• Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt. -
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    "An appeaser is one who feeds a crocodile - hoping it will eat him last." (W.Churchill)

    Es ist einfacher, kritisch zu sein als korrekt.
    Benjamin Disraeli

    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
    Friedrich Hebbel

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    Man muss in einer Demokratie auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber haben, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie zu beseitigen!”
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„Wohin sich mancher den Islam wünscht“

„An der Grenze von Täuschung zur Volksverdummung“ von Christoph Spielberger

1. Qaradawi light, im Fernsehen
Am 14. und 15. September fragte sich das ZDF „Wohin treibt der Islam?“. Noch in gedanklicher Nähe des WTC- Attentates fragte ein 90- minütiger Zweiteiler aus der evangelischen Kirchenredaktion, zu später Stunde. Ja, wohin… Die Beantwortung dieser Frage überließ man dem Zuschauer, denn die hard facts zum Islam, wie weltweite Ausbreitung, Ausbreitung wodurch, Radikalisierung ja oder nein, Reform möglich oder nicht, wurden entweder verschleiert oder gar nicht angesprochen. Die wichtigsten Länder des inner- wie außer- islamischen Kampfes um die muslimische Vorherrschaft, Saudi- Arabien und Iran, kamen gleich gar nicht vor.

Mit am deutlichsten zeigten sich die blinden Flecken des Filmes bei der Behandlung von Yussuf Al- Qaradawi, dem derzeit einflussreichsten und populärsten islamischen Rechtsgelehrten. Das ZDF besuchte ihn in seiner Heimat Qatar. Hierher also treibe der Islam, seine wöchentliche Fragestunde bei Al Jazeera sähen schließlich bis zu 60 Millionen Menschen.

Was dem ZDF einfiel, ihn zu fragen, war

„Warum sind sie so beliebt?“ worauf er ebenso schlicht antwortete: „Das müssen Sie meine Zuschauer fragen“.

Genau.

Denn zum eigentlichen Thema des Filmes, Djihad und Frömmigkeit, hatte Qaradawi kürzlich nur ein 1000- seitiges Buch veröffentlicht. Aber egal, stattdessen wurde er als ein gutes Beispiel für die Öffnung des Islam zu den neuen Medien gezeigt, schließlich betreibt er auch eine Internetseite und veröffentlicht Internetfatwas zu allen, wirklich allen Fragen des Lebens.

Kein Thema fürs ZDF ist hingegen, dass Qaradawi den Djihad mit dem Schwert in Europa für überflüssig hält, weil Europa demnächst auch so muslimisch wird, durch friedliche Mittel, wie Gebet, Konversion und natürliches Wachstum der Gemeinde.

Und schon gar kein Thema fürs ZDF ist Qaradawi und das Thema Juden und Israel, denn hier zeigt er sein anderes Gesicht:

  • er sagt, er hoffe an seinem Lebensende, auch wenn er im Rollstuhl säße, in das Land des Djihad (Israel) zu gehen und dort möglichst viele Feinde Allahs, Juden, töten zu können, um dann als Martyrer in den Himmel zu gelangen.
  • Er befürwortet ausdrücklich Selbstmordattentate in Israel, auch ausgeübt von Frauen und Kindern, er nennt diese Martyreroperationen, die Zeichen von Allahs Gerechtigkeit sind. Er sagt,
  • dass es die religiöse Pflicht eines jeden Muslims ist, an der Vernichtung aller Juden teilzunehmen.
  • Dass Hitler den Juden ihren Platz in der Weltgeschichte zugewiesen hat, und es hoffentlich in der Hand der Gläubigen (Muslime) liegt, dessen Werk zu vollenden.

Wem diese Genozidgelüste zu profan sind, dem bietet Qaradawi auch Poetisches: wiederholt zitiert er in seiner Fernsehsendung aus den Überlieferungen Mohammeds, (Sahih Bukhari, 4.52.177)

“Die Stunde (des jüngsten Gerichtes) wird nicht kommen, bis ihr gegen die Juden solange kämpft, und bis der Stein, hinter dem sich der Jude versteckt hat, spricht: »Du Muslim, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt, so töte ihn.«”

Mit anderen Worten, das muslimische Paradies kann erst dann anbrechen, wenn selbst die Steine den islamischen Vernichtungsauftrag verinnerlicht haben. Dies ist islamischer Mainstream, und Qaradawi gilt dort als ein Moderater. Wer bei diesen Gewaltphantasien und den ihnen zugrunde gelegten Schriften nicht von einem Webfehler im System spricht, dem ist nicht zu helfen.

Wie auch dem ZDF, das stattdessen, vom kleinen kämpferischen und großen wohltätig- friedlichen Djihad sprach; eine Unterscheidung, die es in der islamischen Welt gar nicht gibt, außer bei den Schiiten, von denen aber in den 90 Minuten sonst nichts zu sehen war. Eine Unterscheidung, die von allen Hardlinern der Lehre genau umgekehrt angewendet wird, für die die neunte Sure, der Kampf mit dem Schwert, das Siegel des Koran darstellt. Egal, der Film zeigte dann ganz viele Beispiele von Muslimen, die ihren schiitisch- großen ZDF- Wohltätigkeits- Djihad kämpfen. Lehrer, Sozialarbeiter, Tierärzte. Überall nur bestens (im Westen) ausgebildete, engagierte und integrierte Muslime, sogar einen Nobelpreisträger. Einer von den zwei Wissenschafts-Nobelpreisträgern seit 1901 aus muslimischen Ländern. Die haarsträubende Moderne- und Wissenschaftsfeindlichkeit des Islam, insbesondere in den arabischen Ländern, wurde lieber überhaupt nicht thematisiert (sie zeigt sich z.B., lt. Arab Human Developement Report 2003, an der Zahl der ins Arabische übersetzten Bücher: 10.000, in den letzten 1000 Jahren zusammen; die eigene Buchproduktion: Araber stellen 5% der Weltbevölkerung, aber nur 0.8% der produzierten Bücher oder, lt. Strategic Foresight Group, meldet Südkorea jedes Jahr 44 mal so viele Patente an, wie alle arabischen Länder zusammen).

Denn der ägyptische Nobelpreisträger stand, lt. ZDF, „für den kollektiven Aufbruch in der islamischen Welt“. Er möchte Bildung und Wissenschaftsfreiheit in der ägyptischen Verfassung installieren. Das ist schön, aber dann hätte das ZDF den Film besser„Wohin sich mancher den Islam wünscht“ nennen sollen (ein putziger Zufall: googlet man einen der Autoren des Filmes, Friedrich Klütsch, ist das erste Ergebnis Erich von Däniken’s World of Mysteries).

Dass Ägypten, wie viele Analysten fürchten, nach dem Tod von Mubarak von den Muslimbrüdern übernommen werden könnte, ein ganzes Land mit 83 Millionen Menschen unmittelbar davorsteht, sich zu radikalisieren, das ist, wo der Islam hintreibt.

Doch politische Korrektheit verbot es dem ZDF seine Betrachtung aus wissenschaftlichen, statistischen Untersuchungen zu machen, aus Forschungen staatlicher und unabhängiger Institutionen, deren Zahlen und Trends Unerträgliches aussprechen. Die Täuschung bestand darin, dass man dem Zuschauer so lange eine Elite von Muslimen zeigte, bis er glaubte, sie seien statistisch repräsentativ.

An einigen Stellen war die Grenze von der Täuschung zur Volksverdummung überschritten: Höhepunkt der Unverfrorenheit war das Thema Zwangsheirat, das am Beispiel einer jungen, in Deutschland lebenden Pakistani gezeigt wurde. Sie sollte ihren Cousin aus Pakistan heiraten und weigerte sich. Ihr Schicksal, von der Familie geächtet, vom Tod bedroht und deswegen im Verborgenen lebend, durfte dann von einer verkopftuchten Funktionärin einer großen Berliner Moschee kommentiert werden: Zwangsheiraten, „das hat mit dem Islam nichts zu tun“, das seien Vorurteile, und Tariq Ramadan, der Medienliebling unter den pseudo- moderaten Islamisten, durfte dieses nochmals beglaubigen, dass alle Probleme nichts mit Religion zu tun haben, sondern mit falscher Politik und dem alten europäischen Rassismus. Beides blieb wiederum vom Film unkommentiert, wo immer noch ca. 60% der türkischen Ehen in Deutschland arrangiert sind, und die Tendenz gerade wieder steigend ist. Und diese Tendenz kommt nicht aus einem Aufleben des türkischen Modebewusstseins des Patriarchates, sondern in erster Linie aus einem Aufleben islamischer Werte, aus Erdogans Ruf zur Ordnung aus der Türkei.

Zum Thema Hochzeiten in der pakistanischen Community hätte der Film nach England gehen müssen, wo sich eben dieses besonders pikante Detail der Muslimischen Kultur als ein nationales Problem abspielt: die britische Regierung sucht seit Jahren nach einem Gesetz, das den pakistanischen Einwandern die Inzucht verbietet: Denn 55% aller 1,2 Millionen Pakistanis in Großbritannien heiraten ihren Cousin/Cousine ersten Grades. Diese Eigenheit – 75% sind es im pakistanischen Mutterland – wollen sie einfach nicht ablegen, sie leben teilweise schon in der vierten Generation in Großbritannien. In der indischen Community gibt es dieses Phänomen nicht, und weil Pakistanis und Inder ursprünglich demselben Volk angehören, handelt es sich also um Kultur, islamische Kultur. In England führt die Inzucht zu einer Häufung von schweren Erbkrankheiten, sowie Fehl-und Totgeburten um den Faktor 13. Wie soll der Westen die Einwanderer zu einer Aufgabe dieser Kultur zwingen? Was sagt dies über den Zustand der pakistanischen Community in England aus, über ihre Selbstverständnis und ihre Integration?

Von solchen Diskursen war der Film Lichtjahre entfernt, es ging ja um einen Wunschislam, denn

„Muslime streben zur Demokratie“,

„Islam und Demokratie können harmonieren“,

„Muslim sein und modern sein, das ist kein Widerspruch“.

