• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
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Arabisch-sprechender Armeesprecher

Armeesprecher Avichay Adraee ist zur Stimme Israels im arabischen Fernsehen geworden. Er ist 26 Jahre jung und seit vier Jahren der einzige arabischsprachige Sprecher der israelischen Armee.

[…] Manchmal gelingt ihm sogar ein kleiner Sieg: Bei der arabischen BBC teilte er sich einmal live mit einem Hamas-Mann den Bildschirm und warf dem sich über die Angriffe beschwerenden Palästinenser ein bekanntes arabisches Sprichwort an den Kopf:

„Erst schlägst du uns, und dann fängst du an zu heulen.“

Daraufhin habe er Hunderte zustimmender Mails aus der arabischen Welt bekommen

[…] Als bekannt wurde, dass die Hamas Moscheen in Gaza als Waffenlager missbrauchte, schlug er die Islamisten in einem Videoclip mit ihren eigenen Waffen:

„Und wer ist ungerechter als der, der verhindert, dass in den Anbetungsstätten Gottes seines Namens gedacht wird, und bestrebt ist, sie zu zerstören“,

zitierte er aus der zweiten Sure „al-Bakra“.

[…] In Tunesien, Algerien oder Marokko habe man gute Chancen, den Nahost-Konflikt als einen Kampf zwischen einem Staat und einer hinterhältigen Terrorgruppe darzustellen. „In diesen Ländern weiß man nur zu gut, was islamistischer Terror bedeutet.“ Die Hamas erfreue sich in Nordafrika keiner großen Beliebtheit.

Über die Menschen in den arabischen Ländern, die die Hamas nicht mögen und mit Israel sogar heimlich sympathisieren, weiß man wenig, weil sie sich kaum outen können, ohne tierischen Stress zu bekommen. aber an solchen o.g. Emails sieht man, dass es sie gibt.
Deshalb ist auch so wichtig, zwischen politischer Führung und den Menschen im Land zu unterscheiden.

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Dauerzustand Ausnahmezustand

von Christoph Sydow

Am 10. Dezember 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Diese gewährt jedem Menschen »ohne irgendeinen Unterschied« die gleichen, unveräußerlichen Rechte. Offiziell wird die Menschenrechtserklärung von jedem UN-Mitglied anerkannt, tatsächlich wird sie aber auch mehr als sechs Jahrzehnte nach ihrer Verabschiedung von arabischen Staaten mit Füßen getreten.

Für seinen zweiten Jahresbericht zur Menschenrechtslage im Nahen Osten untersuchte das Cairo Institute for Human Rights Studies (CIHRS) die Situation in zwölf Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga – Ägypten, Algerien, Bahrain, Irak, Libanon, Marokko, Palästina, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, Tunesien und Jemen. Fast jeder dieser Staaten verfolgt Menschenrechtsaktivisten, beschneidet die Pressefreiheit und diskriminiert religiöse Minderheiten. Gegenüber 2008 hat sich die Menschenrechtslage in der Region noch einmal verschlechtert, konstatiert das Institut in Kairo. Das CIHRS ist eine politisch unabhängige Organisation, die eng mit Amnesty International zusammenarbeitet, und einer der größten Menschenrechtsvertreter in der arabischen Welt.

»Bastion der Straflosigkei
Unter dem Vorwand angeblicher Bedrohungen aus dem In- und Ausland werden den arabischen Bürgern Grundrechte verweigert. In Algerien herrscht seit 17 Jahren, in Teilen des Sudan seit 20 Jahren, in Ägypten seit 28 Jahren und in Syrien seit 36 Jahren ein staatlich erklärter »Ausnahmezustand«. Mit der jemenitischen Bürgerkriegsprovinz Saada kam in diesem Jahr ein weiteres Gebiet der arabischen Welt hinzu. Unter den repressiven Regelungen solcher »Ausnahmezustände« werden Minderheiten unterdrückt, die Presse zensiert und Herrschaft monopolisiert. Friedliche Machtwechsel und faire Wahlen, bei denen der Sieger nicht im Vorfeld feststeht, blieben ein Traum, konstatiert der CIHRS-Bericht unter dem Titel »Bastion der Straflosigkeit, Trugbild der Reform«.

Bürger, die sich gegen diese Zustände auflehnen, werden staatlich verfolgt. Vorreiter bei der Unterdrückung von Menschenrechtsgruppen ist laut der Studie des Kairoer Instituts Syrien. Mehrere Aktivisten wurden in Schauprozessen verurteilt oder verschwanden spurlos. Kaum besser ist die Lage in Tunesien, wo besonders im Umfeld der Präsidentenwahl Menschenrechtler körperlich angegriffen und in der staatlichen Presse diffamiert wurden. In den Monarchien Bahrain, Saudi-Arabien und Marokko wird weiterhin jede Kritik an den Königshäusern scharf verfolgt. Im Sudan wurden nach der Ausstellung des Internationalen Haftbefehls gegen Präsident Omar al Baschir mehrere Menschenrechtsgruppen verboten, weil sie beschuldigt wurden, mit dem Internationalen Strafgerichtshof zu kooperieren.

Auf der Liste der Folterstaaten steht unverändert Ägypten an erster Stelle. Nach Recherchen des CIHRS starben in diesem Jahr Dutzende Menschen an Misshandlungen in Polizeigewahrsam. Die Polizeigewalt treffe nicht nur Terrorverdächtige und Kriminelle sondern auch religiöse Minderheiten wie Schiiten oder Kopten. Die Spitze eines anderen Eisbergs waren 38 Flüchtlinge aus Afrika, die zwischen Juni 2008 und September 2009 an der Grenze auf dem Weg nach Israel erschossen wurden. Auch in allen anderen arabischen Staaten sei Folter »Routine« – häufig unter dem Vorwand, den Terrorismus zu bekämpfen. In Syrien starben mindestens drei Häftlinge in Polizeigewahrsam, das Schicksal von hunderten Gefängnisinsassen sei unbekannt.

Minderheiten werden unterdrückt
Unverändert werden in arabischen Staaten auch Minderheiten diskriminiert. In Syrien werden den Kurden Bürgerrechte verwehrt, in Bahrain werden die Schiiten in ihrer freien Religionsausübung behindert. Saudi-Arabiens Königshaus versucht sich verstärkt als Vorkämpfer für religiöse Toleranz zu präsentieren, gleichzeitig wird auch hier die schiitische Minderheit systematisch unterdrückt. In Ägypten starben in zehn Gouvernements bei Zusammenstößen zwischen Kopten und Muslimen mindestens sieben Menschen. Während des Ramadan verhafteten Sicherheitskräfte des Innenministeriums Kopten, die in der Öffentlichkeit aßen. Schiiten und Bahais wurden von Vertretern der Regierungspartei NDP beschimpft und werden nach wie vor als Bürger zweiter Klasse angesehen.

Als größtes Hindernis für eine Verbesserung der Menschenrechtslage in der Region mach das CIHRS die uneingeschränkte Machtfülle der staatlichen Organe aus. Kein Bürger, der seine Grundrechte einklagen oder etwa gegen Übergriffe der Sicherheitskräfte vorgehen will, bekomme eine faire Chance. »Straflosigkeit und fehlende Rechenschaftspflicht sind feste Bestandteile der arabischen Staaten«, heißt es in der Studie. Dieses System funktioniere mittlerweile nicht nur auf staatlicher, sondern auch auf internationaler Ebene. Die Arabische Liga und die Organisation der Islamischen Konferenz machten sich mitschuldig an den schweren Menschenrechtsverbrechen in verschiedenen arabischen Staaten. Doch damit nicht genug: Zusammen mit anderen autoritären Staaten wir Kuba, China, Russland und Iran arbeiteten diese Organisationen daran, die Menschenrechtsinstitutionen der UNO zu untergraben.

