• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
    Thomas Mann

    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand!
    Max Frisch

    „Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft …
    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
    Carlo Schmid (1949)

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Bewiesen: Die Bibel ist zionistischer Lug und Trug

Wenn Ideologie und der Wunsch nach Bestätigung der eigenen Weltsicht die Suche nach der Wahrheit auffressen …

Bewiesen: Die Bibel ist zionistischer Lug und Trug.

.. dann kommt dabei heraus, dass die Bibel jetzt wissenschaftlich widerlegt ist.

Auch der Glaube an die „Wissenschaft“ kann eine Religion sein. Denn das Wesen der Wissenschaft ist es, ihre eigenen Ergebnisse immer wieder in Frage zu stellen. Das hat der „Guardian“ anscheinend nicht verstanden.

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Klima – qou vadis, Forschung?

Von Marco Evers, Olaf Stampf und Gerald Traufetter

Schlampereien, Fälschungen, Übertreibungen: Die Klimaforschung steckt in einer Vertrauenskrise. Wie zuverlässig sind die Vorhersagen über die globale Erwärmung und ihre schlimmen Folgen? Droht wirklich der Weltuntergang, wenn die Temperaturen um mehr als zwei Grad steigen?

Für Phil Jones ist das Leben „furchtbar“ geworden. Vor Monaten noch war er ein Mann mit hoher Reputation: Chef der Klimaforscher an der Universität von East Anglia im engli-schen Norwich; ein Meister seines Fachs; der Vater der alarmierenden Weltfieberkurve.

Vorbei.

Jetzt findet Jones ohne Pillen keinen Schlaf mehr. Immerzu spürt er eine Enge in der Brust. Nur Betablocker helfen ihm über den Tag. Er ist abgemagert. Seine Haut wirkt fahl. Er ist 57, sieht mittlerweile aber viel älter aus. Der Forschungsskandal, in dessen Mittelpunkt er steht, traf ihn so unvorbereitet wie ein Auffahrunfall auf der Autobahn.

Untersuchungskommissionen der Universität und des britischen Parlaments prägen neuerdings seinen Alltag. Wie ein Haufen Elend hockt er bei den Befragungen auf seinem Stuhl, zitternd manchmal. Das Internet ist voll von Spott über ihn, es hagelt Beschimpfungen und Morddrohungen: „Wir wissen, wo du wohnst.“

Jones ist fertig – seelisch, körperlich, beruflich. Mehrfach hat er in letzter Zeit erwogen, sich umzubringen. Er schreckte dann doch davor zurück; vor allem, weil er sehen will, wie seine fünfjährige Enkelin aufwächst.

„Ich habe keine Daten manipuliert“

Zwischen 1975 und 1998, so eine Kernaussage seiner berühmten Klimastatistik, ist die Mitteltemperatur auf der Erde pro Jahrzehnt um 0,166 Grad Celsius angestiegen. Dies sei das eindeutige Resultat seiner Forschung und der vieler anderer Wissenschaftler. „Zu 100 Prozent bin ich sicher, dass es auf der Welt wärmer geworden ist“, sagt Jones beschwörend. „Ich habe keine Daten manipuliert oder fabriziert.“

Sein Problem: Die Öffentlichkeit traut ihm nicht mehr. Seit Unbekannte 1073 private Mails seiner Forschergruppe heimlich kopiert und im Internet veröffentlicht haben, ist seine Glaubwürdigkeit dahin – und auch die der ganzen Zunft, die bisher auf Grundlage seiner Arbeiten zu Werke ging.

Genugtuung verspüren nun all jene, welche die globale Erwärmung schon immer als globale Verschwörung von Wirtschaftsfeinden gesehen haben. Die sogenannten Klimaskeptiker fühlen sich nun bestätigt; denn in seinem Schriftverkehr mit Kollegen, allesamt Hohepriester der Klimaforschung, wirkt Jones eben nicht wie ein objektiver Forscher, sondern wie ein Aktivist oder Missionar, der „seine“ Daten als persönliches Heiligtum betrachtet und sie vor kritischen Blicken Andersdenkender schützen will.

„Wir müssen unseren Lebensstil ändern“

Die „Climategate“ getaufte Affäre ist ein Sturzbach auf die Mühlen der Skeptiker. Vor allem in den angelsächsischen Ländern verzeichnen sie regen Zulauf. Was mit den gehackten E-Mails in Großbritannien begann, hat sich zur Krise einer ganzen Forschungsdisziplin ausgewachsen. In den Mittelpunkt rückt dabei vor allem jene wissenschaftliche Elitetruppe, die so einflussreich ist wie kaum eine andere: der Weltklimarat IPCC.

Im Auftrag der Vereinten Nationen erstellen die darin organisierten Forscher – vornweg Phil Jones – regelmäßig Prognosen über das drohende Treibhausklima. Ohne die Berichte des Weltklimarats würden die Regierungen nicht so leidenschaftlich über den Ausstieg aus dem Öl- und Kohlezeitalter streiten.

Ende 2007 wurde dem Weltklimarat sogar der Friedensnobelpreis verliehen. Bei der Entgegennahme der Auszeichnung trat IPCC-Präsident Rajendra Pachauri als das personifizierte Weltgewissen auf.

„Wir müssen unseren Lebensstil ändern“, beschwor der Inder seine Zuhörer. „Die Zeit der Zweifel ist vorbei.“

Was für ein Absturz! Nicht einmal drei Jahre nach diesem Triumph tauchen immer neue Fehler, Schlampereien und Übertreibungen im aktuellen IPCC-Bericht auf: die umstrittene Temperaturkurve von Phil Jones; die auf einem simplen Zahlendreher beruhende Unsinns-Prognose, wonach schon 2035 alle Himalaja-Gletscher abgeschmolzen sein würden; die angebliche Zunahme von Naturkatastrophen, für die es keine Quelle gibt.

Aufpasser für den Weltklimarat

Mitte März zog Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die Notbremse und bestellte einen Aufpasser für den Weltklimarat. Der Inter Academy Council, ein Zusammenschluss von 15 nationalen Akademien der Wissenschaften, soll bis zum Herbst die Arbeit des IPCC überprüfen.

Schon jetzt besteht Einigkeit: Der Weltklimarat muss tiefgreifend reformiert werden. Die Auswahl seiner Autoren und Gutachter war nicht unparteiisch genug, die Arbeitsgruppen sprachen zu wenig miteinander, fragwürdige Quellen wurden verwendet, und es gab keine Mechanismen, wie mit Fehlern umzugehen ist.

Und es geht auch um den Kopf von IPCC-Präsident Pachauri, einem „führenden globalen Denker“ (wie er sich in seiner offiziellen Biografie feiern lässt). Der gelernte Eisenbahningenieur, der während seiner Rettungsflüge fürs Weltklima einen erotischen Roman schrieb und den Menschen Fleischverzicht empfahl, hat in der Krise eine miserable Figur gemacht. Begründete Einwände am IPCC-Bericht kanzelte der Klima-Guru als „Voodoo-Wissenschaft“ ab.

Als erste Fachorganisation fordert jetzt die deutsche Leibniz-Gemeinschaft, der mehrere Klimaforschungsinstitute unterstehen, personelle Konsequenzen. Leibniz-Präsident Ernst Rietschel sieht die Klimaforschung „in einer schwierigen Situation“, weil man den Skeptikern „eine offene Flanke hingehalten“ habe. Rietschel zum SPIEGEL:

„Rajendra Pachauri sollte dafür die Verantwortung übernehmen und zurücktreten.“

Unterm Strich bleibt für die gesamte Zunft ein gewaltiger Schaden.

„Wir erleiden gerade eine massive Erosion des Vertrauens“, konstatiert der deutsche Klimatologe Hans von Storch. „Durch die Politisierung ist die Klimaforschung ähnlich korrumpiert worden wie zuvor die Atomphysik, die uns vor Tschernobyl weismachen wollte, Kernkraftwerke seien absolut sicher.“

Ein Glaubenskrieg

Kein anderer Wissenschaftszweig ist politisch derart aufgeladen. Zwischen Alarmisten und Skeptikern herrscht ein Glaubenskrieg. Besonnene Klimaforscher drohen dazwischen zerrieben zu werden. Aber es geht ja auch ums Ganze: den Billionen Euro teuren Totalumbau der Industriegesellschaft. Mächtige Wirtschaftsinteressen kommen ins Spiel und unerschütterliche Grundüberzeugungen.Die Glaubwürdigkeitskrise der Klimaforschung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Seit dem gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen befindet sich die Umweltpolitik ohnehin in der Schockstarre. US-Präsident Barack Obama etwa hat seine Initiative für ein neues Klimagesetz auf Eis gelegt. Und der französische Präsident Nicolas Sarkozy kippte vorige Woche seine Pläne für eine Klimasteuer: „Wir werden unserer Industrie doch keine Belastungen auferlegen.“

Auf der anderen Seite wiederum unterstellt Mohamed Nasheed, Präsident der vom Untergang bedrohten Malediven, den Amerikanern eine Intrige, um die Klimaforschung lächerlich zu machen: „Ein teuflischer Plan ist im Gange.“

Auch in Berlin wächst derweil die Befürchtung, dass die Bürger nicht mehr länger bereit sein könnten, teure Klimaschutzanstrengungen mitzutragen. Einen dramatischen Meinungsumschwung ergibt eine Umfrage im Auftrag des SPIEGEL: Die Deutschen verlieren die Angst vor dem Klimawandel. Fürchtete sich vor rund drei Jahren noch eine satte Mehrheit von 58 Prozent vor der globalen Erwärmung, ist es jetzt nur noch eine Minderheit von 42 Prozent.