So sagt es die virtuelle Islam-Instanz ZDF, ganz anders als die – leider nicht befragte – echte Islam-Instanz Qaradawi: Demokratie und Islam sind unvereinbar. Das islamische Gesetz, die Schari’a ist das verbindliche Gesetz aller Muslime.

Wer als Muslim nicht nach der Schari’a lebt, lebt außerhalb des Islam.

Wer vom Islam abfällt, muss getötet werden.

2. Qaradawi, ganz – wissenschaftlich

Am Donnerstag, den 16.09. dann, fand im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin, gefördert von der Bundesregierung via Haus der Kulturen der Welt, eine Buchpräsentation über Yussuf al-Qaradawi statt. Er gilt einer Gruppe von Islamwissenschaftlern, darunter der Lehrstuhlinhaberin an der Freien Universität Berlin, Gudrun Krämer, sowie Bettina Gräf vom Zentrum Moderner Orient Berlin als der „Global Mufti“ und als der Gelehrte der neuen Medien (Gräf in einem weiteren Buch: „Medien-Fatwas@Yussuf al-Qaradawi“). War wenigstens die Wissenschaft bereit, den ganzen Qaradawi zu zeigen? Nach dieser Veranstaltung muss man leider sagen: Nein. Denn, so hieß es, man sei an das Phänomen Qaradawi ganz wissenschaftlich herangegangen, man wolle ihn verstehen, ohne ihn zu kritisieren, man habe deswegen kein politjournalistisches Buch über ihn geschrieben, denn davon gäbe es, so Krämer, schon genug.

Wäre es zu keinen kritischen Nachfragen aus dem Publikum gekommen, wäre beinahe der Eindruck entstanden, der in der islamischen Welt moderate Qaradawi wäre ein Moderater, wie ihn die europäische Politik so verzweifelt sucht. Er wurde im Wesentlichen als ein faszinierendes Medienphänomen vorgestellt, und die Damen auf dem Podium konnten ihre Bewunderung für Qaradawi nicht verbergen: sein Erfolg, seine Belesenheit, seine „unendliche Produktion“, über 100 Bücher, seine Unabhängigkeit, seine große Anhängerschar. Ganz unschuldige und selbstverständlich ganz wissenschaftliche Bewunderung. Es gab einige unkonkrete Formulierungen, dass er auch radikale Positionen innehalte, er sei halt eine widersprüchliche Persönlichkeit. Erst auf Nachfrage zu seiner Position zu Frauen und Homosexuellen hieß es, ja, da sei er schon radikal, auch er ist für die Bestrafung von ehebrüchigen Frauen und Homosexuellen, ohne dass die von ihm vertretenen Todesstrafen explizit genannt wurden. Aber das sei, so Krämer, eben eine Mainstream- Position im Islam und

außerdem „sei es in der BRD ja auch nicht so lange her gewesen, Homosexuelle zu bestrafen“.

Und plötzlich war die Buchpräsentation in den Niederungen der plumpesten Islamdebatten angekommen, à la: ja aber die Kreuzzüge, ja aber die spanische Inquisition, und ähnlichem abgeschmackten Plunder der Verniedlicher islamischer Gewalt. Und dies auf ganz wissenschaftlich- unpolitischem Wege. Jetzt muss Frau Krämer nur noch die Geschichte mit der Todesstrafe für Schwule und Lesben in der BRD erforschen, dann stimmt ihr Weltbild wieder.

Die Position von Hamed Abdal-Samads neuem Buch „Der Untergang der islamischen Welt“, als Einwurf aus dem Publikum, wurde als nicht diskussionsfähig erachtet. Warum? Es spricht Prof. Krämer: „Untergang der islamischen Welt…also, wenn ich so was höre…ich weigere mich, über so etwas zu diskutieren“. Nach der Veranstaltung sagte sie im Gespräch,

  • sie fände es unstattlich, übertrieben, wenn islamkritische Leute, wie Abdal-Samad, Seyran Ates und Vertreter vom Zentralrat der Ex-Muslime mit ihren Schicksalen auf diese Art und Weise in die Öffentlichkeit gingen.
  • Sie hätte auch sagen können, sie wären für die Diskussion über den Islam nicht hilfreich.
  • Oder, die Darstellung ihrer eigenen Biografien sollte kultursensibel erfolgen.

Der Tiefpunkt der Veranstaltung war erreicht, als auf Nachfrage zu Qaradawi als Antisemit, Hitlerfreund und Genozidverherrlicher (s.o.) Professor Krämer die billigste Masche aller (rein wissenschaftlichen) Hinterfragungen hervorzog:

„also da wolle sie erst mal die Quellen sehen, ob das so stimme“.

Ihr sei bekannt, dass Qaradawi eine ablehnende Haltung zu Israel und den Zionisten habe, aber zu den Juden generell: nein. Trotz einer erdrückenden Quellenlage weiß die Lehrstuhlinhaberin der Freien Universität nicht, dass Qaradawi ein Antisemit ist, bzw. er ist „nur“ ein Antizionist und Israelhasser. Das qualifiziert sie dazu, ein Vorwort und einen Artikel „Zum Stand der wissenschaftlichen Forschung über Qaradawi“ zu schreiben. Halleluja!. Leugnen, relativieren und verschweigen – das islamische Prinzip der Taqqiyya, der Falschdarstellung zur Erreichung eines höheren Zieles, scheint schon weit in Frau Krämer diffundiert zu sein. Wie man ein Buch über Qaradawi schreiben und es auf einem Literaturfestival in Deutschland, finanziert von der Bundesregierung, präsentieren kann, ohne aktiv, von sich aus und zunächst auf die politische Dimension des Mannes, seine radikalen und rassistischen Abgründe hinzuweisen, das bleibt das süße Geheimnis von Frau Prof. Krämer.

Einzig ein wackerer Däne, Mitherausgeber des „Global Mufti“, konnte den Eindruck zerstreuen, hier auf dem Podium befände sich die Islamwissenschaft in mufti-medialer Verzückung. Jakob Skovgaard-Petersen berichtete von den Unruhen in Beirut nach den Mohammed-Karikaturen, der Verwüstung der dänischen Botschaft. Der Aufruf für diese Unruhen kam von, na man ahnt es schon, von dem knuffigen Global Mufti, dem islamisch-moderaten Qaradawi.

Ist also die Beliebtheit von Qaradawi, so war eine weitere Nachfrage, nicht auch auf seiner politischen Tätigkeit begründet, seinen Statements zu Karikaturen, Papst Benedikt- Rede und Redeker- Debatte, seiner öffentlichen Unterstützung für Hamas und Hisbollah (hier hat Qaradawi keine Berührungsängste mit den Schiiten, die er ansonsten aus der arabischen Halbinsel und Nordafrika heraushalten möchte), auf seine fast schon legendäre Fatwa zu Selbstmordattentaten gegen Juden in Israel? Frau Krämer wog mit dem Kopf hin und her, Frau Gräf zögerte, nur Herr Skovgaard-Petersen räumte ein, dass der Hass auf Israel und die Juden in arabischen Ländern ein gut funktionierendes Ticket zur Beförderung der Karriere sei.

Was leider nicht zur Sprache kam, ist ein bizarres Detail des „Global Mufti“- Buches, die Bewertung von Qaradawis Selbstmordattentate- Fatwa unter Gender- Gesichtspunkten: denn Qaradawi erlaubt Frauen Selbstmordattentate, ohne vorher ihren Mann gefragt zu haben. Es heißt, ganz wissenschaftlich, er sorge hier nicht nur für Gender- Gerechtigkeit, sondern echte Gender- Gleichheit. Mit anderen Worten: Frauen sind nirgendwo im Islam gleichberechtigt, außer beim Töten von Juden in Israel. Allahu akbar! Kawumm! Die moderne islamische Frau verbrennt nicht nur ihren Büstenhalter.

Bei der letzten Publikumsfrage, was es über den Islam aussage, dass Qaradawi dort als moderat angesehen werde, wurde Frau Krämer unruhig; die Augen rollten, „also was es über den Islam aussage, zunächst, es gibt natürlich nicht einen Islam…“, und so weiter auf diesem Niveau. Sie war jedenfalls nicht bereit, dem Islam ein strukturelles Gewaltproblem zuzuschreiben. Dass der derzeit einflussreichste und populärste islamische Rechtsgelehrte alle Juden vernichten möchte, das reicht ihr einfach nicht aus…. Es wird Zeit, dass politische Korrektheit von den Krankenkassen als Volkskrankheit anerkannt wird.

Was hier auf rein wissenschaftlichem Niveau vollzogen wurde, machte ähnlich der Film des ZDF: die strukturelle Rückständigkeit, Verneinung der Moderne und Neigung zur Gewalt in der muslimischen Welt herunterzuspielen. Dies belebt genau die von der Mehrheit bevölkerte Parallelwelt, die dem Sarrazin-Buch zum Erfolg verhilft: weil die von Politik und Medien ausgegebene Meinung der alltäglichen Wahrnehmung und inneren Empfindung vieler Menschen widerspricht. Ganz unten heißt es auf den Schulhöfen „scheiß Deutscher“, ganz oben verweigert der Koordinierungsrat der Muslime den Wertekonsens. Wie soll man es verstehen, dass die Islam- Funktionäre am Ende der ersten Islam- Konferenz 2009 sich nicht auf die alleinige Gültigkeit des Grundgesetz verpflichten konnten? Wie anders, als dass diese Funktionäre Sonderrechte, sprich: eine parallel- Geltung der Schari’a wie in Großbritannien wünschen? Die deutsche Gesellschaft wird sich nicht um die Diskussion drücken können, dass dem Islam ein Totalitätsanspruch innewohnt, der für säkulare Demokratien unvereinbar ist.