Ohnehin macht sich Moataz El Ogeiry, der Direktor des CIHRS, keine Illusionen darüber, ob sein Bericht bei den arabischen Regimes Wirkung hinterlassen wird:

»Sie geben nicht zu, dass es Menschenrechtsprobleme in ihren Ländern gibt und werden weiterhin Menschenrechtsorganisationen angreifen, weil sie angeblich die nationale Sicherheit gefährden.«

Auch die UN beschäftigt sich mit der Situation in den arabischen Staaten. Leider nicht so ehrlich, wie es die Kairoer tun.

Erstaunlich ist immer wieder, dass 1. diese Staaten, bei denen es nun wirklich schlecht um die Menschenrechte steht, sich trotzdem immer wieder das Recht herausnehmen, andere Staaten – die bzgl. der Menschenrechte wesentlich besser dastehen – wegen Menschenrechtsverletzungen massiv zu kritisieren und 2. dass wir westliche Staaten uns diese Kritik auch noch anziehen!

Natürlich muss man sich jede Kritik anhören, aber wie heißt es in der Bibel: „Statt den Splitter im Auge Deines Mitmenschens zu sehen, achte lieber mal auf den Balken in Deinem Auge.“

Der Islam und die Zivilreligion

Von Bassam Tibi

Noch vor einer Dekade hätte niemand erwogen, dass der Islam im neuen Jahrhundert dermaßen im Zentrum des Geschehens stehen würde – selbst nicht nach der „islamischen Revolution“ im Iran und den Kriegen in Nahost und Afghanistan. Heute muss man sich – angesichts einer wachsenden Islam-Diaspora von 23 Millionen weltweit – innenpolitisch in diesen Diaspora-Ländern die Frage stellen, ob der Islam analog zur Zivilgesellschaft mit Zustimmung der Muslime als Zivilreligion gedeutet werden kann. Ist dies nicht möglich, dann sollte man jegliche Art von Integration schnell vergessen.

Auch andere nicht-westliche Länder wie China oder Indien, die signifikante islamische Minderheiten haben, müssen die Frage der Integration von Muslimen in ein nicht-muslimisches Gemeinwesen beantworten. Dort herrscht aber bereits Gewalt, so etwa in Xinjiang oder Kaschmir. Die Europäer verdrängen diese Frage noch – aber die Rede über eine „Ethnizität der Angst“ in Bezug auf den Islam kann auch in Europa nicht länger unterdrückt werden. Denn sollte es nicht gelingen, einen „zivilen Islam“ durchzusetzen, dann lässt sich schon jetzt ein gewaltförmiges Szenario dieser „Ethnizität der Angst“ voraussagen – der Begriff meint die gewaltförmige Austragung von ethnischen Konflikten. Über die Möglichkeiten, die den Islam zu einer zivilen Religion machen können, auch in Deutschland nachzudenken, ist also mehr als angebracht.

Denn: In Europa hat sich der Islamismus bereits institutionell verankert und die Europäer scheinen das zu schätzen und als vorteilhaft zu betrachten, weil sie glauben, so mit Islamisten verhandeln zu können, die bereit sind, auf Gewalt zu verzichten. Zwar trifft es zu, dass es einen Unterschied zwischen friedlich-institutionellem und dschihadistischem Islamismus gibt, aber dieser Unterschied betrifft nur die Frage der Gewaltanwendung als Mittel der Politik. Friedliche Islamisten verzichten darauf, gleichwohl pflegen sie dieselbe dschihadistische Weltsicht. Sie betreiben Dschihad institutionell und instrumentalisieren dafür die Zivilgesellschaft. Beide Richtungen des Islamismus jedoch, die gewalttätige wie die unter Verzicht auf Gewalt vorgehende institutionelle, lehnen nicht allein die Werte der Zivilgesellschaft ab, sondern auch das Konzept von Zivilreligion überhaupt, weil dieses Konzept die Trennung von Religion und Politik bejaht, die es für Islamisten nicht geben kann. Die Anerkennung der Religion als Quelle von Werten, die im Einklang mit der Zivilgesellschaft stehen, passt nicht in diese islamistische Ideologie. Dabei haben die Islamisten in Europa mit ihrer doppelgleisigen Strategie, das Konzept der Zivilreligion abzuwehren, sogar mehr Erfolg als in genuin islamischen Ländern – dort sind offene Diskussionen über diese Frage eher möglich.

Ein aktuelles Beispiel: In zwei zentralen islamischen Ländern, in Marokko und Indonesien, trafen sich gerade liberale muslimische Meinungsträger, die über die Zukunft des Islam debattierten. Sie können die Idee eines „civil Islam“, eines zivilen oder zivilreligiösen Islam, durchaus akzeptieren. Im marokkanischen Fez diskutierten sie über Vielfalt und Pluralismus, im indonesischen Jakarta reflektierten sie auf dem Kongress „Debating Progressive Islam“ über den Islamismus als Gegenvision zum Islam als Zivilreligion. Es gibt also Muslime, die einen totalitären Islamismus zurückweisen und sich für einen offenen Islam einsetzen, der in die offene Gesellschaft passt. In Europa steht solchen Debatten die „Entreligionisierung“ der Öffentlichkeit und ihrer Meinungsführer im Weg. Was die „Financial Times Deutschland“ (FTD) kurz vor Weihnachten 2006 schrieb, wird nur von wenigen der europäischen Eliten und der breiten Öffentlichkeit so gesehen:

„Wer die Welt verstehen will, der muss heute auch ihre religiösen Bewegkräfte verstehen.“

Denn aus diesen Kräften entstehen ja gerade die politische Bewegungen, zu denen die Islamisten gehören. Diese instrumentalisieren auch nicht die Religion – wie viele Europäer glauben –, sie handeln nach ihrem eigenen Selbstverständnis als „wahre Gläubige“, um einen Begriff von Eric Hofer aufzunehmen. So stellt sich mit aller Macht die Frage: Lässt sich der Islam gegen diese Bewegungen neu als eine Zivilreligion bestimmen, die mit Demokratie und Zivilgesellschaft vereinbart werden kann? Was bedeutet Zivilreligion in Bezug auf den Islam und wie relevant ist diese Perspektive in Bezug auf die Zukunftsaussichten der Säkularisierung des Islam?

Diese Frage geht heute das postchristliche Europa an, aber die Europäer verstehen dies nicht. Muslimische Migranten bringen die Religion nach Europa zurück und sie verachten alle A-Religiösen, die dies jedoch nicht begreifen wollen. Die Illusion eines Weltethos, wie ihn der prominente katholische Theologe Hans Küng aus Tübingen und viel weniger prominente Kulturprotestanten vorschlagen, füllt diese Lücke in einer a-religiös gewordenen postchristlichen Gesellschaft auch nicht.

Das alles wurde schon früh gesehen. Der Harvard-Gelehrte Daniel Bell hat bei einem Vortrag an der London School of Economics schon 1977 die „Rückkehr des Sakralen“ angekündigt. Bell teilte den Glauben von Max Weber an eine bereits vollständig erfolgte „Entzauberung der Welt“ nicht mehr. Der Harvard-Wissenschaftler erachtete es für undifferenziert, nicht zwischen einer Säkularisierung – also der Trennung von Religion und Politik – und einer Profanierung, das heißt, der Abschaffung des Heiligen zu unterscheiden. Weil die Europäer diese Unterscheidung nicht treffen, gehen sie der Tatsache auf den Leim, dass sie keine Heiligtümer mehr haben, und verwechseln Säkularisierung mit Profanität als Weltlichkeit. So verstehen sie auch nicht, was passiert, wenn im Zuge globaler Migration nicht-europäische Menschen nach Europa kommen, die einen starken Glauben leben, der einen festen Begriff vom Heiligen hat und für das Absolute gehalten wird. Und für diesen Neo-Absolutismus, der keine Zivilreligion zulässt, fordern die Islamisten dann auch noch Geltung und Toleranz.