„Gravierende politische Konsequenzen“

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) drängt den Weltklimarat, offensiver mit eigenen Fehlern umzugehen.

„Der IPCC sollte offen zu ihnen stehen und diese korrigieren“, sagt er dem SPIEGEL. „Es ist unabdingbar, möglichst schnell das Vertrauen in die Arbeit des IPCC wiederherzustellen.“

Besorgnis herrscht mittlerweile auch im Bundesforschungsministerium, das die Klimawissenschaft in diesem Jahr mit 250 Millionen Euro alimentiert. Ministerin Annette Schavan (CDU) bestellte die deutschen IPCC-Forscher bereits zu einem „Gespräch zur Klärung der Situation und zur Verbesserung der Qualitätssicherung“ ein. Im Forschungsministerium ist man entsetzt darüber, wie unprofessionell der Weltklimarat organisiert ist. „Dabei müssen die Ergebnisse des IPCC doch über jeden Zweifel erhaben sein, da sie Auswirkungen in Billionenhöhe und gravierende politische Konsequenzen haben können“, wundert sich der zuständige Unterreferatsleiter Wilfried Kraus.

Reinhard Hüttl, Chef des GeoForschungsZentrums in Potsdam mit fast tausend Mitarbeitern und Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, sieht inzwischen elementare Tugenden bedroht:

Wissenschaftler dürfen sich ihren Thesen niemals so ergeben, dass sie nicht mehr in der Lage sind, sie im Lichte neuer Erkenntnisse zu widerlegen.“ In der Forschung gehe es nicht um Glauben, sondern um Erkenntnis. Leider gebe es immer mehr Wissenschaftler, die Politiker sein wollten.

„Wenn sich bewahrheitet, was über die Affäre in England bekannt wurde, dann wäre das eine Katastrophe für die Klimaforschung insgesamt“, sagt Hüttl. „Wir können uns nur selbst kontrollieren, und wenn wir dabei versagen, wer soll uns dann noch glauben?“

Wir gehen wärmeren Zeiten entgegen

Das britische Klimaforschungszentrum Met Office weiß sich nur noch einen Rat. Um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, müssten alle Klimadaten umgehend im Netz neu zusammengestellt werden; zugänglich für jedermann, bei maximaler Transparenz, mit kritischen Würdigungen darüber, wie verlässlich die jeweiligen Informationen wirklich sind. Dieses internationale Großprojekt, so schätzt das Met Office, werde mindestens drei Jahre dauern – eine Art Offenbarungseid.

Dabei eint die meisten Klimatologen, dass sich am Ende die Sicht auf den Klimawandel nicht nennenswert verändern wird. Fast alle eint eine Grundüberzeugung: Wir gehen wärmeren Zeiten entgegen.

Die Forscher fürchten nur, dass sie ohne einen offenen, ehrlichen Prozess kein Gehör mehr finden werden. So kommt womöglich vieles noch einmal auf den Prüfstand, was eigentlich längst als gesichertes Wissen galt. Im Kern geht es um fünf elementare Fragen zur Zukunft des Klimas:

  • Um wie viel Grad ist es auf der Erde tatsächlich schon wärmer geworden – und wie sehr werden die Temperaturen noch ansteigen?
  • Wie stark wird im Treibhausklima der Meeresspiegel anschwellen?
  • Muss in Zukunft mit nie dagewesenen Superstürmen gerechnet werden?
  • In welchen Weltgegenden wird es mehr Dürren geben – und wo mehr Überschwemmungen?
  • Wird die Lage auf dem Planeten wirklich unbeherrschbar, wenn sich die globale Mitteltemperatur um mehr als zwei Grad erhöht?

Wer dieser Tage mit führenden Klimatologen spricht, erfährt, wie viel in Wahrheit noch ungeklärt ist. Medien, Politiker, aber auch die Wissenschaftler selbst haben bisweilen eine Sicherheit über die Veränderungen von Sonne, Wind und Regen vorgegaukelt, die so nicht existiert.

Temperaturanstieg: Rebell gegen die Klima-Päpste

Ein Mann beobachtet mit besonderer Genugtuung, wie Phil Jones und seine Kollegen einen Kotau nach dem anderen machen müssen. Steve McIntyre wohnt in einem kleinen Backsteinhaus unweit der Innenstadt von Toronto. Dort sitzt er an einem Sonntagnachmittag, draußen taut es, an einem abgewetzten Schreibtisch, nur beschienen von einer kalten Energiesparlampe an der Decke.

Dieser Mann mit lichtem grauem Haar, der ihnen den ganzen Schlamassel eingebrockt hat, ist für die Klimaforscher ein ungleicher Gegner. „Das ist der Computer, auf dem ich das Nachrechnen begann“, sagt er und hält ein ordinären Laptop der Marke Acer in die Höhe: 40 Gigabyte Festplatte, sechs Jahre alt. „Zu Weihnachten hat mir meine Frau endlich einen neuen geschenkt.“

Was für ein Vergleich zu den Supercomputern, die Phil Jones und den anderen Propheten der globalen Erwärmung zur Verfügung stehen! Deren Rechner füllen ganze Stockwerke. Statt von Gigabyte sprechen sie von Petabyte. Wie konnte es dazu kommen, dass dieser Kanadier eine so selbstbewusste Forscherzunft zum Kniefall zwingen konnte?

Die berühmte Hockeyschläger-Kurve

Alles begann damit, dass seine drei Kinder anfingen zu studieren und auszogen aus seinem Haus voller asiatischer Antiquitäten. „Auch an der Börse lief es nicht so gut“, erinnert sich McIntyre. „Da habe ich mir sechs Monate Zeit gegeben, um zu überprüfen, wie die Klimaforscher auf ihre Kurven kommen.“

Normalerweise arbeitet McIntyre im Investment großer Bergbauprojekte. Rechnen, das konnte er immer schon gut. „In der Schule habe ich Mathematikpreise gewonnen“, sagt McIntyre. Doch nach seinem Studium, unter anderem an der Elite-Universität Oxford, trug es ihn fort aus der akademischen Welt, hinein in die des großen Geldes.

Seine späte Rückkehr sollte die akademische Welt erschüttern. Denn ihm fiel eine Grafik mit einer Kurve in die Hände, deren Form ihm nur allzu vertraut schien. Es war jene berühmte Hockeyschläger-Kurve, mit der der US-Klimastatistiker Michael Mann beweisen wollte, dass die Temperaturen seit über tausend Jahren niemals so stark angestiegen sind wie heute.

McIntyres Misstrauen war geweckt: „In Finanzkreisen spricht man von einer Hockeyschläger-Kurve, wenn dir irgendein Investor etwas unterjubeln will und dazu eine schöne steile Kurve präsentiert.“

Der sture Kanadier löcherte einen Forscher nach dem anderen, ihm die Rohdaten zur Verfügung zu stellen – bis er fündig wurde und die Hockeyschläger-Kurve als Mogelei entlarvte.

Die Hauptzeugen der Klimahistoriker um Michael Mann sind Baumringe. Das Problem: Dendrochronologen benötigen recht viele Bäume aus geeigneten Regionen, um aus ihrem früheren Wachstum Rückschlüsse auf die damaligen Temperaturen zu ziehen. „Wenn wir weiter als 500 Jahre zurückgehen, haben wir leider nicht viele verlässliche Bäume für unsere Analysen“, erklärt Jan Esper von der Universität Mainz. Viel spricht etwa dafür, dass es im Mittelalter zwischen 900 und 1300, als die Wikinger auf Grönland Viehzucht betrieben und in Schottland Wein angebaut wurde, in Wahrheit doch wärmer war als heute.

Genau das hat Mann mit einer Gewissheit bestritten, die selbst seine Mitstreiter irritierte. Dann stellte McIntyre die Mann-Kurve auf den arithmetischen Prüfstand. Er wirft Mann vor, aus dem statistischen Rauschen seiner Baumringdaten mehr oder weniger willkürlich den Hockeyschläger herausgefiltert zu haben. Zum Beweis programmierte McIntyre seinen Computer mit der mannschen Methodik und fütterte ihn dann mit vollkommen willkürlichen Daten. McIntyre: „Das Resultat war eine Hockeyschläger-Kurve.“

Als Nächstes knöpfte der kanadische Rebell sich dann die noch viel wichtigeren Temperaturkurven der jüngsten Vergangenheit vor, die von Phil Jones und auch jene seines Mitstreiters James Hansen von der Nasa. Alles in allem waren es keine wirklich großen Schnitzer, die er anfangs aufdeckte, dafür aber umso peinlichere. Lange behaupteten die Forscher etwa, 1998 sei in den USA das heißeste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen gewesen – bis McIntyre ihnen vorrechnete, dass es 1934 noch heißer war.

Immer neue fadenscheinige Gründe

Sie hassen ihn, den Erbsenzähler, dafür. In den gehackten Mails nennen sie ihn wahlweise „Trottel“, „Irrer“ oder „Spielplatz-Rüpel“. Doch mit ihrer Selbstherrlichkeit machten ihn die Klimaforscher zu einer Legende im Internet. Sein Blog Climateaudit.org wird monatlich von einer Million Menschen besucht. Klimaskeptiker sind darunter, die üblichen Verschwörungstheoretiker, aber mittlerweile auch viele Gelehrte, die rechnen können.

McIntyre versichert, dass er durchaus an den Klimawandel glaube.

