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„Die Scharia verhindert wahre Religionsfreiheit“

Unionsfraktionschef Volker Kauder setzt sich für verfolgte Christen ein. Er betont, dass die Muslime zu Deutschland gehören. Auch für sie gelte jedoch das staatliche Recht. Von Robin Alexander und Thomas Vitzthum

 

Der Einsatz für verfolgte Christen ist ein Herzensanliegen Volker Kauders. Oft führen ihn Reisen in Staaten, in denen sie bedrängt werden. Auch ein Buch mit dem Titel „Verfolgte Christen: Einsatz für die Religionsfreiheit“ (Verlag: SCM Hänssler) hat der Unionsfraktionschef geschrieben. Aktuell macht ihm vor allem Ägypten Sorgen.

Welt am Sonntag: Herr Kauder, schon lange beschäftigt Sie die weltweite Christenverfolgung. Wohin geht zurzeit Ihr Blick?

Volker Kauder: In einem wichtigen arabischen Land, in Ägypten, verschlechtert sich die Lage der Christen gerade rapide. Acht Millionen christliche Kopten leben dort – und sie befürchten mehr und mehr, dass sie ihren Glauben bald nicht mehr in ihrem Heimatland leben können. Das ist dramatisch: Die Kopten sind gewissermaßen die direkten Nachkommen der ursprünglichen Einwohner Ägyptens. Die koptischen Christen artikulieren ihre Sorgen auch nicht leichtfertig: Seit der Islamisierung des Landes sehen sie sich seit Hunderten von Jahren als eine Kirche der Märtyrer. Sie sind also Druck gewohnt. Dass sie jetzt so alarmiert sind, zeigt, wie ernst die Lage ist.

Welt am Sonntag: Was ist geschehen?

Kauder: In Ägypten wird derzeit um die Verabschiedung einer neuen Verfassung gestritten. Ursprünglich haben die Kopten an der Formulierung mitgearbeitet, haben dann aber die zuständige Kommission unter Protest verlassen. Denn die Muslimbrüder und die noch radikaleren Salafisten wollen in der neuen Verfassung noch einmal einen Satz stärker betonen, der in vielen islamischen Ländern die Religionsfreiheit schon heute infrage stellt. Der Satz lautet: Die Grundlage des Rechtssystems ist die Scharia. Die Anwendung der Scharia verhindert aber wahre Religionsfreiheit. Aber noch mehr: Er diskriminiert auch die Frauen und schränkt andere Rechte ein.

Welt am Sonntag: Dies ist kein spezielles ägyptisches Problem?

Kauder: Leider nein. Die Religionsfreiheit wird weltweit durch den Islamismus bedroht. Überall dort, wo muslimische Extremisten die Mehrheit haben, wird es für andere Religionen schwierig. Hier müssen wir in jedem einzelnen Fall aufmerksam sein. Die internationale Gemeinschaft – und auch Deutschland – muss entschieden darauf hinweisen: In der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen ist die volle Religionsfreiheit verbrieft. Und darin ist festgeschrieben, was dem Islam die größten Probleme macht: Auch ein Wechsel der Religion gehört zur Religionsfreiheit. Die Charta hat meines Wissens nach auch Ägypten unterschrieben.

Welt am Sonntag: Sollte Deutschland seine Hilfen für Ägypten davon abhängig machen, dass religiöse Freiheiten garantiert werden?

Kauder: Wir arbeiten in der Entwicklungshilfe nicht mit Drohungen, sondern mit einem Dialog. Ich habe persönlich das Gespräch mit dem Vorsitzenden der Partei der Muslimbrüder in Ägypten gesucht. Dabei habe ich ihm schon erklärt, dass wir zum Beispiel nicht für den Tourismus in Ägypten werben können, wenn dort nicht sichergestellt ist, dass man unbehelligt am Sonntag in die Kirche gehen kann.

