• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
    Carlo Schmid (1949)

    Die Menschheit lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.
    Friedrich Hebbel

  • Stop the bomb

  • Neueste Kommentare

    Bertrand bei Israel ist ein Schurkenst…
    Johannes bei Israel ist ein Schurkenst…
    Lutz Huth bei Volker Beck: Ein Mann und sein…
    Markus Grob bei Christen und Israel
    Lies bei Völkerrecht – die Geschi…
  • alle Artikel

  • Archive

  • Kategorien

  • Twitter Updates

  • Blog Statistik

    • 222.410 Besucher
  • Advertisements

Warum die revolutionäre Linke Israel so hasst

Henryk M. Broder ist für viele eine Reizfigur. Er provoziert gerne und ist sich nicht zu schade, seinen Gegnern gegenüber laut zu werden. Das mag nicht jeder. Aber er hat die große Fähigkeit, Fakten zu sammeln, zusammenzufassen und sinnvoll zu präsentieren. So auch hier.

Wer sich einmal den Schaum vor dem Mund abwischt und sich den präsentierten Fakten gegenüber aufgeschlossen zeigt, wird es verstehen.

Der Antizionismus ist gerade bei Linken zur allgemeinen Räson geworden. Allerdings tappen Israels Politiker auch in jede Falle, die ihnen gestellt wird.

von Henryk M. Broder

Schwedische Hafenarbeiter haben einen Boykott israelischer Schiffe und Frachten angekündigt.

„Wenn ein israelisches Schiff ankommt, werden wir es nicht entladen“

, sagte Peter Annerback, ein Sprecher der Hafenarbeiter-Gewerkschaft. Als Grund der Maßnahme gab er den „kriminellen Angriff auf einen friedlichen Schiffs-Konvoi“ an.

Zugleich erklärten über 40 Prozent der Norweger bei einer Umfrage, sie würden bereits israelische Produkte meiden oder hätten vor, es demnächst zu tun.

An der diesjährigen Gay-Pride-Parade in Madrid sollte auch ein Wagen der israelischen Homosexuellen-Organisation „Aguda“ teilnehmen. Die Einladung wurde widerrufen. Der Präsident der Spanischen Föderation für Lesben, Schwule, Trans- und Bisexuelle (FELGTB), Antonio Póveda, erklärte, die Stadtverwaltung von Tel Aviv habe sich geweigert,

„das Massaker an neun Genossen der ‚Friedens-Flotilla‘ zu verurteilen, deshalb haben wir die Karosse ausgeladen“. Man möchte nicht, ergänzte ein Mitveranstalter, „dass unser Festumzug durch gewalttätige Tumulte in die Schlagzeilen gerät“.

Israelischer Kinofilm durch kritische Dokumentation ersetzt

In Paris gaben die Betreiber einer Gruppe von Filmkunstkinos bekannt, sie würden die israelische Filmkomödie „Five Hours From Paris“ vorerst nicht zeigen und durch einen israelkritischen Dokumentarfilm ersetzen. Auch hier war die israelische Intervention vor Gaza der Grund für die Programmänderung.

Schließlich meldete sich aus dem fernen Kuba der sieche Revolutionsführer Fidel Castro überraschend zu Wort.

„Es scheint, als sei das Hakenkreuz die Fahne des heutigen Israel“, meinte der Maximo Lider – und ging noch einen Schritt weiter. Israel würde nicht zögern, „1,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder in die Krematorien zu schicken, in denen Millionen von Juden umgebracht wurden“.

Ja, es waren turbulente Wochen für Israel, die mit einer verunglückten Kommando-Aktion vor der Küste Gazas begannen. Und wie immer, wenn Israel ins Kreuzfeuer gerät, breitete sich im Lande Unverständnis aus. Dass die ganze Sache in die Hose gegangen war, darüber war man sich schnell einig. Es dauerte nur etwas länger, bis man begriff, dass es nicht der Verlauf und der Misserfolg der Aktion war, der die Welt aufregte, sondern die Idee, die dahinter steckte: „Wir machen, was wir für richtig halten, koste es, was es wolle. Und Ihr könnt Euch aufregen, bis Euch die Luft ausgeht.“

Eine elegante Aktion

Vor ziemlich genau 29 Jahren, nachdem israelische Bomber den im Bau befindlichen irakischen Reaktor von Osirak pulverisiert hatten, war die Aufregung noch von Respekt durchsetzt und die Empörung überwiegend geheuchelt. Denn die Israelis hatten nicht nur etwas für ihre eigene Sicherheit getan, sondern auch den Gegnern und Nachbarn des Irak, vor allem dem Iran und Saudi-Arabien, einen Gefallen erwiesen. Deswegen durften die israelischen Maschinen jordanisches und saudi-arabisches Territorium überfliegen. Hinzu kam, dass es eine „elegante“ Aktion war, die nur einen Menschen, einen Wärter, das Leben gekostet hatte. Die israelischen Bomber flogen so dicht beieinander, dass sie auf den Radarschirmen wie ein großer Passagierjet erschienen, die Piloten sprachen Arabisch miteinander.