„Ich will das Kind doch gar nicht mit dem Bade ausschütten“, sagt er. „Aber wenn ich Fehler finde, dann will ich, dass diese auch korrigiert werden.“

Immer wieder bombardierte er Jones mit Mails, in denen er sich auf das Gesetz zum freien Informationszugang berief. Diese Hartnäckigkeit stürzte Jones in die Katastrophe.

So beharrlich McIntyre nach den Rohdaten fragte, so beharrlich verweigerte sie ihm Jones und ließ sich für seine Ablehnung immer neue fadenscheinige Gründe einfallen. Dumm nur, dass zu McIntyres Unterstützern irgendwann auch Leute gehörten, die wissen, wie man heimlich in Computer eindringen und Daten entwenden kann.

Die irdische Fieberkurve

Ihr Ziel war gut gewählt. Phil Jones saß wie eine Spinne im Netz. Über seine Computer lief fast jede interne Debatte der Klima-Päpste und hinterließ digitale Spuren.

Vor allem aber hütete Jones den „rauchenden Colt“ der Klimaforschung: die irdische Fieberkurve. Die Temperaturaufzeichnungen seit Beginn der Industrialisierung sollen beweisen, dass es auf dem Planeten seit 1850 bereits um knapp ein Grad Celsius wärmer geworden ist.

Zwar stützen auch indirekte Belege die Theorie von der Erderwärmung: Die Gletscher in den Gebirgen ziehen sich zurück, der Meeresspiegel steigt, das Meereis der Arktis schwindet. Aber diese Indizien sind nichts im Vergleich zu den Messdaten der Wetterstationen.

Das Problem dabei: Die Qualität der Rohdaten, die von Wetterdiensten aus der ganzen Welt stammen, sind von höchst unterschiedlicher Güte. So sprangen bei etlichen Stationen die Temperaturen nach oben, weil ringsherum Häuser und Fabriken errichtet worden waren. Anderswo wurden Stationen verlegt und lieferten daher plötzlich andere Messwerte. In allen diesen Fällen musste Jones deshalb mit statistischen Methoden die Fehler aus den Temperaturmessungen korrigieren („homogenisieren“).

Hat er beim Glattbügeln sauber gearbeitet? Die meisten Klimaforscher nehmen Jones vorerst ab, dass er nicht mutwillig manipuliert hat. Bei Treu und Glauben wird es allerdings wohl bleiben müssen. Denn unter dem Druck der Angriffe durch McIntyre musste Jones Unglaubliches zugeben: Er hat die Aufzeichnungen, wie er die Homogenisierung vornahm, gelöscht. Wie aus den Rohdaten seine Temperaturkurve wurde, lässt sich somit nicht mehr nachvollziehen.

„Über die schlampige Dokumentation ehrlich erschrocken“

Für Peter Webster, Meteorologe an der Georgiatech-University in Atlanta, ist dieser Vorgang „eine der größten Sünden“, die ein Wissenschaftler begehen kann:

„Das ist so, als ob ein Koch seine Gerichte nicht mehr kochen könnte, weil er die Rezepte verschusselt hat.“

Während Hobbyklimatologe McIntyre jahrelang vergebens um die Rohdaten gebettelt hatte, hat Webster sie auf Anfrage von Jones schließlich erhalten – als bislang einziger Wissenschaftler.

„Ich bin über die schlampige Dokumentation ehrlich erschrocken“, erklärte der US-Forscher gegenüber dem SPIEGEL.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit fahndet Webster seit einigen Monaten nach Ungereimtheiten in der Jones-Kurve. Schon länger bekannt etwa ist, dass bei der Messungen der Meerestemperaturen auffällige Temperatursprünge zu verzeichnen sind. Die Erklärung: Ab den vierziger Jahren wurde die Wassertemperatur nicht mehr in Eimern voll Meerwasser gemessen, sondern am Einlassventil für das Kühlwasser der Schiffsmotoren.

„Das kann eigentlich nicht sein“

Doch bei der Analyse der Jones-Daten entdeckte Webster nun verdächtig ähnliche Temperatursprünge – allerdings an Land: „Das lässt sich mit Wassereimern nicht erklären.“

Einen anderen Temperatursprung erklärt das Jones-Team damit, dass die Luftverschmutzung etwa durch strengere Abgasgesetze seit den siebziger Jahren zurückgegangen sei. Denn Dreck in der Luft schirmt die Sonnenstrahlung ab. Wird die Luft sauberer, steigen folglich die Temperaturen. Seltsam daran nur: Die Luftverschmutzung im Süden war immer schon weit geringer als im Norden. „Auf der Südhalbkugel befinden sich weniger Land und weniger Industrie“, erklärt Webster. Doch der Temperaturanstieg ist im Süden genauso stark wie im Norden. „Das kann eigentlich nicht sein“, sagt Webster.

Der Forscher glaubt zwar nicht, dass die bisherigen Ungereimtheiten dazu führen, die Jones-Kurve zu stürzen. „Aber wir würden natürlich gern wissen, was hinter all diesen Phänomenen steckt.“ Verbirgt sich hinter den Temperaturerhöhungen zumindest teilweise ein natürlicher Mechanismus, so würde das den Anteil des menschlichen Einflusses an der jetzigen Erwärmung verringern.

Kritiker halten Jones vor, er berücksichtige vor allem einen Faktor nicht genügend: die Ausbreitung der Städte. Stationen, die sich früher außerhalb der Zentren befanden, stehen heute mittendrin. Da es aber in den Städten stets wärmer ist als außerhalb, steigen schon dadurch die Temperaturen.

Der Umweltökonom Ross McKitrick, ein Mitstreiter von McIntyre, untersuchte alle wachstumsintensiven Länder, in denen ein solcher urbaner Hitzeeffekt zu erwarten war – und wurde fündig. Seine Studie reichte er noch rechtzeitig für den letzten IPCC-Report ein.

Jones versuchte alles, diese für ihn kritische Publikation zu unterdrücken. Ihm kam zugute, einer der beiden Hauptautoren des Temperaturkapitels gewesen zu sein. In einer der gehackten Mails gibt er offen zu, er wolle diese störende Publikation auf jeden Fall aus dem IPCC-Bericht heraushalten, „und wenn ich dazu die Regeln der wissenschaftlichen Begutachtung neu definieren muss“.

Am Ende gelang ihm das zwar nicht. Doch immerhin schmuggelte Jones noch den vernichtenden Satz in den IPCC-Report hinein, die Erkenntnisse von McKitrick seien „statistisch unsignifikant“ – also bedeutungslos.

Klimaforscher Storch fordert jetzt, die Temperaturkurve von einer unabhängigen Institution noch einmal neu erstellen zu lassen. Die Skeptiker sollten daran beteiligt werden. Die Bearbeitung der Rohdaten werde allerdings ein paar Jahre in Anspruch nehmen.

„Anders lässt sich das verlorengegangene Vertrauen nicht zurückgewinnen“, sagt er, „auch wenn ich sicher bin, dass die neue Kurve nicht wesentlich anders aussehen wird als die alte.“

Und falls doch? Storch:

„Das wäre in der Tat der Super-GAU der Klimaforschung – dann müssten wir wieder bei null anfangen.“

Auch andere zentrale Vorhersagen der Klimatologen, etwa über einen spürbaren Anstieg des Meeresspiegels, müssten dann neu begutachtet werden. Dabei ist es ohnehin unsicher genug, wie stark die Ozeane in Zukunft anschwellen werden.

Anschwellender Meeresspiegel: Vor uns die Sintflut?

Es waren Szenen wie aus einem Horrorfilm: Wie Riffe ragen die Wolkenkratzer von New York aus der See. Überflutet sind längst auch Hamburg und Hongkong, London und Neapel. Anderswo hat das Meer ganze Länder verschluckt: Dänemark, die Niederlande und Bangladesch existieren nicht mehr.

Mit solchen Horrorvisionen rüttelten Klimaforscher vor einem Vierteljahrhundert die Öffentlichkeit auf. Um mehr als 60 Meter, so rechneten die Gelehrten vor, stiege der Meeresspiegel an, wenn als Folge des Treibhauseffektes sämtliches Eis abschmelzen würde.

Von solchen Schauermärchen ist heute keine Rede mehr. In keiner aktuellen Simulation taucht noch das komplette Abtauen des antarktischen Eispanzers auf. Andererseits bezweifelt auch kaum ein Glaziologe, dass das Wasser an den Küsten Ende des Jahrhunderts deutlich höher stehen wird als heute. Doch um wie viel genau? Die Schätzungen reichen von 18 Zentimeter – bis 1,90 Meter.

„Für Küstenplaner und Politiker ist das natürlich keine befriedigende Aussage“, gesteht Peter Lemke, Chefklimatologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

„Aber wir können nicht als Gewissheit verkaufen, was wir nicht genau wissen.“

Im aktuellen IPCC-Bericht wird eine eher konservative Spanne von 18 bis 59 Zentimetern angegeben. „Die meisten Experten halten diese Schätzung für zu gering“, sagt Lemke.

Zwei Faktoren beeinflussen die Höhe des Meeresspiegels. Der erste wirkt direkt: Erwärmt sich Wasser, dann dehnt es sich aus. Bis zum Jahr 2100 steigt der Meeresspiegel schon dadurch um circa 22 Zentimeter. Dieser Effekt ist relativ genau zu berechnen.