Welt am Sonntag: Machen wir nicht zu viele Kompromisse? Als die Kanzlerin nach Saudi-Arabien reiste, mussten sich die Reporter Pässe besorgen, in denen kein israelischer Stempel war. Und sie wurden informiert, dass sie christliche Symbole vor der Einreise…

Kauder: …ablegen sollen. Ja, das weiß ich. Wenn Sie als Normalbürger nach Saudi-Arabien einreisen und haben eine Bibel in der Tasche, bekommen sie größte Probleme. Auch deswegen dürfen wir nicht aufhören, über dieses Thema zu reden. Schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten, aber es bewegt sich doch was. Allerdings dürfen wir uns auch nichts vormachen. Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern unter Berufung auf seine Lehren ist in vielen Ländern eine besondere Art der Staatsform proklamiert worden, der islamische Staat. Der Unterschied zwischen Christentum und dem vielerorts praktizierten Islam ist also: Das Christentum will den ganzen Menschen. Der Islam, wie er mittlerweile in vielen Staaten gelebt wird, will die ganze Gesellschaft.

Welt am Sonntag: Auch Deutschland ist kein laizistisches Land und hat einen Gottesbezug in der Verfassung.

Kauder: Ja, aber die Bundesrepublik Deutschland ist kein christlicher Staat. Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, wir sind weltanschaulich neutral, aber nicht werteneutral. Aber auch das hat natürlich Folgen: Zu den Werten in unserer Verfassung gehört die Religionsfreiheit. Die Muslime haben das Recht, in unserem Land ihre Moscheen zu bauen und ihren Glauben frei zu leben. Umgekehrt gilt dies für Christen in sehr vielen islamischen Ländern leider nicht. Selbst bei unserem Bündnispartner Türkei müssen wir immer wieder darauf dringen, dass Christen unbedrängt Kirchen bauen dürfen.

Welt am Sonntag: Sie sind Politiker in einer christlichen Partei, in der es auch Muslime gibt. Ihr Vorstandsmitglied Aygul Özkan hat als Ministerin gesagt, dass Kreuze in öffentlichen Einrichtungen nichts zu suchen hätten.

Kauder: Frau Özkan hat diesen Satz nicht wiederholt. Sie ist sicher missverstanden worden. Das Kreuz ist ein christliches Symbol, und unser Land hat nun einmal eine christlich-jüdische Tradition.

Welt am Sonntag: Der Gott des Grundgesetzes ist nicht Allah?

Kauder: Der Gott, der die Mütter und Väter des Grundgesetzes leitete, war der Gott der Christen und der Juden. Muslime waren an der Erarbeitung des Grundgesetzes nicht beteiligt. Deutschland ist auch nach wie vor vom christlich-jüdischen Glauben und der Aufklärung geprägt. Die Muslime gehören aber selbstverständlich zu Deutschland.

Welt am Sonntag: Passt der Islam nicht zum Grundgesetz?

Kauder: Bei uns darf jede Religion frei ausgeübt werden. Dabei müssen aber auch andere Wertentscheidungen respektiert werden. Wir haben immer wieder Diskussionen, inwieweit etwa das Schächten unter Gesichtspunkten des Tierschutzes zulässig ist. Unsere obersten Gerichte sagten: ja, aber in gewissen Grenzen. Wir haben gerade erste eine Diskussion über die Beschneidung geführt: Auch hier sagt der Gesetzgeber „Ja“, aber wiederum in bestimmten Grenzen. Klar ist aber eins: Bei uns gilt immer das staatliche Recht ohne Wenn und Aber. Das sagt, dass Frauen und Männer gleichzubehandeln sind – egal, wie man immer das islamische Recht interpretiert. Die Gleichbehandlung muss gelten. Eine Paralleljustiz dürften wir zum Beispiel nie dulden.

Welt am Sonntag: Sie mahnen Kritik an islamistischen Regimen an. Aber ein solches ist auch Saudi-Arabien – das jetzt mit deutschen Panzern aufgerüstet werden soll. Wie passt das zusammen?

Kauder: Ich mache viele Veranstaltungen zur weltweiten Christenverfolgung und habe dazu allein in diesem Jahr vor 10.000 Menschen in Deutschland gesprochen. Und in der Tat werde ich dies immer wieder gefragt. Die Antwort ist schwierig, aber ich habe keine andere: Es gibt Situationen, in denen wir als Politiker schuldig werden. Die Interessen unseres Landes und unsere Werte sind nicht immer deckungsgleich. Man kann sie nicht gegeneinander ausspielen. Sie müssen in eine „praktische Konkordanz“ gebracht werden, wie es der große Verfassungsrechter Konrad Hesse formulierte. Es geht um einen Ausgleich. Was das Beispiel Saudi-Arabien angeht: Hier gibt es in der Tat keine Religionsfreiheit und antisemitische Tendenzen. Das Land spielt aber andererseits eine wichtige Rolle als Gegengewicht zum Iran. Es ist eine bittere Ironie: Die Saudis mögen selbst judenfeindlich sein, aber sie sorgen auch dafür, dass der Iran die Juden nicht ins Meer treiben kann.

