• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
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Warum die revolutionäre Linke Israel so hasst

Henryk M. Broder ist für viele eine Reizfigur. Er provoziert gerne und ist sich nicht zu schade, seinen Gegnern gegenüber laut zu werden. Das mag nicht jeder. Aber er hat die große Fähigkeit, Fakten zu sammeln, zusammenzufassen und sinnvoll zu präsentieren. So auch hier.

Wer sich einmal den Schaum vor dem Mund abwischt und sich den präsentierten Fakten gegenüber aufgeschlossen zeigt, wird es verstehen.

Der Antizionismus ist gerade bei Linken zur allgemeinen Räson geworden. Allerdings tappen Israels Politiker auch in jede Falle, die ihnen gestellt wird.

von Henryk M. Broder

Schwedische Hafenarbeiter haben einen Boykott israelischer Schiffe und Frachten angekündigt.

„Wenn ein israelisches Schiff ankommt, werden wir es nicht entladen“

, sagte Peter Annerback, ein Sprecher der Hafenarbeiter-Gewerkschaft. Als Grund der Maßnahme gab er den „kriminellen Angriff auf einen friedlichen Schiffs-Konvoi“ an.

Zugleich erklärten über 40 Prozent der Norweger bei einer Umfrage, sie würden bereits israelische Produkte meiden oder hätten vor, es demnächst zu tun.

An der diesjährigen Gay-Pride-Parade in Madrid sollte auch ein Wagen der israelischen Homosexuellen-Organisation „Aguda“ teilnehmen. Die Einladung wurde widerrufen. Der Präsident der Spanischen Föderation für Lesben, Schwule, Trans- und Bisexuelle (FELGTB), Antonio Póveda, erklärte, die Stadtverwaltung von Tel Aviv habe sich geweigert,

„das Massaker an neun Genossen der ‚Friedens-Flotilla‘ zu verurteilen, deshalb haben wir die Karosse ausgeladen“. Man möchte nicht, ergänzte ein Mitveranstalter, „dass unser Festumzug durch gewalttätige Tumulte in die Schlagzeilen gerät“.

Israelischer Kinofilm durch kritische Dokumentation ersetzt

In Paris gaben die Betreiber einer Gruppe von Filmkunstkinos bekannt, sie würden die israelische Filmkomödie „Five Hours From Paris“ vorerst nicht zeigen und durch einen israelkritischen Dokumentarfilm ersetzen. Auch hier war die israelische Intervention vor Gaza der Grund für die Programmänderung.

Schließlich meldete sich aus dem fernen Kuba der sieche Revolutionsführer Fidel Castro überraschend zu Wort.

„Es scheint, als sei das Hakenkreuz die Fahne des heutigen Israel“, meinte der Maximo Lider – und ging noch einen Schritt weiter. Israel würde nicht zögern, „1,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder in die Krematorien zu schicken, in denen Millionen von Juden umgebracht wurden“.

Ja, es waren turbulente Wochen für Israel, die mit einer verunglückten Kommando-Aktion vor der Küste Gazas begannen. Und wie immer, wenn Israel ins Kreuzfeuer gerät, breitete sich im Lande Unverständnis aus. Dass die ganze Sache in die Hose gegangen war, darüber war man sich schnell einig. Es dauerte nur etwas länger, bis man begriff, dass es nicht der Verlauf und der Misserfolg der Aktion war, der die Welt aufregte, sondern die Idee, die dahinter steckte: „Wir machen, was wir für richtig halten, koste es, was es wolle. Und Ihr könnt Euch aufregen, bis Euch die Luft ausgeht.“

Eine elegante Aktion

Vor ziemlich genau 29 Jahren, nachdem israelische Bomber den im Bau befindlichen irakischen Reaktor von Osirak pulverisiert hatten, war die Aufregung noch von Respekt durchsetzt und die Empörung überwiegend geheuchelt. Denn die Israelis hatten nicht nur etwas für ihre eigene Sicherheit getan, sondern auch den Gegnern und Nachbarn des Irak, vor allem dem Iran und Saudi-Arabien, einen Gefallen erwiesen. Deswegen durften die israelischen Maschinen jordanisches und saudi-arabisches Territorium überfliegen. Hinzu kam, dass es eine „elegante“ Aktion war, die nur einen Menschen, einen Wärter, das Leben gekostet hatte. Die israelischen Bomber flogen so dicht beieinander, dass sie auf den Radarschirmen wie ein großer Passagierjet erschienen, die Piloten sprachen Arabisch miteinander.

Inzwischen scheint den Israelis ausgerechnet die Fähigkeit abhanden gekommen zu sein, der sie ihre Existenz im Nahen Osten verdanken: Quantität durch Qualität, Masse durch Klasse zu ersetzen.

Schon der Krieg gegen die Hisbollah endete mit der Erkenntnis, dass militärische Überlegenheit allein keine Garantie für den Sieg sein muss. Hatte Israel im Jahre 1967 die Golan-Höhen, die Westbank, den Gaza-Streifen und die Sinai-Halbinsel in sechs Tagen erobert, brauchte es 2006 mehr als vier Wochen, um mit der „Armee Gottes“ nicht fertig zu werden. Auch im Krieg gegen die Hamas Anfang 2009 zog Israel politisch und moralisch den Kürzeren. Zwar stellte die Hamas den Beschluss israelischer Ziele mit ihren „selbst gebastelten“ Raketen ein, aber 1400 getötete Palästinenser und eine intakt gebliebene Hamas-Führung ließen auch in Israel keine Jubelstimmung aufkommen. Goliath hatte ein Scharmützel gegen David gewonnen – aber um welchen Preis?

Israel unpolitischer und hedonistischer geworden

Warum die Israelis seit einiger Zeit aus Erfahrung immer dümmer werden, kann man auf zweierlei Weise erklären. Einmal mit dem Wandel der Gesellschaft, die nicht mehr überleben, sondern einfach leben will. Verglichen mit der Situation vor 10 oder 20 Jahren ist Israel unpolitischer und hedonistischer geworden. Käme heute ein israelischer Politiker auf die Idee, in einer Situation auf Leben und Tod zu rufen: „Macht nichts, es ist gut, für unser Land zu sterben …“, würde sich jeder zweite Israeli vor Lachen ausschütten, und die anderen wüssten nicht einmal, dass es sich um die letzten Worte eines berühmten Zionisten handelt, der im Kampf um Eretz Israel gefallen ist: Joseph Trumpeldor (1880-1920).