Komplizierter zu kalkulieren ist das Abschmelzen der Gebirgsgletscher sowie der Inlandeise Grönlands und der Antarktis. Derzeit tauen vor allem die Gletscher der Gebirge auf, von den Anden bis in den Himalaja. 0,8 Millimeter steuern sie nach IPCC-Berechnungen jedes Jahr zum Meeresspiegelanstieg bei. Dazu kommen noch jeweils 0,2 Millimeter aus Grönland und der Antarktis.

Jüngste Satelliten-Messungen deuten indes auf ein höheres Tempo hin. Glaziologen vermuten, dass Teile der Westantarktis und vor allem Grönlands schneller abtauen als ursprünglich angenommen. Doch mit einer neuen Prognose halten sich viele Forscher zurück.

Denn die inneren Prozesse der gigantischen Eisschilde sind bislang zu wenig verstanden. Zuverlässige Messdaten über das Verhalten der kalbenden Gletscher gibt es erst seit rund zehn Jahren. Derzeit spucken Grönlands Gletscher besonders viel Eis ins Meer; doch nach einer solchen Phase kommen viele Eisströme auch für längere Zeit wieder zur Ruhe.

Wie die meisten seiner Kollegen wettet Lemke auf einen Meeresspiegelanstieg, der irgendwo zwischen einem halben und einem Meter liegt.

Deichen oder weichen – die Küstenbewohner haben Erfahrung darin, sich gegen die Naturgewalten zu wehren. So laufen die Sturmfluten in Hamburg heute um mehr als einen halben Meter höher auf als noch in den sechziger Jahren – und zwar ganz ohne Klimawandel, nur aufgrund der Verengung des Elbstroms.

Trotzdem ist die Hansestadt heute weniger bedroht als damals – dank verbesserten Hochwasserschutzes.

Allerdings sind es ja nicht nur die steigenden Pegel, die für Sturmfluten sorgen können. Mindestens ebenso wichtig ist der Wind, der die Wassermassen gegen die Küsten drückt.

Stehen uns im Treibhausklima wirklich stürmischere Zeiten bevor?

Mehr oder weniger Wind: Die Legende von den Superstürmen

Kaum hatte Wirbelsturm „Katrina“ vor fünf Jahren die Südstaatenmetropole New Orleans verwüstet, brach unter US-Wissenschaftlern der „Hurrikan-Krieg“ aus. „Katrina“ sei nur der Anfang, warnten die Alarmisten im Stil von Strafpredigern; schon bald würden Superstürme von nie dagewesener Wucht über uns hinwegrasen. Die Besonnenen widersprachen heftig, sie sahen keinen Anlass für solche Befürchtungen.

Der Streit eskalierte, als der Klimatologe und IPCC-Hauptautor Kevin Trenberth auf einer Pressekonferenz in Harvard verkündete, es gebe einen klaren Zusammenhang zwischen der Erwärmung und der Zunahme von Hurrikans. Aus Wut über diese haltlose Prophezeiung kündigte sein Kollege Chris Landsea vom National Hurricane Center in Miami seine Mitarbeit beim Weltklimarat auf.

Nun haben die Rivalen überraschend Frieden geschlossen – und Landsea hat sich weitgehend durchgesetzt mit seiner beruhigenden Einschätzung.

Im vorigen Monat publizierte Landsea gemeinsam mit den Top-Hurrikan-Forschern der USA eine Untersuchung, die endgültig die Luft rauslässt. Ihr Fazit:

„Tropische Stürme werden in der Zukunft eher in ihrer Häufigkeit abnehmen oder aber auf einem praktisch gleichen Niveau bleiben.“ Die Windspitzen könnten zwar etwas zunehmen; doch das seien „keine wirklich substanziellen Veränderungen“ (Landsea).

Die Entwarnung an der Hurrikan-Front ist eine weitere Schlappe für den Weltklimarat. Denn ganz im Sinne von Hauptautor Trenberth wurde im IPCC-Bericht noch vor mehr Hurrikans im Treibhausklima gewarnt. Besonders mysteriös ist eine Grafik im IPCC-Bericht, für die keine Quelle angegeben wird. Sie zeigt mit suggestiver Kraft, wie die Schäden durch Extremwetter mit den Durchschnittstemperaturen steigen.

Als der Hurrikan-Forscher Roger Pielke jr. von der University of Colorado in Bolder die Abbildung entdeckte, war er entsetzt. „Ich würde ja selber gern einen solchen Zusammenhang finden“, sagt er. „Aber momentan gibt das die Faktenlage einfach nicht her.“

Pielke hat versucht, die Herkunft der Grafik zu recherchieren. Fündig wurde er bei dem Chefwissenschaftler einer Londoner Firma, die für große Versicherungskonzerne Risikoberechnungen vornimmt. Der Versicherungsforscher behauptet, die Abbildung niemals für eine Veröffentlichung vorgesehen zu haben. Wie die Geistergrafik in den IPCC-Bericht gelangte, ist bis heute ungeklärt.

Anfangs schien die Furcht vor Monsterwinden durchaus begründet zu sein: Weil die Ozeane wärmer werden, so der Verdacht, nähmen auch die Wirbelstürme mehr Energie auf. Doch die Wirklichkeit ist wie so oft komplizierter. Damit ein Hurrikan entstehen und überleben kann, müssen in der Atmosphäre ganz besondere Bedingungen herrschen: „Scherwinde zerstören so einen Wirbelsturm schon in einem frühen Stadium“, berichtet Landsea, der jedes Jahr mit Messflugzeugen in die Unwetterzellen hineinfliegt. Scherwinde aber dürften in einem wärmeren Klima zunehmen. Aus diesem Grund weisen viele Computermodelle inzwischen sogar eher einen Rückgang der Hurrikan-Aktivität aus.

„Außerhalb der Tropen wird sich überhaupt nichts ändern“

Die tatsächlich beobachtete Zunahme von Hurrikans seit den späten Sechzigern führen die Forscher auf einen natürlichen Zyklus in den Ozeanströmungen zurück. Die stetig steigenden Schadenssummen, die von den Rückversicherungskonzernen verzeichnet werden, sind erst recht kein zuverlässiger Indikator. „Wenn man den Zuwachs an Häusern, Straßen oder Fabriken herausrechnet, die in Hurrikan-Gebieten neu gebaut und versichert werden, dann lässt sich kein Aufwärtstrend mehr erkennen“, erläutert Pielke.

Noch klarer sind die Prognosen für alle Stürme außerhalb der tropischen Zonen. Weit verbreitet ist die Befürchtung, mit steigender Erwärmung würden immer heftigere Stürme über uns hinwegfegen.

Aus den aktuellen Langzeitprognosen lässt sich ein solcher Trend jedoch keinesfalls herauslesen, schon gar nicht für die gemäßigten Breiten.

„Alle Computermodelle zeigen: Außerhalb der Tropen wird sich überhaupt nichts ändern“, versichert Jochem Marotzke, Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M). „Über unseren Köpfen werden sich in Zukunft weder mehr noch stärkere Stürme zusammenbrauen.“

Lediglich die Zugbahnen der Tiefdruckgebiete könnten sich im Treibhausklima ändern. In Skandinavien wird es vermutlich mehr Wind geben, am Mittelmeer weniger. Für Mitteleuropa dazwischen gilt: keine spürbare Änderung.

Physikalisch ist es leicht zu erklären, dass den meisten Weltgegenden gar keine stürmischeren Zeiten bevorstehen. Denn nach den Modellen erwärmen sich die hohen Breiten stärker als die Regionen rund um den Äquator (was auch erklärt, warum der Klimawandel in der Arktis schon so deutlich sichtbar ist). Unterm Strich nehmen die Temperaturunterschiede auf der Planetenoberfläche damit ab – wodurch die Winde sogar schwächer wehen.

Schlechte Zeiten für Horrorstürme.

Starkregen oder Dürre: Die Gewinner und Verlierer

Seit über 30 Jahren tüfteln die Forscher nun schon an ihren Klimamodellen, doch ein Naturphänomen kriegen sie einfach nicht in den Griff:

„Die Wolken bereiten uns noch immer die größten Schwierigkeiten“, bestätigt Marotzke. „Die Unsicherheiten sind weiterhin sehr groß. Das bleibt für uns das Thema Nummer eins.“

Von der Theorie her erscheint alles simpel: Wird es wärmer, verdunstet mehr Feuchtigkeit. Aber bilden sich deshalb auch mehr Wolken? Und falls ja: Bremsen oder beschleunigen sie dann die globale Erwärmung?

An ihrer Oberfläche wirken Wolken wie Spiegel, die das Sonnenlicht zurück in den Weltraum werfen; dadurch kühlen sie die Atmosphäre. Mit ihrer Unterseite hingegen halten sie die vom Boden abgestrahlte Wärme zurück – und die Temperaturen steigen.

Welcher der beiden Effekte überwiegt, hängt von der Höhe und der Art der Wolken ab. „Man muss ja nur nach oben blicken, um zu erkennen, wie viele verschiedene Typen es dort gibt“, sagt der US-Wolkenforscher Björn Stevens, seit kurzem ebenfalls Direktor am MPI-M. „Und jede Wolkenart verhält sich anders.“

Bislang weiß keiner so genau, welche Wolken vom Treibhausklima begünstigt werden. Von der Lösung dieses Rätsels aber hängt es ab, ob die Erwärmung um ein Grad höher oder um ein Grad niedriger ausfällt, als von den heutigen Modellen vorhergesagt – ein beträchtlicher Unsicherheitsfaktor. Stevens:

„Wohin das Pendel ausschlägt, ist noch nicht entschieden.“

Zweifellos wird es Verlierer geben

Trotz der enormen Unsicherheiten besteht jedoch zumindest in einem Punkt Einigkeit: Die globale Erwärmung lässt sich nicht mehr stoppen.