So entsteht ein Wertekonflikt. Die Realität dieses Konfliktes ist nicht mit dem Begriff „Kampf der Kulturen“ zu fassen. Dafür ist der Begriff des Zivilisationskonfliktes geeigneter. Es ist ein Wertekonflikt zwischen Islamisten und dem Verständnis des Islam als Zivilreligion. Und es ist ein Konflikt zwischen Säkularisierung und Entsäkularisierung, der global Realität ist. Der Amerikaner Mark Juergensmeyer schrieb darüber sein Buch „Der neue Kalte Krieg“. Die Debatte über Zivilreligion gewinnt also nicht nur feuilletonistische, sondern weltpolitische Bedeutung.

Wenn Religion als Quelle politischer Ethik, das heißt als Zivilreligion zugelassen wird, so am Beispiel des Islam, dann ist dies nicht mit der „Politisierung der Religion“ zu verwechseln. Die Islamisten wollen keine Zivilreligion, sondern eine Religionisierung von Gesellschaft und Politik und das ist die Gegenagenda zur Zivilgesellschaft. In Europa finden jedoch vor allem durch die Migration von Muslimen die sachlich gegenläufigen Prozesse der Religionisierung der Politik und der Entreligionisierung der Gesellschaft faktisch gleichzeitig statt. Das ist eine Art Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, was den Europäern das Verständnis des Islam in Europa weiter erschwert. Selbst der wichtigste Philosoph Deutschlands, Jürgen Habermas, versteht dieses Phänomen nicht. In seiner Rede in der Paulskirche anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels prägte er ohne Kenntnis und Rücksicht auf die Religionisierung der Politik im Islam die Formel von der „postsäkularen Gesellschaft“. Die Realität der „Rückkehr des Sakralen“ lässt sich jedoch nicht mit der leeren Formel von der „postsäkularen Gesellschaft“ fassen.

Die Antwort auf die Religionisierung der Politik durch Islamisten muss die Forderung nach einer Zivilreligion im Islam sein. Die islamischen Debatten in Marokko und in Indonesien beweisen, dass dies im Islam möglich ist. Dies muss auch für das sich entreligionisierende Europa gelten, wo eine christliche Zivilreligion die Alternative zur substanzlosen Profanität wäre. Intoleranz kann man nicht mit Toleranz begegnen, man muss eine Zivilreligion fordern.

Um die konfliktbeladene Spannung zwischen der Religionisierung der Politik und dem Bedarf an Zivilreligion im Islam zu verstehen, muss man die Religion nicht nur als Glaube, sondern darüber hinaus auch als ein „kulturelles System“ begreifen. Wenn Konflikte religionisiert werden, etwa die Islamisierung des Palästina-Konfliktes, gibt es im Zeitalter der Zivilisationskonflikte keine Lösung mehr. Die Suche nach einer Konfliktlösung muss mit der kulturübergreifenden Werteorientierung einer Zivilreligion erfolgen. Auch im Islam ist eine Zivilreligion die Alternative zur Religionisierung der Politik. Es geht hierbei nicht nur um religiöse Toleranz, sondern um die Prinzipien einer offenen Gesellschaft und auch um Erkenntnisse über Europa im Zivilisationskonflikt mitten in einem weltanschaulichen Krieg. Unter den Bedingungen einer Religionisierung der Weltpolitik ist der Bedarf an einer Zivilreligion im Islam kaum zu unterschätzen.

Der Bedarf ist da, aber der Islam ist *keine* Religion, auch kein *kulturelles System*, sondern ein politisches System. Alles, was der Islam in menschlicher Hinsicht will, sind Macht und Unterwerfung der Ungläubigen.
Dann – und erst dann – ist das Ziel des Islam erreicht.

Geert Wilders – warum war (ist) er so erfolgreich?

Leon Winter zitiert in seinem Beitrag die Journalistin und Philosophin Fleur Jurgens (geb. 1972). Sie war Redaktorin beim Wochenblatt HP/De Tijd und hat sich auf die Problematik der marokkanischen Gemeinden in den Niederlanden spezialisiert.
Fleur Jurgens ist eine bemerkenswert gute Beobachterin, die sich nicht scheut, klar und unumwunden aufzuzeigen, wie kritisch das Problem der marokkanischen Zuwanderer in den Niederlanden ist.

Hier ein Zitat aus einem ihrer Artikel:

«Sieben von zehn jungen Marokkanern verlassen die Schule ohne brauchbaren Abschluss; vierzig Prozent der jungen Marokkaner sind arbeitslos; jeder zehnte wird bei der Polizei als mindestens einer strafbaren Handlung verdächtig geführt. Fast jeder dritte Insasse einer Jugendstrafanstalt ist marokkanischer Abstammung. Der Prozentsatz Strafverdächtiger unter den marokkanischen Zuwanderern der zweiten Generation ist höher als bei allen anderen ethnischen Minderheiten in den Niederlanden und doppelt so hoch wie bei der ersten Generation zugewanderter Marokkaner.
Überdurchschnittlich viele Marokkaner gehören zum harten Kern der jugendlichen Wiederholungstäter. Diese Jungen wachsen in bedenklichen Milieus auf, in denen die Inanspruchnahme von Sozialleistungen sehr gebräuchlich und ein Arbeitsplatz eine Ausnahmeerscheinung ist. Von den marokkanischen Männern in den Niederlanden beziehen sechzig Prozent Sozialhilfe, die Hälfte von ihnen wegen Erwerbsunfähigkeit.
In Amsterdam lebt jede vierte marokkanische Familie von Sozialhilfe. Die Hälfte der marokkanischen Kinder in Amsterdam wächst in Armut auf.»

Vielleicht beginnen Sie jetzt ein wenig zu verstehen, warum Geert Wilders in den Niederlanden so viele Anhänger gefunden hat. Zumal man davon ausgeht, dass der Anteil der Bürger marokkanischer Abstammung – mit derzeit rund 350 000 gegenüber einer Gesamtbevölkerung von 16 Millionen noch eine relativ begrenzte Gruppe – angesichts ihres weit unter dem Bevölkerungsmittel liegenden Durchschnittsalters rasch anwachsen wird. Die Einwanderung von Marokkanern in die Niederlande kann für alle Betroffenen eigentlich nur als Katastrophe bezeichnet werden.

Die Marokkaner in den Niederlanden sind fast ausnahmslos Berber, die kaum Arabisch sprechen können. Sie stammen aus entlegenen Regionen des Rif-Gebirges, wo der Lebensunterhalt mit einfacher Feldarbeit bestritten wurde. Da gab es keine nennenswerte schulische Ausbildung, keine Lesetradition, kein vielgestaltiges öffentliches Leben, nicht die Spur einer westlichen kosmopolitischen Kultur. Die Übersiedlung in die offene niederländische Gesellschaft führte für diese Menschen zu großen Anpassungsproblemen und – nach der Entdeckung, dass ihnen die Qualifikationen für eine erfolgreiche Integration fehlten – Desillusionierung und Frustration. Mit den einfachen Fertigkeiten, die schon in der traditionellen agrarischen Kultur im Rif zu kaum mehr als einem kargen Leben gereicht hatten, war unter niederländischen Gegebenheiten rein gar nichts mehr anzufangen.

Dennoch zogen die Immigranten ein Leben mit Sozialhilfe in einem niederländischen Vorort dem Dasein in einem marokkanischen Bergdorf bei weitem vor – schließlich bekam man die Sozialhilfe ohne nennenswerte Anstrengungen.

Die stolzen Berber empfanden freilich keine Dankbarkeit gegenüber den Christen und Ungläubigen, die ihnen diese Sozialleistungen zur Verfügung stellten, sondern nahmen eine ablehnende Haltung ein. Statt einen  Anpassungsprozess mitzumachen, der rasch zur Integration geführt hätte, wandten sich viele Marokkaner von der toleranten Gesellschaft ab, die sie so großzügig und gastfreundlich empfangen hatte. Ihre Aufnahme in die niederländische Gesellschaft hat viele Milliarden Euro mehr gekostet, als sie an Produktivität und Steuern eingebracht haben.