Wer nur einen Nachmittag in einem der vielen Tel Aviver Strandcafes verbracht oder in einer der Super-, Hyper- und Mega-Malls eingekauft hat, die in den letzten Jahren gebaut wurden, der muss sich fragen, ob die Israelis noch in der Lage sind, für etwas anderes zu kämpfen als einen Platz an der Poolbar oder die völlige Aufhebung des Ladenschlusses. In dieser Hinsicht hat Israel die gleiche Entwicklung durchgemacht wie Europa nach 1989, nur schneller und radikaler.

Israel hat mental abgerüstet

Das ist an sich ein gutes Zeichen. Aber nur, wenn man in der Schweiz, in Holland oder in Deutschland lebt, und nicht in einem Land, über dessen Existenz und Existenzberechtigung rund um die Uhr debattiert wird, von der Uno bis zu den Ortsvereinen der Partei Die Linke, wo die Gretchenfrage „Wie hältst du es mit Israel?“ so zur Tagesordnung gehört wie die, ob die DDR möglicherweise ein „Unrechtsstaat“ war.

Israel hat mental abgerüstet. Es hat bessere Waffen als je zuvor, aber vermutlich nicht mehr die Menschen, die sie bedienen können. Und schon gar nicht die Politiker, die es ihren Wählern erklären könnten, warum die beste Armee im Nahen Osten in jede Fall tappt, die ihr gestellt wird.

Antizionismus ist allgemeine Räson geworden

Zweitens: Die Israelis hatten schon immer einen starken Zug zum Autismus. Und es ist ihnen in fast jeder Krise gelungen, sich selbst davon zu überzeugen, dass sie im Recht sind. Sie konnten es sich nicht vorstellen, die USA als Schutzpatron zu verlieren, und sie sind ganz außer sich über den geopolitischen Seitenwechsel der Türken, obwohl der sich seit langem angekündigt hat. „Wie können die nur? Wo wir immer so nett zu ihnen waren!“

Und weil sie sich immer darauf verlassen haben, was die Staatsbesucher in das Gästebuch von Yad Vaschem schrieben („Nie wieder! Wehret den Anfängen!“), haben sie auch nicht mitbekommen, was sich in Europa zusammenbraut.

Nicht die Solidarität mit Israel, die in jeder Sonntagsrede beschworen wird, der Antizionismus ist inzwischen zur allgemeinen Räson geworden. Ein albernes, dummes und konfuses Buch eines Akademikers, der in Israel als der Erich von Däniken der neueren Geschichte gilt, wird landauf, landab in den Feuilletons gefeiert. Es handelt von der „Erfindung des jüdischen Volkes“ durch die Zionisten zum Zwecke der Eroberung Palästinas. Nun ist der Zionismus als Begriff gerade 120 Jahre alt, das Judentum bzw. jüdische Volk ein wenig älter. Wenn aber das jüdische Volk von den Zionisten „erfunden“ wurde, dann steht auch der „Judenstaat“ auf wackeligen Füßen, ein artifizielles Gebilde, ein Fremdkörper im Fleisch der Araber. So sehen es auch die Hamas, die Hisbollah und der iranische Präsident.

Die Erfindung des jüdischen Volkes

Wenn es aber so ist, dann muss man sich fragen: Wieso sind so viele Antisemiten, von Luther bis Marx, von Haman, dem Wesir des Perserkönigs Xerxes, bis Hitler auf ein Phantom reingefallen? Ein Unvolk, das es nicht gegeben hat, bis es von den Zionisten erfunden wurde?

Die Frage wird nicht einmal gestellt. Es reicht, dass der Historiker, als Israeli und Akademiker doppelt legitimiert, ein weiteres Modul für den Rückbau des zionistischen Projekts liefert. Hätte er ein Buch über die „Erfindung des belgischen Volkes“ geschrieben, was in der Tat eine diskutable These wäre, würde er noch immer in seiner Klause sitzen und auf die erste Besprechung warten. Aber „die Erfindung des jüdischen Volkes“ klingt nicht nur nach einem globalen Schwindel, die Idee taugt auch als Heilsalbe auf die Wunden der Antisemiten. Hat es das jüdische Volk in Wirklichkeit nicht gegeben, dann muss auch die Judenfeindschaft eine Chimäre gewesen sein.

Schön wär’s. Tatsächlich ist der Antisemitismus, der auf die Vernichtung der Juden zielte, von einem Judenhass abgelöst worden, der seine eigene Entlastung sucht. Deswegen phantasieren seine Träger mit Hingabe darüber, dass die Israelis den Palästinensern das antun, was die Nazis den Juden angetan haben; dass es heute in Gaza so zugeht wie früher im Warschauer Ghetto. Und nennen solche Halluzinationen „Israelkritik“. Aber die so genannte Israelkritik hat wenig mit den Zuständen in Palästina und sehr viel mit den Bedürfnissen der Israelkritiker zu tun, die unter der Last der eigenen Geschichte ächzen.

Im Nahen Osten sind die Rollen klar verteilt

Es sind nicht die Israelis bzw. die Juden, die von Hitler nicht loskommen, es sind die Deutschen, die im Schatten des großen Diktators leben, in einer Art Daueralarm, der auch bei nichtigstem Anlass aktiviert wird, wenn z.B. eine Fernsehmoderatorin „Autobahn“ oder „innerer Reichsparteitag“ sagt.

Allerdings: Es sind leider nicht nur die Deutschen, die sich auf der Flucht vor der eigenen Geschichte befinden. Israel, hat der Historiker Leon Poliakov gesagt, sei „der Jude unter den Staaten“. Und so wie Juden in Zeiten zunehmender Unübersichtlichkeit als Sündenböcke gebraucht wurden, so wird Israel heute umso mehr dämonisiert, je schwieriger es wird, die Welt zu verstehen. Mag es für die Wirtschaftskrise, den Klimawandel, den Islamismus und andere Übel des 21. Jahrhunderts viele Erklärungen geben, im Nahen Osten sind die Rollen klar verteilt: Israelis sind die Täter, Palästinenser die Opfer.

Tertium non datur. (Eine dritte Möglichkeit, also dass lediglich etwas Mittleres gilt, das weder die Aussage ist, noch ihr Gegenteil, sondern irgendwo dazwischen, kann es nicht geben.)