Millionen Muslime, die friedlich und aufgeklärt in modernen, demokratischen Gesellschaften leben, tun dies de facto in Distanz oder außerhalb ihrer eigenen heiligen Schriften und Gesetze. Die allermeisten von ihnen tun es, ohne es öffentlich zu bekennen, weil sie in Ruhe ihr Leben leben wollen. Sie sind in Scharen zu uns gekommen, um nicht mehr von Glaubenswächtern verfolgt zu werden, weil ihre Lebensentwürfe nicht in die Denkmuster eines reaktionären Patriarchates passen. Sie erhoffen von der deutschen Gesellschaft nichts mehr als die Geltung des Grundgesetzes. Ihnen sollte unsere Aufmerksamkeit gelten. Diese tapferen Ritter eines säkularen muslimischen Lebens haben unsere ganze Sympathie und Unterstützung verdient.

via Achse des Guten

Hier zeigt er sich wieder,  der unverbesserliche, alles besser wissende und immer gut abwägende Gutmensch. Wenn sogar so ein sich klar bekennder Radiklar wie al-Qaradawi als moderat gekennzeichnet wird und seine Untaten nicht beim Namen genannt werden, dann ist das feige, blind und mit doppelten Maßstäben gemessen.

Und sicher auch Angst vor dem (radikalen) Islam. Denn klar, Pastor Jones aus Florida ist ein Radikaler. Wenn man den so nennt, – und das geschah massenhaft – muss man keine Angst um sein Leben haben.

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Das Niveau der TAZ

… Der in Qatar lebende und geachtete Schaikh Qaradawi …

via taz.de

Wenn man diesen Mann als Zeitung so beschreibt, dann muss man sich schon fragen lassen, welche Ideologie man vertritt (aus http://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_al-Qaradawi) :
Qaradawi billigt Selbstmordattentate im Kampf der Palästinenser gegen Israel als erlaubten Märtyrertod und sieht in ihnen in einem solchen Fall nicht den im Islam streng verbotenen Suizid. Er hat in zahlreichen Interviews und Fernsehsendungen seine Ansicht verbreitet, dass Selbstmordattentate in Israel islamisch gerechtfertigt seien.[14][15]

Qaradawi erklärt dabei sowohl Frauen und Kinder für nicht schützenswert, da die ganze israelische Gesellschaft militarisiert sei[16], genau so wenig wie deren Eigentum: Es ist durch islamisches Recht festgelegt, dass Blut und Gut der Menschen des Dar al-Harb nicht geschützt sind. Denn sie kämpfen gegen die Muslime und sind ihnen feindlich gesinnt, sie haben den Schutz ihres Blutes und Gutes verwirkt.

Er hält Homosexualität für eine „geschlechtliche Abartigkeit“. Die Strafe ist dieselbe wie für Prostitution: 100 Peitschenhiebe.[18]

Er befürwortet die Todesstrafe für „Abkehr vom Islam“, nachdem man ihn freiwillig angenommen hat und später auf solche Art offene Auflehnung kundtut, die die Zusammengehörigkeit der muslimischen Gemeinschaft bedroht“.

Er hält die Todesstrafe für außerehelichen Geschlechtsverkehr für angemessen, „wenn mindestens vier rechtschaffene Leute Zeugen des tatsächlichen Geschlechtsverkehrs gewesen sind und vor Gericht bezeugen, dass sie es gesehen haben“

Er hat die Beschneidung weiblicher Genitalien (FGM) islamisch gerechtfertigt

Er leugnet nicht den Holocaust, sondern nennt Adolf Hitler „eine gerechte Strafe Allahs für die Juden“ und stimmt die Muslime auf einen neuerlichen Holocaust in der Zukunft ein: „So Gott will, wird das nächste Mal diese [sc. Strafe Gottes] durch die Hand der Gläubigen erfolgen.“

Zudem bezeichnet er die Juden als Feinde Gottes.[32] Zur Frage nach der Einbeziehung von Juden in die Konferenz für islamisch-christlichen Dialog in Doha im Mai 2004 sagte Al-Qaradawi: „Es gibt keinen Dialog zwischen uns, mit Ausnahme von Schwert und Gewehr.“


Eine Muslimin spricht

Im arabischen Fernsehsender Al Jazeeraj sagte die arabische Psychologin Wafa Sultan am 21. Februar 2006 vor der Fernsehkamera aus, was kein Europäer je öffentlich aussprechen würde, ohne strafrechtlich belangt zu werden:

»Das, was wir überall in der Welt erleben, das ist kein Kampf der Religionen oder Kulturen. Es ist ein Zusammenprall zwischen zwei Antipoden, zwischen zwei Epochen. Es ist der Zusammenprall zwischen einer Mentalität aus dem Mittelalter und einer Mentalität aus dem 21. Jahrhundert. Es ist ein Zusammenprall zwischen Zivilisation und Rückständigkeit, zwischen Zivilisierten und Primitiven, zwischen Barbarei und Rationalität. Es ist das Aufeinandertreffen von Freiheit und Unterdrückung, zwischen Demokratie und Diktatur. Es ist ein Zusammenprall zwischen Menschenrechten und der Verletzung der Menschenrechte. Es ist ein Zusammenprall jener, die Frauen wie Tiere behandeln, und jenen, die sie als Menschen gleichberechtigt behandeln. Was wir heute erleben, das ist nicht der Kampf der Kulturen. Zivilisationen kämpfen nicht – sie stehen im Wettbewerb miteinander. «

Zwischendurch fragt ein aufgeregter Moderator: »Was wir heute erleben, das ist also ein Zusammenprall des Westens mit der Rückwärtsgewandtheit und Ignoranz der Muslime?«
»Ja, genau das ist es, was ich meine«, sagte die Psychologin Wafa Sultan.
»Ja, aber wer hat denn den Begriff vom Kampf der Kulturen erfunden? Das
war doch nicht Bin Laden, das war doch Herr Huntington«, meinte daraufhin der Kommentator.

»Nun, aber die Muslime haben es aufgegriffen«, antwortete Frau Wafa Sultan. »Die Muslime haben in der Realität mit dem Kampf der Kulturen begonnen. Es war doch der Sendbote Allahs (gemeint ist Mohammed), der einst sagte: Mir wurde befohlen, gegen die Menschen zu kämpfen, bis sie alle an Allah und an seinen Sendboten glauben. Es waren Muslime, die die Menschen in Muslime und Nicht-Muslime aufgeteilt haben. Und es waren Muslime, die befohlen haben, so lange gegen alle anderen zu kämpfen, bis alle glauben, was sie selbst glauben. Sie haben diesen Kampf der Kulturen, diesen Krieg, begonnen. Um diesen Krieg zu beenden, müssten sie ihre islamischen Bücher umschreiben, sie sind doch voll von Aufrufen zum Kampf gegen die Ungläubigen.«

Die Psychologin Wafa Sultan wies zudem darauf hin, dass Juden und Christen im Koran als »Affen und Schweine« dargestellt würden, und regte sich darüber auf, dass der Islam Juden und Christen ja immerhin als Anhänger einer Buchreligion »würdige«. In Rage geraten, fragte sie den muslimischen Moderator: »Wer hat Ihnen eigentlich gesagt, dass Juden und Christen auch ein Buch haben? Es sind nämlich nicht die Leute des Buches, sondern vieler Bücher. All die nützlichen wissenschaftlichen Werke, die es heute gibt, sind nämlich die Früchte ihres freien und kreativen Denkens.« Frau Wafa Sultan hob hervor, Muslime hätten nicht das Recht einzufordern, dass ihr Glaube nicht beleidigt werde. Sie sagte: »Ich bin kein Muslim, kein Christ und kein Jude. Ich bin ein säkular denkender Mensch. Ich glaube nicht an das Übernatürliche, aber ich gestehe anderen Menschen zu, daran zu glauben.«

Da wurde es einem Imam im Fernsehstudio von Al Jazeera dann doch zu viel: »Sind Sie eine Häretikerin?« brüllte er im Studio. Die Psychologin antwortete: »Sie können sagen, was Sie wollen.« Der Iman brüllte weiter: »Dafür gibt es keine Entschuldigung. Das ist Blasphemie gegen den Islam, gegen den Propheten und gegen den Koran.« Der Iman blieb wütend, die Frau aber ruhig. Sie sagte in die Kamera: »Liebe Brüder, von mir aus könnt ihr alle an Steine glauben (sie meint den von Muslimen angebeteten schwarzen Meteoriten in der Kaaba), solange ihr sie nicht auf mich werft. Der Glaube anderer Menschen geht euch aber nichts an.« Sie sprach dann über den jüdischen Glauben, der 15 Millionen Menschen in aller Welt vereint, einen Glauben, der das jüdische Volk nach dem Holocaust überleben ließ.

Und sie sagte ruhig: »Nicht ein einziger Jude hat sich in einem deutschen Restaurant in die Luft gesprengt. Nicht ein einziger Jude hat eine Kirche in Brand gesteckt. Nicht ein Jude hat gegen die Ermordung von Juden Großdemonstrationen auf die Straße gerufen. Es sind die Muslime, die die Buddha-Statuen in Afghanistan in die Luft gesprengt haben. Danach haben Buddhisten keine Moscheen in Brand gesetzt. Es sind nur die Muslime, die ihren Glauben verteidigen, indem sie Kirchen niederbrennen, Menschen ermorden und vor diplomatischen Botschaften demonstrieren. Die Muslime müssen sich selbst fragen, was sie zur Entwicklung der Menschheit beitragen wollen, bevor sie die Menschheit darum bitten, sie zu respektieren.«

Bingo.

P.S. Der in Qatar lebende und weltweit unter Muslimen höchste Autorität genießende islamische Rechtsgelehrte und Publizist Yusuf al-Qaradawi sprach gegen Sultan wegen ihres Auftritts im Sender al-Dschazira [2006] mittlerweile eine Todesfatwa aus. Anfang April 2008 wurde bekannt, dass Wafa Sultan sich nunmehr aus Angst, getötet zu werden, vor der Öffentlichkeit versteckt hält. (via wikipedia.de)

Gelten Juden und Christen im Islam als Ungläubige?

Vom prominenten muslimischen Geistlichen Dr. Jusuf al-Qaradawi:

„Das Wort ‚ungläubig‘ beinhaltet mehrere Bedeutungen. Manchmal bedeutet es ‚Atheist‘, d. h. es wird eine Person damit bezeichnet, die weder an Allah noch an den Gerichtstag glaubt.

