert und erregt sich eigentlich niemand über das hier:

Am 16. September eskalierte die Situation, als Hussein den Befehl zur endgültigen Niederschlagung des Aufstandes gab und palästinensische Flüchtlingslager in Amman bombardieren ließ. Dabei wurden schätzungsweise drei- bis fünftausend Palästinenser getötet. Syrien ließ zur Unterstützung der PLO Panzer nach Jordanien einmarschieren. Diese wurden am 22. September zurückgeschlagen. Insgesamt sollen im Zusammenhang mit der Verfolgung von Palästinensern im September 1970 40.000 Palästinenser umgekommen sein. [1].

Warum nennt niemand die Jordanier und Syrer Rassisten, Fachisten, etc.? Ideen?

Türkei: Vorbehalte gegenüber Christen wachsen

Vorbehalte gegenüber Christen nehmen in der Türkei zu. Das geht aus dem Jahresbericht über Religion und Werteinstellungen des Züricher Medienforschungsinstituts Media Tenor hervor. Demnach ist der Anteil der türkischen Bevölkerung, der eine kritische Haltung gegenüber Christen einnimmt, von 44 Prozent im Jahr 2004 auf 74 Prozent im Jahr 2008 gestiegen.

Damit genießen Christen in dem Land, das Mitglied der Europäischen Union werden will, das schlechteste Image aller befragten Länder. Selbst im muslimisch geprägten Pakistan (60 Prozent), dem kommunistischen China (55) und Ägypten (46) liegt der Anteil der Bevölkerung, die Christen gegenüber skeptisch ist, unter dem Wert der Türkei. Grund dafür ist laut dem geschäftsführenden Chefredakteur von Media Tenor, Roland Schatz, die Berichterstattung über die Papst-Rede im September 2006 in Regensburg. Darin ging Benedikt XVI. auf die Rolle der Gewalt im Islam ein. Manche Muslime sahen diesen Vortrag als eine Hasspredigt an. Die größten Vorbehalte gibt es dem Bericht zufolge gegenüber den Juden: In Ägypten, Jordanien und Libanon stehen zwischen 95 und 97 Prozent der Bevölkerung ihnen kritisch gegenüber. Das Bild über Muslime ist besonders in Japan (61 Prozent), Indien (56) und China (55) mit Vorbehalten belastet. In Deutschland steht jeder zweite ihnen skeptisch gegenüber.

Hier die aufbereiteten Zahlen: (mehr dazu hier)

Kritische Haltung gegenüber Christen in % Kritische Haltung gegenüber Juden in % Kritische Haltung gegenüber Moslems in %
Deutschland 12 25 50
Frankreich 17 20 38
Großbritannien 7 9 23
Spanien 24 46 52
USA 3 7 23
Polen 8 36 46
Russland 7 34 32
Türkei 74 (von 44% in 2004) 76 9
Ägypten 46 95 1
Jordanien 25 96 2
Libanon 14 97 3
Australien 8 11 29
China 55 55 55
Indien 37 32 56
Indonesien 41 66 2
Japan 38 44 61
Pakistan 60 76 1
Süd-Korea 36 41 50
Argentinien 14 32 34
Brasilien 21 50 53
Mexiko 28 46 21
Nigeria 17 43 20
Südafrika 10 46 45
Tansania 6 39 13

Es gibt schon einen palästinensischen Staat

Hätten die arabischen Staaten ein Interesse daran, ließe sich die „humanitäre Katastrophe“ in den Palästinensergebieten beenden: durch die Vereinigung des Gazastreifens mit Ägypten und der Westbank mit Jordanien beispielsweise.

VON TILMAN TARACH

Einen Vorwurf der besonderen Art äußerte unlängst Uri Avnery gegen Ariel Scharon: Der damalige Verteidigungsminister Israels habe 1981 den Plan gehabt, „die Palästinenser zu ermutigen, in Jordanien eine Revolution auszulösen und König Hussein abzusetzen“, um dann „Jordanien in einen palästinensischen Staat unter Yassir Arafat zu verwandeln und mit der palästinen­sischen Regierung in Amman über die Zukunft der Westbank zu verhandeln“. Avnery war in jenen Jahren noch Mitglied der israelischen Knesset, inzwischen ist er ein allseits beliebter Antizionist und Antikommunist, und der bitterböse Plan, in den ihn damals Scharon persönlich eingeweiht haben soll, empört ihn heute mächtig, gerade so als wäre er ein bekennender Monarchist, dem der Thron des jordanischen Königs heilig ist.

Was hätte eigentlich wirklich gegen eine „jordanische Option“ gesprochen? Und was spräche heute gegen sie? Jordanien war ursprünglich wie Restpalästina Teil der vom britischen Empire beherrschten palästinensischen Region („Mandatsgebiet Palästina“), auf deren Fläche für einen jüdischen und einen arabischen Staat reichlich Platz gewesen wäre; es umfasst 78 Prozent dieses Gebiets und wurde 1922 von den Briten als „Transjordanien“ abgetrennt. Restpalästina dagegen, das heute aus Israel plus Westjordanland plus Gaza-Streifen besteht und insgesamt nur wenig größer als Kuwait ist, verträgt kaum zwei souveräne Staaten, die sich zudem noch feindlich gesonnen sind.

Werfen wir einen nüchternen Blick auf die Hintergründe: Das jordanische Staatsgebiet ist mehr als viermal so groß wie dasjenige Israels, und seine Bevölkerungs­dichte beträgt nur ein Sechstel derjenigen Israels. Die meisten palästinensischen Flücht­linge der Kriege von 1948 und 1967 leben in Jordanien, etwa 60 Prozent aller Jordanier nennen sich „Palästinenser“, und auch der Rest unterscheidet sich von diesen, soweit es sich um Araber handelt, weder in Sprache, Religion noch Kultur. Bis 1967 war das Westjordanland jordanisch besetzt und auch förmlich annektiert, die dort lebenden palästinen­sischen Araber galten als Jordanier (und sind auch heute häufig im Besitz eines jordanischen Passes). Aber bezeich­nen­der­weise hat in jener Zeit keiner von ihnen eine Intifada gegen Jordanien ausgerufen, um im Westjordanland einen palästinensischen Staat zu schaffen, und kein palästinensischer Araber kämpfte je in Gaza gegen die Ägypter, die den Gaza-Streifen seit 1948 besetzt hatten: Der Kampf richtete sich immer nur gegen die Existenz Israels.

Als 1964 die PLO gegründet wurde, rief sie nicht zur Befreiung dieser jordanisch und ägyptisch besetzten Gebiete auf, sondern zur Zerstörung Israels; niemand innerhalb der PLO sprach damals von einem palästinen­sischen Staat, auch Ahmad Schukeiri nicht, der vormalige UN-Botschafter Saudi-Arabiens und (bis 1967) Vorsitzen­de der PLO. In Artikel 24 ihrer Charta von 1964 verzichtete die PLO sogar noch ausdrücklich auf Souveräni­täts­ansprüche auf das West­jordanland und den Gaza-Streifen. Die Strategie änderte sich erst nach 1967, als diese Gebiete nicht mehr jordanisch bzw. ägyptisch, sondern israelisch besetzt waren. Schon 1965 rühmte sich die PLO aber, 35 Juden getötet zu haben, die Zahl erhöhte sich in den Folgejahren. Auch dies zeigt die Verlogenheit des gebets­mühlenhaft vorge­tra­genen Lamen­tos, die Angriffe auf Juden seien nur eine Reaktion auf die israelische Besetzung der Westbank, die jedoch erst im Zuge des Sechstagekriegs 1967 erfolgte.

Bekanntlich bot Israel noch im selben Jahr an, im Rahmen eines Friedensvertrags über die Rückgabe der besetzten Gebiete zu verhandeln, doch die arabischen Staaten antworteten auf der Konferenz von Khartum mit dem berühmt gewordenen „dreifachen Nein“: Nein zum Frieden mit Israel, nein zur Anerkennung Israels, nein zu Verhandlungen mit Israel (nur Habib Bourguiba, der Präsident der weitgehend säkularen tunesischen Repu­blik, war schon 1965 für eine Einigung mit Israel eingetreten). Es ist die alte Position des berüchtigten Muftis von Jerusalem: No inch des heiligen musli­mischen Bodens für einen souveränen jüdischen Staat. In diesem Zusammenhang muss in Erinnerung gerufen werden, dass es Jimmy Carter war, der einen palästinensischen Staat im Westjordanland und Gaza-Streifen vor­schlug; erst darauf­hin griff die PLO diese Idee auf.

In Wahrheit ist die einzige prakti­kable Option, gegen die auch die Palästinenser keine ver­nünf­tigen Ein­wän­de vor­brin­gen können, diese: Das West­jordan­land (oder große Teile davon) vereinigt sich mit Jordanien und Gaza mit Ägypten. (Als im Februar 2008 die Palästinenser Gazas die ägyptische Grenzbefestigung zum Sinai überrannten, geschah dies schließlich unter der an die Ägypter gerichteten Parole „Wir sind ein Volk“.) Sowohl mit Ägypten als auch mit Jordanien unterhält Israel immerhin einen Friedensvertrag, anders als mit allen anderen arabischen Ländern, die an den Kriegen beteiligt waren. 30 Pro­zent der Palästinenser im Westjordanland befür­worten laut Umfragen eine derartige Lösung, die ja in gewisser Weise sogar panarabischen Charakter hätte. Doch bekämpft wird sie von der jordanischen Haschemiten-Dynastie, die um ihren Thron fürchtet und deshalb schon 1988 auf sämtliche territorialen Ansprüche auf das Westjordanland verzichtete.