Doch wäre das wirklich so schlimm? Drohen tatsächlich Plagen biblischen Ausmaßes? Oder hat ein wärmeres Klima nicht auch Vorteile? Wird es vielerorts zu höheren Ernteerträgen und mehr Tourismus führen?

Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Zweifellos wird es Verlierer geben – aber eben auch Gewinner. Ob die Erwärmung eher schadet oder nutzt, kommt ganz auf den Standort des Betrachters an.

Leider sind die Computersimulationen, die das Klima der Zukunft vorhersagen, noch immer zu ungenau, um für jedes Land und jede Region verlässliche Aussagen zu treffen. Vergleichsweise leicht lässt sich zwar prognostizieren, wie stark die Durchschnittstemperaturen in den unterschiedlichen Weltgegenden vermutlich ansteigen werden. Bei den Niederschlägen hingegen sind die Modelle noch immer recht wacklig, ihre Prognosen widersprechen einander erheblich.

Immerhin zeichnet sich bei den meisten Simulationen ein klarer Trend ab:

„Wo es heute schon viel regnet, wird es noch mehr regnen“, erklärt Erich Roeckner, ein Veteran der Klimaforschung, der seit Jahren simuliert, wie sich in wärmeren Zeiten die Niederschläge verändern. „Und wo es heute trocken ist, wird es in Zukunft noch trockener werden.“

Falsch ist die weitverbreitete Legende, unter dem Klimawandel hätten wieder mal nur die Entwicklungsländer zu leiden, die Ärmsten der Armen. Zumindest die aktuellen Klimamodelle geben das nicht her.

In Zentralafrika zum Beispiel, so die Vorhersagen, wird sich kaum etwas ändern; die Niederschläge dürften konstant bleiben. Und im einstigen Welthungergebiet Sahelzone könnte es nach den meisten Simulationen sogar mehr regnen. Roeckner:

„Wenn sich das bewahrheitet, wäre das natürlich ein überraschend positiver Nebeneffekt.“

Klare Gewinner sind aber vor allem jene Weltgegenden im Norden, in denen es bisher zu kalt und zu ungemütlich war. Auf bessere Ernten und ein Aufblühen des Tourismus können sich zum Beispiel Länder wie Kanada und Russland freuen. Die Arktis-Anrainerstaaten hoffen zudem auf ein Abschmelzen des Meereises, um an bislang unzugängliche Rohstoffe heranzukommen. So werden die Skandinavier allein unter dem schlechten Gewissen zu leiden haben, dass sie vom Klimawandel profitieren.

Trockener hingegen wird es vor allem in vielen subtropischen Regionen werden. Meist betrifft das Industriestaaten, also die Verursacher der globalen Erwärmung. Die neuen Dürrezonen liegen vermutlich im Süden der USA und in Australien, allerdings auch in Südafrika. In Europa dürften insbesondere Mittelmeerländer wie Spanien, Italien und Griechenland mit noch mehr Trockenheit zu kämpfen haben als jetzt schon.

Gute Zeiten für die Hotels an Nord- und Ostsee

Im europäischen Tourismusgewerbe könnte es zu einer drastischen Verschiebung kommen: schlechte Zeiten für die Bettenburgen in Südspanien, gute Zeiten für die Hotels an Nord- und Ostsee.

„Wenn ich ein Ferienhaus auf Mallorca hätte“, scherzt Max-Planck-Forscher Marotzke, „würde ich es verkaufen und mir eins auf Usedom suchen.“

So könnte Deutschland eher zu den Gewinnern des Klimawandels gehören. Am Ende des Jahrhunderts herrschen hierzulande wohl mediterrane Verhältnisse. In Hamburg wird es im Sommer dann so warm sein wie heute in Freiburg; und der Sommer in Freiburg gleicht dem heutigen in Marseille. Vielleicht wachsen dann sogar Palmen auf Helgoland.

Aber es gibt auch Schattenseiten. Während es im Sommer trockener wird, nehmen im Herbst und im Winter die Regenfälle deutlich zu. Speziell in Norddeutschland könnte es häufiger Hochwasser geben. Um Überschwemmungen zu vermeiden, wird es notwendig sein, für eine bessere Entwässerung der Äcker und Felder zu sorgen und den Flüssen ihre alten Überflutungsflächen zurückzugeben ( www.regionaler-klimaatlas.de).

In besonders trockenen Gegenden wiederum, etwa in Brandenburg, wird im Sommer die Waldbrandgefahr weiter zunehmen – wie schon als Folge der bisherigen Erwärmung. Paradoxerweise hat die abgebrannte Fläche dennoch seit 1970 rapide abgenommen. Die Erklärung: Es brechen zwar tatsächlich mehr Brände aus; doch weil inzwischen optische Rauchdetektoren die Wälder überwachen, werden die Feuer schneller gelöscht. Bei einem Fortschreiten der Erwärmung könnte es zudem notwendig werden, die Kiefernwälder durch Mischwälder zu ersetzen.

„Erstmal versuchen, in die nahe Zukunft zu schauen“

Für heute lebende Deutsche, die in diesem Winter übers Glatteis schlitterten, sind all diese Szenarien noch weit entfernt. Was haben schon Simulationen über die Welt in 100 Jahren mit der heutigen Lebenswirklichkeit zu tun?

Um die Folgen der globalen Erwärmung anschaulicher zu machen, wird am Hamburger Klimarechenzentrum deshalb derzeit ein mittelfristiges Szenario hochgerechnet: die Welt in 20 Jahren.

„Wir wollen erstmals versuchen, in die nahe Zukunft zu schauen“, sagt Institutsdirektor Marotzke. „Das ist schwieriger, da die Schwankungen größer sind als auf lange Sicht.“

Noch rechnen die Supercomputer vor sich hin. So viel immerhin lässt sich schon jetzt sagen: Die Durchschnittstemperaturen werden bis 2030 schätzungsweise um ein weiteres halbes Grad ansteigen; das wäre noch einmal eine ebenso deutliche Erwärmung wie seit den siebziger Jahren. Marotzke: „Das werden wir deutlich spüren.“

Droht wirklich der Weltuntergang?

Wir werden viel mehr laue Sommernächte kriegen, der Frühling kommt immer früher. Und bereits in 20 Jahren könnte in Deutschland Schnee von gestern sein.

All das ist nicht mehr abwendbar.

Selbst wenn die Menschheit die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sofort einstellen würde, gäbe es in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten einen weiteren moderaten Temperaturanstieg. Denn die planetare Wetterküche reagiert erst mit einer gewissen Verzögerung auf die Treibhausgase, die bis heute schon in die Luft gepustet wurden.

Offen ist nur, ob es gelingen kann, die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, wie es sich die Staatenlenker auf dem Gipfel in Kopenhagen vorgenommen haben.

Kritiker stellen eine ganz andere Frage: Wie sklavisch muss sich die Menschheit an dieses Ziel halten? Droht wirklich der Weltuntergang, wenn diese Grenze überschritten wird?

Wege aus der Treibhausfalle: Die Erfindung des Zwei-Grad-Ziels

Klimamodelle gehören zu den rechenaufwendigsten aller Simulationen. Weltweit verfügen nur eine Handvoll Institute über die dafür erforderlichen Supercomputer. Monatelang laufen die Rechner auf Hochtouren, um den Datendschungel der verkoppelten Differentialgleichungen zu durchdringen.

Für Politiker ist das alles viel zu hoch. So genau wollen sie das auch gar nicht wissen. Mit Strahlungsbilanzen und Ozean-Atmosphäre-Zirkulationsmodellen können sie wenig anfangen. Am liebsten haben sie einfache Zielvorgaben.

Bedrängt von der Politik, erfand eine Gruppe deutscher Wissenschaftler deshalb Mitte der neunziger Jahre eine leicht verdauliche Botschaft: das Zwei-Grad-Ziel. Um größere Schäden an Mensch und Natur zu verhindern, so mahnten die Gelehrten, dürfe es auf Erden höchstens um zwei Grad Celsius wärmer werden als vor Beginn der Industrialisierung.

„Ist ganz klar ein politisches Ziel“

Das war eine ziemlich gewagte Schätzung. Doch die Entscheidungsträger hatten endlich eine greifbare Zahl. Nun begann eine verblüffende Erfolgsgeschichte.

Selten hat eine wissenschaftliche Idee einen so großen Einfluss auf die Weltpolitik gehabt. Von der Mehrheit aller Staaten wurde das Zwei-Grad-Ziel inzwischen anerkannt.

Bei Überschreiten der Zwei-Grad-Grenze, so verkündete der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor dem gescheiterten Kopenhagen-Gipfel, „wäre ein Leben auf unserem Planeten, wie wir es bisher kennen, nicht mehr möglich“.

Doch das ist wissenschaftlicher Unfug.

„Zwei Grad sind keine magische Grenze, das ist ganz klar ein politisches Ziel„, sagt selbst Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). „Weder kommt es bei einer stärkeren Erwärmung sofort zum Weltuntergang, noch sind wir bei einer geringeren Erwärmung auf jeden Fall gerettet. Die Wirklichkeit ist natürlich viel komplizierter.“

Schellnhuber wird es wissen: Er ist einer der Väter des Zwei-Grad-Ziels.

„Jawohl, ich bekenne mich schuldig“, sagt er lächelnd. Seiner Karriere hat die Idee nicht geschadet, sie machte ihn zum einflussreichsten Klimaforscher Deutschlands: Der theoretische Physiker stieg zum wissenschaftlichen Chefberater von Kanzlerin Angela Merkel auf – ein Amt, in dem sich auch weniger eitle Forscher sonnen würden.