Dies gilt nicht für Juden und Christen. Juden und Christen gelten als Ungläubige, weil sie nicht an die Botschaft [Muhammads] glauben. Jeder, der nicht an die Botschaft Muhammads glaubt, ist ungläubig.“

Institut für Islamfragen, dh, 07.03.2009

Unser alter „Freund“ Jusuf al-Qaradawi, der auch schon gesagt hat,

dass Selbstmordattentate in Israel islamisch gerechtfertigt seien. Qaradawi erklärt dabei sowohl Frauen und Kinder für nicht schützenswert, da die ganze israelische Gesellschaft militarisiert sei, genau so wenig wie deren Eigentum: Es ist durch islamisches Recht festgelegt, dass Blut und Gut der Menschen des Dar al-Harb nicht geschützt sind. Denn sie kämpfen gegen die Muslime und sind ihnen feindlich gesinnt, sie haben den Schutz ihres Blutes und Gutes verwirkt.

Wenn man das dazu liest, dann wird die Gewichtung des Wortes „ungläubig“ doch ein wenig verschoben.

Die Juden im Koran

Was sagt eigentlich der Koran über Juden (oder auch Christen)? Ist er wirklich judenfeindlich? Oder doch eher judenfreundlich? Werden Juden überhaupt explizit erwähnt?

Um es vorwegzunehmen: Ja, im Koran finden sich eindeutig feindlichen Aussagen gegen Juden (Volk des Buches) und auch gegen andere Ungläubige, aber die Juden werden expliziter hervorgehoben.

Es finden sich auch freundliche Aussagen über Juden und das erklärt sich wohl aus der Geschichte, in der Mohammed am Anfang die Juden freundlich betrachtete und sich später nach seiner Wanderung von Mekka nach Medina immer stärker gegen die Juden wandte, bis dann die dort ansässigen jüdischen Stämme seinen Herrschaftsanspruch zurückwiesen, woraus sich eine zunehmende Feindschaft zwischen den Anhängern beider Religionen entwickelte.

Als die neue Religion sich unter den Arabern ausbreitete, wurden diese von einer leidenschaftlichen Hingabe ergriffen. Sie glaubten, sie könnten die Andersdenkenden durch das Schwert zur Einwilligung zwingen. So fielen die Araber über eine Gemeinschaft nach der anderen her. Die Juden, die sich weigerten, ihren Glauben aufzugeben, wurden erschlagen. Viele andere waren gezwungen, Arabien zu verlassen und sich an anderen Orten der Diaspora niederzulassen.

Ich habe ein wenig gegraben – erhebe aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wie so oft ist manches auch eine Sache der Auslegung. Deshalb sind auch einige Ausführungen islamischer Geistlicher beigefügt.

  • „Wegen der Sünde der Juden und weil sie Wucher nahmen, wiewohl er ihnen verboten war, haben wir ihnen gute Dinge verwehrt, die ihnen erlaubt waren,“ Sure 4, Vers160.
  • „Und verwandelt hat er einige von ihnen [die Juden] zu Affen und Schweinen“ Sure 5/60
  • „Und sie [die Juden] betreiben auf Erden Verderben“ Sure 5/64.
  • „Wahrlich, du wirst finden, dass unter allen Menschen die Juden … den Gläubigen am meisten Feind sind.“ Sure  5/82

Kommentare zum Koran werden tafsir genannt und der wichtigste tafsir ist der von Ibn Kathir. So in etwas wie „Der Raschi“ der Koran-Exegese – aber weit maßgebender.

Im Koran heißt es in At-Tauba [Sure 9], Verse 29-30:

[29] Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und an den Jüngsten Tag glauben, und die das nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter für verboten erklärt haben, und die nicht dem wahren Glauben folgen – von denen, die die Schrift erhalten haben, bis sie eigenhändig den Tribut in voller Unterwerfung entrichten.

[30] Und die Juden sagen, Esra sei Allahs Sohn, und die Christen sagen, der Messias sei Allahs Sohn. Das ist das Wort aus ihrem Mund. Sie ahmen die Rede derer nach, die vordem ungläubig waren. Allahs Fluch über sie! Wie sind sie (doch) irregeleitet!

Ibn Kathir kommentiert:

„Dieser ehrenhafte Vers (29) wurde mit dem Befehl offenbart, die Völker des Buches zu bekämpfen, nachdem die Heiden besiegt waren, die Menschen in großer Zahl in Allahs Religion eintraten und die Arabische Halbinsel sich sicher unter der Kontrolle der Muslime befand. Allah befahl Seinem Botschafter die Völker der Schriften, die Juden und Christen, im neunten Jahr der Hedschra [HE: auch Hidschra, Hijra – die „Auswanderung“ Mohammeds nach Medina] zu bekämpfen und er bereitete seine Armee vor die Römer zu bekämpfen und rief die Menschen zum Jihad, womit er seine Absicht und sein Ziel verkündete.“

Im Koran heißt es in At-Tauba [Sure 9], Vers 5:

„Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig; und wenn einer der Götzendiener bei dir Schutz sucht, dann gewähre ihm Schutz, bis er Allahs Worte vernehmen kann; hierauf lasse ihn den Ort seiner Sicherheit erreichen. Dies (soll so sein), weil sie ein unwissendes Volk sind.“

Ibn Kathir erklärt:

„Tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet“ bedeutet „überall auf der Erde… einige hinrichten und einige als Gefangene behalten.“ Die Ermahnung durch den Koran „belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf“ besagt: „Wartet nicht, bis ihr sie findet. Sondern sucht sie und belagert sie in ihren Regionen und Festungen, sammelt Informationen über sie auf verschiedene Wege und in guten Zeiten, damit, was weit gemacht ist für sie immer schmaler aussieht. Auf diese Weise werden sie keine Chance haben als zu sterben oder den Islam anzunehmen“, gibt Ibn Kathir an.

Und dann klärt Ibn Kathir unser Verständnis des Islam weiter auf:

Diese Verse erlaubten die Bekämpfung von anderen, außer und bis sie den Islam annehmen und seine Herrschaft und Verpflichtungen einführen.“

Aber Ibn Kathir verlässt sich nicht nur auf seine eigene Interpretation; er zitiert den islamischem Propheten Mohammed, wie er im am stärksten akzeptierten Hadith-Buch (Hadithe sind die islamische Sammlung der Anweisungen Mohammeds und seines persönlichen Vorbildshandelns):

„Ibn Umar sagte, dass der Boschafter Allahs sagte: ‚Mir ist befohlen worden die Völker zu bekämpfen, bis sie bezeugen, dass es keine anbetenswerte Gottheit außer Allah gibt und dass Mohammed der Botschafter Allahs ist, das Gebet eingeführt und die Armensteuer gezahlt ist.'“

Ibn Kathir sagt, Sure 9,5 werde

„Der Vers des Schwertes“ genannt und dass sie „jede Friedens-Vereinbarung zwischen dem Propheten und jeglichem Götzendiener, jeder Vertrag und jede Laufzeit außer Kraft setzte.“

Er zitiert aus anderen Teilen der Hadithe, die besagen:

Kein Götzendiener verfügte jemals mehr über Verträge, Versprechen oder Sicherheit, seitdem [dieser Vers] offenbart wurde.“

Ein anderer Text beschreibt Folgendes:

Zentrales Thema der ersten Suren ist jedoch zunächst nicht die Verfeindung, sondern die Ungläubigkeit der Juden, von denen Mohammed annahm, sie hätten die Offenbarung gefälscht, um ihm nicht folgen zu müssen. In Sure 2, Vers 39 heißt es dazu:

„Und kleidet nicht die Wahrheit in die Lüge und verbergt nicht die Wahrheit wider euer Wissen [indem ihr die Schrift fälscht und verkehrt]“.

Weiter in Sure 2:61:

„Sie waren geschlagen mit Demütigung und Armut, und sie fühlten den Zorn Gottes. Dies geschah, weil sie den Zeichen Gottes nicht glaubten und seine Gesandten ungerecht töteten. Dies geschah,  weil sie ungehorsam waren und sich vergingen.“

Neben der hier zutage tretenden Ungläubigkeit in beiden rezitierten Suren kommt in letzterer ein weiterer Vorwurf hinzu, der sich auf die ungerechtfertigte Tötung der Gesandten von Gott bezieht. Der Vorwurf, Juden sein Mörder der Propheten, taucht noch häufiger im Anschluß an diese Sure im Koran auf, z.B. in Sure 3:20:

„Siehe jene [die Juden, Anm. des Verf.], die nicht an Allahs Zeichen glauben und die Propheten ohne Grund morden […].“

Er wird auch heute noch gern als emotional aufputschendes Mittel des islamistischen Antisemitismus eingesetzt. Mit fortlaufender Dauer des Konfliktes um die Anerkennung des muslimischen Herrschaftsanspruchs nimmt die feindselige Darstellung der Juden immer mehr zu.

„Im Koran gelten die Juden neben den Polytheisten als die eigentlichen Widersacher.“

In Sure 5:82 heißt es:

„In der Tat wirst du [Mohammed, Anm. des Verfassers] herausfinden, daß von allen Menschen, die den Gläubigen eine feindliche Haltung entgegenbringen, die heftigsten die Juden und die Polytheisten sind.“

Am Ende dieser Kette voller Haßtiraden, steht dann die folgenschwere Aussage in Sure 5:57, Juden nicht zu Freunden zu nehmen:

„Oh ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden […] zu Freunden“,

was soviel bedeutet, daß sie damit vertragsbrüchige Feinde sind. Das Wort „Freund“ hat im arabischen einen mehr vertraglich bindenden, als einen emotionalen Charakter.  Hier werden dem zugetanen Leser bei „richtiger Betrachtungsweise“ die verschlagene Tücke und Mutwilligkeit jüdischer Handlungsweise vor Augen treten. Auch für das Umgehen mit den Feinden liefert der Koran einschlägige Passagen.