Wie die Jerusalem Post berichtet, bezeichnete König Abdullah schon eine bloße Konföderation zwischen Jordanien und dem Westjordanland als eine „Verschwö­rung gegen das Königreich und gegen die Palästinenser“. Auch alle bekannteren palästinensischen Gruppen verteufeln einen solchen Plan: Die Schaffung eines zweiten palä­sti­nensischen Staates neben Jordanien war für sie stets nur ein Vorwand, der ihre antiisraelische Politik kaschieren sollte, und die Anerkennung des um die Westbank vergrößerten Jordanien als Staat der Palästinenser würde ihnen diesen Vorwand nehmen.

Ihr eigentliches Ziel war stets die Zerstörung Israels, und dieses Ziel würden sie in ihrem unheiligen Zorn über die „zionistische Anmaßung“ auch dann noch verfolgen, wenn sich die Juden Israels mit ihrem Staat auf die Festung Masada im Judäischen Gebirge oder auf die Strandpromenade von Tel Aviv zurückziehen würden.

Benny Morris: Die Aussicht auf Frieden im Palästina-Konflikt

Warum ich Benny Morris mag? Weil er sich nicht scheut, die Wahrheit zu schreiben – auch wenn sie unbequem ist und weil er es schafft, seine eigene Meinung – wenn nötig – zu ändern. Außerdem ist er kein verbohrter Israelfanatiker, sondern scheut sich nicht, Israel den Spiegel vorzuhalten und die gemachten Fehler anzusprechen.

Hier stellt Walter Laqueur Benny Morris und sein neues Buch vor und fragt sich, warum der Nahost-Konflikt so sehr im Mittelpunkt des Weltinteresses steht:

Seit den 1960er Jahren hat der arabisch-israelische Konflikt amerikanische Präsidenten und Regierungen weit über seine tatsächliche Bedeutung hinaus beschäftigt. Daran dürfte sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Die Ursachen hier für sind nicht ohne weiteres verständlich, denn eine besondere strategische oder wirtschaftliche Bedeutung hat die Region nicht. Was die Zahl der Opfer angeht, die dieser Konflikt gefordert hat, so liegt er damit weit hinter zahlreichen zwischen- und innerstaatlichen Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten zurück. So wurden im algerischen Bürgerkrieg ebenso Hunderttausende von Muslimen getötet, wie im Konflikt zwischen dem Irak und dem Iran. Dazu kommen viele mehr in Darfur, Somalien, den Philippinen, Tschetschenien, Pakistan, Jemen, im libanesischen Bürgerkrieg und so fort. In den letzten Jahrzehnten ist dagegen nur eine recht kleine Zahl israelischer Juden in Kriegen getötet worden.

Daher drängt sich die Frage nach anderen Gründen für die erhöhte Bedeutung gerade diesen Konfliktes auf: Spielen Palästina und Jerusalem nicht ein besondere, hochemotionale Rolle für die Religion der Muslime und Juden? Nicht so schnell: Jerusalem (genauer: ein bestimmter Ort dort, die al-Aqsa Moschee) wird nur einmal im Koran genannt. Zudem datiert der Konflikt vor dem Aufschwung des islamischen Fundamentalismus.

Man könnte stattdessen argumentieren, dass es sich um eine innere Angelegenheit handelt, wenn Araber andere Araber töten und dass die Sache zu einem internationalen Problem von weit grösserer Bedeutung wird, sobald Nicht-Araber ins Spiel kommen: Islamophobia, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Aber auch das erklärt die besondere Aufmerksamkeit der westlichen Medien für den arabischen Konflikt nur unzureichend. Als der damalige syrische Präsident Hafez al-Assad 1982 den Aufstand der Muslimbruderschaft in der Stadt Hama niedergeschlagen hat, kamen dabei viel mehr Menschen um, als in sämtlichen Intifadas, den letzten Kriegen im Libanon und der israelischen Invasion in Gaza zusammengenommen. Aber die westlichen Medien schenken all diesen Ereignissen deutlich weniger Aufmerksamkeit, als zuletzt der israelischen Invasion in Gaza. Kameraleute und Korrespondenten lassen sich dagegen nicht in Afrika, Asien oder Nahost blicken, wenn dort Millionen zu Opfern von Massenverbrechen werden.

Könnte dies mit der Befürchtung zu tun haben, dass der Konflikt zwar vorerst nur eine kleine Zahl von Menschen betrifft, aber eventuell einen Flächenbrand auslösen könnte, wie das Attentat von Sarajewo im Jahr 1914? Im Zeitalter der Massenvernichtungsmittel ist Alles möglich. Aber wir haben ein solches Stadium noch nicht erreicht und derartige Ängste können die Aufmerksamkeit für Palästina in der Gegenwart und der Vergangenheit nicht erklären. Pakistan ist derzeit wesentlich gefährlicher und für den Iran gilt das gleiche.

Bislang fehlt eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage nach der überproportionalen Aufmerksamkeit für diese winzige Region in Nahost, von der angeblich die schlimmste Bedrohung für den Weltfrieden ausgeht. Vom Kalten Krieg vielleicht abgesehen hat kein Konflikt ein grösseres Volumen an Literatur produziert als der zwischen Israeli und Palästinensern. Allein im vergangenen Jahr sind dazu Dutzende schwerer Bände erschienen und die meisten Protagonisten der Friedensverhandlungen haben inzwischen ihre Version der Geschichte in Büchern veröffentlicht. Den Anfang hat Shlomo Ben-Ami, der israelische Aussenminister während der Verhandlungen in Camp David im Jahr 2000, mit „Scars of War, Wounds of Peace“ gemacht. Die amerikanischen Unterhändler Dennis Ross („The Missing Peace“), Martin Indyk („Innocent Abroad“), Aaron David Miller („The Much Too Promised Land“) und der ehemalige US-Botschafter in Israel Daniel Kurtzer folgten ihm nach – ganz zu schweigen von ex-Präsident Jimmy Carter („We Can Have Peace in the Holy Land“).

Dazu kamen umfassende, analytische Untersuchungen wie Lawrence Freedmans „A Choice of Enemies“; Bücher über die Kriege von 1948, 1967 und 1973; die erste und die zweite Intifada; die israelischen Siedlungen (Gershom Gorenberg mit „The Accidental Empire“, sowie Idith Zartal und Akiva Eldar mit „Lords of the Land“); über die Israel-Lobby in den USA und über Hamas. Von arabischer Seite meldeten sich Parteigänger wie der Historiker Rashid Khalidi und der Intellektuelle Edward Said. Aber es liegen weit weniger Bücher von arabischen Politikern oder Diplomaten vor. In der Region fehlt die westliche Tradition, dass sich führende Persönlichkeiten zu Ereignissen äußern, an denen sie beteiligt waren (Saddam Hussein war eine Ausnahme, aber er hat Romane geschrieben). Es gibt Ausnahmen, aber diese leiden an dem, was der ägyptische Autor Tarek Heggy „unsere Kultur der Realitätsverweigerung“ genannt hat. Dabei mag Furcht eine Rolle spielen. Wir sollten nicht vergessen, dass der ehemalige ägyptische Minister Yousef el-Sebai allein dafür ermordet wurde, dass er Anwar Sadat auf seinem Flug nach Jerusalem begleitet hat.

Natürlich leiden Autoren von Memoiren mitunter an Gedächtnislücken. Präsident Carter betrachtet die israelischen Siedlungen jenseits der Grenzen von the 1967 als das wesentliche Friedenshindernis. Aber er übergeht, dass zahlreiche dieser Siedlungen gerade während seiner Amtszeit gegründet oder rasant ausgebaut worden sind. Um noch genauer zu sein: ebene jene Siedlungen mitten in arabischem Territorium wie Ariel, Elon Moreh, Bethel, Kfar Adumim, Karnei Shomron und so weiter. Dennoch sind die Memoiren und andere Werke auf diesem Gebiet insgesamt nützlich zum Verständnis der letzten Phase in diesem stürmischen Konflikt. Sie handeln die verschiedenen Anläufe zu einer Friedenslösung oder zumindest einem langwährenden Waffenstillstand in den letzten Jahrzehnten ab: die Gipfeltreffen in Camp David, Taba und Annapolis, sowie die zahllosen kleineren Treffen.

Doch kaum eines dieser Bücher bietet über technische Vorschläge hinaus wirkliche Lösungen an. Eine Ausnahme und noch dazu eine höchst bemerkenswerte, stellt das neue Buch von Benny Morris dar: „One State, Two States: Resolving the Israel/Palestine Conflict“. Morris ist der führende, produktivste und mit Sicherheit der am meisten diskutierte israelische Historiker seiner Generation. Man darf ihn auch gerechterweise mit den umstrittensten nennen. Geborenen in einem Kibbutz im Jahr der Staatsgründung, wurde Morris der erste und prominenteste der neuen, post-zionistischen Historiker und brach bestimmte Tabus der offiziellen Geschichtsschreibung der jüdischen Nationalbewegung. Statt die offizielle Version nachzubeten, nach der die Palästinenser ihre Heimstätten 1948 allein auf Drängen arabischer Führer verlassen hätten, sagte Morris, das Flüchtlingsproblem sei aus einer Kombination von Gründen entstanden: teils aus Panik, teils auf den Rat arabischer Führer zur Flucht, teils aber auch, weil israelische Streitkräfte Araber vertrieben haben. Er hielt Israel Grausamkeiten bis hin zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Als Mann von Prinzipien weigerte er sich aus Protest gegen die israelische „Besetzung“ seinen Dienst als Reservist auf der Westbank zu leisten. Er wurde dafür 1988 verhaftet. Morris wurde damals zur Lieblingsquelle linker und palästinensischer Autoren.