Welt am Sonntag: Was kann Deutschland dann tun für die verfolgten Christen in der Welt?

Kauder: Wir dürfen nicht lockerlassen. Anfang Februar werde ich nach meinen Plänen wieder in Ägypten sein. Ich will mit der neuen ägyptischen Regierung unter Präsident Mursi sprechen. Ich glaube noch immer, dass eine vernünftige Lösung möglich ist. Obwohl ich schon feststelle, dass Präsident Mursi immer häufiger versucht, die radikalen Vorschläge der Muslimbrüder umzusetzen. Auch mit dem Vorsitzenden der Muslimbrüder im Parlament werde ich versuchen zu reden – und mich anschließend selbstverständlich auch mit koptischen Christen treffen. Es werden sicher intensive Diskussion werden. Aber solche Besuche müssen sein, um deutlich zu machen: Wir lassen nichts auf sich beruhen.

Quelle: http://www.welt.de/politik/deutschland/article111901333/Die-Scharia-verhindert-wahre-Religionsfreiheit.html

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„Religionsfreiheit weltweit durch Islamismus bedroht“

Unionsfraktionschef Volker Kauder warnt: In Ägypten verschlechtere sich die Lage der Christen rapide. Für den Fall weiterer Islamisierung droht er, Werbung für den ägyptischen Tourismus einzustellen. Von Robin Alexander

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die Behandlung von Christen in Ägypten beklagt und Kairo mit Konsequenzen gedroht. „In Ägypten verschlechtert sich die Lage der Christen gerade rapide“, sagte Kauder der „Welt am Sonntag“.

„Acht Millionen christliche Kopten leben dort und sie befürchten mehr und mehr, dass sie ihren Glauben bald nicht mehr in ihrem Heimatland leben können. Das ist dramatisch.“

Kauder drohte damit, die Werbung für den ägyptischen Tourismus einzustellen. Er habe dem Vorsitzenden der Partei der Muslimbrüder in Ägypten schon erklärt, dass „wir zum Beispiel nicht für den Tourismus in Ägypten werben können, wenn dort nicht sichergestellt ist, dass man unbehelligt am Sonntag in die Kirche gehen kann“.

Kauder kündigte für den Anfang des kommenden Jahres eine Reise nach Ägypten an. „Ich will mit der neuen ägyptischen Regierung unter Präsident Mursi sprechen“, sagte Kauder. „Ich glaube noch immer, dass eine vernünftige Lösung möglich ist. Obwohl ich schon feststelle, dass Präsident Mursi immer häufiger versucht, die radikalen Vorschläge der Muslimbrüder umzusetzen.“

„Religionsfreiheit durch Islamismus bedroht”

Die Muslimbrüder und die noch radikaleren Salafisten wollten in der neuen ägyptischen Verfassung den Satz stärker betonen, die Grundlage des Rechtssystems sei die Scharia. „Die Anwendung der Scharia verhindert aber wahre Religionsfreiheit. Er diskriminiert auch die Frauen und schränkt andere Rechte ein“, so Kauder.

Die Entwicklung in Ägypten sei kein Einzelfall, sondern drohe auch in anderen muslimischen Ländern: „Die Religionsfreiheit wird weltweit durch den Islamismus bedroht. Überall dort, wo muslimische Extremisten die Mehrheit haben, wird es für andere Religionen schwierig“, sagte er.

Globale Christenverfolgung

Globale Christenverfolgung

Die Weltöffentlichkeit war geschockt, als sie vom Attentat in Ägypten am Neujahrstag 2011 erfuhr: 23 koptisch-orthodoxe Christen starben vor einer koptischen Kirche in Alexandria. Durch dieses Attentat wurde eine Mauer des Schweigens gebrochen, die die Themen „Christenverfolgung“ und „Missachtung der Religionsfreiheit“ aus innerkirchlichen Kreisen in die Medien katapultierte. Soldaten der Bundeswehr, die auf dem Balkan, im Mittelmeerraum, in Afrika oder Afghanistan im dienstlichen Einsatz sind, werden immer wieder mit diesen Konflikten konfrontiert. Deshalb müssen ihnen im Rahmen der Inneren Führung Antworten an die Hand gegeben werden. (1/2011)