So heißt es z.B. in Sure 9:29:

„Bekämpft diejenigen, denen die Schrift gegeben wurde [Juden und Christen], die nicht an Allah und den jüngsten Tag glauben, […]und sich nicht zur Religion der Wahrheit bekennen, so lange bis sie erniedrigt sind“.

„Wenn ihr auf die Ungläubigen trefft, dann schlagt ihnen den Kopf ab, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt. Die übrigen legt in Ketten.“

Zusammen mit den Aussagen zur oft diskutierten Tötung von unschuldigen Menschen innerhalb religiös motivierter Terroranschläge und Selbstmordattentate im Zuge des Palästinakonfliktes, die vom Koran durch die Sure 4:91,

„Und so sie den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet“,

begründet werden können, entsteht unter Berücksichtigung der Bedeutung dort getroffener Aussagen eine gefährliche, tief verankerte Abneigung gegenüber Juden. Verstärkend auf dieses sogenannte Märtyrertum wirkt sich zudem die Verheißung von Entlohnung aus:

„Und wer da kämpft in Allahs Weg, falle oder siege er, wahrlich, dem geben wir gewaltigen Lohn.“

Diese Sure kann, setzt man es denn mit dem zu erwartenden Lohn gleich, zu der oft genannten und deshalb nicht weniger irrwitzigen Glaubensvorstellung, dem Märtyrer winken im Paradies 72 Jungfrauen, angeführt werden. Heißt es doch im weiteren Verlauf des Korans zur paradiesischen Vorstellung zudem bildlich:

„Ihnen (den Gläubigen) werden aufwarten Jünglinge, die nicht altern mit Bechern und Krügen und Trinkgefäßen gefüllt aus einem fließenden Born. […] Und holdselige Mädchen mit großen herrlichen Augen, gleich verborgenen Perlen, als Belohnung für das, was sie zu tun pflegten.“

Der letzte Abschnitt des Koranverses bezieht sich dabei auf den Dschihad, auf den im folgenden Kapitel noch ausführlicher einzugehen sein wird. Andere, im heutigen Konflikt zwischen Israel und seinen Nachbarn gern angeführte Vorwürfe gegen Juden sind u.a. der, der Kriegstreiberei und der, des Wucherns.

Ersterer findet sich in Sure 5:69, wo es heißt:

„Sooft sie anzünden ein Feuer zum Krieg, wird es Allah verlöschen.“

Weiterhin werden sie kurz zuvor mit einer ebenfalls aktuellen Schmähung bedacht. In Sure 5:65 werden sie mit Affen und Schweinen gleichgesetzt.

Zusammenfassend kann anhand der oben genannten Koranpassagen festgehalten werden, daß die antijüdischen Aussagen, die in ihm zu finden sind, bei entsprechender Betonung durchaus antisemitischen Unterton enthalten. Die dauerhafte Hetze auf die Juden, die dort als vertragsbrüchige Ungläubige zu Feinden stilisiert werden, ist schlichtweg als verheerend zu bezeichnen. Ein im Grunde subjektiver, zeitlich und örtlich begrenzter Bericht, über einen, mit einem winzigen Teil des Judentums stattgefundener Konflikt, bekam so einen vom Kontext losgelösten Charakter und fungiert somit als „immer gültige Offenbarung über die Feinde Gottes“. Er liefert zusätzlich ideologisch den religiösen Hintergrund für die kämpferische Auseinandersetzung im Palästinakonflikt, leben doch in Israel diese dort ausgemachten Feinde in unmittelbarer Nähe auf einem Boden, auf welchen von Alters her eigene Ansprüche erhoben  werden.

Neben den oben genannten, zahlreichen Vorwürfen enthält der Koran jedoch auch die ausdrückliche Einräumung eines Dhimmi („Schutzbefohlene“) genannten Sonderstatus, zu denen Juden und Christen zählen. Er gilt für die Angehörigen der monotheistischen Religionen mit entsprechenden Offenbarungsschriften (Juden und Christen), welche im Islam „Schriftbesitzer“ oder auch „Leute des Buches“ genannt werden. Während gänzlich Ungläubige und Polytheisten mittels des Dschihad bekämpft werden sollten, wurden die Dhimmis unter Erhebung einer gesonderten Steuer im Kreis der Muslime geduldet. Sie durften eingeschränkt ihre Religion ausüben und auch Eigentum erwerben. Sie waren frei in der Wahl ihres Wohnortes und der beruflichen Tätigkeit, mussten allerdings in einigen Regionen bestimmte Kleidung tragen, die sie als Andersgläubige zu erkennen gab. Dieses Beispiel macht deutlich, dass es regional oft unterschiedliche Auslegungen des Status der „Schriftbesitzer“ gab. Waffenbesitz war ihnen aber generell untersagt, was den Juden eine explizite Zuschreibung von Feigheit unter den Muslimen einbrachte. Wie mit dem Besitz von Waffen, verhielt es sich auch mit dem von Pferden. Zudem durften sie keine neuen Gotteshäuser bauen.

Dhimmis dürfen (bis zum heutigen Tage) die heiligen Städte Medina und Mekka nicht betreten. Männliche Dhimmis dürfen keine Muslimin heiraten – umgekehrt jedoch ist es möglich (die geheirateten weibliche Dhimmis wurden bis heute stets zwangsislamisiert) Eine Zeugenaussage eines Dhimmis gegenüber einem Muslimen hat vor Gericht keinen Wert.

Ein besonders groteskes Beispiel fiel Napoleon auf: Bei seinem Ägypten-Feldzug bemerkte er Männer, die verkehrt herum auf ihren Pferden saßen. Auf seine Nachfrage, was dies für eine merkwürdige Sitte sei, erfuhr er, dass dies die in Ägypten vorgeschriebene Reiterhaltung für Ungläubige (Dhimmis) sei.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass den Juden eine gewisse, wenngleich auch diskriminierende Toleranz entgegengebracht wurde, die aber eher dem „Bürger zweiter Klasse“ innerhalb der Gesellschaft im Verbreitungsraum des Islam gleichkam.

„Juden […] genossen als monotheistische Buchreligion Toleranz und verbürgte Rechte in der vom Islam vorgeschriebenen Form, während sie gleichzeitig als minderwertig und verächtlich galten.“

So fassen Thomas von der Osten – Sacken und Thomas Uwer in ihrem Aufsatz über den „Arabischen Antisemitismus“ den Status der Dhimmi besonders treffend zusammen. Ein Umstand, der sich fast zwangsläufig aus der Selbstlegitimation, die sich der Koran gibt, erklären läßt und keine anderen Glaubensrichtungen neben sich duldet. „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen entstand.“ Nun die Einzigartigkeit dieser Toleranz übermäßig zu betonen, wäre zwar verfehlt, sie allerdings im Rahmen ihrer Zeit im Gegensatz zu der des Christentums betrachtet als geradezu fortschrittlich zu bezeichnen, durchaus legitim.

Sehen wir das Ganze mal so: Der Koran bietet judenfeindlichen Kräften eindeutig eine Grundlage, über Details lässt sich streiten.So lässt sich der Koran durchaus in verschiedene Zeiten aufteilen, in der auch unterschiedliche Aussagen gemacht wurden. Welche gelten dann heute? Und da ist es wohl so, dass die späteren Aussagen die Früheren überstimmen.

Viele Moslems lesen den Koran nicht selber oder nur in Teilen. Sie überlassen die Interpretation ihren Imamen.

Und mitentscheidend ist doch auch:

  1. Wie interpretieren, wie leben die heutigen Moslems den Koran?
  2. Dient der Koran als Grundlage und Rechtfertigung für jede Art von „Krieg“ gegen Juden?
  3. Interpretieren auch hohe Geistliche den Koran so, dass der „Krieg“ gegen Juden gerechtfertigt wird?
  4. Steht eine große Masse von Moslems auf, wenn andere Moslems den Koran angeblich missbrauchen?

Die Antworten auf die Fragen 2-4 lauten: Ja – Ja – Nein.

UPDATE:

Bei den Suren handelt es sich um sog. „Verbalinspirationen“ – also um wortwörtliche Einflüsterungen Allahs, des „einzigen und wahren Gottes“. Für die strenggläubigen saudischen Wahabbiten spricht Allah die Sprache des Koran, arabisch also. Folgerichtig muss Allah Araber und die arabische Nation das auserwählte Volk Gottes sein.

Jede Kritik an auch nur einem Wort des Koran, und mag es noch so unbedeutend erscheinen, wird noch heute als Gotteslästerung in den meisten muslimischen Staaten bestraft, in Saudi-Arabien etwa gar mit der Todesstrafe. Im Prinzip darf der Koran auch heute nicht in andere Sprachen übersetzt werden, da eine solche Übersetzung allein schon die arabische Sprache Allahs verfälsche und eine Interpretation des arabischen Ursprungstextes beinhalte. Weltweit mussten und müssen die Koranschüler den Koran daher in seiner Ursprungssprache lerne. Meist verstehen sie davon nicht mehr als eine phonetische Lautfolge einer fremden Sprache. Die Übersetzung und Interpretation der koranischen Inhalte war jahrhundertelang ausschließlich Korangelehrten vorbehalten. Die Gläubigen hatten kritiklos das zu glauben, was ihnen vorgetragen wurde. Die interpretatorische und theologische Machtstellung der Imame und Ajatollahs war und ist bis zum heutigen Tage unumstritten.

Eine Adaption der Inhalte des Koran an die sich verändernden Zeiten hat es nie gegeben. Und genau hier liegt das Problem:
Denn an mehr als 200 (!) Stellen ruft der Koran zur Verfolgung, ja zum Mord an „Ungläubigen“ auf. Das ist einzigartig innerhalb der Weltreligionen und ohne Frage eine der Hauptursachen für den weltweiten islamistischen Terrorismus. Gewiss, es gibt auch Verse aus der mekkanischen Ära Mohammeds, in welcher er versucht hat, mit relativ friedlichen Mitteln die schon lange vor der Entstehung des Islam im Vorderen Orient lebenden Juden und Christen für seine neue Religion einzunehmen.