Die Exzesse der „Israel-Kritik“ der letzten Wochen sind allein mit der Politik Israels nicht zu erklären; wäre es so, müsste Henning Mankell die PR-Tour für sein neues Buch sofort abbrechen und sich auf den Weg nach Usbekistan machen, allein oder mit anderen, übers Land oder übers Meer, um Druck auf die Regierung auszuüben, damit sie die Grenzen für usbekische Flüchtlinge aus Kirgistan aufmacht.

Aber das wird der „engagierte“ Schriftsteller nicht machen, denn sowohl die Usbeken wie die Kirgisen sind Moslems, und wenn die einen die anderen umbringen, dann ist es eine Familienangelegenheit, in die er sich nicht einmischen möchte.

In Mankells humanitärer Agenda sind die Palästinenser nur Mittel zum Zweck. Für ihn liegt das Übel nicht in der Politik, sondern in der Existenz des Judenstaates. Dessen Gründung sei völkerrechtlich nicht legitim gewesen, deswegen ruft er die Israelis dazu auf, auf ihre

„Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben“. Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, ist „der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems das einzig denkbare Resultat“ – gleich oder später: „Die Frage lautet also nicht, ob, sondern wann es geschieht.“

Der Zionismus soll scheitern

Ist das noch „Israelkritik“? Nein, es ist ein wenig mehr. Es sind Vernichtungsphantasien im Dienste des Fortschritts. Die revolutionäre antiimperialistische Linke hat ein spezielles Problem mit Israel. Sozialismus und Zionismus sind nahe Verwandte, entstanden zur selben Zeit und von den gleichen Idealen geprägt: Freiheit, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung. Viele Zionisten waren auch Sozialisten. Die Sowjetunion hat die Gründung Israels unterstützt.

Der Kibbutz ist das einzige Modell eines wirtschaftlichen Kollektivs, das bis heute funktioniert, auch wenn es nicht, wie in den Anfangstagen, für eine gerechte Verteilung der Armut sondern des Überflusses sorgt.

Und während der Sozialismus überall Konkurs anmelden musste, hat der Zionismus unter schwierigsten Bedingungen mehr als nur überlebt. Das nimmt ihm die revolutionäre antiimperialistische Linke übel, wie ein Bankrotteur es einem Konkurrenten übel nimmt, dass er nicht Pleite gemacht hat. Deswegen soll auch der Zionismus scheitern.

Am runden Tisch der Verlierer ist noch ein Plätzchen frei. Auch Linke werden aus Erfahrung dümmer.

Interessant ist auch der Artikel von Steven Kramer in der TAZ (sic!), der die Gaza-Ereignisse aufarbeitet. Oh, da fühlen sich manche Leser aber arg auf die Füße getreten, manche möchten sogar die Meinungsfreiheit abschaffen.
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Nahost im hohen Norden

Wenn Hitler als coole Nummer gilt und man über den Holocaust lachen darf – in Oslo und Malmö hat der Judenhass Einzug gehalten

Aldo Keel In Norwegen sorgen Fernsehreportagen über Judenhass an Schulen für Aufsehen. Da klagt ein Vater, halbwüchsige Muslime hätten seinen Sohn erhängen wollen, weil er Jude sei. Lehrer sprechen von «notorischem Mobbing». Hitler gelte als «coole Nummer», der Westen als jüdisches Protektorat. Lektionen über den Holocaust würden mit Hohngelächter quittiert. Einen üblen Einfluss hätten Fernsehsendungen aus dem Nahen Osten, die per Satellit zu empfangen sind. Szenen einer palästinensischen Station zeigten Kinder im Primarschulalter, die sich bereit erklärten, Juden zu töten, falls es Allah wünsche. Die israelische Politik findet in Norwegen, dem einstigen Friedensstifter, wenig Anklang. Kürzlich erwogen sogar einige Bischöfe der Staatskirche einen Aufruf zu einem Boykott israelischer Waren. In Norwegen leben 1300 Juden und 150 000 Muslime.

Die Reportagen schockierten. Der Generalsekretär des Islamischen Rats und Vertreter christlicher Kirchen statteten der Osloer Synagoge einen Solidaritätsbesuch ab. Die Christliche Volkspartei erinnerte daran, dass sie schon vor Jahresfrist nach einem Handlungsplan gegen den Antisemitismus gerufen habe. Der liberale Abgeordnete und Muslim Abid Q. Raja fragte im Parlament den linkssozialistischen Integrationsminister:

«Geniessen Muslime in Norwegen einen speziellen Schutz, den man nicht antasten darf?»

Raja legte dem Minister eine Aufklärungstour durch Oslos Moscheen nahe. Doch der Minister winkte ab. Eine Arbeitsgruppe soll sich jetzt des Problems annehmen.

In Schweden steht die Stadt Malmö im Brennpunkt. Sie zählt 265 000 Einwohner, unter ihnen 700 Juden und 60 000 Muslime, die zum Teil im Rosengård-Viertel in elenden Verhältnissen leben. Unlängst untersuchte «Skånska Dagbladet» in einer Artikelserie den grassierenden Antisemitismus. Während des Gaza-Kriegs entlud sich die aggressive Stimmung in gewaltsamen Ausschreitungen. Als auch Malmös Juden auf die Strasse gingen, wurden sie mit Brandkörpern beschossen. Eine 86-jährige Auschwitz-Überlebende erzählte der finnischen Zeitung «Hufvudstadsbladet», wie sie, in eine Gasse abgedrängt, von Knirpsen angeschrien wurde, alle Juden müssten getötet werden.

2009 wurden in der Provinz Schonen doppelt so viele antisemitische Straftaten registriert wie im Vorjahr.

  • Ein Brandanschlag auf die Kapelle des jüdischen Friedhofs,
  • Grabschändungen und
  • fortgesetzte Bedrohung jüdischer Ladeninhaber wurden verzeichnet.
  • Ein Künstler stellte Büchsen mit der Aufschrift «Zyklon B – Giftgas» vor das jüdische Gemeindehaus.
  • Im benachbarten Helsingborg wurde versucht, die Synagoge in Brand zu stecken.
  • Der Palästinakonflikt wirkt sogar in der 6. Liga der Fussballer nach, wo der jüdische FC Hakoah in einer Gruppe mit dem FC Palästina spielen soll und vergeblich um eine Neueinteilung bat.
  • Während des letztjährigen Kampfs gegen den FC Kosovo stürmten Fans der Kosovaren aufs Feld und setzten zur Hetzjagd auf die jüdischen Kicker an, die jedoch von den Spielern des Kosovo-Teams geschützt wurden.
Bereits hat der Exodus jüdischer Familien begonnen.