Nachbildung eines Mosaiks aus Rom einer Christenhinrichtung durch Tierhatz

Christenverfolgung (Quelle: Commons/Ihle)

Die Berichterstattung im Januar 2011 zum Attentat in Ägypten macht deutlich, dass es sich bei diesem Anschlag auf Christen nicht um einen Einzelfall handelt. An Weihnachten 2009 wurden sechs koptische Christen in Nag Hammadi erschossen. Im Oktober 2005 gab es in Alexandria einen Gewaltausbruch von Muslimen gegenüber Christen, bei Globale Christenverfolgung In vielen Ländern herrscht eine strukturelle Missachtung der Religionsfreiheit denen drei Menschen getötet, sieben Kirchen beschädigt und eine Nonne durch eine Messerattacke schwer verletzt wurde. 2002 wurden nach der Einweihung einer koptischen Kirche in der ägyptischen Provinz Minia elf Kopten verletzt.

2001 schließlich kamen bei Massakern in der ägyptischen Kleinstadt El Kosheh 21 koptische Christen zu Tode. Die koptischen Christen bilden die größte christliche Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten. Mit rund acht Millionen Menschen stellen sie rund zehn Prozent der Bevölkerung Ägyptens. Nicht nur heute ist die Lage der Kopten in Ägypten politisch schwierig, sondern auch über weite Strecken ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte, und insbesondere seit der islamischen Eroberung Ägyptens Mitte des 7. Jahrhunderts. In heutiger Rückschau stellt sich die Geschichte der Kopten als eine Geschichte der Verfolgung und Unterdrückung dar.

Bedrohungen durch al-Qaida

Kirchenhistoriker schätzen, dass rund zwei Millionen Kopten seit Gründung ihrer Kirche im ersten nachchristlichen Jahrhundert durch den um 67 n. Chr. verstorbenen Evangelisten und Märtyrer Markus – zugleich erster Bischof von Alexandria – ihr Leben verloren. Hierfür lassen sich verschiedene Ursachen anführen, die teilweise im Selbstverständnis der Kopten begründet liegen. In der koptischen Sprache gibt es zahlreiche griechische Wörter, die der Zeit der Ptolomäer entstammen, deren Herrschaft in Ägypten mit Kleopatra 30 v. Chr. politisch zu Ende ging. Der Begriff „Kopte“ lässt sich auf das altgriechische Wort „aigyptos“ zurückführen: Die koptische Glaubensgemeinschaft in Ägypten betrachtet sich als Erbe des pharaonischen Ägypten – so wie die römisch-katholischen Christen enge Bezüge zu den alten Römern aufweisen. In der koptischen Wahrnehmung erscheint der Islam in Ägypten als ein Fremdkörper, der zumindest nicht unmittelbar an das altägyptische Erbe der Pharaonen anknüpfen kann.

Koptische Christen lebten also schon lange in Ägypten, bevor der Islam de facto Staatsreligion am Nil wurde. Zwar garantiert die Islamische Republik Ägypten heute Religionsfreiheit, doch der Alltag sieht anders aus. So kommt es zu Entführungen von ägyptischen Christinnen durch Muslime, die nach ihrer Zwangsislamisierung mit einem ägyptischen Muslim zwangsverheiratet werden. Immer wieder flammen interreligiöse Feindseligkeiten auf, die 1928 mit der Gründung der Muslim-Bruderschaft durch den ägyptischen Fundamentalisten Hasan al-Banna begannen und die allmählich die politische Lage zuungunsten der koptischen Christen veränderten. Inzwischen berufen sich die islamistischen Terrororganisationen Hamas, Hisbollah, al-Qaida, Taliban und die Kaukasus-Islamisten auf die Schriften dieser Muslim-Bruderschaft und auf ihren Gründer Hassan al-Banna (1906- 1946), der Gewaltausübung gegen Christen und die Zwangsislamisierung von Christen als gerechtfertigt ansah. Die ägyptischen Sicherheitsbehörden in Alexandria beschuldigten die islamistische Terrororganisation al-Qaida, hinter dem Attentat vom Neujahrstag 2011 zu stecken.