Doch nach seiner Vertreibung nach Medina durch eben jene Christen und Juden (622) änderte Mohammed radikal seine Strategie gegenüber den „Ungläubigen“, wie der muslimische Sammelbegriff gegenüber allen Nicht-Muslimen bis auf den heutigen Tag lautet. Wer nicht zum Islam übertrat, wurde verfolgt, getötet oder versklavt. Ein besonders brutales Vorgehen zeigte Mohammed dabei im Jahre 627 n.Chr. gegenüber dem jüdischen Stamm der Quraiza (Banu Kureiza): in seinem Bestreben, Medina „judenrein“ zu machen, ließ er 700 Männer dieses jüdischen Stammes (andere Quellen berichten von über 1.000 Männern) enthaupten und deren Frauen und Kinder versklaven. Es wird berichtet, dass Mohammed bei diesem Massaker selbst aktiv teilgenommen haben soll.

Islamischer Antisemitismus – Ursprünge und Entwicklungen in der islamischen Welt und in Europa

Matthias Küntzel schreibt über einen Zusammenhang, der von vielen in der heutigen Zeit immer noch abgelehnt wird. Es geht um den Zusammenhang von Antisemitismus im Islam und dem Nationalsozialismus.

Vielen denken Folgendes;

  • Es gibt im Islam keinen ausgeprägten Antisemitismus, nur eine normale Abneigung unter benachbarten Völkern.
  • Das Verhalten im Islam, das man vielleicht als antisemitisch bezeichnen könnte, ist eher der Tradition und dem Brauchtum geschuldet.
  • Der wirkliche Antisemitismus hat in Europa und in Deutschland stattgefunden – ist also rein  europäischer Prägung. Auf jeden Fall hat er nichts mit dem Islam zu tun.

Und so wird das Verhalten arabischer/islamischer Menschen/Staaten etc. eher wegerklärt und verharmlost als es als das zu sehen, was es wirklich ist. Interessant ist ja in dem Zusammenhang, dass die Leute, die die o.g. Behauptungen aufstellen weder über den Antisemitismus in der arabischen Welt (Scheich Yusuf al-Qaradawi als ein lebendes Beispiel) als noch über die geschichtlichen Zusammenhänge (z.B. Amin el-Husseini, der Mufti von Jerusalem) wirklich informiert sind. Sie scheinen das eher „aus dem Bauch“ heraus zusagen. Nun – die Fakten sprechen eine andere Sprache.

Lassen wir Matthias Küntzel zu Wort kommen (vom 17. September 2008):

Als ich vor gut einem Jahr an der Universität von Leeds in Großbritannien einen Vortrag zum Thema „Islamischer Antisemitismus“ halten sollte, wurde diese Themenwahl in der Email eines muslimischen Studenten als ein „offener rassistischer Angriff“ ausgelegt. Wie könne ich es wagen, schrieb er, von einem islamischen Antisemitismus zu sprechen, wo doch die Muslime selbst Semiten seien. Ich würde mich für diese Beleidigung vor der Gesamtheit der Muslime zu entschuldigen haben. In einer zweiten Email an die Leitung der Universität behauptete eine Studentin, sie fühle sich durch diese Vortragsankündigung nicht nur beleidigt, sondern auch in ihrer persönlichen Sicherheit auf dem Campus bedroht. Weil aber die Universitätsleitung in Leeds aufgrund dieser beiden Briefe die Sicherheit der Veranstaltungsteilnehmer in Gefahr sah, wurde meine Veranstaltung über „Islamischen Antisemitismus“ in letzter Minute abgesagt.

Ähnliche Vorkommnisse sind mir von Universitätsveranstaltungen zum Thema „Christlicher Antijudaismus“ nicht bekannt. Doch genau so, wie der christliche Antijudaismus mit dem Christentum nur partiell und mit der Gesamtheit der Christen gar nichts zu tun hat, so hat auch der Begriff „Islamischer Antisemitismus“ mit dem Islam partiell und mit der Gesamtheit der Muslime nichts zu tun. Dies Wort kennzeichnet eine spezifische Ideologie, die ein Teil der Muslime sich zu eigen gemacht hat, während ein anderer – bislang eher kleiner – Teil der Muslime sie bekämpft. Im islamischen Antisemitismus, und dies unterscheidet ihn von allen anderen Formen der Judenfeindschaft, wird der religiöse Antijudaismus des Frühislam mit dem europäischen Antisemitismus der Moderne kombiniert.

Zum Frühislam: Der Koran enthält durchaus Verse, die „die Kinder Israels“ loben, ja sogar Verse, die als eine Legitimation des Staates Israels gelesen werden können. Doch die Anzahl der judenfeindlichen Aussagen überwiegt.

„Wegen der Sünde der Juden und weil sie Wucher nahmen, wiewohl er ihnen verboten war, haben wir ihnen gute Dinge verwehrt, die ihnen erlaubt waren,“,

heißt es beispielsweise in Sure 4, Vers160.

„Und sie betreiben auf Erden Verderben“,

heißt es in 5/64.

„Und verwandelt hat er einige von ihnen zu Affen und Schweinen“,

heißt es in 5/60, während es in dem berühmtesten jener Verse, dem Vers 5/82 heißt:

„Wahrlich, du wirst finden, dass unter allen Menschen die Juden … den Gläubigen am meisten Feind sind.“

Der tunesische Philosoph Mezri Haddad, selbst ein Moslem, bezeichnet diese Verse als „antisemitischen Müll“ und fordert, da man den Koran hiervon nicht befreien kann, die islamischen Denker dazu auf, jene Verse mit „intellektueller Kühnheit“ und „hermeneutischer Vernunft“ neu zu interpretieren.

Die Widersprüchlichkeit des Judenbildes im Koran – mal pro-jüdisch, mal anti-jüdisch – hat mit den überlieferten Lebenserfahrungen Mohammeds zu tun. Während Mohammed die Juden am Anfang seiner Laufbahn noch für die Kronzeugen Gottes hielt, galten diese ihm später, nachdem sie sich seinen Vereinnahmungsversuchen entzogen hatten, als die schlimmsten Feinde: Zwei jüdische Stämme wurden auf sein Geheiß aus Medina vertrieben, an dem dritten und letzten Stamm aber wurde ein blutiges Exempel statuiert: Mohammed ließe an einem einzigen Tag des Jahres 627 alle Männer dieses Stammes – es sollen zwischen 600 und 900 gewesen sein – köpfen und deren Frauen und Kinder in die Sklaverei verkaufen. Doch das eigentliche intellektuelle Verhängnis fand eine Generation später statt: Jetzt wurde lange nach Mohammeds Tod der koranische Bericht, der extrem raumgebunden wie auch zeitgebunden ist, aus seinem historischen Kontext gelöst und zur einzig wahren und überzeitlich gültigen Offenbarung über die Feinde Gottes erklärt. Damit wurde der Antijudaismus ein fester Bestandteil der neuen Religion.

Mohammed hatte mit den Juden von Medina leichtes Spiel. Deshalb war das Judenbild im mittelalterlichen Islam nicht von Furcht vor Juden oder von Neid bestimmt, sondern hauptsächlich von Verachtung: Sie standen nicht über, sondern weit unter den Muslimen.

Der europäische Antisemitismus baut hingegen auf dem Christentum auf. Hier hat nicht der Prophet die Juden getötet, sondern die Juden den Propheten. Aufgrund dieser Legende – „sie“ sollen in der Lage gewesen sein, Gottes einzigen Sohn zu töten! – wurden sie im Christentum nicht als „Looser-Gruppe“ verlacht, sondern als dunkle und übermächtige Instanz gefürchtet. Deshalb waren es gerade sie, die man im Mittelalter für die Pest – Stichwort: Brunnenvergifter – und in der Neuzeit für den „Kasino-Kapitalismus“ und das spekulative Kapital, für Münteferings „Heuschrecken“ also, verantwortlich machte. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dieser europäische Antisemitismus durch christliche Missionare, Kaufleute oder Botschaftsangehörige auch in den Orient gebracht. Dort fand er unter den Muslimen jedoch so gut wie keine Resonanz und stieß zuweilen, etwa im osmanischen Parlament, gar auf Widerstand. Dort wollten zum Beispiel Abgeordnete verhindern, dass „der Antisemitismus in die Türkei gebracht“ wird.

Es dauerte einige Jahrzehnte, bis sich der frühislamischen Judenhass mit der antisemitischen Weltverschwörungstheorie verband. Erst zwischen 1937 und 1945 wurde diese Fusion besiegelt und die Ideologie des islamischen Antisemitismus massenhaft verankert. Das entscheidende Instrument hierfür war die nationalsozialistische Propaganda in der islamischen Welt.

Diese Propaganda war – und dies ist keineswegs selbstverständlich – religiös orientiert. Der Nationalsozialismus öffnete sich für bestimmte Aspekte des Islam. Er baute hierbei auf ein Spezifikum der deutschen Politik im I. Weltkrieg auf. Schon damals wurde hemmungslos die in der islamischen Welt kaum noch virulente Dschihad-Idee wiederbelebt und in den Dienst der deutschen Weltkriegsinteressen gestellt. Mit Hunderttausenden von Flugblättern auf arabisch, persisch und türkisch und mehreren Millionen Reichsmark suchte das Kaiserreich die islamischen Massen in den von Frankreich, Russland und Großbritannien kontrollierten Gebieten aufzustacheln. Zweiwöchentlich wurde damals von Berlin aus die Zeitschrift „al-Jihad“ in verschiedenen Sprachen in die islamischen Gebiete geschickt.

An diese deutsche Islam-Propaganda knüpften die Nazis 1937 an, wobei nunmehr nicht länger der Antiimperialismus, sondern der Antisemitismus im Zentrum der deutschen Überzeugungsarbeit stand. Es war jetzt aber ein Antisemitismus besonderer Art, welcher den antijüdischen Kampf Mohammeds aus dem siebten Jahrhundert mit der vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung des 20. Jahrhunderts unmittelbar verknüpfte.