Aber wie jeder gute Wissenschaftler war er willens, seine Argumentation neuen Erkenntnisen anzupassen. Im Lauf seiner Recherchen wurde Morris deutlich kritischer gegenüber den Palästinensern, die 1948 versucht hatten, den neuen Staat Israel zu zerstören. 800 von ihnen waren damals exekutiert oder massakriert worden (doch so war es auch Hunderten jüdischen Zivilisten ergangen). Diese Zahl liegt weit unter denen aller vergleichbaren Konflikte. Im Gegensatz zu seinen ersten Ergebnissen fand Morris nun, Palästinenser seien zwar in Einzelfällen vertrieben worden, eine systematische Politik der ethnischen Säuberungen habe Israel jedoch nicht verfolgt.

Morris ging noch weiter: Hatte er zunächst die von ihm vermutete Vertreibungspolitik Israels abgelehnt, so dachte er nun, es sei ein Fehler gewesen, auf diese zu verzichten. Ethnische Säuberungen (im Sinne von Populations-Transfers oder deren Austausch wie in Osteuropa, dem indischen Subkontinent und anderen Regionen) haben Konflikte mitunter entschärft und Situationen stabilisiert. Hätte dies nicht auch in Palästina der Fall sein können? Der zunehmende Extremismus auf palästinensischer Seite hat Israel existentiell gefährdet, erschien deren vollständige Vertreibung für Morris nun absolut gerechtfertigt.

Derartige, unorthodoxe Überlegungen, die er nach der zweiten Intifada entwickelt hatte, brachten Morris massive Angriffe seitens seiner ehemaligen Weggefährten und Unterstützer ein. Der Liebling der radikalen Linken wurde zum Verräter an der guten Sache und als Rassist, Chauvinist, wenn nicht sogar als Faschist beschimpft. Die Kreise, die ihn zuvor am leidenschaftlichsten unterstützt hatten, boykottierten ihn nun. Aber Morris liess sich nicht beirren: Während er zur friedlichen Beilegung des Konfliktes weiterhin israelische Kompromisse bevorzugte, erkannte er dafür auf der Gegenseite keinerlei Bereitschaft. Beruhend auf einer Kultur der Vergeltung und religiösen Überzeugungen, blieb die palästinensische Ablehnung der Existenz Israels in den Augen von Morris fundamental und total. Kurz: Er sah keine Chance mehr für den Frieden – und schon gar nicht mehr zu seinen Lebzeiten. In seinem jüngsten Buch haben sich die Gedanken von Morris indes erneut weiterentwickelt.

In „One State, Two States“ diskutiert Morris zeitgenössische und historische Ideen zur Zukunft Palästinas sowohl von Juden, als auch von Arabern: Soll es einen Staat beherbergen oder zwei – und wie soll dieser gestaltet werden? Nach einer langen (vielleicht überlangen) Diskussion diverser Zeitschriften aus Grossbritannien und den USA – meist von jüdischen Autoren mit sehr dezidierten Ansichten (wenn auch mit unterschiedlichem Kenntnisstand Palästina betreffend) – wendet sich Morris den Ursprüngen der Konzepte eines und zweier Staaten zu. Damit macht er verständlich, wie sich Israeli und Palästinenser überhaupt in diesen vertrackten Konflikt manövriert haben.

In den 1880er Jahren dachten die ersten Siedler im heutigen Israel wie Theodor Herzl, der Gründer des modernen, politischen Zionismus, dass ihnen allmählich immer mehr Juden folgen und Land erwerben würden. Am Ende dieses Prozesses erwarteten diese Pioniere das Entstehen eines jüdischen Staates. Dieser Gedanke wurde später als ebenso naiv, wie chauvinistisch verurteilt, da er anscheinend die Präsenz und die Rechte der (arabischen) Bewohner des Landes ignorierte.

Angesichts der demographischen Realitäten jener Tage war eine solche Überzeugung jedoch nicht wirklich utopisch. Als Teil des Osmanischen Reiches war Palästina nicht menschenleer, aber auch nicht überbevölkert. Der den Zionisten zugeschriebene Slogan „Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“ stammt tatsächlich von christlichen Intellektuellen im England des frühen 19. Jahrhunderts. Die Schaffung eines jüdischen Staates in einer weitgehend unterbevölkerten Region schien ebenso realistisch wie gerecht. Als Herzl 1896 sein Buch „Der Judenstaat“ publizierte, lebten in Palästina halb so viele Menschen wie in Wien und keineswegs nur Araber. Es erschien durchaus möglich, eine Situation zu schaffen, in der alle Völkerschaften in einem solchen Staat miteinander auskommen würden. Schließlich koexistierten nationale Minderheiten in dieser Epoche mehr oder weniger friedlich in anderen multinationalen Staatswesen. Als traditioneller Liberaler glaubte Herzl an Gleichberechtigung für alle Bürger. Daher würden die nicht-jüdischen Bürger in dem von ihm erdachten Staat nicht nur wirtschaftlich Fortschritte machen, sondern auch in jeder Hinsicht gleiche Rechte genießen.

Die wahre Genesis des Ein-Staat-Konzeptes

Mit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg wurde Palästina ein britisches Mandat unter dem Völkerbund. Gleichzeitig schien Herzls Traum mit der Balfour-Deklaration von 1917 zur Schaffung einer nationalen, jüdischen Heimstatt der Erfüllung nahe zu sein. Aber die jüdischen Massen machten sich nicht auf den Weg in die nationale Heimstatt. Und als sie dies nach Hitlers Machtergreifung tun wollten und in verzweifelte Not gerieten, dorthin zu gelangen, hatten die britischen Behörden den Zugang nach Palästina drastisch reduziert. Zudem hatte die arabische Opposition gegen neue jüdische Einwanderer ein enormes Ausmass erreicht und 1921, sowie 1929 zu Unruhen geführt. Im Jahr 1936 brach darüber ein Aufstand aus, der nur mit Beginn des Zweiten Weltkrieges abklang. Die Briten hatten zahlreiche Aufständische gewaltsam entwaffnet, inhaftiert und in einigen Fällen auch hingerichtet. Unter diesen Umständen waren die Bemühungen kleiner jüdischer Gruppen um eine Versöhnung mit den palästinensischen Arabern und letztlich für die Schaffung eines binationalen Staates zum Scheitern verurteilt.

Die Führung der Araber in Palästina lehnte nicht nur die jüdische Immigration ab, sondern auch die Anwesenheit der nach dem Ersten Weltkrieg eingewanderten Juden. Damit lief die Entiwcklung auf eine Zwei-Staaten-Lösung zu. Aber diese war dennoch weder die naheliegendste, noch die beste Wahl.

Von den Revisionisten (den Vorläufern des Likud) abgesehen, blieben die Ideen der zionistischen Parteien über die Zukunft der nationalen Heimstatt vage. Als die britische Peel-Kommission 1937 erstmals einen Teilungsvorschlag ins Spiel brachte, war selbst die zionistische Linke gespalten. David Ben-Gurion, der erste Premier Israels, machte sich den Plan nur nach grosser Überwindung zu eigen und es gelang ihm nur unter enormen Schwierigkeiten, andere Zionisten von der Notwendigkeit der Teilung des Landes zu überzeugen. Der Peel-Report sah den Transfer von etwa 250.000, im zukünftigen jüdischen Staat lebenden, palästinensischen Arabern in benachbarte Länder vor. Morris zufolge wurde eine solche „ethnische Säuberung“ damals nicht als unmoralisch betrachtet, sondern vom Völkerbund etwa im Fall des Bevölkerungsaustausches zwischen Griechenland und der Türkei nach dem Ersten Weltkrieg befürwortet. Nach damaligem Dafürhalten war dies der beste und vermutlich auch der einzige Weg, die Verfolgung von Minderheiten, sowie irredentistische Bürgerkriege auszuschließen. Darüberhinaus gab es Vorschläge etwa zur Kantonisierung Palästinas, doch diese wurden nie ernsthaft diskutiert, geschweige denn akzeptiert.

Aber der Peel-Report blieb totes Papier. Es gab keine arabische Umsiedlung und Israel wurde nicht zu einem lebensfähigen Staatswesen. Danach kam das von Ben-Gurion und anderen zionistischen Führern entwickelte Biltmore-Programm von 1942. Dieses sah einen jüdischen Staat in Teilen Palästinas vor und führte schließlich zu der Erklärung vom November 1947, welche die Fundamente für die Staatsgründung Israels gelegt hat. Ein ebenfalls von den Vereinten Nationen beschlossener palästinensisch-arabischer Staat kam jedoch nicht zustande. Die palästinensisch-arabischen Gebiete wurden bis zum arabisch-israelischen Krieg 1967 von Jordanien und Ägypten regiert. Damit war einer chronischen Auseinandersetzung die Bühne bereitet.

Dazu einige persönliche Erinnerungen: Das Konzept eines einzigen, binationalen Staates erschien nicht immer so absurd wie in der heutigen Zeit. Gründe dafür braucht es angesichts des kleinen Umfangs der umstrittenen Territorien und der zur Frage stehenden Populationen eigentlich nicht. Ich habe vor der Gründung Israels an einen binationalen Staat geglaubt. Meine Überzeugung wurde erschüttert, als ich binnen eines Jahres zweimal Opfer ethnischer Säuberungen wurde: Zunächst in dem Dorf Issawiya nahe Jerusalem, dann im Dezember 1947, aus der deutschen Kolonie in Jerusalem. Aber haben die Bewohner von Issawiya nicht ein viel schlimmeres Schicksal erlitten als ich, nachdem sie selbst aus ihren Häusern vertrieben worden sind? Nicht wirklich. Als ich dort lebte, hatte das Dorf tausend Einwohner, heute sind es vierzehntausend.