Koptisches Kreuz

Strukturelle Missachtung der Religionsfreiheit (Quelle: Commons/Sagredo)

Christenverfolgung seit der römischen Antike

Die Verfolgung von Christen ist im Prinzip nichts Neues und bereits seit der römischen Antike bekannt. Christenverfolgungen im Imperium Romanum dienten zur Unterdrückung der Christen, zunächst als spontane, lokal oder regional begrenzte, später als kaiserlich gesamtstaatlich angeordnete Maßnahmen. Bekanntlich war Stephanus, dessen Steinigung vor den Toren von Jerusalem durch Saulus, dem späteren Paulus, beaufsichtigt wurde, das erste (Märtyrer-)Opfer einer Christenverfolgung. Es folgten die römischen Kaiser Nero (54-68), Domitian (81-96), Severus (193- 211), Decius (249-251), Valerian (253-260) und Diokletian (303-311), die Christen verfolgen und töten ließen. So kamen etwa Petrus und Paulus während der Herrschaft des Nero durch Kreuzigung zu Tode.

Die römischen Machthaber nahmen die Christen mit ihrer monotheistischen Religion als eine Bedrohung ihrer Macht wahr. Für sie war es nicht hinnehmbar, wenn einzelne Christen den Kaiserkult verweigerten, da sie dies zu Aufrührern und Feinden des Reiches klassifizierte. Erst mit dem so genannten Toleranz-Edikt von Mailand 313 n. Chr. durch Kaiser Konstantin und mit der Einführung des Christentums als Staatsreligion 381 n. Chr. durch Kaiser Theodosius endete die Verfolgung der Christen in der römischen Antike.

Zitat

Weltweite Verfolgung von Christen heute

Christenverfolgungen im heutigen Sinne hat es im europäischen Mittelalter nicht gegeben, allenfalls die Verfolgung von sogenannten Ketzern, die nicht mit dem christlichen Glauben der Amtskirche übereinstimmten. Hingegen wurden im Orient mit der Ausbreitung des Islam seit Beginn des 7. Jahrhunderts – gerade auch in Ägypten – in unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit immer wieder Christen verfolgt und zwangsislamisiert. Die Diskriminierung und Verfolgung von Christen ist heute Teil eines weltweiten Phänomens, das auch die Region des Nahen und Mittleren Osten betrifft. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, stellt fest: „Christen sind gegenwärtig die Religionsgemeinschaft auf der Welt, die den stärksten Bedrohungen ausgesetzt ist.“

Die Evangelische Allianz gibt an, dass alle drei Minuten ein Christ wegen seines Glaubens hingerichtet wird, vor allem in islamischen Ländern. Laut der katholischen Kirche Schweiz werden jährlich rund 100.000 Christen aufgrund ihres Glaubens von Muslimen ermordet oder zu Tode gefoltert. Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte ist jeder zehnte Christ auf dieser Erde ein Opfer von Diskriminierung und Gewalt. Eine Studie des christlichen Missions- und Hilfswerks Open Doors von 2009 stützt die Aussage Kauders. Sie kommt ebenfalls zu dem Resultat, dass das Christentum die weltweit meistverfolgte Religion ist. Open Doors hat mit seinem Weltverfolgungsindex eine Rangliste von fünfzig Staaten erstellt, in denen Christenverfolgungen vorkommen. Die Grundlage der Studie bildet ein Fragebogen aus fünfzig Fragen. Die Studie ergibt, dass Christen in Ländern des Islam (z.B. Saudi-Arabien), in Ländern mit kommunistisch-totalitären Strukturen (z.B. Nordkorea) und in Ländern mit sozialen Unruhen oder langjährigen Rebellenaufständen (z.B. Nepal) verfolgt werden.

Porträt Volker Kauder

Volker Kauder (Quelle: CDU/CSU)

Immer wieder werden Seelsorger der deutschen Militärseelsorge mit Fällen von Diskriminierung und Verfolgung von Christen im Ausland konfrontiert. In Afghanistan hat sich die Situation für die wenigen Christen – weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung – nach Angaben von Open Doors dramatisch verschärft. Im April 2010 forderte der stellvertretende Parlamentspräsident Abdul Satter Khowasi die Festnahme und öffentliche Hinrichtung von Menschen, die vom Islam zum Christentum übertreten. Viele Christen in Afghanistan sind untergetaucht oder aus dem Land geflohen. Open Doors zufolge wurde 2010 ein Christ festgenommen, zwei weitere Christen wurden als vermisst gemeldet. Schon seit einigen Jahren ist das Problem der Christenverfolgung virulent. So war etwa die Frage der freien Religionsausübung für Christen in China und auf der arabischen Halbinsel bereits im Jahr 2000 ein großes Problem, und bis heute befinden sich die Christen in diesen Ländern in Not.