Das ist der Kontext, in dem man den Erfolg von Geert Wilders sehen muss. Wilders hat sich die Themen zu eigen gemacht, die die arrivierten politischen Parteien vernachlässigt haben. In einer Zeit, da Political Correctness und Kulturrelativismus die öffentliche Diskussion beherrschten, war es so gut wie unmöglich, ein Sozialverhalten zu kritisieren, das sich nicht mit sozioökonomischen Faktoren entschuldigen ließ. Marokkanische oder islamische Immigranten werden in den Niederlanden ganz selbstverständlich von nichts ausgeschlossen. Im Gegenteil, Schulen mit einem hohen Anteil an ausländischen Kindern, sogenannte «schwarze Schulen», erhalten mehr öffentliche Gelder als «weiße Schulen». Die Möglichkeiten, die die wohlhabende und gut organisierte niederländische Gesellschaft ihnen bietet, sind in Umfang und Qualität himmelweit von dem entfernt, was ihnen im Rif geboten werden könnte.  Trotzdem nutzen viele Kinder marokkanischer Abstammung diese Chancen nicht. Es fehlt an Einsatz, an Identifikation mit der niederländischen Umwelt, die Eltern motivieren sie nicht und erziehen sie nicht zu Mitgliedern der Gesellschaft.

Die Probleme marokkanischer Immigranten sind also nicht durch sozioökonomische, sondern durch andere Faktoren bedingt, die wir, politisch korrekt, wie wir sind, nur hinter vorgehaltener Hand auszusprechen wagen. Es geht um ethnische Kultur, um die doppelten und dreifachen Identitätsprobleme von Berbern, die aus Marokko in die Niederlande gekommen sind, um die Identifikation von Jugendlichen mit dem Rock-and-Roll-Islam von al-Qaida und palästinensischen «Freiheitskämpfern».

Pim Fortuyn war der erste Instant-Politiker, der diese Themen aufgriff, er wurde dafür von einem linksradikalen Tierschutzaktivisten ermordet. Wilders hält Fortuyns Fahne hoch und punktet damit. Er hat erkannt, dass der Wohlfahrtsstaat nur überleben kann, wenn er ausschließlich gutausgebildete und hochdisziplinierte Immigranten zulässt und den Zustrom frustrierter und vor allem schlechtausgebildeter Muslime aus Marokko und der Türkei unterbindet. Ist so etwas rechtsradikal? Oder ist es gesunder Menschenverstand?

In den internationalen Medien wird Wilders als extremer Rechtsaußen dargestellt. Das ist er nicht. Seine Gegner und ungenügend informierte ausländische Berichterstatter übernehmen gern die Kritik politisch korrekter niederländischer Politiker und Journalisten. Wilders ist hochgewachsen, er hat eine auffällige Haartracht, und wenn man ihm persönlich begegnet, frappiert der große Kontrast zwischen seinem Image in den ausländischen Medien – der Kryptofaschist – und dem sanftmütigen, fröhlichen Menschen, der er in Wirklichkeit ist. Wilders ist ein leidenschaftlicher Populist, der ganz genau weiß, wann er die Medien mit extremen Äußerungen provozieren kann. Er hat eine breitgefächerte Anhängerschaft von Sozialisten bis hin zu Konservativen, die sich allesamt Sorgen um die Zukunft des  Wohlfahrtsstaats machen – der per definitionem nur Bestand hat, wenn die Solidargemeinschaft zu den Werten des Nationalstaats steht.

Wilders wahrt achtsam Distanz zu Parteien und Gruppierungen, die als rechtsradikal eingestuft werden. Täte er das nicht, würde er seine Anhänger in den Niederlanden sofort verlieren. Setzt er seinen Vormarsch fort und verdrängt die arrivierten Parteien, dann kann er, falls er nicht ermordet wird, die Fahne Fortuyns nach den nächsten Wahlen in die Räume des Ministerpräsidenten tragen.

Die niederländische Politik, die lange Zeit eine ziemlich fade Angelegenheit war, hat sich zu einer faszinierenden Szenerie entwickelt. Als Fortuyn noch lebte, habe ich ihm zu verstehen gegeben, dass ich ihn zwar nicht wählen würde, aber froh darüber sei, dass es ihn gebe. So geht es mir auch mit Wilders. Ob ich ihn je wählen werde, hängt von ihm selbst ab: Kann er sich auch zu einem vernünftigen Politiker mit Weitblick und gut durchdachten Konzepten für die Zukunft der Niederlande und Europas entwickeln? Wir wissen, wozu er nein sagt – jetzt wird es Zeit, dass wir erfahren, was er bejaht.

Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
C: Weltwoche Nr. 24.09

Ist es falsch, die Probleme beim Namen zu nennen?
Ist das bereits Fremdenhass, wenn man Probleme bei einer bestimmten Bevölkerungsggruppe ausmacht?
Ist das Anti-Islamismus, wenn man feststellt, dass die Hilfsangebote der „Ungläubigen“ von den „Rechtgläubigen“ mit Verachtung gestraft werden und dadurch eine Integration schwierig bis unmöglich wird?

Nein.

Die Tragödie der jemenitischen Juden

von Lyn Julius

Die Regierung hält sich raus und lässt zu, dass die Dschihad-Banden die Juden aus dem Jemen vertreiben. Jetzt ist die Gemeinschaft der Juden am Rande der Ausrottung.

Die letzten Juden verlassen den Jemen.  Sie packen ihre Taschen und ziehen nach Israel oder in die USA.  Eine Gemeinschaft aus biblischen Zeiten ist am Rande der Ausrottung. Vor sechzig Jahren lebten eine Million Juden in den arabischen Ländern, aber die Gewalt und die staatlich sanktionierte Diskriminierung, die sie zu zionistischen Spionen machte, zwangen sie alle bis auf 4.000 zu fliehen -, die vor allem noch im Jemen, in Marokko und Tunesien leben.

Die meisten Juden kamen in den 50er Jahren auf dem Luftweg aus dem Jemen nach Israel. Die 400 Übriggebliebenen, die nicht nach Israel wollten, kamen unter den Einfluss der nicht-zionistischen Satmar-Sekte. Einige kamen zurück, nachdem sie einen Geschmack vom Lebens in den USA oder Israel bekommen hatten (die Regierung drückt in der Regel die Augen zu, wenn Juden in den jüdischen Staat reisen). Nun haben sich die Dinge so schlecht entwickelt, dass auch diese Eingefleischten gehen.

Der Mord im Dezember an Moshe al-Nahari, einem 30-jährigen Lehrer in Reda, nördlich der jemenitischen Hauptstadt gelegen, löste diese jüngste Krise aus. Zuerst machten die Behörden geltend, dass der Mörder „geistig gestört“ war. Aber es wurde klar, dass er religiös motiviert war, denn er schrie „Konvertiere oder stirb, Jude!“, als er fünf Kugeln in sein Opfer pumpte. Seit einiger Zeit bedrohen Dschihad-Banden die Juden im Jemen. Mädchen wurden entführt und gezwungen, lokale Stammesangehörige zu heiraten. Vor zwei Jahren wurden 45 Juden, die aus ihrem Dorf al-Salem in Nord-Jemen durch Drohungen von Schiiten (Huthis) vertrieben wurden, in die Hauptstadt Sanaa umgesiedelt.

Jemen ist kaum eine Oase der Ruhe: Es verfügt über mehr Waffen als Menschen. Die Juden sind nicht die einzigen, die in der langen Geschichte der Gesetzlosigkeit und Instabilität zu leiden haben. In letzter Zeit jedoch haben es die Juden besonders schwer.