Ich habe 1947 das UNSCOP-Kommitte der Vereinten Nationen begleitet, das die Haltung der Bevölkerung zur Zukunft Palästinas erforschen sollte: Überall schlug der Delegation von arabischer Seite die totale Ablehnung eines binationalen Staates entgegen. Es war ihr Land, die Juden waren die Eindringlinge und hatten keinen Anspruch darauf, als gleichberechtigte Partner anerkannt zu werden. Die wenigen, zumindest zu einem Dialog mit den Juden bereiten Araber wie der Politiker Fakhri Nashashibi, der Gewerkschafter Sami Taha in Haifa und sogar ein Mitglied der traditionell einflussreichen Husseini-Familie wurden ermordet. Als junger Journalist habe ich diese Persönlichkeiten kennengelernt.

Diese Tradition der Ermordung zum Dialog mit den Zionisten bereiter, palästinensischer Aktivisten besteht fort. Ihr fielen der Londoner PLO-Repräsentant Said Hammami ebenso zum Opfer, wie der PLO-Führer Issam Sartawi. Unter diesen Umständen brach die ohnehin nie sonderlich starke Unterstützung für eine Zweistaatlichkeit auf zionistischer Seite in sich zusammen. Ohnehin war das Schicksal binationaler Staaten weltweit nicht ermutigend, höchstens einem oder zweien davon war Erfolg beschieden. Hat es in den formativen Jahres Chancen für einen Frieden gegeben, so wurden diese mit dem Sechstage-Krieg beerdigt. Es wäre wünschenswert, dass Morris den Konsequenzen der Schlachten von 1967 und ihres unseligen Nachspiels in der israelischen Politik mehr Aufmerksamkeit schenkt. Der Sechstage-Krieg war ein großer Sieg. Aber Nietzsche hatte recht mit seinem Ausspruch, dass es der menschlichen Natur schwerer fällt, einen großen Sieg auszuhalten, als eine große Niederlage.

1967 war der große Wendepunkt für Israel – oder hätte es zumindest sein können. Es hielt nun fast das ganze Land westlich des Jordan besetzt und war erstmals in der Lage, wesentliche Zugeständnisse zu machen, da es nun über die für Friedensverhandlungen notwendigen Territorien verfügte. Israel wartete auf einen Anruf arabischer Regierungen, der Friedensbereitschaft signalisiert hätte. Aber der Anruf kam nie. Und so wurde Israel mit der Westbank belastet (oder wie die in das neue Territorium strömenden Siedler sagten: mit Judäa und Samaria). Israel hatte jedoch auch Gaza erworben. Einige israelische Politiker wie der verstorbene Knesset-Abgeordnete Israel Galili sagten, Israel könne nicht ohne Gaza existieren. Zunächst nur eine Handvoll, wuchs die Zahl der Siedler in die Hunderttausende. Viele (aber beileibe nicht alle) von ihnen waren von dem messianischem Eifer erfüllt, der damals Mode wurde: Gott selbst hatte dem Volk Israel ebenso das ihnen versprochene Heimatland zurückgegeben, wie das Heilige Jerusalem, das niemals wieder geteilt werden würde.

Die Ereignisse von 1967 haben in Israel eine Welle mystischer Trancezustände und messianischer Hoffnungen ausgelöst. Es gab Petitionen mit massenhafter Unterstützung, keinen Zentimeter der eroberten Territorien aufzugeben. Lange eine der moderatesten Kräfte, wurde die National-religiöse Partei zu einer der fanatischsten. Ihre Führer Zerah Warhaftig erklärte sofort nach Kriegsende, man solle sich umgehend der nicht-jüdischen heiligen Stätten in Jerusalem entledigen, da die israelische Kontrolle über sie massive Probleme zeitigen würde. Aber der Vorschlag wurde rasch vergessen und die Knesset verabschiedete ein Gesetz, das verkündete, Jerusalem solle nie wieder geteilt werden – dabei ist das heutige Jerusalem de facto eine geteilte Stadt.

Ich habe im August 1967 in einem Artikel für die Zeitschrift Commentary mit dem Titel „Israel, the Arabs, and World Opinion“ geschrieben, die meisten Israeli seien sich nicht der gewaltigen Dimension der vor ihnen Probleme bewusst:

„Die Verwaltung und die Polizeikontrolle großer Regionen mit arabischer Bevölkerung würde zwangsläufig albtraumartige Probleme produzieren. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lässt sich eine zunehmende Zahl von Sabotageakten vorhersagen, auf welche die israelischen Behörden scharf werden reagieren müssen. Und die Reaktion auf derartige Vorkommnisse lässt sich leicht vorhersagen…
Israel stehen jetzt schwere Zeiten vorher. Es gibt massive Propaganda-Angriffe… über die neuen Hitleristen und ihre barbarischen Greueltäten; wir haben schon von israelischen `Gauleitern´ und `Lebensraum´gehört, als nächstes … dürften israelische Vernichtungslager kommen.

Ich kam zu dem Schluss:

„Der Ruf nach Rache gegen Israel wird überwältigend werden… ein neues militärisches Abenteuer ist nicht innerhalb der nächsten zehn oder 20 Jahre ist höchst wahrscheinlich, sondern sehr viel früher.“

Diese Vorhersage war akkurat: Der Jom Kippur-Krieg vom Oktober 1973 kam nur sechs Jahre später. Um nach ihrer schockierenden Niederlag im Sechstage-Krieg ihr Prestige wiederherzustellen, lancierten Ägypten und Syrien einen Überraschungsangriff auf Israel. Obwohl sie am Ende keine substantiellen Geländegewinne erzielen konnten, wurde der arabische Stolz doch zu einem gewissen Mass wiederhergestellt. Von heute aus gesehen, war der Krieg von 1973 für Israel nicht nur eine Katastrophe. Ohne den Krieg hätte es weder den Besuch von Sadat in Jerusalem gegeben, noch den Frieden mit Ägypten. Die politische Klasse eingeschlossen, haben die meisten Israeli die demographischen Konsequenzen ihres Festhaltens an den besetzten Gebieten ignoriert: Angesichts der sehr viel höheren arabischen Geburtenrate würde die Zahl der Araber in Groß-Israel in naher Zukunft so groß, wenn nicht größer, als die der Juden werden.

Neben der mystischen Stimmung gab es auch rationale Argumente für das Festhalten an den neuen Grenzen. Die schwer zu verteidigenden Grenzen von 1948 sind nicht sakrosankt gewesen. Und es ist recht zweifelhaft, ob die Aufgabe der eroberten Gebiete das Aufkommen des islamischen Fundamentalismus in irgendeiner Weise beeinflusst haben würde. In den 1950er Jahren gegründet, stand die Fatah-Bewegung für die Befreiung Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan. Fatah hat ihre Haltung erst nach dem Krieg von 1973 und den diversen Missgeschicken der PLO etwas gemildert und zumindest eine gewisse Kompromissbereitschaft ausgedrückt.

Es gab zumindest die Chance, dass die Aufgabe der besetzten Gebiete eine gewisse Wirkung entfalten würde, während das Festhalten an ihnen zum Verschwinden eines Staates führen musste, der sowohl jüdisch, als auch demokratisch ist. Und da auf der Hand lag, dass ein Großteil der Gebiete früher oder später sowieso aufgegeben werden müsste, wäre es da nicht klüger gewesen, dies von einer Position der Stärke aus zu tun, als von einer der Schwäche?

Dies führt uns zu einem kardinalen Versäumnis der israelischen Politik in den vergangenen Jahrzehnten: Israel hat nicht akzeptiert, dass ein kleines Land mit sieben Millionen Einwohnern (von denen 20 Prozent Araber sind) sich entsprechend seines Ranges in der Welt und seiner beschränkten Macht verhalten muss. In Israel existiert der naive, und nur langsam schwindende Glaube, dass es auf internationaler Ebene eine Gerechtigkeit für Alle gibt, dass sich auch kleinere Staaten Morde (auch im Wortsinn) erlauben können, wenn dies Großmächten möglich ist. Kurz: Die meisten Israeli verstehen nicht, was von Anbeginn der Zeiten an selbst kleinen Mafiosi offensichtlich war: Wer sich einer großen, feindseligen Allianz gegenüber sieht, sollte vernünftigerweise versuchen, diese zu spalten. Der kleine Staat braucht alle ihm erreichbaren Abschreckungsmittel. Um zu überleben, tut er aber auch gut daran, sich in Zurückhaltung zu üben. Die Vorteile einer solchen Strategie hätten angesichts der zahlreichen Konflikte in der arabischen Welt offensichtlich sein sollen, aber sie wurden über Jahrzehnte ignoriert. Verschlimmert wurde die Situation durch die stetige Radikalisierung der palästinensischen Seite.

Morris behandelt die zwei Intifadas von 1988 und 2000, sowie den Aufstieg von Hamas und Hisbollah im Libanon. Am Gründungsmanifest der Hamas lässt sich eine Radikalisierung im arabischen Lager ablesen, welche die Ablehnung der staatlichen Existenz von Israel zum fundamentalen Prinzip erklärt. Morris glaubt, der Fatah-Slogan eines säkularen und demokratischen Palästina sei nicht ernst gemeint, sondern nur Propaganda zum Konsum der Liberalen im Westen gewesen. Aber auch hier trägt Morris der Radikalisierung auf israelischer Seite, der vermutlich unausweichlichen Vertiefung von Hass, nicht ausreichend Rechnung. Anfänglich hat es den Arabern gegenüber Misstrauen gegeben, aber keinen Hass. Der einzige offene Araber-Hasser, der mir in Palästina je begegnet ist, hatte seine Familie 1929 in dem Pogrom an der nicht-zionistischen jüdischen Gemeinde von Hebron verloren.