«Stellen Sie sich vor, dass ein so phantastisches Land wie Schweden meiner Familie kein Sicherheitsgefühl vermitteln kann»,

seufzt ein Vater gegenüber «Skånska Dagbladet». Seine Vorfahren seien im 19. Jahrhundert vor Pogromen aus Russland geflohen. Jetzt werde sein Sohn in Malmö auf dem Weg zur Synagoge als «Judensau» beschimpft.

Jeder Kommunalpolitiker müsste ein solches Problem eigentlich reflexartig aufgreifen, schreibt die linksliberale Stockholmer Zeitung «Dagens Nyheter». Doch der sozialdemokratische Bürgermeister Ilmar Reepalu schiebe die Schuld den Opfern zu. Reepalu forderte in einem am Holocaust-Gedenktag veröffentlichten Interview Malmös jüdische Gemeinde auf, sich von den Übergriffen der Israelis in Gaza zu distanzieren. Auch sagte er, es sei nicht Malmös Problem, wenn Juden nach Israel ziehen wollten. Jetzt soll ein Dialogforum Spannungen abbauen.

via NZZ Online

Skandinavien: Gelbe Sterne auf den Rücken

Kopenhagen. Wenn sich Aron auf dem Heimweg von der Synagoge seinem Kopenhagener Wohnviertel nähert, nimmt er die Kippa ab. Auf Nørrebro, wo die Mehrheit der Bewohner muslimische Zuwanderer sind, muss niemand wissen, dass er Jude ist. Norwegische Schüler bekommen gelbe Sterne auf den Rücken geklebt, ohne dass Lehrer eingreifen. 2009 sind aus Malmö 30 jüdische Familien ausgewandert, weil ihnen die Schikanen zu viel wurden. In Skandinavien beklagen jüdische Gemeinden Übergriffe. Die Verantwortlichen ignorierten dies.

„Wenn jüdische Familien nach Israel auswandern wollen, ist das nicht Malmös Sache“, wiegelte Bürgermeister Ilmar Reepalu (Sozialdemokrat) ab und bestritt, dass in seiner Stadt Juden angegriffen würden.
Die Wirklichkeit, die Fredrik Sieradzki kennt, ist anders.

„Wir werden angepöbelt, wir werden physisch angegriffen.“ Es gebe keinen Zweifel, wer hinter der Gewalt stehe: „Personen, die aus den Nahen Osten kommen“.

Die Angriffe eskalierten im Vorjahr, als 200 jüdische Demonstranten während des Gaza-Krieges eine Kundgebung für Frieden und Mitleid mit den zivilen Opfern beider Seiten hielten und von einer viel größeren Gruppe palästinensischer Gegendemonstranten mit Steinen, Flaschen und Molotowcocktails vom Platz gehetzt wurden. Reepalu forderte daraufhin die jüdische Gemeinde auf, sie solle sich lieber von Israels Übergriffen distanzieren. Später wurde der jüdische Friedhof geschändet, Gemeindemitglieder von Maskierten überfallen, kleine Kinder beschimpft. Einem jüdischen Schüler drohten Mitschüler, man werde ihn „halal-schlachten“.

Im norwegischen Fernsehen berichteten Lehrer und Eltern, wie der Unterricht über den Holocaust boykottiert werde und Aussagen wie „Die Juden standen hinter dem 11. September“ unwidersprochen blieben. Als ein Schüler klagte, dass er mit dem Tod bedroht werde, weil er ein „Judenschwein“ sei, wies ihn der Lehrer mit dem Hinweis ab, dass so etwas allen passieren könne.

Unterrichtsministerin Kristin Halvorsen zeigte sich überrascht über das Ausmaß diesen „unakzeptablen“ Rassismus, weist aber Vorwürfe zurück, sie habe durch scharfe israel-kritische Aussagen solche Übergriffe legitimiert.

Die 86-jährige Judith Popinski, die Auschwitz überlebt hat, erzählt immer noch an schwedischen Schulen über ihre Erfahrungen. Doch dort, wo muslimische Schüler in der Überzahl sind, ist sie nicht mehr willkommen.

Ein Treffen von Malmös jüdischer Gemeinde mit Bürgermeister Reepalu hat diesem nun doch zu denken gegeben. „Das hassvolle Bild ist viel stärker als ich glaubte“, räumte er ein und will Initiativen ergreifen, die sichern, dass sich „alle in Malmö sicher fühlen.“

Wenn schon die eher linke FR schreibt, dass die Zustände so schlimm sind und so ignoriert werden …

WANN WACHEN DIE POLITIKER AUF?

Selbst wenn es keine Juden, sondern z.B. Chilenen oder Griechen wären: Kann man eine solche Situation in einer Stadt zulassen? Würden in Schweden lebende Griechen für die desaströse Finanzpolitik der griechischen Regierung verantwortlich gemacht werden? Kennt jemand einen solchen Griechen? Es wäre auch totaler Schwachsinn.

Wie schrieb schon Henryk M. Broder:

„Kritische Geister, die gestern noch mit Marx der Meinung waren, Religion sei Opium fürs Volk, fanden plötzlich, man müsse doch Rücksicht nehmen auf religiöse Empfindungen, vor allem, wenn sie von Gewaltakten begleitet werden“

Neuer Judenhass durch Muslime

Europa erlebt einen Aufschwung von Antisemitismus, ausgelöst zu einem großen Teil durch junge Moslems. Darüber berichtet das Wochenmagazin „Focus“. Die britische Tageszeitung „Telegraph“ beschreibt ebenfalls wachsende Bedrängnis für Juden in der schwedischen Stadt Malmö.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, war langjähriger Präsident des jüdischen Sportclubs Makkabi Frankfurt. Er berichtet gegenüber „Focus“:

„Antisemitische Schmähungen auf dem Platz kommen mittlerweile nicht mehr in erster Linie von deutschen Rechtsradikalen, sondern von muslimischen Einwanderern.“

Bei offiziellen Begegnungen höre er von den Vertretern muslimischer Organisationen zwar stets Bekenntnisse gegen den Antisemitismus.