Juden, Scheiche, Aktivisten und Anwälte sind sich alle einig, dass die Bedrohung ein All-Zeit-Hoch erreicht hat. Nach dem Mord an al-Nahari wurden die Juden in ihren eigenen Häusern belagert und es wurden Benzin-Bomben auf sie geworfen. Moshes Bruder, Rabbi Yahia Ya’ish, appellierte an die Regierung: „Schützt oder lasst uns ausreisen“. Diejenigen, die gerne ausreisen wollten, bekamen ihre Reisepässe nicht, da der Regierungs-Computer auf geheimnisvolle Weise zusammengebrochen war.

Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh verpflichtete sich, die Juden in Sanaa unter seinen Schutz zu nehmen, wo er im Gegensatz zu den ländlichen Gegenden die Kontrolle hat. Manche sagen, die Regierung meint es gut, aber sie ist wirkungslos; andere sagen, dass die versprochene Umsiedlung nie ernst gemeint war. Die Juden sollten in zwei Häuser-Blocks untergebracht werden – zu klein für ihre großen Familien und anfällig für Angriffe. Aber sie konnten noch nicht einmal ihre Häuser in Reda verkaufen, nachdem lokale Imame mögliche Käufer eingeschüchtert hatten.

Das Urteil im Fall des Al-Nahari-Mordes im März war der letzte Strohhalm. Während des Prozesses bedrohte die Familie des Mörders die Verwandten des Opfers. Statt der vorgeschriebenen Todesstrafe ordnete der Richter an, dass die Mörder „Blut-Geld“ zu zahlen haben. Die Juden fühlten sich unsicherer als je zuvor: die Jewish Agency und die US-Regierung wurden tätig und planten eine Rettungs-und Neuansiedlungs-Aktion für die Juden.

Der Journalist Mahmud Taha, der die Geschichte verfolgte, ist nicht verwundert, dass die Juden gehen wollen.

„Es gibt keine andere Möglichkeit für die jemenitischen Juden als zu emigrieren. Die lokalen Behörden haben es versäumt, sie zu schützen … Die Juden haben es satt und sind in einer unerträglichen Situation“, sagte er.

Mansour Hayel, ein muslimischer Menschenrechtsaktivist und jemenitischer Juden-Experte, gibt die Schuld der Regierung:

„Im Jemen gibt es kaum eine Predigt in einer Moschee, die frei von Fanatismus ist. Selbst die politische Rhetorik der Regierung drängt die Juden an den Rand und die Zivilgesellschaft ist zu schwach, um sie zu schützen“, sagt er.

Vielleicht, weil sie verstehen, dass die Toleranz gegenüber Minderheiten der Schlüssel zur Stärkung der Zivilgesellschaft im Jemen ist, verteidigen Jemens Menschenrechtsaktivisten jüdische Rechte energisch. Sie wollen, dass die Medien anfangen, Demokratie und Toleranz zu fördern;  gleiche Bürgerrechte für Juden, die diskriminierende Steuern zahlen und – da sie Dhimmis sind – unter verschiedenen Benachteiligungen des Scharia-Rechts leiden. Aber die Juden, deren Leben in Gefahr sind, sind kaum lange genug zu halten, damit sie sehen, wie solche Reformen umgesetzt werden.

Die Lehre, die man aus dem endgültigen Exodus der Juden aus dem Jemen zieht, ist, dass die arabische Welt noch nicht einmal nicht-zionistische Juden toleriert. Es gibt keine Zukunft für den kläglichen Rest in den arabischen Ländern, wenn ihre Sicherheit nicht garantiert werden kann.

In Marokko, wo die jüdische Exil-Gemeinde am größten ist, haben die Juden die Sympathie des Königs traditionell mit überwältigender Loyalität zurückgezahlt. Aber der König von Marokko war nicht in der Lage oder nicht willens zu verhindern, dass 260.000 Juden angesichts steigendem Antisemitismus in den 60er Jahren, Medienhetze und erzwungenen Konversionen geflohen sind.

Selbst wohlwollende Herrscher waren machtlos, die Flut von antijüdischem Hass, der in der arabischen Welt aufbrandete, einzudämmen.  Nur wenige Araber werden jemals einen Juden in ihrem Leben persönlich treffen und die Leichtgläubigen glauben der Dämonisierung und den Verschwörungstheorien, die in ihren Medien verbreitet werden.

Kein Wunder, dass die Juden offizielle Einladungen zur Rückkehr, um wieder in ihren Geburtsländern zu leben, verschmäht haben. Juden besuchen sie als Touristen, aber nur wenige sehen ihre Zukunft in diesen Ländern. In Tunesien und Marokko hat al-Qaida in den Jahren 2002 und 2003 gezielt Juden ins Visier genommen. Im April versetzte die Ermordung eines Juden in Casablanca die Gemeinschaft in Panik. Im Mai wurden acht Terroristen verhaftet, die Angriffe auf jüdische Einrichtungen geplant hatten. Wenn Marokko und Tunesien nicht den Dschihad-Terrorismus und die Anstiftung dazu deckeln, werden auch bald ihre letzten Juden den bedrängten jemenitischen Juden folgen.

Vertriebene, Flüchtlinge – Juden

Flüchtlinge – ein Begriff nur für Palästinenser?

Alle Welt redet (zu Recht) über die ca. 1.000.000 palästinensischen Flüchtlinge der Jahre 1948 und 1967. Es wurde für diese Flüchtlingsgruppe sogar ein eigenes Hilfswerk der UN gegründet: das UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East).

Um alle anderen Flüchtlinge auf dieser Welt kümmert sich ein anderes Hilfswerk: das UNHCR (The Office of the UN High Commissioner for Refugees).

Das Leid und das Unrecht, dass diesen Menschen – nicht nur, aber auch seitens Israel – widerfahren ist, ist nicht zu relativieren oder gegenzurechnen. Das will ich auch nicht versuchen.

Mich wundert und ärgert nur die Einseitigkeit, mit der das geschieht und deshalb dokumentiere ich hier eine andere Flüchtlingsgruppe: Die Juden aus den arabischen und nicht-arabischen Ländern Asiens und Afrikas.

Denn wenn man über Flüchtlinge spricht, über ihr verlorenes Land und Eigentum, ihre verlorene Heimat, dann auch über alle.

Die UN hat seit 1947 687 Resolutionen zum israelisch-palästinensischen Konflikt verabschiedet, davon 101 zu den palästinensischen Flüchtlingen. Keine einzige davon war zu den jüdischen Flüchtlingen und Vertriebenen.

Die verbreitete Meinung, die Juden wären nur allein deshalb vertrieben worden, weil Israel vor und mit der Staatsgründung 1948 die Palästinenser vertrieben habe, ist nicht haltbar und ist dem Einfluss des (deutschen) Antisemitismus auf die und den daraus folgenden Ereignissen in den arabischen Ländern gegenüber blind.

Der jüdische Exodus aus den arabischen Ländern

Die Gesamt-Bevölkerung der jüdischen Gemeinden im Nahen und Mittleren Osten (ohne Israel) schrumpfte von über 900.000 im Jahr 1948 auf weniger als 8.000 im Jahr 2008. Einige dieser Gemeinden waren älter als 2.500 Jahre.

Israel nahm etwa 600.000 dieser Flüchtlinge auf, viele von ihnen wurden vorübergehend in Ma’abarot genannten Zeltstädten untergebracht. Sie wurden schließlich in die israelische Gesellschaft integriert und die letzte Maabarah wurde 1958 demontiert. Die jüdischen Flüchtlinge bekamen keine Unterstützung seitens der UNRWA.

Seit dem UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 (UN-Resolution Nr. 181) wurden im folgenden Israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948/49 und dem Sechstagekrieg von 1967 etwa 1.100.000 Palästinenser aus ihren Wohnorten, das heißt aus Palästina vertrieben, davon 1948 über 750.000 und 1967 nochmals etwa 350.000 Vertriebene und Flüchtlinge.