Die Menschen sind Kinder der Eiszeit

Begonnen hat die Geschichte des Zwei-Grad-Ziels im „Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“. Die Regierungspolitiker baten den Expertenrat um Leitlinien für den Klimaschutz. Daraufhin kamen die Forscher unter Schellnhubers Führung auf eine verblüffend einfache Idee. „Wir schauten uns die Klimahistorie seit Entstehung des Homo sapiens an“, erinnert sich Schellnhuber. „Heraus kam, dass die globalen Durchschnittstemperaturen in den letzten 130.000 Jahren allerhöchstens zwei Grad höher waren als vor Beginn der industriellen Revolution. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfahlen wir deshalb als Faustformel, diesen Erfahrungsbereich der menschlichen Evolution besser nicht zu verlassen. Sonst würden wir Terra incognita betreten.“

Was so bestechend klingt, erweist sich bei näherer Betrachtung als Taschenspielertrick. Denn die Menschen sind Kinder der Eiszeit; über viele Jahrtausende kämpften sie in einem Klima ums Überleben, in dem es mindestens vier Grad kälter war als heute, teilweise sogar mehr als acht Grad.

Unterm Strich hat die Menschheit somit bereits weit heftigere Temperaturschwankungen als zwei Grad überstanden. Und die kalten Zeiten waren dabei immer die schlechten Zeiten. Hinzu kommt: Der heutige Zivilisationsmensch hat weit mehr technische Möglichkeiten, sich an den Klimawandel anzupassen als frühere Gesellschaften.

Was ist all die Orakelei wert?

Seit der ersten groben Schätzung, rechtfertigt Schellnhuber, seien noch viele andere gute Gründe für das Zwei-Grad-Ziel hinzugekommen. Mit immer neuen Studien ist das Bild aber auch deutlich unübersichtlicher geworden.

Korallenriffe zum Beispiel könnten schon bei einer Erwärmung der Ozeane um 1,5 Grad dem Untergang geweiht sein. Die Ernteerträge in der Landwirtschaft hingegen dürften bis 2,5 Grad Erwärmung sogar höher werden – eine frohe Botschaft für eine wachsende Weltbevölkerung.

Doch was ist all die Orakelei wert? Es ist schon schwer genug, exakt zu berechnen, um wie viel Grad Celsius die Temperaturen in den kommenden Jahrzehnten ansteigen werden. Vollends spekulativ wird es, im Detail vorherzusagen, wie sehr die Erwärmung dem Tourismus nutzt oder der Artenvielfalt schadet.

„Natürlich sind die Aussagen der Klimafolgenforschung weniger belastbar, als es wünschenswert wäre“, gibt Schellnhuber zu. „Aber wir können den Regierenden ja schlecht 10.000 Studien aus „Science“ und „Nature“ auf den Tisch knallen, damit wären sie natürlich überfordert. Wir müssen als Fachleute versuchen, die Vielzahl der Analysen zu plausiblen Szenarien zu verdichten.“

„Das Zwei-Grad-Ziel hat mit seriöser Wissenschaft wenig zu tun“

Kritiker finden, dass die Klimafolgenforscher mit ihrer Form der Politikberatung zu weit gegangen seien.

„Das Zwei-Grad-Ziel hat mit seriöser Wissenschaft wenig zu tun“,

sagt Hans von Storch. Viele seiner Forscherkollegen verstünden sich inzwischen zu sehr als politische Aktivisten, die etwas bewirken wollten. Darunter leide die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft insgesamt. Hierin liege auch eine tiefere Ursache für „Climategate“ und die Schlampereien im IPCC-Bericht.

„Manche meiner Kollegen verhalten sich leider wie Pastoren, die ihre Ergebnisse genau so präsentieren, dass sie zu ihrer Predigt passen“, klagt Klimatologe Storch. „Es ist sicher kein Zufall, dass alle bekanntgewordenen Fehler immer in Richtung Übertreibung und Alarmismus gingen.“

PIK-Direktor Schellnhuber ärgern solche Verdächtigungen, zumal wenn sie sich gegen seine Person oder sein Institut richten. Sonst immer diplomatisch-leise sprechend, hebt der geborene Bayer dann die Stimme. Er sei weit davon entfernt, ein Umweltaktivist oder Überzeugungstäter zu sein.

„Das ist doch vollkommen absurd!“, erregt er sich. „Ich marschiere auf keiner Demo mit, bin nicht Mitglied bei den Grünen, ich esse gern Fleisch und fahre BMW. Ich habe auch nicht Physik studiert, um Klimaforscher zu werden.“

„Es kann also auch ganz anders kommen“

Aber jetzt sei es nun einmal so, dass er Insiderwissen über drohendes Unheil erworben habe; und das dürfe er nicht für sich behalten. „Wenn ich als Schiffspassagier mit meinem Fernglas sehe, dass wir auf einen Eisberg zusteuern“, rechtfertigt sich Schellnhuber, „dann muss ich doch sofort den Kapitän warnen.“

Aber wie weit ist der Eisberg tatsächlich noch entfernt? Wie viel Zeit bleibt, um das Schiff auf einen Ausweichkurs zu bringen? Und wie groß ist das Kollisionsrisiko wirklich? Das sind entscheidende Fragen. Denn in Wahrheit geht es nicht um das Abbremsen eines Luxusdampfers, sondern um den gewaltigen Kraftakt, möglichst schnell das Öl- und Kohlezeitalter zu beenden.

„Wir Klimaforscher können nur mögliche Zukünfte beschreiben“, betont Mathematiker Storch. „Es kann also auch ganz anders kommen.“

Der Norddeutsche, einer der Pioniere der Klimamodellierung, rät zu mehr Gelassenheit. Auf der Nordseeinsel Föhr ist er mit Sturmfluten groß geworden. Aus seiner Lebenserfahrung weiß er: Der Mensch ist ein zähes, anpassungsfähiges Wesen.

„Angst machen gilt nicht“, sagt Storch. „Der Klimawandel passiert ja nicht von heute auf morgen. Wir haben noch genug Zeit zu reagieren.“

via SPon

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Evolution und globale Erwärmung nur Ideologie?

Einen Sturm der Empörung hat der leitende Wissenschaftler des israelischen Bildungsministeriums ausgelöst, als er die Wissenschaftlichkeit von Evolution und Erderwärmung hinterfragte. Mehrere Umweltaktivisten und Wissenschaftler forderten daraufhin seine Entlassung. Nicht zuletzt durch seine führende Position im israelischen Bildungswesen, sehen sie die Freiheit der Forschung in Gefahr.

„Wenn Lehrbücher ausdrücklich behaupten, der Mensch stamme vom Affen ab, denn hätte ich gerne, dass unsere Studenten sich auch mit anderen Ansichten befassen“, erklärte Dr. Gavriel „Gabi“ Avital, „Es gibt viele Leute, die der Evolutionstheorie keinen Glauben schenken.“ Gleichzeitig beklagte er, dass es Leute gebe, „für die Evolution eine Religion ist“, und die deshalb „nicht bereit sind, irgendetwas anderes zu hören“.

Eine weitere heilige Kuh des modernen Zeitgeistes tastete der 51-jährige Luftfahrtexperte aus Rehovot an, als er meinte:

„Wenn in unseren Schulbücher steht, dass die Erde wärmer wird wegen des Kohlenstoffdioxidausstoßes, bestehe ich darauf, dass dies nicht der Fall ist.“

In einem Artikel vom 29. Oktober 2009 hatte Avital unter der Überschrift „Die Religion der Grünen“ beklagt, dass es einen „grünen Kreuzzug“ gebe, der die Wissenschaft in den Dienst von Politik und Ideologie verpflichte. Die Behauptung, dass es keinen Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß und Erderwärmung gebe, belegt er anhand von Messbeispielen der vergangenen Jahre.

„Grüne wie radikale Bewegung“
In einem Videointerview mit dem national-religiösen Meir-Institut behauptete Gabi Avital genau eine Woche nach seiner Ernennung zum leitenden Wissenschaftler im Bildungsministerium, die Grünen hätten alle Merkmale einer radikalen religiösen Bewegung, und:

„Wenn der Glaube an Gott fehlt, drängt sich etwas anderes in die Leere“. Als problematisch sieht er dabei, dass Darwins Theorie auf sehr wackeligen Füßen stehe, weil sie davon ausgeht, dass es keinen Gott gebe.

Gavriel Avital war am 23. November 2009 zum leitenden Wissenschaftler des Bildungsministeriums ernannt worden und ist damit für die Formulierung der Bildungspolitik und die Beziehungen zur Wissenschaft zuständig. Zu seiner Aufgabe gehört die Überprüfung von Lehrbüchern und Lehrplänen.

Nach seiner Promotion am Technion war Dr. Avital in Zusammenarbeit mit dem israelischen Verteidigungsministerium an der Entwicklung von Raketenprojekten beteiligt, wofür er 1988 den Preis der israelischen Rüstungsindustrie erhielt. Zuletzt war er Direktor der aeromechanischen Abteilung der israelischen Rüstungsfirma Elbit und Dozent für Aerodynamik am Technion in Haifa.

Orthodoxe Juden glauben genau wie bibelgläubige Christen, dass die Erde nicht durch Zufall entstanden ist, sondern als Schöpfungswerk Gottes.

Der Mann spricht mir aus der Seele. Ein mutiger Mann.