„Aber nach innen, gegenüber den eigenen Leuten sind sie noch viel zu wenig engagiert“, sagt Graumann. „Wenn sie mehr täten, würden die muslimischen Verbände dadurch viel mehr Glaubwürdigkeit gewinnen.“

Der Antisemitismus vor allem unter arabischen Jugendlichen sei „erschreckend hoch“, so Graumann. „Es hat keinen Sinn, sich wegzuducken oder das Thema wegzudrücken.“

Der „Focus“ fügt hinzu: „Was Graumann beobachtet, geschieht zurzeit vielerorts in Europa: Einwanderer aus muslimischen Ländern heizen einen neuen Antisemitismus an. Neu, weil dieser Judenhass alte Stereotype mit der Nahost-Auseinandersetzung verrührt.“

Nur Antisemitismus durch Neo-Nazis ist berichtenswert
Dabei versuchten viele Politiker und Journalisten, das Thema zu umgehen oder beiseitezuschieben. Als etwa am Abend des 8. November 2009 die Dresdner Synagoge mit antisemitischen Sprüchen beschmiert worden war, hätten die Zeitungen lediglich berichtet, dass der Täter „unter anderem“ Hakenkreuze an die Wand gemalt habe. „Focus“: „Kaum ein Medium schrieb, was tatsächlich auf der Synagogenmauer zu sehen war: ein Hakenkreuz, ein Gleichheitszeichen und ein Davidstern. Juden gleich Nazis also. Und daneben der Spruch: ‚Scheiß Juden – killers of children‘.“ Als die Polizei ein paar Tage später einen 39-jährigen Algerier als Täter verhaftet habe, hätten die Medien fast gar nicht mehr darüber berichtet.

Auch als im Januar 2009 ein staatenloser Palästinenser einem Wachmann vor der Berliner Synagoge in der Oranienburger Straße eine Eisenstange auf den Kopf schlug, habe lediglich das britische Magazin „Spectator“ davon berichtet. Der „Focus“-Autor schreibt weiter: „Ebenso verdruckst schwiegen die meisten Politiker und sonstigen Kommentatoren, als 2007 ein afghanischstämmiger Mann in Frankfurt am Main auf offener Straße einem Rabbi ein Messer in den Bauch stieß. Das Opfer überlebte damals mit ziemlich viel Glück.“

Eine Studie der „Jewish Agency“ registrierte laut dem Magazin 2009 so viele antisemitische Übergriffe in Europa wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Besonders hoch schwappte die Welle in Frankreich, wo vorwiegend Muslime arabischer Herkunft leben: Im ersten Halbjahr 2008 zählte die „Jewish Agency“ dort 431 antisemitische Übergriffe, im gleichen Zeitraum 2009 waren es 631.

Das „Zentrum für Antisemitismusforschung“ habe schon frühzeitig in einer Studie auf den wachsenden Judenhass unter Migranten aus muslimischen Ländern aufmerksam gemacht, so der „Focus“. Doch „Die „Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ in Wien habe sich lange geweigert, die Studie zu veröffentlichen. Sie behaupteten laut Magazin, „unwissenschaftlich“ gearbeitet zu haben, ohne Belege für ihre Behauptung anzugeben.

Juden verlassen schwedische Stadt
Auch aus Schweden berichtet die britische Tageszeitung „The Daily Telegraph“ einen Zuwachs an Diskriminierung gegenüber jüdischen Mitbewohnern durch muslimische Zuwanderer. Am Sonntag schrieb das Blatt, dass im vergangenen Jahr die Synagoge der 700 Mitglieder zählenden Gemeinde in Malmö angezündet worden war, jüdische Friedhöfe würden regelmäßig geschändet, und Juden würden vermehrt auf dem Heimweg von Gebetstreffen auf der Straße belästigt. Hass-Verbrechen gegen Juden hätten sich im vergangenen Jahr auf 70 Vorfälle verdoppelt, so der „Telegraph“. Viele weitere würden wahrscheinlich gar nicht der Polizei gemeldet, vermuten Beamte. Es sei bei dem derzeitigen Klima der Angst nur noch ein Frage der Zeit, bis Menschen persönlich angegriffen würden. Schweden war für lange Zeit ein sicherer Hafen für verfolge Juden. Schon im 19. Jahrhundert flüchteten Juden aus dem Osten nach Schweden. Heute leben etwa 18.000 Juden in dem Land. In Malmö leben derzeit schätzungsweise 300.000 Moslems, das ist rund ein Fünftel der Stadtbevölkerung.

Vor der Synagoge von Malmö mussten mittlerweile Wachen aufgestellt werden, und die Fenster bekamen panzersicheres Glas. Der jüdische Kindergarten kann nur noch durch Sicherheitstüren betreten werden. Rund 30 jüdische Familien seien laut Zeitungsbericht bereits nach Stockholm, England oder Israel gezogen – oder hätten vor, wegzuziehen.

Der „Telegraph“ zitierte die 86 Jahre alte Judith Popinski, die das Konzentrationslager Ravensbrück überlebte und seit sechs Jahrzehnten mit ihrer Familie in Malmö wohnt.

„Ich hätte nie gedacht, dass mir dieser Hass in meinem Leben noch einmal begegnet, erst Recht nicht in Schweden“, sagt sie. „Dieser Hass kommt von den muslimischen Immigranten. Die Juden fürchten sich.“

Die Witwe berichtet, dass sie angefeindet worden sei, als sie eingeladen wurde, in Schulen über den Holocaust zu sprechen.

„Muslimische Kinder ignorieren mich oft, wenn ich über meine Erlebnisse im KZ berichte. Der Grund ist das, was ihre Eltern über Juden erzählen. Der Hass des Nahen Ostens ist nach Malmö gekommen. Schulen in muslimischen Gegenden laden schon keine Holocaust-Überlebenden mehr ein, bei ihnen zu sprechen.“

Der sozialdemokratische Bürgermeister Ilmar Reepalu, seit 15 Jahren im Amt, muss sich von den Juden in Malmö laut „Focus“ den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug gegen die Anfeindungen zu unternehmen. Er ist überzeugt: Was den Juden geschehe, sei traurig, aber nachvollziehbar, denn es sei die Folge der Politik der Israelis im Nahen Osten.

Böse Falle, Herr Bürgermeister. Unglaublich. Und wenn die Juden dann demnächst ermordet werden sollten, ist das sicherlich auch nachvollziehbar.
Da möchte man doch rufen: Stehen Sie zu Ihrem Antisemitismus und verstecken sich nicht hinter der Politik Israels!