Den Auftakt machte das 31-seitige Pamphlet „Islam-Judentum. Aufruf des Großmufti an die islamische Welt im Jahre 1937.“ Es wurde mit deutscher Hilfe erstellt, 1937 erstmals auf der Konferenz von Bludan verbreitet und anschließend in der ganzen arabischen Welt wie auch unter den bosnischen Teilnehmern der muslimischen SS-Division verteilt.

„Der Kampf zwischen Juden und Islam begann, als Mohammed von Mekka nach Medina floh. … damals waren die jüdischen Methoden schon die gleichen wie heute. Ihre Waffe war wie immer die Verleumdung. … Wenn die Juden Mohammed so verraten konnten, wie werden sie die Muslime dann heute verraten. … Die Verse aus dem Koran und Hadith beweisen euch, dass die Juden die bittersten Gegner des Islams gewesen sind und noch weiter versuchen, denselben zu vernichten.“

Zwischen 1939 und 1945 strahlte darüber hinaus der Kurzwellensender Radio Zeesen allabendlich seine Programme auf arabisch, türkisch und persisch aus – ein Medium, das auch die analphabetischen Massen in den Teehäusern, Basaren und auf öffentlichen Plätzen erreichte. Auch hier wurden Araber nicht als Araber, sondern als Muslime angesprochen: Die Sendungen begannen mit der Rezitation von Koransuren und der Antijudaismus des Frühislam wurde in die Sprache des Antisemitismus übersetzt. Je näher die Niederlage des Nationalsozialismus rückte, desto leidenschaftlicher wurde dieser islamische Antisemitismus entfacht – Josef Goebbels zufolge waren 1943 etwa 70-80 Prozent der orientalischen Wortbeiträge von Radio Zeesen antijüdisch orientiert. Zu den allabendlichen eifrigen Zuhörern dieses Senders gehörte damals übrigens ein Mann, der später eine bemerkenswerte Karriere machen sollte: Ruhollah Khomeini.

Im April 1945 wurde Radio Zeesen stillgelegt – doch der Antisemitismus wirkte im Nahen und Mittleren Osten weiter nach. Vorübergehend veränderte er seine Gestalt: Gambal Abdel Nasser, der zwischen 1954 und 1967 die Muslimbruderschaft blutig unterdrückte und den Nationalismus predigte, propagierte einen Antisemitismus der europäischen Art: Er verbreitete die Protokolle der Weisen von Zion ohne religiösen Pomp. Nach der Niederlage im 6-Tagekrieg von 1967 wurde der Antisemitismus jedoch erneut in einen religiösen Kontext gestellt. Jetzt wurde die islamische Welt mit dem wichtigsten Pamphlet des islamischen Antisemitismus, Sayyid Qutbs „Unser Kampf gegen die Juden“ geradezu überschwemmt. Dieser Text ist in erster Linie ein religiöses Traktat, das die Juden beschuldigt, die Muslime „von Allahs Weg abbringen zu wollen“. 1979 wurde mit der iranischen Revolution gleichzeitig der Al-Quds-Tag als eine Art Jahresfeier des islamischen Antisemitismus eingeführt und zehn Jahre später mit der Charta der Hamas das bis heute wohl wichtigste Manifest des Islamismus kreiert.

In dieser [Hamas-]Charta werden Juden – quasi im selben Atemzug als armselige Feiglinge, die sich hinter Steinen und Bäumen verstecken u n d als heimliche Herrscher der Welt portraitiert.

Die Juden, lesen wir einerseits in Artikel 22,

„standen hinter der Französischen Revolution und der kommunistischen Revolution … sie standen hinter dem Ersten Weltkrieg … und sie standen hinter dem Zweiten Weltkrieg … Es gibt keinen Krieg in der Welt, bei dem sie nicht ihre Finger mit im Spiel haben.“

Andrerseits wird zustimmend und gezielt der wohl niederträchtigste aller antijüdischen Hadithe aus der Frühzeit des Islam zitiert, ein Hadith, den ich vorlesen und anschließend interpretieren will.

„Der jüngste Tag wird nicht kommen“ heißt es hier, „bevor nicht die Muslime gegen die Juden kämpfen und sie töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Und jeder Baum und Stein wird sagen: ,Oh Muslim, oh Diener Gottes, da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn.“

Die Juden verhalten sich in dieser Geschichte menschlich. Sie verstecken sich und zittern vielleicht vor Angst. Die Muslime aber sollen kein Mitleid verspüren. Die hier vor Angst um ihr Leben zittern, sollen einer nach dem anderen verraten werden, damit man sie ebenfalls töten kann. Doch nicht nur die Muslime, sondern das ganze Universum – die Steine und die Bäume, sprich: die tote Natur und die lebendige Natur – ist den Juden feindlich gesonnen und will ihren Tod. Selbst der Himmel schließt sich an: Nur ihr Tod führt zur Auferstehung und zum Paradies. Diese grauenvolle Anweisung ist – so die Überlieferung – aber nicht von irgendjemandem, sondern vom Propheten Mohammed persönlich ergangen.

Vor 1937 war dieser Hadith seit Generationen in Vergessenheit geraten. Wie mir einer der bedeutendsten israelischen Arabisten, Yehoshua Porath erklärte, tauchte er im 19. und anfänglichen 20. Jahrhundert im arabischen Schrifttum nicht auf. Erst in dem Pamphlet des Mufti von 1937 – Islam und Judentum – wird er in einem neuzeitlichen Kontext erstmals wieder zitiert. Die Hamas pickte sich 1988 aus dem Gesamtangebot islamischer antijüdischer Texte gerade diese Passage heraus. Heute gehört dieser genozidale Vers zu den bekanntesten Hadithen überhaupt.

Es ist aber gerade diese Ankoppelung an eine religiöse Mission, an Paradiesglaube und Märtyrerideologie, die den islamischen Antisemitismus so gefährlich macht. Hier wird der Judenhass der Nazis mit dem spezifischen Furor des Religionskriegs vereint.

Wir haben aber in Europa kaum noch eine Vorstellung davon, was ein Religionskrieg ist; der letzte große Religionskrieg fand vor 350 Jahren statt. Dies mag einer der Gründe sein, warum die meisten meiner deutschen Kollegen – zum Beispiel die Mitarbeiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität in Berlin – den Terminus „Islamischer Antisemitismus“ nicht verwenden.

Der Judenhass unter den Muslimen „reproduziere“ lediglich den europäischen Antisemitismus und passe ihn lediglich „an eine islamische Semanik an“.

Die Religion ist hier aber mehr als eine „semantische“ Garnierung oder als ein Transportmedium frei nach Motto „alter Wein in neuen Schläuchen“. Wir haben es nicht nur mit spezifischen Quellen – den koranischen Bezügen – zu tun, sondern auch mit dem speziellen Impetus eines „religiösen Auftrags“ und der Verheißung eines von Gott angeblich gewährten Lohns für den Judenmord. Wir sollten, wie ich meine, dieses spezifische Denkgebäude mit seinen eigenen Prinzipien und seiner eigenen Geschichte zu verstehen versuchen, d.h. ernst nehmen.

Dies gilt besonders für das heute wirkungsvollste Medium, dass der islamische Antisemitismus zur Gehirnwäsche der Muslime nutzt: Ich meine die islamistischen Fernsehkanäle so wie den Sender „Al Manar“ der Hisbollah und den Sender „al Aqsa“ der Hamas. Hier ist die von Gott gewünschte „Auslöschung der Juden“ längst zu einem Leitthema selbst des Kinderprogramms avanciert – und zwar mit wachsendem Erfolg, weil man sich moderner und beliebter Figuren – zum Beispiel einer die Juden ermorden wollenden Mickey Maus – bedient. So wird der Antisemitismus heute besonders in seiner islamischen Ausprägung globalisiert: Das Mullah-Regime will in Kürze mit einer spanischen Ausgabe von „Al-Manar“ auch die Massen in Südamerika antisemitisch verhetzen und bereitet die Entsendung eigener Satelliten in das Weltall vor.

In so gut wie allen Bekundungen des islamischen Antisemitismus tritt dessen genozidaler Charakter offen und brutal hervor. So kommt es der Hamas nicht darauf an, ob die von einer Kassam-Rakete getroffene Person 5 oder 50 Jahre alt ist, ob sie gläubig oder ungläubig ist, ob sie für Frieden oder Krieg votiert. Solange eine Jüdin oder ein Jude getötet werden, ist alles übrige egal – doch eben dies bedeutet „genozidal“.

Nehmen Sie die Stellungnahme des Hizbollah-Führers Hassan Nasrallah:

„Auch wenn wir auf der ganzen Welt nach einem Typus suchten, der in Psyche, Verstand, Ideologie und Religion noch feiger, verachtenswerter und schwächer ist, so würden wir niemanden anderen finden als den Juden. … Wenn die Juden aber alle in Israel zusammenkommen, wird uns das den Ärger ersparen, weltweit hinter ihnen hersein zu müssen.“

Neben Sie den iranischen Präsidenten Ahmadinejad, der als Regierungschef die Vernichtung Israels mit der Befreiung der Menschheit gleichsetzt, der von „2000 organisierten Zionisten und 7-8000 Agenten der Zionisten“ spricht, die „die Welt in eine Chaos gestürzt“ hätten und der am Montag dieser Woche aus Anlass des Khomeini-Todestages erklärte:

„Geliebter Imam Khomeini. Du sagest, dass das zionistische Regime … ein Krebstumor sei, das man von der Landkarte löschen müsse. … Dank der Gnade Gottes wird dein Wunsch bald materialisiert und das korrupte Element von der Landkarte gelöscht sein.“

Es ist genau dieser genozidale Antisemitismus, der dem iranischen Atomprogramm sein singuläres Gefahrenpotential verleiht, weshalb dessen Vollendung um jeden Preis verhindert werden muss.