Mehr als 850.000 Juden wurden in den arabischen Staaten aus ihrer Heimat vertrieben. Fast alle von ihnen wanderten nach Israel aus (etwa 500.000), manche auch nach Frankreich oder in die USA. Die Mehrheit der Palästinenser ging nach Jordanien, heute lebt ein Großteil in aller Welt verstreut.

Das Recht auf Rückkehr in ihre Heimat können beide Völker aufgrund der lebensbedrohenden völkerrechtswidrigen Vertreibungen nicht geltend machen, zu ihrem ehemaligen Eigentum haben sie keinen Zugang mehr und keinen finanziellen Ausgleich erhalten.

1948 1958 1968 1976 2001 Abnahme in %
Aden 8.000 800 0 0 0 100
Jemen 55.000 3.500 500 500 200 99,63
Afghanistan 5.000 1 99,99
Algerien 140.000 130.000 1.500 1.000 0 100
Ägypten 75.000 40.000 1.000 400 100 99,86
Bahrain 600 36 99,94
Irak 135.000 6.000 2.500 350 100 99,93
Iran 100.000 80.000 11.500 –  40.000 60 – 88
Libanon 5.000 6.000 3.000 400 100 98
Libyen 38.000 3.750 100 40 0 100
Marokko 265.000 200.000 50.000 18.000 5.700 97,85
Syrien 30.000 5.000 4.000 4.500 100 99,67
Tunesien 105.000 80.000 10.000 7.000 1.500 98,57
Summe 961.600 575.050 172.600 112.190 19.337 97,99

via http://en.wikipedia.org und zionismus.info

Aden / Jemen: Unmittelbar nach dem Beschluss der Vereinten Nationen zur Gründung des Staates Israel werden in den Slums von Aden, bis wohin die Juden des Jemen durch die britischen Restriktionen der Einwanderung nach Palästina nur gelangen konnten, unter Beteiligung der örtlichen Polizei schwere Gewalttaten begangen, bei denen 82 Juden ermordet und das jüdische Viertel niedergebrannt werden. Anfang 1948 führen falsche Anschuldigungen, Juden hätten zwei moslemische Mädchen im Ritualmord getötet, zu Plünderungen.

1948 leben 8000 Juden in Aden. Sie werden gezwungen zu fliehen.

1948 leben im Jemen 55 000 Juden. Dort werden bei gewalttätigen Aufständen während eines Solidaritätsstreiks gegen den UNO-Beschluss, am 2. Dezember 1947, mehr als 100 Juden ermordet und die große Synagoge niedergebrannt. Jüdisches Eigentum wird beschädigt, geplündert oder zerstört. Ähnliche Ausschreitungen finden 1958, 1965 und 1967 statt.

Die „Operation fliegender Teppich“ brachte zwischen 1949 und 1950 etwa 49.000 jemenitische Juden nach Israel. Die Operation war nach dem Einverständnis der Briten möglich geworden, ihr waren Pogrome in Aden vorausgegangen.

Afghanistan: Wahrscheinlich reicht die Geschichte der Juden Afghanistans 2500 Jahre zurück bis hinein in das babylonische Exil und die persische Eroberung.

Seit 1870 waren die Juden Verfolgungen seitens der afghanischen Behörden ausgesetzt, die sie zu vertreiben suchte. Bis 1948 verließen ca. 5.000 Juden das Land, und nachdem ihnen 1951 die Auswanderung gestattet wurde, zogen die meisten nach Israel. Bis 1969 blieben noch ca. 300 in ihrer Heimat; von diesen emigrierten die meisten nach der sowjetischen Invasion von 1979, so dass 1996 10 afghanische Juden verblieben, die meisten von ihnen in Kabul. Gegenwärtig leben mehr als 10.000 Juden afghanischer Herkunft in Israel.

Im Januar 2005 lebte vermutlich allein der afghanische Jude Zebulon Simentov (*1960) imLande.

Ägypten: In Ägypten leben nur noch ca. 100 Juden. Zum Vergleich: 1948 waren es noch 75 000. Zu groß angelegten Ausweisungen von Juden kam es 1956 im Zusammenhang mit dem Suezkrieg und 1967 anlässlich des Sechstagekriegs.

Zwischen Juni und November 1948 explodieren Bomben im jüdischen Viertel von Kairo und töten 70 Juden. Verwundet werden ca. 200. Der Suezkrieg 1956 wird von der ägyptischen Regierung zum Vorwand genommen, 25 000 ägyptische Juden des Landes zu verweisen und getreu dem alten Dhimmi-Gesetz ihren Besitz zu konfiszieren. Ungefähr 1000 Juden werden verhaftet und in Gefängnisse oder Lager gesteckt. Am 23. November 1956 wird in ganz Ägypten eine vom Minister für religiöse Fragen unterzeichnete Erklärung verlesen, in der es heißt daß „alle Juden Zionisten und Staatsfeinde“ seien. Ihre Ausweisung stehe unmittelbar bevor. Tausende von Juden werden aufgefordert, das Land zu verlassen. Einen Koffer und etwas Geld dürfen sie mitnehmen. Sie werden gezwungen zu unterschreiben, daß sie ihren Besitz der ägyptischen Regierung schenken. Einige Juden werden in Ägypten als Geiseln zurückgehalten, damit die ausreisenden Familien nicht gegen die ägyptische Regierung aussagen. 1958 leben 40 000 Juden in Ägypten.

Anläßlich des Sechstagekrieges von 1967 werden weitere Juden vertrieben. Ihre Häuser und ihr Besitz werden beschlagnahmt. Es verbleiben ungefähr 1000 Juden im Land. Zur selben Zeit werden von Ägypten Hunderte von Nazi-Verbrechern aufgenommen. Sie bekommen Posten in der Regierung. Der Leiter der polnischen Gestapo Leopold Gleim kontrolliert den ägyptischen Geheimdienst.

Anfang der 70er Jahre wird den Juden erlaubt, Ägypten zu verlassen. 1976 gibt es noch 400 Juden. 1979, nach dem Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel, ist die ägyptische jüdische Gemeinde die erste, die offiziellen Kontakt zu Israel aufnimmt. Die Juden dürfen ihre Religion frei ausüben. 2001 gibt es 100 Juden in Ägypten, einige Familien, die meisten alte Menschen. Gegen diese winzige Gemeinde, die aus 12 älteren Menschen besteht, werden keine antisemitischen Ausschreitungen unternommen. Die jüdische Gemeinde ist im Aussterben begriffen.

Algerien, Marokko und Tunesien: Die faschistische Spielart des arabischen Antisemitismus versuchte die SS während des Afrikafeldzuges 1942 zu nutzen. Damals ließ Walter Rauff, als Gruppenleiter im Reichssicherheitshauptamt für den Bau von Gaswagen zur Ermordung von Juden zuständig, dort ebenfalls Einsatzgruppen zur Judenvernichtung aufstellen. Nach Aussage seines Vorgesetzten Walter Schellenberg, des obersten Leiters aller NS-Geheimdienste, hofften viele nordafrikanische Araber darauf, dass Hitler ihnen zu Hilfe käme, um die Juden endgültig aus Palästina zu vertreiben. Allerdings erreichten diese Maßnahmen durch den Widerstand Rommels nicht die gleichen Ausmaße wie etwa in Osteuropa.

So waren Juden auch in Nordafrika und dem Nahen Osten antisemitischen Maßnahmen ausgesetzt. Juden wurden u.a. in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen deportiert, inhaftiert, in Konzentrationslager gesperrt, gefoltert und ermordet. Es kam u.a. auch zu Pogromen, Plünderungen und Zerstörung/Schändung von Synagogen. Im Irak töteten Soldaten und Polizisten rund 200 Juden, nachdem die prodeutsche Regierung in Bagdad gestürzt worden war.