Das Ende der Unschuld

Die Seele der Wissenschaft ist nicht die Gewissheit, sondern der Zweifel. Eigentlich eine Binsenweisheit. Doch sie droht, in Vergessenheit zu geraten. Zu oft bleibt der Öffentlichkeit heutzutage verborgen, dass es sich bei vielen „Erkenntnissen“, mit denen Forscher von sich reden machen, noch keineswegs um gesichertes Wissen handelt, sondern nur um die vorläufigen Früchte ihrer Arbeit – um Vermutungen, Hypothesen, Denkmodelle, Szenarien.

Beispiel Schweinegrippe. Die Virologen täuschten sich, als sie im vorigen Frühjahr zu dem Schluss kamen, dass es sich bei A/H1N1 um einen völlig neuartigen Erreger handle. Inzwischen weiß man, dass unser Immunsystem Teile von ihm schon länger kennt. Das erklärt, warum die Pandemie nicht so dramatisch verläuft, wie anfangs befürchtet. Besser man räumt solche Irrtümer in aller Deutlichkeit ein. Sonst steht am Ende die eigene Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

In der Wissenschaft ist es normal, dass eine Arbeitshypothese die Probe aufs Exempel nicht besteht. Dann muss der Forscher sie revidieren. Zugegeben, früher, als man noch im stillen Kämmerlein vor sich hinforschte, war das leichter als heute. Schon das Buhlen um knappe Forschungsmittel kann dazu verleiten, vorläufige Arbeitsergebnisse als Gewissheiten zu verkaufen.

Dabei sind die Erwartungen, mit denen Wissenschaftler sich konfrontiert sehen, in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Menschen wünschen sich Orientierung. Die Geldgeber wollen nutzbares Wissen und die Politiker zuverlässige Aussagen, auf die sich Entscheidungen und Investitionen gründen lassen. Für Forscher eröffnen sich damit ungeahnte Möglichkeiten. Sie werden angehört, ernst genommen, können Politik mitgestalten.

Ein Sündenfall der Wissenschaft
Doch sie begeben sich damit auch auf ein heikles Terrain. Beispiel Klimaforschung. Sie hat ihre Unschuld im vorigen Jahr definitiv verloren. In den E-Mails aus dem weltweit führenden britischen Forschungszentrum der Universität von East Anglia, die kurz vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen durch einen Hackerangriff bekannt wurden, kann jeder nachlesen, wie renommierte Wissenschaftler gegen Zweifel vorgehen, sich damit auch Macht, Einfluss und nicht zuletzt Forschungsgelder sichern. Der Umgang mit Andersdenkenden zeugt von der Selbstherrlichkeit einer in sich geschlossenen Kaste: Kritiker sollten kaltgestellt, Rohdaten zurückgehalten und Fachzeitschriften boykottiert werden, wenn sie Auffassungen veröffentlichten, die dem eigenen Denkmodell widersprachen. Ihre Position haben die Wissenschaftler erfolgreich verteidigt.

Doch mit solchen unlauteren Methoden laufen sie Gefahr, das Vertrauen zu verspielen, das sie in der Öffentlichkeit immer noch genießen. Die Kontrolle ist ihnen entglitten, ihre Forschung selber politisch geworden – nachgerade ein wissenschaftsethischer „Sündenfall“. Obwohl die Computermodelle, mit denen man die Entwicklung des Weltklimas zu simulieren versucht, nach wie vor erhebliche Schwächen haben, läuft der Zweifel von „Klimaskeptikern“ längst ins Leere. Die Leiterin der Strategieabteilung im internationalen Klima- und Umwelt-Investorennetzwerk „Ceres“, zu dem unter anderem Pepsi Cola, American Airlines und der Medienkonzern und Finanzdienstleister Bloomberg gehören, reagierte auf den Hackerskandal bezeichnenderweise völlig ungerührt. „Der Klimakonsens hat die politischen Grenzen überschritten“, sagte Anne Kelly: „Er ist ein smartes Geschäft, und die Investoren sind damit einverstanden.“

Mit dem Wissenschafts-Ethos hat das nichts zu tun. Es setzt voraus, dass Forscher sich im Streit mit Kritikern bewähren, statt sie zu diskreditieren – auch wenn der Zweifel lästig ist. Er macht die Dinge kompliziert. Und bleibt das Lebenselixier der Forschung. Aber er hat es heute schwer.

Und hinzuzufügen ist noch: Auch die Evolutuionstheorie ist und bleibt eine Theorie mit vielen offenen Fragen. Wenn Laien oder sogar auch Wissenschaftler behaupten, dass die ET keine Theorie mehr sei, sondern eine bewiesene Tatsache, dann verleugnen sie den o.g. Charakter der Wissenschaft:

Die Seele der Wissenschaft ist nicht die Gewissheit, sondern der Zweifel.

Das ist dann kein wissenschaftliches Arbeiten mehr, sondern das Verbreiten und dem Festhalten an einer Ideologie.

„Anti-Kreationismus“ hat quasi-religiöse Strukturen

Die Vertreter der Evolutionstheorie (ET) berufen sich gerne auf die Wissenschaft und behaupten, die ET wäre eigentlich gar keine Theorie, sondern ein Gesetz, das bewiesen wäre.
In Deutschland tut sich in dieser Richtung vor allem der Kasseler Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera und in Europa der ehemalige Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur und Bildung in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, der französischen Sozialist Guy Lengagne hervor. In einem Kommissionsbericht hat Lengagne den Kreationismus als Gefahr für Demokratie und Menschenrechte bezeichnet. Dieses Papier wurde so auch vom Europarat verabschiedet.

Dafür werden die beiden von dem Berliner Politologen und freiem Wissenschaftsjournalisten Benno Kirsch kritisiert, der für verschiedene Zeitungen (u.a. FAZ) schreibt:

Die Maßlosigkeit von Kutscheras Vorgehen und in Lengagnes Report deuteten darauf hin, dass nicht Kreationisten problematisch seien, sondern einige Befürworter der eigentlich gut abgesicherten Evolutionstheorie. Indem sie die Theorie zu einer umfassenden Lehre machten, gäben sie ihr einen unangemessen hohen Stellenwert als angebliche Garantin für Freiheit und Fortschritt. Dass die Evolutionstheorie dogmatisch als Tatsache hingestellt werde, verhindere ebenfalls eine kritische Diskussion.

Kirsch: „Mit dem schlampigen Umgang mit Begriffen und dem Leugnen offener Fragen haben sich die Evolutionsbiologen eine offene Flanke geschaffen.“ Damit hätten sie Platz gemacht für alle, die den Absolutheitsanspruch der Evolutionstheorie zurückweisen wollen, und insbesondere für kreationistisches Gedankengut.

Benno Kirsch schreibt außerdem unter http://www.philosophia-online.de:

Die „Realwissenschaften“ gingen insgesamt von der Annahme aus, dass die Welt erklärt werden können müsse, ohne die Hypothese „Gott“ einzuführen. Ausschließlich Prozesse, die gesetzmäßig abliefen und kausal beschreibbar seien, könnten zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung werden. Sobald übernatürliche Annahmen gemacht würden wie bei Kreationisten, wäre eine intersubjektive Auseinandersetzung nicht mehr möglich.
Womit sie (…) zweifelsfrei recht hat – aber zugleich einen Hinweis darauf gibt, woran es liegen könnte, dass die Anti-Kreationisten so aggressiv gegen ihren Feind und alle, die sie dafür halten, losgehen. (…)
„Welcher Sinn bliebe von der Wissenschaft noch übrig, wenn man annähme, dass Naturgesetze und –konstanten in der Erdgeschichte durch einen Schöpfer veränderbar seien (…), dass er (…) beliebig intervenieren könne?“ (S. 178) Richtig: keiner. Und das ist das Problem, das die wissenschaftsgläubigen Atheisten umtreibt: Ihrer Religion drohte dann der Boden entzogen zu werden.

via IDEA.de „Anti-Kreationismus“ hat quasi-religiöse Strukturen

Wissenschaft: Meinung oder Fakten?

Wie stehe ich als Christ zur Wissenschaft? Bin ich per se der viel beschrieene Feind der Wissenschaft, nur weil ich deren Erkenntnisse nicht als „ultima ratio“ sehe, sondern immer nur als eine Zwischenerkenntnis?

Nein, ganz bestimmt nicht, denn das sehen auch Nicht-Christen und sogar Atheisten ganz genau so. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben immer nur eine bestimmte Haltbarkeit. Sie ist dann vorbei, wenn die nächste Erkenntnis kommt, die die vorherige über den Haufen wirft. Das ist hundertfach in der Vergangenheit so passiert.

Wie aber verhält sich dieses Prinzip bei so strittigen – weil existenzielle Fragen betreffenden – Themen wie Klimawandel oder Evolution/Schöpfung?
Da werden diese Prinzipien auch mal schnell über den Haufen geworfen, wenn es denn der Stärkung der eigenen Meinung dient.

Ein schönes Beispiel so einer Posse (es geht um die Frage, wie schnell unser Klima kippen kann) kommentiert die „Zeit“:

Gerade darum ist die Wissenschaft in der Pflicht, Wissen zu generieren, das wirklich als belastbare Basis für eine gesellschaftliche Debatte taugt. Dazu gibt es eindeutige Qualitätsstandards und eine klare wissenschaftliche Methodik. In ihrem Kern sitzt der Zweifel: Sind die eigenen Ergebnisse wirklich sicher? Muss man mit einer noch besseren Methode forschen? Wo sind die Fehler im bisherigen wissenschaftlichen Verständnis? Nur wenn dies die Forschung antreibt, kann sie immer besser werden. Kollektive Mutmaßungen aus einer Auswahl weltweiter Labors haben innerhalb dieser Regeln keinen Platz als Bausteine im großen Gebäude des Wissens.