Aber dies hat sich nach Jahren der Intifada und häufiger, großer und kleiner Attacken wie der Bomben-Selbstmorde geändert. Dadurch haben sich anti-arabische Stimmungen verbreitet. Diese wurden meist von Einwanderern aus dem Nahen Osten getragen – ein Ergebnis der Misshandlungen, die sie und ihre Vorfahren in ihren Ursprungsländern erfahren hatten. Das Gefühl „die Araber sind unsere Erzfeinde“, die „uns niemals akzeptieren werden“, machte sich breit – dass weder Kompromisse, noch gute Taten unserer Seite etwas ausrichten würden, dass Gewalt die einzige Sprache ist, die Araber verstehen. Die Stimmung im Lande drehte sich und nahm in Wahlen Gestalt an, die rechte Parteien an die Macht brachten. Es stimmt, dass die meisten Israeli die wahllose Besiedlung der Westbank ablehnten, aber keine Regierung wagte es, dagegen vorzugehen.

Seit 1967 hat sich jeder Anlauf zum Frieden auf die Gewinne Israels konzentriert: Auf den Status Jerusalems, Gaza und Gebiete auf der Westbank, die Siedler, die sich weiterhin in diesen umstrittenen Gebieten niederließen und die damit einhergehende Radikalisierung der Palästinenser. Morris diskutiert die diversen Friedensverhandlungen unter US-Präsidenten und israelischen Premierministern im Detail. Einige der nicht von außen vermittelten Friedensgespräche waren erfolgreich, etwa die Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien. Aber in den Gesprächen mit den Palästinensern gab es vom Oslo-Abkommen abgesehen keinen Fortschritt. Und diesen war offensichtlich keine Dauer beschieden.

Hat es bei der palästinensischen Führung einen Sinneswandel gegeben, eine größere Bereitschaft zur Zusammenarbeit in Folge der traurigen Geschichte ihres Volkes seither? Dieses hat alle nur denkbaren Wege beschritten – Proto-Faschimus, quasi-marxistischen Anti-Imperialismus, Nasseristischen Pan-Arabismus und zuletzt islamischen Fundamentalismus. Doch keiner hat spürbaren Erfolg gebracht. Und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich eine Radikalisierung und keine größere Kompromissbereitschaft entwickelt hat.

Es stimmt, dass einige Unterstützer der Hamas im Westen denken, dass die Bewegung moderater wird, sofern der Westen nur einen Dialog mit ihr aufnimmt. Das könnte zutreffen. Aber dafür müsste die Forderung der Hamas nach der Auslöschung des Staates Israel akzeptiert werden. Doch auf diesem Wege lässt sich ein dauerhafter Frieden in absehbarer Zeit nicht erreichen.

Der Konflikt war unvermeidlich, da zwei Völker das gleiche Land begehrten. Doch wie aus der derzeitigen, verfahrenen Situation herauskommen? Morris lehnt einen binationalen Staat mit politischer Parität für beide Gemeinschaften als unrealistisch ab. Aber eine Einstaatenlösung liesse sich nur nach der Vertreibung von 4 bis 5 Millionen Araber (einschliesslich derjenigen auf der Westbank) als ein jüdischer Staat ohne arabische Minderheit, oder in Folge der Vertreibung von Millionen Juden als arabischer Staat erreichen und scheint daher ebenfalls unmöglich. Die Aussichten auf eine Zweistaaten-Lösung (mehr oder weniger entlang des von Bill Clinton und Ehud Barak erzielten Übereinkommens) erscheinen ebenfalls düster. Auf arabischer Seite ist die Zustimmung dafür stetig zurückgegangen.

So kommt Morris ohne erkennbaren Enthusiasmus zu der Schlussfolgerung, dass die Idee einer Konföderation unter Einschluss von Transjordanien, wie sie der britische Hochkommissar Viscount Herbert Louis Samuel zuerst 1920 formuliert hat, noch die realistischste Lösung ist. Während ein aus der Westbank und Gaza bestehender palästinensischer Staat wirtschaftlich nicht lebensfähig wäre, könnte er dies in Kombination mit Jordanien durchaus sein. Dieses Konzept könnte auch eine Lösung für die palästinensischen Flüchtlinge darstellen, die sich in Gaza drängen und als Staatenlose im Libanon leben. Ob dieser Plan umsetzbar ist, lässt sich nicht sagen. Aber mit Sherlock Holmes lässt sich feststellen, dass alle anderen Möglichkeiten für eine Konfliktlösung noch unrealistischer sind. Damit bliebe nur die von Morris vorgeschlagene.

Von Viscount Samuel einmal abgesehen, ist die Idee nicht eben neu. Sie wurde von dem verstorbenen israelischen Minister Yigal Alon ebenso vorgetragen, wie vom ehemaligen Premier Ariel Scharon. Und nun taucht sie wieder auf bei einem Historiker, der sich mit der Vergangenheit und dem gegenwärtigen Stand des Konfliktes besser auskennt, als die meisten Politiker.

Doch die von Morris umrissene Könföderation ist nicht realistisch. Es ist unklar, warum die in Jordanien herrschenden Haschemiten und ihre Unterstützer ihre Macht aufgeben würden. Es ist auch unwahrscheinlich, dass eine solche Konföderation die Bevölkerungen des übersiedelten Gaza-Streifens und der Flüchtlingslager im Libanon aufnehmen könnte. Als ich Gaza kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges erstmals besucht habe, war der Ort eine verschlafene Kleinstadt mit vielleicht 25.000 Einwohnern und Khan Yunis war noch kleiner. In wenigen Jahren jedoch dürfte die Einwohnerzahl des Gaza-Streifens 2,5 Millionen erreichen. Es stimmt, dass die sehr hohe palästinensische Geburtenrate zurückgeht, aber dies wird in den kommenden Jahrzehnten kaum Auswirkungen haben. Gaza wird künstlich mit ausländischem Geld am Leben erhalten. Etwa 90 Prozent davon kommt aus westlichen Ländern. Der Landstrich wäre niemals lebensfähig, selbst wenn Israel nicht existieren würde. Gaza wird niemals ein zweites Singapur werden. Die humanitäre Hilfe des Westens macht das Problem nur noch unlösbarer und verlängert das Leiden. Dies erinnert an einen Chirurgen, der vor einer notwendigen Operation zurückscheut, weil der Patient leiden würde. Aber das Ergebnis der Untätigkeit ist viel größeres Leid in der Zukunft. Die einzig realistische Lösung ist Auswanderung: In andere Teile der arabischen Welt wie die Golfstaaten, sowie andere Regionen rund um den Globus.

Das Problem der Siedlungen auf der Westbank liegt teilweise ähnlich. Selbstverständlich kann es Verhandlungen über Grenzänderungen und Gebietsaustausch geben, aber Israel wird die meisten Siedlungen aufgeben müssen, wenn es überleben will. Dass dies nicht alle Probleme löst, liegt auf der Hand, aber es bleibt eine notwendige Bedingung. Gleiches gilt für einen Kompromiss über Jerusalem. Es ist nicht sicher, ob sich die Großzahl der Siedlungen friedlich schleifen lässt. Dies könnte durchaus zu einem begrenzten Bürgerkrieg führen. Einige wird dies vor eine schwierige Entscheidung stellen: Die Wahl zwischen Überleben und dem Festhalten an Judäa und Samaria, sowie der Verweigerung eines Kompromisses über Jerusalem. Manche Israeli könnten an ihrer Überzeugung festhalten, dass die Demokratie nicht das höchste Gut ist und ein Staat keinen Wert hat, wenn er nicht alle Teile des Heiligen Landes umfasst. Diese Leute hoffen auf die Intervention Gottes, um die Träume der Siedler zu verwirklichen. Die Mehrheit der Israeli teilt diese Überzeugungen nicht. Aber in der Geschichte ist es entschlossenen und fanatischen Minderheiten oft genug gelungen, ihre Wünsche einer zögerlichen Mehrheit aufzuzwingen, die an die Möglichkeit glaubt, sich durchzuwursteln, ohne schmerzhafte Entscheidungen zu fällen.

Zum heutigen Zeitpunkt stehen die Chancen auf einen dauerhaften Frieden zwischen den Israeli und den Palästinensern bei Null. Natürlich dauert kein Konflikt ewig und im Lauf der Zeit pflegen sich Umstände fast immer zu ändern. Der Fanatismus verliert seine Stoßkraft gewöhnlich im Lauf von ein, zwei Generationen. Weitreichende Veränderungen in den internationalen Beziehungen und im Gleichgewicht der Mächte weltweit sind ebenso möglich, wie die Schwächung einer (oder beider) Konfliktparteien, die einer Friedenslösung den Weg ebnen könnte. Darüberhinaus sind Veränderungen jenseits unseres Vorstellungsvermögens möglich – so könnte eine globale Katastrophe einer Beilegung des israelisch-palästinensischen Konfliktes die Dringlichkeit nehmen. Die Welt hätte dann andere, drängendere Herausforderungen. Und wie sehen die Chancen für eine von außen auferlegte Lösung aus? Dies ist nicht völlig auszuschließen. Aber wer sollte dies tun? Wer sollte bereit sein, die notwendigen Streitkräfte dafür bereitzustellen – nicht nur Blauhelme und UN-Beobachter?

Während die Fortführung eines „Friedensprozesses“ entlang vertrauter Linien vermutlich eine Zeitverschwendung darstellt, wird dieser dennoch weiter betrieben werden. Mit ein bisschen Glück könnte dies zu Waffenstillständen und von Kampfhandlungen unterbrochenen Perioden relativer Ruhe führen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie lange dieser Prozess fortdauern wird.

Benny Morris, One State, Two States: Resolving the Israel/Palestine Conflict (New Haven: Yale University Press, 2009), 256 S.

Walter Laqueur ist der Verfasser von über 20 Büchern, die in zahlreiche Sprachen übersetzt worden sind. Er hat an den Universitäten Georgetown, Chicago, Harvard, Johns Hopkins, Brandeis und Tel Aviv unterrichtet und lebt in Washington, DC. Die englische Originalfassung erscheint in der Ausgabe März-April der Zeitschrift The National Interest.