Ich komme damit zu meinem letzten Punkt – die Art und Weise wie hier in Deutschland die Öffentlichkeit, die akademische Welt, das Parlament und die Regierung auf die Herausforderung des islamischen Antisemitismus reagiert. Natürlich steht Deutschland in einer spezifischen Pflicht. Da ist erstens die besondere Bedeutung der Nazizeit für die Entstehung dieser Ideologie. Da ist zweitens das historische Wissen, dass Auschwitz nicht mit dem Bau der Krematorien, sondern mit der Verbreitung des Antisemitismus begann. Da ist drittens die Tatsache, dass man sich gerade in Deutschland einer besonders sorgfältigen Geschichtsaufarbeitung und einer besonders gewissenhaften Befolgung der Lehren aus der Vergangenheit rühmt. Man sollte also annehmen, dass der Antisemitismus in der Charta der Hamas und in den Aussagen eines Nasrallah oder eines Ahmadinjad wohl bekannt ist, breit diskutiert wird und den Gegenstand wirksamer politischer und ökonomischer Gegenmaßnahmen darstellt. Leider kann, wie Sie wissen, hiervon überhaupt keine Rede sein, was ich nur an einem einzigen Beispiel exemplifizieren will: Iran.

Wer die letzten 20 Jahre der deutsch-iranischen Beziehungen Revue passieren lässt, stellt fest, dass 1989 die Europäische Union sämtliche Botschafter aus Teheran für mehrere Wochen abberufen ließ, um so ihrer Empörung über den Mordaufruf des Mullah-Regimes gegen Salman Rushdie Ausdruck zu verleihen. Jahrelang blieb danach die Frankfurter Buchmesse für das Regime gesperrt.

1997 wurden erneut sämtliche EU-Botschafter aus Teheran zurückbeordert, um gegen Irans Terrorismus-Export – die vom Regime veranlasste Ermordung oppositioneller Kuren im Berliner Restaurant „Mykonos“ – ein Zeichen zu setzen. Im selben Jahr 1997 machte eine einzige israelfeindliche Äußerung des damaligen iranischen Präsidenten Rafsandjani Furore, denn der Bundestag reagierte darauf: Der iranischen Außenministers Velayati, der auf Einladung des damaligen Außenministers Klaus Kinkel nach Bonn kommen wollte, wurde per Mehrheitsbeschluss kurzerhand wieder ausgeladen.

Und heute? Was geschah nach all den antisemitischen Invektiven des iranischen Präsidenten Ahmadinejad, nach seiner Leugnung des Holocaust, nach seinen beispiellosen Ankündigungen, Israel – jene „schwarze Mikrobe“, wie er sagt – vernichten zu wollen? Seit seinem Amtsantritt vor mehr als drei Jahren hat Deutschlands Botschafter im Iran seinen Posten nicht einen einzigen Tag verlassen. Die deutsch-iranische Industrie- und Handelskammer in Teheran ließ sich in ihrem „business as usual“ nicht eine Minute stören. Keine einzige deutsche Firma hat ihre Teilnahme an einer der vielen Industrieausstellungen in Teheran abgesagt. Kein einziger iranischer Politiker wurde je ausgeladen.

„Stellt euch vor, ein neuer Genozid an Juden wird offen angekündigt und kaum jemand reagiert“ – was vor ein paar Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte, scheint heute Realität zu sein. Ahmadinejad hat den Countdown für Israels Vernichtung angezählt; fieberhaft arbeitet das Regime an der nuklearen Option. Gleichzeitig geht das Gros der Journalisten, Politiker, Zivilgesellschafter – von der Linken ganz zu schweigen! – drüber hinweg. Man hat sich mit der Ankündigung des Völkermords offenkundig arrangiert. Nicht einmal der so eklatante Widerspruch zwischen dem „Nie wieder“ und dem „Business as usual“ ist Gegenstand der Diskussion. Warum?

Ich greife nur eine der möglichen Antworten heraus, diejenige, die mir am plausibelsten erscheint: In Deutschland wird über den islamischen Antisemitismus mit seiner genozidalen Tendenz nicht diskutiert, weil man eine Sichtweise, die hauptsächlich Juden, sprich: Israel, für die Probleme dieser Erde verantwortlich macht, teilt. Statistisch ist dies mit bedrückender Eindeutigkeit belegt.

So hatten im Jahr 2003 65 Prozent der Deutschen in einer Umfrage der Europäischen Kommission erklärt, dass Israel „die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt“ sei – vor Iran, Syrien, Nord-Korea oder den USA. Im November 2006 ließ die BBC 28.000 Menschen in 27 Ländern fragen, welches Land die Weltpolitik am negativsten beeinflusse. 77 Prozent der Deutschen kreuzte auch diesmal Israel an.

Ich schlage vor, diese Umfrageergebnisse, gerade weil sie so verrückt sind, ernst zu nehmen. Israel wird von einer Mehrheit der Deutschen nicht aufgrund einer nachprüfbaren Faktenlage, sondern nach dem unsichtbaren Drehbuch der „Protokolle der Weisen von Zion“ zu einer Gefahr für den Weltfrieden und zum globalen Bösewicht stilisiert. Hier haben wir es mit einem Massenbewusstsein zu tun, das die politisch Verantwortlichen nicht weniger erst nehmen sollten, als die Bildungsmisere an deutschen Schulen. Wo aber ist der „PISA-Report“, der diesen Wahn-Zustand skandalisiert, der die Wurzeln dieses Massenbewusstseins untersucht und zügig auf Veränderungen drängt?

„Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt“, schrieb Siegmund Freund. Mit anderen Worten: Wer Israel dämonisiert, wird auch dem Antisemitismus eines Ahmadinejad oder einer Hamas gegenüber blind. Ist es aber erst einmal so weit, beginnt eine Spirale der Ignoranz:

Wer den Antisemitismus von Hisbollah und Hamas nicht wahrzunehmen vermag, ver­kennt das Motiv ihrer Angriffe auf Israel und wird dazu neigen, selbst noch Selbstmordattentate als „Verzweiflungstaten“ zu entschuldigen. Wer Israel aber für den Selbstmord- oder Raketenterror verantwortlich macht, wird mit jeder Eskalation dieses Terrors den jüdischen Staat umso mehr verurteilen und somit immer tiefer in das Denkgebäude des Antisemitismus hineingezogen werden, was die Chance, den Antisemitismus als das eigentlich eskalierende Moment zu identifizieren, weiter reduziert und so weiter und so fort.

Der antisemitische Hass auf Israel, der eine Schnittmenge zwischen Ahmadinejads Weltanschauung und dem auch in Deutschland verbreiteten Massenbewusstsein markiert (und den man sehr wohl von der alltäglichen Kritik an irgendeinem Regierungshandeln unterscheiden kann) – dieser antisemitische Hass auf Israel müsste im Zentrum der Abwehr gegen den islamischen Antisemitismus stehen.

Was wir aber in den letzten Wochen – rings um den Broder vs. Evelyn Hecht-Galinski-Prozess – erlebten, war das genaue Gegenteil.

Nicht der antisemitische Israelhass sondern die Kritik daran stand plötzlich unter Beschuss. In einer Zeit, in der keine größere Gefahr existiert als die, die der islamische Antisemitismus in Gestalt seiner iranischer Träger heraufbeschwört, wird die Kritik des Antisemitismus als „moralischer Totschlag“, als „verbale Aggression“ und als Versuch der Einschüchterung – so der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen, denunziert. In der „Tageszeitung“ beklagte sich Michal Bodemann über diejenigen, die noch „unter jedem Stein nach Antisemiten suchen“.

Vor allem in Deutschland“ verriet er seinen Leserinnen und Lesern, könne „der Antisemitismus-Vorwurf tödlich sein.“

Matthias Küntzel, geb. 1955, ist Politikwissenschaftler und Publizist und seit 1992 als Politiklehrer an einer Hamburger Gewerbeschule teilzeitbeschäftigt.

via http://www.matthiaskuentzel.de

Scheich Yusuf al-Qaradawi

… ist ein in Qatar lebender islamischer Rechtsgelehrter, Mitglied und Vordenker der ägyptischen Muslimbruderschaft und Publizist ägyptischer Herkunft. Seine religiösen Kommentare erhalten durch Sendungen im arabischen Fernsehsender Al Jazeera eine große Reichweite und Resonanz in der arabisch-islamischen Welt.

Al-Qaradawi kann als eine der obersten zeitgenössischen Autoritäten im sunnitischen Islam betrachtet werden und gilt bei Muslimen in vielen Ländern als wichtige moralische Instanz, obwohl er unter anderem Selbstmordattentate gegen Nicht-Muslime unterstützt und Juden als die Feinde Allahs bezeichnet.

Qaradawi besuchte in mehreren Deutschlandaufenthalten die islamistische Organisation Milli Görüş. In den USA hat er seit 1999 Einreiseverbot. Sein Buch „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“, in dem er u. a. die körperliche Züchtigung von Ehefrauen bei notorischem Ungehorsam und die Todesstrafe bei „Unzucht“, Homosexualität und „Abfall vom Glauben“ rechtfertigt, wird bis heute in Deutschland teilweise über Moscheevereine und islamische Buchhandlungen vertrieben.

Qaradawi billigt Selbstmordattentate als erlaubten Märtyrertod und sieht in ihnen in einem solchen Fall nicht den im Islam streng verbotenen Suizid. Er hat in zahlreichen Interviews und Fernsehsendungen seine Ansicht verbreitet, dass Selbstmordattentate in Israel islamisch gerechtfertigt seien. Qaradawi erklärt dabei sowohl Frauen und Kinder für nicht schützenswert, da die ganze israelische Gesellschaft militarisiert sei, genau so wenig wie deren Eigentum: Es ist durch islamisches Recht festgelegt, dass Blut und Gut der Menschen des Dar al-Harb nicht geschützt sind. Denn sie kämpfen gegen die Muslime und sind ihnen feindlich gesinnt, sie haben den Schutz ihres Blutes und Gutes verwirkt.

Netter Zeitgenosse, oder? Hier noch ein Video (von Januar 2009), in dem er seinen dringlichen Wunsch Ausdruck gibt, ein paar Juden zu töten, bevor er stirbt. Er wird in westlichen Medien auch schon mal als moderat bezeichnet. Wenn der moderat ist, wie sind dann die nicht Moderaten???