Der Unterschied zwischen Reden und Tun

Die Spender der UNWRA

Die Spender der UNWRA

Und wenn das nächste Mal irgendwelche arabischen oder islamischen Staaten schreien, wie schlecht Israel die Palästinenser behandelt und wieviel Elend unter den Palästinensern herrscht, dass sie ausgehungert werden usw. … dann sollte man sich einmal in Ruhe den obigen „Kuchen“ anschauen. Dann weiß man, wie wichtig diesen Staaten die Palästinenser wirklich sind.

Die Palästinenser sind diesen Staaten nur aus einem Grund wichtig: Als Faustpfand gegen Israel.

Um 1948 wurden ca. 700.000 Palästinensern zu Flüchtlingen – aus unterschiedlichen Gründen. Im Zeitraum 1948 – 1960 wurden ca. 800.000 Juden zu Flüchtlingen – größtenteils aus arabischen und islamischen Staaten. Hört irgendjemand noch von diesen Flüchtlingen? Nein. Denn sie sind längst in die israelischen Gesellschaft integriert.

„Sieben Millionen Juden sorgen sich um das Schicksal von Gilad Shalit, während es 300 Millionen Araber völlig egal ist, was mit 100 Tausenden Palästinensern geschieht“,

sagte Walid Taha, der im Lager Shalita in Beirut lebt.

Pressefreiheit (Update)

Die Samstagsausgabe von EL Mundo wird ein Interview mit David Irving bringen und kündigt den Holocaustleugner als „Experten“ zum Thema Zweiter Weltkrieg an.

Und wie die Jerusalem Post berichtet, gebraucht das spanische Blatt die gleiche Entschuldigung wie die Aftonbladet-Redakteure: Pressefreiheit.
Pressefreiheit kann aber nicht reinwaschen.

  1. Wie konnten die „EL Mundo“-Redakteure die Tatsache ignorieren, dass Irvings Reputation als „Experte“ von einem britischen Richter, der ihn am Ende des Verleumdungsprozesses gegen Deborah Lipstadt als „antisemitischen und rassistischen“ Holocaustleugner und „pro-nazistischen Scharfmacher“ bezeichnet hatte, in alle Einzelteile zerlegt wurde?
  2. Die Präsentation „unterschiedlicher Erzählungen“ ohne Realitätsbezug speist sich aus dem historischen Revisionismus stalinistischer Prägung und nicht, wie man vielleicht glauben möchte, aus „historischen Entwürfen“.
  3. Die Behauptung, dass die Leser „selbst entscheiden können“, ist für eine Zeitung untauglich, deren Job es ist, „nur über Fakten“ zu berichten. Wie sollen Leser zu „begründeten Urteilen“ kommen, wenn sie falsch informiert werden?
via Media Back Spin

Zur Presse-, Meinungs- und Redefreiheit ist schon viel gesagt worden. Ein starker  Tenor ist, dass diese Freiheiten ein großes demokratisches Gut sind, das unbedingt und mit allen Mitteln verteidigt werden muss.
Ich stimme dem soweit zu, als dass diese Freiheiten unbedingt gegen eine unzulässige Einschränkung verteidigt werden müssen.
Aber Freiheiten bringen auch immer eine Verantwortung mit. Und auch diese Freiheiten sind jetzt schon in guter Weise eingeschränkt. Sie dürfen z.B. nicht dazu gebraucht werden, um
  • andere Menschen zu verleumden,
  • Nazi-Propaganda zu verkünden,
  • Geschichtsfälschung zu betreiben,
  • den Staat oder die Verfassung zu untergraben.

Der Fall des Aftonbladet und der El Mundo werfen grundsätzliche Fragen auf, wieweit die Medien gehen dürfen.
Wenn die schwedische Regierung sagt, sie kommentiert den Artikel im Aftonbladet nicht und enthält sich jeder Bewertung, weil sie sonst gegen die in Verfassung garantierten Rechte der Pressefreiheit verstößt, dann ist das Käse und eine faule Ausrede.

Denn keiner hat von der Regierung verlangt, die Pressefreiheit einzuschränken. Niemand wollte den Verlag des  Aftonbladet schließen, kein Journalist sollte ein Schreibverbot erhalten, es gab keine Anstrengungen, das Erscheinen der Zeitung zu verbieten oder einzuschränken.

Aber auch in Schweden gibt es einen Presserat, der falsches Verhalten rügt und natürlich hat es auch in Schweden schon Politiker gegeben, die die Medien für etwas kritisiert haben, ohne dass irgendjemand die Pressefreiheit eingeschränkt sah.
Hier versteckt sich die schwedische Regierung hinter Ausreden und pfeift sogar noch ihre Botschafterin in Israel zurück, die sich vom Artikel im Aftonbladet distanziert hatte. Deutlicher kann man m.E. nicht ausdrücken, dass man mit dem Tenor des Artikels und dessen Kritik an der Zielgruppe „Juden“ einverstanden war.

Wenn außerdem solche Länder wie Iran, Syrien oder Libyen Beifall klatschen, dann ist das ein starkes Indiz dafür, dass man beim Aftonbladet in die falsche Richtung gegangen ist oder – aus Sicht der Zeitung – auch nicht

Der Fall der „El Mundo“ geht noch weiter. Denn hier ist bereits belegt, dass David Irving ein Hetzer, ein Scharfmacher und ein Holocaustleugner ist. Er hat dafür bereits in einem österreichischem Gefängnis gesessen. Seine Ansichten sind klar. Ihm in einem Interview die Möglichkeit zu geben, seine kruden Ansichten zu verbreiten – und er wird es sicherlich so geschickt tun, dass er nicht noch einmal im Gefängnis landen wird – und das mit der Pressefreiheit zu begründen, ist einfach widerlich. Man hätte einen kritischen Artikel über ihn schreiben können, aber ihm eine Plattform für seine Lügen zu bieten, ist falsch. Punkt.

Hier noch ein Kommentar aus dem „Israel Report“ vom 04.09.09:

Zu lügen ist schlechter journalistischer Standard – und wird in journalistischen Kreisen nicht akzeptiert. Viele Nationen haben Kontrollausschüsse, um zu überprüfen, ob die Medien ethische Standards einhalten. Aber jemanden zu zitieren, der lügt, verstößt nicht grundsätzlich gegen die Regeln. Dies ist auch verständlich, denn ein Journalist kann nicht immer wissen, ob eine Person lügt.
Hier müssen seine eigenen ethischen und moralischen Wertvorstellungen zusammen mit seinem gesunden Menschenverstand anfangen zu arbeiten. Hier zeigen sich die moralischen Standards und ideologischen Überzeugungen eines Journalisten.