Inzwischen scheint den Israelis ausgerechnet die Fähigkeit abhanden gekommen zu sein, der sie ihre Existenz im Nahen Osten verdanken: Quantität durch Qualität, Masse durch Klasse zu ersetzen.

Schon der Krieg gegen die Hisbollah endete mit der Erkenntnis, dass militärische Überlegenheit allein keine Garantie für den Sieg sein muss. Hatte Israel im Jahre 1967 die Golan-Höhen, die Westbank, den Gaza-Streifen und die Sinai-Halbinsel in sechs Tagen erobert, brauchte es 2006 mehr als vier Wochen, um mit der „Armee Gottes“ nicht fertig zu werden. Auch im Krieg gegen die Hamas Anfang 2009 zog Israel politisch und moralisch den Kürzeren. Zwar stellte die Hamas den Beschluss israelischer Ziele mit ihren „selbst gebastelten“ Raketen ein, aber 1400 getötete Palästinenser und eine intakt gebliebene Hamas-Führung ließen auch in Israel keine Jubelstimmung aufkommen. Goliath hatte ein Scharmützel gegen David gewonnen – aber um welchen Preis?

Israel unpolitischer und hedonistischer geworden

Warum die Israelis seit einiger Zeit aus Erfahrung immer dümmer werden, kann man auf zweierlei Weise erklären. Einmal mit dem Wandel der Gesellschaft, die nicht mehr überleben, sondern einfach leben will. Verglichen mit der Situation vor 10 oder 20 Jahren ist Israel unpolitischer und hedonistischer geworden. Käme heute ein israelischer Politiker auf die Idee, in einer Situation auf Leben und Tod zu rufen: „Macht nichts, es ist gut, für unser Land zu sterben …“, würde sich jeder zweite Israeli vor Lachen ausschütten, und die anderen wüssten nicht einmal, dass es sich um die letzten Worte eines berühmten Zionisten handelt, der im Kampf um Eretz Israel gefallen ist: Joseph Trumpeldor (1880-1920).

Wer nur einen Nachmittag in einem der vielen Tel Aviver Strandcafes verbracht oder in einer der Super-, Hyper- und Mega-Malls eingekauft hat, die in den letzten Jahren gebaut wurden, der muss sich fragen, ob die Israelis noch in der Lage sind, für etwas anderes zu kämpfen als einen Platz an der Poolbar oder die völlige Aufhebung des Ladenschlusses. In dieser Hinsicht hat Israel die gleiche Entwicklung durchgemacht wie Europa nach 1989, nur schneller und radikaler.

Israel hat mental abgerüstet

Das ist an sich ein gutes Zeichen. Aber nur, wenn man in der Schweiz, in Holland oder in Deutschland lebt, und nicht in einem Land, über dessen Existenz und Existenzberechtigung rund um die Uhr debattiert wird, von der Uno bis zu den Ortsvereinen der Partei Die Linke, wo die Gretchenfrage „Wie hältst du es mit Israel?“ so zur Tagesordnung gehört wie die, ob die DDR möglicherweise ein „Unrechtsstaat“ war.

Israel hat mental abgerüstet. Es hat bessere Waffen als je zuvor, aber vermutlich nicht mehr die Menschen, die sie bedienen können. Und schon gar nicht die Politiker, die es ihren Wählern erklären könnten, warum die beste Armee im Nahen Osten in jede Fall tappt, die ihr gestellt wird.

Antizionismus ist allgemeine Räson geworden

Zweitens: Die Israelis hatten schon immer einen starken Zug zum Autismus. Und es ist ihnen in fast jeder Krise gelungen, sich selbst davon zu überzeugen, dass sie im Recht sind. Sie konnten es sich nicht vorstellen, die USA als Schutzpatron zu verlieren, und sie sind ganz außer sich über den geopolitischen Seitenwechsel der Türken, obwohl der sich seit langem angekündigt hat. „Wie können die nur? Wo wir immer so nett zu ihnen waren!“

Und weil sie sich immer darauf verlassen haben, was die Staatsbesucher in das Gästebuch von Yad Vaschem schrieben („Nie wieder! Wehret den Anfängen!“), haben sie auch nicht mitbekommen, was sich in Europa zusammenbraut.

Nicht die Solidarität mit Israel, die in jeder Sonntagsrede beschworen wird, der Antizionismus ist inzwischen zur allgemeinen Räson geworden. Ein albernes, dummes und konfuses Buch eines Akademikers, der in Israel als der Erich von Däniken der neueren Geschichte gilt, wird landauf, landab in den Feuilletons gefeiert. Es handelt von der „Erfindung des jüdischen Volkes“ durch die Zionisten zum Zwecke der Eroberung Palästinas. Nun ist der Zionismus als Begriff gerade 120 Jahre alt, das Judentum bzw. jüdische Volk ein wenig älter. Wenn aber das jüdische Volk von den Zionisten „erfunden“ wurde, dann steht auch der „Judenstaat“ auf wackeligen Füßen, ein artifizielles Gebilde, ein Fremdkörper im Fleisch der Araber. So sehen es auch die Hamas, die Hisbollah und der iranische Präsident.

Die Erfindung des jüdischen Volkes

Wenn es aber so ist, dann muss man sich fragen: Wieso sind so viele Antisemiten, von Luther bis Marx, von Haman, dem Wesir des Perserkönigs Xerxes, bis Hitler auf ein Phantom reingefallen? Ein Unvolk, das es nicht gegeben hat, bis es von den Zionisten erfunden wurde?

Die Frage wird nicht einmal gestellt. Es reicht, dass der Historiker, als Israeli und Akademiker doppelt legitimiert, ein weiteres Modul für den Rückbau des zionistischen Projekts liefert. Hätte er ein Buch über die „Erfindung des belgischen Volkes“ geschrieben, was in der Tat eine diskutable These wäre, würde er noch immer in seiner Klause sitzen und auf die erste Besprechung warten. Aber „die Erfindung des jüdischen Volkes“ klingt nicht nur nach einem globalen Schwindel, die Idee taugt auch als Heilsalbe auf die Wunden der Antisemiten. Hat es das jüdische Volk in Wirklichkeit nicht gegeben, dann muss auch die Judenfeindschaft eine Chimäre gewesen sein.

Schön wär’s. Tatsächlich ist der Antisemitismus, der auf die Vernichtung der Juden zielte, von einem Judenhass abgelöst worden, der seine eigene Entlastung sucht. Deswegen phantasieren seine Träger mit Hingabe darüber, dass die Israelis den Palästinensern das antun, was die Nazis den Juden angetan haben; dass es heute in Gaza so zugeht wie früher im Warschauer Ghetto. Und nennen solche Halluzinationen „Israelkritik“. Aber die so genannte Israelkritik hat wenig mit den Zuständen in Palästina und sehr viel mit den Bedürfnissen der Israelkritiker zu tun, die unter der Last der eigenen Geschichte ächzen.

Im Nahen Osten sind die Rollen klar verteilt

Es sind nicht die Israelis bzw. die Juden, die von Hitler nicht loskommen, es sind die Deutschen, die im Schatten des großen Diktators leben, in einer Art Daueralarm, der auch bei nichtigstem Anlass aktiviert wird, wenn z.B. eine Fernsehmoderatorin „Autobahn“ oder „innerer Reichsparteitag“ sagt.

Allerdings: Es sind leider nicht nur die Deutschen, die sich auf der Flucht vor der eigenen Geschichte befinden. Israel, hat der Historiker Leon Poliakov gesagt, sei „der Jude unter den Staaten“. Und so wie Juden in Zeiten zunehmender Unübersichtlichkeit als Sündenböcke gebraucht wurden, so wird Israel heute umso mehr dämonisiert, je schwieriger es wird, die Welt zu verstehen. Mag es für die Wirtschaftskrise, den Klimawandel, den Islamismus und andere Übel des 21. Jahrhunderts viele Erklärungen geben, im Nahen Osten sind die Rollen klar verteilt: Israelis sind die Täter, Palästinenser die Opfer.

Tertium non datur. (Eine dritte Möglichkeit, also dass lediglich etwas Mittleres gilt, das weder die Aussage ist, noch ihr Gegenteil, sondern irgendwo dazwischen, kann es nicht geben.)

Die Exzesse der „Israel-Kritik“ der letzten Wochen sind allein mit der Politik Israels nicht zu erklären; wäre es so, müsste Henning Mankell die PR-Tour für sein neues Buch sofort abbrechen und sich auf den Weg nach Usbekistan machen, allein oder mit anderen, übers Land oder übers Meer, um Druck auf die Regierung auszuüben, damit sie die Grenzen für usbekische Flüchtlinge aus Kirgistan aufmacht.

Aber das wird der „engagierte“ Schriftsteller nicht machen, denn sowohl die Usbeken wie die Kirgisen sind Moslems, und wenn die einen die anderen umbringen, dann ist es eine Familienangelegenheit, in die er sich nicht einmischen möchte.

In Mankells humanitärer Agenda sind die Palästinenser nur Mittel zum Zweck. Für ihn liegt das Übel nicht in der Politik, sondern in der Existenz des Judenstaates. Dessen Gründung sei völkerrechtlich nicht legitim gewesen, deswegen ruft er die Israelis dazu auf, auf ihre

„Privilegien zu verzichten und in einem palästinensischen Staat zu leben“. Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, ist „der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems das einzig denkbare Resultat“ – gleich oder später: „Die Frage lautet also nicht, ob, sondern wann es geschieht.“

Der Zionismus soll scheitern

Ist das noch „Israelkritik“? Nein, es ist ein wenig mehr. Es sind Vernichtungsphantasien im Dienste des Fortschritts. Die revolutionäre antiimperialistische Linke hat ein spezielles Problem mit Israel. Sozialismus und Zionismus sind nahe Verwandte, entstanden zur selben Zeit und von den gleichen Idealen geprägt: Freiheit, Gerechtigkeit, Selbstbestimmung. Viele Zionisten waren auch Sozialisten. Die Sowjetunion hat die Gründung Israels unterstützt.

Der Kibbutz ist das einzige Modell eines wirtschaftlichen Kollektivs, das bis heute funktioniert, auch wenn es nicht, wie in den Anfangstagen, für eine gerechte Verteilung der Armut sondern des Überflusses sorgt.

Und während der Sozialismus überall Konkurs anmelden musste, hat der Zionismus unter schwierigsten Bedingungen mehr als nur überlebt. Das nimmt ihm die revolutionäre antiimperialistische Linke übel, wie ein Bankrotteur es einem Konkurrenten übel nimmt, dass er nicht Pleite gemacht hat. Deswegen soll auch der Zionismus scheitern.

Am runden Tisch der Verlierer ist noch ein Plätzchen frei. Auch Linke werden aus Erfahrung dümmer.

Interessant ist auch der Artikel von Steven Kramer in der TAZ (sic!), der die Gaza-Ereignisse aufarbeitet. Oh, da fühlen sich manche Leser aber arg auf die Füße getreten, manche möchten sogar die Meinungsfreiheit abschaffen.
Advertisements

Israel – Umfragewerte

Attitudes toward Israel are widely negative. Twenty-four countries give an unfavourable evaluation, while only two evaluate Israel positively, and two are divided. In the 28-country average, 50 per cent rate Israel‘s influence negatively and 19 per cent rate it positively.

Even so, the average of countries polled in both 2009 and 2010 became slightly less negative; unfavourable ratings have dropped by four points.

Views improved but remained negative in several countries. Unfavourable ratings have dropped in

  • Australia by 20 points (now 47%, down from 67%), in
  • Canada by 14 points (now 38%, down from 52%), in
  • China by 12 points (now 40%, down from 52%), in
  • Japan by 11 points (now 52%, down from 63%), in
  • Portugal by 22 points (now 46%, down from 68%), in
  • Spain by 11 points (now 60%, down from 71%)
  • The USA has remained one of the two countries offering a positive rating overall, although this has dropped seven points (now 40%, down from 47%). It is joined by
  • Kenya, where a drop in negative ratings by seven points (now 34%, from 41%) has caused it to lean slightly positive (39% positive).
  • Russia continues to be quite divided (29% positive, 30% negative).

Majority-Muslim countries continue to have negative views about Israel‘s influence. All five of these countries surveyed have negative majorities:

  • Egypt (92%),
  • Turkey (77%),
  • Indonesia (56%),
  • Pakistan (53%), and
  • Azerbaijan (51%).

via bbc.co.uk

Gegenüber der letzten Umfrage von 2008 haben sich die Zahlen leicht verbessert. Der im Text erwähnte Rückgang in manchen Ländern ist sicherlich auf den Gazakrieg letztes Jahr zurückzuführen.

Und jetzt kann man ja mal überlegen, warum diese Werte in den Ländern so sind, wie sie sind. In den muslimischen Ländern wird gegen Juden gehetzt. Antisemitische Artikel und Karikaturen sind Standard in diesen Ländern.

Und auch die Presse in den westlichen Ländern hat manchmal keine Hemmungen, Lügen und Halbwahrheiten über Israel zu verbreiten. Ein beliebtes Muster geht so:

Eine Geschichte entsteht irgendwo. Riesen-Geschrei, alle Zeitungen berichten, wie schrecklich und inhuman Israel sich wieder einmal verhalte. Tage oder Wochen später kommt die ganze Wahrheit ans Licht. Fazit: War eigentlich anders und Israel hat nichts falsch gemacht. Die Richtungsstellung wird, wenn überhaupt, auf  Seite 27 rechts unten abgedruckt. Geschehen z.B. im Fall des Haaretz-Artikels über den Spionage-Skandal in Israel.

SPON hatte in Person der immer objektiv schreibenden Ulrike Putz (hüstel) über den Fall berichtet. Richtigstellung? Fehlanzeige.

Man braucht nicht viel Hirn, um sich vorzustellen, welche Fakten und Eindrücke über Israel bei den Lesern hängenbleiben. Und aus diesen Eindrücken speisen sich dann auch die Umfragewerte. Welcher normaler Mensch, der kein persönliches Interesse an Israel hat, macht sich denn die Mühe, solche Artikel gegenzurecherchieren?  Kaum einer. Es reicht die Tagesschau und der Neustädter Anzeiger, der eine dpa-Meldung unkommentiert abdruckt.

Deshalb haben diese Umfragen keinen Wert, wenn es um die Frage geht, wie schlecht oder gut Israel wirklich ist. Sie sind nur ein Spiegelbild für die lokalen Medien und die meinungsbildenden Eliten des Landes.

Wut auf Israel ist fehl am Platz

Der folgende Text ist die wörtliche Übersetzung einer Rede, die die spanische Journalistin und Pro-Israel-Aktivistin Pilar Rahola unlängst gehalten hat. Rahola wirft einige Fragen auf, die jeder für sich im Stillen zu beantworten versuchen sollte. Natürlich sind ihre Worte nichts anderes als eine einseitige Stellungnahme – aber sie ist auch Reaktion auf eine einseitige ideologische Haltung, die derart bigott ist, dass sie ihre Einseitigkeit und Voreingenommenheit leugnen muss, um überhaupt bestehen zu können.

Die Kernfrage der Linksliberalen ist: Warum richtet sich die ganze Wut der Welt gegen Israel? Es gibt so viele andere, weitaus verbrecherische Staaten, die von der öffentlichen Meinung geschont werden.

«Warum sehen wir keine Demonstrationen gegen islamische Diktaturen in London, Paris oder Barcelona? Oder warum keine gegen die Diktatur von Myanmar? Warum gibt es keine Demonstrationen gegen die Versklavung von Millionen Frauen ohne irgendeinen rechtlichen Schutz? Warum gibt es keine Demonstrationen gegen den Missbrauch von Kindern als Menschliche Bomben überall da, wo der Islam in Konflikte verwickelt ist?

Warum unterstützt keine Regierung die Opfer der islamischen Diktatur im Sudan? Warum gab es nie einen Aufschrei gegen die terroristischen Gewaltakte gegen Israel? Warum gibt es keinen Aufschrei der europäischen Linken gegen islamischen Fanatismus? Warum verteidigen sie nicht Israels Existenzrecht? Warum verwechseln sie Unterstützung der palästinensischen Sache mit der Verteidigung palästinensischen Terrors?

Und schlussendlich, die Eine-Million-Dollar-Frage: Warum ist die Linke in Europa und überall sonst so fokussiert auf zwei der stärksten Demokratien, die Vereinigten Staaten und Israel, und nicht auf die schlimmsten Diktaturen des Planeten? Diese beiden starken Demokratien haben blutigste Terrorattacken durchlitten, und die Linke kümmert das nicht.

Und dann, die Idee von der Freiheit. In jedem Pro-Palästina-Forum in Europa höre ich die Linken mit Nachdruck rufen: «Wir wollen Freiheit für das Volk». Das ist unwahr. Sie scheren sich nicht um die Freiheit der Menschen in Syrien, Jemen, Iran oder Sudan, oder anderer Nationen. Und es beschäftigt sie nicht, wenn die Hamas die Freiheit der Palästinenser zerstört. Es kümmert sie nur, dass sie die Idee von einem freien Palästina als Waffe gegen die Freiheit Israels nutzen können.

Die Konsequenz dieser ideologischen Symptomatik ist die Manipulation der Presse. Die internationalen Medien richten großen Schaden durch ihre Berichterstattung über den Nahostkonflikt an. Was dieses Thema angeht, berichten sie nicht, sie machen Propaganda. Wenn sie über Israel schreiben, vergessen die meisten Journalisten ihr Ethos. Und so wird jeder Akt israelischer Selbstverteidigung zum Massaker, jede Konfrontation ein Genozid. So viele idiotische Behauptungen sind über Israel verbreitet worden, dass man gar nichts mehr gegen sie ausrichten kann.

Unterdessen diskutieren die Medien nie die syrische und iranische Propaganda für Gewalt gegen Israel und die Indoktrinierung und Korrumpierung von palästinensischen Kindern. Und beim Bericht über die Opfer wird jedes palästinensische Opfer als Tragödie hingestellt, aber jedes israelische versteckt, verschwiegen, oder nur mit Geringschätzung bedacht.

Und nun lassen Sie mich über die spanische Linke sprechen. Vielfältig sind die Beispiele für den Antiamerikanismus und anti-israelische Ressentiments, die die spanische Linke definieren. Beispielsweise hat eine der spanischen Linksparteien gerade ein Mitglied ausgeschlossen für das Eröffnen einer pro-israelischen Website. Ich zitiere von der offiziellen Erklärung über den Parteiausschluss:

«Unsere Freunde sind die vom Imperialismus unterdrückten Völker des Iran, Libyens und Venezuelas, und nicht ein Nazistaat wie Israel.»

Der sozialistische Bürgermeister von Campozuelos hat den Gedenktag für die Opfer des Holocaust durch den palästinensischen Naqba-Tag ersetzt, an welchem die Gründung des Staates Israel beklagt wird – ein Akt der Verachtung gegenüber den Millionen europäischer Juden, die im Holocaust ermordet wurden. In meiner Heimatstadt Barcelona entschied der Stadtrat, den sechzigsten Jahrestag der Gründung Israels durch eine Solidaritätswoche mit Palästina zu begehen. Dafür luden sie Leila Khaled ein, eine bekannte Terroristin aus den Siebzigern und derzeitige Führerin der Palästinensischen Volksbefreiungsfront, einer terroristischen Organisation nach den Maßstäben der Europäischen Union.

Politisch korrekte Denke hat selbst die Reden von Ministerpräsident Zapatero verschmutzt. Seine Außenpolitik fällt in die Kategorie «Wahnsinnige Linke», und er ist durch und durch pro-arabisch in Fragen bezüglich des Nahen Ostens. Ich kann aus eigener Erfahrung versichern, dass Zapatero im kleinen Kreis Israel für den Nahostkonflikt verantwortlich macht, und die Politik von Außenminister Moratinos spiegelt dies auch wider.

Die Tatsache, dass Zapatero während dem Libanonkrieg eine Kufyia trug, ist kein bloßer Zufall, sondern ein bewusstes Zeichen. Spanien hat den furchtbarsten Terrorangriff in Europa durchlitten und ist nach wie vor im Fadenkreuz der Islamisten. Wie ich bereits zuvor geschrieben habe, sie töten uns mit den Mobiltelefonen ihrer Gefolgsleute, die direkt mit dem Mittelalter verbunden sind. Und doch ist die spanische Linke die am meisten anti-israelischste in der Welt. Und da erzählt sie, sie sei gegen Israel aus Solidarität [mit Palästina]. Das ist der Unsinn, den ich anprangern will.

Ich bin nicht jüdisch. Ideologisch bin ich links und von Beruf Journalistin. Warum bin ich nicht so anti-israelisch wie meine Kollegen? Weil ich als Nicht-Jüdin eine historische Verantwortung habe, den Hass auf Juden und ihre historische Heimstätte Israel zu bekämpfen. Gegen Antisemitismus zu kämpfen ist nicht die Aufgabe von Juden, sondern die der Nicht-Juden.

Als Journalistin ist es meine Aufgabe, hinter Vorurteilen, Lügen und Manipulation nach der Wahrheit zu suchen. Die Wahrheit über Israel wird Ihnen nicht erzählt. Als eine fortschrittliche Linke, fühle ich mich verpflichtet Freiheit, Kultur, humanistische Erziehung, friedliche Koexistenz und die universellen Prinzipien zu verteidigen, die aus den zehn Geboten entstanden sind. Prinzipien, die islamistischer Fundamentalismus systematisch zerstört.

Sozusagen habe ich als Nicht-Jüdin, Journalistin und linke Denkerin eine dreifache Verantwortung gegenüber Israel, denn wenn Israel zerstört würde, würden auch Freiheit, Moderne und Kultur zerstört. Der Kampf Israels ist, auch wenn die Welt das nicht wahrhaben will, der Kampf der ganzen Welt.

Was für eine wunderbare Abhandlung einer Linken – den Blick nicht ideologisch verstellt.

Pressefreiheit (Update)

Die Samstagsausgabe von EL Mundo wird ein Interview mit David Irving bringen und kündigt den Holocaustleugner als „Experten“ zum Thema Zweiter Weltkrieg an.

Und wie die Jerusalem Post berichtet, gebraucht das spanische Blatt die gleiche Entschuldigung wie die Aftonbladet-Redakteure: Pressefreiheit.
Pressefreiheit kann aber nicht reinwaschen.

  1. Wie konnten die „EL Mundo“-Redakteure die Tatsache ignorieren, dass Irvings Reputation als „Experte“ von einem britischen Richter, der ihn am Ende des Verleumdungsprozesses gegen Deborah Lipstadt als „antisemitischen und rassistischen“ Holocaustleugner und „pro-nazistischen Scharfmacher“ bezeichnet hatte, in alle Einzelteile zerlegt wurde?
  2. Die Präsentation „unterschiedlicher Erzählungen“ ohne Realitätsbezug speist sich aus dem historischen Revisionismus stalinistischer Prägung und nicht, wie man vielleicht glauben möchte, aus „historischen Entwürfen“.
  3. Die Behauptung, dass die Leser „selbst entscheiden können“, ist für eine Zeitung untauglich, deren Job es ist, „nur über Fakten“ zu berichten. Wie sollen Leser zu „begründeten Urteilen“ kommen, wenn sie falsch informiert werden?
via Media Back Spin

Zur Presse-, Meinungs- und Redefreiheit ist schon viel gesagt worden. Ein starker  Tenor ist, dass diese Freiheiten ein großes demokratisches Gut sind, das unbedingt und mit allen Mitteln verteidigt werden muss.
Ich stimme dem soweit zu, als dass diese Freiheiten unbedingt gegen eine unzulässige Einschränkung verteidigt werden müssen.
Aber Freiheiten bringen auch immer eine Verantwortung mit. Und auch diese Freiheiten sind jetzt schon in guter Weise eingeschränkt. Sie dürfen z.B. nicht dazu gebraucht werden, um
  • andere Menschen zu verleumden,
  • Nazi-Propaganda zu verkünden,
  • Geschichtsfälschung zu betreiben,
  • den Staat oder die Verfassung zu untergraben.

Der Fall des Aftonbladet und der El Mundo werfen grundsätzliche Fragen auf, wieweit die Medien gehen dürfen.
Wenn die schwedische Regierung sagt, sie kommentiert den Artikel im Aftonbladet nicht und enthält sich jeder Bewertung, weil sie sonst gegen die in Verfassung garantierten Rechte der Pressefreiheit verstößt, dann ist das Käse und eine faule Ausrede.

Denn keiner hat von der Regierung verlangt, die Pressefreiheit einzuschränken. Niemand wollte den Verlag des  Aftonbladet schließen, kein Journalist sollte ein Schreibverbot erhalten, es gab keine Anstrengungen, das Erscheinen der Zeitung zu verbieten oder einzuschränken.

Aber auch in Schweden gibt es einen Presserat, der falsches Verhalten rügt und natürlich hat es auch in Schweden schon Politiker gegeben, die die Medien für etwas kritisiert haben, ohne dass irgendjemand die Pressefreiheit eingeschränkt sah.
Hier versteckt sich die schwedische Regierung hinter Ausreden und pfeift sogar noch ihre Botschafterin in Israel zurück, die sich vom Artikel im Aftonbladet distanziert hatte. Deutlicher kann man m.E. nicht ausdrücken, dass man mit dem Tenor des Artikels und dessen Kritik an der Zielgruppe „Juden“ einverstanden war.

Wenn außerdem solche Länder wie Iran, Syrien oder Libyen Beifall klatschen, dann ist das ein starkes Indiz dafür, dass man beim Aftonbladet in die falsche Richtung gegangen ist oder – aus Sicht der Zeitung – auch nicht

Der Fall der „El Mundo“ geht noch weiter. Denn hier ist bereits belegt, dass David Irving ein Hetzer, ein Scharfmacher und ein Holocaustleugner ist. Er hat dafür bereits in einem österreichischem Gefängnis gesessen. Seine Ansichten sind klar. Ihm in einem Interview die Möglichkeit zu geben, seine kruden Ansichten zu verbreiten – und er wird es sicherlich so geschickt tun, dass er nicht noch einmal im Gefängnis landen wird – und das mit der Pressefreiheit zu begründen, ist einfach widerlich. Man hätte einen kritischen Artikel über ihn schreiben können, aber ihm eine Plattform für seine Lügen zu bieten, ist falsch. Punkt.

Hier noch ein Kommentar aus dem „Israel Report“ vom 04.09.09:

Zu lügen ist schlechter journalistischer Standard – und wird in journalistischen Kreisen nicht akzeptiert. Viele Nationen haben Kontrollausschüsse, um zu überprüfen, ob die Medien ethische Standards einhalten. Aber jemanden zu zitieren, der lügt, verstößt nicht grundsätzlich gegen die Regeln. Dies ist auch verständlich, denn ein Journalist kann nicht immer wissen, ob eine Person lügt.
Hier müssen seine eigenen ethischen und moralischen Wertvorstellungen zusammen mit seinem gesunden Menschenverstand anfangen zu arbeiten. Hier zeigen sich die moralischen Standards und ideologischen Überzeugungen eines Journalisten.

Hier beginnt aber auch die Grauzone. Diese Grauzone wächst von Tag zu Tag in der post-modernen Welt, in der wir leben, wenn objektive Wahrheiten ausradiert werden und jeder einzelne für sich entscheidet, was wahr ist.

Heute ist es alltäglich, dass Israel und die Juden verteufelt werden und es wird nicht als schlechter Journalismus oder unethisch erachtet. Schlimmer noch, diese Art von Propaganda wird generell nicht in Frage gestellt. Man muß die Völker bemitleiden, deren ethische Standards auf ein so niedriges Niveau sinken – auch, wenn es sich als freie Meinungsäußerung tarnt. Sofern das nicht korrigiert wird, verfallen solche Gesellschaften von innen.

Ja, wir müssen die Presse- und Redefreiheit schützen! Aber müssen wir jeden Dummkopf ans Mikrofon lassen, um es zu beweisen?

Manche verweisen in den aktuellen Fällen auf die Mohammed-Karikaturen. Wenn diese veröffentlicht wurden – so ihr Argument -,  dann kann man auch nichts gegen die Artikel im Aftonbladet oder in der El Mundo sagen.

Das ist falsch. Denn die Mohammed-Karikaturen waren Karikaturen – von vornherein als solche erkennbar – und es liegt in der Natur einer Karikatur, dass sie Vorhandenes überspitzt darstellt. Und die Bilder waren alle harmlos – bis auf eins, über das sich viele Moslems besonders aufgeregt haben: Der Prophet Mohammed mit der Bombe im Turban. Aber auch hier wurde lediglich Vorhandenes überspitzt, denn wie viele Islamisten haben im Namen des Islams – und damit des Propheten – gebombt und getötet.

Auf jeden Fall stellen diese Bilder keine Lügen dar, sondern waren allerhöchstens unzulässig überspitzt.

Anders bei den genannten Zeitungsartikeln: Hier a) wurde heftig gelogen und b) wird einem chronischen Holocaustleugner und überführtem Lügner eine stark beachtete Plattform gegeben.

UPDATE vom 06.09.09:

Dass unterdessen die Pressefreiheit nicht in Gefahr gerät, distanziert eine Regierung sich von einem Zeitungsbeitrag – nichts anderes hatte Israel von Carl Bildt gefordert -, zeigt Spanien. Am Wochenende erschien dort in der Zeitung El Mundo ein Interview mit dem Holocaust-Leugner David Irving, der einerseits als “Experte” für den Zweiten Weltkrieg vorgestellt, aber auch von der Redaktion kritisch eingeordnet wurde.
Ein Sprecher des spanischen Außenministers Miguel Angel Moratino mußte keine Bestrafung für seine Worte befürchten:

“Der [spanische] Außenminister respektiert das Recht auf freie Rede, bedauert aber zutiefst, daß einem Historiker Platz eingeräumt wurde, der eine der größten menschlichen Tragödien in der modernen Geschichte leugnet [..]. Solche Äußerungen sind eine tiefe Verletzung des jüdischen Volks.”

Geht doch. Oder, Herr Bildt?