1948 leben 140 000 Juden in Algerien. 1948 wandern 25 681 algerische Juden nach Israel aus. 1956 werden die Juden von der algerischen Befreiungsfront FLN aufgerufen, sich dem Kampf anzuschließen. Dem kommt nur eine kleine Gruppe nach. Sie fühlen sich Frankreich und ihrer Staatsbürgerschaft verpflichtet. 20 000 wandern nach Frankreich aus. Die restlichen wandern nahezu vollständig aus nach der algerischen Unabhängigkeit 1962, da die algerische Regierung die Juden schikaniert und sie ihrer wirtschaftlichen Rechte beraubt. 1968 gibt es noch 1 500 Juden in Algerien, 1000 im Jahre 1976 und im Jahr 2001: null.

1940 lebten in Libyen ungefähr 38.000 Juden. Mit britischer Besatzung ändert sich auch die Lage der Juden in Libyen nicht weiter. Es gab eine Serie von Pogromen, u.a. 1945, bei dem 100 Juden in Tripolis und anderen Städten ermordet und fünf Synagogen zerstört wurden. Ein weiteres Pogrom fand im November 1945 statt, wobei mehr als 140 Juden ermordet und nahezu sämtliche Synagogen geplündert wurden. Rund 562 libysche Juden wurden zwischen 1942 und 1945 in Konzentrationslagern getötet.

In Libyen lebten 1947 rund 38.000 Juden, davon ca. 20.000 in der näheren Umgebung der Hauptstadt Tripolis.

1948 werden 12 Juden und vier Araber bei antijüdischen Ausschreitungen ermordet. 280 jüdische Häuser werden zerstört. Die Unsicherheit für sie durch die Gründung Israels lässt 3.000 Juden, obgleich die Auswanderung illegal ist, das Land verlassen. Viele gehen nach Israel. Als die Briten 1949 die Auswanderung legalisieren, und als Libyen 1951 unabhängig und Mitglied der Arabischen Liga wird, fliehen weitere mehr als 30.000 Juden aus dem Land. In Israel siedeln sich 36.730 libysche Juden an. Weitere Auswanderungen folgten, so dass 1951 nur noch rund 8.000 Juden im Land blieben.

1958 wohnen in Libyen noch 3 750 Juden. 1963 wird den Juden das Wahlrecht aberkannt. Es gibt Massenverhaftungen. Juden dürfen keine öffentlichen Ämter bekleiden. Der Sechstagekrieg von 1967 hat weitverbreitete Zerstörung jüdischen Eigentums zur Folge. 100 Juden werden ermordet. Synagogen, Geschäfte und Häuser werden niedergebrannt.

Neben den Briten und US-Amerikanern mussten auch alle 25.000 Italiener und Juden das Land bis Oktober 1970 verlassen, deren Besitz wurde in Libyen enteignet.

Zur Zeit des Putsches von Kolonel Muammar al-Ghaddafi leben ca. 100 bis 500 Juden in Libyen. Ghaddafi konfisziert nach und nach sämtlichen jüdischen Besitz und annulliert Schulden, die Moslems bei Juden haben. 1974 leben dort noch 20 Juden, und heute gibt es, nachdem die letzte Jüdin im Februar 2002 stirbt, in Libyen null Juden.

1948 leben in Marokko zwischen 265 000 und 285 000 Juden. Im Juni 1948 werden bei blutigen antijüdischen Ausschreitungen in Oujda und Djerada 44 Juden ermordet und Hunderte verletzt. Im selben Jahr wird ein inoffizieller Boykott der jüdischen Wirtschaft angezettelt. 1952 finden erneut mehrere antijüdische Ausschreitungen durch den arabischen Mob statt. 1954 werden jüdisches Eigentum geplündert und jüdische Schulen zerstört.

1956 erklärt Marokko seine Unabhängigkeit und die Emigration nach Israel wird untersagt. Der antizionistische Kommunist und Widerstandskämpfer gegen die französische Besatzung Simon Lévy, Vorsitzender der jüdisch-maokkanischen Gemeinde meint dazu, eine übereilte Auswanderung nach dem Suezkrieg sei in Marokko gegenüber anderen arabischen Staaten, beispielsweise des Irak und Ägyptens, nicht zu beobachten gewesen. 1958 leben 200 000 Juden in Marokko, immerhin mindestens 65 000 weniger als 1948. Er sieht hauptsächlich wirtschaftliche Gründe der Auswanderung, zwischen 1948 und 1956, bedauert sie und lastet sie der Agitation der Jewish Agency an.

1958 wird die Anzahl jüdischer Regierungsbeamter willkürlich gesenkt. Alle zionistischen Aktivitäten sind verboten. 1963 wird die Emigration wieder erlaubt, und es verlassen mehr als 100 000 Juden Richtung Israel das Land. 1965 beschreibt der marokkanische Schriftsteller Said Ghallab die Haltung seiner moslemischen Landsleute gegenüber ihren Nachbarn:

„Die schlimmste Beleidigung, die ein Marokkaner wohl bieten konnte, war, jemanden wie einen Juden zu behandeln. … Meine Jugendfreunde sind antijüdisch geblieben. Sie verbergen ihren virulenten Antisemitismus, in dem sie argumentieren, daß der Staat Israel ein Geschöpf des westlichen Imperialismus wäre … In der Bevölkerung wird ein ungebrochener Hitler-Mythos gepflegt. Die Vernichtung der Juden durch Hitler wird extatisch gepriesen. Es wird sogar vermutet, daß Hitler gar nicht tot ist, sondern lebt, und es ihm gut geht. Seine Ankunft wird erwartet, damit er die Araber von den Juden befreie.“

1968 leben noch 50 000 Juden in Marokko. 2001 sind es 5 700.

1948 leben in Tunesien 105 000 Juden, von denen die ersten gleich nach der Gründung Israels zu Tausenden dorthin auswandern. Nach der Unabhängigkeitserklärung, 1956, emigriert eine weitere große Gruppe von Juden, diesmal hauptsächlich nach Frankreich. Die Unabhängigkeit bringt Judenverfolgungen mit sich. Die tunesische Regierung zerstört das Judenviertel. 1958 leben in Tunesien 80.000 Juden.

Die Krise von Bizerta, 1961, provoziert durch die Stationierung französischer Truppen auf diesem Marinestützpunkt, sechs Jahre nach der Unabhängigkeit Tunesiens, ohne die Zustimmung der tunesischen Regierung, da das französische Militär auf unbewaffnete Demonstranten schießt, führt bei einem Teil der moslimischen Bevölkerung merkwürdigerweise zu brutal aufflammendem Antisemitismus. Dieser wird mit dem Sechstagekrieg verstärkt. Der arabische Mob zerstört und plündert jüdische Geschäfte und setzt die große Synagoge von Tunis in Brand. Die tunesische Regierung hält die Banden nicht zurück. Weitere Tausende von Juden emigrieren nach Frankreich und Israel. 1968 leben 10.000 Juden in Tunesien.

1971 wird ein Rabbiner im Zentrum von Tunis ermordet, was weitere Auswanderung von ca. 3.000 Juden zur Folge hat.

Die kleine jüdische Gemeinde besteht 2002 noch aus 1500 Menschen. Sie sind, obgleich der Präsident Ben Ali sie beschützt, nicht vollständig in die tunesische Gesellschaft integriert.

Mit dem Attentat vom 11. April 2002 auf die Synagoge Ghriba, auf Djerba, kann man sagen, daß eine 2 500-jährige jüdische Präsenz in Tunesien zu Ende geht.

Irak: Am 1. und 2. Juni 1941 kam es zu einem Pogrom (arabisch: Farhud).  Angestachelt durch deutsche Antisemitismus-Propaganda starben mindestens 180 Juden, 240 wurden verletzt, 586 jüdische Geschäfte geplündert und 99 Häuser zerstört.