Hier der ganze Artikel.

Vince Ebert im Interview

Der Mann hat als studierter Physiker, ehemaliger Unternehmensberater und aktueller Comedian eine Menge auf dem Kasten und kann es auch noch witzig verpacken. Vieles bringt er witzig, aber doch eindeutig auf den Punkt. Besonders mag ich seine Definition der Wissenschaft:

  • besteht auf vernünftigem Denken und Aufrichtigkeit,
  • ist nicht an privilegierte Positionen gebunden,
  • fördert den freien Austausch von Ideen und unkonventionellen Meinungen und
  • liebt den leidenschaftlichen Diskurs.

Das ist doch ein kleiner Unterschied zu den ideologiegetränkten Antworten, die man z.B. bekommt, wenn man es wagt, die Evolutionstheoretiker darauf hinzuweisen, dass ihre Theorie noch große Lücken hat und auch Alternativtheorien durchaus wissenschaftlich denkbar sind.

Der Physiker und ehemalige Unternehmensberater Vince Ebert ist seit 1998 als Comedian tätig. Auf humorvolle Weise vermittelt er seinem Publikum dabei wissenschaftliche Erkenntnisse und weist auf verbreitete Wissenschaftsirrtümer in Politik und Gesellschaft hin. FreieWelt.net sprach im Exklusiv-Interview mit Vince Ebert über Comedy, Denkfallen und Politik.

FreieWelt.net: „Denken Sie selbst!“ ist eine der Kernaussagen Ihres aktuellen Programms. Was hindert Menschen daran, genau dies zu tun?

Vince Ebert: Friedrich Hebbel sagte: „Der Mensch lässt sich keinen Irrtum nehmen, der ihm nützt.“ Deshalb tappen wir alle nur allzu gerne in Denkfallen. Der Lottospieler sagt: Die Chancen auf den Hauptgewinn beträgt 1:140 Millionen – es könnte mich treffen! Der Raucher dagegen sagt: Die Chancen auf Lungenkrebs beträgt 1:1000 – warum sollte es ausgerechnet mich treffen?

Um diese Fallen weitgehend zu umgehen, hat man die Wissenschaften entwickelt. Wissenschaftliches Denken ist, banal gesagt, nichts anderes als eine Methode zur Überprüfung von Vermutungen. Wenn ich z.B. vermute: „im Kühlschrank könnte noch Bier sein“ und ich schaue nach, dann betreibe ich schon eine Vorform von Wissenschaft. Großer Unterschied zur Theologie. Da werden Vermutungen in der Regel nicht überprüft. Wenn ich also nur behaupte: „Im Kühlschrank ist Bier“ bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin – dann bin ich Esoteriker!

FreieWelt.net: Sie nehmen im Rahmen Ihres Comedyprogramms die häufige Verzerrung wissenschaftlicher Erkenntnisse in der medialen Berichterstattung aufs Korn. Wie kommt es zu diesen Verzerrungen?

Vince Ebert: Als vor einigen Wochen ein Trafobrand im Kernkraftwerk Krümmel zur Schnellabschaltung führte, habe ich in keinem einzigen „seriösen“ Medium erfahren, dass auf der achtstufigen internationalen Sicherheitsskala der Vorfall in die Kategorie „Null“ eingestuft wurde. Die öffentliche Diskussion über Reizthemen wie Atomkraft oder Gentechnologie wird von Menschen dominiert, die oft noch nicht mal wissen, was ein Gen ist, oder die Becquerel für einen französischen Landwein halten.

Obwohl man zum Beispiel die Photovoltaik mit jährlich einer Milliarde Euro subventioniert, macht sie nur 0,3 Prozent des Energiemixes aus. Rein von der Ökobilanz wäre es also effektiver, Langzeitarbeitslosen 100.000 Euro pro Jahr zu zahlen, damit sie ein, zwei Stündchen am Tag auf Ergometern für den deutschen Energiehaushalt strampeln

Deswegen heißt Solarenergie ja auch so. Weil sie so lala funktioniert.
Aber statt sich ernsthaft mit zukunftsfähigen Technologien auseinanderzusetzen, träumen wir von Ackerbau und Viehzucht vor 100 Jahren, stellen Windmühlen auf und schicken unsere Kinder in Schulen in denen sie lernen, ihren eigenen Namen zu tanzen. Und dieses weltfremde Rumgeeiere nennen wir dann „Fortschritt“.

FreieWelt.net: Wie groß ist die Gefahr, dass die Wissenschaft von der Politik missbraucht wird?

Vince Ebert: Das Geschäft mit der angeblichen Klimakatastrophe ist ein sehr gutes Beispiel. Viele Politiker retten lieber das Klima in 50 Jahren, als sich heute mit so lästigen Themen wie Rentenpolitik oder der Gesundheitsreform zu beschäftigen. Der Staat pumpt seit Jahren Unsummen von Fördergeldern in Klimaforschungsinstitute – im Wesentlichen, um den Satz zu hören: Es wird alles immer schlimmer – wir müssen endlich etwas tun!

Vielen ist nicht bewusst, dass es in der Klimaforschung im Grunde gar nicht um Wissenschaft geht. Die computergestützten Klimamodelle, auf die sich alle Prognosen stützen, basieren nämlich alle auf sogenannten „nichtlinearen Systemen“. Ich habe in meinem Studium und später als Unternehmensberater diese nichtlinearen Systeme kennen gelernt und weiß, dass man mit ihnen jedes beliebige Ergebnis „errechnen“ kann, wenn man nur geschickt den ein oder anderen Anfangsparameter minimal variiert. Salopp gesagt sind Prognosen von Klimamodellen also nichts anderes als die in Formeln gegossene Meinung ihrer Schöpfer.
Das steht übrigens auch so im Weltklimabericht. In Kapitel 13 (ganz weit hinten also) findet sich der Satz:

„Klimamodelle arbeiten mit gekoppelten nichtlinearen chaotischen Systemen. Dadurch ist eine langfristige Voraussage des Systems Klima nicht möglich.“

Egal ob Sie also eine Versicherung abschließen oder die Welt retten wollen – lesen Sie vorher auf jeden Fall das Kleingedruckte!

FreieWelt.net: Neben Ihrer Arbeit als Comedian sind Sie auch einer der Autoren des liberalen Weblogs „Die Achse des Guten“ und setzen sich dort kritisch mit staatlichem Aktionismus auseinander. Was hat Sie als Wissenschaftler und Comedian dazu motiviert, sich politisch zu positionieren?

Vince Ebert: Wer ernsthaft Naturwissenschaft betreibt, lernt ja nicht nur etwas über Formeln und Zahlen, sondern er lernt vor allem: skeptisch zu sein, kritische Fragen zu stellen und Autoritäten nicht blind zu vertrauen. Deswegen ist es auch kein Zufall, dass Wissenschaft und Demokratie zum gleichen Zeitpunkt entstanden sind: im alten Griechenland. Die Werte der Naturwissenschaften und die der Demokratie gleichen sich und können in vielen Fällen nicht unterschieden werden. Beide bestehen auf vernünftiges Denken und Aufrichtigkeit. Beide sind an keine privilegierten Positionen gebunden, fördern den freien Austausch von Ideen, unkonventionellen Meinungen und lieben den leidenschaftlichen Diskurs. Das größte Geschenk der Wissenschaft besteht für mich darin, dass sie uns etwas über den Gebrauch von geistiger Freiheit lehrt. Lernen, die richtigen Fragen zu stellen; zu überprüfen, welche Gründe verlässlich sind und sich bewusst sein, dass man vieles nur sehr unzulänglich weiß.

FreieWelt.net: Politisches Kabarett hat mittlerweile einen schlechten Ruf, es gilt als langweilig und einseitig. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen staatlichen Subventionen für den Kulturbetrieb und dieser Entwicklung und welche Zukunft sehen Sie für die „Wissenschafts-Comedy“, die Sie und Ihr Kollege und Regisseur, Eckart von Hirschhausen, betreiben?

Vince Ebert: Mir fehlt in der Tat bei vielen Polit-Kabarettisten ein echtes Querdenken. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass die meisten von ihnen einen sehr ideologischen, meist linken, Hintergrund haben. Man verdient sich eine goldene Nase, indem man seinem Publikum erzählt, dass die Marktwirtschaft alles kaputt macht. Neulich erst saß ich nach einer TV-Aufzeichnung mit einem berühmten Polit-Kabarettisten zusammen und habe ihn gefragt: „Was würdest Du eigentlich tun, wenn du im Jahr eine Million Euro zur Verfügung hättest?“ und er antwortete mir: „Ich müsste mich sehr einschränken.“

Das, was Eckart und mir so viel Spaß macht, ist die etwas andere, eher faktenorientierte Herangehensweise an aktuelle Themen. Geht die Schere zwischen reich und arm wirklich auseinander? Haben homöopathische Mittel tatsächlich eine Wirkung? Beeinflusst eine gute Erziehung den IQ? Oft sind die Antworten darauf nicht die, die wir eventuell hören wollen. Weil sie unser Weltbild, das wir uns über Jahre hinweg aufgebaut haben, erschüttern. Ich weiß, wir Naturwissenschaftler können manchmal ganz schöne Spielverderber sein. Aber das ist eben unser Job…