Hier beginnt aber auch die Grauzone. Diese Grauzone wächst von Tag zu Tag in der post-modernen Welt, in der wir leben, wenn objektive Wahrheiten ausradiert werden und jeder einzelne für sich entscheidet, was wahr ist.

Heute ist es alltäglich, dass Israel und die Juden verteufelt werden und es wird nicht als schlechter Journalismus oder unethisch erachtet. Schlimmer noch, diese Art von Propaganda wird generell nicht in Frage gestellt. Man muß die Völker bemitleiden, deren ethische Standards auf ein so niedriges Niveau sinken – auch, wenn es sich als freie Meinungsäußerung tarnt. Sofern das nicht korrigiert wird, verfallen solche Gesellschaften von innen.

Ja, wir müssen die Presse- und Redefreiheit schützen! Aber müssen wir jeden Dummkopf ans Mikrofon lassen, um es zu beweisen?

Manche verweisen in den aktuellen Fällen auf die Mohammed-Karikaturen. Wenn diese veröffentlicht wurden – so ihr Argument -,  dann kann man auch nichts gegen die Artikel im Aftonbladet oder in der El Mundo sagen.

Das ist falsch. Denn die Mohammed-Karikaturen waren Karikaturen – von vornherein als solche erkennbar – und es liegt in der Natur einer Karikatur, dass sie Vorhandenes überspitzt darstellt. Und die Bilder waren alle harmlos – bis auf eins, über das sich viele Moslems besonders aufgeregt haben: Der Prophet Mohammed mit der Bombe im Turban. Aber auch hier wurde lediglich Vorhandenes überspitzt, denn wie viele Islamisten haben im Namen des Islams – und damit des Propheten – gebombt und getötet.

Auf jeden Fall stellen diese Bilder keine Lügen dar, sondern waren allerhöchstens unzulässig überspitzt.

Anders bei den genannten Zeitungsartikeln: Hier a) wurde heftig gelogen und b) wird einem chronischen Holocaustleugner und überführtem Lügner eine stark beachtete Plattform gegeben.

UPDATE vom 06.09.09:

Dass unterdessen die Pressefreiheit nicht in Gefahr gerät, distanziert eine Regierung sich von einem Zeitungsbeitrag – nichts anderes hatte Israel von Carl Bildt gefordert -, zeigt Spanien. Am Wochenende erschien dort in der Zeitung El Mundo ein Interview mit dem Holocaust-Leugner David Irving, der einerseits als “Experte” für den Zweiten Weltkrieg vorgestellt, aber auch von der Redaktion kritisch eingeordnet wurde.
Ein Sprecher des spanischen Außenministers Miguel Angel Moratino mußte keine Bestrafung für seine Worte befürchten:

“Der [spanische] Außenminister respektiert das Recht auf freie Rede, bedauert aber zutiefst, daß einem Historiker Platz eingeräumt wurde, der eine der größten menschlichen Tragödien in der modernen Geschichte leugnet [..]. Solche Äußerungen sind eine tiefe Verletzung des jüdischen Volks.”

Geht doch. Oder, Herr Bildt?

Schweden/Israel: Eine ausgewogene Stimme

Eine Stimme der Vernunft! Ein gut-sortierter Artikel über Befindlichkeiten, Hintergründe und Politik, wie sie sein sollte:

As the Aftonbladet organ harvesting scandal rumbles to the end of its second week, Stockholm-based Israeli writer David Stavrou calls on policy makers in Sweden and Israel to shed light on the situation rather than turning up the heat.

The latest quarrel between Israel and Sweden is a particularly ugly one. Although some of the points made by both sides are valid, they are contaminated by cynicism and false innocence on the Swedish side and by inadequate and inappropriate reactions on the Israeli side. This may be the time, almost two weeks after the publication of the original article in Aftonbladet, for both sides to take a fresh look at the situation and to reconsider a new course of action.

It would be wise to begin with what started the tension in the first place – the article itself. I don’t know Donald Boström, the journalist who wrote it and I’m not a regular reader of Aftonbladet, but I read the article titled „Our sons plundered for their organs“ more than once and it must be said that before being inciting or inflammatory it’s simply bad journalism, if it can be called journalism at all. Don’t take my word for it. Read it yourself: in Swedish or in one of the web-based translations in English.

There’s no proof of anything, no real investigation and no news value whatsoever. It’s a bizarre combination of speculation, unconfirmed testimonies and half truths from old, washed up stories. Anything goes as long as it can summon up the words Israel, war-crimes and stolen organs along with a picture of an autopsied body. Expressions like „serious accusations“ and „questions remain“ used throughout the article, remind one of those low budget conspiracy theories.

Here’s just a taste of the article’s negligence – first of all, the main story, which is one of many unrelated stories, is 17 years old which makes it well-nigh impossible to confirm. Second, Boström makes no attempt to contact the Israeli Ministry of Defence, the Israeli Forensic Pathology centre or representative for the Israeli medical profession. In fact the only Israeli he claims to have interviewed (a soldier) is unnamed, we don’t get his rank or his position and we don’t get any context to the interview. The same applies to the UN staff Boström claims to have talked to. Maybe this is designed to create an atmosphere of secrecy and mystery but journalism isn’t about atmosphere: it’s about facts. And facts are not a high priority for Boström who makes too many sloppy mistakes.

Why, for example, would soldiers, who as Boström claims, are sent out to steal organs, deliberately shoot the people they’re stealing organs from in the chest or the stomach, when it’s common knowledge that organs cannot be harvested from bodies with serious chest wounds? Even the family members whose evidence is the only „source“ to the story are now distancing themselves from Boström’s report and are claiming that they never said that organs were stolen. It’s as if an Israeli reporter would visit Sweden and 17 years later publish an article about witnessing a group of blond, drunken Vikings (just like Boström uses stereotypes of IDF soldiers) kidnapping and murdering a Norwegian woman. He can’t prove it, he spoke to no one about it, and there are no „sources“ other than relatives and an anonymous cop. But, obviously, these are serious accusations and many questions remain.