Andererseits bleibt nach wie vor das Herstellen von Öffentlichkeit eines der wichtigsten Instrumente, um auf die weltweite Christenverfolgung aufmerksam zu machen. Ein weiteres Mittel zur Thematisierung der weltweiten Christenverfolgung besteht darin, dass Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Volker Kauder das Thema Religionsfreiheit und Christenverfolgung bei offiziellen Besuchen im Ausland ansprechen oder dass politische Einrichtungen oder Stiftungen sich im In- und Ausland auf Tagungen und Veranstaltungen damit befassen. Im Herbst 2006 veranstaltete etwa die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine Anhörung zur politischen Verfolgung von Christen. Unter den zahlreichen Nichtregierungsorganisationen, die bei dieser Anhörung mitwirkten und die sich seit vielen Jahrzehnten mit dem Thema Christenverfolgung intensiv auseinandersetzen, ist vor allem das internationale katholische, 1947 gegründete, Hilfswerk Kirche in Not.

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Missachtung der Religionsfreiheit

Das Land, das Christen heute am härtesten verfolgt, ist Nordkorea. Das Regime des abgeschotteten Staates wertet jedwede religiöse Aktivität als Angriff auf die sozialistischen Prinzipien Nordkoreas. Christen droht in Nordkorea Gefängnis, Arbeitslager oder Hinrichtung. Im Mai 2010 entdeckten nordkoreanische Polizisten eine christliche Hauskirche mit 23 Gläubigen in der Provinz Pyungsung. Drei Gemeindemitglieder wurden sofort zum Tode verurteilt, die übrigen zwanzig kamen in ein Arbeitslager. Ähnlich probematisch ist die Situation der Christen im Iran und im Irak. So kamen Ende Oktober 2010 bei einem Attentat in der Kirche „Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe“ in Bagdad mehr als fünfzig Christen ums Leben.

Aus Angst vor Anschlägen und wegen des großen gesellschaftlichen Druckes verlassen heute viele christliche Frauen nur noch verschleiert ihre Häuser. In Bagdad ist erst kürzlich das Institut für Musik an der Universität Bagdad geschlossen worden, da Musik mit der Scharia, dem islamischen Recht, nicht vereinbar sei. Von den ursprünglich rund einer Million Christen im Irak sind heute nur noch rund 300.000 übrig. Viele irakische Christen fliehen ins Ausland, vor allem in den Libanon. Zudem hat sich die Christenverfolgung in anderen Ländern verschärft. In Kamerun beispielsweise will al- Qaida im Bündnis mit islamischen Fundamentalisten Christen aus dem Land vertreiben und religiöse Unruhen anfachen.

Aus Nigeria dringen islamische Gotteskrieger nach Kamerun ein und hetzen mit Flugblättern und Gewalt gegen Christen. Junge Muslime werden aufgefordert, Christinnen zu heiraten und sie zum Übertritt in den Islam zu zwingen. In Eritrea sitzen über 200 Christen ihres Glaubens wegen in Haft, darunter 16 Pfarrer. Christen werden verhaftet und unter Druck gesetzt, ihrem Glauben zugunsten des Islam abzuschwören. In Somalia werden Christen als Menschen zweiter Klasse behandelt. 2006 wurde eine italienische Nonne in Mogadishu von islamistischen Rebellen erschossen.

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Christenverfolgung als Kampf gegen westlichen Einfluss

Ungeachtet der Verhandlungen mit der Europäischen Union führen im laizistischen Vorzeigestaat Türkei Christen ein Dasein als Bürger zweiter Klasse. Bestes Beispiel waren die mit großen Schwierigkeiten verbundenen Bemühungen des Erzbistums Köln, die als Museum genutzte christliche Kirche in Tarsus im Paulusjahr 2008/2009 und grundsätzlich für Gottesdienste zu öffnen. Nahezu aussichtlos sind in der Türkei Aktivitäten, die auf den Bau von christlichen Gemeindezentren und Kirchen zielen. Überall in der Türkei, etwa auch in der Kopftuchfrage, ist der verstärkte Einfluss des Islam und des Islamismus spürbar. Nach der Vertreibung der christlichen Griechen aus der Türkei stellen die Christen heute weniger als ein Prozent der Bevölkerung – Tendenz sinkend.