1946 bis 1949 gibt es wiederholt Ausschreitungen gegen Juden. 1948 leben 135000 Juden im Irak, davon 77 000 in Bagdad, das zu einem Viertel jüdisch ist. 1948 wird Zionismus zum Kapitalverbrechen erklärt. 1948 müssen sie 250 000 Dinar in die Kriegskasse des Irak für den Krieg gegen Israel einzahlen.

1950 wird den Juden erlaubt, innerhalb des nächsten Jahres unter der Voraussetzung den Irak zu verlassen, dass sie ihre Staatsbürgerschaft aufgeben. Dennoch wird ein Jahr später auch das Eigentum dieser Emigranten eingefroren. Ihre Bankkonten werden gesperrt. Die etwa 10 000 Juden, die noch im Land sind, unterliegen wirtschaftlichen Beschränkungen.

Die jüdische Bevölkerung, die früher eine bedeutende wirtschaftliche, kulturelle und politische Rolle im öffentlichen Leben einnahm, hat den Irak fast vollständig verlassen. 1946 bis 1949 kam es wiederholt zu Ausschreitungen gegen Juden. Als die Regierung den Zionismus am 19. Juli 1948 zum Kapitalverbrechen erklärte, lebten im Land 135.000 Juden, davon in Bagdad 77.000 – ein Viertel der Gesamtbevölkerung.

Am 3. März 1950 wurde der jüdischen Bevölkerung unter Aufgabe der irakischen Staatsbürgerschaft die Ausreise erlaubt. Ein Jahr später, am 10. März 1951, fror die Regierung das Eigentum der Emigranten ein und sperrte deren Bankkonten. Bis zu diesem Tag gehörte ihnen nahezu der gesamte Suq von Chordja, das Geschäftsviertel im Zentrum Bagdads. Die israelische Regierung unter David Ben Gurion nahm diese Aktion zum Anlass, die Operation „Esra und Nehemia“ zu starten, wobei bis 1952 etwa 95 Prozent der irakischen Juden per Luftbrücke nach Israel überführt wurden.

Den 6.000 im Irak verbliebenen Juden wurden wirtschaftliche Beschränkungen auferlegt. 1958 wurde ihnen der Status als jüdische Gemeinde aberkannt und das Gemeindeeigentum beschlagnahmt. In den kommenden Jahrzehnten verließen auch die restlichen Juden das Land. 1968 lebten noch 2.500 Juden im Irak, 1976 waren es noch 400 und 2001 nur noch 100. Am 25. Juli 2003 wurden sechs der letzten 34 Juden aus Bagdad nach Israel ausgeflogen.

Libanon: 1947 leben im Libanon geschätzt 5 950 Juden. 1948 sind es noch 5000. Nach der Gründung Israels sehen sie sich nicht veranlasst das Land zu verlassen, da sie dort dank einer christlich-arabischen Regierung toleriert werden. Sie haben gleiches Recht wie alle Bürger. Während der antizionistischen Ausschreitungen 1947 und 1948 wird ihnen nichts zuleide getan.

Im Zuge der Verschärfung des arabisch-israelischen Konflikts werden sie in diesen hineingezogen, da sie mit der israelischen Politik in Verbindung gebracht werden. Anfang der 50er Jahre wird ihre Synagoge zerbombt. Jüdische Mitglieder der libanesischen Armee werden aus dieser entfernt.

Während des Krieges von 1967 schützt die libanesische Regierung die Juden vor gewalttätigen Ausschreitungen der Araber. Einige Hundert verlassen den Libanon. Bis 1972 ist es ihnen gestattet, ihre Habe mitzunehmen. 3000 Juden leben 1968 im Libanon, 1974 sind es 1800. Sie emigrieren nach Frankreich, Israel, italien, England oder Südamerika.

Während des Bürgerkrieges von 1975 postieren die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) und linke Moslemkräfte Militär in die jüdische Nachbarschaft von Wadi Abu Jamil. Dennoch wächst die Gefahr seitens fundamentalistischer Moslems, vor allem nach der israelischen Invasion von 1982. Zwischen 1984 und 1987 werden von ihnen Juden entführt und ermordet. Heute leben in Beirut noch 100 Juden.

30 000 Juden leben 1947 in Syrien. Unmittelbar nach Verkündigung des Teilungsbeschlusses verwüstet arabischer Mob in Aleppo die 2 500 Jahre alte jüdische Gemeinde. Hunderte von Juden werden ermordet und mehr als 200 jüdische Häuser, Geschäfte und Synagogen zerstört. Tausende von Juden fliehen illegal nach Israel. 10 000 fliehen in die USA.

1958 leben noch 5000 Juden in Syrien. Die syrische Regierung verstärkt die Judenverfolgung. Die Freizügigkeit wird für sie eingeschränkt. Juden, die zu fliehen versuchen, werden entweder umgebracht oder zu harter Arbeit verurteilt. Juden dürfen nicht für die Regierung oder in Banken arbeiten, sie dürfen keine Telefone haben und keinen Führerschein. Es ist ihnen untersagt, Eigentum zu erwerben. Ihre Bankkonten werden gesperrt. Eine asphaltierte Straße zum Flughafen wird über den jüdischen Friedhof von Damaskus geführt. Jüdische Schulen werden geschlossen und Moslems übergeben.

1968 leben noch 4000 Juden in Syrien. Sie sind Schachfiguren der syrischen Politik gegenüber Israel und in Konflikten mit anderen arabischen Staaten.

1976 leben 4 500 Juden in Syrien.

1977/78 werden die Maßnahmen gegen Juden gemildert. Syrien verlassen können sie, wenn sie Verwandte als Geiseln zurücklassen. Außerdem müssen sie zwischen 300 und 1000 Dollar als Pfand hinterlegen.

Nach der erfolgreichen Flucht einiger Juden werden die Maßnahmen gegen Juden 1979 wieder verschärft. Die Familienmitglieder der Geflüchteten werden ins Gefängnis geworfen und gefoltert. Nun dürfen Juden überhaupt nicht mehr ins Ausland reisen.

1992 verschärft Syrien seine Hetzkampagnen gegen die Juden. In einer verdeckten Operation, Ende 1994, werden 1 262 Juden nach Israel gebracht. Die Entscheidung, die Juden ziehen zu lassen, fällt im Rahmen der Madrider Friedensverhandlungen. Die letzten Juden, die Syrien verlassen wollen, tun dies Ende Oktober 1994 mit ihrem Rabbiner.

2001 leben vielleicht doch mehr als 100 Juden in Syrien, und zwar 150 in Damaskus, 30 in Aleppo und 20 im kurdischen Kamishli. In Damaskus sind zwei Synagogen geöffnet. Die große Synagoge in Aleppo, seit mehr als 1600 Jahren in Gebrauch, ist geschlossen. Gelegentlich sind die Juden palästinensischen Protestlern ausgesetzt, die syrische Regierung beschützt sie jedoch.

via en.wikipedia.org, de.wikipedia.org und zionismus.info

siehe auch hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Jewish_exodus_from_Arab_lands

Wenn es die israelische Gesellschaft geschafft hat, 100.000e Flüchtlinge aus Afrika und Asien – ganz zu schweigen von den Millionen europäischer Flüchtlinge – zu integrieren und die „Flüchtlingslager“ innerhalb von 10 Jahren abzubauen – wieso haben das nicht die arabischen Staaten – allen voran Jordanien und der Libanon – nicht mit den palästinensischen Flüchtlingen geschafft?

UPDATE:
Ein informativer Artikel über die aktuelle (schlechte)  Situation der Juden in arabischen Ländern findet sich hier im Guardian (sic!), und hier in deutscher Übersetzung.

Und André Aciman, ein amerikanischer Jude, der aus Ägypten geflüchtet ist, schreibt hier in der NY Times über sein Erleben.

Ein Film aus dem Jahr 2004 zu diesem Thema findet sich hier (Teil 1):

Teil 2:

Teil 3:

Teil 4:

Teil 5: