• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
    Carlo Schmid (1949)

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Islam, Minarette und die Schweiz

„Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“

„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind.“

Recep Tayyip Erdogan (1998)

Die Frage, ob ein Minarett die Verkörperung aggressiven islamischen Herrschaftsdrangs oder nur das harmlose Symbol einer friedlichen Religion sei, hätte Sultan Mehmed II. vermutlich nicht einmal verstanden.

Selbstverständlich ließ der Osmanenherrscher nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 die Hagia Sophia, schon damals ein jahrhundertealtes Zentrum der Christenheit, umgehend in eine Moschee umwandeln.

Zu den ersten Befehlen des Sultans nach der Einnahme der Stadt gehörte deshalb die Anordnung, der Hagia Sophia als unübersehbares Zeichen der neuen Herrschaft ein Minarett aus Holz hinzuzufügen. Bald wurde die hölzerne Übergangslösung durch vier Minarette aus Stein ersetzt, die noch heute das Aussehen des weltberühmten Bauwerks prägen. Bei dem mittelalterlichen Siegeszug der Osmanen über die orthodoxen Staaten des Balkans, also über Bulgarien und Serbien, aber auch später über die katholischen Ungarn war es nicht anders. Die Errichtung von Minaretten an früheren Kirchen gehörte zu den ersten Manifestationen einer Herrschaft, die zumindest in den südlichen Gebieten des Balkans bis 1912 dauern sollte.

Daß die aufständischen Balkanvölker in ihren Kämpfen gegen die Türken dann bevorzugt Moscheen und Minarette zerstörten, war die Kehrseite davon. Jahrhunderte früher, bei der spanischen Reconquista, war es ähnlich gewesen – die siegreichen Spanier wandelten die Minarette der Araber in Glockentürme um.

In der Türkei, wo das Schweizer Referendum schon vor Bekanntwerden des Ergebnisses großer Kritik ausgesetzt war, weiß das nicht zuletzt Ministerpräsident Erdogan bestens, denn er saß im Gefängnis, weil er einmal aus einem Gedicht des türkischen Schriftstellers Ziya Gökalp zitiert hatte, in dem es heißt:

„Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“

Im Jahre 1998 wurde er, den die religionsferne alte Elite längst als Gefahr für ihren Machterhalt erkannt hatte, vermeintlich ob dieses Zitats zu zehn Monaten Haft verurteilt.

Ein Minarett ist allerdings nicht zwingend ein baulicher Bestandteil einer Moschee. Fachleute wie der amerikanische Architekturhistoriker Jonathan Bloom, der sich in Büchern und Studien mit der Geschichte des Minaretts als „Symbol von Glauben und Macht“ beschäftigt hat, erinnern daran, dass zwar der Gebetsruf von jeher Teil des Islams gewesen sei, nicht aber das erst später aufgekommene Minarett.

Der stellvertretende Vorsitzende der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Mehmet Görmez, – der christliche Kirchen in der Türkei verhindert wissen und zugleich von Europa Toleranz gegenüber Minaretten als ‚Grundrecht‘ einfordern will – wurde am Montag in dem der Regierung Erdogan nahen Blatt „Zaman“ mit der Aussage zitiert, Minarette hätten nur

„eine einzige Bedeutung – sie symbolisierten den islamischen Glauben, dass es nur einen Gott gibt.“

Als Görmez sich äußerte, stand das Ergebnis des Referendums in der Schweiz noch nicht fest, doch ihn erboste wie viele Türken schon die Tatsache, daß es überhaupt stattgefunden hatte.

Über Religionsfreiheit könne nicht abgestimmt werden, hieß es oft.

„Wo immer sie leben und wohnen, sollten Muslime das Recht haben, ihre Moscheen zu bauen und Orte einzurichten, an denen sie in der Lage sind, ihre Gebete zu verrichten“,

so Görmez. Es sei traurig, daß dieses „Grundrecht“ in der Schweiz verletzt werde.

Von Ministerpräsident Erdogan lag zunächst kein Kommentar zu den Ereignissen in der Schweiz vor. Doch nur wer ihm böse Absichten unterstellt, wird in diesen Tagen daran erinnern, daß es in dem erwähnten Gedicht Ziya Gökalps über die Minarette als Bajonette auch eine Strophe gibt, die seltener zitiert wird:

„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind.“

via THEO VAN GOGH GESELLSCHAFT

Dass sich die Moslems ärgern, dass die Abstimmung in der Schweiz so ausgefallen ist, kann man ja nachvollziehen. Logisch ist es nicht, aber verständlich.

Aber dass so viele Leute – auch die EU, die UNO und viele Intellektuelle – davon reden, dass die Religionsfreiheit eingeschränkt wurde und einen demokratischen Vorgang nicht als solchen akzeptieren, sondern nur die Einschränkung sehen, die darin liegt – und die ja gar nicht so groß ist, denn ihren Glauben können die Moslems immer noch ohne Probleme ausüben – das erstaunt und entsetzt mich sehr.

Das ist das Eine. Das andere ist, dass die meisten anscheinend immer noch nicht begriffen haben, was das Ziel des Islams ist. Es ist keine Religion, sondern eine politische Bewegung. Die Minarette wären ein weiterer Meilenstein auf dem Weg gewesen, den der Islam in Europa gehen möchte.

Dass viele Politiker das nicht erkennen, ist sehr erstaunlich. Entweder sind sie blind oder sie haben Angst.

Man soll die Moslems ernst nehmen, ihnen zuhören und sie respektieren. Aber wenn sie uns so an der Nase herumführen und bei einem demokratischen Volksentscheid über Minarette von der Einschränkung der Religionsfreiheit reden und daraus schließen, dass Moslems in Europa nicht willkommen sind – dann ist Schluss. Gegen eine solche Vereinnahmung und Erzeugung eines schlechten Gewissens sollen sich alle anfangen zu wehren.

Iran verweigert Nuklearhandel

Irans Außenminister Manoshehr Mottaki hat den jüngsten UN-Plan zur Beilegung der Krise um das iranische Atomprogramm am Mittwoch endgültig beiseite geschoben. Dem Vorschlag der Vereinten Nationen zufolge hätte die Islamische Republik 70% ihres niedrig angereicherten Urans zur weiteren Verarbeitung nach Russland und Frankreich exportieren sollen.

„Wir werden unser 3.5-prozentig angereichertes Uran definitiv nicht außer Landes schicken“,

gab Mottaki nun bekannt.

Hinter dem Plan der UNO stand die Hoffnung, dem Iran durch den Uran-Transfer die Möglichkeit eines Atombombenbaus zu nehmen und ihn gleichzeitig mit Brennstäben auszustatten.

Yedioth Ahronot, 19.11.09

Unterdessen hat US-Präsident Barack Obama heute in Washington mitgeteilt, dass er begonnen habe, mit seinen Verbündeten über neue Sanktionen gegen den Iran zu sprechen. Damit reagiert Obama auf die gescheiterten Bemühungen des Westens, den Iran von seinem umstrittenen Atomprogramm abzubringen.

„Sie sind unfähig gewesen ja zu sagen, und infolgedessen haben wir Diskussionen mit unseren internationalen Partnern über die Notwendigkeit von Konsequenzen eingeleitet“,

sagte Obama auf einer Pressekonferenz mit Südkoreas Präsident Lee Myung-bak.

Haaretz, 19.11.09

Teheran spricht von Täuschung
Der Vorschlag, dessen Umsetzung unter der Obhut der Internationalen Atomenergieagentur stattfinden sollte, wurde von Washington, Moskau und Paris als Initiatoren sofort unterzeichnet, während Teheran die entsprechende Frist am Freitag vor drei Wochen verstreichen ließ. Aus der iranischen Hauptstadt hieß es zwischenzeitlich, der Westen wolle die Islamische Republik mit dieser Initiative täuschen. Entsprechend war in iranischen Medien wiederholt spekuliert worden, die 1,2 Tonnen des angereicherten Urans könnten nicht als Ganzes, sondern sozusagen in Raten an Russland ausgeliefert werden.

Alternativvorschlag aus der Türkei
In den vergangenen Tagen hatte der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu eine neue Möglichkeit angeboten. Falls Iran sich nicht mit Russland und Frankreich einigen könne, sei Ankara bereit und technisch in der Lage, niedrig angereichertes Uran aus dem Nachbarland treuhänderisch zu verwahren. Auch dies hatte Ahmadinejad gegrüßt, doch einige türkische Quellen meldeten, gewisse Kräfte in Teheran seien generell gegen die Ausfuhr von angereichertem Uran. Dies scheint jetzt die offizielle Linie Irans zu sein.

via tagesschau.de

Na, da sind wir mal gespannt, was Obama und der Rest so machen. Denn dass der Iran nicht auf die Angebote eingehen würde, sein Uran außer Landes zu bringen – das war keine Überraschung mehr.

Türkei verteidigt Baschir

Istanbul – Der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag mit Haftbefehl gesuchte sudanesische Präsident Omar al Baschir hat in letzter Minute eine Reise nach Istanbul abgesagt. Das meldete am Sonntagabend die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Zuvor hatte Ankara die Kritik von EU-Diplomaten an der Teilnahme Al Baschirs bei einem Gipfel der Organisation der Islamischen Konferenz OIC scharf zurückgewiesen.
Premier Tayyip Erdogan sagte am Sonntag, all jene, die von einem Völkermord in Darfur sprechen, wüssten nicht wovon sie reden.

„Ich habe Darfur gesehen, im Gegensatz zu denen, die ständig darüber reden“, sagte Erdogan. Weiter meinte er: „Es ist unmöglich, dass ein Mitglied der islamischen Welt, deren Teil wir sind, einen Völkermord begeht.“

Ist die Absage Kalkül oder zufälligen Umständen geschuldet? Aber ungeachtet dessen: Erdogan positioniert sich deutlich.
1. spricht er von der islamischen Welt, zu der die Türkei gehört und 2. stellt er seine politische Orientierung über die Wahrnehmung der Realität.
Oder wie soll man seine Weigerung, die Fakten in Darfur anzuerkennen, sonst verstehen?

Die GfbV stellt fest, dass das arabisch dominierte sudanesische Regime das Verbrechen des Völkermordes in Darfur begeht. Denn Karthum verletzt systematisch Artikel II der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes vom 9. Dezember 1948. Demnach bedeutet Völkermord eine der folgenden Handlungen, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören

(a) Tötung von Mitgliedern der Gruppe,
(b) Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe und
(c) vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen.
(d) Für diese drei Handlungen ist das sudanesische Regime verantwortlich.

via Gesellschaft für bedrohte Völker gfbv.de

Türkei empfängt mit Haftbefehl gesuchten Völkermörder

Am 4. März 2009 erließ der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Staatschef Omar Al Bashir. Ihm werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt (Mord, Völkermord, Vertreibung, Folter, Vergewaltigung, vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten und Plünderung). Schätzungen gehen von mindestens 300.000 Opfern des Völkermordes aus und von etwa 2 Millionen Vertriebenen. Dafur ist eine Katastrophe von epischen Proportionen, “würdig” eines Hitler, Stalin, Mao.

Das Bashir von der Arabischen Liga trotzdem mit viel Hallo empfangen wird, wenn sich diese ehrenwerte Gesellschaft zu Gipfeln trifft, ist angesichts von deren Zusammensetzung aus Prinzen, Königen und autoritären Staatschefs nicht weiter verwunderlich.

Jetzt gliedert sich das NATO-Mitglied Türkei in diese Reihe ein. Die Türkei beabsichtigt, den Völkermörder in der nächsten Woche in Instanbul anlässlich eines Treffens der Organisation der Islamischen Konferenz zu empfangen.

Die Aufforderung der EU an die Türkei, den Besuch zu überdenken, dürfte folgenlos bleiben.

Beim Verfassen dieses Textes, am Nachmittag des 6.11., findet sich in den deutschen Medien (so man „bashir türkei“ googelt) kein einziger Hinweis auf den anstehenden Besuch oder die diplomatische Reaktion der EU.

Die Türkei hat erhebliche wirtschaftliche Interessen im Sudan. Eine türkische Firma baut in der Hauptstadt Karthoum  den höchsten Wolkenkratzer, eine andere bewirbt sich um den Milliardenauftrag zum  Neubau des dortigen internationalen Flugplatzes, eine dritte beschäftigt über tausend Angestellte, die Uniformen für die sudanesische Armee herstellen. Damit es adrett zum Völkermord geht.

Die Türkei, die erst kürzlich gemeinsame Manöver mit Israel abgesagt hat, die früher ein verlässlicher pro-westlicher Partner war, ist auf dem Wege zum Vollmitglied der Achse Iran-Syrien.

via Joachim Nikolaus Steinhöfel

Deutlicher kann die Türkei nicht zeigen, dass es ihr bei ihren Absagen des gemeinsamen Manövers mit Israel und anderen ablehnenden Einstellungen gegenüber Israel nicht um die angeblichen israelischen Kriegsverbrechen geht, die von ihr als Begründung vorgeschoben werden. Wäre das der wahre Grund, müsste Bashir hochkant rausgeschmissen werden.

Nein, der letzte Satz von Joachim Steinhöfel scheint leider richtig zu sein: Ein sich-Eingliedern in eine neue politische Richtung, ein neues Lager. In diesem Lager wird Israel nicht wegen dem gehasst, was es tut, sondern dafür, dass es da ist.

Besonders motivierte Gutmenschen werden jetzt sagen: Die EU hat die Türkei in die Arme der arabisch-islamischen Staaten getrieben. Es sei also mal wieder der Westen Schuld an dem, was andere falsch machen.

Das ist Quatsch. Nur weil man sich nicht bis zur Selbstaufgabe türkischen Forderungen und Ansichten gebeugt hat, hat man noch lange keinen so schwerem Fehler gemacht. Es wurden sicherlich Fehler gemacht, aber die dürfen nicht zur Rechtfertigung der türkischen Richtungsänderung herhalten.

Diese Entscheidung trifft die Türkei ganz alleine. Freiwillig. Selbstständig.

Die Türkei: Kein Verbündeter mehr

Englischer Originaltext: Turkey: An Ally No More
Übersetzung: H. Eiteneier

Die Außenminister der Türkei und Syriens trafen sich im Oktober 2009 in Aleppo.
„Es gibt keinen Zweifel daran, dass er unser Freund ist“, sagt der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan über Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, selbst wenn dieser Israels Außenminister Avigdor Lieberman beschuldigt, er drohe damit Atomwaffen gegen den Gazastreifen einzusetzen. Diese empörende Behauptung deutet auf den grundlegenden Orientierungswandel der türkischen Regierung hin, die sechs Jahrzehnte lang der engste muslimische Verbündete des Westens war. Erdoğans AKP kam 2002 an die Macht.

Drei Ereignisse des zu Ende gehenden Monats decken das Ausmaß dieses Wandels auf. Zuerst kam am 11. Oktober die Nachricht, dass das türkische Militär – lange Zeit Bastion des Säkularismus und Vertreter der Zusammenarbeit mit Israel – abrupt die israelischen Streitkräfte aufforderte, nicht an der jährlichen Luftwaffenübung „Anatolischer Adler“ teilzunehmen.

Erdoğan nannte „diplomatische Befindlichkeiten“ für die Streichung; Außenminister Ahmet Davutoğlu sprach von „Sensibilität in Sachen Gazastreifen, Ostjerusalem und Al Aqsa-Moschee“. Die Türken lehnten besonders israelische Flugzeuge ab, die während der Operation im Gazastreifen im letzten Winter die Hamas (eine islamistische Terror-Organisation) angegriffen haben könnten. Während Damaskus der Ausladung Applaus spendete, veranlasste sie die Regierungen der USA und Italiens ihre Streitkräfte aus Anatolischer Adler zurückzuziehen, was dann bedeutete, dass die gesamte internationale Übung ausfiel.

Was die Israelis angeht, erschütterte dieser „plötzliche und unerwartete“ Wechsel ihre militärische Koordination mit der Türkei, die seit 1996 in Kraft war, bis ins Mark. Der ehemalige Luftwaffen-Chef Eytan Ben-Eliyahu zum Beispiel nannte die Streichung „eine ernstlich Sorgen bereitende Entwicklung“. Jerusalem antwortete sofort mit einer Überprüfung der israelischen Praxis der Lieferung fortschrittlicher Waffen an die Türkei, wie dem kürzlich erfolgten $140 Millionen-Verkauf von Zielgeräten an die türkische Luftwaffe. Es kam auch die Idee auf, die Hilfe für die Türken bei der Abwehr von Resolutionen zum Völkermord an den Armeniern einzustellen; solche werden regelmäßig in den US-Kongress eingebracht.

Minister der Regierungen der Türkei und Syriens trafen sich am 13. Oktober in der Grenzstadt Öncüpınar und öffneten symbolisch die Schranke, die die beiden Länder trennt.

Barry Rubin vom Interdisciplinary Center in Herzliya vertritt nicht nur die Meinung, dass „das israelisch-türkische Bündnis tot“ ist, sondern schlussfolgert, dass die türkischen Streitkräfte nicht länger die säkulare Republik schützen und nicht länger intervenieren können, wenn die Regierung zu islamistisch wird.

Das zweite Ereignis fand ein paar Tage später statt. Am 13. Oktober verkündete Syriens Außenminister Walid al-Moallem, dass türkische und syrische Streitkräfte gerade „ein Manöver in der Nähe Ankaras durchgeführt“ hatten. Moallem nannte das zu Recht eine wichtige Entwicklung, „denn sie widerlegt Berichte über schlechte Beziehungen zwischen dem Militär und politischen Institutionen in der Türkei in Sachen strategischer Beziehungen mit Syrien“. Übersetzung: Die Streitkräfte der Türkei haben gegen die türkischen Politiker den Kürzeren gezogen.

Drittens schlossen sich zehn türkische Minister, angeführt von Davutoğlu, am 13. Oktober ihren syrischen Kollegen zu Gesprächen unter der Schirmherrschaft des gerade gegründeten „Türkisch-syrischen Strategischen Kooperationsrat auf hoher Ebene“ an. Die Minister verkündeten, sie hätten fast 40 Vereinbarungen unterzeichnet, die innerhalb von 10 Tagen umgesetzt werden sollten; dass „eine umfassendere“ gemeinsame militärische Übung an Land stattfinden sollte, die größer sein wird als die vom April; und dass die Führer der beiden Länder im November eine strategische Vereinbarung unterzeichnen werden.

Die gemeinsame Schlusserklärung des Rates kündigte die Formierung einer „langfristigen strategischen Partnerschaft“ zwischen den beiden Staaten an, „um ihre Zusammenarbeit in einem weiten Spektrum von Fragen zu gemeinsamem Nutzen und Interessen zu verstärken und auszudehnen sowie das kulturelle Band und die Solidarität zwischen den Völkern zu stärken“. Der Geist des Treffens, erklärte Davutoğlu, „sind gemeinsames Schicksal, Geschichte und Zukunft; wir werden gemeinsam die Zukunft bauen“. Moallem nannte die Zusammenkunft ein „Fest zur Feier“ der beiden Völker.

Die bilateralen Beziehungen haben sich tatsächlich im Vergleich zu denen ein Jahrzehnt früher dramatisch umgekehrt; damals stand Ankara gefährlich nahe vor einem Krieg mit Syrien. Doch die verbesserten Beziehungen zu Damaskus sind nur ein Teil weit größerer Anstrengungen Ankaras, die Beziehungen zu regionalen und muslimischen Staaten zu verbessern; diese Strategie formulierte Davutoğlu in seinem einflussreichen Buck aus dem Jahr 2000, Stratejik derinlik: Türkiye’nin uluslararası konumu (Strategische Tiefe: Die internationale Stellung der Türkei).

Kurz gesagt, stellt sich Davutoğlu weniger Konflikte mit den Nachbarn und die Türkei als Regionalmacht vor, einer Art modernisiertem Ottomanischen Reich. Diese Strategie impliziert eine Distanzierung der Türkei vom Westen im Allgemeinen und Israel im Besonderen. Obwohl nicht in islamistischen Begriffen dargestellt, passt „strategische Tiefe“ genau in die islamistische Weltsicht der AKP.

Barry Rubin vermerkt hierzu:

„Die türkische Regierung befindet sich politisch näher am Iran und Syrien als an den USA und Israel.“

Caroline Glick, Kolumnistin der Jerusalem Post, geht weiter: Ankara habe bereits „die westliche Allianz verlassen und wurde zu einem vollen Mitglied der iranischen Achse.“ Aber die offiziellen Kreise im Westen scheinen diese folgenschwere Veränderung in der Loyalität der Türkei oder ihren Folgen gegenüber gar nicht wahrzunehmen.

Die Kosten dieses Fehlers wird man bald klar zu sehen bekommen.

via German Media Watch/Daniel Pipes

Der Weg der Türkei (Update)

Von einem Freund Israels und einem laizistischen Staat mit einer Vermittlerrolle zwischen Ost und West zu einem islamischen Staat, der lieber ehemalige Feinde hofiert:

von Ulrich W. Sahm

Zwischen Israel und der Türkei, einst „strategische Partner“ im Nahen Osten, schwelt eine schwere Beziehungskrise. Der Beschluss Ankaras, Israel nicht am großen NATO-Manöver „Anatolische Adler“ zu beteiligen, überraschte die Israelis. „Wir können nicht zulassen, dass israelische Kampfflugzeuge, die im Gazastreifen Palästinenser angegriffen haben, in unserem Himmel herumfliegen“, hieß es zur Begründung. Seit dem Jahr 2000 beteiligt sich Israel an der zweiwöchigen Übung mit Kampfflugzeugen und Hubschraubern, zusammen mit Amerikanern und anderen NATO-Truppen. Die Amerikaner waren über den Schritt der Türkei laut Presseberichten „wenig erfreut“ und stornierten ihre Beteiligung an dem Manöver.

Zwischen Israel und der Türkei gibt es schon seit sechzig Jahren enge Kontakte und viele gemeinsame Interessen. So war die Türkei bis zum Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten 1982 das einzige muslimische Land mit diplomatischen Beziehungen zu Israel. Für den südöstlichen NATO-Partner war das ein Druckmittel auf die Europäer, einem EU-Beitritt der Türkei zuzustimmen. Und während die Türkei an der Militärindustrie Israels Aufträge im Wert von Milliarden Dollar erteilte, um seine Panzer und Kampfflugzeuge mit modernster Elektronik ausstatten zu lassen, durften israelische Kampfpiloten über den endlosen Weiten Anatoliens den Luftkrieg üben. Im engen Israel ist das kaum möglich, da die schnellen Kampfjets innerhalb von Sekunden an irgendwelche Landesgrenzen stoßen.
Türkei, Israel und Syrien

Die geostrategische Lage beider Länder förderte die Annäherung. Vor einigen Jahren drohte Ankara den Syrern mit Krieg, als sich herausstellte, dass PKK-Chef Abdullah Öcalan in Syrien Asyl gefunden hatte. Wohl mit israelischer Hilfe wurde der Staatsfeind Nr. 1 der Türkei schließlich in Nairobi verhaftet und an die Türkei ausgeliefert. Zwischen der Türkei und Syrien bestehen auch territoriale Differenzen. Damaskus beansprucht für sich die überwiegend von Arabern bewohnte südtürkische Provinz Antakya. Türkische Staudämme „stehlen“ zudem den Syrern kostbares Wasser. Während des ersten Irakkriegs starteten amerikanische Kampfflugzeuge in Incirlik zu Angriffen im Irak. Im Gegenzug durften die Türken im Nordirak ungestraft gegen die Kurden vorgehen. Die Türkei im Norden und Israel im Süden umklammerten politisch wie militärisch gemeinsame Feinde, darunter Syrien, Irak und Iran. Vermutlich flogen israelische Kampfflugzeuge im vergangenen September durch den Süden der Türkei, auf dem Weg zur Bombardierung einer geheimen Atomanlage im Nordosten Syriens. In Presseberichten wurde schon spekuliert, dass Israel von der Türkei aus einen Präventivschlag gegen Atom-Anlagen im Iran fliegen könnte.
Israelische Soforthilfe

Millionen Israelis füllten an Wochenenden die Hotels in Antalya und wurden zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor. Unvergessen ist die israelische Soforthilfe nach einem Erdbeben 1999. Um die guten Beziehungen mit Ankara zu pflegen, war Israel das einzige westliche Land, das von Staatswegen keine Erwähnung des Armenier-Genozids duldete, obgleich es in Jerusalem eine große armenische Gemeinde mit Überlebenden jenes „Holocaust“ von 1915 gibt.

Unter Recep Tayyip Erdogan vollbrachte die Türkei einen Kurswechsel. 2003 verbot die Türkei den Amerikanern, von Incirlik aus den Irak anzugreifen. Ankara will eine islamische Hegemonialmacht und nähert sich Syrien an. Im vergangenen Sommer vermittelte die Türkei erfolglos zwischen Jerusalem und Damaskus. Die Türkei war zudem das erste nicht-arabische Land mit Kontakten zur Hamas im Gazastreifen, also mit einer „Terrororganisation“ aus israelischer Sicht. Während des Gazakriegs bezog die Türkei Stellung gegen Israel und am 30. Januar 2009 kam es zu einem peinlichen Eklat in Davos, wo Erdogan den israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres öffentlich beschimpfte.
Hetze gegen Israel

Erdogan hetzt weiter gegen Israel. Laut der Zeitung Milliyet wollte er mit der Ausladung Israels gute Stimmung vor seinem geplanten Besuch im Iran machen. Zudem schickt Ankara am Dienstag zehn Minister zu „strategischen Gesprächen auf höchster Ebene“ nach Damaskus. Gleichwohl versuchte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu in einem Interview bei CNN die Krise mit Israel zu entschärfen: Die Absage an die israelische Luftwaffe habe keine „politische“ Bedeutung und hänge nur mit der Lage im Gazastreifen zusammen.

Israel reagiert derweil sehr bedeckt, um keine Türen zuzuschlagen. „Die Türkei bleibt ein wichtiger Faktor“, sagte Verteidigungsminister Ehud Barak. Gleichwohl wurde in Jerusalem schon darüber nachgedacht, den armenischen Genozid offiziell anzuerkennen und Bestellungen des türkischen Militärs bei der israelischen Rüstungsindustrie „genau zu überprüfen“.

[…] Das israelische Fernsehen zeigte am Mittwochabend Auszüge der Serie „Ayrilik“ (Trennung), die in dieser Woche in der Türkei gezeigt wurde. Der Untertitel lautet „Palästina in Liebe und Krieg“. Es war zum Beispiel eine Szene zu sehen, in der ein als israelischer Soldat verkleideter Schauspieler ein lächelndes junges Mädchen erschießt. Der israelische Soldatensender berichtete, die Sendung über eine palästinensische Familie sei am Dienstag auf dem türkischen Sender TRT-1 ausgestrahlt worden. Dabei sei auch gezeigt worden, wie israelische Soldaten ein neugeborenes Kind getötet hätten. Eine andere Szene zeigt in Zeitlupe die Kugel eines Soldaten, die mit voller Wucht einen kleinen Palästinenser trifft.  […]

via SPon

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat eine einfache Erklärung dafür, dass sich die Außenpolitik seines Landes in jüngster Zeit auf Konfrontationskurs mit Israel befindet: „Der Wille des Volkes“ bestimme diese Politik. Das war die bisher klarste Aussage zum Paradigmenwechsel der türkischen Politik, die bisher in Bezug auf Israel vom Militär geprägt wurde und die die Türkei als einziges muslimisches Land eine „strategische Partnerschaft“ mit Israel eingehen ließ. Inzwischen zeichnet sich aber immer deutlicher ab, dass Syrien den Part Israels in dieser strategischen Allianz übernehmen wird.

Man habe sich zum Sprachrohr des Volkswillens gemacht, als die Regierung Israel von einem Luftmanöver in dieser Woche ausschloss. Zuvor hatte das Außenministerium betont, die Entscheidung, Israel auszuschließen, sei „nicht politisch“ motiviert gewesen. Das Volk wusste zwar kaum etwas von dem geplanten Manöver und hatte daher vermutlich keinen Willen diesbezüglich, aber Erdogans Äußerung wirft die Frage auf, ob die Türkei in absehbarer Zeit überhaupt noch als einziger islamischer Verbündeter Israels gelten wird.

Der Volkswille äußert sich auch in den Bestsellerlisten, wo Adolf Hitlers „Mein Kampf“ Spitzenplätze einnahm, bis das Buch aus rechtlichen Gründen vom Markt verschwand. Piratenkopien verkaufen sich noch immer. Erdogans Betonung des Volkswillens lässt es denkbar erscheinen, dass die Haltung der Türkei zu Israel sich nach und nach der Haltung anderer islamischer Länder anpassen könnte. […]

via welt.de

Der Feind unter uns: Intoleranz in der Türkei

Eine Umfrage eines türkischen Instituts belegt religiöse Intoleranz in der Türkei. Die Ergebnisse erschüttern das rosige Selbstbild der Türkei als Land des harmonischen Miteinanders der Kulturen. Die Regierung zeigt sich geschockt.

Von Susanne Güsten – Tagesspiegel – Berlin – 2.10.2009

Istanbul –  Plötzlich waren die Zeichen da. Vor wenigen Wochen malten Unbekannte in mehreren Bezirken der türkischen Metropole Istanbul rote, gelbe und grüne Farbkleckse an bestimmte Wohnhäuser – Häuser, in denen armenische und griechische Christen leben. Die Bewohner bekamen es mit der Angst zu tun, denn viele erinnern sich noch an anti-christliche Pogrome in Istanbul in den fünziger Jahren. Nicht-Muslime in der Türkei fühlen sich offenbar nicht zu Unrecht durch radikale Nationalisten bedroht: Wie weit verbreitet die Intoleranz im Land ist, hat jetzt hat eine seriöse Umfrage belegt.

Nach der von der EU unterstützten Umfrage eines türkischen Instituts im Auftrag der jüdischen Gemeinde in der Türkei lehnen

  • 42 Prozent der Türken einen Juden als Nachbarn ab,
  • 35 Prozent wollen nebenan keinen Christen sehen.

Bei Ausländern als Nachbarn liegt die Ablehnungsrate

  • bei knapp 20 Prozent,
  • bei Atheisten bei 57 Prozent.

Viele Türken wollen zudem nicht, dass

  • Angehörige nicht-muslimischer Minderheiten einen Platz im Staatsapparat finden;
  • selbst nicht-muslimische Ärzte erregen Argwohn.
  • Nur sieben bis zehn Prozent der Teilnehmer sagten, sie hätten nicht-muslimische Freunde.

Wie sehr diese Ansichten durch die Vorstellung vom „Feind im Innern“ geprägt sind, zeigen andere Ergebnisse der Studie. Türken jüdischen oder christlichen Glaubens wurden nur von 15 Prozent der Befragten als loyale Staatsbürger eingestuft. Nicht-Muslime gelten zudem als weit weniger vertrauenswürdig als Muslime. Der Anteil der nicht-muslimischen Minderheiten – unter ein Prozent der Gesamtbevölkerung – wurde von vielen Befragten auf bis zu 30 Prozent geschätzt: auch das ein klares Anzeichen für existierende Feindbilder.

Selbst die Regierung zeigte sich geschockt von den Resultaten. „Erschreckend“ seien die Antworten, sagte Vize-Premier Bülent Arinc. Die Türkei zeichne sich doch durch das Zusammenleben verschiedener Kulturen aus.

Arinc selbst verwies aber gleichzeitig darauf, daß nicht nur die Nicht-Muslime unter Intoleranz zu leiden hätten, sondern auch die türkischen Kurden. Erst am vergangenen Wochenende wurden Spieler und Anhänger des Fußballclubs Diyarbakirspor aus dem Kurdengebiet bei einem Auswärtsspiel im nordwesttürkischen Bursa von den dortigen Fans als Separatisten beschimpft, die vertrieben werden müßten. Die Vereinsleitung von Diyarbakirspor drohte daraufhin mit einem Rückzug aus der ersten türkischen Liga, denn es war bei weitem nicht der erste Zwischenfall dieser Art.

Hier geht die Saat der jahrzehntelangen Propaganda vom unteilbaren Staat auf. Lange wurde kulturelle oder religiöse Vielfalt als potenzielle Bedrohung für die Einheit der Republik verstanden. Erst seit wenigen Monaten denkt die Regierung in Ankara laut über demokratische Reformen nach, die insbesondere den Kurden das Leben erleichtern und zur friedlichen Beilegung des Kurdenkonflikts beitragen sollen. Die Opposition verdammt geplante Reformschritte wie die Zulassung kurdischer Ortsnamen als Landesverrat.

Die türkische Bildungspolitk spielt ebenfalls eine große Rolle. Armenier und Griechen werden als Feinde dargestellt, doch der normale muslimische Türke erfährt kaum etwas über diese Minderheiten: Drei von vier Befragten gaben in der neuen Umfrage offen zu, daß sie nichts über Juden, Armenier oder Griechen wüßten – kein Wunder, daß nicht-muslimische Gruppen vielen als verdächtig erscheinen.

Mit solchen Ansichten könnten sich die Türken kaum über die angebliche Türken-Feindlichkeit in Europa beschweren, kommtentierte der Kolumnist Semih Idiz.

„Man ist intolerant und erwartet gleichzeitig von anderen Toleranz.“ Wer Zuneigung und Toleranz einfordere, müsse diese Eigenschaften auch selbst an den Tag legen. Er sehe allerdings keine Anzeichen für eine solch positive Entwicklung, schrieb Idiz.

„Die Entwicklung zeigt vielmehr, daß die Dinge immer schlimmer werden.“

Und aus IDEA:

In der Türkei bleibt die Lage der Christen trotz angekündigter Verbesserungen für religiöse Minderheiten bedrohlich. Diese Einschätzung äußert die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach.

Sie fordert die Europäische Union auf, darauf zu reagieren, dass religiöse Minderheiten, insbesondere Christen, in der Türkei keine wirkliche Religionsfreiheit genössen. Anlass sind Meldungen in türkischen Medien, wonach die Polizei Christen bespitzeln lässt.

Aus dem in der Presse zitierten türkischen Ermittlungsdossier geht hervor, dass zu den Ausgespähten auch die drei evangelikalen Mitarbeiter eines christlichen Verlags gehören, die vor zweieinhalb Jahren in der osttürkischen Stadt Malatya auf bestialische Weise umgebracht wurden. Am 18. April 2007 hatten mutmaßlich muslimische Extremisten den Deutschen Tilmann Geske sowie die Türken Necati Aydin und Ugur Yuksel gefesselt und gefoltert, bevor sie ihnen die Kehlen durchschnitten. In dem bereits zwei Jahre dauernden Strafprozess sind fünf junge Türken angeklagt.

Die CDU-Politikerin weist darauf hin, dass Christen Ende des 19. Jahrhunderts noch mehr als ein Viertel der Bevölkerung auf dem Gebiet der heutigen Türkei stellten. Heute machten sie mit etwa 120.000 Angehörigen weniger als 0,2 Prozent der 72 Millionen Einwohner aus. Über 95 Prozent sind Muslime. Deshalb sei es völlig unverständlich, so Steinbach, dass die türkischen Christen von vielen Landsleuten als Ausländer und Feinde der Nation angesehen würden.

via idea.de

Doppelmoral

Die Vereinten Nationen müssen die USA mit dem gleichen Maß messen wie Israel
Kommentar von Ari Shavit, Haaretz, 17.09.2009

Englische Version: http://www.haaretz.com/hasen/spages/1115242.html
Hebräische Version: http://www.haaretz.co.il/hasite/spages/1115179.html

Vor etwa zwei Wochen feuerten amerikanische Flugzeuge Bomben auf zwei Tanklastzüge in Nordafghanistan. Ein deutscher Offizier hatte die US-Luftwaffe gebeten, die Tanklastzüge mitten in der Nacht in einer bevölkerungsdichten Gegend anzugreifen. Der Angriff verlief erfolgreich  – die beiden Tanklastzüge wurden getroffen, gingen in Flammen auf und wurden zerstört. Doch bei der amerikanisch-deutschen Luftoffensive wurden auch etwa 70 Menschen getötet. Und einige der Überlebenden, die in Krankenhäuser eingeliefert wurden, wiesen schwere Verletzungen auf: verstümmelte Gesichter, verbrannte Hände und verkohlte Körperteile.

Bis heute ist nicht klar, ob die meisten der verbrannten Toten Taliban-Krieger waren, wie die NATO zunächst behauptete, oder ob es unschuldige Zivilisten waren, die bei den Tanklastzügen einfach etwas Öl für zu Hause holen wollten. Wie auch immer, es ist klar, dass die Vereinigten Staaten und Deutschland verantwortlich für einen sehr brutalen Angriff sind. Großbritannien, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Belgien und Norwegen tragen als NATO-Mitglieder ebenfalls Verantwortung für das Massaker.

Wenn sich die internationale Gemeinschaft dem internationalen Gesetz und allgemein gültiger Moral  – die keine diskriminierende Unterscheidung bei Tötungsarten vornimmt- verpflichtet fühlt, dann sollte sie diesen verbrecherischen Angriff untersuchen. Wenn die Vereinigten Staaten, Deutschland und die NATO sich weigern, mit den Ermittlern zu kooperieren, sollte die UNO in Betracht ziehen, den Fall vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen. Am Ende des Prozesses könnte es nötig sein, den US-amerikanischen Präsidenten Obama, die deutsche Kanzlerin Merkel und die Staatsoberhäupter von Großbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Belgien und Norwegen wegen schwerer Kriegsverbrechen anzuklagen, weil bei dem Angriff nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten unterschieden wurde.

Obama würde wohl der Hauptangeklagte in diesem Fall sein. Denn er glaubte, dass der Krieg in Afghanistan nötig sei und er verstärkte ihn noch. Als Oberbefehlshaber über die US-amerikanischen Streitkräfte trägt er direkte Verantwortung nicht nur für die Toten, die durch den Luftangriff auf die Tanklastzüge starben, sondern auch für viele andere unschuldige afghanische Zivilisten, die starben.

Wenn es so etwas wie eine internationale Gemeinschaft, internationales Gesetz und allgemein gültige Moral gibt, muss man ernsthaft in Betracht ziehen, Obama auf Grund seiner Verantwortung bei der Ausübung von schweren Kriegsverbrechen vor Gericht zu stellen.

Absurd? Ja, es ist absurd. Kein vernünftiger Mensch auf dieser Welt glaubt, dass sich die Vereinigten Staaten, Russland oder China dem puristischen internationalen Gesetz beugen könnten. Die Vereinigten Staaten haben Tausende von unschuldigen Zivilisten im Irak und in Afghanistan getötet und in den vergangenen Monaten Pakistan darin bestärkt, äußerst brutale Militärangriffe im pakistanischen Verwaltungsdistrikt Swat vorzunehmen. Die Vereinigten Staaten mussten dafür keine Rechenschaft ablegen, denn jeder versteht, dass dies der Preis ist, den man für den schrecklichen Krieg gegen den Terror bezahlen muss.

Russland beging grauenerregende Kriegsverbrechen in Tschetschenien und China nimmt seinen Bürgern die Grundrechte und besetzt Tibet auf üble Weise. Diese Länder müssen nicht für ihre Taten bezahlen, denn jeder versteht, dass man sich besser nicht mit Supermächten anlegt.

Doch nicht nur Supermächte sind immun. Saudi-Arabien praktiziert eine offene, erklärte Diskriminierungspolitik gegen Frauen. Doch die internationale Gemeinschaft sieht es nicht. Sri Lanka schlägt die Nationalbewegung der Tamilen nieder und verursacht entsetzliche humanitäre Katastrophen. Doch die internationale Gemeinschaft hört es nicht. Die Türkei unterdrückt brutal die kurdische Minderheit. Doch die internationale Gemeinschaft sagt nichts dazu.

Nur wenn es sich um Israel handelt, entdeckt die internationale Justiz plötzlich, dass sie Zähne hat. Nur wenn Israel involviert ist, wird das Urteil aus dem Zusammenhang gerissen vollstreckt. Nur von Israel wird verlangt, die moralischen Standards hochzuhalten, die keine Supermacht und kein anderer Staat im Nahen Osten hochhalten muss.

Im Verlauf der Militäroffensive im Gazastreifen hat Israel übertriebene Militärgewalt angewandt. Und dies darf nicht wieder geschehen. Ernsthafte Vorfälle geschahen während der Operation. Diese müssen untersucht werden.

Doch die Untersuchung muss von uns und unter uns durchgeführt werden. So lange Richter Richard Goldstone nicht die Taten der Vereinigten Staaten, Russlands, Chinas, Saudi Arabiens, Sri Lankas oder die Türkei eingehend untersucht, sondern nur diejenigen Israels, ist er keine moralische Person.

Ein Gesetz ist nur ein Gesetz, wenn es für jedermann gilt. Es darf nicht diskriminierend angewandt werden, wie Goldstone es tat.

via heplev

Persönlich möchte ich dazu noch anmerken, dass man die Empörung Israels über den Goldstone-Bericht nur verstehen kann, wenn man 2 Voraussetzungen begreift:

  1. Die Hamas ist eine Terrorbewegung und für die Erreichung ihrer Ziele ist der Hamas alles recht.
  2. Israel ist ein demokratischer Rechtsstaat.

Wer diese beiden Tatsachen anzweifelt oder schlicht als Lüge bezeichnet, der lebt an der Wahrheit vorbei – und zwar kilometerweit.

Woher kommt der Terror?

Eine sicherlich sehr harte Sichtweise, ist doch klar, dass viele Moslems mit Terror nichts am Hut haben. Aber was heißt es, ein Moslem zu sein? „Sich Gott unterwerfen“. Und damit das tun, was im Koran und in den Hadithen steht, denn da hat Allah für die Moslems seinen Willen offenbart. Und da stehen all die Dinge drin, die unten ausgeführt werden.

Und wenn das die Moslems endlich einmal zugegeben könnten und sich nicht in ihrer Opferrolle suhlen würden, würden manches leichter werden – für alle.

Von Zafer Senocak 29. Dezember 2007

Auch wenn die meisten Muslime es nicht wahrhaben wollen, der Terror kommt aus dem Herzen des Islam, er kommt direkt aus dem Koran. Er richtet sich gegen alle, die nicht nach den Regeln des Koran leben und handeln, also gegen Demokraten, abendländisch inspirierte Denker und Wissenschaftler, gegen Agnostiker und Atheisten. Und er richtet sich vor allem gegen Frauen. Er ist Handwerk des männerbündischen Islam, der mit aller Macht verhindern möchte, dass Frauen gleichberechtigt werden und ihre Jahrhunderte lange Unterjochung ein Ende findet.

Dem wahren Gesicht des Islam begegnet man nicht auf der deutschen Islamkonferenz. Man begegnet ihm in Ländern wie Pakistan. Dieser Islam hat einen Weltkrieg angefangen. Doch die Welt tut so, als wüsste sie immer noch nichts davon. Für viele Zeitgenossen schlagen weit hinten in der Türkei, die Völker aufeinander ein. Es gibt in unserer vernetzten Welt aber kein „weit hinten“ mehr. Sondern nur noch ein „draußen vor
der Tür“. Der Totalitarismus der Taliban und der muslimischen Terrorzellen ist wahrscheinlich schlimmer als der Faschismus, denn er ist nicht das Ergebnis eines Zivilisationsprozesses. Er entsteht in einem Raum, in dem nichts mehr an zivilisatorischen Fortschritt erinnert.

Es wäre die Aufgabe jener Muslime, die in ihrer Religion mehr sehen als einen Entwurf für Barbarei. Sie müssen gegen die Barbaren aus den eigenen Reihen entschlossen und mit entschiedener Härte vorgehen. Doch sie tun es, wenn überhaupt, dann nur halbherzig. Der Islam habe mit Terror nichts zu tun, meint der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Andere politische Machthaber überbieten sich nach jedem Terrorakt im Verfassen von Beileidstelegrammen. Geradezu grotesk ist die Situation in Saudi-Arabien. Das Königreich zittert vor den Terroristen, die es selber in die Welt gesetzt hat.

Die Muslime auf der ganzen Welt stehen heute auf dem Prüfstand. Sie bezahlen für die Versäumnisse vorangegangener Generationen. Der geistige Verfall und die Unfähigkeit mit der Moderne zu kommunizieren haben zum erbärmlichen Jetztzustand geführt. Die Stunde erfordert ein aufeinander abgestimmtes Handeln aller vernünftigen Kräfte. Der Terror hat sich global vernetzt. Die Gegenkräfte aber sind träge oder blockieren sich gegenseitig. Der gesunde Menschenverstand in der islamischen Welt müsste sich gegen den verblendeten Hass der Fanatiker auflehnen. Doch der Hass greift immer mehr auf die Massen über. Schlimmer noch: mancher illegitime Herrscher verbündet sich mit dem Hass, um seinen Thron zu sichern. Dabei üben sich die meisten Muslime weiterhin nur in Rhetorik. Der entscheidenden Frage, ob aus ihrer Religion eine Zivilisation erwachsen kann, weichen sie aus.

Die freie Welt ist paralysiert
Dieses Verhalten hat sicherlich psychologische Ursachen. Man fühlt sich dem Westen gegenüber unterlegen, gedemütigt und verraten. Doch die politischen Konsequenzen dieser Psychose sind verheerend. Sie spielen jenen Kräften in die Hände, die den Terror anfachen, um das Chaos in der islamischen Welt zu vergrößern. Die Gewaltspirale spielt jenen Kräften in die Hände, die den Terror anfachen und verhindert vor allem eines: die Etablierung demokratischer, rechtstaatlicher Systeme. Armut und Korruption dagegen finden optimale Bedingungen um zu Gedeihen. Ein Teufelskreis. Dieser Teufelskreis müsste gebrochen werden, durch das Engagement der freien Welt und durch militärisches Engagement, weil es anders nicht geht. Wer in Afghanistan die Taliban bekämpft, kann nicht so tun, als ginge ihn Pakistan nichts an. […]

Die freie Welt aber schaut wie paralysiert zu. Viel Häme gab und gibt es in Europa, was die amerikanische Irak-Politik anbelangt. Wenn es um Kritik geht, können die Europäer von niemandem übertroffen werden. An eigenen Ideen und Politikkonzepten aber fehlt es. Europäische Politik gegenüber dem muslimischen Terror erschöpft sich in der Demontage jeglichen effektiven Handelns. Verhandeln wollen einige, mit Hamas, mit Taliban. Atomreaktoren an Gaddafi, dem saudischen König wird der rote Teppich ausgerollt. Schließlich geht es um Petrodollars. Der Westen merkt gar nicht, wie sehr er sich selbst auflöst. Die Islamterroristen erringen einen Sieg nach der anderen. Benazir Bhutto war nicht das letzte Opfer einer verfehlten Appeasement -Politik gegenüber dem radikalen Islam.

Der Berliner Autor Zafer Senocak, 1961 in der Türkei geboren, lebt seit 1970 in Deutschland. Zuletzt erschien von ihm: „Das Land hinter den Buchstaben. Deutschland und der Islam im Umbruch“, Babel-Verlag, München 2006.

Türkei: Häuser von Christen farblich markiert

In Istanbul sind Häuser von Christen offenbar mit farbigen Plaketten markiert worden. Innenminister Besir Atalay soll sich nun nach einer parlamentarischen Anfrage dazu äußern, melden türkische Medien. In den Stadtvierteln Feriköy und Kurtulus wurden demnach Häuser mit grünen und roten Schildern gekennzeichnet. Sie sollen offenbar auf armenische und griechische Bewohner hinweisen. Die Etikettierung der Häuser falle mit Klagen christlicher Anwohner über vermehrte Belästigungen zusammen, hieß es.

Müssen sie demnächst auch einen gelben Stern tragen?
Man kann nur den Kopf schütteln und sich die Motive für diese Vorgehensweise selber zusammenreimen.
Z.B.

  • Christenfeindlichkeit
  • Radikalisierung
  • Kontrollsucht
  • Islamisierung
  • „Fremden“-Hass

Fallen jemanden noch andere Dinge ein?

Was ist die Scharia und was hat sie mit uns zu tun?

Interview mit Christine Schirrmacher aus Anlass des Erscheinens ihres Buches in der Reihe „Hänssler kurz und bündig“

BQ (Bonner Querschnitte): „Die Scharia“ „kurz und bündig“ in 2 Stunden! Können Sie uns auch in 2 Sätzen sagen, was die Scharia ist?

Christine Schirrmacher: Unter der Scharia versteht man die mit dem Islam begründeten Regeln für die Religion (Gebet, Fasten, Feste, Wallfahrt, Almosen), für Ehe und Familie (Ehe- und Erbrecht), für das Strafrecht und den öffentlichen Raum, also die Politik. Die Grundlagen der Scharia finden sich im Koran, in der islamischen Überlieferung (den Berichten über Muhammad und seine Gefährten) und in den Auslegungen von Theologen und Juristen der ersten islamischen Jahrhunderte – sie sind aber nie in einem einzigen Buch gesammelt worden. Die Scharia muss deshalb immer wieder interpretiert werden, das macht sie flexibel. Ihre Entstehung im 7.-10. Jahrhundert und ihre Unantastbarkeit als göttliches Gesetz macht eine grundsätzliche Kritik jedoch sehr schwer.

BQ: In welchen Ländern spielt die Scharia denn eine große Rolle?

CS: Vor allem dort, wo sich einzelne Länder allein auf die Scharia als Gesetzesgrundlage berufen, wie z. B. Pakistan, Jemen, Iran, Sudan. Das bedeutet nicht, dass sie dort auch ganz umgesetzt würde – das ist höchstens zu Teilen der Fall. Aber sie prägt dort und zu Teilen auch in anderen Ländern das Rechtsdenken der Bevölkerung.

Auch alle anderen islamisch geprägten Länder berufen sich auf die Scharia als eine ihrer Gesetzesgrundlagen; eine Ausnahme ist lediglich die Türkei, wo Kemal Atatürk im Zuge der Gründung der türkischen Republik 1923/1924 die Scharia offiziell abschaffte.

BQ: Ein religiöses Gesetz? Was hat das denn mit Politik zu tun?

CS: Religion und Gesetz sind im Islam eng miteinander verzahnt. Dies war schon bei Muhammad der Fall, der zugleich religiöser Führer und Gesetzgeber, aber auch Heerführer seiner ersten Gemeinde war. Die Erb-, Ehe- und Strafgesetze, die er erließ, begründete er mit der Religion des Islam, also göttlichen Vorschriften. Auch wenn diese Gesetze später von Juristen und Theologen unterschiedlich interpretiert wurden, bleibt doch die eigentliche Begründung der Scharia eine religiöse. Weil es sich nach muslimischer Überzeugung um das Gesetz Allahs handelt, darf es nie offiziell hinterfragt, geändert oder kritisiert werden.

BQ: Warum sollte sich ein Deutscher mit der Scharia beschäftigen. Ist das nicht ein fernes Problem?

CS: Schon lange nicht mehr. Zum einen prägt auch hier die Scharia das Rechtsdenken vieler Muslime, ist ihr ideeller Bezugspunkt für ein Leben in einer erstrebenswerten „gerechten“ Gesellschaft, die nach göttlichen Maßstäben organisiert wäre anstatt nach den weltlichen, von Menschen erdachten Richtlinien der Demokratie.

Auch hierzulande propagieren manche muslimischen Gruppen, dass die Scharia das einzige gerechte System auf Erden ist und allen Menschen Frieden bringen würde, wäre sie nur erst überall eingeführt. Die Scharia steht jedoch mit ihrem rigiden Strafrecht (Amputation, Auspeitschung, Steinigung, Wiedervergeltung) den Menschen- und Freiheitsrechten der UN-Menschenrechtserklärung und damit den Grundlagen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung entgegen. Ebenso ist die in der Scharia verankerte rechtliche Benachteiligung der Frau im Erb- und Eherecht und die Verurteilung des vom Islam „Abgefallenen“ zum Tode noch nicht einmal als rein theoretischer Anspruch akzeptabel, auch wenn es in islamischen Ländern kaum je Gerichtsprozesse wegen Apostasie gibt (dafür kommen aber Konvertiten manchmal durch Selbstjustiz der Familie oder Gesellschaft um). In Deutschland wurde in der Vergangenheit bei einzelnen Prozessen ein nicht-europäisches Rechtsempfinden aufgrund des kulturellen Hintergrundes eines Täters aus einem nahöstlichen Kulturkreis (z. B. im Falle von Ehrenmord oder ehelicher Misshandlung) als mildernder Umstand gewertet – m. E. ein nicht zu rechtfertigendes Zugeständnis an Scharianormen in Deutschland, wo Recht und Gesetz gleichermaßen für alle Menschen gelten muss.

Erdogan verspricht Gleichbehandlung

Der türkische Premierminister Recep Tayipp Erdogan hat den religiösen Minderheiten in dem überwiegend muslimischen Land Gleichbehandlung zugesagt.

Es sei unerlässlich, allen 71,5 Millionen Einwohnern mit Respekt und Liebe zu begegnen, sagte er nach einem Mittagessen mit christlichen und jüdischen Religionsführern am 15. August in Istanbul. Erdogan sprach sich gegen jede Form von religiösem Nationalismus aus.

Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN räumte er ein, dass es noch Mängel bei der Gleichbehandlung religiöser Minderheiten gebe. Daran werde man im Zuge der Demokratiereformen arbeiten.

Die EU drängt im Zusammenhang mit den Beitrittsverhandlungen auf eine Verbesserung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit in der Türkei. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Von den Christen sind etwa 65.000 armenisch-orthodox, 20.000 römisch-katholisch, 2.000 griechisch-orthodox und etwa 4.000 protestantisch, vor allem evangelikaler Prägung. Vielfach handelt es sich um Konvertiten vom Islam. Ferner leben in der Türkei rund 23.000 Juden.

An dem Gespräch nahmen das Ehrenoberhaupt der Orthodoxen, der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I., der armenisch-apostolische Erzbischof Aram Atesyan, der syrisch-orthodoxe Metropolit Yusuf Cetin sowie Oberrabbiner Ishak Haleva teil.

Die Orthodoxen fordern unter anderem die Wiedereröffnung des 1971 geschlossenen Priesterseminars auf der Insel Chalki. Die katholische Kirche legt Wert darauf, dass weiter christliche Gottesdienste in der Pauluskirche zu Tarsus gefeiert werden können. Dort wurde vor 2.000 Jahren der Völkerapostel Paulus geboren. Papst Benedikt XVI. hatte aus diesem Anlass ein Paulus-Jahr von Juni 2008 bis Juni 2009 ausgerufen.

Evangelikale beklagen teilweise gewalttätige Übergriffe nationalistisch gesinnter extremistischer Muslime. Die bisher schlimmste Ausschreitung ereignete sich am 18. April 2007 im Zirve-Verlag von Malatya, der Bibeln in türkischer Sprache druckt. Dort wurden drei Christen gefesselt, gefoltert und umgebracht. Bei den Opfern handelte es sich um den Deutschen Tilmann Geske sowie die Türken Necati Aydin und Ugur Yuksel.

via factum

Warten wir’s ab. Aber eine solche Aussage ist besser als gar nichts, oder?

Israels Sport: Boykottiert, behindert und ausgeschlossen

Israel – der Jude unter den Staaten, leider auch im Sport. Hier wurde der Sport missbraucht, um politisch zu handeln.

Vortrag von Alex Feuerherdt bei der DIG Berlin und Potsdam am 6. Juli 2009

TENNIS (I): VERWEIGERTE EINREISE

Als sowohl der finanzielle als auch der Imageschaden bereits beträchtlich war und die Zukunft des internationalen Tennisturniers in Dubai außerdem in Frage stand, gaben dessen Organisatoren sowie die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate schließlich nach: Der israelische Tennisprofi Andy Ram erhielt doch noch ein Visum und konnte Ende Februar dieses Jahres bei den Dubai Open an den Start gehen. Seiner Landsfrau Shahar Pe’er war zuvor die Einreise in den Golfstaat verweigert worden. Die offizielle Begründung der Veranstalter vor Ort für diese Entscheidung lautete: „Wir wollen den Sport nicht politisieren, aber wir müssen nach den Vorgängen in der Region sensibel sein.“ Der Gaza-Krieg bewege, so hieß es, „nach wie vor viele Menschen im Nahen Osten“. Deshalb habe Grund zu der Annahme bestanden, dass die Teilnahme der Spielerin aus dem jüdischen Staat die Fans „aufgebracht hätte“. Die Organisatoren sorgten also nicht etwa für den Schutz der Filzballkünstlerin, wie es sich gehört hätte, sondern sperrten sie stattdessen aus – einzig und allein aus dem Grund, dass sie Israelin ist. Man betrachtete Shahar Pe’er ganz selbstverständlich als politische Repräsentantin, ja, als Handlangerin des israelischen Staates und fragte noch nicht einmal danach, wie sie überhaupt zu dessen Politik steht. Damit will ich selbstverständlich kein Plädoyer für eine solche Gesinnungsprüfung halten, sondern vielmehr deutlich machen, welcher Denklogik hinter dem Einreiseverbot stand. Doch zu dieser Art von Logik später mehr.

Die Entscheidung, Shahar Pe’er kein Visum zu gewähren und damit einen Boykott gegen sie zu verhängen, stieß übrigens auf heftige Kritik. Die Weltranglisten-Sechste Venus Williams beispielsweise sagte: „Alle Spielerinnen unterstützen Shahar.“ Larry Scott, der Chef der Profiorganisation der Tennisspielerinnen (WTA), schloss sich an: „Wir haben klare Regeln und eine eindeutige Politik, dass kein gastgebendes Land einem Spieler das Recht verweigern darf, an einem Turnier teilzunehmen, für das er qualifiziert ist“, sagte er. Die internationale Menschenrechtsorganisation Simon-Wiesenthal-Center forderte sogar den Abbruch der Veranstaltung und erklärte: „Wenn man Israelis aussperrt, kann man das Turnier auch gleich Dubai Apartheid Open nennen.“ Die WTA belegte die Organisatoren schließlich mit einer Strafe von 300.000 Dollar – der höchsten Geldbuße, die sie jemals gegen eines ihrer Mitglieder verhängt hat. Darüber hinaus nannte die WTA Bedingungen dafür, dass das Turnier in Dubai auch im kommenden Jahr in den Kalender aufgenommen wird. Die Organisatoren in den Emiraten müssen Pe’er für 2010 eine Wildcard – also eine automatische Startberechtigung – gewähren und sich ver¬pflichten, sämtliche qualifizierten Spielerinnen und Spieler auch tatsächlich zur Veranstaltung zuzulassen. Allen israelischen Tennisprofis muss zudem mindestens acht Wochen vor den Wettkämpfen die Einreise garantiert sein. „Wir werden nicht erlauben, dass sich diese Situation wiederholt – weder in den Vereinigten Arabischen Emiraten noch irgendwo anders auf der Welt“, sagte WTA-Boss Scott.

Zuvor hatten bereits der amerikanische Tennis Channel und die Europa-Ausgabe des Wall Street Journal Konsequenzen gezogen: Der Fernsehsender brach die Übertragung ab, und die Zeitung, ein wichtiger Sponsor des Turniers, zog ihre finanziellen Zusagen zurück. Nicht minder schwer dürfte die Veranstalter der Rückzug des Titelverteidigers bei den Männern, Andy Roddick, getroffen haben. Während es Pe’ers Kolleginnen bei mündlichen Solidaritätsadressen beließen und das Turnier in Dubai zu Ende spielten, sagte Roddick seine Teilnahme an den Wettkämpfen aus Protest ab.

TENNIS (II): „EIN MATCH GEGEN DEN STAAT ISRAEL“

Die Einreiseverweigerung für Shahar Pe’er blieb nicht die einzige antiisraelische Boykottaktivität im Tennis zu Beginn dieses Jahres. Auch das Tennis-Davis-Cup-Spiel zwischen Schweden und Israel in Malmö Anfang März war davon betroffen. Wochenlang hatte ein politisches Bündnis namens Stoppa Matchen (übersetzt: „Stoppt das Match“) alles daran gesetzt, die Begegnung zu verhindern. Zu den Unterstützern von Stoppa Matchen zählten die Anführer der Linkspartei, die Sozialdemokraten, der Sozialdemokratische Frauenbund, die Sozialisten und die Kommunistische Partei. Ein Teil dieser Parteien gehört der linken Mehrheit im Malmöer Stadtrat an.

Und diese linke Mehrheit erklärte, man werde aus Angst vor Ausschreitungen die Davis-Cup-Spiele unter Ausschluss des Publikums durchführen. Das Sicherheitsrisiko sei viel zu groß, denn man könne die Sicherheit der israelischen Spieler nicht garantieren, lautete die scheinheilige Begründung. Ilmar Reepalu, sozialdemokratischer Stadtratsvorsitzender, gab einen Einblick in die eigentlichen Gründe für den Ratsbeschluss: „Meiner Meinung nach sollte man generell überhaupt nicht gegen Israel spielen“, sagte er der Tageszeitung Sydsvenskan und nannte die israelische Intervention in Gaza als Grund. Die Davis-Cup-Partie sei eine „Provokation für die in Malmö lebenden Araber“ und daher „kein gewöhnliches Match“, sondern „ein Match gegen den Staat Israel“.

Das heißt also: Als antiisraelische Demonstranten hätten die linken Stadträte das Tennisspiel am liebsten ganz verhindert, also boykottiert; als linke Stadträte haben die antiisraelischen Demonstranten dann zumindest durchgesetzt, dass die Davis-Cup-Begegnung zwischen den schwedischen und den israelischen Tennisspielern ohne Zuschauer über die Bühne gehen muss. Dabei hatte Håkan Jarborg Eriksson, der für das Match verantwortliche Einsatzleiter der Malmöer Polizei, gar keinen Grund gesehen, das Publikum auszusperren. In einem Interview hatte er deutlich gemacht: „Es hat auch früher schon geklappt, Einlasskontrollen und Kartenvorverkauf sicher zu handhaben, wenn man verhindern wollte, dass es in der Arena zu Unruhen kommt.“

Der schwedische Tennisverband sowie Politiker der konservativen und liberalen Parteien kritisierten das Vorhaben, vor leeren Rängen zu spielen, und die Tiraden gegen Israel als „völlig überzogen“. Die Vorsitzende des schwedischen Sportverbands, Karin Mattsson Weijber, sprach von einem „inakzeptablen Beschluss“. Das von einer konservativen Mehrheit regierte Stockholm erklärte seine grundsätzliche Bereitschaft, das Spiel in der Hauptstadt stattfinden zu lassen, sagte aber schließlich doch wieder ab: Die Vorbereitungszeit sei zu knapp. Der Tennis-Weltverband ITF zog es vor, zu der Angelegenheit zu schweigen.

Dutzende antiisraelische Aktivisten lieferten sich dann am ersten Tag der zweitägigen Davis-Cup-Begegnung Straßenschlachten mit der Polizei beim Versuch, die verschlossene Halle zu stürmen, in der das Spiel stattfand. Die Demonstranten warfen Steine und Feuerwerkskörper auf Polizeiwagen, als sie die Absperrungen durchbrechen wollten, durch die sie von der Halle fern gehalten werden sollten. Hunderte Bereitschaftspolizisten drängten die Menge mit Hilfe von Schlagstöcken zurück. Berichten zufolge gab es keine Verletzten; fünf Personen sind laut Polizeiangaben jedoch festgenommen worden. Die Ausschreitungen brachen im Anschluss an eine Demonstration aus, die im Stadtzentrum von Malmö stattgefunden hatte. 7.000 Menschen hatten sich dort versammelt, um Reden zu hören, in denen Israels Vorgehen im Gazastreifen verurteilt und die Unterstützung der Palästinenser gefordert wurde.

Die Organisatoren hatten eine so genannte friedliche Demonstration angekündigt, doch linksradikale Aktivisten wollten das Tennisspiel unbedingt sprengen. Einige Demonstrationsteilnehmer marschierten schließlich auf die Halle zu und griffen dort die Polizei an. Die Partie zwischen Schweden und Israel begannen dennoch wie geplant vor rund 300 ausgewählten Gästen, die von den beiden Tennisverbänden eingeladen worden waren. Und die israelischen Tennisprofis gaben die Antwort auf die Anfeindungen auf dem Platz: Sie gewannen das Match mit 3:2 und brachten ihre Farben erstmals seit 1987 wieder ins Daviscup-Viertelfinale. Der israelische Tennisspieler Harel Levy bemerkte anschließend trocken: „Womöglich haben die Schweden dieses Spiel verloren, weil ihnen die Unterstützung der Zuschauer fehlte. Die Umstände haben sie stärker beeinträchtigt als uns. Hoffentlich passiert so etwas nicht noch einmal.“

BASKETBALL: KRAWALLE IN ANKARA

Das waren die beiden jüngsten Beispiele für Boykotte respektive Boykottaufrufe gegen israelische Sportler. Einmal ging die Initiative dabei von den Veranstaltern eines Tennisturniers aus, einmal von antiisraelischen Lokalpolitikern und Aktivisten. Zu Beginn dieses Jahres gab es aber noch einen weiteren Vorfall, und der ging auf das Konto des Publikums: Bei einem Europapokalspiel im Basketball zwischen Turk Telekom Ankara und der israelischen Mannschaft Bnei Hasharon im Januar verhinderten randalierende Zuschauer eine Austragung der Partie. Rund 3.000 türkische Anhänger riefen antiisraelische Parolen, bewarfen die israelischen Basketballer mit Feuerzeugen, Schuhen sowie Wasserflaschen und verbrannten israelische Fahnen. Die Sicherheitskräfte konnten nur mit Mühe verhindern, dass der Platz gestürmt wird. Sie räumten schließlich die Halle, vor der es zu weiteren Ausschreitungen kam. Die Spieler von Bnei Hasharon flüchteten unter Polizeischutz in die Kabine. Die Schiedsrichter wollten schließlich vor leeren Rängen die Partie beginnen, doch die Israelis verweigerten sich diesem Ansinnen. Turk Telekom Ankara wurde später zwar mit einer Geldstrafe belegt; das Spiel jedoch wertete der internationale Basketballverband FIBA mit 20:0 gegen den israelischen Klub. Für Bnei Hasharons Vorsitzenden Eldad Akunis war diese Entscheidung ein Skandal: „Nach so einer nervenaufreibenden Tortur konnte man einfach nicht mehr spielen“, sagte er. „Die Spieler hatten Sorgen um ihre Sicherheit.“

ISRAEL IM FUSSBALL: BOYKOTTIERT, BEHINDERT, BENACHTEILIGT

Nicht nur in diesem Fall traf ein Sportverband eine mehr als fragwürdige Entscheidung, mit der israelische Sportler, gegen die sich antiisraelische Ressentiments entluden, auch noch bestraft wurden. Weitere und ältere Beispiele für Sportboykotte gegen Israel und für Benachteiligungen israelischer Sportler und Mannschaften finden sich vor allem im Fußball. Auf einige davon möchte ich nun etwas näher eingehen.

Vorab eine ganz kurze geschichtliche Einführung: Gegründet wurde der israelische Fußballverband, die IFA (Israeli Football Association), kurz nach der Staatwerdung Israels im Jahre 1948. Das erste Länderspiel bestritt das israelische Team am 26. September 1948 vor 40.000 Zuschauern in New York gegen die USA. Es ging mit 1:3 verloren, aber das war angesichts der historischen Bedeutung dieses Ereignisses vollkommen nebensächlich. Schon vor der Staatsgründung gab es einen nationalen Fußballverband, der vor allem von jüdischen Siedlern und der britischen Mandatsmacht etabliert und 1929 in den Weltfußballverband FIFA aufgenommen worden war. Unter der Bezeichnung Palästina nahm er 1934 und 1938 an den Qualifikationsspielen zur Fußball- Weltmeisterschaft teil, jedoch ohne Erfolg: 1934 gingen die beiden Partien gegen Ägypten mit 1:7 und 1:4 verloren; vier Jahre später schied man mit 1:3 und 0:1 gegen Griechenland aus.

Die erste Weltmeisterschaftsqualifikation, für die Israel sich meldete, war die für das Turnier 1950 in Brasilien. Angesichts der Vernichtungsdrohungen der arabischen Staaten hielt der Weltfußballverband FIFA es für ratsam, die Auswahl des jüdischen Staates in der Qualifikation gegen ein europäisches Team antreten zu lassen. Gegen Jugoslawien verlor Israel mit 0:6 und 2:5 und schied aus. Besser sah es da schon vier Jahre später aus: Gegen Griechenland gelangen zunächst zwei Siege, bevor erneut Jugoslawien Endstation war, diesmal jedoch nur mit zwei 0:1-Niederlagen.

1956 trat der israelische Verband der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) bei, in deren geografischem Einzugsbereich das Land nun einmal liegt. Doch bei der Qualifikation zum Asien-Cup, der im gleichen Jahr stattfand, wollten Afghanistan und Pakistan nicht gegen Israel antreten, denn sie erkannten den jüdischen Staat nicht an. Dadurch kam die israelische Auswahl kampflos in die Endrunde, in der sie gegen Südkorea, Hongkong und Südvietnam spielte und das Turnier als Zweitplatzierte beschloss.

Als Nächstes stand die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1958 an. Und nun begann ein nachgerade absurdes Theater. Denn im Laufe des Jahres 1956 verschärfte sich der Konflikt zwischen Ägypten und Israel, das sich zunehmend Angriffen durch die terroristischen Fedayin von ägyptischem Territorium und vom ägyptisch besetzten Gazastreifen aus erwehren musste. Ägypten bildete ein Bündnis mit Jordanien und Syrien, blockierte den Golf von Akaba und sperrte den Suezkanal für israelische Schiffe; es verletzte somit internationales Recht. Israel setzte sich zur Wehr und besetzte den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel.

Das hatte Auswirkungen auch auf den Fußball, denn die islamischen Staaten weigerten sich, Spiele gegen Israel auszutragen. Zunächst sollte Israel in der Vorrunde gegen die – islamische – Türkei antreten, doch die dachte gar nicht daran aufzulaufen. In der Zwischenrunde sollte Israel gegen – das islamische – Indonesien spielen, doch auch Indonesien trat nicht an. Schließlich sollte Israel im Finale der Ausscheidungsspiele gegen den – islamischen – Sudan ran, doch auch dieser boykottierte das Match. Von den drei vorgesehenen Spielen fand also keines statt. Damit wäre Israel eigentlich kampflos für die WM qualifiziert gewesen.

Doch dagegen hatte die FIFA etwas: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, loste sie kurzerhand aus allen europäischen Gruppenzweiten ein Land aus und ließ dieses gegen Israel um den letzten freien Platz beim WM-Turnier in Schweden antreten. Gegen Wales verlor Israel das Hin- und das Rückspiel jeweils mit 0:2 und war damit ausgeschieden. Die Boykottbewegung hatte dank der FIFA also doch noch ihr unsportliches Ziel erreicht, ohne dass ihr weitergehende Sanktionen gedroht hätten.

Anschließend begann eine regelrechte Odyssee für die israelische Fußballauswahl. An den Asienmeisterschaften nahm sie zwar noch bis 1972 teil, doch auch dabei war sie immer wieder mit Boykotten konfrontiert: Zu den Spielen 1962 in Indonesien beispielsweise wurde sie gar nicht erst eingeladen, und 1972 erklärte sich lediglich Südkorea bereit, in der Qualifikation gegen sie anzutreten. Israel verzichtete letztlich, zumal die arabischen Staaten angekündigt hatten, im Falle einer Qualifikation der israelischen Auswahl die Endrunde zu boykottieren. Die Asiatische Fußball-Konföderation handelte – und schloss Israel 1974 aus ihrem Verband aus. Eine Aufnahme in den europäischen Fußballverband UEFA lehnten jedoch die Staaten des Ostblocks ab. Von der FIFA war zu all dem erneut kein Wort zu hören.

Bei der WM-Qualifikation wiederum wurde die israelische Mannschaft bald von Kontinentalverband zu Kontinentalverband gereicht: Die Ausscheidungsspiele für die Turniere 1962 und 1966 bestritt Israel in der Europagruppe, die für die Wettkämpfe 1970 in der Ozeaniengruppe und die für die Endrunden 1974 und 1978 wieder in der Asiengruppe. Und so ging es munter weiter: 1982 Europa, 1986 Asien, 1990 Ozeanien. An der Qualifikation zu kontinentalen Meisterschaften – also zur Asien- oder Europameisterschaft – nahm Israel zwischen 1974 und 1994 überhaupt nicht mehr teil, weil es keinem Verband fest angehörte. Israels Klubmannschaften durften immerhin seit 1992 bei den europäischen Wettbewerben mitmachen. 1994 erfolgte dann endlich die offizielle Eingliederung in die UEFA.

Ein derartiges Hin und Her ist in der Geschichte des Weltfußballs einzigartig; kein anderer Fußballverband musste je solche permanenten Versetzungen über sich ergehen lassen. Drakonische, das heißt über Punktabzüge hinausgehende Maßnahmen gegen jene Mitgliedsverbände, die Wettbewerbsspiele gegen Israel verweigerten, mochte die FIFA nicht ergreifen. Unter Berufung auf ihre angeblich unpolitische Rolle – dazu später mehr – hielt sie sich stets heraus. Die israelischen Fußballer und die Verantwortlichen ihres Verbands begegneten dem mit einem gewissen Pragmatismus. Denn sie wollten ihre Qualifikationsspiele gerne austragen, statt darauf zu bestehen, die Punkte kampflos zugesprochen zu bekommen. Dafür flogen sie sogar bis nach Australien und Neuseeland. Angesichts dieser ausgesprochen ungünstigen Voraussetzungen ist es eine echte sportliche Sensation, was Israel 1968 bei den Olympischen Spielen und zwei Jahre später bei seiner ersten und bisher einzigen Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft, der in Mexiko nämlich, erreichte.

Die Qualifikation für Olympia 1968 war für das israelische Team dabei noch eine vergleichsweise leichte Angelegenheit. Denn die zugelosten Gegner Burma, Iran und Indien boykottierten den jüdischen Staat. Daher genügten zwei Siege über Ceylon mit 7:0 und 4:0, um das Ticket nach Mexiko-Stadt zu lösen. Dort erreichte die Mannschaft das Viertelfinale und kam nur deshalb nicht noch weiter, weil nach einem Unentschieden gegen Bulgarien das Los über das Weiterkommen entscheiden musste und Israel diese Lotterie verlor. Bei der WM 1970 wiederum schied das Team nach zwei Unentschieden gegen Schweden (1:1) und den späteren Vizeweltmeister Italien (0:0) bei einer 0:2-Niederlage gegen Uruguay nach der Vorrunde aus. Das Tor von Mordechai Spiegler gegen Schweden blieb der bislang einzige WM-Treffer Israels.

Der erfolgreichste israelische WM-Teilnehmer ist freilich ein Schiedsrichter, nämlich Avraham Klein, der bei den Turnieren 1970, 1978 und 1982 eingesetzt wurde. 1978 leitete er das Spiel um den dritten Platz. Klein war eigentlich sogar als Referee für das Finale zwischen Gastgeber Argentinien und den Niederlanden im Gespräch, nachdem er die Partie Argentinien gegen Italien souverän geleitet hatte. Doch die Argentinier fühlten sich trotz ihres Weiterkommens benachteiligt und lehnten Klein ab. Hinzu kam, dass die herrschende Militärjunta, die Juden alles andere als freundlich gesinnt war, Anstoß daran nahm, dass Klein vor dem Spiel Argentiniens gegen Italien die Jüdische Gemeinde des Landes besucht hatte. Ihm wurde von argentinischer Seite aber auch deshalb Voreingenommenheit unterstellt, weil der Endspielgegner Niederlande hieß. Als „Kriegswaise“ hatte Klein ein Jahr lang im niederländischen Apeldoorn verbracht. Und mit Ruud Krol trug ein Mann die Kapitänsbinde der Oranjes, dessen Vater in den Jahren der deutschen Besatzung Juden das Leben gerettet hatte. Die FIFA folgte dem argentinischen Wunsch, Avraham Klein nicht das Endspiel pfeifen zu lassen, obwohl sie sonst stets betont, sich von niemandem in die Einteilung der Unparteiischen hineinreden zu lassen.

Und damit zu einer kleinen Exkursion, deren Ziel eben diese FIFA ist. Denn es lohnt sich, einen Blick auf die politische, um nicht zu sagen Kriminalgeschichte dieses sich unpolitisch wähnenden Verbands zu werfen, hinter dessen vorgeblicher Äquidistanz sich oft genug die offene Kollaboration mit den übelsten Diktaturen verbarg und verbirgt. Eine Ausnahme bildet hier lediglich der Umgang des Weltverbands mit seinem Mitgliedsland Südafrika während der Apartheid: Der Suspendierung 1964 ließ die FIFA zwölf Jahre später den vollständigen Ausschluss des südafrikanischen Verbands folgen. Dessen Wiedereingliederung wurde im Juli 1992 vollzogen.

Doch das blieb, wie gesagt, die rühmliche Ausnahme. Von der Willkür der FIFA gegenüber Israel in Bezug auf die Qualifikation zur WM 1958 war ja bereits die Rede. Ein weiterer markanter Beleg für die Gesinnung, die bei dieser mächtigen Organisation herrscht, findet sich im Jahr 1974. Für die damalige Endrunde, die erstmals in der Bundesrepublik Deutschland stattfand, hatte sich auch das Chile des Diktators Augusto Pinochet qualifiziert. Im Land wurden Abertausende von Menschen gefangen gehalten, gefoltert und ermordet, nicht zuletzt in großen Fußballstadien. Die FIFA sah jedoch keine Veranlassung, Chile von der Qualifikation auszuschließen. Stattdessen kam es beim entscheidenden Playoff-Spiel der Chilenen zu einer der absurdesten Begegnungen, die sich jemals beim Fußball zugetragen haben. Denn Chiles Gegner war die Sowjetunion, und die weigerte sich nach einem 0:0 im Hinspiel, im Nationalstadion von Santiago aufzulaufen, wo kurz zuvor noch Pinochets Schlächter ihrem Handwerk nachgegangen waren. Die FIFA hatte vor dem Match eine Delegation nach Chile entsandt, deren Bericht eindrucksvoll dokumentiert, wes Geistes Kind man in diesem Laden ist:

„Der Rasen befand sich in einem herrlichen Zustand, und alle Gefangenen befanden sich noch in den Umkleidekabinen“, hieß es dort unter anderem.

Da der Weltfußballverband das Stadion also für tauglich befunden hatte, wurde am 21. November 1973 das Spiel vom österreichischen Schiedsrichter Linemayr angepfiffen – allerdings ohne das sowjetische Team. Auf dem Platz standen elf chilenische Spieler, auf den Rängen befanden sich ein paar bestellte Anhänger des Regimes. Die Hausherren schoben den Ball ein paar Mal hin und her und dann ins gegnerische Tor. Da niemand da war, um den folgenden Anstoß durchzuführen, brach der Referee das Spiel ab. Später wertete es die FIFA mit 2:0, schickte Chile zur WM und bestrafte so die Sowjetunion für ihren politischen Ungehorsam.

Zwei Jahre nach der WM in Westdeutschland putschte sich in Argentinien – dem Land des nächsten Gastgebers – die faschistische Militärjunta des Generals Videla an die Macht. Erneut unternahm die FIFA nichts; die WM-Spiele fanden in Stadien statt, in denen zuvor, wie schon in Chile, Menschen eingepfercht, gefoltert und hingerichtet worden waren. Diktator Videla versuchte, die Weltmeisterschaft als Bühne zu benutzen. In den Niederlanden und Frankreich wurde ein Boykott des Turniers diskutiert, doch die FIFA dachte gar nicht daran, Argentinien die Wettkämpfe zu entziehen.

Sie schritt auch nicht ein, als Saddam Husseins Sohn Uday im Jahre 1997 irakische Fußballer foltern ließ, weil die sich nicht für die WM in Frankreich qualifiziert hatten, und drei Jahre später noch einmal, als das Team bei den Asienmeisterschaften nicht über das Viertelfinale hinausgekommen war. Sie blieb passiv, als die Taliban UN-finanzierte Fußballplätze zur Folter und Ermordung hunderter Menschen missbrauchten – teilweise in den Pausen von Fußballspielen –, während sie von den Tribünen mit dem Ruf „Gott ist groß!“ angefeuert wurden. Die FIFA konnte sich auch nicht vorstellen, den Iran von der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu disqualifizieren. Und das, obwohl dessen Präsident Mahmud Ahmadinedjad – der lange Zeit überlegt hatte, der iranischen Mannschaft nach Deutschland zu folgen – mehrfach unverhohlen mit der Vernichtung Israels gedroht hatte. Doch den FIFA-Präsidenten Joseph Blatter focht das nicht an. Ein Ausschluss des Iran sei für ihn „undenkbar“, sagte er. Denn:

„Wir würden nie auf Grund irgendwelcher politischer Aussagen einen Verband ausladen. Wir sind in politischen und religiösen Fragen absolut neutral.“

Wie neutral, zeigte sich einmal mehr im April 2006. Da schickte der Weltverband dem israelischen Botschafter in der Schweiz, wo die FIFA ihren Sitz hat, eine an die israelische Regierung gerichtete Beschwerde. Der Grund: Die israelische Armee hatte ein Fußballstadion im Gazastreifen unter Beschuss genommen. Die FIFA teilte dem israelischen Diplomaten mit, sie erwäge „Maßnahmen wegen des Luftschlags“. Dabei kam der israelische Angriff auf das leere Stadion durchaus nicht grundlos. Er war zum einen eine Antwort auf Angriffe der Hamas mit Kassam-Raketen am Tag zuvor, bei denen unter anderem eine Rakete auf einem Fußballplatz eines Kibbuz’ nahe Ashkelon gelandet war. Zum anderen diente das Stadion in Gaza als Trainings- und Ausbildungslager für den Islamischen Djihad und die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden sowie als Raketenabschussrampe.

Das alles interessierte die FIFA jedoch nicht, und so schrieb ihr Vertreter „für besondere Aufgaben“ mit dem klangvollen Namen Jérôme Champagne den besagten Brief an den israelischen Botschafter und bat ihn darum, „zu erläutern, warum das Stadion beschossen wurde, bevor die FIFA darüber entscheiden konnte, welche Maßnahmen, wenn überhaupt, zu ergreifen sind“. Ein Fußballstadion zu beschießen, sei jedenfalls „absolut kontraproduktiv für den Frieden, denn heute ist Fußball das einzige universelle Werkzeug, das Gräben überbrücken kann“. Und einmal in Fahrt, wurde Champagne gegenüber den Medien noch deutlicher. Die israelischen Grenzübergänge hätten es den Palästinensern seit 2000 verunmöglicht, ihre eigene Liga aufzubauen, sagte er, und: „Der Gazastreifen ist seit 1967 besetzt. Frankreich wurde von Deutschland drei Mal in den letzten hundert Jahren besetzt. Meinen Sie, wir hätten nach sechs Monaten einfach Frieden schließen können? Kein Teil von Israel ist von Palästinensern besetzt. Es ist falsch, ein Volk zu besetzen.“ Also bezahlte die FIFA die Instandsetzung des Stadions im Gazastreifen, während sie sich um den von einer Kassam-Rakete demolierten Fußballplatz in dem erwähnten Kibbuz nicht weiter scherte. So kann man eine Gleichsetzung Israels mit Nazideutschland auch zum Ausdruck bringen und einmal mehr demonstrieren, was man unter „absoluter Neutralität“ versteht: in diesem Fall eine tiefe Zuneigung zu den Feinden des jüdischen Staates.

Und dabei schafft die FIFA noch weitergehende Fakten. Denn sie orientiert sich nicht zwangsläufig an bestehenden politischen Grenzen, sondern zieht ihre eigenen. Daher gehören dem Weltverband auch Mitglieder an, die keinem international anerkannten Staatswesen zuzurechnen sind. Eines davon ist die Palestinian Football Federation (PFF), 1964 gegründet und 1998 aufgenommen. Seit neun Jahren darf Palästina also offiziell Länderspiele austragen und an der Qualifikation zu internationalen Turnieren wie der Weltmeisterschaft teilnehmen. Darüber hinaus erfreuen sich die palästinensischen Kicker einer besonderen finanziellen und logistischen Förderung durch die FIFA, etwa in Form des Goal-Projekts, mit dem, so heißt es, die fußballerische Infrastruktur verbessert werden soll.

Dagegen wäre gewiss nichts einzuwenden, würden die Sportplätze nicht regelmäßig auch den bereits geschilderten anderen Zwecken dienen, und würden Fußballspiele in den palästinensischen Gebieten nicht immer wieder in antisemitische Manifestationen verwandelt. So wurde beispielsweise 2003 ein Amateurturnier nach einem Selbstmordattentäter benannt, der im März des Vorjahres in Netanya 31 Menschen bei einer Pessach-Feier getötet hatte. Dessen Bruder kam anschließend die Ehre zu, dem Sieger dieses Märtyrerturniers den Pokal überreichen zu dürfen. Und im Herbst 2007 fand in einer Schule in Tulkarem in der Westbank neuerlich ein Fußballturnier statt, das den Namen eines mörderischen Judenhassers trug: Ziyad Da’as, ein städtischer Kommandeur der Tanzim-Milizen innerhalb der Fatah, war für die Planung eines Attentats verantwortlich, bei dem im Januar 2002 während einer Bat-Mitzvah-Feier in Hadera sechs Menschen ermordet und 30 verletzt wurden, und er stand zudem hinter der Entführung und Ermordung zweier Israelis in Tulkarem im gleichen Monat. Im August 2002 töteten ihn schließlich israelische Soldaten. Grund genug für die Schulleitung in Tulkarem, an ihn mit einem Wettbewerb zu erinnern, und Anlass für eine Zeitung der Palästinensischen Autonomiebehörde, Ziyad Da’as als „einen der mutigen Menschen des palästinensischen Widerstands“ zu rühmen, den die israelischen Besatzungstruppen „kaltblütig ermordet“ hätten: „Am Ende des Turniers“, schrieb das Blatt, „bezeugten die Zuschauer, dass der Wettkampf geeignet war, des mutigen Märtyrers Ziyad Da’as, die Gnade Allahs sei mit ihm, zu gedenken, und dass alljährlich ein Turnier an seinem Todestag stattfinden soll“. Die Ausscheidung des Jahres 2007 gewann übrigens eine Mannschaft, die sich nach den „Märtyrern“ des südlichen Viertels von Tulkarem benannt hatte. Ob es das ist, was sich die FIFA unter einer „Verbesserung der fußballerischen Infrastruktur“ vorgestellt hat?

In vielerlei Hinsicht ähnelt die Politik des Weltfußballverbands also der Politik der Vereinten Nationen, von denen Israel ebenfalls nichts als regelmäßige Benachteiligungen zu erwarten hat, während seine Feinde stets ungeschoren davonkommen und sich nicht selten besonderer Zuneigung erfreuen. Und dann gibt es da ja noch den gar nicht so kleinen Bruder der FIFA, den europäischen Fußballverband UEFA. Seit 1994 ist Israel, wie bereits gesagt, dessen festes Mitglied. Doch von einer Liebesbeziehung kann wahrlich keine Rede sein, denn auch die UEFA wirft den israelischen Fußballern allenthalben Knüppel zwischen die Beine und beschert den israelischen Klubs wie auch der Nationalmannschaft immer wieder handfeste Wettbewerbsnachteile. Als beispielsweise die Zweite Intifada ab dem Jahr 2000 ihren antisemitischen Terror ausagierte, mussten israelische Teams auf Geheiß des europäischen Verbands ihre Heimspiele in den internationalen Wettbewerben auf Zypern austragen, weil es den anreisenden Klubs angeblich nicht zuzumuten war, in Israel zu kicken. Erst nach dem Bau des Sicherheitszauns und dem Rückgang der Selbstmordattentate genehmigte die UEFA im April 2004 wieder die Austragung von Partien im Land.

Einer der ersten Klubs, die in den Genuss solcher echten Heimspiele kamen, war in der Saison 2004/05 Maccabi Tel Aviv. Maccabi hatte sich für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert und traf dort unter anderem auf den deutschen Meister FC Bayern München. Das Hinspiel in Tel Aviv hatte die UEFA jedoch auf den jüdischen Neujahrstag Rosh Hashanah gelegt. Dieses Fest ist neben dem zehn Tage später gefeierten Yom Kippur bekanntlich einer der höchsten jüdischen Feiertage, an dem die religiösen Familien die Synagoge zu besuchen pflegen. Maccabi bat daher um eine Vorverlegung der Partie um einen Tag und hatte dafür bereits die Zustimmung des FC Bayern sowie des Fernsehens eingeholt. Somit waren eigentlich alle Hindernisse aus dem Weg geräumt. Doch die Funktionäre der UEFA sperrten sich.

„Wir können es nicht akzeptieren, wenn jeder anfängt, nationale, religiöse oder politische Feiertage als Argument für eine Verlegung zu benutzen“,

sagte der Mediendirektor der UEFA, William Gaillard. Bei den Bitten anderer Nationalverbände oder Klubs war man zuvor deutlich entgegenkommender gewesen, zumal dann, wenn alle Beteiligten mit der Verlegung eines Spiels einverstanden waren. Doch nun stellte man auf stur. Selbst ein Amtshilfeersuchen des israelischen Außenministers Silvan Shalom an seinen deutschen Kollegen Joschka Fischer und ein Appell des Zentralrats der Juden in Deutschland an die UEFA halfen nichts. Das Spiel wurde nicht verschoben und fand schließlich vor halbleeren Rängen statt.

Während des Libanonkrieges im Sommer 2006 und noch längere Zeit danach wurden israelische Klubs dann erneut für den Terror bestraft, der den jüdischen Staat heimsuchte. Hapoel Tel Aviv, Bnei Yehuda Tel Aviv und Beitar Jerusalem mussten ihre Heimspiele in der Qualifikation für den UEFA-Pokal jenseits der Landesgrenzen austragen, ebenso Maccabi Haifa seine Playoffs zur Champions League. „Durch den Krieg mit der Hizbollah im Süden des Libanon ist die Sicherheit der Sportler in Israel nicht ausreichend gewährleistet“, behauptete die UEFA. Iche Menachem, Präsident des Israelischen Fußballverbands, war fassungslos: „Wir werden diese Entscheidung nicht unwidersprochen akzeptieren. Ich fordere die UEFA-Offiziellen auf, ihre Entscheidung hier im Land zu treffen und nicht in ihren Büros in der Schweiz.“ Wenn Popgruppen wie Depeche Mode in Israel spielen könnten, sei das auch Fußballvereinen zuzumuten. Man erwog zeitweilig sogar eine Klage vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS.

Anfang September 2006 traf die Heimspielsperre dann auch das israelische Nationalteam. Sein erstes Spiel in der Qualifikation zur Europameisterschaft gegen Andorra musste es im niederländischen Nijmegen bestreiten – und das auch noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dabei hatte die UEFA kurz zuvor noch angekündigt, dass dieses Match in Tel Aviv stattfinden könne, wenn sich der Waffenstillstand als stabil erweise. Das war zwar der Fall, doch die UEFA wollte von ihrem Versprechen plötzlich nichts mehr wissen. Das brachte Israels Sportminister Ophir Pines-Paz auf die Palme: „Man muss begreifen, dass wir über zwei antisemitische schwedische Funktionäre sprechen. Diese beiden Schweden, die gegen uns arbeiten, sind diejenigen, die die Entscheidungen treffen. Und sie hassen uns.“ Dieser Zornesausbruch, der sich gegen den damaligen UEFA-Präsidenten Lennart Johansson und dessen Generaldirektor Lars-Christer Olsson richtete, war ohne Zweifel nachvollziehbar. Denn die vorgeblichen Sicherheitsbedenken muteten mehr als fragwürdig an. Würde die UEFA in allen Fällen mit gleichem Maß messen, hätte sie zumindest auch die Heimspiele spanischer und englischer Teams nach den Terrorangriffen von Madrid und London oder die Partien türkischer Mannschaften nach dem Anschlag in Antalya im August 2006 verlegen müssen. Doch nichts dergleichen geschah, und daher müssen sich die Verantwortlichen des Verbands den Vorwurf gefallen lassen, eine explizit politische Entscheidung getroffen zu haben.

Eigenartig auch, dass die UEFA den israelischen Erstligaklub Hapoel Tel Aviv im September 2007 zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilte, weil dessen Anhänger während des UEFA-Pokal-Qualifikationsspiels beim Verein NK Siroki Brijeg randaliert hatten – nachdem Fans des bosnischen Vereins die israelische Supporter unter anderem mit Naziparolen und dem Hitlergruß provoziert hatten. Das kostete Brijeg jedoch nur 3.000 Euro. Überhaupt keine Strafe musste gar der französische Klub Paris St. Germain zahlen, obwohl ein Teil der Zuschauer beim UEFA-Pokal-Spiel gegen Hapoel Tel Aviv im November letzten Jahres antisemitische Parolen gegrölt hatten. Nach der Partie kam es überdies zu einer regelrechten Hetzjagd auf Hapoel-Anhänger durch Paris, bei der schließlich einer der Angreifer von einem Polizisten erschossen wurde.

All diese Beispiele zeigen, dass de FIFA und der europäische Verband UEFA in ihrem Umgang mit der Israeli Football Association auf der Ebene des Fußballs ganz ähnlich vorgehen wie die Vereinten Nationen mit dem jüdischen Staat auf politischer Ebene: Sie legen an Israel regelmäßig andere Maßstäbe an als an ihre übrigen Mitglieder, sie treffen immer wieder Entscheidungen zum Nachteil Israels, und sie unterlassen Konsequenzen gegenüber jenen, die aus ihrer prinzipiellen Ablehnung Israels keinen Hehl machen, um es zurückhaltend zu formulieren. Man könnte sie deshalb als eine Art Fußball-UNO bezeichnen, zumal ihr Vorgehen Auswirkungen weit über den Sport hinaus hat und gesellschaftliche Relevanz besitzt.

Dazu passen auch die regelmäßigen Boykotte iranischer Spieler, wenn sie mit ihrem jeweiligen Klub gegen eine israelische Mannschaft antreten sollen. Im Herbst 2004 beispielsweise spielte der deutsche Rekordmeister Bayern München, wie bereits erwähnt, in der Champions League gegen Maccabi Tel Aviv. Dabei fehlte sowohl im Hin- als auch im Rückspiel der inzwischen für Hannover 96 kickende iranische Nationalspieler Vahid Hashemian. Die offizielle Begründung lautete, der Angreifer sei verletzt. Dass das nur vorgeschoben war, lag gleichwohl nahe. Denn der iranische Verband hatte Hashemian mit Konsequenzen gedroht, sollte er mit den Münchnern gegen Maccabi spielen.

Und Anfang Oktober 2007 gab es eine Menge Wirbel um den deutschen U 21-Nationalspieler Ashkan Dejagah vom VfL Wolfsburg. Denn der weigerte sich, mit zum Europameisterschafts-Qualifikationsspiel der DFB-Auswahl in Israel zu reisen. Die Spekulationen über seine Motive heizte Dejagah dabei selbst an.

„Das hat politische Gründe. Jeder weiß, dass ich Deutsch-Iraner bin“

, wurde er in verschiedenen Zeitungen zitiert. Weiter sagte er: „Ich habe mehr iranisches als deutsches Blut in meinen Adern. Außerdem tue ich es aus Respekt, schließlich sind meine Eltern Iraner.“ Von einer Furcht vor möglichen Nachteilen für seine Verwandten im Iran oder davor, dass ihm selbst künftig die Einreise in den islamischen Staat verweigert werden könnte, war erst die Rede, als die Proteste gegen Dejagah und gegen die äußerst nachsichtige Haltung des DFB zunahmen und sich zudem herausstellte, dass Dejagah doch nicht mehr, wie ursprünglich angenommen, für die A-Nationalmannschaft des Iran spielberechtigt ist.

Dass sich sowohl die UEFA als auch die FIFA aus solchen Fällen heraushalten, ist angesichts der geschilderten Benachteiligungen Israels einerseits sicher nicht verwunderlich. Andererseits handelt insbesondere der Weltfußballverband mit seinem beharrlichen Schweigen letztlich gegen seine eigenen Grundsätze. Denn die FIFA verbittet sich normalerweise jegliche Einmischung der Politik in den Fußball und schließt bei einer Zuwiderhandlung auch schon mal ein Mitgliedsland vorübergehend aus. Doch sie hat bis heute nie darauf reagiert, dass das Mullah-Regime iranischen Fußballern Wettkämpfe gegen israelische Teams strikt untersagt und ihnen mit massiven Sanktionen nicht nur sportlicher Art droht, wenn sie sich diesem Verbot widersetzen.

OLYMPISCHE BOYKOTTE GEGEN ISRAEL

Boykotte gegen israelische Athleten hat es aber nicht nur im Fußball, sondern auch in weiteren Sportarten gegeben. Zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit möchte ich dabei nennen, und an beiden war wiederum der Iran beteiligt. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen weigerte sich der hoch favorisierte iranische Judo-Weltmeister Arash Miresmaeili, gegen den Israeli Ehud Vaks anzutreten. Vaks kam kampflos eine Runde weiter, während Miresmaeili von der politischen Führung seines Landes gefeiert wurde: „Der Name von Arash Miresmaeili wird in die iranische Geschichte eingehen als ein Quelle des Stolzes für das Land“, lobte ihn der damalige Staatspräsident Mohammad Khatami. Weiter sagte er: „Das großartige Handeln und die Selbstaufopferung unseres Champions, der auf eine sichere Olympiamedaille aus Protest gegen Massaker, Terror und Besetzung verzichtet hat, ist eine nationale Ruhmestat.“ Auch der seinerzeitige Sprecher des iranischen Parlaments, Gholam-Ali Haddad-Adel, gratulierte dem Verweigerer für seine „tapfere Entscheidung“. Vize-Sportchef Ali Kafashian schlug vor, Miresmaeili mit einem speziellen Preis zu ehren. Der Judoka erhielt vom Nationalen Olympischen Komitee des Iran schließlich eine Prämie von 5.000 Dollar.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sperrte den Sportler; der Judo-Weltverband IJF verhängte jedoch keine Strafe gegen ihn oder seinen Verband. Offiziell war Miresmaeili wegen Übergewichts nicht zum Kampf zugelassen worden. Und eine Anhörung vor der IJF-Untersuchungskommission soll ergeben haben, dass Miresmaeili nie die Absicht zum Boykott des Wettbewerbs hatte. Das mutet sehr eigenartig an; schließlich hatte Miresmaeili, der Fahnenträger seines Landes bei Olympia in Athen, schon Tage vor dem Kampf angekündigt, gegen keinen Athleten aus Israel anzutreten. Mit seinem Boykott wolle er gegen die israelische Haltung im Nahostkonflikt protestieren.

Auch bei den letzten Olympischen Spielen 2008 in Peking gab es einen antiisraelischen Boykott: Der iranische Schwimmer Mohammad Alirezaei erschien nicht zu einem Vorlauf in der Disziplin 100 Meter Brust, weil mit Tom Beeri auch ein israelischer Schwimmer im Becken war. Zunächst hatte das Nationale Olympische Komitee des Iran den Start von Alirezaei erlaubt, weil dieser auf Bahn eins und der Israeli auf Bahn sieben eingeteilt waren und es sich damit nicht um ein direktes Duell gehandelt hätte. Am Ende blieb Alirezaei Platz aber doch frei. Iranischen Angaben zufolge war der Sportler erkrankt. Das IOC glaubte dieser Begründung und sprach keine Sanktionen aus.

FAZIT

Man sieht an all diesen Beispielen, dass die gegen Israel gerichteten Boykotte und die Benachteiligungen israelischer Sportler und Sportverbände eine beträchtliche Dimension haben. Vor allem die Verbände aus arabisch-islamischen Ländern weigern sich regelmäßig, ihre Sportler gegen israelische Athleten antreten zu lassen. Oft nehmen dabei die jeweiligen Regierungen beziehungsweise Regimes – wie jenes im Iran – direkten Einfluss auf die Entscheidungen der Sportverbände und sorgen so für eine unmittelbare Verquickung von Sport und Politik. Die Nichtanerkennung Israels auf politischer Ebene führt dann auf sportlicher Ebene dazu, Wettkämpfe gegen Athleten und Mannschaften aus dem jüdischen Staat zu boykottieren oder gegen sie, wie im eingangs erwähnten Fall der Tennisspielerin Shahar Pe’er, auch schon mal ein Einreiseverbot zu verhängen. Doch wie die Geschehnisse rund um das Davis-Cup-Spiel im schwedischen Malmö und das Verhalten des deutschen Fußballspielers Ashkan Dejagah gezeigt haben, beschränken sich antiisraelische Boykottaktivitäten im Sport nicht auf den arabisch-islamischen Raum.

Und diese antiisraelischen Aktivitäten sind, um es deutlich zu sagen, antisemitisch motiviert. Denn Israel kann tun und lassen, was es will – stets wird es nicht nur in seinen Nachbarstaaten für alles Unheil im Nahen Osten verantwortlich gemacht, sondern auch in unseren Breitengraden: Als sich beispielsweise die israelische Armee und jüdisch-israelische Siedler noch im Gazastreifen aufhielten, galten sie als Besatzer. Als sie sich 2005 zurückzogen, intensivierten palästinensische Terrorgruppen zum Dank ihren Raketenbeschuss, woraufhin Israel die Grenzkontrollen verschärfte – und sich fortan dem Vorwurf ausgesetzt sah, „das größte Gefängnis der Welt“ errichtet zu haben. Lässt der jüdische Staat den Raketenhagel über sich ergehen, wird er in der arabisch-muslimischen Welt als Schwächling verhöhnt. Reagiert er aber mit Sanktionen oder Gegenschlägen, dann handelt er „unverhältnismäßig“ oder „alttestamentarisch“, befördert die „Gewaltspirale“ oder begeht gar ein „Massaker“. Kurzum: Gleich, was Israel unternimmt, seine Gegner und Feinde sehen darin immer nur weitere Belege für seine abgrundtiefe Bösartigkeit. Dieses Denkmuster ist altvertraut und wohlbekannt; es ist ein judenfeindliches. Der Wiener Politikwissenschaftler Stephan Grigat urteilte denn auch in einem Beitrag für das Internetportal haGalil, Israel fungiere „als eine Art Jude unter den Staaten“. Der gegen Israel gerichtete Antizionismus sei eine „geopolitische Reproduktion des Antisemitismus, der das klassische Bild des geldgeilen, vergeistigten und wehrunfähigen jüdischen Luftmenschen durch jenes des alles niedertrampelnden, auf territoriale Expansion und völkische Homogenität setzenden Israeli ergänzt“. Und zu diesem antisemitischen Denkmuster gehört es dann auch, israelische Sportler gewissermaßen als Soldaten zu betrachten, die den Krieg im Sport sozusagen mit anderen Mitteln fortsetzen und die man jedenfalls boykottieren muss, weil sie Israelis sind, egal, was sie tun und denken.

Dachverbände wie die FIFA und die UEFA wiederum sind oft genug eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Ihre offiziell bekundete Neutralität in politischen Dingen – das sollten die verschiedenen Beispiele deutlich gemacht haben – ist erstens keine, denn oft genug haben sie israelische Athleten benachteiligt, wenn diese mit Boykotten konfrontiert wurden, oder sie haben mit zweierlei Maß gemessen. Zweitens ist eine solche scheinbare Neutralität eine faktische Parteinahme für die Feinde des jüdischen Staates. Und nicht nur deshalb, sondern auch angesichts der mal sehr milden und mal gar nicht verhängten Sanktionen bei antiisraelischen Boykotten kann man den Verbänden den Vorwurf nicht ersparen, sich immer wieder zu Komplizen der Israelhasser zu machen, wo ihre Funktionäre nicht sogar selbst welche sind. Dabei hat die Profiorganisation der Tennisspielerinnen (WTA) vorgemacht, dass es sehr wohl auch anders geht.

Nach so viel Boykottgeschichten möchte ich zum Abschluss noch von einer Episode berichten, die zumindest positiv begann. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor drei Jahren in Deutschland holte der ghanaische Nationalspieler John Paintsil nach dem entscheidenden 2:0 seiner Mannschaft gegen Tschechien eine israelische Fahne hervor, die er in seinem Strumpf verstaut hatte, und zeigte sie jubelnd dem Publikum. Zur Begründung sagte Paintsil, der damals für Hapoel Tel Aviv spielte: „Ich liebe die Fans aus Israel, deshalb habe ich mich für diese Aktion entschieden.“ Leider hatte die Geschichte kein Happy-End, denn der ghanaische Fußballverband distanzierte sich einen Tag später von seinem Kicker und empfahl ihm sogar eine Therapie. Die Botschaft lautete also: Wer für Israel ist, kann nicht ganz richtig im Kopf sein. Bei der FIFA – und nicht nur bei ihr – wird man das im Zweifelsfall genauso gesehen haben. Denn eine Oase der Vernunft war der Weltfußballverband noch nie, sondern stets nur Mitschwimmer in einem Meer von Unsinn.

2008 – Das Jahr der globalen Christenverfolgung

Niedergebrannte Kirchen, Angriffe auf Gottesdienste und Wohnungen: In zahlreichen Ländern der Welt sind Christen Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt. Mehr als 90 Prozent der aus religiösen Gründen Verfolgten und Ermordeten waren in diesem Jahr Christen. Besonders schlimm sieht es im Irak, aber auch in Indien aus.

Eine mit Pistolen und Stöcken bewaffnete Menschenmenge näherte sich dem kleinen indischen Dorf im östlichen Bundesstaat Orissa. Der Mob warf die Fenster der Kirche ein und trieb die Gottesdienstbesucher vor das Gebäude. Dann setzen die Extremisten die Holzkirche mit Fackeln in Brand. Das Lichterfest am Heiligen Abend vor einem Jahr war der willkommene Anlass für fanatische Hindus, ihren christlichen Landsleuten zu zeigen, dass sie als Christen nicht länger geduldet würden. 70 weitere Kirchen wurden abgebrannt und 600 Wohnungen von Christen zerstört.

Das Jahr 2008 wird in die Annalen eingehen als das Jahr, in dem die Diskriminierung und Verfolgung christlicher Minderheiten weltweit ein selten gekanntes Ausmaß erreicht hat. Mehr als 200 Millionen der rund 2,2 Milliarden Christen sind betroffen, wie die katholische Menschenrechtsorganisation „Kirche in Not“ in einem aktuellen Bericht bilanziert.

Keine andere Religionsgemeinschaft wird härter und grausamer verfolgt als die christliche, mehr als 90 Prozent der aus religiösen Gründen Ermordeten und Verfolgten sind Christen.

Islamische und kommunistische Länder drangsalieren ihre christlichen Minderheiten am stärksten. Auf dem „Weltverfolgungsindex 2008“ der Menschenrechtsorganisation „Open Doors“ rangiert das kommunistische Nordkorea ganz vorn, dicht gefolgt von Saudi-Arabien. Unter den ersten zehn befinden sich auch die islamischen Länder Iran, Jemen und Afghanistan. China ist vom zwölften auf den zehnten Platz vorgerückt. Auch in der früheren Sowjetrepublik Usbekistan, in Somalia, Pakistan und Ägypten werden schwere Menschenrechtsverletzungen gegen Christen begangen.

Europa sieht sich nicht als Schutzmacht für Christen

Immer wieder machen Menschenrechtsorganisationen auf die schlimme Lage für Christen in diesen Ländern aufmerksam – ohne große Wirkung in der christlich geprägten Welt. Auch der Vorstoß von Wolfgang Schäuble, eine europäische Lösung für die verfolgten Christen im Irak zu finden, lief weitgehend ins Leere. Offenbar empfindet das christliche Europa sich längst nicht mehr als Schutzmacht der Christenheit.

Anmerkung: Das christliche Europa liegt im Sterben. Da sich Europa unbedingt als eine Gegenmacht zu den USA etablieren muss, fliegt auch der mit den USA verbundene christliche Glaube über Bord.

Das Schweigen hat viele Ursachen. Noch immer halten sich Politiker und Regierungen zurück, wenn es um die Maßregelung von Ländern geht, die als ehemalige Kolonien selbst Opfer von Diskriminierung und Unterdrückung waren. Und in den sich immer weiter säkularisierenden Gesellschaften des Westens verschwindet naturgemäß die Sensibilität für Menschen, die ihrem Glauben bis in den Tod hinein treu bleiben. Die Propaganda islamistischer Gruppen, die Christen im Irak oder im Iran seien natürliche Verbündete der USA und der Nato, erscheint nicht wenigen auch im Westen plausibel.

Der pakistanische Erzbischof Lawrence Saldanha forderte deshalb den Westen auf, sich nicht als Christ für Christen, sondern als Bürger für die freie Religionsausübung als allgemeines Menschenrecht einzusetzen. Das würde dem Konflikt die kulturell-religiöse Schärfe nehmen. …

Anmerkung: Europa und auch Deutschland setzen sich lieber für die rassistisch verfolgten Moslems in ihren Ländern ein. Die sind immerhin Wähler – die anderen … nicht.

Amtlich geschürte Pogromstimmung in Indien

Handhabe dafür geben Sondergesetze, die oft in Widerspruch zu den jeweiligen Verfassungen stehen. Das gilt für das islamische Pakistan genauso wie für das mehrheitlich hinduistische Indien. Obwohl Artikel 25 der indischen Verfassung jedem Bürger das Recht auf freie Wahl der Religion zuspricht, führen immer mehr Bundesländer Gesetze ein, die die Konversion zu einer anderen Religion unter Strafe stellen.

Das schafft eine amtlich geschürte Pogromstimmung. Es sind Christen aus der untersten Kaste, die der Gewalt zum Opfer fallen. Durch ihre Ausbildung an christlichen Schulen sind die Ärmsten der Armen besser qualifiziert als viele Hindus und können sich so der Ausbeutung durch ihre hinduistischen Arbeitgeber erwehren.

Die Gewalt gegen Christen in Indien ist mit polizeilichen oder militärischen Mitteln kaum mehr einzudämmen, denn sie kommt aus der Mitte der Bevölkerung. So ging nach dem Mord an einem Hindu-Führer im August dieses Jahres, der den Christen angelastet wurde, eine weitere Gewaltwelle übers Land. In einem regelrechten Rachezug gegen christliche Siedlungen zerstörten Hindus rund 4000 Wohnungen, Schulen, Kirchen und Geschäfte. Sechzig Menschen wurden getötet.

Die junge Missionarin Rafani Majhi, die sich um Waisenkinder kümmerte, wurde bei lebendigem Leib verbrannt. Priester, auf die Extremisten hohe Kopfprämien ausgesetzt hatten, wurden angegriffen und schwer verletzt. 50.000 indische Christen flüchteten in die Wälder oder retteten sich in Flüchtlingslager.

Nach eindringlichen Bitten des katholischen Hilfswerks Misereor an die indische Regierung sagten radikale Hindus jetzt einen für Weihnachten geplanten Generalstreik ab. Sie wollten dagegen demonstrieren, dass der Mörder eines Hindu-Führers noch immer nicht gefasst ist. Viele Christen fürchten erneute blutige Übergriffe und haben Angst, an Gottesdiensten teilzunehmen.

Katastrophale Verfolgung von Christen im Irak

Noch schlimmer als in Indien werden die Christen im Irak von der Verfolgung heimgesucht. Seit dem Einmarsch der Amerikaner 2003 hat sich die Zahl der im Land lebenden Christen durch Flucht und Vertreibung von einer Million auf weniger als die Hälfte verringert. „Die Christenverfolgung in unserer heutigen Zeit hat sich zu einer wahren Katastrophe entwickelt“, klagt Erzbischof Basile Georges Casmoussa aus der nordirakischen Stadt Mossul, der kurz nach dem Sturz Saddam Husseins selbst entführt worden war. Sein Amtsbruder Paulos Faraj Rahho ist im April dieses Jahres nach Monate währender Verschleppung ermordet worden.

Von einst 25.000 Christen leben nur noch 5000 in der kurdischen Stadt. Zwanzig Christen sind dieses Jahr in Mossul umgekommen, junge Mädchen wurden entführt, vergewaltigt oder zwangsverheiratet. Wie lebensbedrohlich die Lage für die verbliebenen Mitarbeiter der christlichen Gemeinde ist, schilderte John Pontifex von „Kirche in Not“ in einem dramatischen Bericht.

Darin informierte er seine Organisation über Bombenanschläge gegen christliche Klöster und beschreibt eindrücklich die Todesgefahr, der sich die in der Stadt gebliebenen Priester aussetzen. So habe der junge Pater Bassman Fatoohey, der seit der Ermordung Rahhos die Amtsgeschäfte fortführt, gleich nach Amtsantritt einen jener berüchtigten Drohbriefe erhalten, die mit einer beigelegten Patrone unmissverständlich zur Amtsaufgabe auffordern. Doch der mutige Geistliche will bleiben.

Christen sind in Ägypten Bürger zweiter Klasse

Während Christen in streng muslimischen Ländern wie Saudi-Arabien ihre Religion überhaupt nicht ausüben können, weil schon das Tragen von christlichen Symbolen in der Öffentlichkeit streng verboten ist und Konvertiten sowie Missionare vom Tod durch das Beil bedroht sind, gerät inzwischen auch ein weltoffenes Land wie Ägypten unter den Einfluss von radikalislamischen Muslimbruderschaften. Christen dürfen keine Kirchen bauen und sind durchweg Bürger zweiter Klasse.

Das Jahr 2008 setzte bei der Diskriminierung von Christen auch für Ägypten neue Maßstäbe. So wurden am 13. Februar zwei koptisch-orthodoxe Familien im oberägyptischen Armant festgenommen, als sie auf der Polizeistation anzeigten, dass ihre Häuser von Islamisten angezündet worden seien. Die Kopten mussten ein Protokoll unterschreiben, wonach sie ihre Häuser selbst angezündet hätten.

Am 30. Mai erschossen Unbekannte in einem Stadtteil mit hohem christlichen Bevölkerungsanteil in Kairo vier koptische Christen: einen Juwelier und drei seiner Angestellten. Geraubt wurde nichts, die Polizei sprach von einem nichtreligiös motivierten Racheakt. Im Juni verwüsteten Islamisten ein koptisches Viertel der nordägyptischen Stadt Zawyet Abdel-Qader und verletzten sieben Christen schwer.

Die zweite Jahreshälfte stand im Zeichen einer Serie von Angriffen auf koptische Gotteshäuser, wobei die Angreifer regelmäßig Steine und Brandsätze warfen. Die Polizei griff gar nicht oder erst spät ein. Höhepunkt war ein Angriff von sechzig bewaffneten Muslimen auf das Abu Fana Kloster. Vier Christen wurden dabei verletzt und drei Mönche entführt. Die Islamisten banden die Männer an einen Baum und peitschten sie aus. Man zwang sie, auf ein Kreuz zu spucken und sich zum Islam zu bekennen. Einer der Mönche blieb bis heute verschwunden.

Selbst die um die Aufnahme in die Europäische Union ringende Türkei, die sich seit Atatürks Reformen als modern-laizistischer Staat versteht, lässt im Inneren zunehmend eine islamistische Ausrichtung erkennen. Immer wieder ermorden fanatische Sunniten Priester, Ordensschwestern und Missionare, die christlichen Gemeinden sind bei der Religionsausübung oder beim Bau von Kirchen Schikanen ausgesetzt. Wie angespannt das religiöse Klima im Land ist, zeigt die Aussage des türkischen Religionsministers Ali Bardakoglu, der

den Übertritt von 368 Muslimen zum Christentum als einen Versuch bezeichnete, die Türkei zu zerstören.

Dabei leben auf dem einst byzantinischen Boden heute nur noch 100.000 Christen – gerade einmal 0,15 Prozent der türkischen Bevölkerung.

Diese Doppelmoral ist schwer zu ertragen. Vergleicht man die Forderungen islamischer Verbände und Politiker (z.B. „Assimilation ist ein Verbrechen“) für die Moslems in Deutschland und Europa mit der Realität christlicher und jüdischer Minderheiten in islamischen Staaten, kann man nur zu folgendem Schluss kommen:
Das, was in den islamischen Staaten gelebt wird, ist die islamische Realität bzgl. dem Umagng mit Minderheiten. Das Geschrei hier ist nur ein Ausnutzen der deutschen Schwäche für Unterdrückte und Verfolgte, um dem Islam eine bessere Ausgangsstellung zu verschaffen.

Dschihad-Gipfel in Istanbul

Hamas befürwortet Abwanderung von Dschihad-Kämpfern nach Gaza durch Öffnung der Grenzen

Hamas-Führer, 200 weitere islamische Konservative und sunnitische Gelehrte aus Somalia, Sudan, Pakistan, Indonesien und dem Mittleren Osten kamen im Februar diesen Jahres im Holiday Inn Airport-Hotel in Istanbul zusammen und verlangten, eine dritte Dschihad-Front gegen Israel zu eröffnen. Die liberale türkische Tageszeitung Radikal zitiert BBC und deren Journalisten Bill Law, nach dessen Bericht auf der Konferenz verlangt wurde, gegen Israel eine dritte islamische Front aufzubauen, nachdem die ersten beiden Fronten in Afghanistan und dem Irak bestehen. Seit 100 Jahren seien die Beziehungen zur Türkei zwar gestört, aber Palästina habe die islamischen Opponenten wieder zusammengebracht, hieß es. Insbesondere wurde der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan gelobt, der in Davos zwei Wochen zuvor den israelischen Regierungschef Simon Peres öffentlich hart kritisiert hatte. Das Ziel des Treffens sei es auch gewesen, die schiitisch-iranisch unterstützte Hisbollah gegen Israel mit neuer Begeisterung zu betrachten, die der Kritik der sunnitischen Mehrheit ausgesetzt ist.

Der in Damaskus lebende Führer der Hamas, Muhammed Nazzal, forderte die arabischen Länder auf, ihre Grenzen nach Gaza zu öffnen, damit Dschihad-Kämpfer nach Gaza durchkämen, denn mit Israel könne es keinen Vertrag geben. Nur Waffen würden Respekt bewirken, was von allen Beteiligten mit großem Beifall beklatscht wurde.

Quelle:  http://www.radikal.com.tr/Radikal.aspx?aType=RadikalDetay&ArticleID=922461&Date=19.02.2009&CategoryID=77

Ja ja, die friedliebenden und „Israel ja so gar nicht feindlich gesinnten“ Völker des Islams … Obama …. Do You listen??? Hello …….. ?

Islamistische Gruppen in Deutschland

Die Islamische Dschihad-Union

Die islamische Dschihad-Union (IJU) gilt als eine der wesentlichsten Bedrohungen der nationalen Sicherheit Deutschlands.

[1] Sie ist eine Splittergruppe der Islamischen Bewegung Usbekistans[2] und eine sunnitischen Terrororganisation mit enger Bindung an Al-Qaida, was von den im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Buchara, Usbekistan, 2004[3] Verhafteten bestätigt wurde. Bezeugt wurden die engen Beziehungen zwischen der IJU-Führung, Osama bin Laden und Mullah Omar.[4] Zudem verfügt die IJU über gemeinsame Trainingslager mit Al-Qaida in der Grenzregion Wasiristan zwischen Afghanistan und Pakistan.[5]

Aufgrund ihrer häufigen, im Internet oder im Fernsehen präsentierten Videodrohungen ist die IJU der deutschen Öffentlichkeit bekannt.[6] In einem im April 2008 veröffentlichten IJU-Video rief der deutsche Islamkonvertit Eric Breiniger die in Deutschland lebenden Muslime dazu auf, „sich dem Dschihad anzuschließen.“[7] In einem anderen Video drohte die Gruppe am 31. Januar 2009 mit einem Anschlag in Deutschland und warnte die Zuschauer auf Deutsch, dass die Islamisierung der Welt Ziel der IJU sei.[8]

Breiniger ist ein Beispiel für den gefährlichen Trend unter radikalisierten deutschen Islamkonvertiten, die in den Terrorcamps der IJU indoktriniert und ausgebildet werden.[9] Ein weiteres Beispiel sind die von drei Terroristen geplanten Bombenanschläge von 2007. Zwei der Terroristen sind deutsche Konvertiten – Fritz Gelowicz und Daniel Martin Schneider – die IJU-Trainingslager in Pakistan besucht haben.[10] Beide wurden in Deutschland verhaftet, nachdem sie Anschläge auf den Frankfurter Flughafen und amerikanische Militäreinrichtungen – u.a. auf die Luftwaffenbasis in Ramstein – geplant hatten.[11] Diese Fälle demonstrieren die neue, von radikalen deutschen Islamkonvertiten ausgehende Gefahr. Mittels der IJU bauen sie ein Netzwerk potentieller Schläferzellen auf, die nicht mehr ausschließlich von Menschen mit nahöstlichem Hintergrund, sondern einheimischen Deutschen gestellt werden.

Hizb ut-Tahrir al-Islami

Hizb ut-Tahir al-Islami (HuT) ist eine geheime, radikalislamische, politische Organisation, die weltweit in 40 Ländern operiert einschließlich in Deutschland und deren Hauptquartier sich anscheinend in London befindet.[12] Das erklärte Ziel der HuT ist der Dschihad gegen den Westen und der Umsturz der existierenden politischen Regime sowie ihre Ersetzung durch einen religiösen, panislamischen Staat auf Grundlage der Sharia (Islamisches Recht).[13] In Deutschland wurde die Organisation am 15. Januar 2003 verboten.[14]

Vor diesem Verbot operierte die HuT hauptsächlich in Universitätsstädten in Deutschland, zielte sie doch v.a. auf junge Akademiker und Studenten.[15] Dabei propagierte die HuT die Unvereinbarkeit von Demokratie und islamischem Recht.[16] Den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes zufolge verfügte die HuT 2005 über ungefähr 300 Mitglieder in Deutschland.[17]

Am 31. Juli 2006 zog die HuT die internationale Aufmerksamkeit auf sich, als die zwei Terroristen Dschihad Hamad und Youssef el-Hajdib zwei Koffer mit Bomben in deutschen Regionalzügen deponierten,[18] auch wenn die Bomben durch fehlerhafte Konstruktion nicht detonierten.[19] Nach Aussagen der deutschen Behörden wurde dieser Anschlag zusammen von HuT und dem Al-Qaida-Ableger Fata al-Islam koordiniert.[20] Saddam el-Hadjib, der Bruder von Youssef el-Hadjib, wird verdächtigt, bei der Planung geholfen zu haben. Er war ein hochrangiges Mitglied der Fatah al-Islam und wurde 2007 bei der Konfrontation der Gruppe mit den libanesischen Streitkräften getötet.[21]

Obwohl die HuT in Deutschland verboten ist, wird sie von anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union als legal und legitim anerkannt, ein Umstand, der die deutschen Antiterrormaßnahmen konterkariert.[22] Diese Staaten bieten der HuT eine mögliche Ausgangsbasis, um Terroranschläge in Deutschland vorzubereiten. Die offenen Grenzen innerhalb der EU ermöglichen Terroristen, Deutschland von anderen EU-Staaten aus zu infiltrieren, in denen die Organisation legal zu operieren vermag.

Hisbollah

Das Islamische Zentrum Hamburg (IZH), das sich zwischen 1978 und 1980 unter direkter Führung des iranischen Ayatollah Khamenei befand, gilt als die wichtigste Hisbollah-Basis in Deutschland.[23] Gegenwärtig wird sie von Ayatollah Seyyed Abbas Hosseini Ghaemmaghami[24] geleitet und ist die engagierteste Einrichtung beim Export der islamischen Revolution des Iran.[25] Das Zentrum wird regelmäßig von Schiiten aus dem Iran, Irak, Libanon, Afghanistan, der Türkei und Pakistan sowie deutschen Islamkonvertiten besucht.[26] Es hat Zweigstellen in Berlin, München, Münster und Hannover.[27]

Alexander Ritzmann, Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy, dessen Recherche sich auf die Radikalisierung der Muslime in Deutschland und die Strukturen der Hisbollah in Europa konzentriert, glaubt, dass die von der Hisbollah ausgehende Gefahr besonderer Grund zur Sorge sei „gerade im Zusammenhang mit dem sich immer weiter verschärfenden Atomstreit mit dem Iran.“[28] Die Hisbollah in Deutschland war auch verantwortlich für die Rekrutierung und Ausbildung des deutschen Konvertiten Stefan Smyrek zum Selbstmordattentäter im Libanon in den späten 1990ern.[29] Zudem enthüllte der deutsche Verfassungsschutz 2002, dass die Hisbollah sich aktiv um Grundstückserwerb in Berlin kümmerte, um ein Hauptquartier und ein „Ausbildungszentrum“ für seine Anhänger in Deutschland einzurichten.[30] All dies verweist auf die internationale Infrastruktur und die Fähigkeiten der Hisbollah, zu jeder Zeit in Übereinstimmung mit der Obersten Führung des Iran in Deutschland Anschläge zu verüben.[31]

Gegenwärtig konzentriert sich die Hisbollah in Deutschland primär auf das Sammeln von Spenden.[32] Die deutschen Behörden verboten 2002 zwei gemeinnützige Vereine, die für die Hisbollah Spenden sammelten: die Al-Shahid Social Relief Institution[33] und Al-Aksa e.V.[34] Andere der Hisbollah nahestehende Einrichtungen bleiben in Deutschland jedoch weiterhin aktiv, unter ihnen das IZH und das „Waisenkinderprojekt Libanon e.V.“.[35] Deutsche Politiker teilen nach wie vor die Meinung, dass es eine politische Hisbollah gibt, die von der terroristischen Hisbollah, die weltweit Hunderte von Menschen ermordet hat, unabhängig sei.[36] Doch dies ist eine Fehleinschätzung. Wie Mohammed Fannish, Mitglied des Politbüros der Hisbollah und ehemaliger libanesischer Energieminister sagte, „gibt [es] keine Trennung zwischen dem militärischen und politischen Arm der Hisbollah.“[37]

Millî Görüş

Millî Görüş (MG) ist eine radikalislamische Gruppe, die mit einer politisch-religiösen Bewegung und einer Reihe islamistischer Parteien in der Türkei assoziiert ist.[38] Die deutsche Abteilung von Millî Görüş wurde 1985 in Köln gegründet.[39] Ihre Agenda ist antiwestlich, antisemitisch und antiisraelisch.[40] Die in den späten 1960er Jahren von dem türkischen Politiker Necmettin Erbakan[41] gegründete Organisation richtet sich gegen die Integration in westliche Gesellschaften. [42]

MG wird von Osman Döring geführt und verfügt nach Angaben des Verfassungsschutzes über 27 000 Mitglieder.[43] Andere deutsche Quellen behaupten jedoch eine MG-Mitgliedschaft von 57-80 000.[44] Sie wird als eine der Schlüsselorganisationen betrachtet, da sie sich an die 2,5 Mio. türkischen Einwanderer und ihre Familien sowie Menschen türkischer Abstammung in Deutschland richtet.[45]

Langfristige Strategie der MG ist es, radikalislamische Ideen zu verbreiten.[46] In ihren Moscheen und Gemeinschaftszentren bietet sie eine radikalislamische Erziehung v.a. für Kinder und junge Immigranten in Deutschland an.[47] So wurde Yakup Akbay, Vorsitzender der Jugendabteilung der von MG kontrollierten Fathi-Moschee in München, am 6. Juni 2007 vom türkischen Fernsehen mit den Worten zitiert: „Wenn Europa, wie wir es erhoffen, islamisiert wird, so wird dies das Verdienst der hiesigen Muslime bzw. der türkischen Gemeinschaft sein. Dafür leisten wir Grundlagenarbeit.“[48] Solche Aussagen und Bildungsarbeit liegen dem Radikalisierungsprozess junger Muslime in Deutschland zugrunde.[49] Dennoch haben die deutschen Behörden MG noch nicht verboten, wenngleich sie auch weiterhin unter Beobachtung steht.

Schlussfolgerung

Eine Reihe radikalislamischer Gruppen stellen für Deutschland, aber auch für den Rest der Welt eine bedeutende Herausforderung dar. Die wachsende Bedrohung durch Gruppen wie Hizb ut-Tahrir al-Islami, Hisbollah, der Islamischen Dschihad Union und Millî Görüş darf nicht unterschätzt werden. Es existieren weitere Gruppen mit ähnlicher Agenda in Deutschland und es ist wichtig anzuerkennen, dass diesen Gruppen nicht mit Beschwichtigungspolitik begegnet werden kann. Um die Entstehung einer islamistischen Parallelgesellschaft mit dem Ziel der Unterwanderung Deutschlands zu verhindern, sollte ein Verbot dieser Gruppen erwogen werden. Während jedoch ein Verbot islamistischer Gruppierungen keine Garantie gegen einen Anschlag darstellt, so sollte eine Politik der gesetzlichen „Null-Toleranz“ von Seiten des Bundestages den radikalislamischen Gruppen es deutlich schwerer machen, terroristische Infrastrukturen und Netzwerke in Deutschland aufzubauen und zu unterhalten.

[1] Verfassungsschutzbericht 2007, p. 201, http://www.verfassungsschutz.de
[2] Country Reports on Terrorism 2005, U.S. Department of State, Office of the Coordinator for Counter Terrorism, April 2006,
p. 108, http://www.state.gov/documents/organization/65462.pdf
[3] Richard Boucher, “U.S. Department of State Designates the Islamic Jihad Group Under Executive Order 13224,” 26. Mai 2005, http://merln.ndu.edu/archivepdf/terrorism/state/46838.pdf
[4] Ibid.
[5] Ibid.
[6] Für die jüngste Videobotschaft: http://www.youtube.com/watch?v=vR4caXRq9I4
[7] Peter Carstens, “Al Qaedas Video-Club,” Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Februar 2009,
[8] Alexander Ritzmann, “Terroristen machen mit Mythen Propaganda,” Welt Online, 4. Februar 2009, http://www.welt.de/politik/article3145310/Terroristen-machen-mit-Mythen-Propaganda.html
[9] Ibid.
[10] Alexander G. Higgins, “Germans Concerned about Muslim Convert,” Washington Post, 7. September 2007,
[11] Ibid.
[12] Bundesministerium des Inneren, “Schily verbietet die islamisch extremistische Organisation Hizb ut-Tahrir in Deutschland,” 15 January 2003, http://www.bmi.bund.de/cln_028/nn_165140/Internet/Content/Nachrichten/Archiv/Pressemitteilungen/2003/01/Schily__verbietet__die__islamisch__Id__91334__de.html
[13] Country Reports on Terrorism 2005.
[14] Verfassungsschutzbericht 2007, p. 208, http://www.verfassungsschutz.de
[15] Verfassungsschutzbericht 2005, pp. 209-210, http://www.verfassungsschutz.de
[16] Ibid.
[17] Ibid.
[18] “Kofferbomber: Eine Chronologie,” http://www.wdr.de/themen/panorama/kriminalitaet10/kofferbomber/071024_chronologie.jhtml?rubrikenstyle=panorama&rubrikenstyle=panorama
[19] Ibid.
[20] “Spuren im Internet,” 27. August 2006, Süddeutsche Online, http://www.sueddeutsche.de/politik/564/394353/text und “Schwere Kämpfe und ein Anschlag im Libanon,” 21. Mai 2007, FAZ.net, http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E9CDC0AFFCC074C22A89A09785B5D2B47~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[21] “Suspect in German Bomb Plot Killed in Lebanon Fighting,” Deutsche Welle, 21. Mai 2007, http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2546292,00.html
[22] Siehe HuT UK http://www.hizb.org.uk/hizb/index.php und HuT DK http://www.hizb-ut-tahrir.dk/new/
[23] Ibid.
[24] Siehe Webseite des Islamischen Zentrums Hamburg, http://www.izhamburg.com/Ueber-das-Islamische-Zentrum-Hamburg/Leitung#1978
[25] “Islamismus, Entstehung und aktuelle Erscheinungsformen,” Bundesamt für Verfassungsschutz, März 2006, p. 38.
[26] Ibid.
[27] Ibid.
[28] Alexander Ritzmann, “Töten im Auftrag der ‘Partei Gottes,’” Welt Online, 10. Oktober 2007, siehe http://www.welt.de/politik/article1247545/Toeten_im_Auftrag_der_Partei_Gottes.html . In seinem Artikel führt Ritzmann an: “[Nach Auffassung] des französischen Richters Gilles Boulouque, des argentinischen Bundesrichters José Galeano und des Berliner Kammergerichts … hat die Hisbollah in den letzten 20 Jahren mindestens dreimal außerhalb Libanons als Auftragskiller für den Iran fungiert.” Diese Gerichte beziehen sich auf eine Reihe von Anschlägen, die zwischen 1985 und 1986 in Frankreich verübt wurden, die Sprengstoffanschläge gegen die israelische Botschaft und das AIMA-Gebäude in Buenos Aires sowie das Mykonos-Attentat von 1992.
[29] Aussage Alexander Ritzmann, “Adding Hizbullah to the E.U. Terrorist List,” vor dem US-Repräsentantenhaus, Committee of Foreign Affairs, Subcommittee on Europe, 20. Juni 2007, siehe http://www.aicgs.org/documents/advisor/ritzmann0707.pdf
[30] Ilan Berman, “Hizbullah: Made in Teheran,” American Foreign Policy Council, 28. September 2006, siehe http://www.afpc.org/event_listings/viewCongressionalHearing/48 “Hisbollah plant Hauptquartier in Berlin,” Der Spiegel, 24. Juni 2002, p. 17,
siehe http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/91/25/dokument.html?titel=Hisbollah+plant+Hauptquartier+in+Berlin&id=22955219&top=SPIEGEL&suchbegriff=hisbollah&quellen=&qcrubrik=politik
[31] Alexander Ritzmann, “Töten im Auftrag der‘Partei Gottes”
[32] Verfassungsschutzbericht 2005, pp. 218-219, siehe http://www.verfassungsschutz.de
[33] Die Al-Shahid Social Relief Institution war der deutsche Arm der libanesischen “Märtyrer-Assoziation” siehe http://www.terrorism-info.org.il/malam_multimedia/English/eng_n/html/hezbollah.htm
[34] Zu “Al-Aksa e.V.” eine Stiftung der Hamas-Bewegung, die in der Vergangenheit gelegentlich auch für die Hisbollah Spenden sammelte, siehe http://www.terrorism-info.org.il/malam_multimedia/English/eng_n/html/hezbollah.htm
[35] Das “Waisenkinderprojekt Libanon e.V” unterstützt das libanesische Märtyrer-Institut, und wurde in Israel für seine Unterstützung der Hisbollah markiert. Die Webseite des Projektes weist ausdrücklich darauf hin, dass alle aufgebrachten Spenden direkt auf ein Bankkonto des libanesischen Märtyrer-Institutes überwiesen werden.Siehe: http://www.mfa.gov.il/MFA/Terrorism-+Obstacle+to+Peace/Terrorism+from+Lebanon-+Hizbullah/Arrest%20of%20Hizbullah%20agent%20from%20Kalansua%206-Aug-2008
[36] Aussage Alexander Ritzmann, “Adding Hizbullah to the E.U. Terrorist List,”
[37] Ibid.
[38] Verfassungsschutzbericht 2007, p. 240, http://www.verfassungsschutz.de
[39] Ibid., p. 217.
[40] Michael Kiefer, Islamkunde in deutscher Sprache in Nordrhein-Westfalen: Kontext, Geschichte, Verlauf und Akzeptanz eines Schulversuchs. LIT, Berlin/Hamburg/Münster 2005, p. 48.
[41] Ibid.
[42] Islamismus, Entstehung und aktuelle Erscheinungsformen, Bundesamt für Verfassungsschutz, März 2006, p. 32
[43] Ibid.
[44] Handan Çetinkaya, “Türkische Selbstorganisationen in Deutschland: Neuer Pragmatismus nach der ideologischen Selbstzerfleischung,” in Dietrich Thränhardt, Uwe Hunger (Hrsg.), Einwanderer-Netzwerke und ihre Integrationsqualität in Deutschland und Israel (LIT, Münster 2000), pp. 83-110.
[45] Statistisches Bundesamt Deutschland, 1.713.551 türkische Staatsbürger am 31.12.2007 Quelle: Ausländerzentralregister (AZR), siehe http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/AuslaendischeBevoelkerung/Tabellen/Content50/TOP10,templateId=renderPrint.psml
[46] Verfassungsschutzbericht 2007, pp. 184-185.
[47] Ibid.
[48] Ibid. p. 228-229.
[49] Ibid. p. 185.

Assad will nur Friedensprozess, nicht Frieden

Der stellvertretende, israelische Außenminister Daniel Ayalon sagte am Samstag, dass der syrische Präsident Bashar al-Assad nur an einem Friedensprozesses mit Israel anstatt an einem echten Friedensabkommen interessiert sei.

„Der syrische Präsident realisiert in vollem Umfang, dass der Preis für den Frieden eine Öffnung zum Westen wäre, was wiederum eine Bedrohung für die Stabilität seines Regimes ist“,

sagte Ayalon während eines Vortrags in Be’er Sheva.

„Allerdings glaubt er, dass er durch die Einbindung in einen Friedensprozess in der Lage wäre,  Syrien aus der internationalen Isolation zu befreien, in der es gegenwärtig ist .“

Ayalons Bemerkungen fielen, nachdem Assad  am Freitag gesagt hatte, er könne einen Termin für die Wiederaufnahme der indirekten Friedensgespräche mit Israel nicht festlegen, weil es niemanden auf der anderen Seite zum Verhandeln gäbe.

„Wir können nicht über ein Datum [für die Wiederaufnahme der Gespräche] sprechen, weil wir keinen Partner haben“,

sagte Assad in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Aber er fügte hinzu:

„Syrien will Frieden genauso wie die Rückkehr der besetzten Gebiete.“

Assad bezog sich auf die Golanhöhen, die Israel im Sechs-Tage-Krieg 1967 eingenommen hatte.

Die syrische Führer sagte auch, dass Israels dreiwöchige Offensive gegen die Hamas im Gaza-Streifen verhindert habe, dass die türkisch-vermittelten Gespräche in eine konkrete Phase gekommen wären. Die Verhandlungen wurden während des Krieges offiziell ausgesetzt, der im Januar endete.

Assads türkischer Amtskollege forderte mittlerweile Israel am Freitag auf, in Richtung einer Wiederaufnahme der Friedensgespräche hinzuarbeiten und sagte, Ankara sei bereit, ihre Rolle als Vermittler zwischen den beiden Parteien fortzuführen.

„Israel muss deutlich zeigen, dass es ein Partner ist.“,

sagte Gül.

„Wir haben von Syrien gehört, dass es bereit ist, die Friedensgespräche an dem Punkt weiterzuführen, an dem sie mit der früheren [israelischen] Regierung beendet wurden. Wir in der Türkei sind auch bereit,“

fügte Gül mittels eines Übersetzers hinzu.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte einer Gruppe russischer Journalisten letzte Woche, dass Israel sich wegen des strategisch-militärischen Wertes nicht von den Golanhöhen zurückziehen werde.

Syrische Amtsträger haben darauf verzichtet, auf die Bemerkungen von Netanjahu zu antworten. Sie ignorierten auch Aussagen von Außenminister Avigdor Lieberman im vergangenen Monat, dass Israel mit Syrien nur dann über Frieden sprechen würde, wenn sie keine Vorbedingungen oder Ultimaten setzen würden.

Netanjahu war an Gesprächen unter US-Vermittlung zwischen Syrien und Israel während seiner früheren Amtszeit als Ministerpräsident in den 90er Jahren beteiligt.

Die Gespräche, die fast 10 Jahre andauerten, wurden im Jahr 2000 abgebrochen, als Assads Vater, der verstorbene Präsidenten Hafez al-Assad, ein israelisches Angebot ablehnte, sich von den Golanhöhen zurückzuziehen, aber mehrere hundert Meter des nordöstlichen Ufers des See Genezareths zu behalten.

Syrien bandelt immer stärker mit dem Iran an. Es tut so, als gäbe es keinen Verhandlungspartner auf der israelischen Seite. Dabei spricht Israel nur aus, unter welchen Bedingungen die Gespräche fortgesetzt werden können.
Die Türkei brüstet sich mit ihrer Vermittlerrolle, steht aber stärker auf Syriens Seite. Ein abgekartetes Spiel?
Nach dem Besuch Netanjahus in Washington und seiner Erklärung der zukünftigen israelischen Außenpolitik wird es sicherlich mehr Klarheit geben

Mor Gabriel

„Im vergangenen Jahr hat der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan bei seiner Rede in Köln gesagt, Assimilation sei ein Verbrechen. Erdogan muss es wissen, denn seit Jahrzehnten versucht der türkische Staat, die Kultur von religiösen Minderheiten durch erzwungene Assimilation zu vernichten.“

Huch, wer sagt denn sowas? Ist das nicht Islamophbie?

Mor Gabriel, ein Kloster in der Türkei: Von den etwa achtzig Klöstern, die dort seit dem vierten Jahrhundert gegründet wurden, ist das im Jahr 397 erbaute Kloster eines der letzten Zeugen seiner Zeit.
Damit wurde Mor Gabriel fast zweihundert Jahre vor dem Auftreten des Propheten Mohammed errichtet und damit lange, bevor Moscheen gebaut werden konnten.

Und was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?

Nun, es gibt ein paar Vorwürfe seitens der türkischen Justiz an das Kloster: Mor Gabriel …

  • … habe die Grenzen der umliegenden Dörfer verletzt,
  • … den Wald als Weidefläche okkupiert,
  • … verfüge ohnehin über mehr Land, als die Gläubigen zum Beten bräuchten,
  • … sei auf muslimischen Gräbern erbaut worden und habe dafür eine Moschee zerstört.

Der Abt des Klosters …

  • … spalte die Bevölkerung,
  • … schicke Kinder zur Missionsarbeit aus,
  • … und unterrichte Fremde in einer fremden Sprache (tatsächlich wird in Mor Gabriel vierzig Kindern von Assyrern nachmittags ein aramäischer Dialekt gelehrt)

In der Türkei ist es üblich, mit Verfahren um angeblich ungeklärte Grundbucheinträge den christlichen Gemeinschaften, die de jure als Stiftungen existieren, den Ort ihres Wirkens zu entziehen. Sollten die Klagen gegen Mor Gabriel Bestand haben, wird das Kloster enteignet.

Hier in Deutschland haben sich Vertreter verschiedener Gruppen – aus aramäischen, alevitischen, kurdischen, armenischen Gemeinden und aus Mitgliedern des Verbands der Griechen aus Pontos – zu einer Initiative zusammengetan, um gegen die Vorgehensweise der türkischen Justiz zu protestieren. Darauf reagierte der türkische Generalkonsul Hakan Kivanc – laut einem Bericht der Initiative – leicht aggressiv:

Man soll sich nicht auf die Deutschen verlassen, denn für Deutsche seien Türken ohnehin alle gleich. Wenn die Deutschen könnten, würden sie die Türken durch eine Tätowierung kennzeichnen und ihnen das Gleiche antun, was sie während der Nazizeit getan haben. Wenn man Deutschen die Pulsadern aufschneidet, fließt braunes Blut. Die Türkei ist die einzige Schutzmacht, die die Türken schützt.

Die Türkei geht ihren Weg immerhin konsequent. Weg vom Laizismus, hin zum Islam und damit gegen Christen und Juden.
Im Ausland – und gerade in Deutschland – werden die Türken natürlich brutalst diskriminiert und sind die „neuen Juden Europas“. Aber in der Türkei dürfen die Türken mit Christen umspringen, wie sie lustig sind, denn das sind ja innertürkische Angelegenheiten, in die man sich nicht einmischen darf, und grenze schon an – oder sei – Islamophobie.

Es ist diese verdrehte, selbstgerechte, Fakten ignorierende, mit unterschiedlichen Maßstäben arbeitende Weltsicht, die einen den Glauben an einen friedlichen Islam verlieren lässt.

Moslems dürfen alles, auch die eigenen Gesetze brechen – sie sind schließlich die Erleuchteten, aber die anderen dürfen so gut wie gar nichts.
Das ist das alte Dhimmi-Denken: Alle Nicht-Moslems sind nur Menschen 2.Klasse.

Fällt die Türkei als strategischer Partner aus?

Boris Kalnoky/Die Welt.

Bisher sah im Nahen Osten die Grundgleichung so aus: auf der einen Seite Israel, die Türkei und die USA, auf der anderen Seite Israels Gegner. Doch diese Balance ändert sich diskret, aber rasch, zum Nachteil Israels. Wichtigster Grund dafür sind Änderungen der türkischen Politik.

So hält die Türkei gegenwärtig gemeinsame Militärübungen mit Syrien ab. Konkret geht es dabei zwar um die Bekämpfung von Schmuggelbanden, es gibt auch ein gemeinsames Interesse, die jeweilige kurdische Minderheit in Schach zu halten, und zudem sind der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Syriens Präsident Baschir al-Assad gute Freunde. Doch eine Signalwirkung haben diese Übungen trotzdem. Denn Manöver hielt die Türkei bislang vor allem mit ihrem „strategischen Partner“ Israel ab, nicht mit dessen Gegnern. Entsprechend besorgt ist man nun in Israel. „Eine beunruhigende Entwicklung“, nannte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak das Manöver. Er hoffe, dass die strategische Partnerschaft mit der Türkei über solchen Dingen stehe.

Dass er das nur hoffen kann, liegt daran, dass Ankara derzeit großes Interesse an der Freundschaft mit Syrien zeigt. Mit dieser Freundschaft begründete der türkische Generalstab das Manöver, und zu dieser Freundschaft soll demnächst eine Zusammenarbeit im Rüstungsbereich gehören. Sprich: türkische Waffen für das syrische Militär.

Ebenso beunruhigend war für die Israelis ein Besuch des libanesischen Präsidenten Michel Suleiman in der Türkei. Da nämlich kam am 21. April ein „Memorandum of understanding“ zur militärischen Zusammenarbeit der Türkei auch mit dem Libanon zustande. Was darin stand, will die auf Sicherheitspolitik spezialisierte israelische Website debkafile.com herausgefunden haben: Das israelische Militär sei „schockiert“ zu erfahren, dass massive Waffenverkäufe und die Entsendung türkischer Ausbilder für die libanesische Armee beschlossen – und von US-Präsident Obama gutgeheißen wurden.

Offiziell wird eine Stärkung der Armee als notwendig für die Stabilisierung des Libanon angesehen, gegen die radikale Hisbollah-Miliz, die von Syrien und dem Iran unterstützt wird. Inzwischen aber ist die Hisbollah so stark geworden – und wird bei den Parlamentswahlen in einem Monat wohl noch weiter erstarken -, dass das Land nicht mehr gegen sie regiert werden kann. Sogar UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte am Dienstag, die Hisbollah sei nicht nur eine Gefahr für den Libanon, sondern auch für andere Länder, speziell für Ägypten, wo sie Verbindungen zur Muslimbruderschaft unterhält. Die politische Dominanz der Schiitenmiliz im Libanon spiegelt sich auch in Bemerkungen des libanesischen Präsidenten: Sollte Israel neuerlich den Libanon angreifen, werde die Armee gemeinsam mit der Hisbollah gegen Israel kämpfen. Ohnehin besteht sie zur Hälfte aus Hisbollah-Anhängern. Da könnten türkische Waffen einen Weg aus den Kasernen zur Schiitenmiliz finden.

Indes meint man in der türkischen Regierung, dass die Hisbollah sowie die radikale Hamas und Syrien gestärkt und ermutigt werden müssten, um zur Vernunft zu kommen. Doch aus israelischer Sicht droht aus der Türkei ein „Partner“ zu werden, der im Falle eines neuen Krieges die Gegner Israels bewaffnen könnte.

Nun ja, die Türkei macht sich auf zu neuen Ufern. Die Zeiten des Laizismus sind eh vorbei, die Positionierung gegen die USA und Israel nimmt stetig zu, Christen werden stärker verfolgt als zuvor, der Islam in der Türkei stetig auf dem Vormarsch.

Türkei: Vorbehalte gegenüber Christen wachsen

Vorbehalte gegenüber Christen nehmen in der Türkei zu. Das geht aus dem Jahresbericht über Religion und Werteinstellungen des Züricher Medienforschungsinstituts Media Tenor hervor. Demnach ist der Anteil der türkischen Bevölkerung, der eine kritische Haltung gegenüber Christen einnimmt, von 44 Prozent im Jahr 2004 auf 74 Prozent im Jahr 2008 gestiegen.

Damit genießen Christen in dem Land, das Mitglied der Europäischen Union werden will, das schlechteste Image aller befragten Länder. Selbst im muslimisch geprägten Pakistan (60 Prozent), dem kommunistischen China (55) und Ägypten (46) liegt der Anteil der Bevölkerung, die Christen gegenüber skeptisch ist, unter dem Wert der Türkei. Grund dafür ist laut dem geschäftsführenden Chefredakteur von Media Tenor, Roland Schatz, die Berichterstattung über die Papst-Rede im September 2006 in Regensburg. Darin ging Benedikt XVI. auf die Rolle der Gewalt im Islam ein. Manche Muslime sahen diesen Vortrag als eine Hasspredigt an. Die größten Vorbehalte gibt es dem Bericht zufolge gegenüber den Juden: In Ägypten, Jordanien und Libanon stehen zwischen 95 und 97 Prozent der Bevölkerung ihnen kritisch gegenüber. Das Bild über Muslime ist besonders in Japan (61 Prozent), Indien (56) und China (55) mit Vorbehalten belastet. In Deutschland steht jeder zweite ihnen skeptisch gegenüber.

Hier die aufbereiteten Zahlen: (mehr dazu hier)

Kritische Haltung gegenüber Christen in % Kritische Haltung gegenüber Juden in % Kritische Haltung gegenüber Moslems in %
Deutschland 12 25 50
Frankreich 17 20 38
Großbritannien 7 9 23
Spanien 24 46 52
USA 3 7 23
Polen 8 36 46
Russland 7 34 32
Türkei 74 (von 44% in 2004) 76 9
Ägypten 46 95 1
Jordanien 25 96 2
Libanon 14 97 3
Australien 8 11 29
China 55 55 55
Indien 37 32 56
Indonesien 41 66 2
Japan 38 44 61
Pakistan 60 76 1
Süd-Korea 36 41 50
Argentinien 14 32 34
Brasilien 21 50 53
Mexiko 28 46 21
Nigeria 17 43 20
Südafrika 10 46 45
Tansania 6 39 13