Jordanien macht mit dem Elend der Palästinenser ein Geschäft

Tuvia Tenenbom, 51, wurde in Tel Aviv geboren und ist Dramatiker und Regisseur. Er leitet das Jewish Theater in New York.
Unser Autor Tuvia Tenenbom, geboren in Israel, hat unter falscher Identität ein riesiges Palästinenserlager in Amman besucht. Er fand Erstaunliches heraus: Die Flüchtlinge haben keine Chance, der Armut zu entrinnen – weil Jordanien mit ihrem Elend ein Bombengeschäft macht

Die fähigsten Politiker haben ihm ihr Leben gewidmet, die brillantesten Experten haben es unter allen erdenklichen Aspekten untersucht, die klügsten Denker haben beeindruckende Werke darüber geschrieben und einige der kreativsten Dichter haben es besungen: Palästina. Aber wer von ihnen ist jemals in al-Wadaht gewesen?

Auch meine Chancen, nach al-Wadaht zu kommen, waren nur gering. Ich bin nie morgens aufgewacht und habe mir gesagt: Heute muss ich nach al-Wadaht. Zunächst hatte ich kaum von al- Wadaht gehört. Und als ich davon hörte, klang es nach einem Ort, den man besser meidet. Warum fahre ich also heute nach al-Wadaht? Weil Morad mir sagt, ich soll es nicht tun.

Kennen Sie Morad? Höchstwahrscheinlich nicht. Morad, der meinen Becher mit bitterer Limonade füllt, ist ein Jordanier mit Geld. Er fährt einen neuen BMW, er besitzt viele Häuser, er »importierte« eine Frau aus Chicago, und er mag keine Juden. »Die Juden«, erklärt er seinen Gästen, die bei ihm zum Abendessen sind, »kaufen alle Grundstücke in Jordanien und Dubai. Das macht mich rasend!« Morad nimmt kein Blatt vor den Mund, und wenn Morad spricht, hören alle zu. Und dann lässt Morad, ohne jegliche Vorwarnung, die Bombe fallen: »Sie«, sagt er und zeigt auf mein Gesicht, »sind ein Jude.« Die versammelte Runde hält inne und mustert mich, das Schwein in ihrer Mitte, etwas genauer. Niemand kennt meinen richtigen Namen. Ob Morad mein kleines Geheimnis entdeckt hat? Alle fixieren mich und warten auf meine Reaktion. »Und Sie«, sage ich und sehe ihn unverwandt an, »sind ein schwuler Jude. Aus Chelsea. Ihre Nase: jüdisch. Ihre Lippen: homo. Geh zurück nach New York, falscher Araber!«

Meine Antwort beeindruckt Morad. Er sieht mich neugierig an und sagt: »Sie sind ein Deutscher. Aber in Ihnen steckt noch etwas, was könnte das sein?« Al-Hamdulillah, Test bestanden. Ich habe Morad mehrfach beleidigt, also müssen meine Vorfahren in Ordnung sein. »Vater deutsch, Mutter polnisch«, entgegne ich. »Genau«, sagt er. »Das sieht man.« Na bitte. Ich habe einen evangelischen Deutschen als Vater und eine polnische Katholikin als Mutter; ich gehöre zu den guten Europäern, die es den Juden richtig gezeigt haben. Eine bessere Herkunft ist undenkbar. Morad und ich werden im Laufe des Abends gute Freunde. Er lädt mich ein, über Nacht zu bleiben. Oder solange ich möchte. Er fährt mich in seinem Auto herum. Er lädt mich zu einem kurzen Urlaub außerhalb von Amman ein. Aber ich lehne ab und bleibe lieber in der Hauptstadt, was er gut versteht. Er empfiehlt mir noch die besten Sehenswürdigkeiten und nennt Orte, die ich meiden sollte. Al-Wadaht steht ganz oben auf der Negativliste. »Gehen Sie da bloß nicht hin, es sei denn, Sie wollen abgeschlachtet werden.«

Ich liebe Jordanien. Als ich das erste Mal in das Land kam, wurde Adolf Hitlers Mein Kampf aufgrund der großen Beliebtheit des Buchs an den Zeitungsständen zum Verkauf angeboten. Heute, fünf Jahre später, wird eine »gekürzte Fassung« von Mein Kampf verkauft. Die Welt hat sich gewandelt. Klar. Und ich, der ich aus den großartigen Vereinigten Staaten von Amerika nach Jordanien fliege, liebe den Wandel. Ich lege mir eine Kufija auf den Kopf, kaufe mir einen Schal mit dem Aufdruck »Jerusalem gehört uns« und versuche, ein paar mir bekannte Jordanier zu überreden, mich nach al-Wadaht zu begleiten, in eines der größten palästinensischen Flüchtlingslager. Zu meiner Überraschung lehnen alle ab. »Es gibt bessere Möglichkeiten, um zu sterben«, erklären mir die Reichen von Amman und schnurren in ihren glänzenden Autos davon. Ich nehme meine Verkleidung ab, winke ein Taxi und fahre nach al-Wadaht. So, wie ich bin, höchstpersönlich: Tobias aus Deutschland – das sind mein Name und meine Nationalität während meines Aufenthalts in Jordanien.

»Shu ismak?« – Wie heißen Sie? –, empfängt mich eine 30- bis 40-köpfige Kinderschar, die sich gleich nach meiner Ankunft in al-Wadaht an meine Fersen heftet. Wenn ich je gehofft hatte, mich hier unbemerkt bewegen zu können, machen diese Kinder meine naive Vorstellung schnell zunichte. Leider entdecken mich nun auch die Erwachsenen. »Sind Sie wegen der Hochzeit hier?«, fragt eine Frau. Ich wünschte ja, aber natürlich weiß ich nicht, wer heiratet und wie genau meine verwandtschaftlichen Bande zur Braut oder zum Bräutigam sind. Ich betrachte meine neue Umgebung: Verglichen mit den Massen hier, wirkt der Times Square zur betriebsamsten Zeit wie eine Wüste. Mir bleibt kein Ausweg, ich muss eine Antwort finden: Ist Tobias für die Leute hier gut genug, oder sollte ich origineller sein und mich, sagen wir, Adolf nennen? Werden mir die Leute meine deutsch-polnische Herkunft abkaufen? Sieht nicht so aus. Ich fürchte, die Feinheiten eines deutschen evangelischen Vaters und einer katholischen polnischen Mutter sind ein bisschen zu komplex, um akzeptiert zu werden. Ich brauche eine schlüssige Erklärung, die sofort verstanden wird, einen Satz, den die wachsende Menge begeistert billigt. Ich beschließe, es gleich mit der Nationalität zu versuchen: »Ich bin ein deutscher Journalist«, sage ich. »Ahlan wa sahlan« – willkommen –, begrüßen sie mich. »Was können wir für Sie tun?« Ich erkläre ihnen: »Ich bin gekommen, um zu sehen, wie ihr lebt, und es der Welt zu berichten.« Das verlangt, dass sie mich wie einen Star behandeln. »Deutscher Journalist ist hier!«, sagen sie. »Marhaba! Möchten Sie einen Mann treffen, der Ihnen die Wahrheit erzählt, die ganze Wahrheit?« Ja, natürlich. Wer möchte das nicht?

Ali Mohammed Ali, ein Mann von 84 Jahren, erhebt sich vom Boden des kleinen Raums, aus dem seine zur ebenen Erde liegende Wohnung besteht, und lässt mich höflich auf einem Plastikstuhl Platz nehmen. »Vor ein paar Tagen«, sagt er, »war al-Dschasira hier. Und mit wem haben sie gesprochen? Mit mir. Und jetzt Sie! Danke, dass Sie aus Deutschland kommen, um mich zu sehen!« Schon bald sammelt sich eine Menge: Alis Söhne und Töchter, ihre Kinder, ihre Kindeskinder, ein paar enge Freunde samt Ehepartnern, Freunde von Freunden mit einer Horde Kinder im Schlepptau. Natürlich finden nicht alle Platz im Raum, aber die Straße draußen geht auch. Hijabs in allen Schwarz-Weiß-Schattierungen bedecken die Frauengesichter, den Männern dagegen stecken alle möglichen Zigaretten zwischen den Lippen. »Ich«, sagt Ali, »wurde in Palästina geboren.« Die Anwesenden lauschen. Sie kennen die Geschichte, haben sie tausendmal gehört, aber sie noch einmal zu hören ist eine Freude.

Das wird ein langer Tag, wie ich schnell merke, denn Alis Geschichte beginnt 1948. Wir müssen sechzig Jahre abdecken. Ganz zu schweigen von den vielen Zuhörern, die vermutlich auch einiges zu erzählen haben. Vorsichtig erkläre ich Ali, dass mich die Entwicklung des Nahostkonflikts nicht interessiert. Ich will etwas über das Leben der Menschen in der Gegenwart wissen. Ich will keine Wiederholung seines Interviews mit al-Dschasira. Wird Ali mitspielen, oder wird er mir die Tür zeigen?

Kochender Tee wird gebracht. Ja, Ali ist bereit, über das Jetzt und Heute zu reden.

»Die Juden«, setzt er an, »sind Verbrecher. Die Juden sind Hunde.«

Aber ich will nichts über die Juden hören, ich bin hier, weil mich die Palästinenser interessieren. »An welches Tier«, versuche ich mein Glück, »erinnern Sie die Palästinenser?«

»Löwen!« Alle stimmen zu, aus jedem Blick spricht Einverständnis.

Ich sehe mir die vielen hier versammelten Löwen an: Niemand kann sich rühren in diesem kleinen, vier mal vier Meter großen Raum, in dem es außer Gebetsteppichen an den Wänden und drei Plastikstühlen keine Möbel gibt.

Löwen! Ich weiß nicht, wie ich dazu komme, aber meine Lippen bewegen sich unkontrollierbar: »Können Sie mir sagen«, höre ich mich fragen, »welche Zootiere Sie an welches Volk erinnern?« Schallendes Gelächter folgt. Den Frauen gefällt die Frage. Die Männer ziehen an ihren Zigaretten. Auch Ali Mohammed Ali erfreut die Frage, ein breites Grinsen erscheint auf seinem Gesicht. Dieser Deutsche ist gut, er bringt Stimmung in Alis traurige Bude.

»Die Jordanier«, sagt er, »sind Pferde. Die Amerikaner sind Schweine. Die Briten, die das Heilige Palästina den Juden gaben, sind Mäuse. Und die Deutschen sind Kamele.«

Kamele? Warum Kamele?

»Deutsche«, erklärt Ali, »haben die Fähigkeit, großes Ungemach und viele Enttäuschungen zu ertragen, weil sie geduldig sind. Jahrelang litten sie unter den Juden, aber als die Gelegenheit kam, es den Juden zurückzuzahlen, haben die Deutschen sie umgebracht.« Haben die Juden das verdient? »Deutschland brachte eine Million Juden um«, sagt Ali, »und das war gut.« Alle Anwesenden stimmen zu.

»Tobias aus Deutschland« will es nun genau wissen. »Wenn ein Fremder ohne Ausweis zu Ihnen nach Hause käme, könnten Sie dann sagen, ob er Jude oder Deutscher ist?«, frage ich ihn.

Wahrscheinlich ist das die dümmste Frage, die ich stellen konnte. Auch Ali ist ziemlich enttäuscht. Wie kann ich seine Intelligenz so beleidigen? Natürlich würde er wissen, wer der Fremde ist! Und dann verstummt Ali für einige Minuten. Er taxiert mich – den Kopf, die Augen – und kommt offenbar zu dem Schluss, dass ich ein paar grundlegende Lektionen brauche.
»Wenn wir gute Muslime sind«, hebt er an, »und das Wort Allahs erfüllen, wird uns Palästina wieder gehören. Sehen Sie sich Nasrallah im Libanon an:

Er hält an Allah fest, und Allah hilft ihm beim Töten der Juden. Mögen wir alle wie Nasrallah sein.

Die Juden verfälschten das Wort Allahs in der Thora. Die Christen verfälschten das Wort Allahs im Neuen Testament. Aber es gibt einen Mann, der das Erste Buch Allahs besitzt, und er kennt die Wahrheit. Wissen Sie, wer das ist?« Nein, keine Ahnung. »Der Papst!« Der deutsche Papst? »Ja, genau der.« Gesegnet sei dein Haupt, Papa Benedikt, die Menschen in al-Wadaht lieben dich. »Welches Buch genau besitzt der Papst?«, frage ich. »Das wahre Wort Allahs, das Original, ist im Keller des Vatikans versteckt!«, ruft Ali. Hat Ali Mohammed Ali das Buch denn gesehen? »Ich habe eine Kopie davon, es ist der Koran.« Ali liest mir jetzt aus dem Koran vor. Er schlägt das Buch auf und sagt:

»Die Juden werden alle getötet werden. Jeder Baum und jeder Stein wird am Töten der Juden teilhaben.«

Alis Sohn, der zu meiner Rechten sitzt, nimmt ein Stück Papier und schreibt judenfeindliche Schmähungen auf, »heilige Worte«. Er reicht mir das Papier, eine Art Talisman gegen das Böse. Ich danke ihm überschwänglich für das Geschenk und stelle noch eine Frage: Behandelt die jordanische Regierung die Palästinenser gut? »Ja, das tut sie. Das Leben in Jordanien ist sehr schön. Keine Klagen.« Während Ali über die jordanische Regierung spricht, sehen die Anwesenden still zur Seite, niemand darf Ali in seinem eigenen Haus widersprechen. »Wozu dann kämpfen«, frage ich weiter, »um nach Palästina zurückzukehren, wenn das Leben in Jordanien so schön ist?« Ali senkt den Blick und murmelt: »Ja, ja. Schön, alles ist schön.« Darf ich der Welt berichten, dass die Palästinenser in Jordanien glücklich sind und keine Probleme haben? Ich darf.

Ein Mann, der nicht weit von mir sitzt, bietet an, mich herumzuführen und mir das schöne Leben der Palästinenser in al-Wadaht zu zeigen. Er fragt, ob ich einen Spaziergang machen möchte.Und wir gehen spazieren.

Wir gelangen zum Marktplatz von al-Wadaht. Das Wort Auschwitz kommt mir seltsamerweise in den Sinn. Im Holocaust Museum in Washington gibt es eine Ausstellung, in der zahllose gebrauchte Schuhe ungeordnet übereinanderliegen. Dieser Teil der Ausstellung ist am bewegendsten, da er auf die Schuhe anspielt, die die Juden auf dem Weg in die Gaskammern zurücklassen mussten. Daran denke ich, als ich jetzt an einem »Laden« vorbeigehe, den hier alle »Europäische Schuhe« nennen. Gebrauchte Schuhe liegen in keiner erkennbaren Ordnung auf der Straße. Fast wie die Schuhe in Washington. Nur dass diese hier zu verkaufen sind. Mein Fremdenführer, ein Mann, dessen Namen ich nicht kenne, sieht mich an und fragt sich, ob ich Schuhe kaufen will. Der Markt, sagt er, habe Besseres zu bieten: palästinensische Süßigkeiten. Ob ich welche probieren möchte? Wir gehen zum Bäcker und kommen am lokalen Sportclub vorbei. Am Eingang ziert eine israelische Flagge den Boden. Werden die Palästinenser in al-Wadaht etwa alle zu Zionisten? Nicht direkt. Wie mein Führer mir erklärt, schreitet jeder, der den Sportclub betritt, mit seinen schmutzigen Schuhen über die Flagge. Gibt es eine süßere Methode, sich an den verbrecherischen Hunden zu rächen? Wir lachen beide über diesen großartigen Affront und gehen weiter. Alle paar Schritte halten Männer meinen Begleiter an und fragen, wer der Fremde sei. Nach einiger Zeit befindet er, dass es reicht. »Möchten Sie gern reden?«, fragt er mich. Wir kehren in die Wohngebiete von al-Wadaht zurück: »Häuser«, die so aussehen wie Alis, 4 mal 4 Meter. Jede Familie bewohnt ein solches Haus, unter den Einheimischen werden sie »Einheit« genannt. Was auch die Bedeutung von al-Wadaht ist: Einheiten. Als al-Wadaht gebaut wurde, erklärt man mir, wurde jeder Flüchtlingsfamilie eine Einheit zugewiesen, und seitdem heißt es Lager der Einheiten.

Wir erreichen eine Einheit ohne Strom. Überall Kerzen. Ob ich lieber draußen sitzen möchte? Ein fremder Mann tritt zu uns und schlägt vor, dass wir uns auf die Straße setzen. Aber keine Fotos bitte. »Wenn die jordanische Regierung erfährt, was ich Ihnen gleich erzähle, bedeutet das 20 Jahre Gefängnis. Wir stellen 70 Prozent der Bevölkerung in Jordanien, aber nicht ein einziger Palästinenser ist bei den Sicherheitsdiensten. Wir kennen sie nur durch das Gefängnis. Verstehen Sie?« Er sagt nicht, wie er heißt, und überlässt es mir, wie ich ihn nennen will. »Wie wär’s mit Haled?«, frage ich. Ist ihm recht. Haled, der von Beruf Englischlehrer ist, unterhält sich lieber auf Englisch. Das ist sicherer.

Haled:

»Der Geheimdienst ist allgegenwärtig. Unser Leben ist erbärmlich. Den meisten von uns bleibt die Chance, jemals hier rauszukommen, zeitlebens verwehrt. Ein jordanischer Highschool-Absolvent mit einem mittelmäßigen Notendurchschnitt bekommt eher einen Studienplatz als ein Palästinenser mit einem guten Durchschnitt. Und die meisten Palästinenser, die an jordanischen Universitäten genommen werden, dürfen nur Literatur, Geschichte oder etwas in der Richtung studieren. Medizin? So gut wie nie, es sei denn, wir zahlten dafür. Keine Stipendien, wie man sie den Jordaniern gewährt. Ich habe einen jordanischen Pass, aber jeder Polizist kann sofort erkennen, dass ich Palästinenser bin: Wir haben andere Ausweisnummern. Die jordanische Regierung erhält von den UN und aus anderen Quellen für jeden hier lebenden Palästinenser Geld und steckt es sich in die eigene Tasche. Wir sind ein ›Schatz‹ für die Jordanier: Kühe, die man melken kann. Wir sind eine Ware. Wir werden nicht wie Menschen behandelt. Warum gibt es die Lager immer noch? Warum sieht man hier überall diese menschliche ›Ware‹? Warum so viele arme Palästinenser? Weil wir wie Aktien an der Wall Street sind. Die jordanische Regierung hält uns an. Verhaftet uns. Herrscht über uns. Vertraut uns nie. Und niemand auf der Welt interessiert sich dafür. Millionen armer Palästinenser werden nie aus ihrem Elend herausfinden. Warum? Wegen ihrer arabischen Brüder. Die Juden haben uns Unrecht getan, und dafür werden sie den Preis zahlen: Eines Tages wird sich die arabische Nation ändern und für uns kämpfen. Alle arabischen Armeen werden sich in Jordanien versammeln, in Palästina einmarschieren und die Juden auslöschen. So steht es im Koran, und das glaube ich. Ganz fest. Doch bis dieser Tag kommt, müssen wir leiden. Durch die Hand unserer Brüder, die uns verachten und auf unsere Kosten reich werden. König Hussein sagte mal, dass Menschen ›Kapitalanlagen‹ sind. Ja, für ihn waren wir das. Und für seinen Sohn, König Abdallah, sind wir es noch. Sehen Sie sich dieses Lager an: Wo sonst leben Menschen unter derart schlimmen Bedingungen? Und wie kommt es, dass sich niemand auf der Welt darüber beklagt? Wenn sich jemand für die Palästinenser interessiert, warum dürfen uns die Jordanier dann wie Kühe behandeln? Und wir haben es noch gut, das kann ich Ihnen sagen. Das Leben der Palästinenser im Libanon ist viel härter. Sie dürfen nicht nur keine Häuser kaufen, sie dürfen auch kein Auto besitzen. Möge Allah sich an den verfluchten Juden rächen.«

Während Haled spricht, sind wir von Männern umgeben, die uns vor möglichen Störenfrieden schützen. Ich werde von namenlosen Bodyguards bewacht, den armen Menschen von al-Wadaht. Soweit ich sehe, trägt keiner eine Schusswaffe. Stattdessen bieten mir Haleds Freunde eine Vielzahl verschiedener Süßigkeiten an. Das Leben in diesem von Allah im Stich gelassenen Erdenwinkel mag bitter sein, doch die Backwaren von al-Wadaht sind die besten, die Tobias aus Deutschland jemals gegessen hat. Köstlich.

Antisemitismus in der arabischen Welt

Cartoons aus der arabischen Welt

Eine Auswahl von Karikaturen aus den Medien von sieben arabischen Staaten (Jordanien, Katar, Saudi-Arabien, Oman, Bahrain, Syrien und Ägypten) und der Palästinensischen Autonomiebehörde ist unten zu sehen. Eine Reihe dieser Länder sind als mäßig oder Verbündete  im Westen bekannt. Die meisten Printmedien in der arabischen Welt sind unter der vollständigen oder teilweisen Kontrolle des herrschenden Regimes.

Ein Bild kann manchmal tödlicher sein als tausend Worte. — Tom Gross

Der Cartoon oben zeigt deutlich die Eisenbahn in das Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau – aber mit israelischen Flaggen anstelle der Naziflaggen  – und ist von der jordanischen Zeitung Ad-Dustur (19. Oktober 2003).

Die Worte in arabischer Sprache bedeuten: „Der Gaza-Streifen und das israelische Vernichtungslager“. Dies unterstreicht die weit verbreitete Verleumdung, dass die israelische Politik gegenüber den Palästinensern vergleichbar mit Nazi-Aktionen gegenüber Juden sind. Jordanien ist ein angeblich moderates Land im Frieden mit Israel.

In diesem Cartoon von der Al-Watan-Zeitung in Katar (23. Juni 2002) ist Ariel Sharon gerade ein Zuschauer, als ein israelisches Flugzeug in das New Yorker World Trade Center stürzt.

Das arabische Wort neben den Twin Towers ist „Frieden“. Diese Karikatur steht für den weit verbreiteten Mythos in der arabischen Welt, dass Israel und die Juden für die Attacken am 11.September verantwortlich waren, die in Wirklichkeit natürlich durch al-Kaida ausgeführt wurden.

Der Cartoon oben ist von Arab News (10. April 2002) und zeigt Ariel Sharon, wie er eine Axt in Hakenkreuz-Form schwingt, um palästinensische Kinder zu zerhacken. Arab News ist eine täglich erscheinende Zeitung in Saudi-Arabien in englischer Sprache, angeblich eine in der arabischen Welt eher moderate Zeitung.

Im September 2005, in einer Zeit, in der Staaten mit nicht-muslimischen Mehrheiten wie Pakistan und Afghanistan Friedensangebote an Israel machten, führten auch vermeintlich gemäßigte arabische Staaten wie Katar ihre antisemitische Agitationen fort.

In diesem Cartoon formen israelische Jets ein Hakenkreuz über dem Gaza-Streifen.

Veröffentlicht am 27. September 2005 in Al-Watan (Katar).

Diese Karikatur von der Internet-Seite von Omayya Joha zeigt einen israelischen Soldaten, der – nachdem er die Füße eines palästinensischen Mann abgehackt hat – eine blutige Hand in die Kamera hält und befiehlt: „Keine Fotos!“.

Omayya Joha ist eine der als Karikaturist beschäftigten Mitarbeiter von Al-Hayat Al-Jadeeda, die offizielle Tageszeitung der Palästinensische Autonomiebehörde. Ihre Karikaturen erscheinen regelmäßig in den offiziellen palästinensischen Medien.

Hier wird Ariel Sharon gezeigt, wie er in einer großen Tasse voll Blut sitzt.

Dieser Cartoon, auch von Omayya Joha, erschien in Al-Hayat Al-Jadeeda, der offiziellen Tageszeitung der Palästinensischen Autonomiebehörde am 22. April 2003.

In diesem Cartoon von Al-Watan (Oman) (10. August 2002) werden jüdische Handlungen gleichgesetzt mit denen der Nazis.

Diese nazi-typische, antisemitische Karikatur zeigt einen Juden, der eine Haken-Nase, einen buckligen Rücken und keine Schuhe hat und schwitzt.

In dem Cartoon aus Akhbar Al-Khalij (Bahrain) (10. Juni 2002) sieht man die antisemitische Karikatur eines Juden auf der rechten Seite sagt: „Sprich:“ Ich hasse die Araber! „Und US-Präsident George W. Bush, wie ein Papagei, wiederholt: „Ich hasse die Araber, ich hasse die Araber.“

Auf einer anderen Karikatur zeigt Zeichnerin Omayya Joha auf der Internet-Seite der offiziellen palästinensischen Autonomiebehörde die angebliche jüdische Kontrolle (in Form von Schlangen) der Vereinigten Staaten.

Die Schlange wurde häufig zur Darstellung in historisch-antisemitischen Bildern europäischer Juden benutzt.

Dieser Cartoon vom 13. Mai 2005 (ein Monat, in dem von vielen westlichen Zeitungen behauptet wurde, dass die Medien der Palästinensischen Autonomiebehörden einen moderateren Ton hatten), zeigt einen Juden, der in die nördliche Region mit einer Karte von der islamischen Welt einen Pfahl mit der Flagge von Israel hineinsteckt, Blut spritzt heraus. Am unteren Ende scheint ein arabischer Mann auf dem Kopf zu hängen, mit einer weißen Fahne der Kapitulation.

Diese Karikatur erschien in Al-Hayat Al-Jadeeda, die offizielle Tageszeitung der palästinensischen Autonomiebehörde.

Dieser Cartoon der syrischen Zeitung Al-Ahram (29. Mai 2002) zeigt eine antisemitische Karikatur eines Juden mit einem langen Bart und einer Hakennase, wie er die „Weltmedien“ mit „zionistischer Medien“-Propaganda betankt, während im Hintergrund Bomben auf den muslimischen al-Aqsa-Schrein auf dem Jerusalemer Tempelberg fallen.

Dieser Cartoon stereotyper Juden wiederholt den antisemitischen Mythos, dass die Juden die Weltmedien kontrollieren und fügt die Lüge hinzu, dass die israelische Regierung den al-Aqsa-Komplex auf dem Tempelberg beschädigt hat.

Der Cartoon – für ein ausländisches Publikum mit Text in englischer Sprache gemacht – wurde auf der offiziellen Website des staatlichen Informations-Center der Palästinensischen Autonomiebehörde am 6. April 2003 eingestellt.

Das staatliche Informations-Center der Palästinensischen Autonomiebehörde stellt regelmäßig Beiträge mit hässlichen anti-israelischen und anti-amerikanischen Cartoons ein, einschließlich dieser Wiederholung der antisemitischen Blut-Verleumdung, dass Juden nicht-jüdische Kinder töten.

Der Cartoon von der ägyptischen Wochenzeitung Al-Ahram al-Arabi (8. Juni 2002) zeigt nicht nur die Mitglieder der Likud-Partei, wie sie Arabern ermorden, sondern auch den langjährigen Vorsitzenden der israelischen Labor-Partei, „Taube“ Shimon Peres, wie er an der Seite steht und mit blutigen Händen applaudiert.

Ägypten ist der zweit-höchste Empfänger von US-Hilfsgeldern in der Welt. Der US-Senat hat 2006 ein $ 1,84 Milliarden-Hilfspaket für Ägypten freigegeben.

Diese Karikatur ist von Al-Watan (Katar), 13. Mai 2003.

Die USA und Israel werden gezeigt, wie sie einen Apfel von zwei Seiten essen, die „die arabischen Staaten“. Dieser Cartoon ist zudem bemerkenswert, da er in Katar, der Heimat des einflussreichen Al Jazeera TV-Senders veröffentlicht wurde.

Katar wird von vielen in der US-Regierung als US-Verbündeter und als ein relativ moderater Staat betrachtet.

Der Cartoon ist von Arab News und zeigt Ratten, die Davidssterne und eine Kippa tragen. Sie wuseln rückwärts und vorwärts durch Löcher in der Wand eines Gebäudes namens „Palästina-Haus.“ Arab News, eine englischsprachige Tageszeitung, die viel von Ausländern in Saudi-Arabien gelesen wird, ist weithin als eine moderate Zeitung bekannt. Es wird von einer saudisch-staatlichen Koorporation veröffentlicht.

Die Bilder in der Karikatur könnten durchaus von einer bekannte Szene aus dem Nazi-Film „Jud‘ Süss“ inspiriert sein, der sie sehr ähnlich sind – eine Szene, in der die Juden als Ungeziefer dargestellt sind, um vernichtet zu werden.

via Tom Gross

siehe auch