Israelis are right in claiming this is the stuff blood libels against Jews were always made from. But that, I think, is not the point here. It’s more important that this is the stuff a certain kind of modern journalism is made from. Just like the English Sun and the German Bild, Aftonbladet needs human-sacrifice, and the Jews, though far from being the only victims, are indeed ideal ones. They were in the medieval shtetl and they still are in 21st century journalism.

The differentiation between Jews and Israel in this case, like in many others, is wishful thinking on the part of many. In reality, there is no differentiation. Like it or not, Israel and the Jewish people are intertwined, each paying the price when the other is attacked, each rising and falling with the others‘ successes and failures. Aftonbladet knows this of course and takes advantage of it. They can make racist attacks disguised as legitimate political journalism.

Theirs isn’t traditional anti-Semitism based on religion (the Jews killed Jesus). It isn’t even modern anti-Semitism (the Jews are rich and control the world). This is post modern anti-Semitism. It’s all about ratings and it’s business orientated. It sells newspapers. Nobody cares about the truth because it’s subjective anyway, nobody has time for research and you can definitely count on it that no one will take responsibility. The writer gets his 15 minutes of fame; the paper makes millions. And damn the consequences.

But it’s not just about money; it’s also about politics too. The never ending and, quite frankly, tedious text Swedish officials use about freedom of speech is not relevant in this case. First of all, despite the claims of various official spokespeople, it is not absolute and untouchable, even in Sweden: witness the Danish Muhammad cartoons, and various regulations, self-censorship and safeguards that protect Swedes from offensive commercials and sensitive publications.

Sweden is very firm when it defends the rights of large minorities or powerful establishments (like Aftonbladet) but much less decisive when it comes to weaker groups or even the general public. This is why authorities in Malmö preferred to defend the right of an angry mob to boycott a tennis match between Israel and Sweden than to defend the right of the general public to watch the match.

Is Sweden’s Foreign Minister, Carl Bildt, really so naïve that he thinks that freedom of speech in Sweden applies equally to everyone and works equally for every one? I don’t think so. When he says that free press and free speech are the best defence against „breaches of judgment, bad taste and transgressions of core societal values“, he knows very well that these freedoms can very easily be used to wage attacks on minorities by an aggressive majority. Israel isn’t a minority in Sweden but an attack against it is very popular in many circles. This is where Bildt’s claims have a cynical twist. Defending freedom of speech in this case earns him the support of many. Especially valuable is the support of many on the other side of the Swedish political spectrum. What politician would object to that?

To be fair, Bildt and Sweden’s political establishment didn’t have to limit freedom of speech; they weren’t requested to close down Aftonbladet or to censor it. Instead of flying empty slogans which hide political interest, all they needed to do was to say they don’t believe the allegations and they see them as provocative and irresponsible. That’s not taking sides, it’s just being fair-minded. Instead of that, Bildt chose to distance himself from Sweden’s ambassador to Israel who did exactly that. He did the math: no one gains political points in Sweden from pleasing Israel. Quite the opposite.

But the cynicism is not limited to the Swedish side. Israel too is responsible for the deterioration of the situation. Every state has the right to defend itself against slander and lies, even if they’re published in a paper thousands of miles away. But there must be some kind of discretion in choosing methods of defence and counter attack. I would like to know, for example, who chose to use the holocaust card as the first reaction. Surely, of all the arsenal of Israeli arguments, another one could have been used against a Swedish tabloid, Auschwitz could have been saved for say, states that say they want to annihilate Israel and are in the process of building the weapons to do it. If, according to Israel’s Foreign Minister Avigdor Lieberman, the Afonbladet article is like the Protocols of the Elders of Zion and Bildt’s refusal do condemn it is equivalent to Sweden’s WW2 neutrality, then what is left for going after terrorist attacks against Jewish and Israeli targets and against genocidal, fascist regimes?

Perhaps it’s time for Israeli spokespeople to learn the power of understatement. A simple and straight-forward statement denying the allegations and denouncing those who spread them, accompanied with a nuanced „you should be ashamed of yourselves“ would have done the job. If Israel wants to take it a step further, why not show the world the power of civil debate and education? Why not organize a seminar for journalists on the connection between irresponsible journalism and hate crimes? Why not get Jewish organizations around the world to promote educational projects about anti-Semitism in the world today and invite Swedish teachers and students to join?

The point is not that the memory of the holocaust cannot be used in current public debate: it can and it should. It should be used by Israelis searching for their identity and moral values, it should be used around the world to fight racism and discrimination and it should be used moderately and responsibly. It’s true any official using Hitler and Goebbels for a diplomatic dispute is bound to get in the papers. The problem is that those papers are exactly the same kind as the one that started the current controversy. When Lieberman speaks, he’s not a speaker on a soapbox and he’s not in an academic seminar. His remarks are documented, they’re binding and they have consequences. Does anyone take this into account before statements are released?

In general, much of Israel’s reaction was confused and embarrassing. First, we heard Israeli officials claiming that Carl Bildt is not welcome in Israel if he doesn’t apologize. He obviously didn’t apologize and now we are told that no one actually really intended to cancel his September visit. If Bildt’s visit to Israel is important, how could anyone consider canceling it because of an independent newspaper article? If it isn’t, why waste tax payer’s money on it in the first place? The sad truth is that no Israeli politician ever lost points attacking „those anti-Semitic Scandinavians“ and no public figure in Israel has anything to lose from a good old display of patriotism.

And so, while Israeli bloggers are suddenly all experts on Sweden’s foreign policy in the forties and Swedish bloggers know all about Israeli organ transplant procedures, we come to a full circle. Everybody’s happy. Lieberman gets lots of headlines that are not related to the criminal charges pending against him; Carl Bildt becomes a champion of freedom of speech and broadens his electorate; Aftonbladet sells more papers and the Swedish and Israeli public can start a new round of boycotts and demonstrations. Everybody’s happy.

Well, everybody but me. It’s not easy being an Israeli in Stockholm these days. Even those who don’t believe what they read in Aftonbladet blame Israel for being paranoid and hysterical. Everything you see on the news is annoying and there’s always the fear that something may happen, that someone may do something. It’s not like it hasn’t happened before.

Obviously I’m not suggesting that Swedish or Israeli policy will be made according to my convenience, but here’s a thought: if policy makers could only learn to lower the flames instead of fanning the fire, any fire, and thus spread more light than heat onto our public discourse, then life wouldn’t only be better for Israelis living in Sweden. I think it would probably be better for everyone else too.

via The Local