Der Fall Türkei macht aber auch deutlich: Im Ausland werden christliche Religion und Kultur vielfach als westlich und als eine politische Bedrohung durch das Abendland wahrgenommen. Es ist ein Paradoxon: Zum einen stehen die römischkatholische Kirche und das Pontifikat von Benedikt XVI. für das abendländische Erbe mit seinen jüdischen, griechischen, römischen, ägyptischen und germanischen Wurzeln. Zum anderen sind die christlichen Religionsgemeinschaften in Europa durch Säkularisierung und Wertewandel in ihrer Existenz gefährdet. Der Islam hingegen ist im arabischen Sprach- und Kulturraum beheimatet und bislang nur in geringem Umfang mit Säkularisierung und Wertewandel sowie den Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft konfrontiert. Damit sind im Ergebnis (gesellschafts-)politische und kulturelle Spannungen vorgezeichnet, die bis heute zwischen Christentum und Islam weltweit wirken.

Diese religiösen Spannungen kommen auch in Nigeria zum tragen, wo mit der Scharia gegen Christen vorgegangen wird. In Saudi-Arabien, der Heimat des Islam, gibt es keine Rechte für Christen: In der Öffentlichkeit dürfen keine christlichen Symbole gezeigt werden, das Lesen in der Bibel oder Versammlungen zu Gottesdiensten oder Bibelkreisen sind verboten. Im Sudan und auf den Malediven kommt es zu Terror gegen Christen. Auf den Malediven droht einheimischen Muslimen bei einem Religionswechsel der Verlust der Staatsbürgerschaft. Radio Vatikan berichtete, dass im Sommer 2001 vier Katholiken im Sudan verhaftet, ausgepeitscht und dann lebend gekreuzigt wurden. In Pakistan werden Christen verhaftet und zum Tode verurteilt. Indonesien entwickelt sich immer mehr zu einem islamischen Gottesstaat, in dem Christen keinen Platz mehr haben; allein in den vergangenen zwei Jahren sind in Indonesien 1.300 Gebäude der katholischen Kirche schwer beschädigt worden.

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Achtung der Religionsfreiheit und das Ende der weltweiten Christenverfolgung

Die Kultur Ägyptens ist heute vom Islam geprägt. Wie im christlichen Mittelalter, als Staat und Kirche in Europa eine Einheit bildeten und alle Lebensbereiche der damaligen Menschen erfasste, so umgreift auch der Islam viele Lebensräume muslimischer Ägypter. Das wird besonders deutlich, wenn in Ägypten der Muezzin fünf Mal am Tag laut zum Gebet ruft und dann die Arbeit ruht, ob in Banken oder Reisebüros. Selbst in westlich geprägten Fitnessstudios finden sich Gebetsräume, um die Einheit von Glaube und Alltag zu demonstrieren. Die Vereinten Nationen mahnen, dass das Menschenrecht auf Religionsausübung überall auf der Welt gilt und geachtet werden sollte.

Christen müssen frei überall auf der Welt ihren Glauben bekennen dürfen. Die weltweite Verfolgung von Christen, wie sie schon seit langer Zeit stattfindet, ist nicht akzeptabel und weder mit der Charta der Vereinten Nationen noch mit der UN-Menschenrechtscharta vereinbar. Die Achtung der Religionsfreiheit stellt keine Antwort des Westens dar und sie bedeutet auch keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines Landes. Vielmehr bildet sie mit anderen Menschenrechten die Grundlage internationaler Politik und des Völkerrechts. Zur universellen Geltung der Menschenrechte und der Achtung der Religionsfreiheit gibt es keine Alternative.

Quelle: http://www.if-zeitschrift.de/portal/a/ifz/!ut/p/c4/JYvBCsIwEAX_KJsoSPVmKYj0pgdtLyVp1hhokrJuLYgfb4JvYC7Dgx4yUb-90-xT1BPcoRv9wazCrBYH__gIfmLAKMyC5JCGF2vNcCtHi2JMEbmYMbLPdqQ5kZgT8VTKQpSL8BY6qZpabdVG_qe-1alvrzu5r5pzfYE5hOMPZ1ZidQ!!/